﻿44
DAS GLOBULIN DER MUSKELFASERN.
schener Muskelfasern in Chlorwasserstoffsäure l°/00. wobei Liebig erwähnt, dass der gelüste Körper zwischen Blutfibrin und Albumin (d. h. Seroglobin—p. n. 91 MA» 48— 60 und folgend.) die Mitte hält. Näheres darüber teilt er im folgenden Jahre, (1850, 34 p. 125) mit. Frisches feingeschnittenes und gut ausgewaschenes Fleisch von Säugetieren wurde mit Salzsäure l°/00 verrieben; die erhaltene Lösung gab nach der Filtration und der Neutralisation mit einem Alkali geleeartige Niederschläge, welche sich in einem Ueberschuss des zur Neutralisation gebrauchten Alkali auflösten. Chlornatrium und Lösungen anderer Salze erzeugen in der beschrieben Lösung einen Niederschlag, der in einem Ueberschuss von Wasser löslich ist. Der Neutralisationsniederschlag, den Liebig „Fibrin der Muskelfaser oder Fleischfibrin“ nennt, ist in Kalkwasser löslich; beim Erwärmen aber scheidet die Lösung den Niederschlag wieder aus. Der mit M asser gekochte Neutralisationsniederschlag ist in Kalkwasser nicht mehr löslich. Unter anderem bemerkt Liebig, dass Hübnerfleisch und Rindfleisch in Chlorwasserstoffsäure 0,1 °/0 sich fast ohne Kückstand lösen, während Schaffleisch und besonders Kalbfleisch einen bedeutenden Rückstand zurücklassen.
Später fand Lehmann (1853, 32 p. 73) jedoch nicht, dass zerschnittenes und -	5 Tage gut, bis zu völliger Entfernung der löslichen Protei'nkörper ausgewa-
schenes Schweinefleisch in 6%-iger Salpeterlösung löslich sei. Jetzt lässt dieser Umstand ^ sich leicht durch die Einwirkung des Wassers, welches das Globulin in den unlöslichen Zustand überführt, erklären (s. Kap. XI—Wirkung des Wassers auf das Globulin). In dem oben Angeführten finden wir keinen W iderspruch mit Liebig s Ansicht; bei Lehmann finden wir aber auch directe Bestätigungen von Liebig’s Angaben. Der Neutralisationsniederschlag aus der sauren Lösung von Muskelfleisch quillt in nicht sehr concentrirter Kaliumcarbonatlösung nur auf. während die Auflösung erst beim Zusatz einer genügenden Menge Wasser (31 p. 345) vor sich geht. Zur Gewinnung von Muskelfibrin empfiehlt Lehmann dasselbe Liebig’sche Ver-fahren, indem er besonders darauf besteht, dass das Waschen bis zur Entfernung der wasserlöslichen Proteünkörper fortgesetzt werden muss. Lehmann findet Muskelfibrin in allen quergestreiften, auch in den glatten Muskeln, endlich auch in allen con-tractilen Geweben, wo Kölliker’s contractile Zellen angetroffen werden, z. B. in der mittleren Membran der Arterien und in der Milz. Dem Gesagten gemäss schlägt Lehmann vor. zum Unterschied von dem Blutfibrin, die Substanz, welche den Hauptbestandteil aller contra etil en Gewebe bildet— hauptsächlich im Hinblick auf die Fähigkeit diese r G e w e be sich „zu spannen, zusammenzuziehe nu—„S yntonin“ 2) (31p- 346) zu nennen! In Frankreich erhielt Anfang der 50-iger Jahre das ,,Muskelfibrin oder Syntonin“ die Benennung ^ „m usculine“, eine Benennung, die. soviel mir bekannt ist, von Robin & \erdeil im Jahre 1853 (48 p. 361) eingeführt wurde, obgleich Denis behauptete (9p. 216), Liebig hätte so das Muskelfibrin genannt3).
*)......„das Fibrin des Muskelfleisches hin-
gegen wird, wie das Fibrin des venösen Blutes, unter denselben Umständen aufgelöst und in Albumin übergeführt“ (33 p. 881).
:)	Verwendung dieser Substanz ergiebt
sich aus ihrem Vorkommen ganz von selbst; sie ist der Hauptbestandtheil und die wesentlichste
Grundlage aller contractilen Gewebe........ Da
diese Materie sich vom Blutfibrin wesentlich unterscheidet und nicht blos in den eigentlichen Muskeln vorkommt, sondern allen contractilen
Geweben eigenthümlick ist, so schien uns zur Unterscheidung vom gewöhnlichen Fibrin der Name Syntonin (von ouvteiveiv, stark ausspannen, um etwas zusammenzuziehen) nicht ganz unpassend“ (31p. 346).
„M. Liebig a démontré (Comptes rend, et Mémoires de la Société de Biologie. Paris. 1849, p. 11) qu’elle constitue une substance différente. Aussi pour la distinguer de toute autre, l’a-t-il appelée m u s c u 1 i n e“ (9 p. 216).