﻿DAS GLOBULIN DEE MUSKELFASERN.
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In der von Denis erwähnten Mitteilung von Liebig (35 p. 11) ist jedoch ein solcher Ausdruck nicht vorhanden. Bei Denis finden wir (1850, 9 p. 215) aber interessante Angaben, die einerseits die Löslichkeit der Muskeln in Salzlösungen bestätigen, andererseits Grund zur Behauptung geben, dass wir es hier mit Globulin zu tliun haben; deshalb erlauben wir uns auch, hierselbst vorzuschlagen das Globulin der Muskeln „Myoglobin“ zu nennen. Wie Lehmann, findet auch Denis (ib. p. 215), dass das Myoglobin nicht ausschliesslich den Muskeln angehört, sondern dass eine solche Substanz auch aus den Lungen, Nieren und aus pro-temlialtigen Geweben überhaupt (ib. p. 216) erhalten werde. Auf dieselbe Weise—durch Extrahiren mit Salzsäure—erhielt Denis es auch aus dem Gehirn (ib. p. 217). Aus ser Extrahiren mit Säure behandelte Denis Muskeln auch mit Kochsalzlösung und zwar auf folgende Weise: das von Fett und Bindegewebe gereinigte feingehackte Fleisch (unter anderem Brustmuskeln des Huhnes) wurde in Wasser, welches man stündlich wechselte, während eines ganzen Tages gewaschen und erst dann der Einwirkung von Salzlösungen à 10% (au tiers), 8% (au dixième) und 1,2% ausgesetzt *). In der 10%-igen Lösung verwandelte sich das Fleisch in eine kleisterähnliche Masse, wobei es aber weder klebrig war, noch wie Gallerte aussah; mit Wasser bildete es gallertartige Niederschläge; in Salzwasser löste es sich, indem es Fetzen und dergl. zurtickliess (ib. p. 218). Dasselbe Verhalten wurde auch mit 3%-iger und 1,2%-iger Kochsalzlösung beobachtet. Mit Wasser werden auch hier Niederschläge erhalten, die sich in Salzlösungen wieder auflösen (ib. p. 219). Im ganzen beobachtete Denis im Musculin alle Eigenschaften der Niederschläge, die aus Lösungen von Fibrin in Salzen durch Verdünnung mit Wasser erhalten werden, sowie die Eigenschaften aus Serum und Eiweiss erhaltener Niederschläge (9 p. 217), d. h. im allgemeinen diejenigen eines Körpers, der gegenwärtig als Globulin anerkannt wird. Zu denselben Resultaten gelangte in seinen Arbeiten auch Kühne (1864, 27 p. 334; 26 p. 769). Mit 1%-iger ' (27 p. 4) oder 0,5%-iger (29 p. 384) Chlornatriumlösung durch die Gefässe ausgewaschene Froschmuskeln wurden bei—7° bis—10° gefrieren gelassen. In der Kälte wurden dieselben auch zerschnitten und in Mörsen zu einem schneeähnlichen Pulver verrieben, welches schon bei 3° C. in eine dicke trübe Flüssigkeit sich verwandelte; mittels Filtration durch Leinwand befreite man diese Flüssigkeit von den Bindegewebs- und Muskelfetzen. Ein jeder Tropfen der Flüssigkeit, der bei Zimmertemperatur auf eine Porzellanplatte fällt, gerinnt augenblicklich; aus den in auf 0° abgekühltes Wasser fallenden bilden sich undurchsichtige Kügelchen; in 0,1%-ige Chlorwasserstoffsäure gefallene bilden zwar auch Kügelchen, lösen sich aber auf, sobald die Flüssigkeit in Bewegung kommt; letzteres wird auch in Bezug auf 0,1%-ige Aetzkalilösung (27 p. 4) beobachtet. Es hält jedoch schwer, eine zur Untersuchung genügende Menge der filtrirten Flüssigkeit zu erhalten (ib. p. 5); deshalb empfiehlt Kühne, das Muskelfieisch mit gepulvertem Kochsalz in der Kälte zu verreiben, mit Wasser bis zu 1% Kochsalz-gehalt zu verdünnen und bei 3° zu filtriren (ib. p. 6). Die Flüssigkeit gerinnt in der Wärme, wird auch von Wasser und concentrirter Chlornatriumlösung gefällt (ib. p. 7). Diese Coagulate (Muskelcoagulat, Myosin, ib. p. 22) lösen sich in Lösungen neutraler Salze und auch in Chlornatrium- und Salpeterlösungen von jeglicher Concentration auf; teilweise lösen sich die Niederschläge auch in 1%-iger Chlornatriumlösung, aus welcher das Myosin bei längerem Stehen oder bei Verdünnung mit Wasser sich wieder ausscheidet. Besser löst sich dieses in 10%-iger
*) Die Bedeutung dieser Ausdrücke: „l’eau sak'e au tiers, au dixième, au vingtième...“ s. Denis 10 p. 11.