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DAS GLOBULIN DER MUSKELFASERN.
Chlornatriumlösung auf, fällt aber beim Stehen spontan nicht Mieder aus (ib. p. 9). Kühne schlägt vor, diesen Körper „Myosin“ zu nennen, und denselben ausser aus frischen Muskeln auch aus solchen, welche schon erstarrt gewesen waren, und zwar nach dem von Denis vorgeschlagenen Verfahren, d. h. durch möglichst sorgfältiges Zerkleinern der Muskeln und Extraction des Myoglobins mit 10%-iger Chlornatriumlösung zu gewinnen. Wenn einerseits Kühne das Myoglobin, so zu sagen, mit dem von Denis isolirten Albumin identificirt, so sieht er andererseits einen grossen Unterschied zwischen dem Myosin und dem genannten, aber von Liebig durch Einwirkung von Salzsäure erhaltenen Körper. Lehmann beistimmend, sagt Kühne, dass der Niederschlag, der durch Neutralisation aus einer sauren Muskelfleischlösung erhalten wird, sowie auch die auf dieselbe Weise aus 0,1%-iger Salzsäurelösung von nach Kühne bereitetem Myoglobin gewonnenen Niederschläge in Salzen unlöslich (ib. p. 11) seien. Auch nur für dieses mit Salzsäure extra-hirte Präparat will Kühne die Benennung „Syntonin“ erhalten wissen, indem er dasselbe für eine unter dem Einflüsse verdünnter Salzsäure und darauffolgender Neutralisation mit einem Alkali entstandene Modification des Myosins, hält ‘). Diese unvorsichtige und von Grund aus unrichtige Erklärung der Bedeutung von Lehmanns „Syntonin“ wurde die Quelle eines traurigen Misverständnisses. welches dazu führte, dass die sauren Prote'inkörperlösungen und deren Neutralisationsniederschläge „Syntonine“ (S. Acetalbuminsaure Globulinverbindungen) benannt wurden, was weder durch historische Thatsachen noch durch die Etymologie des Wortes „Syntonin“ gerechtfertigt erscheint. In dem Sinne, wie Lehmann das „Syntonin“ verstand, fing dieser Ausdruck schon vor Kühne an in Lehrbücher aufgenom-men zu werden (22 p. 136; 18 p. 58; 19 p. 610; 16 p. 76).
Abgesehen davon, dass Lehmann’s und Kühne’s Beobachtungen über die Unlöslichkeit des durch Neutralisation einer salzsauren Myosinlösung erhaltenen Niederschlags nur einen einzelnen Fall der Unlöslichkeit dieser Niederschläge vorstellt; abgesehen davon, dass wir in dieser Hinsicht positive, Lehmann’s und Kühne’s Angaben entgegengesetzte, von Denis (9 p. 217) gelieferte Thatsachen besitzen, finden wir bei Kühne selbst, einen Hinweis darauf, dass die Niederschläge aus alkalischen Lösungen mit den Niederschlägen aus sauren Myosinlösungen, d. h. Kühne’s 2) Syntonin. identificirt werden. Ausserdem finden wir bei Kühne zum Teil auch eine Erklärung der Unlöslichkeit des durch Neutralisation einer salzsauren Lösung erhaltenen Niederschlags in neutralen Salzen, eine Erklärung, welche den allgemeinen Eigenschaften der Globuline entspricht, nämlich: je länger das Syntonin mit Wasser ausgewaschen oder der Niederschlag auf dem Filter feucht erhalten wird, desto weniger löslich wird er. Aus diesem Grunde rät Kühne die Operation möglicht zu beschleunigen 3). In allen anderen Reactionen ist das Myosin den
*) „Die Löslichkeit des Myosins in Salzlösungen ist es, welche den entscheidenden Beweis liefert, dass dasselbe durchaus nichts gemein hat mit dem Syntonin. Wird das Myosin durch Wasser ausgeschieden, so ist es immer wieder löslich in Kochsalz. Hat man den ausgeschiedenen Körper aber einmal gelöst in verdünnter Salzsäure, so kann man durch Neutralisation der Säure wohl eine Fällung erhalten, allein dieselbe ist ganz unlöslich in Salzlösungen, ist darin so unlöslich wie Syntonin“. (27 p 11).
2) (Ebenso verhält sich der Niederschlag, welchen man durch Neutralisation des in verdünnten
Alkalien gelösten Myosincoagulats erhält. Auch dieser ist ganz unlöslich in Kochsalz, löst sich aber mit Leichtigkeit in verdünnten Säuren und Alkalien auf, wiederum genau so, wie das Syntonin“ (27 p. 11).
3) „Je länger man das Syntonin auswäscht oder auch vor fauligen Zersetzungen geschützt auf dem Filter feucht erhält, desto schwerer löslich wird es, und man thut darum gut, die Operationen soviel wie möglich zu beeilen, selbst wenn man über eine vor Fäulniss schützende niedere Temperatur dauernd djsponiren kann“ (ib. p. 16).