﻿DAS GLOBULIN DER MUSKELFASERN.
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Halliburton (1887. 20 p. 138). welcher Simon’s. Marchandé und Virchow’s Ar-beiten allem Anschein nach nicht kannte und Kühne s Beispiel folgte, erhielt ganz frisches Muskelplasma von Warmbliitlern, indem er diese sogleich nach dem Verbluten mit 0.6% Chlornatriumlösung bei 5° auswusch. Nach dem Waschen wurde das Muskelfleisch schleunigst zerschnitten und in ein Gemenge von Salz und Schnee gelegt, damit das Gefrieren schnell bis zum Erstarren gehe (ib. p. 134). Has zerschnittene Muskelfleisch wurde mittels einer emaillirten Presse ausgepresst; man erhielt eine schwach alkalisch reagirende Flüssigkeit, welche schon bei gewöhnlicher Temperatur zu einem Coagulum erstarrte. Schneller aber—in 20—30 Min.— verlief der Process bei 40°. Das Coagulum löst sich (ohne aufzuquellen) sowohl in 0,2%-iger Salzsäurelösung als auch in 10%-iger Natriumchloridlösung (ib. p. 135). Bei Behandlung der Muskeln auf dieselbe Art, aber nachdem sie erstarrt sind, wird eine Flüssigkeit erhalten, welche zwar Myosin enthält, doch nicht mehr die Fähigkeit besitzt spontan zu coaguliren. Nichtsdestoweniger fand gerade Halliburton in einem Falle, dass der aussiepresste Teil eines erstarrten Muskels bei 40° gerann (ib. p. 136). Weiter bemerkte Halliburton, dass wenn gefrorene Stücke mit bis auf 0° abgekühlten 5%—10%-igen Chlornatriumlösüngen und halbgesättigter Natriumsulfatlösung verrieben werden, die rasch abfiltrirte Lösung nicht mehr spontan gerinnt, alkalisch reagirt und an Blutplasma errinnert, welches in Kochsalzlösung gesammelt wurde. Hie erwähnte saline Lösung des Muskelfleisches wird von 3—4 Vol. Wasser ausgefällt (gerinnt, nach Halliburton’s Ausdruck), besonders bei einer höheren Temperatur als die gewöhnliche (ib. p. 137—143). Hoch sowohl diese saline Lösung aus frischem Muskelfleisch als eine solche aus erstarrten Muskeln geben mit Wasser Bodensätze, welche beim Verreiben in Salzen—in 10%-iger Chlornatrium- und 5%-iger Magnesiumsulfatlösung—sich auflösen, wobei Wasser diese Lösungen wieder fällt (ib. p. 148). Unstreitig war es die Lehre von den Proteinkörpern des Blutplasma im allgemeinen und von der Gerinnung des Myosins in der Erstarrungsperiode im besondern, welche Halliburton veranlasste die Substanz, aus welcher bei dem Gerinnungsprocess das Myosin sich bilden soll, welches folglich die Bolle des Fibrins spielt, zum Vergleich mit dem Fibrinogen—Myosinogen zu nennen. Wie wir aber schon gesehen haben, weisen auch das Myosin, d. h. das in Gestalt eines Niederschlags ausgeschiedene Myoglobin sowie auch das Myosinogen oder Myoglobin, welches in der Lösung aus noch nicht erstarrten Muskeln oder in der aus gefrorenen Muskeln ausgepressten Flüssigkeit sich befindet, dieselben Lösungs- und Fällungsreactionen auf. Wenn wir hier dieser höchst hypotetisclien Meinung Halliburtöns’s, welche übrigens in der Lehre von der „Gerinnung des Globulins in den natürlich vorkommenden Flüssigkeiten“ (Kap. XVIII) nach ihrem Werte geschätzt werden wird, erwähnt haben, so bezwecken M?ir damit nur den Ursprung des Wortes Myosinogen zu erklären. Hie einzige Veranlassung eher die Existenz eines neuen Pro-te'inkörpers anzunehmen als den Uebergang eines solchen in einen andern zuzugeben war' die Gerinnungstemperatur! Indem aber Halliburton diesen Standpunkt einnahm, musste er die Existenz von 5 Proteinkörpern in dem Muskelplasma zugeben und zwar mit den Gerinnungstemperaturen: 47°—Paramyosinogen, 56°—Myosinogen, 63°—Myoglobulin, 73—Albumin und einer ungerinnbaren Albümose (ib. p. 186 und 188).
In Kap. XI. wo die Frage nach der Bedeutung der Temperatur der „Gerinnung“ betrachtet werden soll, werden wir sehen, dass die Temperatur der Fällung in keinem Falle als Unterscheidungsmerkmal für die Proteinkörper dienen kann. Nichtsdestoweniger ist es interessant schon hier, auf den Weg hinzuweisen,-,