﻿DAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER VÖGEL.
55
sich entfernt hatte. Das in Gestalt einer weissen Masse erhaltene Vitellin war in Wasser nicht löslich, löste sich aber leicht in sehr verdünnten Säuren, Alkalien, in 2%- und 10%-iger—Chlornatriumlösung; in gesättigter Kochsalzlösung, welche überdies noch ungelöste Krystalle desselben Salzes enthält, löst sich das Vitellin nicht. Bis auf 60°—65° erhitztes oder mit 40%-igem Alkohol behandeltes Vitellin sowie auch solches, welches	oft	mit Wasser gewachen oder	in feuchtem Zustande
lange an	der Luft gelegen	hat,	büsst die Fähigkeit ein, in	den genannten Agen-
tien sich aufzulösen und geht in einen veränderten Zustand über. Aus einer Lösung in 2%-iger Chlornatriumlösung wird durch Wasser ein Niedersehlag ausgeschieden welcher in Kochsalz sich löst. Eine solche Vitellinlösung trübt sich unter der Einwirkung von Natriumsulfat oder Chlornatrium, von Aetzalkalicn und den Carbo-naten der Alkalimetalle (5 p. 184—6). Denis giebt seinerseits zu (ib. p. 187), dass das Dotter aus „Albumin und Globulin“, d. h.. in unsere Sprache übersetzt, aus Seroglobin	und Globoglobin	(ib.	p. 187) besteht. Dieselben	Thatsachen finden wir
bei Denis	auch noch 3 Jahre	später (1859, 6 p. 185 — 7),	wo Denis das Vitellin
auch mit dem Ovoglobin identificirt (p. n. 90). Ungeachtet der von Frémy & Valenciennes ausgeführten eingehenden Untersuchungen des Dotters nennen diese Autoren (11 p. 473—7; 14 p. 129; 12 p. 321. 415; 13 p. 6) in ihren Arbeiten sowohl vom Jahre 1854 als vom Jahre 1857 den durch Wasser im Hühnereigelb hervorgerufenen Niederschlag Vitellin; diesen Niederschlag halten sie nach dem Auswaschen zuerst mit Wasser, dann mit Aether und Alkohol für „reines Vitellin“! Wittich (39 p. 306) sieht das Vitellin für einen Körper an, der seinen Reactionen nach dem dialysirten Eiweiss nahe verwandt ist, da beide Körper vom basischen Bleiacetat und auch von Kupfersulfat nicht gefällt werden (ib. p. 307). Commaille (4 p. 141), der die schon bekannte Thatsache von der Unlöslichkeit des Vitellins in Wasser bestätigt, findet jedoch, dass es in angesäuertem Wasser sich leicht löst, wonach es durch Salzsäure wieder ausgeschieden wird. Auch im letzteren Falle ist der Niederschlag in Wasser löslich.
Besondere Beachtung verdienen Schwarzenbach’s (1867, 33 p. 64) Beobachtungen. Dieser Forscher verdünnte che abgetrennten Dotter mit Wasser und behandelte dann das Gemenge wiederholt mit Aether bis zur vollen Extraction alles in Aether Löslichen. Nachdem der Aether abgetrieben war, behandelte man die Masse mit Wasser bis zur vollständigen Entfernung der in demselben löslichen Prote'inkörper, d. h. bis sich die prote'inhaltigen Flüssigkeiten nicht mehr trübten (ib. p. 65).
Hoppe-Seyler’s Beobachtungen vom Jahre 1865 sowie vom J. 1867 (20 p. 192; 22 p. 215) zufolge wird im Dotter, in der Linse und in einigen Flüssigkeiten eine Substanz angetroffen, die in Wasser unlöslich, in Kochsalz aber löslich ist, aus welchem es durch Sättigung mit Kochsalz nicht ausgeschieden wer-d en ko n n t e, obgleich Versetzung mit Wasser einen Niederschlag hervorrief. Hoppe-Seyler, welcher diese Substanz in allen von ihm untersuchten Dottern gefunden hatte, war in Ungewissheit, wohin diese Substanz zu rechnen sei, ob zu der fibrinoplastisclien Substanz, zum Fibrinogen oder zum Myosin (20 p. 195). Hoppe-Seyler bereitete dieselbe nach Denis’s Methode, obgleich er dieses Umstands nicht erwähnt. Ohne uns in Einzelheiten einzulassen, wollen wir nur bemerken, dass das von Hoppe-Seyler „Vitellin“ benannte Präparat ebenfalls suspendirte Teilchen des Dotters enthielt. Obgleich genannter Autor ein in dieser Beziehung nicht einheitliches Präparat besass, war er dennoch der Ansicht, dass das Vitellin, gleich dem aus Globulin und Hämatin bestehenden Hämatoglobulin (22 p. 218), aus Lecithin und einer Proteïnsub-stanz bestehe. Uebrigens gesteht Hoppe-Seyler (1875, 23 p. 235) in der Folge ein, dass das von ihm Vitellin genannte Präparat als keine von Beimengungen freie