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DAS GLOBULIN DES EIDOTTERS DER VÖGEL.
Wir wollen uns liier bei dem Globulin und den übrigen Bestandteilen der Kügelchen, Plättchen und andern morphologischen Gebilden des Dotters nicht besonders aufhalten, da dies alles zu den Krystalloïden der Prote'inkörper gehört, welche ein specielles Studium erfordern. Remesoffs Beobachtungen beziehen sich jedoch unmittelbar auf den Gegenstand dieses Werkes, da sie auf die Unzulänglichkeit der früheren Untersuchungen aufmerksam machen und zugleich den Weg zu einer zweck-massigeren Behandlung des Dotters behufs Gewinnung der Protemsubstanzen zeigen. Demgemäss empfehlen wir im Verein mit Remesoff die von dem Eiweiss und dem Keimbläschen sammt der Dottermembran sorgfälltig abgetrennten Dotter entweder zuerst durch Gaze zu pressen oder dieselben unmittelbar in 0,5%— 1%-ige Kochsalzlösung. auf jedes Dotter circa 100—200 Ce., zu bringen. Nachdem die Flüssigkeit an einem kühlen Orte sich gesetzt hat, wird sie abgegossen, filtrirt und mit Kochsalz, Magnesium- oder Ammoniumsulfat bis zur Sättigung behandelt, wobei der erhaltene Niederschlag wiederholentlich in Wasser auf Kosten des von ihm zurückgehaltenen Salzes aufgelöst und mit einem der obenerwähnten Salze wieder ausgefällt wird. Das auf diese Weise dargestellte Präparat war frei von Beimengungen (namentlich von Fetten) und besass alle Eigenschaften des Globulins. Wir gewahrten zwischen den von uns erhaltenen Globulinlösungen und Globulinlösungen andern Ursprungs in deren Verhalten zum Steinsalz oder zu andern Salzen nicht den geringsten Unterschied.
Die in unserem Laboratorium gewonnenen Thatsachen zeugen deutlich genug dafür, dass unsere Kenntnisse über das „Vitellin“ benannte Präparat noch ungenügend sind. In allen älteren Darstellungsweisen des Vitellins spielten auch die morphologischen Elemente des Dotters eine Rolle, und gaben, je nachdem sie mehr oder weniger hervortraten, ein veränderliches Präparat, welches jedenfalls kein chemisch einheitliches genannt werden konnte. In einem Falle wurde mit dem Namen „Vitellin“ der durch Einwirkung von Wasser entstandene Niederschlag, in einem andern ein durch Einwirkung von Aether auf das Dotter erhaltener Rest gemeint. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die morphologischen Elemente des Dotters ausgeschieden und einem besonderen Studium unterworfen werden müssen; den Gegenstand des unsrigen bildet gegenwärtig die Dotterflüssigkeit, van Beneden's (32 p. 255) Dotterprotoplasma—und zwar deren Protemsubstanzen, Auf Grund des oben Dargelegten haben wir kaum das Recht, das von uns aus dem Dotterproto-plasma ausgeschiedene Globulin, „Vitellin“ zu nennen, infolgedessen wir den Vorschlag machen, das Globulin des Dotterprotoplasma—der Dotterflüssigkeit—„V itel-1 o g 1 o b i n“ ‘) zu nennen, indem wir mehr das Aeussere (p. n. 71—72.V.V41—7) in Betracht ziehen, d. h. die Herkunft dieses Globulins bezeichnen. Um das auf die beschriebene Weise aus der Dotterflüssigkeit erhaltene Vitelloglobin aschenfrei zu erhalten, löst man es in 1 °/00—1% Salzsäure auf und dialysirt. Im allgemeinen un-terviivt man das Präparat denselben Manipulationen, die wir schon mehr als einmal beschrieben haben, wobei eine gallertartige Masse oder Flocken, die den allgemeinen Charakter des Globulins (s. den Kap. XI und folg), tragen, erhalten werden.
') Dumas’ & Cahours’ Benennung (p. n. 53) „vitelline“ stammt offenbar von „vitellus“, ■welches nach VVittstein’s (40 p. 797) Erklärung dem Worte „vitulus—Kalb“ entstammt:,, Vitelin— von v i t e 1 u s; Dimin. von v i t u 1 u s (Kalb), als kleines Kalb; dann auch, sowohl als Mascu-linum wie als Neutrum (vitellum), in der Bedeu-
tung von Eigelb (Dotter), um die Substanz anzuzeigen, durch welche das junge Thier im Embryo-Zustande repraesentirt wird. Bei Fabricius (8 p. 23) lesen wir jedoch: „Vitellus autem à vit a sic dictus est, quôd eo viuat pullus: dicitur quo-que, à colore oui luteum“. An diese Erklärung hält sich auch Harvey (19 p. 44).