﻿Ü0TIZEN ÜBER DIE BILDUNG DES KNOCHENGEWEBES.	21
solchen Zelle, besteht gleichsam nur aus Fibrillen, in deren Innerem ein sehr schmaler, dünner, spindelförmiger Kern mit sehr deutlich ausgedrückten Picuo-seerscheinungen sich befindet. An vielen Zellen last sich das weitere Schicksal solcher sich deformirender Kerne verfolgen, welches zu deren definitivem Verschwinden führt, so dass man daran nicht zweifeln kann, dass es im Interesse der Production deutoplasmatischer Gebilde sich hier um den Untergang von Zellen handelt Da sämmtliche beschriebene Zellen Fibrillen ausarbeiten, so könnte man sie alle mit vollem Recht in eine Gruppe unter dem Namen Fibroblasten schliessen.
Welches ist nun die Natur dieser Fibrillen? Haben wir die Gewissheit, dass die Grundsubstanz des Knochens aus leimgebenden Fibrillen gebildet ist, so ist es schwer, wenn man die Grundsubstanz in dem Moment überrascht, wo diese Fibrillen an deren Oberfläche entstehen, ihnen eine andere Natur als eine leimgebende zuzuschreiben. Dennoch können wir an dem erwähnten Object keine positiven Beweise dafür liefern. Der Grund davon ist, dass es uns noch an sichern Methoden electiver Färbung der leimgebenden Substanz im Moment ihrer Entstehung fehlt. Für das vollkommen ausgebildete, reife collagene Gewebe besitzen wir eine genügende Anzahl von Farben-reactionen, unter denen ich in Betreff der Sicherheit der Resultate und der Deutlichkeit der Bilder dem bleu de Lyon und Caleja’s Gemisch die erste Stelle anweisen möchte. Um die leimgebende Natur der Fibrillen in der Periode, wenn sie noch im Innern der Bildungszellen sich befinden, darzuthun, fehlt es uns vorläufig noch an einem Verfahren von gleicher Beweiskraft. Somit bleibt uns nur die Methode der Ausschliessung übrig, nämlich der Beweis, dass die erwähnten Fibrillen nicht elastischer Natur sind, da es nicht möglich ist irgend welche andere Fibrillen sich hier vorzustellen. Die Erforschung des i Anteils, den das elastische Gewebe an dem Knochenbildungs-process nimmt, bildete einen Teil meiner Aufgabe, und behalte ich mir vor, die erhaltenen Thatsachen seinerzeit mitzuteilen. Hier will ich nur auf den allgemeinen Schluss mich beschränken, dass die Anwendung der zahlreichen Methoden electiver Färbung der elastischen Substanz, die uns heutzutage zu Gebote stehen, nur einen sehr mässigen Anteil derselben an jenem Processe aufgedeckt hat. Jedenfalls spielt es nur eine untergeordnete Rolle, was vollkommen der schwachen Verbreitung der elastischen Fasern in dem fertigen Knochengewebe entspricht. In der Entwicklungsperiode dieses letzteren beweisen electiv gefärbte Präparate, dass die äusserst feinen Fäden im Innern der Fibroblasten keinen elastischen Charakter aufweisen, so dass wir gezwungen sind denselben leimgebende Natur zuzuerkennen.
Einen directeren Beweis für denselben Satz finden wir in der Entwicklung derjenigen Knochen, die Prof. Kölliker <secundäre Knochen», und, in Bezug auf das Skelett des Schädels, auch «Deckknochen oder Belegknochen» genannt hat. Ein sehr interessantes Beispiel einer solchen Entwicklung fand ich in dem untern Teil der Extremität eines Schaffoetus. In einem kleinen Raume zwischen, den durch Knorpel vorgebildeten Knochen und der sich entwickelnden Hufe kann man hier einen in Entwicklung begriffenen grobfaserigen Knochen mit allen ihm eigentümlichen Attributen, d. h. einer homogenen oder, je nach der
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