﻿Motl^EN ÜBER DIE BILDUNG t>ÈS KNOCÔENGÉWÉBÈS.
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Die in allen Lehrbüchern vertretene Ansicht ist, dass die Knochenkörperchen und die Haversischen Kanäle an den Schliffen deshalb schwarz gefärbt erscheinen, weil durch Maceration die organischen Substanzen aus denselben entfernt sind und an deren Stelle Luft eingedrungen ist, die beim durchfallenden Lichte, infolge vollständiger innerer Zurückstrahlung, schwarz aussieht. Was die Knochenkörperchen anbelangt, so haben wir gesehen, dass dies nicht richtig ist. Zwar müssen die Zellen während des Trocknens der Knochen nach der Maceration, infolge des Wasserverlusts, verschrumpfen und kann die Luft in den Raum, welcher zwischen der verschrumpften Zelle und der Knochenhöhlenwand sich gebildet hat, eindringen; doch ist in diesem Fall volle Zurückstrahlung nicht möglich, da die dünne Luftschicht, welche ein Medium mit einem andern Lichtbrechungscoefficienten umgiebt und im allgemeinen die Form eines abgeplatteten Ellipsoids, unter welche die Knochenhöhlen überhaupt gebracht werden können, vorstellt, die dazu nötigen optischen Bedingungen nicht bietet. Auch in dem Falle, wenn die Luft den ganzen Hohlraum einnähme, würden die Bedingungen zu jener Erscheinung fehlen.	Um diese unsre Ansicht durch	directe Beobachtungen	zu	stützen,
leitete	ich	folgende	Versuche ein. Ich	liess mehrere Tage lang	auf	mechanische	Weise von	den	weichen Teilen	möglichst gut gereinigte	Stücke von
Röhrenknochen eines frischgetödteten Ochsen im Papinschen Topf unter hohem Druck	kochen.	Das	Wasser wurde so oft gewechselt, bis in	der	letzten
Portion keine Spuren von Gallerte mehr auftraten, wonach die Knochen sorgfältig verbrannt wurden. Auf diese Weise war sämmtliche organische Substanz wirklich entfernt, und es blieb ein Knochenmodell zurück, welches seiner Form nach vom normalen Knochen sich durch nichts unterschied, aber weit spröder war als das ohne vohergehendes Auskochen durch blosses Verbrennen erhaltene. Aus einem solchen Knochen Schliffe herzustellen ist sehr schwierig, da er sogar bei unbedeutender Reibung in feines Pulver zerfällt. Mit Geduld und Ausdauer gelingt es aber dennoch, durch Schleifen zwischen zwei mattgeschliffenen Glasstücken kleine Stückchen zu erhalten, welche dünn genug sind, um das charakteristische Bild eines Knochenschliffs darzubieten. Wir sehen hier wirklich inhaltlose, d. h. mit Luft gefüllte Knochenhöhlen; diese bleiben aber ganz klar und zeigen keine Spur von der optischen Erscheinung, welche an Luftblasen bei vollständiger innerer Zurückstrahlung beobachtet werden. Deshalb muss das allbekannte Erscheinen schwarzer Knochenkörperchen bei der Beobachtung eines in keine Flüssigkeit eingebetteten Schliffs eine andre Deutung erhalten. Als wahrscheinlichste Ursache dieser Erscheinung dürfte wohl die Thatsache angesehen werden, dass die aus einer innigen Verbindung organischer und anorganischer Stoffe bestehende Grundsubstanz eines dünnen Knochenplättchens ebenso durchsichtig ist wie ein ebenfalls aus mineialischem Stoff bestehendes Glimmer- oder Gypsplättchen, während der Zelleninhalt der Knochenhöhlen einen andern Lichtbrechungscoefficienten besitzt und die Lichtstrahlen schlecht, oder, bei ungenügend dünnem Schliff, auch garnicht durchlässt. Daraus folgt, dass die Hohlräume solange schwarz scheinen, bis wir durch eine Flüssigkeit, die in dieselben eindringt, deren Inhalt bis auf den Lichtbrechungscoefficienten der Grundsubstanz bringen, in letzterem Falle