﻿NOTIZEN ÜBER DIE BILDUNG DES KNOCHENGEWEBES.
35
sie nur infolge ihrer physikalischen Eigenschaften mit den deutoplasmatischen Bildungen des Protoplasma sich durchtränkt.
Höchst wichtig erscheint nun die Lösung der Frage nach der Natur dieser Körnchen. Wenn wir das nach oben beschriebener Methode angefertigte Präparat im ganzen betrachten, so bleibt uns kein Zweifel übrig, dass es sich hier um Kalk handelt, In den centralen Teilen des Verknöcherungpunktes des Knorpelmodells, wo die topographische Verbreitung des Kalks uns längst und gut bekannt ist, nimmt er gerade diese charakteristische rote Färbung an und besteht aus eben solchen Häufchen oder Körnchen, deren Entstehen wir im Protoplasma gesehen haben; somit bestände der Unterschied zwischen den centralen und peripherischen Teilen nur in dem quantitativen Ueberge-wicht dieser Substanz. Dass diese Körnchen kalkiger Natur sind, beweist auch noch der Umstand, dass bei gleicher Behandlung in entkalkten Präparaten desselben Objects die Körnchen verschwunden sind.
Trotzdem ich zu dieser Ansicht neige, will ich nicht gesagt haben, dass wir hier ein reines Mineralsalz vor uns haben. Richtiger ist wahrscheinlich die Annahme, dass es irgend eine organische Kalkverbindung sei, die die Fähigkeit besitzt zu diffundiren, da es wohl schwer wäre, feste mineralische Teilchen sich vorzustellen, die durch die tierische Membran der Knorpelkapsel zu dringen vermöchten. Anderseits würde ein infolge physiologischer Uhätigkeit entstandenes unlösliches Mineralsalz der Grundsubstanz gegenüber, mit der es infolge seiner Unlöslichkeit der chemischen Constitution nach nichts gemein hat, indifferent bleiben. Die Behandlung decalcinirter Präparate weist aber darauf hin, dass in den Stellen, wo früher der Kalk gewesen war, die Grundsubstanz sich etwas verändert hat. Indem sie die frühere hellblaue Färbung in den peripherischen Teilen, wo der Knorpel seine laboratorische Thätigkeit noch nicht begonnen hat, behält, nimmt er dort, wo diese Thätigkeit sich schon offenbart, eine gleichmässige schmutzig-violette Färbung an. Dies berechtigt uns zu der Annahme, dass neben der kalkigen Substanz in den Körnchen noch eine andre ausgearbeitet wird, die das Vermögen besitzt, in innigere V echselwir-kung mit der Grundsubstanz zu treten und zugleich den Mineralsalzen bei deren Eindringen in die ihrer chemischen Natur nach ganz verschiedene collagene Substanz gleichsam als Führerin dient.
Beachtenswert ist der Umstand, dass bei der Production der kalkhaltigen Körnchen wir derselben Erscheinung begegnen, die beinahe mit der Beständigkeit eines Gesetzes überall dort beobachtet wird, wo das Protoplasma die intensive Erarbeitung hochdifferencirter Substanzen, und zwar von Unteigang von Zellen begleitet, auf sich nimmt. Verfolgt man Schritt für Schritt die allmälig zunehmende Bildung der Körnchen im Protoplasma, so gewinnt man leicht die Ueberzeugung, dass in den mehr central gelegenen Teilen des Knorpels, wo der Process früher als in den peripherischen begonnen hat und weiter gegangen ist, die Kerne unter Picnose- und Ghromatolyseei scheinungen verschwinden, die Protoplasmamenge geringer, die Knorpelhöhle kleinei wird, so dass zuletzt an der Stelle, wo die Zelle war, nur ein Häufchen von Körnchen übrigbleibt. Dieser Massenuntergang von Zellen erklärt auch den scharfen Unterschied zwischen der Anzahl derselben in der Veiknöcherungszone,