﻿54
DAS GLOBULIN DER MILCH.
in der Milch nicht nur im gelösten Zustande sich befindet, wie die Autoren vor ihm angenommen hatten, sondern dass ein Teil desselben suspendirt ist. Auch bei Chevreul finden wir eine Angabe darüber, dass, wenn frische Milch nach dem Kochen lange nicht gerinnt, gestandene (ancien) die Eigenschaft erwirbt, durch Wärme gefällt zu werden. Derselbe Autor findet, dass Milch gleich Eiweiss von Aether gefällt wird (ib. p. 143). Schliesslich beobachtete Chevreul, dass eine wässerige Quarklösung in der Wärme einen Niederschlag ausscheidet (ib. p. 140).
Soubeirain (176 p. 156) erkannte *) zwischen dem Käse und dem „Albumin“ einen scharfen Unterschied. So schlägt Albumin in der Wärme sich nieder und ist in Ammoniakflüssigkeit nicht löslich, während Quark durch Wärme aus der Milch nicht ausgeschieden wird und in Ammoniakflüssigkeit sich löst. Offenbar werden hier zwei unausmessbare Grössen verglichen: sog. „geronnenes Albumin“, d. ln durch Wärme in einen schwerlöslichen Zustand übergeführtes Albumin und aus sauergewordener Milch ausgeschiedener, doch nicht durchgekochter Käse!
Wie bei der Geschichte des Albumins, darf auch bei derjenigen des Caseins nicht vergessen werden, dass, wie dort, die Eigenschaften so vielfach zusammengesetzter Flüssigkeiten, wie es das Serum und das Eiweiss sind, auf da& Albumin übertragen wurden, auch hier der Quark mit allen Eigenschaften der Milch ausgestattet wurde. Auch hier wird oft zwischen den Eigenschaften der Flüssigkeit und denjenigen des aus derselben ausgeschiedenen Niederschlags eine Parallele gezogen.
Ausser dieser unserer Betrachtung gaben sich schon damals Ansichten kundr welche mit Soubeirain’s Meinung in scharfem Widerspruch standen; so sprachen. Payen & Henry (1825, 132 p. 156) schon damals eine der Ansicht des genannten Autors entgegengesetzte aus. Indem sie ihren Untersuchungen ein sehr wichtige& Prinzip—die gegebenen Körper unter mehr oder weniger analogen Bedingungen zu prüfen—zu Grunde legten, bestrebten sich Payen & Henry bei der Gewinnung des-Quarks und des „Albumins“ den Einfluss einer mehr oder weniger hohen Temperatur auszuscliliessen, weshalb sie zur Gewinnung der Prote'inkörper aus der Milch und dem Eiweiss diese Flüssigkeiten mit Alkohol behandelten, und die erhaltenen Niederschläge auch mit Alkohol, dann mit Aether, dann wieder mit Alkohol und zuletzt mit kaltem Wasser wuschen ?). Darauf wurden die Niederschläge bei 8° im luftleeren Baume getrocknet und zu Pulver verrieben; letzteres war in Wasser etwas löslich (ib. p. 158). Die Quarklösung war etwns trübe und „gerann“ beim Kochen (ib, p. 159 u. 161)! Dasselbe wurde auch an den durch Alkohol erhaltenen Niederschlägen aus Eiweiss (p. n. 125) beobachtet!
Meggenhofen (115 p. 274) untersuchte die Milch von 19 gesunden und 5 kranken Frauen zu verschiedenen Zeiten der Puerperalperiode und fand, dass die Milch von 4—8 Tropfen einer Säure und einer Salzlösung gefällt wurde, wobei diejenige einer kürzeren Puerperalperiode eher gerinnt als einer längeren, demge-
f) Nach Payen’s & Henry’s (132 p. 156) "Worten, dass Soubeirain darüber eine Mitteilung in der pariser Pharmaceutischen Gesellschaft am 15 Okt. 1825 gemacht hatte. Im Journal de Pharmacie, wo die Sitzungsprotokolle der genannten Gesellschaft gewöhnlich abgedruckt wurden, fand ich auf Soubeirain’s Mitteilung keine Hinweise.
s) „Voulant opérer, autant que possible, dans les mêmes circonstances, et prévenir les causes d’altération, nous avons cru devoir éviter l'action
d une température un peu élevée, pour obtenir, soit de l’albumine animale ou végétale; et dans ce but, nous avons coagulé par l'alcool le lait, l’émulsion des amandes, le blanc d'oeuf, le suc d’une plante. Chaque précipité a été lavé à l’alcool, puis traité successivement par l’éther sulfurique, l'alcool et l'eau froide. Ainsi traités on les fit sécher dans le vide à la température de 8°, et on les réduisit ensuite en poudre“ (132 p. 158).