﻿DAS GLOBULIN DER MILCH.
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Der Filtration, als eines Mittels die Milch vom Fett (den Milchkügelchen) zu befreien, hatte zufällig auch schon J. Müller (1832, 121 p. 538) sich bedient. Die Milch wurde in ein Rohr gegossen, welches unten mit einer tierischen Membran verbunden war, unter welcher mittels einer Pumpe die Luft verdünnt wurde; es erwies sich, dass bei einer gewissen Dicke der Membran die Kügelchen nicht hindurchdrangen. Nach Müller führte Donné vergleichende Versuche mit Milch und Blut aus. Das Fibrin mit dem Quark identificirend (32 p. 12; 33 p. 367), filtrirte er dabei die Milch mehrmals durch einen Papiertilter und erhielt eine ganz klare Flüssigkeit, welche von Säuren gefällt wurde. Diese Versuche veranlassten Donné zu der Annahme, dass der Quark in der Milch sich in gelöstem Zustande befindet (33 p. 367). Zur Fällung des Caseins benutzte Mulder (123 p. 9) Essigsäure, mit der er die Milch bei 60—65° ansäuerte. Um Casein zu erhalten, bediente sich Berzelius im Jahre	1840 (8	p. 677)	desselben	Verfahrens, welches er schon 10 Jahre
früher angewandt hatte (6 p. 556). Die abgerahmte Milch wurde mit verdünnter Schwefelsäure gefällt und der auf dem Filter gesammelte und mit Wasser gewaschene Niederschlag mit Calcium- oder Baryumcarbonat bei Gegenwart von Wasser verrieben. Nach der Neutralisation der Säuren löst sich das Casein, wie Berzelius erklärt, in Wasser, wobei er aber erwähnt, dass auch die Erdalkalien in die Lösung übergehen (8 p. 677). Aus einer solchen Lösung wird das Casein durch Erdalkalisalze ausgefällt (6	p. 566).	Zugleich	empfiehlt	Berzelius abgerahmte Milch
mit Alkohol zu fällen, den Niederschlag mit Weingeist zu waschen und die abgepresste Masse	mit Aether zu	behandeln.	Das auf	diese Weise gereinigte Casein
löst sich schon schwerer als in dem früher beschriebenen Falle. Nach Berzelius, fällte Mulder die Milch mit Essigsäure, wusch den Niederschlag mit Wasser aus und kochte ihn in	Alkohol	(8 p. 677). Im allgemeinem	findet Berzelius zwischen dem
Casein und dem Albumin keinen Unterschied (ib. p. 679—80).
Simon (172 p. 67—8) erhielt das Casein auf dieselbe Weise wie Berzelius, verrieb aber den durch Fällung mit einer Säure erhaltenen Niederschlag mit gepulvertem Marmor und behandelte das Gemenge mit Wasser, wobei bei Gegenwart von Kalk eine Caseinlösung erhalten wurde. Diese Caseinlösung giebt aber mit Essigsäure nur einen unbedeutenden Niederschlag (ib. p. 67). Ausser dieser Methode bediente sich Simon auch folgender: Kuh- oder Frauenmilch wurde bis zur Trockne verdampft, der Rückstand mit heissem Aether extrahirt, bis alles Fett ausgezogen war, dann in Wasser aufgelöst, die Lösung mit Alkohol gefällt und der Niederschlag aufs neue in Wasser aufgelöst (ib. p. 68). Dennoch findet Simon zwischen dem Casein und dem Zieger keinen Unterschied (168 p. 264). Als Hauptmerkmal des Caseins sieht er dessen Unfähigkeit an, bei 75° zu gerinnen (172 p. 71). Andererseits findet Simon (171 p. 257) auch keinen Unterschied zwischen dem Casein, dem Globulin oder dem Krystallin, d. h. der Substanz der Linse (p. n. 15)1 Für eine der hervorragendsten Eigenschaften des Caseins hält er dessen Löslichkeit in siedendem Alkohol spec. Gew. 0,925 und dessen Fällbarkeit aus der sich abkühlenden alkoholischen Lösung, während es in absolutem Alkohol unlöslich ist. Bei der Fällung des Caseins mit dem gleichen Vol. Weingeist fand Scherer (149 p. 25), dass der Niederschlag beim Kochen in Weingeist zum Teil löslich ist, ein Umstand, den Scherer durch die Gegenwart eines Alkali erklärt, dem das Casein seine Löslichkeit auch in der Milch verdanken soll. Andererseits löst sich durch Neutralisation mit Essigsäure gefälltes Casein nicht mehr in Weingeist auf. Demgemäss meint Scherer, dass das Casein in der Milch sich in Verbindung mit einem Alkali befindet (ib. p. 26). Im Widerspruch zu diesen Angaben findet Quevenne (1841,137 p. 263) auf Grund seiner Filtrationsversuche, dass das Casein in der Milch grössten-