﻿DAS GLOBULIN DER MILCH.
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scheint, dass das Casern dem Albumin sehr nahe steht. Aus Frauenmilch fällten Dumas & C ah ours das Casein mit Alkohol nach Versetzung der Milch mit dem gleichen "Volum Wasser (ib. p. 415) aus; aus Kuhmilch dagegen erhielten sie es in einem in Wasser unlöslichen Zustande. Sie meinen, dass es in wasserlöslicher Gestalt ziemlich schwer zu erhalten sei, und sehen den löslichen und den unlöslichen Zustand des Caseins für eine Dimorphismuserscheinung (ib. p. 411) an. Diese Idee genannter Autoren gleichsam bestätigend, fand Boucliardat (16 p. 966), dass das durch Filtration aus der Milch 48 Stunden nach dem Sauerwerden derselben ausgeschiedene Casein in Salzsäure 0,0005 ohne Rückstand sich löste! Lehmann und Messerschmidt (101 p. 235) finden ausserdem noch, dass die in einer Casein-lösung durch Milchsäure hervorgerufene Opalescenz verschwindet, wenn Neutralsalze eingetragen werden.
Rochieder (142 p. 2531, den die Verschiedenheit der Angaben über die Löslichkeit des Caseins wunderte, schlug seinerseits im Interesse der Lösung dieser Frage ein neues Verfahren zur Gewinnung des reinen Caseins vor. Frische Milch wurde unter Erwärmen mit verdünnter Schwefelsäure gefällt, der Niederschlag unter Dureh-kneten mit den Händen mehrmals mit Wasser gewaschen, wonach das Casein bei Zimmertemperatur mit einer gesättigten Natriumcarbonatlösung so lange digerirte, bis die ganze Masse in eine syrupähnliche Flüssigkeit sich verwandelt hatte. Danach liess man das Gemenge abstehen, damit das nach oben steigende Fett sich abtrenne, fällte die Flüssigkeit aufs neue mit Schwefelsäure, wusch den Niederschlag wieder mit Wasser u. s. w. Die Lösungs- und Fällungsprocedur wurde bis dreimal vorgenommen (ib.p. 256). Das auf solche Weise erhaltene Casein enthält, wie Rochieder erklärt, Schwefelsäure und ist, namentlich bei höherer Temperatur, in Wasser löslich. Bei der Behandlung mit Natriumcarbonat scheidet eine solche Lösung Niederschläge aus, die in einem ganz unbedeutenden Ueberschusse desselben Salzes löslich sind (ib. p. 257). Bei energischerem Auswaschen des reinen Caseins mit Wasser kann die zurückgehaltene Säure leicht entfernt werden, wobei das Casein seine Wasserlöslichkeit einbüsst (ib. p. 258). Unter anderem beobachtete Rochieder, dass der aus einer alkalischen oder sauren Lösung durch entsprechende Neutralisation erhaltene Niederschlag in beiden Fällen sauer (auf Lakmus) reagirt, was sogar nach dem Kochen des Caseins in Wasser oder nach dem Erhitzen desselben bis 45° statt hat; dem Wasser aber teilt sich die saure Reaction nicht mit (ib. p. 261), Das Casein löst sich leicht in kohlensauren Alkalien, aus denen es durch Säuren ausgefällt wird, wobei es in einem unbedeutenden Ueberschusse dieser sich wieder auflöst. Wie Scherei vor ihm, so zieht auch Rochieder aus diesen Thatsachen den Schluss, dass das Casein an sich selbst in Wasser unlöslich ist, und dessen Löslichkeit in der Milch, in Wasser u. dergl. durch seine Verbindung mit Kalium, Natrium und Calcium bedingt wird, demgemäss die Fällung des Caseins auf der Verbindung der Säure mit der Base beruht (142 p. 262).
Zu ähnlichen Schlüssen gelangt auch Heidlen (59 p. 263). Von der Hypothese ausgehend, dass das Casein in der Milch auf Kosten der Alkalien löslich ist, löste Hai dien Casein in Wasser auf, welches mit etwas Calciumphosphat und -einer unbedeutenden Menge Aetznatron versetzt war. Haidien fand, dass die erhaltene Lösung, soweit es das Casein betraf, alle Eigenschaften der Milch besass, d. h. durch eine geringe Menge Säure sowie auch durch Wärme bei Gegenwart von Erdalkalisalzen gefällt wurde. Auch Liebig (105 p. 177) nimmt an, dass die Löslichkeit des Caseins in der Milch durch phosphorsaures und freies Alkali bedingt wird, wobei die Flüssigkeit zwar sauer reagirt, das Casein in seinem natürlichen unlöslichen Zustande jedoch nur durch Einwirkung einer freien