﻿DAS GLOBULIN DER MILCH.
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Wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier derselben Erscheinung wie in der Geschichte des Albumins begegnen, nämlich dass die Eigenschaften der Flüssigkeiten unmittelbar auf die in denselben enthaltenen Proteünkörper, übertragen werden. Wenn Scherer einerseits ganz folgerichtig urteilte, indem er das Casein mit dem Albumin, dem Albumin seiner Zeit, Denis’ Albumin u. s. w., d. h. mit dem heutigen Seroglobin identificirte, so sieht er andererseits, dem Beispiel der übrigen Autoren folgend, die Reactionen des Blutserums und der Milch für Eigenschaften des Caseins und des Albumins an, trotzdem er, wie wir gesehen, selbst Verfahrungsweisen vorschlägt, welche eine dieser Flüssigkeiten der anderen in Bezug auf die Albumin und Casein enthaltenden Proteinsubstanz gleichstellen. Nicht genug: wir finden bei Scherer an derselben Stelle die Aussage, dass, wenn das Alkali dem Casein entzogen ist, dieses seinen Eigenschaften nach sich verändert und die Fähigkeit einbüsst, durch Essigsäure gefällt zu werden ').
Was die Gewinnungsmethode des Caseins anbetrifft, so benutzt Scherer zur Fällung abgerahmter Milch Schwefelsäure und behandelt den Caseinniederschlag, wie die anderen Autoren von Berzelius an, mit kohlensaurem Kalk oder Baryt; zum Unterschiede von dem letztgenannten Forscher behauptet aber Scherer, dass dabei eine Verbindung des Caseins mit dem Kalk oder dem Baryt stattfindet, infolge dessen das Präparat in Wasser löslich wird, während das unlösliche Casein durch einfache Fällung mit Säuren oder durch Kochen des schon ausgeschiedenen Caseins erhalten wird (ib. p. 456). Endlich wird das Casein auch noch durch Kochen mit Gypswasser gefällt; auch geben kohlensaures Baryt oder kohlensaurer Kalk beim Erwärmen oder Abdampfen unlösliche Niederschläge (ib. p. 455). Ferner findet Scherer zwischen dem Casein der Frauenmilch und demjenigen der Kuhmilch keinen Unterschied und erklärt die Verschiedenheit der Pteactionen durch die Zusammensetzung dieser und jener Milch (150 p. 454). Anderseits weist Dumas (1845, 39 p. 717) auf die Aehnliclikeit zwischen Plundemilcli und der Milch der Pflanzenfresser hin, wobei aber erstere von der Milch letzterer dadurch sich unterscheidet, dass sie beim Kochen gerinnt; Frauenmilch gerinnt durch Alkohol, wird aber weder durch Wärme noch von Säuren gefällt. Weiter muss bemerkt werden, dass Dumas der erste Forscher gewesen zu sein scheint, der gezeigt hat. dass nach der Sättigung der Milch mit Kochsalz die Filtration eine ganz klare Flüssigkeit ergiebt, welche nur lösliches Casein enthält! Der Niederschlag, welcher Dumas’s Ansicht nach aus Milchkörperchen besteht, konnte ungeachtet sorgfältigen Waschens mit einer Salzlösung vom Casein2), welches einen derartigen Niederschlag immer begleitet, nicht befreit werden (ib. p. 717). Auch Figuier schlägt vor behufs Entfernung der Milchkügelchen die Milch mit 2 Vol. Natriumsulfatlösung ]6—18° Baumé" zu vermischen und dann zu filtriren. Das ganz klare Filtrat scheidet beim Kochen mit Essigsäure einen Niederschlag aus (44 p. 507).
In der Folge erklärte Dumas (1846,40 p. 632), dass der von Schübler angenommene Zieger nichts anderes als der Caseinrest sei, der in einigen Provinzen Frankreichs „broute“ (ib. p. 632) genannt wird.
scheidungsmittel zwischen beiden Stoffen anwen-den, indem durch die Essigsäure, wenn sie nicht im Uebermaasse angewendet wird, das Albumin in der Kälte nicht, das Casein aber fast vollständig gefallt wird1' (150 p. 454).
‘) „Denn ist einmal durch Bildung oder Hinzukommen einer freien Säure das Alkali des Caseins hinweggenommen, dann hat dasselbe, sowie überhaupt seine Eigenschaften, so auch die der Fällung durch die Essigsäure verloren“ (150p. 454).
2) „Si l’on dissout du sei marin à saturation dans le lait, la filtration de ce liquide donne un sérum parfaitement limpide contenant tout le caséum soluble, le sucre du lait et les sels. Les globules du lait restent tous sur le filtre. Or, malgré des lavages prolongés à l’eau salée, j’ai toujours retrouvé une matière caséeuse au beurre de ces globules, et, conséquemment, insoluble dans l’eau salée“ (39 p. 717).