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DAS GLOBULIN DER MILCH.
Diese Methoden der Darstellung oder, richtiger gesagt, der Ausscheidung sind es namentlich, die eine grosse Mannigfaltigkeit und zuweilen ganz unerwartete Kunstgriffe darbieten! So kochte Simon (172 p. 76) das wässerige Extract einer zerriebenen Linse, dampfte das Filtrat ah und behandelte den zu Pulver verriebenen Trockenrest mit siedendem Aether, dann mit siedendem Alkohol (sp. Gew. 0,845— 0,855), worauf das Casein ebenfalls mit siedendem, doch schon wasserhaltigem Alkohol (sp. Gew. 0.915—0,925) extrahirt wurde. Dieses letzte, alkoholische Extract schied beim Abkühlen einen Niederschlag aus, den Simon für Casein ansah. Auf dieselbe Art erhielt er Casein auch aus den Tuberkeln: das mit Alkohol extrahirte Casein wurde in Wasser aufgelöst, die Lösung schied beim Abdampfen eine Haut aus; folglich genügen, Simon’s Ansicht nach, Löslichkeit in Alkohol und die Fähigkeit, eine Haut zu bilden, zur Charakteristik des Caseins (172 p. 79; 169 p. 257). Zur Darstellung des Caseins aus Blut, wurde defibrinirtes Blut zuerst bis zur Trockne verdampft und dann auf obenbeschriebene W eise mit Aether und Alkohol behandelt. Das so erhaltene Präparat identi-Kcirte Simon mit dem Berzelius’sehen Globulin (p. n. 75 AW 41—47) und nannte es gleichfalls „Casein“ (170 p. 5; 167 p. 356; 172 p. 82; 173 p. 257—8)! Ein etwas abgeändertes Verfahren wandte Simon bei dem Aufsuchen von Casein im Speichel an: dieser wurde bis zu syrupartiger Consistenz abgedamft, dann mit Alkohol gefällt, der erhaltene Niederschlag in Wasser aufgelöst und die wässerige Lössung nun ihrerseits vorsichtig mit Essigsäure gefällt; der neue Niederschlag wurde dann mit gepulvertem Marmor und Wasser verrieben, wobei das Casein zugleich mit kleinen Mengen Calciumacetat in die Lösung überging (172 p. 82).
Im allgemeinen sieht Simon diejenigen Proteinsubstanzen für Casein an. welche von Ferrocyankalium und auch von Essig- oder Milchsäure aus einer sauren Lösung ausgeschieden werden; ferner seien alle Caseine in kaltem, noch besser aber in heissem Alkohol löslich (169 p. 267). Dabei findet aber Simon, dass eine verschiedenartige Behandlung der Caseine einen Unterschied in den Eigenschaften der einzelnen Präparate bedingt (ib. p. 257). Schliesslich macht Simon zwischen dem Casein und dem Berzelius’schen Globulin keinen Unterschied. Gegen eine solche Identificirung wusste Berzelius (7 p. 550) nur zu sagen, dass die abgetrennten und mit Magnesiumsulfat gewaschenen Blutkörperchen bei 83° vollständig „gerinnen“, während das in der Milch befindliche Casein auch beim Kochen sich nicht aus-scheidet (p. n. 76 AlA» 41—47).
Scherer (149 p. 19) weist Casein im Blutserum folgendermaasen nach: bei gewöhnlicher Temperatur getrocknetes und zu Pulver verriebenes Ochsenserum scheidet beim Auswaschen mit Wasser auf dem Filter das Casein in das Filtrat aus, denn das Filtrat bildet während des Abdampfens Häute, gerinnt aber beim Kochen nie h t. Die Asche des Filtrats enthielt indessen eine bedeutende Menge Alkalien (ib. p. 19), und dies veranlasste Scherer durch unmittelbaren Zusatz eines Alkali zu dem Serum das Albumin in Casein zu verwandeln *)! Zu diesem Zwecke brachte er eine geringe Menge Alkali in mit 2 Vol. Wasser verdünntes Serum, wobei, wenn nur wenig Alkali zugesetzt wird, die alkalische Reaction fast verschwindet, während die Flüssigkeit beim Erwärmen nicht gerinnt und beim Abdampfen eine Haut bildet, welche mit derjenigen der Milch ganz identisch ist (ib. p. 21—2). Gleich dem Casein giebt auch das mit einem Alkali behandelte Serum ein Product, welches in heissem Alkohol sich
*) «Das Albumin des Blutserums lässt sich durch dem Casein ähnlichen Zustand überführen“ (149 Zusatz von freiem Alkali vollkommen in diesen p. 21).