﻿78
DAS GLOBULIN DER MILCH.
und zuletzt nur Casein in den Cylindern erscheint. Soxhlet (177 p. 1—57) führte 'Versuche mit einer künstlichen Emulsion von Fett und Alkalialbumat aus und fand, dass dieselbe ebenso schlecht wie die Milch in Zahn’s Versuchen durch die porö-ren Cylinder hindurchfiltrirt; er meint, dass, wenn zwischen dem Casein und einem Alkalialbuminat ein Unterschied auch vorhanden ist, derselbe jedenfalls sich auf äussere Umstände beziehe: sowohl zwischen dem Casein und einem Alkalialbuminat als auch zwischen dem Casein und einer Albuminlüsung in Natriumcarbonat gebe es keinen Unterschied!
Im allgemeinen sind die Autoren geneigt einen grösseren Unterschied zwischen Kuhmilch und Frauenmilch, als zwischen Kuhmilch und einer Alkalialbuminatlösung zu finden. So führt Biddert (10 p. 163) aufs neue die alte Beobachtung an. nach welcher Frauenmilch zum Unterschied von Kuhmilch von 2 Tropfen 0,4%-iger Chlorwasserstoff-, Salpeter-, Phosphor- oder Schwefelsäure, von verdünnter oder con-ccntrirter Milchsäure und Aluminiumsulfat nicht gefällt wird, während Kuhmilch unter gleichen Bedingungen und von gleichen Mengen dieser Säuren sogleich einen Niederschlag ausscheidet. Biel (11p. 166) fand auch, dass weder Frauenmilch noch Stutenmilch von Essigsäure oder Lab gefällt wird. Diesem stimmt auch Langaard, (04 p. 120), zugleich Biddert’s und Biel’s Angaben bestätigend, bei.
Es wirft sich von selbst die Frage auf. ob Frauenmilch und Stutenmilch einerseits und die Milch von Schweinen und Hunden andererseits für caseinhaltig anzusehen seien, wenn man die ausschliessliche Reaction, die nur an der Kuhmilch beobachtet wird, nämlich Fällbarkeit durch Essigsäure, in Betracht zieht, wodurch diese Milch von dem Blutserum sich unterscheidet, dessen Gerinnbarkeit durch Wärme ein Analogon in der Milch der Hunde und Schweine sowie im Colostrum eines jeden Tieres findet. Offenbar befinden sich die Proteinsubstanzen in den aufgezählten Flüssigkeiten unter verschiedenen Bedingungen, welche ihrerseits die Ursache des Unterschieds in den erwähnten Reactionen sind. Während aber die Autoren ihre Versuche mit einer zusammengesetzten Flüssigkeit—der Milch — ausführten, setzten sie die Resultate ihrer Beobachtungen ausschliesslich auf Rechnung . der Eigenschaften des Caseins; irgend welchen Abweichungen, sogar in quantitativer Beziehung, begegnend, zogen sie es vor, dieselben durch die Gegenwart eines neuen Proteinkörpers zu erklären, anstatt die Bedingungen dieser Abweichungen durch eingehendere Untersuchungen des Grundkörpers näher zu erforschen. Nur dadurch lässt es sich auch erklären, warum fast jeder Autor, wie wir gesehen, seine eigene Liste, sein eigenes Schema der Proteinkörper der Milch zu-sammenstellt, dabei fast immer von einem ungenügend begründeten Satze ausgehend. So entfernte z. B. Selmi (166 p. 1463) das „suspendirte Casein“ durch einfache Filtration, behandelte das Filtrat mit ‘/5 Vol. absoluten Alkohols und erhielt einen Niederschlag von „löslichem Casein“; dessen Filtrat scheidet mit 4/5 Vol. frischen Alkohols wieder einen Proteinkörper als Niederschlag aus, den Selmi „Gelaktin“ nennt, wobei er in der Anmerkung erklärt, dass Morin mit diesem Namen einen „leimgebenden Eiweissstoff“ (V!) im Milchserum benannte. Die Gelaktinlösung trübt sich bei 50°, ein Niederschlag entsteht aber erst bei 95—100°. Nach einer solchen Behandlung konnte Selmi offenbar Millon’s Lactoprotein auch nicht finden, d. b. das letzte Filtrat gab mit Sublimat keinen Niederschlag. Dies scheint jedoch nicht immer der Fall gewesen zu sein, da gestandene Milch, wie Selmi findet, das Vorhandensein auch von Lactoprotein bekundete. Das Künstliche einer solchen Einteilung liegt klar zu Tage. Bei Hammarsten (64 p. 119; 63 p. 135) finden wir eine Bestätigung der Beobachtungen seiner Vorgänger über das Zurükhalten des Caseins vom Filter (p. n. 56); trotzdem findet Hammarsten zwischen dem Casein und der in Lösung gebliebenen Proteinsubstanz keinen Unterschied, da bei der
i!
1