﻿86
DAS GLOBULIN DER Mll.Cfi.
gut bekannt wai‘, nämlich dass Hühnereiweiss, welches einige Tàgè lang mit 2— 3%-igem Aetzkali gestanden hat, alle Eigenschaften des „natürlichen (V!) Caseins erwirbt, weshalb Danilewski das aus Hühnereiweiss dargestellte „Casein“ „künstliches Casein“—caséine artificielle nennt“ (26 p. 305).
Hammarsten (66 p. 227), der Danilewski & Radenhausen’s Protalbstoffe für gewöhnliche Protein Substanzen der Milch ansah und das Casein den Globulinen zurechnete, zieht zwischen diesen einen Vergleich: wie das Seroglobin wird auch das Casein von Magnesiumsulfat aus seinen natürlich vorkommenden Lösungen gefällt, während das Serum- und Milchalbumin in der Flüssigkeit Zurückbleiben (ib. p. 236). Das durch Säuren ausgeschiedene Casein ist nach dem Trocknen über Schwefelsäure in 0,5-iger Natriumphosphatlösung löslich (ib. p. 240). Ausser der Identificirung des Caseins mit dem Globulin giebt Hammarsten noch die Möglichkeit des Vorhandenseins von Seroglobin in der Milch zu. denn „wenn in der Milch Serumalbumin gegenwärtig (V) ist. so ist kein Grund vorhanden, warum kein Serumglobulin darin sein sollte“ (!). Damit dieser Vordersatz eine einigermaassen wissenschaftliche Bedeutung habe, müsste man wenigstens die Identität dessen, was dieser Autor Seru m a 1 b u m i n und L a c t a 1 b u m i n nennt, beweisen können, und dies ist gerade nicht der Fall ')! Nicht nur „warum es darin nicht sein sollte“, sondern es muss darin vorhanden sein! Hammarsten hatte mehr als einmal Gelegenheit gehabt zu beobachten, dass aus neutralen oder amphoteren Lösungen das Casein von Chlornatrium vollständig ausgefällt wird, demgemäss man glauben sollte, dass Chlornatrium das Casein auch aus der Milch vollständig ausfällen müsste. Es stellt sich jedoch heraus, dass nach der Entfernung des durch Kochsalz erhaltenen Niederschlags fernere Sättigung mit Magnesiumsulfat die Bildung eines neuen Niederschlags bewirkt, welcher die Reactionen des Globulins, möglicherweise des Serumglobulins, besitzt (66 p. 249—50). Ohne die Beziehungen des Seroglobins und des Caseins, welch letzteres er für ein eben solches Globulin ansieht, oder alles das, was er schon früher über die schwere Fällbarkeit des Seroglobins sogar durch Magnesiumsulfat und unvollständige Fällung desselben durch Chlornatrium (p. n. 145 «V.V 48—60 u. folg.) gesagt, in Betracht zu ziehen, sucht Hammarsten nicht einmal die Frage nach dem Verhalten des Caseins den Salzen gegenüber u. derg. zu beantworten. Alle diese Fragen entgingen seiner Aufmerksamkeit infolge der verschiedenen Benennungen—Casein und Globulin—, und sind diese Beziehungen daher so verschleiert, dass er die Fällbarkeit des Caseins durch Salze nicht mehr in Frage stellt, sondern, auf Grund zufälliger Betrachtungen und Thatsachen, seinem Schüler Sebelien vorschlägt die Frage nach der Gegenwart von Seroglobin in der Milch neben dem Casein auszuarbeiten.
Aus Hammarsteirs ganz irrtümlichem Satze ausgehend, dass, wenn aus künstlichen neutral und amphoter reagirenden Lösungen das Casein durch Chlornatrium vollständig ausgefällt wird, dasselbe aus der Milch auch vollständig von Kochsalz ausgefällt werden müsse, sättigte Sebelien (164 p. 445) das Filtrat, welches nach der Entfernung des durch Sättigung mit Kochsalz oder durch Einwirkung mit Lab (ib. p. 446) in neutral oder amphoter reagirender Milch erhaltenen Niederschlags zurückblieb, mit Magnesiumsulfat. Nach dem Abfiltriren wurde der Niederschlag
') „Wenn man sicli vergegenwärtigt, dass wie im Blute so auch in den Transsudaten und im Harne die zwei Eiweissstoffe, Serumalbumin und Serumglobulin, neben einander Vorkommen, so wird es - da das Lactalbumin allgemein als gewöhnliches Serumalbumin aufgefasst wird—an sich
sehr wahrscheinlich, dass auch der zweite Ei-, weissstoff des Blutserums, das Globuliu, welches in dem Rindsblutserum in noch grösserer Menge als das Serumalbumin Vorkommen kann, in der Milch Vorkommen soll“',(6G p. 249).