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DAS GLOBULIN DER MILCH.
der Flüssigkeit nicht mehr vorhanden ist, so nimmt Pfeiffer die Bildung von Casein auf Kosten des Albumins an (ib. p. 157)! Eine ähnliche Ausscheidung in Gestalt von Flocken beobachtet man auch nach der Abtrennung des Albumins durch Kochen (ib. p. 159). Diesen Thatsachen zufolge ist eher anzunehmen, dass wir es hier mit einer Erscheinung zu thun haben, welche der von Kemmerich beobachteten ganz entgegengesetzt ist. Indem Pfeiffer hier ein modificirtes Casein annimmt, welches vom Albumin nicht zu unterscheiden ist, spricht er sich ziemlich entschieden gegen die P r ä e x i s t e n z von Albumin in der Milch aus l). Er identificirt sogar dieses modificirte Casein mit dem sog. sich in den Molken bildenden Albumin (ib. p. 162). Doch auch nach der Entfernung dieses bleiben noch Eiweissreste, die von Tannin gefällt werden, in dem Milchserum zurück.
Dem Gesagten gemäss entschliesst sich Pfeiffer zu der Annahme, dass in ganz frischer Milch nur ein Proteinkörper, „das sog. Casein“, enthalten ist, welches durch Einwirkung von Lab, Säuren, Alkohol in mehrere Modificationen zerfällt. Vor allem bildet sich a-C a s e i n, welches gewöhnlich „Casein“ genannt wird; aus den Molken scheidet sich in der Wärme b-C asein aus, nach welchem Flocken von c-C asein spontan ausfallen, wonach noch d-C asein übrig bleibt, welches von Tannin gefällt wird und, wie Pfeiffer vorschlägt, am besten C a s e ï n r e s t, zu nennen ist.
Was die Frauenmilch anbetrifft, so bestreitet Pfeiffer das Vorhandensein von a-Casein in derselben, die übrigen Modificationen dagegen seien leicht nachzuweisen (ib. p. 166). Unter anderem führt Pfeiffer an, dass auch Frauenmilch unter der Einwirkung sehr verdünnter Säuren einen Niederschlag ausscheidet, dieser aber dem geringsten Säureüberschuss gegenüber sehr empfindlich ist, nämlich sich sogleich in demselben auflöst (185 p. 166).
Von dem Satze ausgehend, dass das Case'in nicht genügend charakterisirt sei. kann Duclaux (37 p. 373) die Sitte nicht gutheissen, die verschiedenen Niederschläge der Milch, wTelche unter verschiedenen Verhältnissen: Einwirkung von Lab, verdünnten Säuren, Alkohol u. s. wT. entstehen, mit einem und demselben Namen zu benennen. Dies scheint ihm um so unconsequenter. als gewöhnlich ausser Acht gelassen wird, dass nicht in allen Fällen aus der Milch gleiche Quantitäten von Niederschlägen erhalten werden, indem ein und dasselbe Agens, in Abhängigkeit von der Temperatur, dem Verdünnungsgrade, der Natur und der Menge der Salze u. s. w., sehr verschiedene Caseünmengen fällt. Die Unzulänglichkeit "der Beweisgründe für die Existenz von Albumin und auch von Danilewrski’s & Radenhau-sen’s Körper und Millon’s & Commaille’s Lactoprote'in in der Milch in Betracht ziehend, sieht Duclaux all diese Körper für nichts anderes als Case'in an, obgleich er 3 Aggregatzustände desselben in der Milch annimt: 1) festes Casein—caséine solide,—welches beim Stehen der Milch zu Boden fällt (einmal fand er in der Milch bis 0,4 der gesammten Caseinmenge); 2) colloïdales Casein, welches durch Papierfilter, nicht aber durch poröse Thoncylinder dringt; nach Entfernung dieses muss das Filtrat 3) die sog. „Lactoprote'in und Albumin“ enthalten. Somit sollte es scheinen, dass diese Körper durch Filtriren von einander getrennt werden könnten. Fernere A ersuche Duclaux’s zeigten jedoch, dass das an der Oberfläche der porösen Cylinder zurückgebliebene Casein, in Wasser aufgelöst, eine Flüssigkeit bildet, welche mittels neuer Filtration durch poröse Cylinder ein Filtrat abgiebt, das
') ... und zweitens spricht der Umstand, dass werden können, sehr gegen die Praexistenz von in der unveränderten Milch durch Kochen kei- Serumalbumin in der Milch. Eine Ausnahme macht nerlei Coagulationerscheinungen hervorgebracht die Colostrum“. (135p. 162).