﻿90
DAS GLOBULIN DER MILCH.
cc. Wasser im Mörser aufgelöst. Die abfiltrirte Flüssigkeit wurde von einigen Tropfen 10%-iger Chlorkalklüsung nicht gefällt; beim Erwärmen bis 30° entstand jedoch ein Niederschlag, der beim Erkalten der Flüssigkeit sich auflöste.
Adam (1 p. 195) behandelt 10 Teile neutraler oder neutralisirter Milch unter Zusatz eines Tropfens Natronlauge auf je 10 cc. derselben mit je 10 Teil. 75° Alkohol und 65° Aether. Nach erfolgter Mischung trennt sich die Flüssigkeit in eine obere, klare, fetthaltige und eine untere, trübe, wässerige Flüssigkeit. Die wässerige Schicht mit dem Waschwasser des Apparates bringt man auf 100 Teile und versetzt mit 6	10 Tropfen Essigsäure. Das Casein scheidet sich in grossen Flocken aus.
Unter Casein versteht Roux (145 p. 1095) im Sinne von Duclaux die gesammte Eiweissmenge der Milch, das Lactalbuinin und Lactprotein. Man erschöpft in einem Scheidetrichter Milch mit Adam’s äther.-alkohol.- ammoniakalischer Flüssigkeit, zieht die untere Schicht ab, fügt zu derselben 50% Trichloressigsäure und tri-chloressigsaures Ammon, schüttelt gelinde um und filtrirt.
Piöse & Schulze (1885,362 p. 115) Anden es wohl unzweckmässig einem Bestandteil irgend einer Substanz denselben Namen zu geben wie dem Ganzen, und schlagen vor, das aus dem Casein entstehende Product — Käse, „Paracasein“—zu nennen.
Peters (134 p, 33) nimmt hinsichtlich der Anzahl der in der Milch vorkommenden Eiweisstofte an, dass in der Kuhmilch nur ein Eiweisstoiif, nämlich Casein odei Caseinogen (Halliburton), vorhanden sei. Allerdings lässt sich dieser Gesammt-eiweisskörper nicht mit einem Mal durch Säurezusatz aus der Milch ausscheidcn. sondern kann nur bei genügender Verdünnung der Milch durch hinreichend verdünnte Säure in mehreren Acten gewonnen werden. Es ist dies aber nur die Folge unseier technischen Unvollkommenheit, und aus dieser einzig und allein scheint dem \ ei lasser die Thatsache zu resultiren, dass man nach dem Ausfällen der Milch durch Säure stets. in dem Filtrat noch Eiweiss fand, welches man, statt es noch einmal der Säurewirkung zu unterwerfen, auf andere Weise gewann, sei es duich Kochen oder Zusatz von Reagentien, wie salpersaures Quecksilberoxyd, und das infolgessen denn auch als ein anderes aufgefasst wurde. Peters schlägt dagegen ein neues V erfahren vor, durch welches es ihm—allerdings unter grossen Schwierigkeiten gelang, das gesammte Eiweiss der Milch nur durch Säure auszufällen.
Nachdem zunächst durch Säurezusatz ein Niederschlag v Eiweiss erzielt var, wurde derselbe abfiltrirt und das Filtrat durch äusserst veruünnte Kalilauge viedei zui Alkalescenz gebracht, worauf sich aus demselben durch Säurezusatz tlas vorher bei dem nicht zu vermeidenden Säureüberschuss noch in Lösung gebliebene oder wieder in Lösung gegangene Eiweiss abschied. Dieser Vorgang wurde vier-bis fünfmal wiederholt; bei vorsichtigem Arbeiten fand sich denn auch in dem letzten Filtrat kein Eiweisskörper, auch kein Lactoproteïn mehr vor,—andernfalls wurde die Ausfällung noch öfter wiederholt (134 p. 34).
Hammaisten (67 p. 104,• 68 p. 449) findet es nicht nötig, auf diese Frage des Näheien einzugehen, denn die, wie es ihm scheint, sehr bedeutenden chemischen Unterschiede, die zwischen Casein und Lactalbuinin bestehen, sind ja allgemein bekannt. Uebiigens zieht Hammarsten es vor. für das gelöste Casein der Mileh den Namen „Casein“ und für das ausgeschiedene—„Paracasein“ beizubehalten *).
') „Dem Vorschläge, das Casein der Milch „Ca-seinogen“ zu nennen, kann ich nicht beitreten. Dieser Vorschlag hat nämlich nur dann einen Sinn, wenn man den Käse Casein nennt ganz so, wie man das Umwandlungsproduct des Fibrinogens Fibrin nennt. Es ist aber nicht schwie-
rig zu verstehen, zu welcher Verwirrung es führen muss, wenn einige Forscher unter dem Namen Casein den Käse und andere die Muttersubstanz desselben verstehen. Aus diesem Grunde ziehe ich die Namen Casein und Paracasein vor“ (67 p. 103\