﻿414
ALLGEMEINE SCHLÜSSE.
das Serum derartig verändern, dass es schon bei 64° zu gerinnen beginnt (22 p. 465). Nicht weniger lehrreich ist auch Pfeifer’s Annahme (A'.V 68—74 p. 88) von der Bildung des Caseins auf kosten des Albumins! Einen eben solchen Charakter tragen auch Michailoff’s und seiner Schüler Arbeiten, welche hauptsächlich deshalb das Licht der Welt erblickten, weil die „Lorbeern“ Tarchanoffs. der das Eiweiss der Vögel genau untersucht hatte (p. n. AhV 48—60 p. 70). Michailolt „den Schlaf raubten“. Den Wunsch hegend, die Bedeutung von Tarchanoffs Arbeiten herabzusetzen, beging Michailoft einen Fehler nach dem andern; wir wiesen auf diesen Umstand schon hin: das beste Zeugniss dafür geben aber Michailoff’s Dissertation und seine andern Schriften (36 p. 13. 26, 40 u. 63; 37 p. 303; 44 p. 398; 49 p. 394).
Hierher gehört auch noch die Beleuchtung der Arbeiten der Vorgänger nach eignem Geschmack, wie man es bei Fredericq in Bezug auf Denis’s Arbeiten findet (AbU 48—60 p. 115 in der Anm. und .VU 48—60 p. 116 in d. Anm.). sowie auch das Verbessern von Ungenauigkeiten. Irrtümern des Autors seitens der Referenten, ohne aber dessen zu erwähnen, wie es z. B. Herter tat (AhU 93—100 p. 402). Zuweilen werden mit grosser Sicherheit und vollem Selbstbewusstsein ganz enstellte, schon bekannten Tatsachen widersprechende Sätze ausgesagt, wie z. B. von Zimmermann in bezug auf die Löslichkeit des arteriellen Fibrins, was sich auf das venöse Fibrin bezieht. (56 p. 22; AhV 75—80 p. 187)!... Wie erstaunt ist der Leser, wenn er auf Panum’s Meinung stösst. dass „Fibrin“, „Globulin“. „Albumin“. „Casein“ u. s. w. Namen und Begriffe seien, die vor allem der Physiologie und Pathologie angehören und keinerlei" chemische Prinzipien voraussetzen, dass diese Körper keine (42 p. 419—20) chemischen Substanzen (.UV 93—100 p. 402), sondern vorläufig nur physiologische seien, und noch erst zum Rang chemischer Körpern erhoben werden sollen. Der Unterschied zwischen diesen Benennungen ist schwer zu verstehen, leichter die Veranlassung zu einem solchen zu begreifen: Panum wollte beweisen, dass das Casein der Milch mit dem, was gegenwärtig Serumglobulin genannt wird, identisch sei (AW 48—60 p. 107—110), weshalb er solcher Argumente bedurfte, die sowohl vom chemischen als vom physiologischen Standpunkte aus als Beweis dienen konnten (42 p. 20—3)! Im allgemeinen ist es den Autoren nicht schwer bei Gelegenheit irgend eine Annahme ad hoc zu machen, doch nicht im Sinne einer endgültigen Erklärung! Gedenken wir nur z. B. Hammarstens Beweisführung für die Gegenwart von „Serumglobulin“ in der Milch (A»A® 68—74 p. 86)! Trifft man in einem Präparat auf unerwartete Eigenschaften, so werden diese der Gegenwart von Verunreinigungen zugeschrieben, wie z. B. bei Hammarsten und Sebelien (48 p. 450: 23 p. 498). die für das Globulin besondere Lösungsmittel annalunen, um nur die Unfällbarkeit desselben dort zu erklären, wo sie dieselbe erwarteten! Schmidt's und Hammarsten’s Arbeiten wimmeln überhaupt von den Ausdrücken „rein“, „verunreinigt“, „Verunreinigung“ u. dergl., welche eigentlich bloss eine rhetorische Bedeutung haben und. den Leser gründlicher von der Richtigkeit der Schlüsse des Autors überzeugen sollen! Ich führe aufs Geratewohl nur Beispiele an, die sich auf die neueren Zeiten beziehen: das schliesst aber ein ähnliches Verhalten der älteren Autoren nicht aus, denn schon im Jahre 1846 rügte Virchow streng die Leichtfertigkeit, mit welcher gewisse Autoren chemische Angaben auf die Proteinkörper übertrugen 1). Wir gedenken nicht einmal solcher Ausdrücke wie „der sogenannte“ u. dergl.. mit deren Hilfe manche Autoren entweder nur ihnen Bekann-
te Die Chemie leistet das Ihrige; überschreitet Schuld der Aerzte, welche sich ent^ edei 's oi iln sie dabei manchmal die Grenzen ihrer V\ issen- abschliessen, oder ihre Angaben mit einei un-schaft, so ist das nicht ihre Schuld, sondern die erhörten Leichtfertigkeit übertragen (5b p. 76).