﻿ALLGEMEINE SCHLÜSSE.
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Milch und Hiilmereiweiss mit Alkohol fällten, um die Niederschläge mit einander zu vergleichen. Mit ungleich mehr Erfolg arbeitete Denis, der, wie wir gesehen, die Erforschung der Beziehung der Protei'nsubstanzen verschiedener Herkunft zu einander nicht wenig gefördert liât. Unter anderm schlug er vor, die spezifischen Gewichte der natürlich vorkommenden Flüssigkeiten — Serum und Eiweiss—auszugleichen (13 p. 17)1 Dieser Methode bediente sich zum Teil auch Bouchardat (4 p. 963). Doch waren das nur schwache Versuche. Lehmann’s Forderungen drücken die Idee der Methode gleicher Versuchbedingungen im allgemeinen aus. Dieser Autor besteht auf der" Notwendigkeit, möglichst reine Protei'nsubstanzen zu erhalten und sie erst dann unter einander zu vergleichen *), da die geringsten Beimengungen nicht nur durch ihre Eigenschaften sondern auch durch ihre quantitativen Verhältnisse den Charakter des Präparats stark beeinflussen können (33 p. 310, 359). Indem Lehmann den unerfreulichen Zustand unsrer Kenntnisse über die Proteinkörper beklagt, verhält er sich ablehnend sowohl gegen die Versuche, die verschiedenen Präparate mit einander zu identifiziren, als auch gegen das Bestreben, iür diese oder jene Proteinsubstanz ein unfehlbares, charakteristisches Pieagens aulzufinden. Da allen diesen Versuchen ein einheitlicher Gedanke fehlt, so betrachtet Lehmann dieselben als ein fruchtloses „Herumtappen im Finstern“ l 2) um so mehr, als eine und dieselbe Substanz unter scheinbar gleichen Verhältnissen olt ganz verschieden reagirt. Versuche, die Methode gleicher Versuchsbedingungen praktisch anzuwenden, machte auch Brücke, doch blieb er bei ganz äusserlichen Verhältnissen (.VA 93—100 p. 373; 6 p. 883). Dasselbe gilt auch von Heynsius, der die zum Versuch genommenen Flüssigkeiten soweit verdünnte, dass der Proteingehalt in denselben ein gleicher wurde (26 p. 531).
1) Dialyse gegen Salzlösungen. Ein A erfahren. Proteinkörper unter gleichen Bedingungen zu erhalten, ohne sie aus den Flüssigkeiten auszuscheiden, dürfte das Dialysiren der zu vergleichenden Flüssigkeiten gegen bestimmte Lösungen irgend eines Salzes (z.B.,0,5—12° 0 Kochsalzlösung) sein. Nach genügend langer Dialyse werden die Flüssigkeiten auf ein und dasselbe spezifische Gewicht gebracht, indem man sie mit derselben Kochsalzlösung versetzt, die zur Dialyse
l) Dies die Gründe, warum unsre Literatur so reich ist an verschiedenen, oft sich widersprechenden Angaben über einzelne Eigenschaften der Eiweissstotfe. Man hätte daher wohl nicht aus beliebigen Quellen das Eiweiss zur Anstellung
qualitativ chemischer Versuche benutzen sollen, sondern damit beginnen, vorher ein chemisch möglichst reines Albumin darzustellen und dann zu prüfen, welche Modincationen seine Eigenschaften und Reactionen durch Beimengung verschiedener Stoffe in verschiedenen Verhältnissen erleiden; denn nicht nur ein Körper an sich bedingt in dem Eiweiss oft auffallende Verschieden-lieiten, sondern sogar die verschiedene Proportion, in welcher er jenem beigemengt ist. Von diesem Gesichtspunkte aus haben zuerst Scherer (Ann. d. Ch. u. Pharm. Bd. 40, S. 1—65 u. s. w.) und ich (Lehmann. Arch. f. phys. Heilk. Bd. 1, S. 234) die Eigenschaften des Eiweissstoffs geprüft, später Melsens, Panum und Lieberkühn; allein leider sind dadurch immer nur einzelne Punkte aufgeklärt oder hervorgehoben, aber noch kein vollkommnes, wissenschaftlich befriedigendes Resultat erzielt worden (33 p. 310).
2) Auch hat man in neuerer Zeit sich die Mühe genommen, mit den verschiedensten Mitteln die Reactionen des Caseins, wie die andrer Protein-körper, durchzuprüfen: allein so anerkennens-werth derartige Bemühungen sind, so haben sie doch zu nicht viel geführt und konnten es in der That auch nicht: denn abgesehen davon, dass ein solches Suchen nach entschiedenen Resultaten immer ein Herumtappen im Finstern bleibt, so lange nicht ein einheitlicher Gedanke den Gang der Untersuchung leitet, so fallen auch die Resultate solcher Experimente oft so verschieden in ihren Einzelnheiten aus, dass sie oft gar nicht in Einklang zu bringen sind; jeder, der sich mit solchen Untersuchungen beschäftigt und Säuren, Basen, Metallsalze u. dergl. unter verschiedenen Verhältnissen hat auf die eiweissartigen Stoffe einwirken lassen, wird bestätigen können, dass oft eine und dieselbe Substanz unter scheinbar gleichen Verhältnissen die verschiedensten Reactionen giebt und dann bald mehr dem einen bald dem andern Proteinkörper ähnelt (33 p. 355).