﻿DAS GLOBULIN DER COAGULIRBAREN SUBSTANZ DES BLUTES.	1#3
iißies Fibiin zu erhalten (ib. p. 171 3). \on dem soeben Dargelegten ausgehend, kann man frei behaupten, dass Lecanu zum Teil recht hatte, als er die Identität der Stromasubstanz der roten Blutkörperchen mit dem Fibrin zugab (108 p. 5; 107 p. 11). Die Blutkörperchen, welche durch Filtration von ungeronnenem, in’eine Natriumsulfatlösung eingeflossenem Ochsen- oder Schafblut abgetrennt werden, bilden nach dem Auswaschen mit Salzen und "Wasser zuerst eine geléeartige dann ein fibrinöse Masse.
Im weiteren identificirt Melsens (134 p. 247) dem äussern Ansehen nach die Blutgerinnung mit dem Ausscheidungsprocess des Ovoglobins beim Schlagen des Eiweis-ses, obgleich er die Producte dieser beiden Processe unterscheidet. Gluge (72 p. 189) bestätigt auf Grund mikroscopischer Beobachtungen Melsens’s Schlüsse, nach welchen die Fäden des gewöhnlichen Fibrins von den beim Schlagen des Hülmerei-weisses erhaltenen sich unterscheiden. Doch fand Panum (146 p. 251), der bei der Vermischung von Hühnereiweiss mit Wasser Häute und Fäden erhielt, zwischen diesem Product und dem Fibrin viel Gemeinsames. Nichtsdestoweniger hält Panum es für nötig zu fragen, was denn eigentlich für Fibrin anzusehen sei. Das Vorhandensein von molecularem Fibrin nicht zugebend und alle von Polli (Bd. IV p. 178) angenommenen Fibrinarten identificirend, giebt Panum das Vorhandensein nur eines Fibrins mit dem einen Merkmal—dem faserigen Bau, wie er unter dem Mikroscop erscheint, zu. Die Löslichkeit des Fibrins in Betracht ziehend, nimmt Lehmann jedoch (110 p. 330) an, dass ein jedes Fibrin in dreifacher Gestalt erscheinen könne: 1) in der normalen, in Flüssigkeiten gelösten; 2) in der festen, welche gewöhnlich das geronnene genannt wird, und 3) als in der Wärme geronnenes, in Wasser gekochtes Fibrin ’). In dieser letzteren Form unterscheide sich das Fibrin durch nichts von dem in der Wärme geronnenen Albumin (ib. p. 334).
Diese Charakteristik des Fibrins, welche Lehmann in seinem Lehrbuche giebt, ist in der Hinsicht interessant, dass zu derselben Zeit Robin & Verdeil (154 p. 209) in Frankreich in ihrem nicht weniger bekannten Lehrbuche dieselbe Charakteristik des Fibrins geben, indem sie als dessen normalen Zustand den flüssigen (liquide) annehmen, der bei dem Gerinnungsact (solidification) in den festen Zustand (état solide) (ib. p. 204) übergeht.
Zergliederung des Begriffs Fibrin in d i e B e gr i f f e „F fibrinogen“ und eigentliches „Fibrin“. Seit Mitte der 40-er Jahre fing man an. im Gegensatz zu der gewöhnlichen Vorstellung von dem Vorhandensein des Fibrins im suspendirten oder im gelösten Zustande und dessen Uebergang beim Gerinnungsprocess in eine gallertartige Substanz u. s. w., die Meinung auszusprechen, dass im ungeronnenen Blute ein besonderer Protemkörper vorhanden sei. der bei der Gerinnung in die Modification übergehe, welche Fibrin genannt wird.
Die ersten Hinweise auf eine solche Lehre finden wir bei Mulder (1844, 141 p. 325), welcher der Ansicht ist, dass das Fibrin im Blute sich in halbflüssigem Zustande befindet 2). Indem Mulder in den Stromata der roten Blutkörperchen eine besondere Substanz annimmt, die er „Globulin“ nennt, glaubt er, dass das Fibrin seine Entstehung dieser Substanz verdanke; jedenfalls befinde si c h de r
') „Wir unterscheiden zunächst nur das Fibrin in natürlich gelöster Form, ferner das später geronnene und endlich das durch Hitze coagulirte oder gekochte Fibrin“ (110 p. 330).
:) „Man sagt, er sei in dem Blute aufgelost.
Dies darf indessen gewiss nicht im buchstäblichen Sinne genommen werden, vielmehr scheint der Faserstoff in einem halbflüssigen Zustande in dem Blute enthalten zu sein“ (141p. 325).-