﻿14
dabei aber unbeachtet, ob das Erstgenannte auch wirklich das Erstgesehene war; es konnte vielleicht mit anderem gleich-zeitig gesehen sein und erst nachträglich die Aufmerksamkeit sich ihm zugewandt haben. Vor allem stellte sich heraus, dass das erste Wort, welches auf die Lippen trat, nicht selten ein Objekt bezeichnete, welches merklich später gesehen wurde als ein anderes, dessen Bezeichnung vielleicht weniger geläufig war. Das Ergebnis der Selbstwahrnehmung musste somit allein zum Massstab genommen werden. Eine gewisse Uebung ist dabei unerlässlich; im Anfang begegnen häufig schwankende Aussagen, ob der Wahrnehmung eines einzelnen Objektes schon die Auffassung mehrerer flüchtig vorausging oder nicht, ob von mehreren Objekten zuerst das eine oder das andere gesehen wurde und ähnliches. Allmählich werden aber die Aussagen immer sicherer; die Versuche, über die ich berichte, sind sämtlich nach Absolvierung des Uebungsvor-stadiums angestellt, so dass die Versuchspersonen fast ausnahmslos sofort sicher angeben konnten, wie der Prozess der Bildauffassung ablief.
Unsere Protokolle beziehen sich auf 2000 Versuche an 400 Bildern ; jedes Bild ist also etwa fünfmal dargeboten, und zwar lag zwischen zwei Wiederholungen desselben Bildes jedesmal eine Pause von mindestens zehn Tagen. So oft dasselbe Bild wiederkehrte, wurde jedesmal ein neues Wort zugerufen. Bei den 2000 Versuchen trat 857mal der Fall ein, dass ein Objekt des Bildes bestimmt zuerst, und zwar merklich früher als die anderen Bildteile, aufgefasst wurde. In den übrigen 1143 Fällen war entweder das Ganze auf einmal gesehen worden oder mehrere Objekte, welche sich nicht als zusammengehörige Einheit auffassen liessen. Unter den 857 Fällen ist 192mal zweifellos der äussere Eindruck des betreffenden Objektes die Ursache für die Bevorzugung in der Auffassung gewesen. So war auf einem sehr dunkel gehaltenen Bilde ein einziger heller Gegenstand, dessen Lichtstärke durch den Kontrast so lebhaft gesteigert war, dass der