﻿bat ich die Herren, welche also tausende Mal Intervalle von stets 8 bis 12 Sek. sehr exakt verglichen hatten und immer gewusst hatten, dass sich unsere Versuche ausnahmslos in diesen Grenzen bewegten, möglichst ohne nachträgliche Reproduktion ein Urteil über den Rhythmus der zugerufenen Worte abzugeben. Die Urteile lauteten 2, 8, 5 und 8 Sek., also vollkommener Irrtum. Es war eben, da kein besonderer Anlass vorlag, bei diesen Versuchen den Zeitwert zu beachten, die ganze Aufmerksamkeit auf den eigentlichen Zweck der Versuche gerichtet, so dass das Zeiturteil nachher sich nur auf die Erinnerung daran stützen konnte, dass man sich beeilen musste, um mit dem Aufschreiben jedesmal fertig zu werden; die Nachwirkung dieses Hastgefühles zeigte sich in der wesentlichen Unterschätzung der Zeit.
Einen solchen besonderen Anlass zur Beachtung jenes subjektiven Untergrundes unserer objektiven Wahrnehmungen finden wir natürlich nicht etwa nur bei psychologischen Zeitsinnexperimenten, sondern alltäglich beispielsweise beim Hören von Musik und von Versen. Das rhythmische Gefühl, dessen gleichmässige motorische Entladungen den wechselnden Vorstellungsinhalt der Worte und Klänge begleiten und sie in gleiche Zeitgrössen zerlegen, wird hier schon durch kurzen, regelmässig periodischen Wechsel von Reizintensitäten angeregt. Aber auch hier bestehen ja grosse Unterschiede der Begabung und Uebung. Der poetische Mensch kann ein Gedicht nicht hören, ohne den Rhythmus desselben als selbständiges psychologisches Gebilde aufzufassen, das er daher auch dann reproduzieren kann, wenn er kein Wort des Gedichtes mehr im Gedächtnis hat. Bei dem unregelmässigen Accentwechsel der schmucklosen Prosa dagegen bleiben die subjektiven Spannungen, mit denen wir auf den Intensitätswechsel der Reize reagieren, fast völlig unter der Schwelle des Bewusstseins. Beim leeren Zeitintervall liegen die Verhältnisse natürlich noch einfacher, insofern hier nichts unsere Aufmerksamkeit von den subjektiven Vorgängen ablenkt, sobald dieselbe ihnen nur erst zu-