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gefähre erste Orientierung darstellen. Dann dürfte sich dabei auch für die Psychologie des Rhythmus mancherlei Neues ergeben; sprechen doch schon unsere Versuche über Vergleichung von Accord und Ton, von angezogenem und intermittierendem Ton, von schnell und langsam Gelesenem u. s. w. deutlich dafür, dass es für die Zeitgliederung in Musik und Poesie ebenso gesetzmässige Täuschungen geben muss wie die optischen Täuschungen für die Raumgliederung der bildenden Künste und manche ästhetische Wirkung auf diesem Wege vielleicht ihre Erklärung findet.
Wundt unterscheidet (Phys. Psych. II3 S. 355) ein retrospektives und ein prospektive* Zeitgefühl. Mit dem ersteren vergleichen wir die Zeitgrössen und beurteilen sie nach ihrem Ablauf; der Massstab dieses retrospektiven Zeitgefühls liegt in der grösseren oder geringeren Zahl von Vorstellungen. Das prospektive Zeitgefühl bezieht sich auf die ablaufende Zeit, der Massstab liegt in der Spannung der Aufmerksamkeit ; die Zeit fliesst rasch dahin, wenn die Eindrücke uns vollkommen in Anspruch nehmen, sie erscheint uns langweilig, wenn unsere Aufmerksamkeit fortwährend erwartend auf zukünftige Eindrücke gespannt ist.
Die aus unseren Versuchen sich ergebenden Resultate würden von dieser Auffassung also in folgendem abweichen. Das retrospektive Zeitgefühl, das sich auf die. Zahl der zwischenliegenden Vorstellungen stützt, hat für die Erinnerung zwar vollkommene Geltung, es ist aber nicht dasjenige subjektive Hilfsmittel, mit dem wir die ausgefüllten Intervalle wirklich vergleichen, da sich die Urteile überraschend richtig erwiesen trotz grösster Verschiedenheit in der Zahl der zwischenliegenden Vorstellungen. Das prospektive Zeitgefühl, insofern es „einfach in der Spannung der Aufmerksamkeit auf erwartete Eindrücke besteht“, existiert nicht. Die vergebliche, immer erneute Spannung erzeugt allerdings einen besonderen Gefühlszustand, die Langeweile; dieselbe ist aber als ein Affekt, nicht als ein Zeitgefühl aufzufassen. Bei dem entgegengesetzten Vor-