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unbewusst die Herzschläge zählen, im anderen Fall sich auf eine andere unbekannte Weise Kenntnis von der abgelaufenen Zeit verschaffen, während Du Preis transscendentale Kopfuhr doch wobl allseitig ins spiritistische Raritätenkabinet verwiesen wird. Nur derjenige Körpervorgang kann zum Massstab dienen, dessen verschiedene Phasen im Bewusstsein durch Sensationen repräsentiert sind, gleichviel, ob dieselben auf den Körpervorgang direkt bezogen werden oder als Elemente anderer Vorstellungen empfunden werden. Würden wir dauernd an Herzklopfen leiden, den Herzschlag also empfinden, dann würden wir an dem entsprechenden Sensationenkomplex, ohne die Schläge zu zählen und auch ohne sie gewöhnlich auf die Herzmuskelthätigkeit zu beziehen, in der That eine Stütze der Zeitmessung haben. Psychologisch sehr fein gebrauchen daher einige neuere Dichter, wie Jensen, Telman u. a., das Zeitmass „einen Herzschlag lang“ dort, wo die empfindende Person in lebhaftem Affekt ist; dasselbe gilt natürlich vom Karotidenpuls u. s. w.
Nicht jeder beliebige periodische Körpervorgang also kommt in Frage, sondern nur ein solcher, bei dem der körperliche Zustandswechsel sich in einen Empfindungswechsel umsetzt. Hier ist dann die Erneuerung dieser Empfindungen gewährleistend für die richtige Reproduktion des Intervalls, weil diese Emfindungen bei der Reproduktion • im wesentlichen keinen anderen objektiven Rhythmus haben können als bei der ersten Auffassung, insofern sie durch den gleichmässigen Ablauf der Organthätigkeit vor so grossen zeitlichen Veränderungen bewahrt sind, wie sie etwa in den äusseren Reizen eintreten können. Wir können beim Anhören eines Violin-stückes erst vier Takte hindurch einen Ton und in den nächsten vier Takten über hundert Töne zu hören bekommen; wenn wir aber während des Stückes die Vierteltakte auch nur ganz leicht durch Muskelspannungen periodisch accen-tuieren, so muss dieser Wechsel der Spannungs- und Entspannungsempfindungen uns bei dem ausgehaltenen Ton wie
Münsterberg, Beiträge. IV.	8