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{"created":"2022-01-31T16:58:05.542373+00:00","id":"lit11","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Zweiter Band: Popul\u00e4re Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze, 119-144. Leipzig: Wilhelm Engelmann ","fulltext":[{"file":"p0119.txt","language":"de","ocr_de":"lieber das physiologische Privat-Laboratorium an der Universit\u00e4t Leipzig,\n[Rede gehalten am 21. December 1872, bei Gelegenheit der Er\u00f6ffnung seines Amphitheaters. Leipzig, Wilhelm Engelmann, 1873.]\nMit 5 Holzschnitten.\nHochverehrte Anwesende!\nAm 13. v. M. waren es gerade drei Jahre her, dass ich'in meiner Antrittsvorlesung \u2019) eine Art Programm f\u00fcr meine Th\u00e4tigkeit an der hiesigen Hochschule aufstellte. Ich bezeichnete es als meine besondere Aufgabe die Hilfsmittel der physiologischen Demonstration in einer bisher noch nicht erreichten Vollkommenheit und Ausdehnung auszubilden und herbeizuschaffen, um \u2014 wenn dies gelungen w\u00e4re \u2014 den Versuch zu erm\u00f6glichen die Physiologie zum ersten Mal in wirklich allgemein-fasslicher, auf unmittelbare Anschauung basirter Darstellung zu behandeln.\nEs sollte sich die Physiologie als ein integrirendes Element des h\u00f6heren Bildungsganges, wie ihn die Universit\u00e4t zu bieten und zu vermitteln hat, \u00e4hnlich den allgemeinen philosophischen und historischen Coll\u00e9gien in den Studienplan eines jeden Studenten, mag ihn sein k\u00fcnftiger Specialberuf welcher Facult\u00e4t immer zugef\u00fchrt haben, ein-f\u00fcgen k\u00f6nnen, wozu bisher noch nirgendwo Gelegenheit und Mittel geboten sind.\nSelbstverst\u00e4ndlich dachte ich dabei auch an gebildete und eine allgemeine Bildung anstrebende M\u00e4nner aller St\u00e4nde \u2014 selbst wenn sie ihre Universit\u00e4tsstudien l\u00e4ngst hinter sich h\u00e4tten oder vielleicht auch niemals eine Universit\u00e4t bezogen haben sollten, \u2014 ja \u2014 unter Umst\u00e4nden und gewissen Einschr\u00e4nkungen selbst an ein gebildetes Damenpublikum.\nProf. Lazarus hat in seinem, am 20. Januar 1872, in der Sing-1 Siehe oben S. 105.","page":119},{"file":"p0120.txt","language":"de","ocr_de":"] 20\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nakademie zu Berlin gehaltenen Vortrag \u00bbals einen den Geist unserer Tage charakterisirenden Gesichtspunkt das Streben hervorgehoben, die mechanische Weltanschauung auszubauen, eine Weltanschauung, in welcher es sich vor Allem nur um das Verh\u00e4ltniss der Causalit\u00e4t, um die Feststellung von Ursache und Wirkung handelt, um die Zusammenstellung der Gesetze, welche die Ereignisse beherrschen. Darum steht im Vordergr\u00fcnde aller geistigen Bestrebungen die Naturwissenschaft \u2014 die Naturwissenschaft in ihrer mannigfachen Zerlegung. Allgewaltig ist ihre Herrschaft \u2014 dergestalt, dass Alles, was irgend wie auf irgend einem Gebiete zn einer wahrhaften Erkenntniss zu kommen strebt, in die Wege der Naturwissenschaft einbiegt.\u00ab\nIch hin nun seit langer Zeit der innigsten Ueherzeugung, dass von allen Zweigen der Naturwissenschaft die Physiologie oder Biologie eine geradezu centrale Stellung im weiten Gebiete der geistigen und materiellen Bestrebungen einnimmt, in so fern ihr Object die Erforschung des \u00bbLehens\u00ab ist, und es daher gar keine Leistungen und Beziehungen oder Interessen des Menschen gehen kann, welche nicht in einem mehr oder weniger innigen solidarischen Zusammenhang mit dieser Wissenschaft stehen w\u00fcrden. Auch d\u00fcrfte nach meiner Meinung keine andere Wissenschaft im Stande sein in wirksamerer Weise die w a h r e A u f k 1 \u00e4 r u n g zu f\u00f6rdern, als eben die h e u t i g e Physiologie, welche im Sinne der m e c h a n i s c h e n Weltanschauung alle die dunklen und in ihren Consequenzen die freie Forschung hemmenden Vorstellungen von der Existenz und Wirksamkeit einer besonderen mysteri\u00f6sen \u00bbLebenskraft\u00ab erfolgreich bek\u00e4mpft und aufzuhellen sucht.\nIch verstehe hier (nach einem Citate Lecky\u2019s) unter der wahren Aufkl\u00e4rung, mit Kant, \u00bbden Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unm\u00fcndigkeit. Unm\u00fcndigkeit ist das Unverm\u00f6gen sich seines Verstandes ohne Leitung eines Anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unm\u00fcndigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschliessung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines Anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth dich deines eigenen Verstandes zu bedienen !\u00ab\nBeil\u00e4ufig bemerkt habe ich denn auch diesen Wahlspruch der Aufkl\u00e4rung hier in diesem Saale mit Lapidarschrift anbringen lassen. Ihm gegen\u00fcber steht, nicht blos zur Wahrung der Symmetrie, sondern als ein nicht minder in diesen Baum passender Spruch oder Zuruf, welcher den Besuchern des hiesigen Gewandhaussaales so gel\u00e4ufig ist : \u00bbRes severa est verum gaudium.\u00ab \u2014","page":120},{"file":"p0121.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n121\nDer Werth und die Tragweite eines Unternehmens, dessen Ziel nicht die oberfl\u00e4chliche sog. \u00bbPopularisirung\u00ab, sondern die m\u00f6glichste Verbreitung einer m\u00f6glichst gr\u00fcndlichen Bekanntschaft mit der heutigen Physiologie ist, d\u00fcrfte hiernach wohl einleuchtend genug sein.\nDie mancherlei Bedenken, die ungew\u00f6hnlichen Schwierigkeiten, welche sich der Art der Durchf\u00fchrung dieses Unternehmens, wie sie mir als die allein zum Ziele f\u00fchrende vorschwebt, entgegenstellen, habe ich niemals verkannt und in jener Antrittsvorlesung auch ausdr\u00fccklich betont und hervorgehoben.\nIch scheue mich nicht geradezu zu bekennen, dass sich mir jene Bedenken und Schwierigkeiten in dem Maasse steigerten, als ich mich vor nunmehr drei Jahren mit ihrer Beseitigung und Ueberwindung praktisch zu besch\u00e4ftigen begann, und zur Herstellung und Ausf\u00fchrung' von besonderen Baulichkeiten und von gewissen optischmechanischen Einrichtungen fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen angewiesen war.\nEs ist mir schmerzlich hinzuf\u00fcgen zu m\u00fcssen, dass namentlich zwei ausw\u00e4rtige Optiker und Mechaniker, welchen ich \u00fcberdies gerade mein vollstes Vertrauen geschenkt hatte, in der unverantwortlichsten Weise durch ihre Unzuverl\u00e4ssigkeit und sonstiges Verhalten mein Vertrauen missbraucht und mich im Stich gelassen haben, so dass ich noch vor Beendigung des gr\u00f6sseren Theiles meiner Auftr\u00e4ge alle ihre Arbeiten sistiren musste. Auch andere widrige Umst\u00e4nde, die mit der Ausf\u00fchrung irgend welcher baulichen Anlagen unvermeidlich verkn\u00fcpft zu sein scheinen, dann die Schwierigkeit einen geeigneten Assistenten zu,finden1} u. s. w., haben, sowohl im Grossen und Ganzen Verz\u00f6gerungen und Hemmungen herbeigef\u00fchrt, als auch Einzelnes, was mir besonders nothwendig und w\u00fcnschenswerth erschien, zum Theil wohl f\u00fcr immer, ganz vereitelt, so dass, trotz aller M\u00fche und Zeit, die ich aufgewendet, trotz aller materiellen Opfer, welche ich gebracht habe, das Wenigste von Dem bereits herbeigeschafft und vollendet worden ist, was ich f\u00fcr absolut unentbehrlich erachte, um, wie ich hoffen durfte, schon jetzt einen Anfang mit dem beabsichtigten \u00bbphysiologischen Anschauungsunterricht\u00ab zu machen.\nJa, ich kann mir heute, Ihnen gegen\u00fcber, das offene Gest\u00e4ndniss nicht ersparen, dass ich noch gar nicht abzusehen vermag, wann endlich\n1 Nachtr\u00e4glich bemerke ich, dass ich noch immer einen jungen Mann suche, der praktische physikalische und chemische Kenntnisse, manuelle Geschicklichkeit und mechanische Fertigkeiten besitzt. Gelehrte Bildung ist nicht erforderlich. Antr\u00e4ge w\u00fcrden mir willkommen sein!","page":121},{"file":"p0122.txt","language":"de","ocr_de":"122\nUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nmeine diesbez\u00fcglichen Vorbereitungsarbeiten, in einer mich befriedigenden Weise, vollendet sein werden, und ob und in wieweit \u00fcberhaupt es mir bei dem andauernd leidenden Zustand meiner Gesundheit m\u00f6glich sein wird dieselben zu einem derartigen, vorl\u00e4ufigen Abschluss zu bringen, dass ich auch jenen Theil der Ziele und Zwecke meines, an der hiesigen Universit\u00e4t errichteten physiologischen Privat-Laboratoriums zu erreichen gestimmt und im Stande sein werde, welcher sich auf meine eigene regelm\u00e4ssige \u00f6ffentliche Lelirth\u00e4tigkeit bezieht.\nDenn bei der Errichtung meines Laboratoriums verfolgte ich nicht ausschliesslich Unterrichtszwecke, sondern die neue Anstalt sollte mir vor Allem unabh\u00e4ngige Gelegenheit und Mittel zu meinen wissenschaftlichen Forschungen und Arbeiten bieten, welche ich allerdings f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit ganz unterbrochen hatte, um mich mit den weitl\u00e4ufigen Vorbereitungen f\u00fcr den neuen physiologischen \u00bbAnschauungsunterricht\u00ab zu besch\u00e4ftigen, welche ich aber sofort wieder aufzunehmen gedachte , wenn diese letzteren vollendet sein w\u00fcrden, oder \u2014 was ich freilich nicht ahnen konnte \u2014 verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig allzugrosse Opfer an Zeit und M\u00fche kosten sollten, um rasch und glatt durchgefiihrt zu werden.\nEs ist mir ein wahres Bed\u00fcrfniss mich \u00fcber Alles dies \u00f6ffentlich auszusprechen, denn es gilt die vielfachen, ungeduldigen Anfragen Einzelner \u00fcber das Ziel und den Fortgang meines Unternehmens auf einmal definitiv zu beantworten und der Entstehung mancherlei missverst\u00e4ndlicher Vorstellungen und Erwartungen vorzubeugen.\nDeshalb habe ich mir erlaubt die Einladung zur heutigen Er\u00f6ffnungs-Versammlung ergehen zu lassen, welcher Sie, m. H. ! \u2014wie ich mit Dank und Freude constatire \u2014 so zahlreich gefolgt sind \u2014 trotz der irreleitenden Notiz, welche das hiesige \u00bbTageblatt\u00ab \u00fcber den Tag der Versammlung heut Morgen gebracht hat.\nDenn indem ich heute dieses Amphitheater feierlich er\u00f6ffne und speciell dem h. Rectorate unserer Hochschule zu Universit\u00e4tszwecken f\u00fcr Einzelne der Herren Collegen zur Verf\u00fcgung stelle, die solche R\u00e4ume brauchen und sich mit mir Uber deren Benutzung ins Einvernehmen setzen wollen, w\u00fcnsche ich auch \u00f6ffentlich Bericht zu erstatten, sowol \u00fcber Das, was ich bereits gethan und erreicht habe, als \u00fcber Das, was ich noch zu thun und zu erreichen beabsichtige, w e n n mir die Kraft und die Freude an der Arbeit vollends wiederkehrt und dauert.\nIch will hier nicht n\u00e4her auf die vielfachen, die Durchf\u00fchrung meiner urspr\u00fcnglichen Absichten vereitelnden und \u00fcber Geb\u00fchr","page":122},{"file":"p0123.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n123\nverz\u00f6gernden Hemmungen und Hindernisse eingehen, welche mir theils aus h\u00f6chst unliebsamen, schon oben ber\u00fchrten, \u00e4usseren Umst\u00e4nden, theils aus ganz individuellen, durch einige jener Umst\u00e4nde bis zur Unertr\u00e4glichkeit verschlimmerten Gem\u00fcths- und Gesundheits-Verh\u00e4ltnissen erwuchsen. Es mag die beil\u00e4ufige Andeutung gen\u00fcgen, dass mir hierdurch auf lange Zeit alle Arbeitskraft geraubt, ja mein ganzes Unternehmen, bis zum Entschl\u00fcsse es v\u00f6llig aufzugeben, verleidet worden war, und ich mich erst mit der allm\u00e4hlichen Wiederherstellung meines gest\u00f6rten gem\u00fcthlichen Gleichgewichtes , bei gleichzeitig beginnender und langsam fortschreitender k\u00f6rperlicher Erholung, ohne welche es keine Schaffensfreude, kein Gelingen gibt, von jenem \u00e4ussersten Entschl\u00fcsse abbrachte, und meinen wissenschaftlichen Arbeiten, sowie meinen alten Ideen und Pl\u00e4nen f\u00fcr den physiologischen Anschauungsunterricht an der Universit\u00e4t wieder zuzuwenden begann !\nDagegen will ich eingehend berichten, welche Ideen und Pl\u00e4ne dies waren und was ich davon, zum bleibenden Gewinn f\u00fcr unsere Universit\u00e4t, bereits realisirt habe, indem ich einen f\u00fcr demonstrative Zwecke speciell eingerichteten H\u00f6rsaal erbaute und herstellte, welcher mit den zu wissenschaftlichen Untersuchungen bestimmten Arbeitsr\u00e4umen meines physiologischen Privat-Laboratoriums zusammenh\u00e4ngt.\nGestatten Sie, dass ich Ihnen zun\u00e4chst jene Stelle meiner Antrittsvorlesung in Erinnerung bringe, wo ich die Schwierigkeiten der Einb\u00fcrgerung des \u00bbphysiologischen Anschauungsunterrichts\u00ab an der Universit\u00e4t hervorhob, welche in der Natur und dem Umfang des Gegenstandes selbst, in der zur Erreichung des angestrebten Zweckes geforderten Art seiner Behandlung, und endlich in der Auswahl und Disposition der zu behandelnden Materien liegen.\nEs heisst a. a. O. S. 20 u. f. (oben S. 116):\n\u00bbSoll sich n\u00e4mlich die Physiologie als ein werthvolles Element des h\u00f6heren Bildungsganges, wie ihn die Universit\u00e4t zu bieten und zu vermitteln hat, daselbst bew\u00e4hren und einb\u00fcrgern, dann gen\u00fcgt es, wie ich meine, keineswegs in dogmatischer Weise, ex cathedra, eine erkl\u00e4rende Uebersicht der Lebenserscheinungen zu geben und die fertigen Resultate der physiologischen Forschung mit mehr oder weniger rhetorischem Geschick und oratorischem Glanz zu besprechen.\u00ab\n\u00bbEs liegt vielmehr in der Eigent\u00fcmlichkeit des Gegenstandes, dass die so mannigfaltigen und dem gew\u00f6hnlichen Sinne so unzug\u00e4nglichen und fremdartigen Vorg\u00e4nge, um deren Erkenntniss und Erkl\u00e4rung sich\u2019s handelt, sowie die Methoden und Hilfsmittel, welche die physiologische Forschung zur Erreichung ihrer Ziele anwendet, der","page":123},{"file":"p0124.txt","language":"de","ocr_de":"124\nUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nunmittelbaren Anschauung der Zuh\u00f6rer im Detail dargeboten werden m\u00fcssen, wenn sie, zu innigem Verst\u00e4ndniss gebracht, jene aufkl\u00e4renden und veredelnden Wirkungen in den Geistern hervorbringen und hinterlassen sollen, welche von der eingehenden Besch\u00e4ftigung mit der modernen Physiologie sicher zu erwarten sind.\u00ab\n\u00bbDazu kommt noch, dass, indem die Physiologie alle Lebens\u00e4usserungen als Verrichtungen bestimmter Organe festzustellen und aus den elementaren Bedingungen d. h. aus dem anatomischen Bau und der physikalisch-chemischen Constitution derselben mit Nothwendigkeit herzuleiten \u2014 oder was dasselbe sagen will \u2014 nach mechanischen Principien zu erkl\u00e4ren hat, der Vortrag, welcher bei dem gemischten Zuh\u00f6rerkreise keinerlei specielle Fachkenntnisse voraussetzen darf, mit der Darstellung der descriptiven und mikroskopischen Anatomie und der physikalisch-chemischen Eigenschaften der functionirenden Theile beginnen muss.\u00ab\n\u00bbAuch bei diesen Darstellungen ist es wieder nur die unmittelbare Anschauung, welche ein eingehendes und richtiges Ver-\nst\u00e4ndniss zu vermitteln im Stande ist....... . \u2014 und so sehen Sie,\nm. h. A. ! es h\u00e4ufen und steigern sich die mir unerl\u00e4sslich erscheinenden Forderungen an die demonstrativen und experimentellen Hilfsmittel des Vortrags und demgem\u00e4ss die inneren und \u00e4usseren Schwierigkeiten des ganzen Unternehmens zu einer fast abschreckenden H\u00f6he.\u00ab\n\u00bbEndlich darf auch nicht unerw\u00e4hnt bleiben, dass in dem eventuellen Erfolg des Unternehmens selbst eine Gefahr f\u00fcr dessen gl\u00fcckliche Durchf\u00fchrung liegt. Ich meine : mit der Gr\u00f6sse des Zuh\u00f6rerkreises und mit seinem Wachsthum, welches nicht ausbleiben kann, wenn Form und Inhalt der Vortr\u00e4ge ein wirkliches Bed\u00fcrfniss zu befriedigen geeignet befunden werden sollten, muss sich nat\u00fcrlich auch die Bequemlichkeit \u2014 theilweise sogar die M\u00f6glichkeit, all\u2019 das Erforderliche ohne ganz besondere Veranstaltungen in entsprechender nnd ausreichender Weise zu demonstriren, vermindern, und dies k\u00f6nnte leicht in einem so bedenklichen Grade geschehen, dass die unerl\u00e4ssliche unmittelbare Anschauung, auf welcher der didaktische Erfolg zum gr\u00f6ssten Theil beruht, illusorisch w\u00fcrde.\u00ab\n\u00bbEs muss also von vornherein die skrupul\u00f6seste Vorsorge getroffen werden, dass alle die verschiedenartigen Demonstrationen einen ganz besonderen Grad von Ersichtlichkeit und Vollendung erhalten, und dass das Vorlesungslokal ausreichende Dimensionen habe, und mit eigen-th\u00fcmlichen Einrichtungen ad hoc versehen werde, welche das Lokal aus einem blossen Auditorium zugleich recht eigentlich zu einem \u2014 sit venia verbo \u2014 Spectatorium zu machen geeignet sind.\u00ab","page":124},{"file":"p0125.txt","language":"de","ocr_de":"125\nan der Universit\u00e4t Leipzig.\n\u00bbZu diesen Einrichtungen rechne ich vor Allem die Form und Anordnung der Sitzpl\u00e4tze , dann die centrale Stellung und intensive Beleuchtung des Baumes, wo sich der Vortragende befindet und wo die Experimente vorgenommen werden, endlich die bequeme Disposition aller jener Hilfsmittel, welche stets zur Hand sein m\u00fcssen, weil sie einzeln oder in mancherlei Combination hei fast allen Demonstrationen in Anwendung kommen, wie z. B. elektrische Leitungen f\u00fcr den constanten Strom, mechanische Transmissionen, Gas- und Wasserleitung, Wandfl\u00e4chen oder Schirme zum Auf h\u00e4ngen gemalter, oder zum Auffangen optisch projicirter Bilder, Beleuchtungs- und Verdunkelungsvorrichtungen u. s. w., u. s. w.\u00ab\nErf\u00fcllt und begeistert von diesen meinen damaligen Ideen nahm ich denn vor drei Jahren mit wahrer Schaffensfreudigkeit die Realisi-rung derselben in Angriff. Ich habe mir die Sache wahrlich nicht leicht gemacht, sondern mannigfachen, ernsten Ueberlegungen und Vorstudien mich hingegehen, um den richtigen und k\u00fcrzesten Weg zum Ziele zu finden und einzuschlagen.\nAllein anstatt zuerst und vor Allem jene physiologischen Thatsachen und Erscheinungen m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig und im Detail zusammenzustellen, welche f\u00fcr die Zwecke des angestrebten physiologischen Anschauungsunterrichts zu demonstriren w\u00e4ren, und zugleich die m\u00f6glichst vollendeten Methoden und Hilfsmittel, vermittelst welcher sie einem grossen Zuh\u00f6rerkreise schlagend und elegant demonstrirt werden k\u00f6nnten, zu ersinnen,, auszuhilden und in provisorischen B\u00e4umen praktisch zu erproben; und dann erst an die Errichtung eines v\u00f6llig zweckentsprechenden Auditoriums zu gehen ; \u2014- begn\u00fcgte ich mich, im Allgemeinen zu \u00fcberlegen, Welche verschiedenen Arten von alten und neuen Experimenten und von besonderen Demonstrationshilfsmitteln der physiologische Anschauungsunterricht erfordern d\u00fcrfte, und ging sogleich und zuerst an die meine ganze Aufmerksamkeit und Th\u00e4tigkeit absorbirende Ausarbeitung und Ausf\u00fchrung eines Planes f\u00fcr mein physiologisches Privat-Laboratorium mit einem m\u00e4chtigen \u00bbSpectatorium\u00ab im Sinne der vorhin citirten Stelle meiner Antrittsvorlesung.\nSo ist denn zwar ein in manchen Richtungen mustergiltiger Versammlungsraum f\u00fcr demonstrative Zwecke entstanden, wie ihn wohl kaum eine andere unserer deutschen Universit\u00e4ten besitzen d\u00fcrfte, aber die besonderen und weitl\u00e4ufigen Vorkehrungen f\u00fcr den geplanten physiologischen Anschauungsunterricht fehlen noch fast g\u00e4nzlich, und; werden erst sehr allm\u00e4hlich \u2014 vorausgesetzt dass mir, wie gesagt, die Kraft und die Freude an der Arbeit vollends wiederkehrt und dauert.","page":125},{"file":"p0126.txt","language":"de","ocr_de":"126\nlieber das physiologische Privat-Laboratorium\nherbeizuschaffen sein, denn ich kann und will mich nicht wieder zu \u00fcberm\u00e4ssigen, f\u00fcr meine Individualit\u00e4t aufreibenden Anstrengungen dr\u00e4ngen oder dr\u00e4ngen lassen.\nDurch die somit problematisch gewordene Aussicht auf meine eigene regelm\u00e4ssige Lehrth\u00e4tigkeit soll aber Das, was ich hier geschaffen habe, nicht der sofortigen Yerwerthung f\u00fcr Lehrzwecke entzogen bleiben. Ich wiederhole, dass ich dieses Amphitheater mit allen seinen bisher vollendeten Einrichtungen dem Herrn Rector Mag-nificus bez\u00fcglich ihrer, mit mir zu vereinbarenden Benutzung f\u00fcr Universit\u00e4tszwecke zur Verf\u00fcgung stelle. \u2014\nDoch ich wollte berichten, wie ich vor drei Jahren die Re\u00e4lisirung meiner damaligen Ideen und Pl\u00e4ne mit der Ausarbeitung und Ausf\u00fchrung des Spectatoriums und der an dasselbe stossenden Arbeitsr\u00e4ume in Angriff nahm.\nZu diesem Ende reiste ich noch vor Weihnachten 1869 nach London, um die mir von fr\u00fcherher wohlbekannten, vielfach erprobten H\u00f6rs\u00e4le der Royal Institution, der Royal School of Mines und des polytechnischen Instituts nochmals genauer in Augenschein zu nehmen.\nDer collegialen Liebensw\u00fcrdigkeit Huxley\u2019s verdankte ich das werthvolle Geschenk einer genau und sch\u00f6n ausgef\u00fchrten architektonischen Planskizze des auf circa 300 Zuh\u00f6rer berechneten Auditoriums der R. School of Mines (Yermynstreet) ; durch die freundliche Vermittelung Tyndall\u2019s durfte ich mir den an 1000 Personen fassenden ber\u00fchmten H\u00f6rsaal der Royal Institution (Albemariestreet) von einem englischen Architekten ausmessen und architektonisch entwerfen lassen. Die H\u00f6rs\u00e4le des polytechnischen Instituts und andere R\u00e4umlichkeiten dieser Art, welche ich besuchte, habe ich mir selbst fl\u00fcchtig skizzirt. Ich kann hierbei nicht unerw\u00e4hnt lassen, dass ich vor Jahren, noch durch Faraday selbst, an einen der Lecturers des polytechnischen Instituts empfohlen worden war \u2014- und so dauerhaft und treu bew\u00e4hren sich einmal geschlossene freundliche Beziehungen in England, dass ich auch diesmal die w\u00e4rmste, meinen Absichten f\u00f6rderlichste Aufnahme und Unterst\u00fctzung bei dem leitenden Personal jenes Institutes fand, obschon der Herr, an den mich Faraday damals empfohlen hatte, zuf\u00e4llig gar nicht anwesend war.\nNoch muss ich dankend erw\u00e4hnen, dass mir Tyndall ein Exemplar von Rogers Smith\u2019s : \u00bbRudimentary treatise on the Acoustics of public Buildings\u00ab (London, 1861) verehrte, bei dessen Durchsicht ich auf L\u00e2chez\u2019 Brochure \u00bbAcoustique et Optique des salles de r\u00e9unions publiques\u00ab (Paris , 1848) aufmerksam wurde, die ich mir dann sp\u00e4ter in Leipzig durch Herrn A. D\u00fcrr verschaffte.","page":126},{"file":"p0127.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n127\nSo hatte ich rasch ein ansehnliches, weiterhin noch vermehrtes Material gewonnen, welches mir Muster und Vorlagen zur Entwerfung des eigen\u00e9n Auditoriumplanes lieferte.\nNun handelte es sich darum, ausser einem geeigneten Bauplatz, der bei dem definitiven Entwurf nat\u00fcrlich ber\u00fccksichtigt werden musste, auch einen Architekten zu finden, welcher auf die technische Ausf\u00fchrung meiner Ideen einzugehen gewillt und bef\u00e4higt war.\nDie Verhandlungen wegen Ueberlassung eines Bauplatzes in den Hof- und G\u00e4rtenr\u00e4umen des Augusteum\u2019s, welche ich zun\u00e4chst einleitete, zerschlugen sich, dagegen erwarb ich im Fr\u00fchjahr 1870 ein zwischen der Querstrasse und Salomonstrasse gelegenes Grundst\u00fcck, auf welchem ich mein Familienwohnhaus zu bauen gedachte, \u2014 und bei dieser Gelegenheit lernte ich nicht nur in Herrn Gustav M\u00fcller einen kenntnissreichen und f\u00fcr die Ausf\u00fchrung des von mir geplanten Laboratoriums nebst Spectatorium alsbald in hohem Grade sich inter-essirenden Architekten kennen, sondern ich fand auch den geeignetsten Bauplatz f\u00fcr das letztere \u2014 mitten im Garten des gl\u00fccklich aequi-rirten Grundst\u00fcckes selbst, welches weder von der inneren Stadt und dem Augusteum, noch vom Johannisthal, wo all die neuen Institute und Laboratorien der Universit\u00e4t beisammenstehen, allzuweit entfernt ist.\nAuf Grundlage des von mir gesammelten Materials entstanden nun im genussreichen Zusammenwirken mit Herrn M\u00fcller allerlei Entw\u00fcrfe und Skizzen, von denen endlich die folgende zur Ausf\u00fchrung gelangte.\nIch habe Ihnen hier den Grundriss (Fig. 1) und verschiedene Durchschnitte (Fig. 2 und 3) des neuen physiologischen Privat-Labo-ratoriums unserer Universit\u00e4t an die Wand geh\u00e4ngt.\nSie sehen, das Geb\u00e4ude zerf\u00e4llt in zwei aneinanderstossende H\u00e4lften, erstens (B) in die kleineren, in zwei Etagen Uber einander liegenden und auf Kellergew\u00f6lben ruhenden R\u00e4ume, welche zu wissenschaftlichen Arbeiten, zu den VorlesungSYorbereitungen, zur Unterbringung von Instrumenten, Materialien etc. und zur Assistenten- und Dienerwohnung bestimmt sind, und zweitens (A) in das Auditorium nebst Garderobe.\nNur diese zweite gr\u00f6ssere H\u00e4lfte meines Geb\u00e4udes \u2014 das Auditorium oder \u00bbSpectatorium\u00ab n\u00e4mlich \u25a0\u2014 will ich ausf\u00fchrlicher besprechen, weil es einer besondern Beachtung werth sein d\u00fcrfte.\nIch habe mich nach langen Erw\u00e4gungen f\u00fcr die definitive Annahme des allgemeinen Grundrisses des ber\u00fchmten H\u00f6rsaals der londoner Royal Institution entschlossen, in welchem Davy, Faraday","page":127},{"file":"p0128.txt","language":"de","ocr_de":"128\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nund Tyndall ihre didaktischen Triumphe gefeiert haben, \u2014 obsehon, wie ich sp\u00e4ter zeigen werde, aus dieser Grundrissform gewisse Unzuk\u00f6mmlichkeiten erwachsen mussten. Daf\u00fcr aber entschied ich mich f\u00fcr eine nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassende, streng nach den von\nEig. 1. Grundriss.\nA Amphitheater und Garderobe; B Arbeits- und Wohnr\u00e4ume; a der centrale freie Raum im Amphitheater \u2014 die Arena f\u00fcr den Experimentator; c chemischer Herd;, o das einfensterige optische Zimmer-chen; p die Platform vor demselben, auf welche die Projeetions-Apparate vorgeschoben werden ; s, s die beiden Stiegenh\u00e4user, welche aus der Garderobe auf die H\u00f6he des Amphitheaters herauff\u00fchren; 1, 4?, 3, 4 die 4 Treppen, welche zu den Sitzreihen herabf\u00fchren; m, m, m, m Yentilations-Kan\u00e4le.\nL\u00e2chez entwickelten geometrischen Constructi\u00f6nsregeln durchgef\u00fchrte Anlage von amphitheatralisch aufsteigenden Sitzreihen.\nDen sch\u00f6nen, hufeisenf\u00f6rmigen Raum unter den Sitzreihen bestimmte ich zur Garderobe, in welche das Publikum zuerst eintritt, um von da aus auf zwei besonders angebauten Wendeltreppen die H\u00f6he","page":128},{"file":"p0129.txt","language":"de","ocr_de":"129\nan der Universit\u00e4t Leipzig.\ndes Amphitheaters, so za sagen, von r\u00fcckw\u00e4rts zu ersteigen. Von der H\u00f6he der breiten obersten Stufe des Amphitheaters, welche zugleich an 100 Stehpl\u00e4tze d\u00e4rbietet, f\u00fchren dann vier Stiegen herab zu den Sitzreihen, welche hierdurch in drei grosse Abtheilungen, eine mittlere und zwei seitliche zerschnitten werden. Die Steilheit dieser Stiegen machte die Anbringung eiserner St\u00fctzst\u00e4be, die zugleich die Nummer der Sitzreihen und der in ihnen enthaltenen Sitze tragen, noth wendig.\n/Fig. \u201e2. Querschnitt des Amphitheaters (Ansicht der Projectionswand).\nG Garderobe unterhalb der amphitheatralisch aufsteigenden Sitzreihen; 0 Oberlicht mit dem beweglichen Gaslustre sammt Reflector; H Heizraum, zu beiden Seiten die Caloriferen und die Gange f\u00fcr die halte und warme Luft, nebst ihren Klappenvorrichtungen ; i, 2, 3, 4 Ventilations-Oeflhungen; M mittleres, gtegypstes Projectionsfeld; *, *' Inschriften ; v grosser Projeetionsvorhang und Bilderstange ; t die beiden R\u00e4der zum Ingangsetzen der Turbine und zur Regulirung der Umdrehungsgeschwindigkeit der in der Arena befindlichen Transraissionswelle ; t Gashahn zur Regulirung \\\tder Deckenbeleuchtung.\nBevor ich in der Beschreibung fortfahre, muss ich vor Allem hervorheben, dass die in L\u00e2chez\u2019 Schriftchen behandelten, \u00fcbrigens wahrscheinlich schon im klassischen Alterthum aufgefundenen, h\u00f6chst einfachen geometrischen Constructionsreg\u00e9ln f\u00fcr Amphitheater nur wenig bekannt zu sein. scheinen, oder aber gar nicht verstanden und nach Geb\u00fchr gew\u00fcrdigt werden, denn sonst k\u00f6nnte man nicht in fast allen, selbst in den neuen und neusten H\u00f6rs\u00e4len die Sitzreihen entweder einfach auf einer mehr oder weniger steil ansteigenden schiefen Ebene aufgestellt, oder \u2014 was wunderbarer Weise auch vorkommt \u2014 nach einer ganz beliebig gew\u00e4hlten Curte aufsteigend angeordnet linden,\nCzermak, Schriften. II.\t9","page":129},{"file":"p0130.txt","language":"de","ocr_de":"130\nUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nohne irgend welche bewusste und beabsichtigte Beziehung zu einem bestimmten f\u00fcr jeden Zuschauer ganz freien, allen gemeinschaftlichen Sehfeld, und ohne R\u00fccksicht darauf, dass auch die Zuschauer auf den entferntesten Sitzen m\u00f6glichst nahe an den'zu demonstrirenden Objecten sich befinden sollen. Um diesen beiden Forderungen zu gen\u00fcgen, ist es nur in sehr beschr\u00e4nkter Weise gestattet seinem willk\u00fcrlichen Belieben freien Lauf zu lassen.\nFig. 3. Liingsdurchsehnitt.\nA Amphitheater und Garderobe (<?); B Arbeits- und \u2022 Wohnr\u00e4ume : E Eingang f\u00fcr das Publikum; E' Privateingang ins Laboratorium; c chemischer Herd; o das einrensterige optische Zimraerchen; p Platform zur Aufstellung der Projections apparate ; v Projections Vorhang und Bilder stange; 5 Yen-tilations-Oeffnung; 0 Oberlicht mit dem beweglichen Gaslustre sai\u00fcmt Reflector; \u00c9 Heizraum;\nKKellerr\u00e4ume, in welchen sich die Turbine und die Gasometer (g) befinden.\nHat man n\u00e4mlich die Entfernung der ersten Sitzreihe von dem Grenzpunkt des von allen Zuschauern gemeinschaftlich und frei zu \u00fcbersehenden Raumes festgesetzt, und die Maasse f\u00fcr den Abstand der einzelnen Sitzreihen von einander, f\u00fcr die H\u00f6h der Sitzfl\u00e4chen vom Fussboden, so wie f\u00fcr die mittleren Gr\u00f6ssenverh\u00e4ltnisse der zu placirenden Menschen, als constante Werthe, einmal angenommen, so ist die allein richtige Curve, nach welcher die Sitze aufsteigen oder \u00fcberhaupt angeordnet werden m\u00fcssen, um ihrem doppelten Zweck zu entsprechen, unbedingt gegeben, und wird auf folgende Weise construirt.\nEs seien (Fig. 4) Ax und Ay die beiden Axen eines rechtwinkeligen Coordinatensystems, a der den Zuschauern n\u00e4chste Grenzpunkt","page":130},{"file":"p0131.txt","language":"de","ocr_de":"131\nan der Universit\u00e4t Leipzig.\neiner horizontalen Tischplatte T oder der tiefste Grenzpunkt einer verticalen Tafel T, in welchem sich noch alle Sehlinien m\u00fcssen kreuzen k\u00f6nnen, wenn die Tischplatte oder die Tafelebene von allen Zuschauern in ganzer Ausdehnung frei \u00fcbersehen werden soll, \u2014so ist at a2 a3 a4. .... die Kr\u00fcmmung der gesuchten Curve ; nachdem man die Entfernung der ersten Sitzreihe vom Punkte ce (= x0 xt) und den Abstand der Sitzreihen von einander !X\\ x2 = x2 x3 = x3 xi=xi a%) willk\u00fcrlich bestimmt hat, errichtet man in den Punkten x1 x2 x3 . . die den aequidistanten [X\\ x2 = x2 x3 \u2014 x3 \u00e64 . . . .) Sitzreihen entsprechenden Ordinaten. Auf der ersten Ordinate markirt man ebenfalls noch ganz willk\u00fcrlich aber als ein- f\u00fcr allemal angenommene constante Gr\u00f6ssen die H\u00f6he des Sitzes \u00fcber dem Boden bei s4, die H\u00f6he, in welche das Auge des auf sitzenden Menschen Uber dem Sitze zu stehen kommt, bei o4, und endlich die mittlere Scheitelh\u00f6he \u00fcber dem Auge bei .\nFig. 4. Zur Erl\u00e4uterung der LACHEz\u2019schen Constructionsregel f\u00fcr Amphitheater,\nNach Feststellung dieser dem freien Belieben \u00fcberlassenen Werthe ist nun nichts mehr dem Belieben oder der Willk\u00fcr anheimgegeben. Man zieht die erste Sehlinie \u00ab \u00ab4 und die zweite a /,, welche man verl\u00e4ngert , bis sie die zweite Ordinate (x2 y2) schneidet. In dem Punkte a2, wo sich beide Linien schneiden, befindet sich noth wendig das Auge des Zuschauers, welcher in der zweiten Keihe sitzt und, ungehindert durch seinen Vordermann, den Grenzpunkt a sehen soll. Von diesem Punkte a2 aus , markirt man auf die zweite Ordinate [x2 y2) nach unten die als constant angenommene verticale Entfernung des Auges vom Sitze (a4 s4 \u2014 a2 s2) und weiter die H\u00f6he des Sitzes vom Fuss-boden (s4 xY = s2 b2j, nach oben aber die mittlere Scheitelh\u00f6he % Z4 = a2l2 und findet auf diese Weise die nothwendige Erhebung des Fussbodens und des Sitzes Uber die Horizontale f\u00fcr die zweite Sitz-\n9*","page":131},{"file":"p0132.txt","language":"de","ocr_de":"132\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nreihe, so wie die Erhebung des Scheitelpunktes der in dieser Reihe sitzenden Menschen. Genau so verf\u00e4hrt man nun f\u00fcr die 3., 4., 5. etc. Ordinate oder Sitzreihe und erh\u00e4lt, indem man die Punkte \u00ab, a2 ad a4..... durch eine Linie verbindet, jene Curve, nach welcher die Sitzreihen mit ihren Sitzen [st s2 s3 .s4 . . . ,) und der Fussboden (cc, b2 6364. . auf welchem sie stehen, aufsteigen m\u00fcssen, wenn alle Zuschauer eine horizontale Tischplatte bis zum allern\u00e4chsten Grenzpunkte a, oder eine verticale Tafel bis zum tiefsten Grenzpunkte a, sollen frei \u00fcbersehen k\u00f6nnen und wenn zugleich selbst die in den entferntesten B\u00e4nken sitzenden Zuschauer unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden d. h. bei derselben Zuschauermenge, bei derselben Anzahl und Entfernung der Sitzreihen von einander und der ersten Augenreihe von den Sehobjecten, so nahe.als m\u00f6glich bei den letzteren placirt sein sollen.\nEs versteht sich von selbst, dass die Curve, welche man nach diesen Constructionsregeln erh\u00e4lt, sehr verschiedene Formen annehmen muss, je nachdem man die willk\u00fcrlichen Annahmen, entsprechend den verschiedenen speciellen Zwecken, welche man erreichen will, ver\u00e4ndert , immer aber wird sie die einzig richtigen Anhaltspunkte zur rationellen Construction und Anordnung der Subsellien in Ver-sammlungsr\u00e4umen geben, in welchen nicht nur geh\u00f6rt, sondern auch m\u00f6glichst gut gesehen werden soll.\nDie Brauchbarkeit, ja Unentbehrlichkeit dieser Constructionsregeln ist so einleuchtend und auf der Hand liegend, dass sie vern\u00fcnftiger Weise bei keiner neuen Cpnstruction vernachl\u00e4ssigt werden d\u00fcrfen.\nIn meinem H\u00f6rsaal habe ich sie, wie gesagt, streng durchf\u00fchren lassen, und damit erreicht, dass in diesem nicht allzu grossen Raum 409 sitzende und an 100 stehende \u2014 also in runder Zahl 500 Zuschauer Platz finden, welche alle, ohne L\u00fccken und Spalten zwischen den K\u00f6pfen ihrer Vorderm\u00e4nner suchen zu m\u00fcssen, den mittleren Raum \u2014 die Arena f\u00fcr den Experimentator\u2014 ganz frei \u00fcbersehen und zugleich selbst die Entferntesten verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig so nahe als m\u00f6glich placirt sind. Um aber auch die a b s o 1 u t e Entfernung jener, von den in der Arena befindlichen Sehobjecten entferntesten Zuschauer, welche sich in den h\u00f6chsten und hintersten Reihen befinden, m\u00f6glichst zu verkleinern, und \u00fcberdies die absolut gr\u00f6sste Menge Menschen in dem gegebenen Raume unterzubringen, habe ich gar keine festen pultartigen Bretter zum Auflegen von Schreibheften an den R\u00fcckenlehnen der Sitze, und zugleich die minimalsten Distanzen zwischen den Sitzreihen in Anwendung bringen lassen. In einem \u00bbSpectator! um\u00ab , wo es sich in erster Linie um das S e h e n handelt, schien","page":132},{"file":"p0133.txt","language":"de","ocr_de":"133\nan dor Universit\u00e4t Leipzig.\nmir die R\u00fccksicht auf das Nachschreiben in die zweite Linie zu geh\u00f6ren ; \u00fcbrigens lassen sich Notizen sehr gut mit Bleistift in ein frei-gehaltenes, steifgebundenes B\u00fcchlein machen und fiir Einzelne, welche Sich ohne Nachschreiben nicht behelfen k\u00f6nnen, \u2022\u2014 \u00bbdenn was man schwarz auf weiss besitzt, kann man getrost nach Hause tragen\u00ab ! \u2014 W\u00e4re durch frei zwischen die Sitzreihen einstellbare Pulte, wie Sie dort eines sehen, leicht Rath zu schaffen.\nUm aber bei der aus guten Gr\u00fcnden gew\u00e4hlten, absichtlich minimalen Distanz der Sitzreihen von einander die freie Communication zu erm\u00f6glichen, wurden die einzelnen Pl\u00e4tze wie Sperrsitze, zUm Aufklappen eingerichtet, und habe ich, um wenigstens einen Ersatz f\u00fcr die nothwendige und absichtliche Raumbeschr\u00e4nkung in dieser Richtung durch besondere Bequemlichkeit der Sitze und der R\u00fcckenlehnen zu bieten, dieselben nach einer auf meinen W\u00fcnsch von Herrn G. M\u00fcller eigens zu diesem Zweck entworfenen mittleren Schattenrisscurve von bequem sitzenden Menschen ausschweifen und gegen einander neigen lassen.\nIch zweifle nicht, m. H., dass Ihnen ein bedeutender Unterschied zwischen unseren Sitzen und gew\u00f6hnlichen Auditoriums-B\u00e4nken angenehm auffallen wird, wenn Sie sich auf Ihren Pl\u00e4tzen geh\u00f6rig zur\u00fccksetzen und zur\u00fccklehnen I \u2014 So frei und m\u00f6glichst gleich gut nun auch alle Anwesenden diesen mittleren Raum\u2014die Arena des Experimentators \u2014 und Alles, was daselbst vorgeht, \u00fcbersehen k\u00f6nnen, Vieles von Dem, was hoffentlich sp\u00e4ter einmal in diesem Saale vorgezeigt werden d\u00fcrfte, wird sich den Blicken auf der hinter dem R\u00fccken des Vortragenden befindlichen grossen freien Wand darbieten. Dieser Wandfl\u00e4che gegen\u00fcber befinden sich aber die Anwesenden nicht allein einer verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig so gleich guten Lage, um Alles zu sehen, was den Blicken geboten wird, wie gegen\u00fcber der centralen Arena.\nZwar die mustergiltige Anordnung der Sitzreihen in verticaler Richtung erm\u00f6glicht Allen das ganze Mittelfeld der Wand von oben bis unten zu \u00fcbersehen \u2014 allein die Sehlinien Derjenigen, welche auf der rechten oder linken Seite vom Mittelfelde der Wand sitzen, m\u00fcssen noth wendig einen um so spitzeren Winkel mit demselben machen, je n\u00e4her ihre Pl\u00e4tze der Wand selbst liegen und je weiter sie zugleich vom Wandmittelpunkt in seitlicher Richtung entfernt sind.\nDies hat zur Folge, dass sich die Bilder, welche auf jenem Mittelfelde der Wand zu sehen sind, in wachsender Verk\u00fcrzung pr\u00e4sentiren, welche f\u00fcr die \u00e4ussersten seitlichen Eckpl\u00e4tze zun\u00e4chst der beiden, l\u00e4ngs der Wand herabf\u00fchrenden Stiegen einen das Erkennen der Bilder wesentlich beeintr\u00e4chtigenden Grad erreicht.","page":133},{"file":"p0134.txt","language":"de","ocr_de":"134\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nDieser unter den vorhandenen Verh\u00e4ltnissen unvermeidliche Uebelstand ist in den h\u00f6heren Sitzreihen weit merklicher und st\u00f6render, als in den unteren, so dass der Raum, in welchem die wenigen, in dieser Hinsicht unbrauchbaren Sitze beiderseits liegen, die Gestalt eines rechtwinkeligen Dreiecks hat, dessen Spitze etwa in die Gegend des Eckplatzes der dritten und vierten Sitzreihe f\u00e4llt, w\u00e4hrend die Basis desselben die letzten 3\u20144 Sitze der h\u00f6chsten Reihe umfasst.\nDieser Uebelstand ist es, auf welchen ich schon Eingangs als auf eine der Unzuk\u00f6mmlichkeiten hingewiesen hatte, die hei den gegebenen Verh\u00e4ltnissen aus der dem ber\u00fchmten H\u00f6rsaal der Royal Institution entlehnten Gr\u00fcndrissform erwachsen mussten.\nNach den bisher gemachten Erfahrungen w\u00fcrde ich heute diese Grundrissform trotz ihrer sonstigen Vorz\u00fcge wesentlich modifi\u00e7i-ren und namentlich die in jenen todten Dreiecken liegenden \u2014 freilich nur in der einen, angedeuteten Beziehung ung\u00fcnstigen Sitze wahrscheinlich ganz opfern, weil sich in der grossen Wandfl\u00e4che, gegen welche sie eine allzu nahe und seitliche Position haben, nicht nur die drei schwarzen Tafeln zum Schreiben und Zeichnen befinden, sondern weil diese Fl\u00e4che auch zum Auf h\u00e4ngen aller gemalten und zum Auffangen aller optisch-projicirten Bilder und Darstellungen bestimmt ist.\nDie mittlere schwarze Tafel ist nach unten verschiebbar und deckt einen verglasten Herdraum zu chemischen Zwecken, der stark zu ven-tiliren ist. Zu den zwei seitlichen Schreibtafeln, welche wegen der verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig beschr\u00e4nkten Ausdehnung der/mittleren unbedingt n\u00f6thig waren, habe ich die oberen H\u00e4lften der beiden Holzth\u00fcren selbst verwerthet, die in den anstossenden Vorbereitungs- und Arbeitsraum f\u00fchren. Der schwarze Anstrich der Tafeln ist noch etwas zu glatt und spiegelnd und wird bald durch einen rauheren und matteren ersetzt werden.\nZum Aufh\u00e4ngen von gemalten Bildern befindet sich an der Wand ein langer horizontaler Stab, der an zwei d\u00fcnnen Seilen, welche im Nebenzimmer um eine mit Kurbel und Sperrhaken versehene Welle gehen, in jede beliebige H\u00f6he hinaufgezogen und herabgelassen werden kann.\nAuf diesem Stabe sind eine Anzahl von Messingringen mit H\u00e4kchen aufgeschoben, die zum Einh\u00e4ngen der mit Oesen versehenen Bilderst\u00e4be dienen und je nach der Anzahl der Bilder und sonstigem Bed\u00fcrfniss auseinandergestellt werden k\u00f6nnen.\nJetzt befinden sich alle architektonischen Skizzen und sonstigen Darstellungen, welch\u00e9 ich f\u00fcr meine heutige Ansprache brauche, an","page":134},{"file":"p0135.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\t135\ndem Stabe \u2014 und Sie m\u00f6gen selbst erkennen, wie praktisch diese Einrichtung ist1).\nZum Auffangen der optisch zu projicirenden Bilder, Schattenrisse und anderen Lichtph\u00e4nomene, welche ich zu den demonstrativen Zwecken des physiologischen Anschauungsunterrichtes in einer neuen und ganz hesondem Weise auszuhilden und zu verwerthen gedachte, ist nicht nur die grosse gegypste und sorgf\u00e4ltig mattgeschliffene weisse Kreisfl\u00e4che in der Mitte der Wand seihst bestimmt, sondern auch noch ein kolossaler, mit einem eigenth\u00fcmlichen weissen Anstrich versehener Leinwandvorhang angebracht, welcher knapp vor der Wand, bis zu den zwischen den schwarzen Tafeln vorspringenden Waschbecken herahgelassen werden kann ; er hat eine Area von mehr als sechs Quadratmetern.\t.\nIch komme hier auf einen Gegenstand von allgemeinem Interesse f\u00fcr Demonstrationszwecke, den ich an sich mit Vorliebe und vielleicht zu Nutz und Frommen der Sache behandeln w\u00fcrde, den ich aber mit Bezug auf die bis jetzt zu Stande gebrachten Einrichtungen \u2014 verglichen mit den urspr\u00fcnglich von mir beabsichtigten, nicht eingehender besprechen k\u00f6nnte, ohne sogleich in jene tiefe Verstimmung zur\u00fcckzufallen, welche mir im vorigen Sommer meine ohnehin etwas angegriffene Gesundheit bedenklich ersch\u00fcttert und alle Kraft und Schaffensfreude gel\u00e4hmt hat.\nIch beschr\u00e4nke mich daher auf die einfache Vorf\u00fchrung Dessen, was ich mit un Verh\u00e4ltnis sm \u00e4s sig grossen Opfern erreicht habe; \u2014 dass auch hiervon noch ein bereits wohlerworbener Theil fehlt,\n1 Nachtr\u00e4glich will ich hier mittheilen, welche Vorkehrungen ich ersonnen habe, um die zahlreichen Bilder, welche in jedem Institut zu einer kaum zu bew\u00e4ltigenden Last anwachsen, bequem aufzubewahren. Die Bilder werden nicht gerollt, sondern entweder frei an ihren St\u00e4ben herabh\u00e4ngend in hohe Schr\u00e4nke geschoben, deren Thiiren an der schmalen Seite sich befinden und deren je nach Format der Bilder auseinanderstehende horizontale Scheidewand und Decke an ihren unteren Fl\u00e4chen dichtgedr\u00e4ngte umgekehrt T f\u00f6rmige Leistenreihen (_L_L1X) tragen, zwischen welchen die von der Seite eingeschobenen St\u00e4be und Papierdicken gerade Platz haben ; o d er die Bilderst\u00e4be sind zum Abnehmen eingerichtet (aus zwei zusammenklappbaren Leisten) und die Bilder kommen ohne alle St\u00e4be in ein kolossales Portefeuille mit Bretterdeckeln, welches auf die Kante gestellt, in einer Vertiefung in der Wand eingelassen ist und daher gar keinen Baum weg-nimmt. \u2014 Ich habe auf diese Weise Hunderte von Tafeln, nach Format und Gr\u00f6sse zusammengeordnet und fortlaufend nummerirt in einem sehr kleinen Baume untergebracht. Ein Katalog, der die Bilder sachlich geordnet auff\u00fchrt und bei jedem Bilde die fortlaufende Nummer angibt, erlaubt jeden Augenblick das Gesuchte sicher zu finden.","page":135},{"file":"p0136.txt","language":"de","ocr_de":"136\tlieber das physiologische Privat-Laboratorium\nm\u00f6gen Jene verantworten, deren unq ualificirbares Verhalten daran Schuld ist.\nDort oben , gerade gegen\u00fcber der grossen Projectionswand, befindet sich zwischen den beiden Treppenh\u00e4usern, die aus der Garderobe zum Amphitheater herauff\u00fchren, ein einfensteriger Raum, durch Schiebeth\u00fcren verschliessbar. Er enth\u00e4lt die optischen Apparate, ^welche auf die vor dem Raum befindliche, mit einem Gel\u00e4nder eingefriedete Platform vorgeschoben, ihre Bilder, Uber die K\u00f6pfe der Zuschauer hinweg, auf die Kreisfl\u00e4che oder den Vorhang der Projectionswand werfen.\nDiese Apparate bestehen aus zwei Camera\u2019s mit m\u00e4chtigen Achromaten, und DitUMMOND\u2019schen Kalklichtbrennern, welche letzteren als eine sehr reine, st\u00e4tige und kr\u00e4ftige Lichtquelle dienen. Die Leuchtgas- und Sauerstoffgasometer zur Erzeugung der Knallgasflamme, welche die Kalkcylinder in Weissgluth versetzt, befinden sich in den Kellerr\u00e4umen des Vordergeb\u00e4udes und senden ihre Leitungen bis in das optische Zimmerchen hinauf. Auf ihrem Wege geben diese Leitungen Zweige ab, welche, durch H\u00e4hne absperrbar, sowohl im an-stossenden Vorbereitungs- und Arbeitsraum, als hier in der Arena des Amphitheaters unter kaum sichtbaren Klappen im Fussboden m\u00fcnden, um die Ben\u00fctzung des DRUMMONivschen Lichtes eventuell auch an diesen Orten zu erm\u00f6glichen.\nDie beiden Camera\u2019s geben grosse und \u00e4usserst scharfe Bilder von durchsichtigen oder durchscheinenden Objecten, Photographien u. dgl., sie geben aber auch vorz\u00fcglich scharfe Schattenrisse undurchsichtiger Gebilde.\nDie Bilder beider Camera\u2019s lassen sich nach Art der Dissolving-views zur gegenseitigen Deckung bringen, wodurch besondere optische Effecte zu erzielen sind.\nNebst den beiden grossen Achromaten ist noch eine sch\u00e4rfere, sehr lichtstarke achromatische Linse f\u00fcr kleinere Objecte vorhanden und ein Reversionsprisma, welches ohne \u00fcberm\u00e4ssigen Verlust an Helligkeit die auf den Kopf gestellten Camerabilder umkehrt und in dieselbe aufrechte Stellung bringt, in welcher sich das Object selbst befindet.\nIch bin mit der mannigfaltigen Verwerthung dieser Demonstrationshilfsmittel f\u00fcr physiologische Zwecke besch\u00e4ftigt, und darf hoffen doch noch einen Theil meiner urspr\u00fcnglichen Ideen in dieser Richtung zu realisiren, wor\u00fcber ich mich jedoch nicht weiter verbreiten will ; dagegen werde ich mir erlauben Ihnen am Schl\u00fcsse meiner Rede einige Proben von der verschiedenen Verwerthbarkeit und optischen Leistungsf\u00e4higkeit meiner wenigen Apparate zu geben.","page":136},{"file":"p0137.txt","language":"de","ocr_de":"137\nan der Universit\u00e4t Leipzig.\nBeil\u00e4ufig will ich nicht verschweigen, dass der mechanische Theil der Apparate leider wesentlicher Verbesserungen und Modifica-tionen wegen unpraktischer Einrichtung bedarf und dann noch verschiedener neuer Neben Vorrichtungen, deren Herstellung sehr zeitraubend und m\u00fchselig ist.\nBez\u00fcglich des optischen Zimmerchens ist noch hervorzuheben, dass es behufs thierisch-elektrischer, thermo-elektrischer etc. Demonstrationen auch zur Aufstellung eines Spiegelgalvanometers bestimmt ist, dessen Reflexbildchen auf eine an der Projections wand angebrachte grosse Gradeintheilung fallen wird, um die Tangente des Ablenkungswinkels ersichtlich zu machen. Bei dieser Anordnung bilden die Lichtstrahlen einen gewichtlosen F\u00fchlhebel von circa 13 Meter L\u00e4nge, wodurch schon die allerkleinsten Ablenkungen \u00fcberaus deutlich werden m\u00fcssen.\nEndlich hebe ich auch noch hervor, dass das Fenster des optischen Zimmerchens unmittelbar nach S\u00fcden sich \u00f6ffnet, so dass es vermittelst eines Heliostaten erm\u00f6glicht ist Sonnenlicht direct auf die Projections-wand zu bekommen.\nIch gehe nun zur Besprechung der Beleuchtungs- Und Verdunkelungs-Einrichtungen Uber. Die Erleuchtung des ganzen grossen Raumes wird durch ein einziges kolossales Deckenfenster bewerkstelligt, Uber dessen matten Glasscheiben am Abend ein Sonnenbrenner und 96, theils in der Peripherie, theils im Centrum, an einem um eine verticale Axe drehbaren Lustre angebrachte Argand-Gas-brenner angez\u00fcndet werden, welche eine \u00fcberaus angenehm-diffuse, tageslicht\u00e4hnliche Beleuchtung geben. Dieselbe gen\u00fcgt zwar vollkommen , um sowohl die in der Arena befindlichen Dinge, als die an der Wand h\u00e4ngenden Bilder und die Kreidestriche auf den schwarzen Tafeln zu sehen, allein ich habe doch noch daf\u00fcr gesorgt, dass einzelne Objecte mit ganz besonderer Intensit\u00e4t beleuchtet werden k\u00f6nnen. Hierzu dient einerseits ein Sonnenbrenner mit parabolischem Reflector, welcher auf eineni von Herrn M\u00fcller entworfenen, etwas zu com-plicirten, auf Rollen stehenden Gestell nach allen Richtungen beweglich angebracht ist, andererseits die Kalklicht-Camera im optischen Zimmerchen. Eignet sich der Sonnenbrenner besonders zur intensiveren Erleuchtung der in der Arena befindlichen Gegenst\u00e4nde, so ist die Camera, in welche passende Diaphragmen eingeschoben werden, zur Verst\u00e4rkung der Beleuchtung der einzelnen Wandbilder un\u00fcbertrefflich.\nDie D\u00e4mpfung der Intensit\u00e4t des vom Oberlicht ausgehenden Gaslichtes kann, vom H\u00f6rsaal aus, durch Handhabung eines, rechts","page":137},{"file":"p0138.txt","language":"de","ocr_de":"138\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nvon den schwarzen Schreibtafeln, ausschliesslich in die Gasleitung f\u00fcr die 96 Oberlichtflammen eingesetzten Hahnes bewerkstelligt werden.\nZur vollst\u00e4ndigen Verdunkelung des Raumes bei Tag oder Nacht dient aber eine schwarze Filztuchgardine, welche unmittelbar \u00fc b er den matten Glasscheiben des Oberlichts, zwischen dies\u00ebn und den Argand-Gasbrennern l\u00e4uft und, von ihrer Welle abgewickelt, das ganze Plafondfenster lichtdicht deckt.\nDieses Abwickeln der Verdunkelungs-Gardine von ihrer Welle und das Wiederaufwickeln derselben geschieht vorl\u00e4ufig durch Menschenhand, doch soll dies, da ich, wie ich gleich angeben werde, \u00fcber eine hinreichende mechanische Kraftquelle verf\u00fcge, in Zukunft durch letztere geleist\u00ebt werden. Und zwar sind die n\u00f6thigen Einrichtungen unter der pers\u00f6nlichen Leitung unseres \u00fcberaus t\u00fcchtigen Mechanikers Herrn E. Hoffmann im Werke, um hier vom Saale aus, durch einen einfachen Zug an einer Handhabe die gew\u00fcnschte Bewegung in Gang zu bringen. Ich kann hier die beil\u00e4ufige Bemerkung nicht unterdr\u00fccken, dass ich, wie auf so manches Andere, um von Schlimmerem nicht zu reden, auch auf die Beendigung dieser l\u00e4ngst v\u00f6llig ins Reine gebrachten Einrichtungen seit mehr als 'einem vollen Jahre vergeblich warte. Da soll Einem die Kraft und die Schaffensfreude nicht vergehen\u2014namentlich wenn man sonst schon leidend und reizbar ist.\u2014\nIn einem Laboratorium, in welchem alle Arten von wissenschaftlichen Arbeiten im Sinne der heutigen Experimental-Physiologie sollen vorgenommen werden k\u00f6nnen, ist eine jeden Augenblick zur Verf\u00fcgung stehende mechanische Kraftquelle \u2014wenn auch nicht unentbehrlich so doch ausserordentlich bequem und vortheilhaft.\nIch habe es mir daher nicht versagt eine solche f\u00fcr mein Laboratorium zu beschaffen, und da ich dieselbe nun einmal hatte, so habe ich mir ihre Wirkungen durch Transmissionen nicht nur in den eigentlichen Arbeitsr\u00e4umen, sondern auch hier in diesem Amphitheater zu blossen Demonstrationszwecken dienstbar zu machen beschlossen.\nIch habe schon angegeben, dass sie die Verdunkelungs-Gardine in Bewegung zu setzen haben wird \u2014 ich f\u00fcge hinzu, dass ich eine Transmission einrichten liess, vermittelst welcher hier im Saale selbst mechanische Triebkraft jeden Augenblick zur Verf\u00fcgung steht, wie ich Ihnen sogleich zeigen werde.\nDoch zuvor muss ich von dem Motor selbst sprechen. Ich habe hierzu versuchsweise eine Nagel & Kaemp\u2019sche Partial-Turbine mit Selbstregulirung gew\u00e4hlt, welche durch eine Wassers\u00e4ule von 10 Meter H\u00f6he getrieben wird. Zu diesem Ende wurde die Turbine in einen der Kellerr\u00e4ume des Vordergeb\u00e4udes gesetzt, w\u00e4hrend ein durch die","page":138},{"file":"p0139.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n139\nst\u00e4dtische Wasserleitung gespeistes grosses Reservoir mit Schwimmhahn in dem senkrecht dar\u00fcber befindlichen Bodenraum angebracht wurde.\t.\nIch \u00f6ffne nun hier im Fussboden eine Klappe und ziehe einen Treibriemen hervor, den ich \u00fcber das Rad dieser Welle lege, welche von einem festen tischartigen Gestell getragen wird.\nDrehe ich jetzt an diesem an der Wand befindlichen Rad nach links, so \u00f6ffne ich vermittelst eines \u00fcber Rollen gehenden Guttaperchastranges den Triebhahn der Turbine im Keller. Sie h\u00f6ren an einem fernen dumpfen Ger\u00e4usch, dass sich die Maschine in Bewegung gesetzt hat. Die Welle l\u00e4uft, wenn ich den Ausl\u00f6sungshebel einstelle, und ich kann nun jeden mit der Stufenscheibe der Welle durch eine Schnur in Verbindung gesetzten Apparat z. B. den Blasebalg zur k\u00fcnstlichen Athmung, irgend einen Registrir-Apparat, eine Centrifuge u. dgl. treiben.\nZur Regulirung der Geschwindigkeit des Ganges der Apparate dient nicht nur die Stufenscheibe der Welle, sondern es ist auch m\u00f6glich , abgesehen von der Kraftregulirung der Turbine im Keller unten, durch beliebige Einstellung des Partial-F\u00e4cherrades, die Umdrehungsgeschwindigkeit der Welle selbst in weiten Grenzen von hier aus zu variiren, indem man an jenem zweiten Rade an der Wand dreht , wodurch die mit zwei Coni\u2019s versehene Transmission den Treibriemen, bei gleichbleibender Kraftentwicklung der Turbine, rascher oder langsamer umlaufen macht.\nNoch h\u00e4tte ich die Heizungs- und Ventilations-Einrichtungen des Amphitheaters zu besprechen, doch ich begn\u00fcge mich mit den folgenden Andeutungen, da Herr Architekt M\u00fcller mit meiner Zustimmung eine detailirte und illustrirte Beschreibung meines ganzen Laboratoriums f\u00fcr Bauverst\u00e4ndige zu publiciren gedenkt.\nEs sind im mittleren Kellerraum, gerade unter der Arena des Amphitheaters vier Caloriferen angebracht, welche je nach der Einstellung grosser Ventile entweder aus dem Zuh\u00f6rerraum selbst oder durch unterirdische Can\u00e4le aus der freien Atmosph\u00e4re Luft entnehmen. Die frische erw\u00e4rmte Luft dringt in unmerklichem Strome, theils auf einem Umwege durch die Garderobe, welche hierdurch ebenfalls temperirt wird, theils direct in den Zuh\u00f6rerraum, von wo sie fortw\u00e4hrend durch grosse Ventilations-Kan\u00e4le abgesaugt wird, so dass ohne den geringsten wahrnehmbaren Zug' eine continuirliche Circulation der Luft erreicht und jede st\u00f6rende Anh\u00e4ufung von Hitze und Ausd\u00fcnstungsproducten vermieden ist. Leider hat Herr Kelling aus Dresden die Anlage allzusehr complicirt, so dass deren Bedienung zu","page":139},{"file":"p0140.txt","language":"de","ocr_de":"140\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nviel Aufmerksamkeit erfordert und Weitl\u00e4ufigkeiten verursacht, die wohl h\u00e4tten vermieden werden k\u00f6nnen, ohne ihrer Leistungsf\u00e4higkeit wesentlich Abbruch zu thun.\nBei den wenigen einzelnen Vortr\u00e4gen, welche ich zu Ende des vorigen Winters, zum Theil in der Absicht das Auditorium einer Sitz-, H\u00f6r- und Sehprobe zu unterwerfen, gehalten habe, war beispielsweise nach dem 1 y2 st\u00e4ndigen Aufenthalt von mehr \u00e4ls 400 Menschen die Temperatur, selbst in den h\u00f6chsten R\u00e4umen des Amphitheaters allerdings noch nicht um 3\u00b0 R. gestiegen.\nNachdem ich nur noch hervorgehoben haben m\u00f6chte, dass die Akustik des Raumes sowohl in Bezug auf die Leichtigkeit des Sprechens als des H\u00f6rens gar nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst \u2014\u25a0 eile ich zum Schluss meiner Rede.\nHochverehrte Anwesende!\nIch habe mich aus naheliegenden Gr\u00fcnden gedrungen gef\u00fchlt meine Ide\u00e9n und Pl\u00e4ne f\u00fcr die Einb\u00fcrgerung eines wirklich allgemein fasslichen und gr\u00fcndlichen physiologischen Anschauungsunterrichts an der Universit\u00e4t, welche ich vor nunmehr drei Jahren bekannt gab und mit r\u00fccksichtslosem Eifer zu realisiren begann, nochmals zu besprechen , nachdem ich theils durch \u00e4ussere Umst\u00e4nde der widrigsten Art, theils durch den-andauernd leidenden, und infolge einzelner jener \u00e4usseren Umst\u00e4nde so sehr verschlimmerten Zustand meines Befindens viele Monate hindurch an jeder geistigen Th\u00e4tigkeit \u00fcberhaupt und speciell an der Verfolgung und Ausf\u00fchrung jener Ideen und Pl\u00e4ne gehindert war.\nAuch jetzt noch ist mir die Kraft und die Freude an dieser letzteren Arbeit nicht in vollem Maasse wiedergekehrt, und \u00fcberdies mag ich die Befriedigung nicht l\u00e4nger missen, die die ernste, stille, wissenschaftliche Forsche rarbeit gew\u00e4hrt, welcher ich w\u00e4hrend der letzten drei Jahre \u2014 allerdings mit Absicht \u2014 allzuviel Zeit zu Gunsten jener mehr \u00e4usserlichen Th\u00e4tigkeit entzogen habe.\n- Weil ich nun aber die Zeit und die allm\u00e4hlich wiederkehrende Kraft gar sehr zu Rathe halten muss, so werden die unvollendet gebliebenen und nach meinem Sinn und Urtheil noch ganz unzureichenden Vorbereitungen f\u00fcr den geplanten physiologischen Anschauungsunterricht \u2014 wenn\u00fclberhaupt \u2014 nur sehr allm\u00e4hlich zu einem solchen vorl\u00e4ufigen Abschluss gelangen k\u00f6nnen, dass er mich in die Lage und Stimmung zu versetzen verm\u00f6chte mit dem Unterrichte selbst zu beginnen.\nIch habe jedoch viel zu viel f\u00fcr diese Sache gethan und erreicht,","page":140},{"file":"p0141.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n141\nals dass ich. die Besch\u00e4ftigung mit derselben, trotzdem sie mir durch ein solches Unmaass menschlich begreiflichen Unmuths \u00fcber gescheiterte Ziele, unerf\u00fcllte Ho\u00fcfnungen sachlicher und pers\u00f6nlicher Art v\u00f6llig verleidet worden war, schon jetzt g a nz aufgeben und fallen lassen wollte und k\u00f6nnte, und \u00fcberdies muss ich lebhaft w\u00fcnschen, dass Das, was ich dabei durch die Errichtung dieses Spectatoriums zum bleibenden Gewinn f\u00fcr unsere Universit\u00e4t geleistet zu haben glaube, dem \u00f6ffentlichen Unterricht wom\u00f6glich sofort zu Gute komme.\nDeshalb habe ich nicht l\u00e4nger z\u00f6gern wollen -- da doch Alles auch seine richtige \u00e4ussere Form und Art haben will, \u2014 zur heutigen \u00bbEr\u00f6ffnungsversammlung\u00ab einzuladen, um diesen Saal, mit seinen eigenth\u00fcmlichen und zum Theil hinreichend beendeten Einrichtungen zu inauguriren und speciell dem h. Eectorate unserer Universit\u00e4t \u00f6ffentlich und feierlich zur Verf\u00fcgung zu stellen.\nNachschrift.\nNach Schluss vorstehender Bede wurde das Amphitheater voll-, st\u00e4ndig verfinstert und ich demonstrate vermittelst der erw\u00e4hnten Kalklicht-Camera\u2019s vom optischen Zimmerchen aus folgende Bilder, Pr\u00e4parate und lebendige Vorg\u00e4nge.\n1. wurde eine j ener wundervollen embryo logischen Photographien von Prof. His, welche das Vollendetste sind, was in dieser Richtung bisher geleistet ist, auf den grossen Leinwandvorhang projicirt; es war dies ein \u00fcberaus gelungenes Originalnegativ auf Glas, dessen Ben\u00fctzung ich der G\u00fcte meines genannten Herrn Collegen verdankte. Es stellte den mikroskopisch vergr\u00f6sserten Querschnitt eines H\u00fchnerembryo aus fr\u00fcher Zeit dar, an welchem nicht nur die einzelnen Organe, wie das R\u00fcckenmark mit seinem spaltf\u00f6rmigen Centralkanal, die Chorda dorsalis, die Urwirbelmassen, die Seitenplatten, die Lumina und Wandungen der beiden Ausf\u00fchrungsg\u00e4nge d\u00e9r Wolff\u2019 sch en K \u00f6rp er und der beiden Aorten, das Darmdr\u00fcsenblatt und die Anlage der Leibesh\u00f6hle mit der Uebersichtlichkeit einer schematischen Zeichnung erschienen, sondern an welchem auch die histologischen Elemente mit Uberrasch\u00e8nder Deutlichkeit und Sch\u00e4rfe hervortraten; namentlich sei erw\u00e4hnt, dass an einer der Aorten eine \u00fcberaus klar gezeichnete Gruppe von embryonalen Blutk\u00f6rperchen h\u00e4ngen geblieben war, die zum Theil frei in das Lumen derselben hineinragte.\nUm eine Idee von der Ausdehnung und Gr\u00f6sse des projicirten Bildes zu geben, brauche ich nur anzuf\u00fchren, dass es den mehr als","page":141},{"file":"p0142.txt","language":"de","ocr_de":"14 2\tUeber das physiologische Privat-Laboratorium\nsechs Meter breiten Leinwandvorhang in querer Richtung vollst\u00e4ndig deckte.\n2.\twurden zwei grosse, d\u00fcnn geschliffene Knochendurchschnitte, welche ich der Freundlichkeit meines geehrten Collegen Prof. Beaune verdankte, in scharfem Schattenriss gezeigt. um die in neuerer Zeit von H. Meyer u. A. einer besondern Aufmerksamkeit gew\u00fcrdigte Architektonik der spongi\u00f6sen Substanz zu illustriren.\nDer eine Durchschnitt umfasste den Kopf, Hals, Trochanter und das obere Drittel eines menschlichen Femurs, der andere das ganze obere Gelenksende der Tibia. Die Schattenrisse deckten in senkrechter Richtung \u00fcber 4/5\u20143/4 des Vorhangs.\nNachdem der leinwandne Projectionsvorhang wieder ganz in die H\u00f6he gezogen worden war, demonstrate ich auf der freigewordenen gegypsten Kreisfl\u00e4che der Wand :\n3.\teine genau nach dem Original transparent colorirte Photographie des Bildes vom Hundeknie mit den primitiven Lymphwegen der sehnigen Gebilde aus der bekannten Abhandlung von Ludwig und Schweigger-Seidel.\n4.\twurde jene umgrenzte Stelle dieses Bildes, welche die blau injicirten netzf\u00f6rmigen Lymphbahnen und die roth gef\u00fcllten Blutgef\u00e4ssver\u00e4stelungen enth\u00e4lt, mit der st\u00e4rkeren Linse meines Apparates in bedeutenderer Vergr\u00f6sserung projicirt, so dass die feinsten Ramifica-tionen mehr als fingerdick erschienen und ausserordentlich scharf und deutlich hervortraten.\n5.\twurde eine zweite genau nach dem Originalbilde von Professor Reclam transparent colorirte Photographie des Durchschnittes der menschlichen Haut projicirt, welche mit den roth injicirten Blutgef\u00e4ssen , den Haarb\u00e4lgen sammt Talgdr\u00fcsen, den Unterhautfettzelleninseln, den Schweissdr\u00fcsen, dem Papillark\u00f6rper und der Malpighi\u2019-schen und Oberhautschichte eine recht h\u00fcbsche Illustration der Hautstructur darstellt, \u2014 nur schade, dass die Schweissdr\u00fcse und ihr in Wirklichkeit korkzieherf\u00f6rmig gedrehter Ausf\u00fchrungsgang auf dem Original nicht gl\u00fccklich wiedergegeben sind !\n6.\tzeigte ich mein neues k\u00fcnstliches Kreislaufschema, bei welchem ein ausgeschnittenes, fortschlagendes Froschherz als nat\u00fcrlicher Motor dient1). Der kleine Apparat, sammt dem pul-\n1 Ein \u00e4hnliches, freilich viel gr\u00f6beres Schema mit einem todten S\u00e4ugethierherz, an welchem mit der Hand gepumpt wurde , pflegte ich schon vor Jahren zu demonstriren. Vgl. meinen Vortrag \u00bbUeber das Herz etc.\u00ab Leipzig, J. C. Hin-richs\u2019sche Buchhandlung, 1871. S. 16 u. f.","page":142},{"file":"p0143.txt","language":"de","ocr_de":"an der Universit\u00e4t Leipzig.\n143\nsirenden Froschherzen, wurde, um allen Anwesenden deutlich sichtbar gemacht zu werden, in scharfem Schattenriss auf die gegypste Kreisfl\u00e4che projicirt und erschien \u2014- da das Beversionsprisma eingeschaltet wurde \u2014 in aufrechter Stellung. Derselbe erl\u00e4utert die fundamentale Thatsache des Blutkreislaufs mit solcher Anschaulichkeit und Fdeganz, und empfiehlt sich \u00fcberdies so sehr durch leichte Herstell-barkeit, dass ich ihn genauer beschreiben will, um mir den Dank der praktischen Lehrer der Physiologie zu erwerben, denn jeder von ihnen wird mein Schema als Collegienversuch sehr brauchbar finden.\nEin Stativ S mit schwerem Fuss tr\u00e4gt einen horizontalen Glasstab (g), auf welchen zwei l\u00e4nglich viereckige Korkst\u00fccke (.k, />') aufgeschoben sind.\nIn der verticalen Bohrungj edes dieser Korke ist ein kurzes St\u00fcck einer dickwandigen Kautschukr\u00f6hre (c, c'j durchgeschoben und eingeklebt, welches nach unten etwa 1 cm weit frei hervorsteht. In die obere Oeffnung der einen Kautschukr\u00f6hre wird das untere Ende der Steigrohre ( a), welche an ihrem oberen Ende in eine feine, umgebogene Spitze ausgezogen ist, senkrecht festgesteckt ; in das zweite Kautschukr\u00f6hrchen kommt ebenso ein Glastrichterchen !v). In die unteren Oeffnungen der Kautschukr\u00f6hrchen wird einerseits die gerade gl\u00e4serne Can\u00fcle [a') eingeschoben, welche in den einen Hauptast des Bulbus aortae (ba) des Froschherzens (.h) eingebunden ist, w\u00e4hrend andererseits die passend gebogene Can\u00fcle (u1) eingef\u00fchrt wird, welche in der Vena cava inf. vermittelst einer Ligatur befestigt wurde, die alle \u00fcbrigen Venen des Froschherzens mitumschn\u00fcrt.\nFig.\n5. K\u00fcnstliches Kreislaufschema mit lebendigem Motor (Froschherz).\nNun f\u00fcllt man den Venentrichter mit Blutserum oder 1/2% Kochsalzl\u00f6sung, saugt mit einer capillar ausgezogenen Glasr\u00f6hre alle sich etwa bildenden Luftblasen auf oder entfernt sie auf andere Weise \u2014 und sieht nun, wie das kr\u00e4ftig fortschlagende Froschherz die Fl\u00fcssigkeit in die Steigrohre [a a) emportreibt und aus dem ausgezogenen und umgebogenen Ende derselben in rhythmisch unterbrochenem Strahl in den Venentrichter hineinspritzt. So ist denn ein wirklicher Kreislauf der Fl\u00fcssigkeit in sehr zierlicher und anschaulicher Weise","page":143},{"file":"p0144.txt","language":"de","ocr_de":"144 Ue\u00efjcr das physiolog. Privat-Laboratorimn an der Universit\u00e4t Leipzig.\nhergestellt, den man halbe Stunden lang nnd mehr beobachten und erl\u00e4utern kann.\nAnfangs filtrirt die Kochsalzl\u00f6sung, wenn ihr nicht etwas Gummi arab. zugesetzt ist, oft ziemlich stark durch die Herzwandungen hindurch, und man muss dann von Zeit zu Zeit etwas Fl\u00fcssigkeit in den Venentrichter nachf\u00fcllen, sp\u00e4ter vermindert sich das Durchfiltriren und h\u00f6rt meist vollst\u00e4ndig auf.\n7. Endlich habe ich das fortpulsirende Froschherz dieses Kreislaufschemas in einen mit Kochsalzl\u00f6sung gef\u00fcllten Glastrog mit planparallelen W\u00e4nden getaucht und in scharfem, theilweise durchscheinendem Schattenriss vermittelst der st\u00e4rker vergr\u00f6ssemden Linse meines Apparates auf das gegypste Wandfeld projicirt, um den Rhythmus und die Formver\u00e4nderungen der einzelnen pulsirenden Herzabschnitte zu demonstriren. Selbstverst\u00e4ndlich wurde das Reversionsprisma eingeschaltet, damit das schlagende Froschherz in aufrechter Stellung erscheine und seine Beziehungen zum Zuge der Schwere in nat\u00fcrlicher Richtung erkennen lasse.\nUm eine Idee von der Schaubarkeit dieser \u00fcberraschenden Demonstration zu geben, erw\u00e4hne ich nur, dass der L\u00e4ngsdurchmesser des an der Wand erscheinenden Schattenrisses des schlagenden Herzens an 2 Meter betrug.\nDiese neuartige D emonstration des lebendigen Herzschlages hat aber auch einen wissenschaftlichen Werth, indem bei der Sch\u00e4rfe der Contouren des Schattenrisses und bei der bedeutenden Vergr\u00f6sse-rung der Bewegungen Details der Contractionen der Herzabschnitte zu beobachten sind, welche dem unbewaffneten Blicke entgehen oder kaui\u00fc sichtbar werden. In dieser Beziehung hebe ich hervor, dass die unregelm\u00e4ssigen tetanischen und peristaltischen Contractionen beim allm\u00e4hlichen Absterben des Herzens durch zunehmende Erw\u00e4rmung in einer Mannigfaltigkeit auftfeten, von der man bisher kaum eine gen\u00fcgende Vorstellung hatte.\nSchliesslich ergreife ich mit Freuden die Gelegenheit den Herren Dr. Ernst Fleischl aus Wien und Dr. L\u00fcciani aus Bologna f\u00fcr die gef\u00e4llige und geschickte Assistenz, die sie mir bei diesen Demonstrationen zu leisten die G\u00fcte hatten, meinen herzlichsten Dank \u00f6ffentlich auszusprechen.\nLeipzig, 22. December 1872.","page":144}],"identifier":"lit11","issued":"1879","language":"de","pages":"119-144","startpages":"119","title":"Ueber das physiologische Privat-Laboratorium an der Universit\u00e4t Leipzig: Rede gehalten am 24. Dezember 1872 bei Gelegenheit der Er\u00f6ffnung seines Amphitheaters","type":"Book Section","volume":"2"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:58:05.542379+00:00"}
