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{"created":"2022-01-31T16:16:33.843022+00:00","id":"lit16118","links":{},"metadata":{"alternative":"Zeitschrift f\u00fcr Bauwesen","contributors":[{"name":"Z\u00f6lffel","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"Zeitschrift f\u00fcr Bauwesen 40: 169-176","fulltext":[{"file":"p0169-170.txt","language":"de","ocr_de":"169\n170\nJ\u00c0MGrAM XIXX.\n1890.\nHEFT IV BIS VI.\nNeubau des physiologischen Institutes der Universit\u00e4t Marburg.\n(Mit Zeichnungen auf Blatt 19 bis 23 im Atlas.)\nAbb. 4.\nHauptgesims vom Capellenausbau. 1:20\nF\u00fcr das physiologische Institut der Universit\u00e4t Marburg wurde, abweichend von den seitherigen \u00e4hnlichen Anstalten, ein Bau errichtet, in welchem der Unterricht in der Physiologie nach der morphologischen, chemischen, physicalischen und rein physiologischen Seite m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfig gepflegt und anschaulich gestaltet werden kann. So ist der Bau nicht nur f\u00fcr den zeitigen Leiter des Institutes, dessen Forschungen auf den neueren Gebieten der Physiologie bahnbrechend geworden sind, sondern \u00fcberhaupt den Anforderungen der Neuzeit entsprechend ausger\u00fcstet, besonders aber Gelegenheit gegeben, die Studirenden selbst zu rein physiologischen und physiologisch-chemischen Arbeiten in gr\u00f6fserer Zahl praktisch anzuleiten.\nAls Bauplatz stand das s\u00fcdlich der Elisabethkirche, an der nach dem Deutschhaushofe f\u00fchrenden Strafse belegene Grundst\u00fcck zur Verf\u00fcgung, auf welchem die kurz vorher infolge Uebersiedelung in einen umfangreichen Neubau verlassene alte ' medicinische Klinik mit ihrem Zubeh\u00f6r sich befand. W\u00e4hrend der Bauausf\u00fchrung konnte nur ein Theil der alten Klinik, deren Umfassungsmauern Beste eines Hospitals der heil. Elisabeth sind, niedergelegt werden, w\u00e4hrend ihre Stehenblei benden Theile nochmals zur vor\u00fcbergehenden Aufnahme von B\u00e4umen f\u00fcr das ebenfalls durch Neubau zu ersetzende pathologische\tLl\nInstitut eingerichtet wurden.\nEs sei hier gestattet, von diesem dem Abbruch geweihten Ueberbleibsel des 13. Jahrhunderts das Bemerkenswertheste einzuschalten, zumal wohl kaum an anderer Stelle seiner gedacht werden wird. Beim Abbruch des n\u00f6rdlichen Theiles wurden die als urspr\u00fcnglich erkennbaren Beste des alten Hospitales von den sp\u00e4teren Aenderun-gen und Zuthaten befreit, und es gelang, eine den fr\u00fcheren Zustand deutlich zeigende Buine herauszubilden, die durch Aufmessung und Lichtbild-Aufnahe der Ueberlieferung erhalten wurde.\nDer Mittelbau und der s\u00fcdliche Fl\u00fcgel des alten Bauwerks bestehen zur Zeit noch und werden erst, nachdem f\u00fcr die jetzt darin befindlichen Wirthschaftsr\u00e4ume der nebenan liegenden chirurgischen Klinik Ersatz geschaffen worden ist, abgebrochen. Soweit aber bis jetzt erkennbar, bestand das alte Elisabethhospital aus einem rechteckigen Saalbau, der nur an der Westseite durch etwa 2,5 m \u00fcber Fufsboden hoch liegende, rundbogig geschlossene Fenster mit beiderseits abgeschr\u00e4gten Leibungen erleuchtet war. Inmitten der K\u00fcckwand ist dem Saale ohne Trennung ein Capellenausbau angef\u00fcgt, der mit drei Seiten des Achtecks geschlossen\nZeitschrift f. Bauwesen. Jahrg. XXXX.\nAbb. 3.\nAbb. 2.\nGrundrifs des Capellenausbaues.\nist und sieben Fenster besessen \"hat (Abb. 1 u. 2). Consolartige Auskragungen im Inneren daselbst, welche jedoch durch die sp\u00e4teren Einbauten v\u00f6llig ihrer Profilirungen beraubt sind, und die Strebepfeileranordnung lassen erkennen, da\u00df diese Capelle gew\u00f6lbt war, wogegen der Hauptraum mit Sicherheit als ungew\u00f6lbt und mit gerader Balkendecke versehen angenommen werden darf. Beim Abbruch konnte au\u00dferdem nur noch die ehemalige Beschaffenheit des Putzes und der F\u00e4rbung des Innenraumes festgestellt werden. Der sehr d\u00fcnne Putz haftete sehr fest auf dem Steine, war bla\u00dfrosa gef\u00e4rbt und durch loth- und wagerecht eingerissene, wei\u00df gemalte Fugen quaderartig eingetheilt. Den bemerkenswerthesten Theil bildet das Aeufsere des Capellenausbaues (Abb. 1). Auf gemeinschaftlichem Unterbau sitzen die kr\u00e4ftigen, mit doppeltem Sockelprofil (Abb. 3) versehenen Strebepfeiler, auf welche bis zur H\u00f6he der Gew\u00f6lbeanfanger reichen und dort pultdachartig abgedeckt sind, w\u00e4hrend lisenenf\u00f6r-mige Fortsetzungen bis dicht unter das Hauptgesims (Abb. 4) reichen und dort in Kn\u00e4ufen endigen. Das Hauptgesims ist augenscheinlich in seiner Lage erhalten. Die Fenster sind zur Zeit noch durch Einbauten verdeckt, doch ist durch Entfernung .des Putzes bereits erkennbar, da\u00df sie spitzbogig geschlossen und ver-h\u00e4ltnifsm\u00e4\u00dfig tief herabgef\u00fchrt waren. \u2014 Als zu diesem Hospital geh\u00f6rig ist noch der unter dem n\u00f6rdlichen Theile desselben befindliche Keller zu erw\u00e4hnen. Er besteht aus zwei wenig spitz-bogigen Kreuzgew\u00f6lben von Bruchsteinen in Kalkm\u00f6rtel, die durch einen halbkreisf\u00f6rmigen Gurtbogen aus Schnittsteinen getrennt sind. Zug\u00e4nglich ist er durch eine auf der Ostseite kellerhalsartig vorgelegte, \u00fcberw\u00f6lbte Treppe, die wahrscheinlich erst in sp\u00e4terer Zeit derartig umgelegt wurde, da\u00df sie vom Inneren des Geb\u00e4udes aus begangen werden konnte. Die Beleuchtung erfolgte durch zwei bedeutend \u00fcber dem Gew\u00f6lbescheitel und daher mit langem Lichtschacht nach dem Inneren versehene Fenster an der Nordseite. Um den einstigen Standort des ajten Hospitales zu kennzeichnen, soll dessen baulich wichtigster Theil, der Capellenausbau, von seinen sp\u00e4teren Zuthaten befreit, in den Gartenanlagen des neuen Instituts als Buine erhalten werden.\nDas physiologische Institut ist aus B\u00fccksichten der Gewinnung eines guten Standpunktes f\u00fcr die Betrachtung der .Elisabethkirche thunlichst an die Ostgrenze ger\u00fcckt worden; der\n12\nSockelgesims des Capellenausbaues. 1:40","page":0},{"file":"p0171-172.txt","language":"de","ocr_de":"171-\nZ\u00f6lffel, Physiologisches Institut der Universit\u00e4t Marburg.\n172\nNachbar wurde verpflichtet, bei sp\u00e4terer Bebauung seines Grundst\u00fcckes den gleichen Abstand einzuhalten.\nDem Eaumbed\u00fcrfnifs entsprechend waren zu beschaffen:\n1.\tArbeitsr\u00e4ume f\u00fcr die Studirenden, und zwar f\u00fcr die physiologisch-chemischen Arbeiten und f\u00fcr die rein physiologischen Arbeiten, mit den erforderlichen Nebenr\u00e4umen f\u00fcr Apparate zu besonderen Arbeiten.\n2.\tEin Horsaal f\u00fcr 100 Zuh\u00f6rer, ausgestattet mit den erforderlichen Einrichtungen zur Vorf\u00fchrung der f\u00fcr den Unterricht n\u00f6thigen Experimente, auch auf physicalischem und chemischem Gebiete, dazu in unmittelbarer Verbindung ein Vorbereitungszimmer und B\u00e4ume, in welchen die in der Vorlesung ber\u00fchrten Gegenst\u00e4nde und Versuche in einer Eeihe von mikroskopischen und makroskopischen Darstellungen oder am lebenden Individuum vorgef\u00fchrt werden.\n3.\tB\u00e4ume, welche haupts\u00e4chlich wissenschaftlichen Arbeiten dienen, besonders eingerichtet f\u00fcr Versuche an Thieren, optische Untersuchungen und f\u00fcr Gas-Analysen. Hierher geh\u00f6ren auch das Privat - Laboratorium des Directors und des Assistenten f\u00fcr chemische Arbeiten, der Baum f\u00fcr mikroskopische Arbeiten, das Arbeitszimmer des Directors und das Bibliothek- bezw. Pr\u00fcfungszimmer.\n4.\tSammlungsr\u00e4ume zur \u00fcbersichtlichen Aufstellung physiologischer und physicalischer Apparate, sowie f\u00fcr mikroskopische und chemische Pr\u00e4parate.\n5.\tEine mechanische Werkstatt mit Nebenr\u00e4umen zur Aufstellung einer Centrifuge, der zur Erzeugung des elektrischen Lichtes dienenden Dynamomaschine und der zum Betriebe beider erforderlichen Gaskraftmaschine.\n6.\tStallungen f\u00fcr Versuchstiere, n\u00e4mlich Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, V\u00f6gel und Kaltbl\u00fcter, und zwar zur Beobachtung operirter Thiere sowie zur Z\u00fcchtung derselben geeignet; ferner ein Pflanzen- und Bakterienraum.\n7.\tDienstwohnungen f\u00fcr den Director, einen Assistenten und den Institutsdiener.\n8.\tEndlich B\u00e4ume f\u00fcr Aborte und Centralheizung, zur Aufbewahrung von Chemiealien, Glassachen, S\u00e4uren, Brennmaterialien sowie Eis und Puttervorr\u00e4then f\u00fcr die Thiere.\nBei der Ausf\u00fchrung dies Programmes wurden die B\u00e4ume des Institutes von der Dienstwohnung des Directors v\u00f6llig geschieden und der Eingang f\u00fcr die Lehrr\u00e4ume inmitten der Hauptfront in der Deutschhausstrafse angeordnet (Blatt 20). Von diesem wird durch einen bescheidenen Vorraum das Haupttrep-penhaus erreicht, dessen Umg\u00e4nge in knappster Form den gesamten Verkehr im Geb\u00e4ude erm\u00f6glichen. Es wird haupts\u00e4chlich durch Oberlicht erleuchtet und hat in jedem Stockwerk noch ein seitliches Fenster erhalten; seine Helligkeit ist eine vollkommene und das Licht ein sehr wohlthuendes.\nZu den Hauptr\u00e4umen des Instituts z\u00e4hlend, liegen die S\u00e4le f\u00fcr chemische und rein physiologische Arbeiten mit ihren wesentlichsten Nebenr\u00e4umen im Erdgeschofs. Zun\u00e4chst dem Eing\u00e4nge das chemische Laboratorium, seiner Einrichtung nach mehr ein Lehrsaal als ein Arbeitssaal f\u00fcr selbst\u00e4ndige Arbeiten, daher auch die Anlage der grolsen, \u00fcber die Mitte des Saales reichenden Arbeitstische und der erh\u00f6hte Platz f\u00fcr den Docen-ten. Die Fensterpl\u00e4tze mitgerechnet ist f\u00fcr 41 Studirende Platz geschaffen. Die Vertheilung der Gestelle f\u00fcr die zum allgemeinen Gebrauche bestimmten Beagentien und der Abdampfnischen ist derart, dafs sie von den Arbeitenden auf k\u00fcrzestem\nWege erreicht werden k\u00f6nnen. Eine kleine Dunkelkammer dient zur alsbaldigen Anstellung spectralanalytischer Untersuchungen. Sie liegt im B\u00fccken des Platzes f\u00fcr den Docenten, ihre diesem Platze zugekehrte Au\u00dfenseite ist als schwarze Wandtafel ausgebildet Ein zweipl\u00e4tziger Arbeitetisch mit besonderen Beagentien dient f\u00fcr den allgemeinen Gebrauch. In n\u00e4chster N\u00e4he dieses Saales liegen einerseits die Zimmer f\u00fcr die, feineren Waagen, f\u00fcr die Elementar-Analysen, der sog. \u201eGl\u00fchraum\u201c anderseits ein Dest\u00fclirzimmer, in welchem Dampfbad und De-stillirapparat Aufstellung gefunden haben und wo Schmelz- und Gl\u00fchoperationen vorgenommen werden. Der Baum dient gleichzeitig zur Aufbewahrung der Vorr\u00e4the von L\u00f6sungen f\u00fcr die Beagentien der chemischen Arbeitspl\u00e4tze und als Sp\u00fcl- und Putzraum f\u00fcr den Diener. Ein gro\u00dfer Mitteltisch, reichlich mit Gas- und Wasserleitung versehen, zwei Fenstertische und eine Abdampfnische vervollst\u00e4ndigen die Ausstattung. Daran schlie\u00dft sich der Schwefelwasserstoffraum, thunlichst ins Freie ger\u00fcckt, um das Innere des Geb\u00e4udes m\u00f6glichst wenig zu bel\u00e4stigen. Durch eine Nebentreppe zwischen Waagen- und Gl\u00fchraum werden die Arbeite- und Vorrathsr\u00e4ume im Keller (Blatt 21), welche zum chemischen Laboratorium in Beziehung stehen, leicht erreicht; es sind dies das Zimmer f\u00fcr Gas- und Quecksilberarbeiten an der Nordseite, dem sich das ruhig gelegene, mit gro\u00dfem Eisschrank ausgestattete Krystallisationszimmer anschlie\u00dft, und, nach S\u00fcden gelegen, die B\u00e4ume f\u00fcr Glassachen und Chemiealien.\nIm Erdgescho\u00df, durch die beiden G\u00e4nge neben dem Treppenhause erreichbar, liegt a\u00df \u00f6stlicher Ausbau mit Beleuchtung von drei Seiten der physiologische Arbeitesaal mit 60 Pl\u00e4tzen f\u00fcr mikroskopische Arbeiten. Als Kleiderablage ist ein durch Glasabschl\u00fcsse abgetrennter Theil des Treppenumganges hergerichtet.\nTin ersten Stockwerk (Blatt 21), \u00fcber letztgenanntem Arbeitsraume, liegt der H\u00f6rsaal. Der Zugang der H\u00f6rer erfolgt durch die G\u00e4nge zu beiden Seiten der Treppe, der Gang durch das Vorbereilungszimmer ist f\u00fcr die Zeit des Eintritte der Studirenden durch starke Schn\u00fcre abgetrennt In der H\u00f6he des obersten Trittes der ansteigenden Sitzreihen zieht sich eine schmale Galerie beiderseits nach vom, welche die Erreichbarkeit der hochgelegenen Fenster sichert, die Verdunkelungsvorrichtung deckt und das Herantreten der auf den hinteren Beihen Sitzenden in die N\u00e4he des Katheders gelegentlich gestattet 90 Klappsitze mit schmalen Tischen (Abb. 5 u. 6) sind zun\u00e4chst ausreichend, w\u00e4hrend durch Stellung von St\u00fchlen vor und hinter diesen festen Sitzreihen zusammen mehr a\u00df 100 Zuh\u00f6rer bequem untergebracht werden k\u00f6nnen. Der Experimentirtisch befindet sich den mittleren Hauptsitzreihen gegen\u00fcber, hinter ihm sind die Wandtafeln angebracht, daneben kleinere schwarze Tafeln mit Schr\u00e4nkchen f\u00fcr Beagentien, dar\u00fcber die T\u00e4felung zum Anheften von Zeichnungen und dahinter eine sogenannte Nische f\u00fcr chem\u00dfche Arbeiten, welche zugleich die unmittelbare Verbindung mit dem Vorbereitungszimmer herstellt.\nAn der Nordseite schlie\u00dft sich dem H\u00f6rsaal das Demonstrationszimmer an, hier werden an der Fensterseite die bei der Vorlesung ber\u00fchrten Erscheinungen unter dem Mikroskop der Beihe nach aufgestellt, w\u00e4hrend an der Innenwand zeichnerische Darstellungen angeheftet und auf dem Wandtisch gr\u00f6bere Demonstrationsgegenst\u00e4nde f\u00fcr den n\u00e4heren Augenschein bereit liegen. Nach S\u00fcden, durch das Vorbereitungszimmer zug\u00e4nglich,","page":0},{"file":"p0173-174.txt","language":"de","ocr_de":"173\nZ\u00f6lffel, Physiologisches Institut der Universit\u00e4t Marburg.\n174\nliegt das Operationszimmer, auch zu Demonstrationen an operir-ten Thieren und zu Operationen f\u00fcr die Vorlesung dienend.\nZu den B\u00e4umen f\u00fcr wissenschaftliche Arbeiten ist aufser dem bereits oben erw\u00e4hnten Gas- und Quecksilberzimmer' auch das letztgenannte Operationszimmer in seiner eigentlichen Bedeutung zu z\u00e4hlen. Daf\u00fcr ist es ausgestattet mit Kymo-graphion, elektrischer Uhr, Multiplicator auf steinernem Kragstein und Steinplatte, \u00fcberdies mit den n\u00f6thigen M\u00f6beln f\u00fcr Operations-Instrumente usw. sowie mit einem Waschtische .zu drei Sch\u00fcsseln. Sodann nach Norden gelegen im ersten Stockwerke das Mikroskopirzimmer f\u00fcr Director und Assistenten, dessen ganze Fensterseite f\u00fcr mikroskopische Arbeiten hergerichtet ist In demselben ist auch ein kleiner chemischer Arbeitsplatz, eine Vorrichtung zur Ausw\u00e4sserung von Organen, aufserdem ein Sammlungsschrank f\u00fcr mikroskopische Pr\u00e4parate und ein Schrank f\u00fcr gr\u00f6bere anatomische Pr\u00e4parate untergebracbt.\nDaneben folgt das Bibliothek- zugleich Pr\u00fcfungszimmer und das Arbeitszimmer des Directors, welches dieser auch von seiner Wohnung aus leicht erreichen kann. Nach S\u00fcden im Erdgeschosse liegt noch ein Zimmer f\u00fcr optische Untersuchungen, welches mit Vorrichtung zur Verdunkelung der Fenster versehen ist In ihm sind ein Spectralapparat, ein Spectrophotometer, ein Heliostat, ein Polarisationsapparat f\u00fcr Normalsichtige und ein solcher f\u00fcr Farbenblinde sowie ein Laryngoskop zu Lehrzwecken, wie zur wissenschaftlichen Benutzung st\u00e4ndig aufgestellt.\nDie Sammlungsr\u00e4ume liegen im ersten Stock in der N\u00e4he des H\u00f6rsaales und der Demonstrationsr\u00e4ume, weil die Sammlungen unter F\u00fchrung des Docenten von den Studirenden besichtigt werden und die Apparate usw. f\u00fcr die Vorlesung, die Demonstrationen und Operationen benutzt zu werden pflegen. F\u00fcr die bereits sehr reiche Instrumentensammlung ist ein Baum von 16,4m L\u00e4nge und 5,6 m Tiefe eingerichtet An der Fensterseite befinden sich ein langer Tisch, auf dem Athmungs-apparato stehen, darunter offene und verschliefsbare Schrankabtheilungen f\u00fcr veraltete Apparate von geschichtlichem Werthe, in der Mitte des Saales stehen Schr\u00e4nke nach Kundtschem System (Strafsburg), in denen die Apparate allseitig sichtbar sind, an den W\u00e4nden lange Schrankreihen \u00e4hnlicher Herstellungsweise. Auch hat die werthvolle und reiche Sammlung der nach den eigenen Forschungen des Instituts-Directors angefertigten grofsen zeichnerischen Darstellungen hier Aufnahme gefunden. In einem bescheidenen Baume neben dem Operationszimmer ist die ' chemische Sammlung in Schr\u00e4nken aufbewahrt, deren untere, durch Holzth\u00fcren verschlossene Abtheilungen f\u00fcr lichtempfindliche Chemiealien dienen, w\u00e4hrend die oberen F\u00e4cher Glasth\u00fcren erhalten haben.\nDer Mechaniker des Institutes hat im Kellergeschofs neben dem Haupteingang eine Werkstatt mit reichlicher Ausstattung an Drehb\u00e4nken, Schmiede- und Schlossereinrichtungen nebst allem Zubeh\u00f6r pnd Werkzeugen, auch f\u00fcr feinere Mechanik, erhalten. Er und seine Leute, die den ganzen Tag \u00fcber hier anwesend sind, haben durch ein nach der Vorhalle angebrachtes Fenster den Instituts-Eingang zu \u00fcberwachen und Auskunft zu geben, der Institutsdiener konnte hierzu wegen seiner vielseitigen Besch\u00e4ftigung im ganzen Hause nicht herangezogen werden. In der N\u00e4he der Werkstatt, und zwar unter dem Treppenhause, sind die Maschine f\u00fcr das elektrische Licht, die Centrifuge und die Gaskraftmaschine untergebracht und durch Glasw\u00e4nde vom\n\u00fcbrigen Verkehr abgetrennt.\nEin Hauptwerth war auf die zweckentsprechende Anordnung der Thierstallungen zu legen. Sie finden ihren Platz in den nach S\u00fcden gelegenen B\u00e4umen des Mittelbaues und sind haupts\u00e4chlich mit K\u00e4figen zur Beobachtung operirter Thiere ausgestattet Der Baum f\u00fcr Hunde hat an beiden Seiten besonders eingerichtete Einzelk\u00e4fige auf 90 cm \u00fcber Fufsboden gelegenen Platten erhalten, unter denen sich gew\u00f6hnliche, aus Eisenstabwerk hergestellte K\u00e4fige f\u00fcr einfachere Untersuchungsf\u00e4lle befinden. Er ist durch innere Fensterladen zu verdunkeln, um das Bellen der Hunde thunlichst zu verh\u00fcten. Im Nebenraume wurden f\u00fcr Kaninchen 0,70 cm hohe Einfriedigungen aus Schmiedeeisen hergestellt, die beabsichtigten Holzeinbauten f\u00fcr das Unterkommen der Thiere in den einzelnen Abtheilungen und die f\u00fcr Einzelhaft an der Wand zu -befestigenden Holzk\u00e4sten, beide Arten mit aufzuschlagendem Deckbrett zum Herausnehmen der Thiere versehen, sind nicht ausgef\u00fchrt worden, weil die Kaninchenzucht in das Nebengeb\u00e4ude verlegt werden konnte und nun ger\u00e4umigere Beh\u00e4lter f\u00fcr die einzelnen Thiere zur Verf\u00fcgung standen. F\u00fcr V\u00f6gel sind einige K\u00e4fige um den Mittelpfeiler des Kaninchenraumes herum aufgestellt. Sie sind in zwei Geschossen, das untere etwa 0,30 m \u00fcber Fufsboden, aus Holzgestell gefertigt mit Eisenst\u00e4bchen und Blechkastenboden, letzterer zur Entfernung des Mistes zum Herausziehen eingerichtet. Zur Aufbewahrung der Fr\u00f6sche dient ein Theil der im Ausbau untergebraehten Beh\u00e4lter, im Sommer wird der gr\u00f6fste Theil der Thiere in den im Freien angelegten Froschteich gebracht; zu Beobachtungen an Fr\u00f6schen, Schildkr\u00f6ten usw. sind kleinere Abtheilungen bezw. besondere K\u00e4sten beschafft worden, auch sind hier .f\u00fcr S\u00fcfswasser- und f\u00fcr Seewasserthiere Aquarien untergebracht, welchen das mit Luft reichlich gemischte Wasser durch geeignete Apparate dauernd zugef\u00fchrt wird.\nDie Z\u00fcchtung und Beobachtung von Bakterien und die pflanzenphysiologischen Untersuchungen werden in den B\u00e4umen\n12*\nGest\u00fchl des H\u00f6rsaales.\nfreier Raum\nAbb. 6. Vorderansicht.\nAbb. 5. Seitenansicht und Schnitt.","page":0},{"file":"p0175-176.txt","language":"de","ocr_de":"175\nHeidecke, Haus Wesendonck in Berlin.\n176\ndes Dachgeschosses an der S\u00fcdseite des Mittelbaues vorgenom-men. Das Pflanzenzimmer hat eine kleine, durch eisernen Ofen hergestellte und an die Wasserleitung angeschlossene Warm-wasserr\u00f6hrenheizung,' die auch das Warmbeet versorgt. Eeich-liche Beleuchtung ist durch die in die Dachfl\u00e4che gelegten seitlichen Oberlichtfenster erzielt. In den B\u00e4umen des \u00f6stlichen Giebels findet ein Kranker, der auf Stoffwechsel beobachtet wird, Unterkunft. Sofern ein solcher nicht vorhanden ist, werden die B\u00e4ume als Zeichenzimmer benutzt, der Vorraum daselbst dient zur Aufstellung eines gTofsen Athmungsapparates.\nDem Institutdgeb\u00e4ude ist westlich als gesonderter Geb\u00e4ude-theil die Dienstwohnung des Directors angef\u00fcgt worden. Die Wohnung des Assistenten hat keinen besonderen Eingang erhalten, sie liegt im Dachgeschofs des Institutsgeb\u00e4udes, besteht aus Wohn- und Schlafzimmer und ist \u00fcber die Haupttreppe und die gegen das Dachgeschofs feuersicher abgeschlossene Nebentreppe zug\u00e4nglich. Dagegen besitzt die Wohnung des Dieners einen eigenen Zugang. Sie liegt im Kellergeschofs im \u00f6stlichen Ausbau und besteht aus einer gro\u00dfen Wohnstube, zwei kleineren Stuben und K\u00fcche. An Nebenr\u00e4umen befinden sich im Keller noch der Macerationsraum mit Vorrichtung zur W\u00e4sserung gr\u00f6berer Organe; Secirtisch und Diffusionsapparat und der Arbeitsraum, zumeist zur Verf\u00fcgung des Mechanikers\nf\u00fcr Vernickelungen usw., sodann aber auch zur Aufstellung des Bombenkastens \u2022 f\u00fcr Gl\u00fchversuche in zugeschmolzenen B\u00f6hren dienend. Beantragt sind vom Instituts-Director noch B\u00e4ume f\u00fcr eine .Gipsgie\u00dferei, eine Tischlerei und einen Taubenschlag, die im Dachgeschofs einzurichten sein w\u00fcrden. Aborte mit guter Beleuchtung und besonderer L\u00fcftung sind f\u00fcr die Studirenden im Keller, f\u00fcr den Assistenten und die in den B\u00e4umen des Dachgeschosses sich aufhaltenden Personen dort, senkrecht \u00fcber jenen, angelegt, das Abfallrohr dient zugleich zur Entl\u00fcftung der beiden im Keller aufgestellten Heidelberger Tonnen. F\u00fcr die Heizung dient ein Kaum neben der Dienerwohnung als Luftheizkammer und ein Baum neben der mechanischen Werkstatt zur Aufstellung der Niederdruck-Dampfkessel. Bei dem Kesselraum ist ein Gela\u00df f\u00fcr Brennmaterial unter der Freitreppe gewonnen, der neben diesem angeordnete Schacht dient zur Ausbringung der Kessel im Falle gr\u00f6fserer Ausbesserungen, f\u00fcr gew\u00f6hnlich aber zur Einbringung von Brennmaterial.\nDie Architektur ist in den einfachen Formen fr\u00fcherer Gothik gehalten, die der Ort nahelegt (Blatt 19). Als Material hat der vorz\u00fcglich wetterbest\u00e4ndige, helle Sandstein Verwendung gefunden, der sich beim Bau der Elisabethkirche aufs beste bew\u00e4hrt hat und in den Br\u00fcchen gegen\u00fcber der letzteren lagert.\t(SohluTs folgt)\nHaus Wesendonck in Berlin.\n(Mit Zeichnungen auf Blatt 24 und 25 im Atlas.)\nBei Anlage der vornehmen H\u00e4userviertel, die im letzten Jahrzehnt im Westen Berlins zwischen dem K\u00f6nigsplatze und den Zelten entstanden sind, ist das zwischen der Strafse In den Zelten und der Grofsen Quer-Allee nach dem K\u00f6nigsplatze zu belegene Eckgrundst\u00fcck merkw\u00fcrdig lange unbebaut geblieben. Wahrscheinlich hat der abgestumpfte spitze Winkel, unter dem sich beide Strafsen schneiden, manchen K\u00e4ufer abgeschreckt, und auch das Gef\u00fchl, etwas verborgen hinter Kroll zu sitzen, mag diesen und jenen zur\u00fcckgehalten haben, sich hier sein Heimwesen zu gr\u00fcnden oder ein vermiethbares Haus zu erbauen. Der letztere Grund ist Sache des Geschmackes und schwer mit F\u00fcr oder Wider zu belegen; der Besitzer des Hauses, welches jetzt die Ecke einnimmt und auf Blatt 24 und 25 abgebildet ist, wird seinen Entschlu\u00df nicht bereuen, sich auf diesem vornehm zur\u00fcckgezogenen und doch unmittelbar am grofsen Verkehre der Weltstadt belegenen Platze angekauft und hier in n\u00e4chster N\u00e4he des Sauerstoffbeh\u00e4lters Berlins, des K\u00fchlung und Erholung spendenden Thiergartens, gebaut zu haben. Mehr leuchtet der erstangef\u00fchrte Grund ein. Die Form des Eckgrundst\u00fcckes konnte der Grundri\u00dfbildung nicht g\u00fcnstig sein und wird insbesondere bei der Behandlung der stumpfen Ecke und f\u00fcr die Lichtzufuhr nach den inneren Geb\u00e4udetheilen nicht unerhebliche Schwierigkeiten ergeben haben. Wie diese \u00fcberwunden worden sind, lassen die Abbildungen erkennen. Den Versuch einer akademischen L\u00f6sung, die sich an den Ecken, insbesondere an der stumpfen, abgem\u00fcht haben w\u00fcrde, vielleicht ohne zu einem praktisch brauchbaren Ergebnisse zu kommen, bat der erfahrene Baumeister von der Hand gewiesen. Sein Hauptbestreben war, die B\u00e4ume zweckm\u00e4\u00dfig und den W\u00fcnschen\n\u25a0des Bauherrn entsprechend zusammenzuordnen, und so entstand auf der stumpfen Ecke im oberen Hauptgeschosse die fast vollst\u00e4ndige, im unteren Hauptgeschosse die g\u00e4nzliche Trennung der beiderseitigen Baumgruppen. Die Trennung unten, durch den Anrichteraum, befremdet beim ersten Einblick. Sie wird aber von' den Bewohnern aufs angenehmste empfundon, indem durch sie alle Speiseger\u00fcche 1 aus den Gesellschaftsr\u00e4umen ferngehalten werden, und dem Gaste kommt sie kaum zum Bewu\u00dftsein, weil die Verbindung der sich ihm \u00f6ffnenden Gem\u00e4cher durch den Vorraum so gut und zwanglos bewirkt wird, da\u00df er diesen in seiner behaglichen Ausstattung voll mit zu den B\u00e4umen, in denen .er empfangen wird, rechnet. Geschickt zur\u00fcckgehalten m\u00fcnden auf diesen Vorraum, dessen Oberlichtbeleuchtung am Tage freilich zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4\u00dft, die Nebenr\u00e4ume f\u00fcr den Dienst und eine sich \u00fcber den Eingang von der \u00e4u\u00dferen Vorhalle her hinwegschwingende kreisrunde Treppe nach oben, die nur den Verkehr nach Schlaf- und Fremdenzimmern vermittelt. Abweichend von der sonst zumeist \u00fcblichen Anordnung liegt das Herrenzimmer ziemlich abseits vom Eing\u00e4nge. Aber auch das hat semen guten Grund, denn an das \u201eAllerheiligste\u201c des Hausherrn schliefst sich sein engeres Beich, seine umfangreiche Gem\u00e4ldesammlung an. Diese nimmt einen besonderen Geb\u00e4udetheil an der Grofsen Quer-Allee ein und besteht im unteren Geschosse aus f\u00fcnf seitlich beleuchteten Cabinetten, im Obergescho\u00df aus drei gr\u00f6\u00dferen Oberlichts\u00e4len. Eine in diesem Geb\u00e4udetheile liegende stattliche Treppe verkn\u00fcpft beide Baumgruppen zu einer einheitlichen Sammlung und bildet die bevorzugtere Verbindung nach oben.","page":0}],"identifier":"lit16118","issued":"1890","language":"de","pages":"169-176","startpages":"169","title":"Neubau des physiologischen Institutes der Universit\u00e4t Marburg","type":"Journal Article","volume":"40"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:16:33.843028+00:00"}
