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Ueber die Hautnerven des Frosches

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{"created":"2022-01-31T16:24:20.955612+00:00","id":"lit16150","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 1-15. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0001.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\n[M\u00fcller\u2019s \u00bbArchiv f\u00fcr Anatomie und Physiologie\u00ab 1849, S. 35%.]\n(Hierzu Tafel 1 und 2).\nUm sich eine richtige Vorstellung von der Verbreitung der Nerven in der Haut des Frosches zu machen, ist es nothwendig, den Bau der Haut zu kennen. Zu diesem Zwecke habe ich eine schematische Zeichnung (Fig. I ) entworfen, welche einen senkrechten Durchschnitt der Froschhaut darstellt und anschaulich macht, in welcher Weise dieses Organ aus seinen verschiedenen histologischen Elementen zusammengesetzt wird.\nAls Grundgewebe kann das Derma oder Corium (Fig. 1, C) \u2014 eine ziemlich m\u00e4chtige Lage von Bindegewebsfasern, welche nach Behandlung mit Essigs\u00e4ure v\u00f6llig durchsichtig erscheinen und die bekannten Kernbildungen zeigen \u2014 betrachtet werden. Die Fasern liegen, ohne sich zu verfilzen, in regelm\u00e4ssigen, horizontalen Schichten beisammen, treten jedoch an bestimmten Funkten auseinander und bedingen so die Entstehung einer grossen Anzahl von Kan\u00e4lchen, welche das Derma senkrecht von innen nach aussen durchbohren. Auf einem Durchschnitte der Haut Fig. I erscheint demzufolge das Derma zwischen je zwei Kan\u00e4lchen A\u2014A') in vierseitige Felder mit rundlichen Ecken abgeschn\u00fcrt.\nDie n\u00e4chste Schicht nach aussen bildet ein lockeres Gewebe mannigfach verfilzter Fasern (Fl, welche einerseits in das Derma und dessen Kan\u00e4lchen Fig. 1, A eindringen, andererseits aber an die Epidermis grenzen | zwischen ihnen finden sich die kugeligen K\u00f6rper\nCzermak, Schriften.\t1","page":1},{"file":"p0002.txt","language":"de","ocr_de":"2\nUeber die Hautnerven des Frosches.\nder flaschenf\u00f6rmigen Hautdr\u00fcsen (.0), deren Ausf\u00fchrungsg\u00e4nge die Epidermis durchbohren und mit ver\u00e4nderlichen, gew\u00f6hnlich dreikantigen M\u00fcndungen an der Hautoberfl\u00e4che enden, eingebettet.\nDort, wo sieh die Epidermis scharf gegen die verfilzten Fasern absetzt, sind jene Pigmentzellen, von denen die F\u00e4rbung der Haut abh\u00e4ngt, in grosser Menge abgelagert (P). Die Epidermis selbst (E), welche sich als sch\u00fctzende H\u00fclle Uber die ganze Oberfl\u00e4che der Haut ausbreitet, besteht bekanntlich aus Zellen, die nach dem Alter und der Entwickelungsstufe in Schichten \u00fcbereinander liegen : die j\u00fcngeren rundlichen und saftigen Zellen bilden die unteren (\u00ab, \u00ab1, \u00ab2), die alten abgeplatteten und trockenen die oberen Schichten (\u00ab:!, er1).\nDa die Haut des Frosches gr\u00f6sstentheils nicht unmittelbar an den K\u00f6rper des Thieres angewachsen, sondern nur an bestimmte Stellen durch d\u00fcnne Membranen, welche, wie die Mesenterien, Blutgef\u00e4sse und Nerven fuhren, und Mesodermen genannt werden k\u00f6nnen, befestigt ist : so entstehen betr\u00e4chtliche, \u00fcberall geschlossene, mit einem ser\u00f6sen Ueberzug ausgekleidete R\u00e4ume unter der Haut, und es findet sieb deshalb als unterste Schicht der letzteren eben jener ser\u00f6se Ueberzug (Fig. I, S). Die Mesodermen k\u00f6nnen mit demselben Rechte wie die Ligamente des Bauchfelles u. s. w. als Duplicaturen dieser ser\u00f6sen Auskleidungen betrachtet werden.\nN\u00e4heres \u00fcber die erw\u00e4hnten subcutanen R\u00e4ume findet man in : Ant. Dug\u00c8s\u2019 : \u00bbRecherches sur l'Ost\u00e9ologie el la Myoloyie des Ratraciens.\u00ab Paris 1835. p. 122, und Jos. Meyer\u2019s: \u00bbSystema Amphibiorum lyinpha-ticum disquisitionibus novis examinatum.a 1815. p. 6.\nNun noch einige Worte \u00fcber den Bau der Schwimmh\u00e4ute. Sie entstehen durch die Verwachsung der br\u00fcckenartig von einer Zehe zur andern \u00fcberspringenden Sohlen- und Fussr\u00fcckenhaut. Das Derma und die Schicht der verfilzten Fasern beider H\u00e4ute sind auf eine unansehnliche Lage von Bindegewebsfasern reducirt; \u00fcbrigens finden sich die oben beschriebenen Bestandtheile der Haut doppelt vor.\nDieses Structurverh\u00e4ltniss, so wie die Zu- oder Abnahme der M\u00e4chtigkeit des Derma\u2019s und der Schicht der verfilzten Fasern, je nach der Hautregion, sind von einigem Einfluss auf die Art der Nerven-vertheilung.\nIch habe von dem Baue der Froschhaut nur so viel mitgetheilt, als zum Verst\u00e4ndniss der Verbreitung der Nerven nothwendig schien. Ausf\u00fchrlicheres, namentlich \u00fcber die Hautdr\u00fcsen, hat Asciiekson in M\u00fcller\u2019s Archiv 1840, S. 15 ver\u00f6ffentlicht.\nWas das peripherische Verhalten der Nerven betrifft, so herrscht hier\u00fcber noch viel Dunkelheit. Wohl hat Bubdach den Plexus der","page":2},{"file":"p0003.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\n3\nNerven an der unteren Fl\u00e4che des Derma ziemlich genau beschrieben und R. Wagner durch die Entdeckung der Theilung einer Nerven-fibrille in der Nickhaut (Handw\u00f6rterbuch der Physiologie, B. III. S. 462) unser Wissen wesentlich bereichert ; allein da ersterer, wie man sp\u00e4ter sehen wird, mehrere wichtige Verh\u00e4ltnisse v\u00f6llig ausser Acht gelassen, letzterer jedoch seine Entdeckung nicht weiter verfolgt hat, so blieb noch immer genug zu thun \u00fcbrig. Die nachfolgenden Zeilen enthalten einen Beitrag zur Ausf\u00fcllung dieser L\u00fccke.\nZun\u00e4chst will ich die Methode der Untersuchung, auf welche hier viel ankommt, kurz mittheilen. Wagner bemerkt (a. a. 0. >S. 389), dass die Haut des Frosches, auch wenn sie mit Essigs\u00e4ure behandelt wird, viel zu undurchsichtig bleibe, um die Frage zur Entscheidung zu bringen.\nDa dies im Allgemeinen richtig ist, obschon selten F\u00e4lle Vorkommen, wo die Haut selbst ohne Behandlung mit Essigs\u00e4ure einen hinreichenden Grad von Durchsichtigkeit besitzt z. B. von manchen wassers\u00fcchtigen Fr\u00f6schen) ; so musste von vornherein versucht werden, diesen Uebelstand zu beseitigen. Es ist klar, dass das viele Pigment dem Lichte den Weg absperrt. Die m\u00e4chtigste Lage von Pigmentzellen findet sich \u2014 wie oben beschrieben \u2014 gleich unter der Epidermis Fig. 1, P). Zwar wird sp\u00e4ter erw\u00e4hnt werden, dass noch an der inneren Fl\u00e4che des Derma Pigmentzellen Vorkommen (Fig. 1, p, p \u2014 Fig. 6, P , doch sind dieselben nur an wenigen Stellen allzu dicht abgelagert, und es kommt somit alles darauf an, jene erste Schicht unsch\u00e4dlich zu machen. Bei den Versuchen, dieselbe zu entfernen, bemerkte ich bald, dass man die Haut mit geringer M\u00fche in zwei Lamellen spalten k\u00f6nne, in denen die Verbindung zwischen der Schicht der verfilzten Fasern und dem Derma trennbar ist.\nDie eine Lamelle, welche ich die \u00e4ussere nenne Fig. 1, A), bestellt aus der Epidermis, jener hinderlichen Pigmentablagerung und den verfilzten Fasern mit den Hautdr\u00fcsen; die andere Lamelle \u2014 die innere Fig. 1, J) \u2014begreift das Derma mit dem ser\u00f6sen Ueberzuge und den Hauptverzweigungen der Nerven.\nIch habe auf diese Weise Pr\u00e4parate von beliebig grosser Ausdehnung erhalten, welche an Durchsichtigkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig Hessen. Da aber die Essigs\u00e4ure gew\u00f6hnlich angewendet wurde und namentlich die feinen Nervenfibrillen auf die bekannte Art alterirte, so versuchte ich, den Nerven durch H\u00e4rtung in Sublimat einen angemessenen Grad von Festigkeit zu geben.\nDiese H\u00e4rtungsversuche hatten den gew\u00fcnschten Erfolg. Auch erhalten sich solche Pr\u00e4parate l\u00e4ngere Zeit unversehrt : das Breslauer\nl*","page":3},{"file":"p0004.txt","language":"de","ocr_de":"4\nUeber die Hautnerven des Frosches.\nphysiologische Institut besitzt seit mehr als einem halben Jahre deren einige, welche noch immer brauchbar sind.\nIch komme zur Darstellung der Verbreitung der Nerven selbst.\nDie f\u00fcr die Haut bestimmten Nervenb\u00fcndel treten an verschiedenen Stellen zwischen den oberfl\u00e4chlichen Muskeln hervor und gelangen durch die erw\u00e4hnten subcutanen R\u00e4ume an die untere, dem K\u00f6rper des Thieres zugewendete Fl\u00e4che der Haut. Jedes B\u00fcndel besitzt eine eigene, ziemlich weite, mit Kernen versehene Scheide, welche oft sehr regelm\u00e4ssig abwechselnd von der einen und von der andern Seite eingeschn\u00fcrt erscheint Fig. 4-, S) und von den Nerven ansehnlich weit abstehend, wenn sie durch den gelinden Druck des Deckgl\u00e4schens etwas abgeplattet wird.\nSchneidet man die Haut am R\u00fccken oder an den Seiten der L\u00e4nge nach entzwei und hebt mit der Pinzette den einen Schnittrand in die H\u00f6he, so bemerkt man nebst den Platten der Mesodermen weisse, cylindrisehc F\u00e4deh, welche sich zwischen den Muskeln und der abgehobenen Haut anspannen; \u2014 es sind dies jene Nervenb\u00fcndel, welche frei die subcutanen R\u00e4ume durchsetzen. Man \u00fcberzeugt sich, dass die Nerven entweder eingeschlossen zwischen den Bl\u00e4ttern der Mesodermen oder auf die eben erw\u00e4hnte Weise ihren Bestimmungsort erreichen. Im Ganzen tindet jedoch kein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Arten des Verlaufs statt. In dem einen wie in dem andern Falle sind die Nervenb\u00fcndel mit ihren Scheiden durch Bindegewebsfasern, aus denen die Mesodermen sowohl, als die cy,lindrischen F\u00e4den haupts\u00e4chlich bestellen, umkleidet.\nDie Blutgef\u00e4sse der Haut nehmen denselben Weg wie die Nerven und sind meist von Pigmentzellen begleitet.\nIn Fig. 4 habe ich einen jener weissen cylindrischen F\u00e4den, welcher zuf\u00e4llig weder Gcf\u00e4sse noch Pigment f\u00fchrte, dargestellt. In der Mitte, umgeben von Bindegewebe Z , befindet sich das Nerv enb\u00fcndel (/?). Die Scheide (S) ist zwischen je zwei Einschn\u00fcrungen bauchig hervorgetrieben. Werden solche Pr\u00e4parate mit Essigs\u00e4ure behandelt, so bemerkt man nach einiger Zeit nebst den gew\u00f6hnlichen Ver\u00e4nderungen in dem Bindegewebe, dass sich eine zarte fein granu-lirte, hie und da ein gr\u00f6sseres K\u00f6rnchen f\u00fchrende Masse innerhalb der Scheide auf das Nervenb\u00fcndel niederschl\u00e4gt Fig. 4, i, das K\u00f6rnchen Hei n). Ich habe diesen Vorgang auch an den feineren Nervenzweigen Fig. 5, Fig. 2, Fig. 7 bei i) beobachtet und glaube daher, dass nebst den Nerven noch eine gerinnbare Fl\u00fcssigkeit innerhalb der Scheiden eingeschlossen sei. In den feineren Verzweigungen, welche ebenfalls innerhalb einer Fortsetzung der gemeinsamen Scheide verlaufen, wird","page":4},{"file":"p0005.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\n5\ndieser coagulirte Inhalt manchmal der Beobachtung hinderlich, weil er \u00f6fter ganz die Gestalt von Fasern annimmt und so der Deutlichkeit der Wahrnehmung und der Sicherheit der Deutung Abbruch thut.\nHaben die Nerven auf die angegebene Weise die Haut erreicht, so verbreiten sie sich meist von einzelnen, zuweilen auch von vielen Pigment/.eilen bedeckt, zwischen dem Derma und dem ser\u00f6sen Ueber-zuge.\nJedes Nervenb\u00fcndel theilt sicli meist dichotomiscli in untergeordnete Aeste, welche sich wieder mehrfach verzweigen und mit den Verzweigungen der Aeste der benachbarten Nervenb\u00fcndel zu polyedri-schen, an verschiedenen Hautstellen verschieden gestalteten Maschen verwebt werden, so zwar, dass an der inneren Fl\u00e4che der Haut ein grosses ununterbrochenes, in sich zur\u00fccklaufendes Nervennetz entsteht (Fig. 2).\nDie Nervenfibrillen der einzelnen an die Haut tretenden B\u00fcndel bleiben demnach nicht in f\u00fcr sich bestehenden abgeschlossenen Maschensystemen beisammen, sondern werden, indem sie sich an Zweige anderer St\u00e4mme anlegcn, nach l\u00e4ngerem oder k\u00fcrzerem Verlaufe sieh ganz oder /um Theil wieder trennen, und abermals mit anderen Aest-chen vereinigen, in der manniclifachsten Weise untereinander gemischt und combinirt. Jedes zu einer Masse geh\u00f6rende Aestclien bestellt in den meisten F\u00e4llen aus Nervenfibrillen, welche in ganz verschiedenen B\u00fcndeln zur Haut gelangt sind. Diese Mengung und Mischung der Nervenfasern muss wohl gewisse Grenzen haben : doch ist es fast unm\u00f6glich , dieselben zu bestimmen, weil man die einzelnen Nerven nur auf verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringe Strecken genau verfolgen und unter der Menge der andern herauskennen kann.\nVon den B\u00fcndeln des eben beschriebenen Nervennetzes entspringen sehr viele kleinere und gr\u00f6ssere Aestclien, selbst einzelne Fasern, welche einen ganz eigenth\u00fcmlichen Verlauf haben Fig. 2, d, d\\ d2\u2014 d~). Dieselben bleiben n\u00e4mlich nicht auf der inneren Fl\u00e4che dec Derma, sondern dringen in die hei der Darstellung des Baues der Haut erw\u00e4hnten Kan\u00e4lchen ein, gelangen in die Schicht der verfilzten Fasern und verzweigen sich zwischen den Hautdr\u00fcsen.\nVon diesem Verhalten der Nerven bemerkt Burdach nichts ; obschon cs leicht ist, sich davon zu \u00fcberzeugen, wenn man die Haut in der angegebenen Weise in die zwei Lamellen spaltet und beide genau untersucht. Liegt das Pr\u00e4parat der inneren Lamelle mit der dem K\u00f6rper des Thieres zugewendeten Fl\u00e4che gegen den Beobachter gekehrt Fig. 2), so sieht man ein St\u00fcck des grossmascliigen Nervennetzes \u00fcber dem Derma ausgebreitet und gewahrt eine grosse Menge","page":5},{"file":"p0006.txt","language":"de","ocr_de":"6\nUeber die Hautnerven des Frosches.\nvon Aestchen, welche nicht zu Maschen erg\u00e4nzt werden, sondern pl\u00f6tzlich zu enden scheinen (Fig. 2, d, d\\ d2 \u2014 dP). Dieses pl\u00f6tzliche Enden ist aber in der That nur scheinbar, denn durch Verringerung der Focaldistanz erkennt man, dass die Aestchen einen winkligen Verlauf haben und an solchen Stellen in die Tiefe umbiegen. Man kann sie Ids an die entgegengesetzte Seite des Derma verfolgen und, wenn das Pr\u00e4parat umgedreht wird, ganz deutlich aus den oberen M\u00fcndungen der Kan\u00e4lchen herauskommen sehen, wo sie aber durch die Trennung der Haut in die zwei Lamellen abgerissen sind. Un-weiterer Verlauf muss demnach an der \u00e4usseren Lamelle untersucht werden. Man findet denn auch zwischen den kugeligen K\u00f6rpern der Dr\u00fcsen einzelne oder ganze B\u00fcndelclien von Nervenfasern.\nEs ist keinem Zweifel unterworfen, dass dieselben die unmittelbaren Fortsetzungen der durch die Kan\u00e4lchen des Derma verlaufenden Fibrillen sind. Uebrigens l\u00e4sst sich der Zusammenhang und der ganze Verlauf dieser \u2014 wie ich sie nennen will \u2014 durchtretenden Nerven unmittelbar darstellen und anschaulich machen ; und zwar an senkrechten Durchschnitten der Haut Fig. 1, N, Nl). An solchen Schnitten k\u00f6nnen die Nerven von der inneren Fl\u00e4che des Derma ohne Unterbrechung durch die Kan\u00e4lchen bis zwischen die Drusenschicht verfolgt werden, und viele Blutgef\u00e4sse schlagen denselben Weg ein. Es giebt eine solche Menge von diesen durchtretenden Nervenfasern, dass die meisten Kan\u00e4lchen einzelne oder ganze B\u00fcndelclien f\u00fchren.\nFasst man das Gesagte zusammen, so ergiebt sich folgendes Schema der Verbreitung der Nervenb\u00fcndel :\nDie f\u00fcr die Haut bestimmten Nervenb\u00fcndel bilden, nachdem sie durch die subcutanen B\u00e4ume innerhalb der Mesodermen oder der freien cylindrischen F\u00e4den, bis zur Haut gelangt sind, an der unteren Fl\u00e4che derselben ein grossmaschiges Netz (Plexus nervorum interior sen profundus)} von welchem viele B\u00fcndelclien abgehen, die,durch die Kan\u00e4lchen des Derma bis in die Schicht der verfilzten Fasern gelangen und sich daselbst zwischen den Hautdr\u00fcsen vertheilen ( Plexus nervorum superficialis).\nEs entsteht nun die Frage : \u00bbWie verhalten sicli die einzelnen Nervenfibrillen, die Primitivfasern, in diesen gr\u00f6beren Verzweigungen und wie endigen sie ? \u00ab\nWas ich auf die erste Frage zu antworten weiss, werde ich unten mittlieilen; was aber die zweite betrifft, so muss ich gestehen, dass ich nicht im Stande war, dieselbe zu l\u00f6sen. Die Nervenendigung ist \u00fcberhaupt noch immer ein Problem f\u00fcr die Mikroskopiker. Zwar ist unser Wissen \u00fcber das peripherische Verhalten der Nerven durch die","page":6},{"file":"p0007.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\n7\nneuerlichst best\u00e4tigte und festgestellte Wahrheit der Theilung von Primitivfasern bedeutend erweitert worden; \u2014 allein \u00fcber das eigentliche peripherische Ende derselben, \u00fcber das Structurverh\u00e4ltniss zwischen den letzten Elementen der N erven Substanz und dem Grundgewebe der Organe, ist damit noch durchaus kein Licht verbreitet worden. Die Frage hat sich im Gegentheile mehr verwickelt.\nFr\u00fcher, wo die Untheilbarkeit der Nerven als ein unantastbares Gesetz galt, handelte es sicli nur darum, oh die Nerven frei endigen oder einfache Schlingen bilden ; jetzt, nachdem man weiss, dass sich die Primitivfibrillen in mehrere Acste theilen k\u00f6nnen, muss entschieden werden, oh einige oder alle Aeste einer Fibrille frei endigen oder Schlingen bilden und in welcher Weise, oh nur Zweige derselben Fibrille mit einander anastomosiren oder auch Zweige verschiedener Fibrillen u. s. w.! Kurz, die F\u00e4lle, wie sich die Nerven in den Organen m\u00f6glicherweise verhalten k\u00f6nnen, haben sich vermehrt \u2014 die Frage ist verwickelter geworden.\nHier kann nur die directe gewissenhafte und sorgf\u00e4ltige Beobachtung den Ansschlag gehen. Freilich m\u00f6chte man fast an dem Erfolge von Untersuchungen verzweifeln, welchen sicli so grosse Schwierigkeiten theils durch die Beschaffenheit der von den Nerven versorgten Organe, theils durch die Qualit\u00e4t der Nervensubstanz seihst entgegenstellen. Konnten doch nicht einmal jene Forscher, die die Nerven im elektrischen Organ der Rochen studirten, zu einem sichern Resultate \u00fcber die eigentliche Art der Nervenendigung kommen, wo die g\u00fcnstigsten \u00e4usseren Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr die Beobachtungen stattfinden ! Die letzten d\u00fcnnen Aestchen verloren sich immer ohne bestimmt wahrnehmbare Grenze in der Grundsubstanz des betreffenden Organs und machten so eine Entscheidung unm\u00f6glich.\nAuch ich war bis jetzt aus demselben Grunde nicht gl\u00fccklicher mit den Nerven der Schwimmblase des Hechtes Ksox Indus', auf welcher icli im November 1848 Thcilungcn der Primitivfibrillen von der \u00fcberraschendsten Deutlichkeit und Ausdehnung entdeckte ; obschon die Untersuchung wegen des ganz isolirten Verlaufes der Nerven, der Abwesenheit des Pigments und der geringen Menge und Durchsichtigkeit der andern histologischen Elemente ebenfalls nichts weniger als schwierig ist.\nNach solchen Erfahrungen musste die Hoffnung um so geringer sein, \u00fcber die Hautnerven des Frosches etwas Erspriessliches an\u2019s Eicht zu f\u00f6rdern, als dieselben nur selten isolirt genug verlaufen, um deutlich verfolgt werden zu k\u00f6nnen.","page":7},{"file":"p0008.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Iiautnerven des Frosches.\nan Hautstellen aus allen Regionen des K\u00f6rpers nacli zu weisen und sielier zu stellen, liess mich die m\u00f6glicherweise ganz fruchtlose M\u00fche nicht scheuen, welche ich auf die vorliegende, wie mir scheint, nicht ganz unwichtige Untersuchung verwendet habe.\nDie gesuchten Nerventh eilungen fand ich denn auch wirklich in gen\u00fcgender Anzahl an den verschiedensten Hautpartieen. Ich bemerke nur noch, dass ich alle meine Pr\u00e4parate einem gewiss competenten Richter, Herrn Professor Puukynk, zur Beurtheilung vorgelegt habe, der sich von der Richtigkeit der Deutung und Auffassung derselben \u00fcberzeugt hat, und gehe nun an die Beschreibung des Verlaufs und des Verhaltens der Nervenprimitivfibrillen.\nAlle Primitivfasern der an die Haut tretenden Nervenst\u00e4mmchen zerfahren, sobald sie dieselbe erreicht haben, in den tiefen Plexus, nehmen an der Bildung mehrerer Maschen Theil und werden so an der innern Fl\u00e4che einer bestimmt grossen Hautstelle in verschiedenen Kr\u00fcmmungen herumgef\u00fchrt. Obwohl ich nun sehr h\u00e4ufig einzelne Fibrillen auf bedeutende Strecken verfolgen und unter den \u00fcbrigen herauskennen konnte, so ist mir doch weder ein Zur\u00fcckl\u00e4ufen derselben in einen oder den andern Hautnervenstamm zu unterscheiden, noch ein unzweifelhaft freies Ende zu entdecken gelungen.\nIch wage nicht, eine Schlingenbildung der Nerven in der Haut des Frosches nach diesen negativen Resultaten sofort zu leugnen; kann sie aber eben so wenig f\u00fcr eiue ausgemachte Sache halten. Ueberhaupt, w\u00e4re immer bedacht worden, dass, um von solchen Schlingen der Nerven zu reden, der ganze Verlauf derselben klar verfolgt und \u00fcbersehen werden muss, so w\u00e4ren die Physiologen nicht so freigebig mit \u00bbperipherischen Umbiegungsschlingen der einfachen Primitiv fasern\u00ab beschenkt worden.\nEine Theilung der Nervenfibrillen hingegen habe ich sowohl an den dicken als an den d\u00fcnnen mit v\u00f6lliger Sicherheit beobachtet und will im Allgemeinen dar\u00fcber Folgendes bemerken :\nIch fand bis jetzt nur eine dichotomische Verzweigung, welche sich jedoch oft an den neu entstandenen Aesten abermals wiederholte. Es schien ein doppelter Typus der Theilung vorzukommen, entweder spaltete sich eine Fibrille in zwei Zweige von gleicher St\u00e4rke (Fig. 5, A, B), oder der eine der Zweige war viel schw\u00e4cher als der andere (Fig. 7, AH. Man kann sich der Vorstellung kaum erwehren, dass im letztem Falle die Stammfibrille in ihrem Verlaufe eben nur einen Ast abgiebt und dann ihren Weg weiter verfolgt ; w\u00e4hrend im ersten Falle, wo die zwei Aeste von gleicher Dignit\u00e4t sind, eine eigentliche","page":8},{"file":"p0009.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnei'vcn des Frosches.\n9\nVerdoppelung stattzufinden scheint. Etwas Analoges zeigen die Ver\u00e4stelungen der Blutgef\u00e4sse.\nIm Grunde m\u00f6gen diese Dimensionsverli\u00e4ltnisse keine wesentlichen Unterschiede bedingen, allein da sic auch an den Nerven anderer Organe verkommen, so muss ihrer doch als einer allgemeineren Erscheinung Erw\u00e4hnung geschehen.\nBemerkenswerth sind auch die Winkel, unter welchen die Aestc gegeneinander und gegen die Stammfibrille geneigt sind. Man findet die gr\u00f6ssten Verschiedenheiten : bald sind die Winkel stumpf, bald spitz, bald nahezu 90\u00b0. Auch kommen nicht selten F\u00e4lle vor, wo der eine Ast in derselben Bichtung fortl\u00e4uft als die Stammfibrille. Wenn in einem solchen Falle der erstere einen beinahe ganz gleichen Durchmesser mit dem letzteren besitzt, der zweite Ast aber sehr d\u00fcnn ist, dann hat es ganz und gar den Anschein, wie wenn nur Ein Ast abgegeben w\u00fcrde ; auch zweigt sich der d\u00fcnne Ast gew\u00f6hnlich unter einem fast rechten Winkel ab.\nHaben die beiden Aeste dieselbe Dicke, so machen sie meist auch gleiche Winkel mit der Stammfibrille.\nAn eine eigentli\u00fcmliche und besondere Beziehung zwischen der St\u00e4rke der Fasern und der Gr\u00f6sse der Winkel darf man freilich kaum denken, denn es scheint am Ende gleichg\u00fcltig und zuf\u00e4llig zu sein, welche Neigung die Aestc haben, und sich blos darum zu handeln, dass dieselben \u00fcberhaupt an den Ort ihrer Bestimmung gelangen.\nIch habe oben bemerkt, dass sich die dichotomische Verzweigung an den entstandenen Aesten wiederholen k\u00f6nne ; die Fig. 5, Fig. 6, Fig. 8 und Fig. 2 liefern Belege daf\u00fcr. In Fig. 5 kann man nicht im Zweifel sein, dass sich der Ast A des Stammes N bei b' eben nur abermals tlieilt; die in Fig. 6 und Fig. 8 dargestellten Verzweigungen hingegen imponiren fast f\u00fcr Anastomosen zwischen zwei selbst\u00e4ndigen Fibrillen, und zwar deshalb, weil die einzelnen Nerven wenigstens in Fig. 8 einen beinahe gleichen Durchmesser besitzen und unter fast rechten Winkeln zusammenstossen.\nEs ist gewiss, dass man diese Verh\u00e4ltnisse sehr verschieden auffassen kann, die wiederholte Th ei hi ng der Nervenfasern bleibt aber als Factum unab\u00e4nderlich stellen.\nMan kann z. B. blos eine der freien Fasern (Fig. 8, A. U, C) als mit den Centralorganen zusammenh\u00e4ngend annehmen und die \u00fcbrigen in derselben Weise als Aeste erster und zweiter Ordnung deuten, wie in Fig. 5 ; und sieht man in Fig. 5 von der verschiedenen 1 'icke der Fasern ab und erkl\u00e4rt die Neigung derselben gegeneinander f\u00fcr zuf\u00e4llig, so entsteht in der That ein \u00e4hnliches Bild, wie in Fig. 8 \u2014","page":9},{"file":"p0010.txt","language":"de","ocr_de":"10\nUeber die Hautnerven des Frosches.\noder man kann sagen, die Fasern N und 2V1, Fig. 6, sind die zwei Schenkel einer Endumbiegungsschlinge, aus welcher ein Aestclien .Y1' entspringt, das sicli neuerdings dichotomisch tlteilt (N2 N3'.\nAuch kann man hierin eine Anastomose zwischen zwei Endum-hiegungsschlingen sehen u. s. w.\nAuch ich \u00fcberlasse es Jedem, sich die Menge der m\u00f6glichen Deutungen auszudenken und kann nur wiederholen, dass die directe Beobachtung noch keiner derselben die Sanction der Wirklichkeit ertheilt hat.\nDas Wenige, was ich bisher \u00fcber den Verlauf der Aeste feststellen konnte, ist, dass dieselben entweder in den Maschen des tiefen Plexus fortlaufen, ohne weiter verfolgt werden zu k\u00f6nnen, oder aber, und zwar in den meisten F\u00e4llen, irgend ein in der N\u00e4he befindliches Kan\u00e4lchen im Derma aufsuchen, um auf diese Weise bis in die Schicht der verfilzten Fasern zu gelangen. Im letztem Falle geh\u00f6ren dieselben somit unter jene Fibrillen, welche ich oben durchtretende Nervenfasern genannt habe. \u00ee)ie beiden Aeste V2 und A:i, Fig. 6, konnte ich nach kurzem Verlaufe in die Kan\u00e4lchen eindringen sehen und ihnen bis auf die entgegengesetzte Seite des Derma nachgehen; ebenso verhielten sich die Aestclien Fig. 2 bei dl, >P, dl, d3 und d6. In Fig. 2 und Fig. 9 habe ich mich bem\u00fcht, die unteren M\u00fcndungen der Kan\u00e4lchen\ndarzustellen bei d, d1,......). Auch an senkrechten Durchschnitten\nder Haut ist es mir gelungen, diesen Verlauf der Aestclien wahrzunehmen Fig. 1 bei b).\nFig. 2 verdient noch besonders ber\u00fccksichtigt zu werden, weil daselbst die wiederholten Theilungen einer Faser [F skizzirt sind, welche so gl\u00fccklich gelagert war, dass sie eine bedeutende Strecke verfolgt und \u00fcbersehen werden konnte. Die Nervenfibrille F giebt vier Aeste (d1, d:!, d4, d5) ab und ich muss bemerken, dass in ihrem weiteren Verlaufe innerhalb des B\u00fcndelchens B noch eine Theilung mit aller Deutlichkeit zu erkennen war.\nUeberhaupt kann man sich durch die Betrachtung dieser Zeichnung (Fig. 2) und der schematischen Skizze Fig. I das eigenth\u00fcmliche Verhalten der Primitivfasern und ihrer Aeste lebhaft veranschaulichen. \u2014\nSo fragmentarisch und unvollst\u00e4ndig meine Mittheilungen \u00fcber das Verhalten der Primitivfasern sind, so wird man nicht verkennen, dass dieselben dennoch von einiger Bedeutung f\u00fcr die Physiologie des Tastsinnes werden d\u00fcrften. Ich erlaube mir blos einige Andeutungen, die eben f\u00fcr nichts weiter genommen sein wollen als f\u00fcr ein paar gelegentliche Gedanken.","page":10},{"file":"p0011.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\nI 1\nWenn, wie allgemein angenommen wird, die sensitiven Nerven sich wie Leiter verhalten, bestimmt, den lleiz von der Peripherie nach dem Centrum zu tragen, und wenn das Sensorium die durch den Reiz erzeugte Empfindung in der entgegengesetzten Richtung an dits Ende des einfachen und ungetheilten Leiters, somit an einen Punkt der Peripherie versetzt : so muss, angenommen, der Leiter ver\u00e4stete sich wie dies die sensitiven Nerven wirklich thun , nach erfolgtem Reiz die Empfindung nach den Enden s\u00e4mmtlichcr Aestclien des Leiters, d. h. in eine Fl\u00e4che verlegt werden.\nW\u00e4hrend die Empfindung im ersten Falle bestimmter, begrenzter ist, wird sie im zweiten Falle vager.\nEbenso muss das Sensorium, mag das peripherische Aestclien .! des verzweigten Leiters oder das r\u00e4umlich davon entfernte Aestclien II gereizt werden, mit einer und derselben Empfindung antworten, und wenn beide Enden .1 und II zu gleicher Zeit durch zwei r\u00e4umlich getrennte K\u00f6rper gereizt werden, Einen und nicht zwei r\u00e4umlich verschiedene Eindr\u00fccke percipiren.\nDenken wir mehrere solcher ver\u00e4stelter Leiter dergestalt an der Peripherie angeordnet, dass sich die von ihren Aesten beherrschten Fl\u00e4chen interferiren, d. h. theilweise decken, wie eine Reihe von Kreisen, deren Peripherien durch die Mittelpunkte der Nachharen gehen : so m\u00fcssen wir annehmen, dass die gereizten Interferenzfl\u00e4chen, obschon sie von zwei verschiedenen und selbst\u00e4ndigen Leitern versorgt werden, dennoch nur eine r\u00e4umlich-einheitlichc Empfindung zu erregen im Stande sind, weil das Sensorium auf einen durch den Leiter A zugef\u00fchrten Reiz die Empfindung doch nur dorthin verlegen kann, wo sich der Leiter .1 verbreitet.\nWenden wir nun diese Betrachtungen auf die Hauptnerven des Frosches an, welche in der That solche ver\u00e4stelte centripetale Leiter und in \u00e4hnlicher Weise, wie eben vorausgesetzt wurde, in der Haut vertheilt sind: so d\u00fcrfen wir glauben, dass in der Haut, sie mag wo immer durch eine Nadelspitze einen Reiz empfangen, eine einfache r\u00e4umlich mehr oder weniger bestimmte Empfindung entstehen werde ; dass aber die Eindr\u00fccke zweier Nadelspitzen nur dann doppelt, d. i. r\u00e4umlich gesondert vom Frosche empfunden werden k\u00f6nnen, wenn sie so weit von einander entfernt applicirt werden, dass sie Hautstellen treffen, welche von Nerven versorgt sind, deren peripherische Ver\u00e4stelungen einander nicht interferiren oder theilweise decken, dagegen immer in dem Maasse zu E i n e r Empfindung verschmelzen m\u00fcssen, als die Nadelspitzen, einander n\u00e4her ger\u00fcckt, Hautstellen zu gleicher Zeit ber\u00fchren, an welchen sich mehrere Nerven verbreiten, \u2014 Haut-","page":11},{"file":"p0012.txt","language":"de","ocr_de":"12\nUeber die Hautnerven des Frosches.\nstellen somit, die den Interferenzfl\u00e4chen des obigen Schema entsprechen.\nDies Alles anf den Menschen angewendet, g\u00e4be vielleicht eine Erkl\u00e4rung der bekannten WEmm\u2019schen Versuche.\nSpinnen wir den aufgenommenen Faden weiter fort, so k\u00f6nnen wir uns leicht eine Vorstellung der Feinheit oder Sch\u00e4rfe des Gef\u00fchls und der Empfindlichkeit des Hautorgans machen. Sch\u00e4rfe des Gef\u00fchls und Empfindlichkeit sind zwei sehr verschiedene Dinge, die wohl zu trennen sind. Die Sch\u00e4rfe des Gef\u00fchls wird durch die WEBER\u2019schen Versuche gepr\u00fcft; die Empfindlichkeit aber dadurch, dass der Grad eines applicirten Reizes mit der St\u00e4rke der erzeugten Empfindung verglichen wird. Die Haut am R\u00fccken, in den Weichen, ist empfindlich, aber aller Feinheit des Gef\u00fchles haar ; die Haut an der Streckseite des Ellbogengelenks ist weder feinf\u00fchlend, noch bedeutend empfindlich ; der rothe Theil der Lippen hingegen im hohen Grade, sowohl feinf\u00fchlend als empfindlich.\nDie aufgez\u00e4hlten Beispiele werden hinreichen, das klar zu machen, was unter den beiden Bezeichnungen verstanden werden soll.\nWollen wir nun eine Erkl\u00e4rung, eine Aufz\u00e4hlung der Bedingungen dieser beiden Eigenschaften der sensitiven Organe versuchen, so haben wir zweierlei zu ber\u00fccksichtigen : erstlich die Beschaffenheit des Organs, sodann die Art der Nervenvertheilung.\nDie Empfindlichkeit einer Hautstelle h\u00e4ngt ab : erstens von der Feinheit und Zartheit der Haut oder wenigstens der die Nerven (leckenden Schicht; zweitens von der absoluten Menge der Nerven, einerlei, ob dieselbe von der grossen Zahl der einzelnen Brimitivfibrillen. oder von der oft wiederholten Theilung und Spaltung weniger Fibrillen herr\u00fchrt: \u2014 denn um eine heftige Reaction der sensiblen Sph\u00e4re auf einen verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringen Reiz hervorzubringen, darf 1 die Wirksamkeit des letzteren nicht durch den Dazwischentritt fremder unempfindlicher Theile allzusehr geschw\u00e4cht und gebrochen werden und \u2014 2 kommt alles darauf an, eine m\u00f6glichst grosse Menge der peripherischen Nervensubstanz zu alteriren, wenn ein energischer Eingriff in den Organismus mit geringen Mitteln stattfinden soll.\nW\u00e4re uns demnach die Aufgabe gestellt, ein m\u00f6glichst empfindliches sensitives Organ z\u00fc construiren, so m\u00fcssten wir nach diesen Brincipien ein zartes, gut leitendes Grundgewebe mit einer absolut gr\u00f6ssten Menge von Nerven durch dringen lassen, und zwar das letztere aus demselben Grunde, aus welchem die Membrana Schneiden die weit hervorspringenden Nasenmuscheln \u00fcberkleidet und die innerste \u2022Darmhaut zahlreiche Falten bildet.","page":12},{"file":"p0013.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\n13\nWas die Eigenschaften eines feinf\u00fchlenden Organs betrifft, so ist zun\u00e4chst zu erw\u00e4gen, dass sich die Feinheit oder Sch\u00e4rfe des Gef\u00fchls nur auf die r\u00e4umliche Trennung und Sonderung gleichzeitiger Heize in der Empfindung beziehe.\nAuf die physikalische Qualit\u00e4t und den Bau des Organs kommt somit gar nichts an, sobald nur Kaum und Gelegenheit f\u00fcr die Verbreitung der Nerven da ist ; Alles hingegen h\u00e4ngt von der relativen Menge der Erimitivfibrillen ab. Je mehr derselben auf einer als Maass angenommenen Fl\u00e4cheneinheit vorhanden, welche gesonderte Eindr\u00fccke hervorzubringen im Stande sind, desto feinf\u00fchlender nennen wir ein solches Organ. Es verh\u00e4lt sich liiemit gerade so, wie mit der Sch\u00e4rfe des Gesichts ; \u2014 das vollkommenste Tastwerkzeug wird demnach jenes sein, das die gr\u00f6sstm\u00f6gliche relative und absolute Menge von Erimitivfibrillen und ein zur Aufnahme und Fortleitung des Reizes geschicktes Grundgewebe besitzt ; die erste Eigenschaft deshalb, um feinf\u00fchlend und empfindlich, die zweite, um nicht nur an und f\u00fcr sich empfindlich zu sein, sondern auch, um als Tastwerkzeug sich den Eindr\u00fccken der Aussenwelt hinzugeben, um dieselben activ aufzunehmen. Ich erinnere hier nur an die Zunge, welche, obschon \u00fcberaus feinf\u00fchlend und empfindlich, dennoch als Tastwerkzeug hinter den Fingerspitzen zur\u00fccksteht, weil derselben nebst Anderem namentlich der feste Knochenkern mangelt .\nWir wollen uns nur noch aus den bekannten Eigenschaften der Organe einige wenige Schl\u00fcsse auf die Structur, namentlich auf die wahrscheinliche Menge Nerventheilungen erlauben.\nIn der Retina d\u00fcrfen wir kaum, in der Zunge, den Lippen, den Fingerspitzen Theilungen wenigstens von keiner grossen Ausdehnung vermuthen. Zahlreich und von bedeutender Verbreitung d\u00fcrften die Nerventheilungen in der Haut des R\u00fcckens, des Nackens, der Weichen u. s. w. sein.\nDoch genug, ich habe schon allzulange den festen Boden sicherer Erfahrung unter den F\u00fcssen verloren ! Zu meiner Entschuldigung sei nur angef\u00fchrt, dass derartige Betrachtungen, welche die Bedeutung und den Einfluss einer gemachten Beobachtung nachzuweisen bem\u00fcht sind und aus dem Bestreben entspringen, vereinzelte, an und f\u00fcr sich nicht vielsagende, empirische Thatsachen in ihrer lebendigen Beziehung zur bestehenden Gestaltung der Wissenschaft darzustellen, vielleicht niemals ganz wertlilos sind.\nIch kehre nach dieser Unterbrechung zur Nerventhcilung in der Haut des Frosches zur\u00fcck. An den Theilungsstellen sind die Nerven fast immer mehr oder weniger eingeschn\u00fcrt ; doch bin ich der Ueber-","page":13},{"file":"p0014.txt","language":"de","ocr_de":"14\nUeber die Hautnerven des Frosches.\nZeugung, dass diese Verengerungen Idos zuf\u00e4llig, und zwar durch die Gerinnung des Nervenmarks entstekeii. Die Varicosit\u00e4ten der Hirnfasern sind etwas in gewisser Beziehung ganz Aelinliches. Es h\u00e4lt sie aber Niemand mehr f\u00fcr die normale Gestalt. Ueberdies habe ich einen Fall beobachtet, wo eine breite, doppelt contourirte Faser an zwei Stellen (Fig. 6 a, b) Einschn\u00fcrung zeigte, ohne dass abgehende Aeste zu bemerken gewesen w\u00e4ren. V\u00f6llig unzweifelhaft wurde mir die Ansicht f\u00fcr die Nerven auf der Schwimmblase des Hechtes, welche untersucht in v\u00f6llig frischem Zustande, wenn sie noch einfache Umrisse hesassen, an den Theilungsstellen durchaus keine Verengerungen wahrnehmen Hessen.\nJe weiter die Zersetzung des Nervenmarks fortschreitet, welche durch verschiedene Reagenticn noch beschleunigt werden kann, desto tiefer werden die Einschn\u00fcrungen und er erfolgt, namentlich hei den feinem Fasern, endlich eine v\u00f6llige Trennung der Aestchen von der Stammfibrille. Dieser Vorgang entspricht dem Zerfallen der sogenannten sympathischen Fasern in l\u00e4ngliche K\u00f6rnchen nach der Einwirkung von Essigs\u00e4ure.\nDie Maschen des tiefen Plexus bestehen gr\u00f6sstentheils aus dickeren B\u00fcndeln, in denen die Nerven so dicht hei einander liegen, dass sie sich v\u00f6llig decken; doch sind auch d\u00fcnnere, aus wenigen Fasern zusammengesetzte B\u00fcndel nicht allzuselten, ja es kommt manchmal vor, dass einzelne Fasern, einen k\u00fcrzeren Weg nehmend, mitten durch eine Masche ganz isolirt verlaufen (Fig. (5 N,N'). Die beiden letztgenannten F\u00e4lle eignen sich gut zur Beobachtung; aber im ersten Falle wird man nicht oft und dann gew\u00f6hnlich nur dort, wo die Maschen\u00e4ste in einem Winkel zusammenstossen, und die Fasern in verschiedenen Bahnen auseinanderlaufen, Gelegenheit haben, eine deutliche Wahrnehmung zu machen. Dies ist nun der Grund, warum die Zahl der zu beobachtenden Theilungen in keinem Verh\u00e4ltniss zu der Ungeheuern Menge der Primitivfasern steht.\nDoch unbeschadet dieses Missverh\u00e4ltnisses kann die Theilung der Priinitivfasern als ein allgemeingiltiges Gesetz f\u00fcr die Hautnerven des Frosches angesprochen werden ; denn man muss nicht vergessen. von welchem Gewicht hierbei eine sichere, unzweifelhafte Beobachtung und es sind deren gewiss keine geringe Anzahl gemacht worden sei, und in welcher Ausdehnung etwa Schl\u00fcsse per niduclionem angewendet werden d\u00fcrfen.","page":14},{"file":"p0015.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Hautnerven des Frosches.\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\nTafel 1.\nFig. 1. Schematische Darstellung eines senkrechten Durchschnittes der Froschhaut. E die Epidermis, a die j\u00fcngste Zellschicht \u2014 a\\ a\u00df, a\u00df\u2014\u00ab4 die \u00e4lteste. V die Schicht der verfilzten Fasern, in welcher die kugeligen K\u00f6rper der Hautdr\u00fcsen U eingebettet sind. /\u2019 die Pigmentablageruug, von der die F\u00e4rbung der Haut abh\u00e4ngt. C das Corium oder Derma. K eines jener Kan\u00e4lchen, welche das Derma durchbohren. N, Nl durchschnittene Nervenb\u00fcndel des Plexus profundus. G ein durchschnittenes Blutgef\u00e4ss. p,pPigmentzellen. S der der Haut angeh\u00f6rende Theil des ser\u00f6sen Ueberzuges.\nFig. 2. Ein St\u00fcck des Plexus. A, Ti, C, C1, C\u00e4 Nervenb\u00fcndel. Feine Primitivfaser, die aus dem B\u00fcndel A bis in das B\u00fcndel \u00df zu verfolgen ist; sie giebt vier Aeste (bei dl, d\u00df, d* und d\u00df) ab. /' eine andere Nervenfibrille, welche sich bei c tlieilt. Der Ast m legt sich sp\u00e4ter an ein Nervenb\u00fcndel an. Die dunkeln Stellen bei d, d1, d-. . . d1 stellen die unteren M\u00fcndungen der Kan\u00e4lchen des Corium vor, in welche die Nerven eindringen, um sich in der Schicht der verfilzten Fasern zu verthoilen. Mit S werden hier und in den folgenden Abbildungen die gemeinschaftlichen Nervenscheiden, mit K die au ihr befindlichen Kerne und mit i der geronnene Inhalt der Nervenscheide bezeichnet.\nTafel 2.\nFig. 3. Eine im Mesoderma isolirt verlaufende Nervenfaser N.\nFig. 4. Ein Nervenb\u00fcndel II, welches frei durch den subcutanen Raum verl\u00e4uft. Z ein Zellgewebsiiberzug.\nFig. 5. Nerventheilung in dem tiefen Plexus der R\u00fcckenhaut. Die Faser N tlieilt sich bei b in den Ast A und II. Der Ast A spaltet sich nochmals bei b1 in Zweige zweiter Ordnung.\nFig. \u00fc. Boi II, II ist der Raum, den die Verzweigung eines Nervenb\u00fcndels einnimmt, durch blosse Schattirung angedeutet. F eine Pigmentzelle.\nFig. 7. Boi b giebt die Primitivfibrille N ein d\u00fcnnes Aestchen N1 ab, welches bald in ein Kan\u00e4lchen des Derma eintritt (stark vorgr\u00f6ssert).\nFig. 8. Bei b und b' Theilung der Nerven. A, II, C, D die einzelnen Primitivfasern.\nFig. \u00fc. Die Fibrille N tlieilt sich, nachdem sie das B\u00fcndel \u00df verlassen hat, bei b in die Aeste A, II'. Der Ast A legt sich nach kurzem Verlauf an ein gr\u00f6sseres Nervenb\u00fcndel wieder an, der Ast \u00df1 tritt bei d in ein Kan\u00e4lchen des Derma ein.","page":15}],"identifier":"lit16150","issued":"1879","language":"de","pages":"1-15","startpages":"1","title":"Ueber die Hautnerven des Frosches","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:24:20.955617+00:00"}

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