The Virtual Laboratory - Resources on Experimental Life Sciences
  • Upload
Log in Sign up

Open Access

Vorläufige Mittheilungen über die Schwimmblase von Esox lucius

beta


JSON Export

{"created":"2022-01-31T16:07:41.027855+00:00","id":"lit16152","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 36-39. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0036.txt","language":"de","ocr_de":"IV.\nVorl\u00e4ufige Mittheilungen \u00fcber die Schwimmblase von\nEsox lucius,\n[Zeitsehr. /'. wissensch. Zoologie etc. 1850. tld. II. S. 121.]\nI. V or mehr als einem Jahre habe ich im physiologischen Institut, zu Breslau einige Versuche \u00fcber die Contractilit\u00e4t der Schwimmblase von Eso\u00e6 lufius angestellt und gefunden, dass sie in der That contractil sei.\nDie von mir beobachteten Erscheinungen sind folgende :\na)\tBer\u00fchrt man die durch Entfernung des Darmes blossgelegte oder aus dem Thiere ganz herausgenommene Schwimmblase in gleicher H\u00f6he mit den beiden Polen eines elektro - magnetischen Rotations-apparates : so entsteht \u2014je nach Gr\u00f6sse der noch vorhandenen Reizbarkeit \u2014 in k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Zeit eine quere, mehr oder weniger tiefe lokale Einschn\u00fcrung, welche, einmal hervorgebracht, trotz der Entfernung der Pole erst nach einiger Zeit vergeht.\nb)\tSetzt man die Pole nicht in gleicher H\u00f6he auf, so bilden sich zwei Einschn\u00fcrungen\u2014je eine an jeder der beiden Ber\u00fchrungsstellen.\nc)\tDie vom Bauchfell \u00fcberzogene Fl\u00e4che der Schwimmblase zeigt sehr deutliche und in die Augen fallende Einschn\u00fcrungen, nicht so die den Nieren zugewendete Fl\u00e4che derselben. Hier wollte es mir nur einmal scheinen, eine leise Einfurchung hervorgerufen zu haben.\nDie in Folge des Reizes entstehenden Einschn\u00fcrungen haben \u00fcberall \u2014 ausgenommen in der Gegend der Insertionsstelle des Ductus pneumaticus, woselbst sie gegen einen Punkt convergiren \u2014 eine quere Richtung, d. h. sie machen mit der L\u00e4ngsaxe der Schwimmblase rechte Winkel.","page":36},{"file":"p0037.txt","language":"de","ocr_de":"Vorl\u00e4ufige Mittheilungen Uber die Schwimmblase von Esox lucius. :(7\n2. Nachdem ich auf die angegebene Weise die Contractilit\u00e4t der Schwimmblase direct nachgewiesen hatte, handelte es sich darum, die histologischenElementezu finden, die als Tr\u00e4ger dieser Eigenschaft anzusehen w\u00e4ren. \u2014 Die mikroskopische Untersuchung ergab, ganz entsprechend dem vegetativen Charakter der hervorgerufenen Zusammenziehungen ein Vorhandensein einer grossen Menge von vegetativen glatten Muskelfasern eontractilen Faserzellen; K\u00f6llikkr . welche zwischen dem Bauchfell\u00fcberzuge und der dussent Oberfl\u00e4che der fibr\u00f6sen Haut der Schwimmblase eine d\u00fcnne Schichte bilden. Dieses Stratum musculare kann mit dem Bauchfell als ein zartes, blass graur\u00f6thlich durchscheinendes H\u00e4utchen in beliebig grossen St\u00fccken abgezogen und isolirt werden.\nUebereinstimmend mit der queren Lage der Einschn\u00fcrungen erwies sich ferner der Verlauf der Muskelfasern gleichfalls als ein querer, ausgenommen in der Gegend der Insertionsstelle des Ductus pnmmaticus, wo dieselben \u2014 abermals im besten Einklang mit der Richtung der dort erzeugten Furchen \u2014 wie die Radien in einem Halbkreise um einen, einige Linien unterhalb des Ductus pneumaticus befindlichen Punkt angeordnet erschienen.\nAuf der den Nieren zugewendeten Fl\u00e4che der fibr\u00f6sen Lamelle der Schwimmblase konnte ich keine Muskelfasern entdecken.\nDie M\u00e4chtigkeit der Muskelschicht nimmt vom Kopfende der Blase gegen das Schwanzende hin immer mehr und mehr ab.\nNach dem Allen kann wohl kein Zweifel obwalten, dass die durch das Mikroskop nachgewiesenen, in ihrem histologischen Charakter mit den vegetativen Muskelfasern \u00fcbereinstimmenden Faserelemente der Schwimmblase contractiler Natur sind, und dass ihre Zusammenziehung die Entstehung jener zu beobachtenden Einschn\u00fcrungen bedinge. \u2014 Vor Kurzem habe ich die oben angef\u00fchrten Reizversuche mit Herrn Prof. K\u00f6lliker wiederholt und wir erhielten im Wesentlichen dieselben Resultate.\nNebst der Schwimmblase von Esox lucius wurden auch jene von ChondrostomuNasus, Abramis Drama, Barbus fluvialilisn. A. dem elektrischen Reize ausgesetzt. Es fand sich, dass nur die hintere Abtheilung der Schwimmblase dieser Fische, in welche der Duclus pneumaticus cinmiindet, Contractilit\u00e4t besitze. Bei Barbus fluvial it is waren quere Einschn\u00fcrungen unverkennbar; bei 67?. Xasus und Ahr. Brama hingegen beschr\u00e4nkte sich die Erscheinung blos auf eine lokale Runzelung zweier durchscheinenden muskul\u00f6sen Streifen, die bei ersterem spiralig. bei letzterem parallel mit der L\u00e4ngsaxe, obwohl etwas nach hinten ausgebogen, in dem fibr\u00f6sen Gewebe verlaufen.","page":37},{"file":"p0038.txt","language":"de","ocr_de":"38 Vorl\u00e4ufige Mitlheilungen \u00fcber die Schwimmblase von Esox lucius.\nDiese, wenn auch wenig zahlreichen Versuche beweisen dennoch, dass die Contractilit\u00e4t eine Eigenschaft sei, die nicht einzig und allein der Schwimmblase des Hechtes zukomme und berechtigen zu der Frage: ob etwa alle Schwimmblasen, auch jene ohne Ductus pneuma-ticus, contractil oder, was dasselbe ist, ob die Muskelfasern ein wesentlicher Bestandteil j eder Schwimmblase seien ?\nWelche Bedeutung die Contractilit\u00e4t f\u00fcr diese Organe haben d\u00fcrfte, ist nicht so einleuchtend, als es auf den ersten Blick erscheint, wenn man erw\u00e4gt, wie gering die hier vorhandenen Muskelkr\u00e4fte sind. Es ist kaum daran zu denken, dass z. B. die d\u00fcnne Muskelschicht der Schwimmblase des Hechtes im Stande sei, das Lumen derselben auf Null zu reduciren. Was f\u00fcr eine Function sollen aber diese Muskelfasern sonst haben als die, die Cajacit\u00e4t der Blase zu verringern '?\n3. Die Untersuchung der Nerven der Schwimmblase des Hechtes ist sehr lohnend und verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig sehr leicht. Ich habe zwei Wege der Pr\u00e4paration versucht : entweder schnitt ich aus einer frischen Blase ein beliebig grosses St\u00fcck heraus und behandelte es, nach Entfernung der Schleimhaut, mit Essigs\u00e4ure, oder ich legte eine ganze Schwimmblase in Sublimatl\u00f6sung und zog nachher eine Partie des Bauchfells sammt der darunter liegenden Muskelschichte von der fibr\u00f6sen Haut herab. In beiden F\u00e4llen, namentlich im letzteren, l\u00e4sst die Durchsichtigkeit des Pr\u00e4parates kaum etwas zu w\u00fcnschen \u00fcbrig und die Nerven sind mit der gr\u00f6ssten Deutlichkeit zu verfolgen.\na Man findet zweierlei Arten von Nervenfibrillen, die sich sowol durch ihre mikroskopischen Eigenschaften und durch die Menge, in der sie Vorkommen, als durch ihre Verbreitungsweise unterscheiden :\nb Die Einen sind sehr d\u00fcnn, von einfachen Contouren, zahlreich, und verlaufen in mehr oder weniger starken B\u00fcndelclien, die ein gross-mascliigcs Netz bilden und von denen sich nur dann und wann eine oder mehrere Primitivfibrillen abzweigen, um sieh spurlos zu verlieren oder an ein anderes B\u00fcndelclien anzulegen.\nc) Die Anderen haben einen sehr bedeutenden Durchmesser, doppelte Contouren, verlaufen meist ganz einzeln, sind nicht sehr zahlreich, ver\u00e4steln sich aber um so h\u00e4ufiger. Es giebt wenige Objecte, an denen man sich so evident und leicht von einer oft wiederholten Theilung der Nervenprimitivfibrillen \u00fcberzeugen kann als hier eben. Jede solche Primitivfibrille theilt sich meist dichotomisch in immer feinere Aeste, welche sich endlich der Beobach tung entziehen, sodass die Endigungsweise auch dieser Nerven im Dunkeln bleibt. So viel stellt jedoch fest, dass wenn hier","page":38},{"file":"p0039.txt","language":"de","ocr_de":"Vorl\u00e4ufige Miltlieilungcn \u00fcber die Schwimmblase von Esox lucius. 39\nSchlingen zwischen ein und derselben oder verschiedenen Primitivfibrillen stattfinden sollten, dieselben nur zwischen den Aesten letzter Ordnung Vorkommen k\u00f6nnten. \u2014 Jede dieser doppelt contourirten, breiten Primitivfasern beherrscht durch ihre Aeste ein ansehnliches Stuck der Oberfl\u00e4che der Schwimmblase.\nd Die d\u00fcnnen Nervenfasern, deren Biindelchen schmale, aber lange Maschen bilden, fand ich am zahlreichsten auf dem vorderen Dritttheil der Schwimmblase. \u2014 Die dicken Nervenfasern verbreiten sich mit ihren Aesten haupts\u00e4chlich in dem Paume zwischen der Anheftungslinie der Schwimmblase an die Rippen und der Ursprungslinie des Mesenteriums der Genitaldr\u00fcsen.\ne Die d\u00fcnnen Nerven laufen im Allgemeinen in der L\u00e4ngsaxe, die dicken in der Queraxe der Schwimmblase, obschon es auch zuweilen vorkommt, dass ein d\u00fcnnes Aestchen der letzteren sich auf weite Strecken 4\u20145 mm an ein Biindelchen d\u00fcnner Fasern anschliesst. Die dicken Nervenfasern findet man am leichtesten, wenn man in der Auheftungslinie der Schwimmblase an die Rippen sucht, indem dieselben wahrscheinlich aus den Intercostalnerven kommen und von der Seite her an die Schwimmblase treten.\nf Dass die beschriebenen dicken und d\u00fcnnen Nervenfasern, welche sich in so vielen Punkten von einander unterscheiden, nicht d e r s e 1 b e n Qualit\u00e4t sein k\u00f6nnen, dass sie vielmehr verschiedene Functionen haben m\u00fcssen, ist wohl als gewiss anzunehmen. Hiernach w\u00e4ren entweder die dicken Fasern sensitiv und die d\u00fcnnen m o t o -risch oder umgekehrt. Im ersten Falle w\u00fcrde ein solennes Beispiel von der Theilung sensitiver Fasern vorliegen, im zweiten Falle die Versorgung vegetativer Muskelfasern durch breite, doppelt contourirte Nervenfibrillen constatirt werden. Ich entscheide mich f\u00fcr die sensitive Natur der dicken und die motorische der d\u00fcnnen Nervenfasern, indem dieser Ansicht keine der bis jetzt bekannten Tliat-sachen widerstreitet.\nW\u00fcrzburg, den 29. October 1849.","page":39}],"identifier":"lit16152","issued":"1879","language":"de","pages":"36-39","startpages":"36","title":"Vorl\u00e4ufige Mittheilungen \u00fcber die Schwimmblase von Esox lucius","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:07:41.027861+00:00"}

VL Library

Book Section
Permalink (old)
http://vlp.uni-regensburg.de/references?id=lit16152
Licence (for files):
Creative Commons Attribution-NonCommercial
cc-by-nc

Export

  • BibTeX
  • Dublin Core
  • JSON

Language:

© Universitätsbibliothek Regensburg | Imprint | Privacy policy | Contact | Icons by Font Awesome and Icons8 | Powered by Invenio & Zenodo