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{"created":"2022-01-31T16:07:50.400787+00:00","id":"lit16154","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 70-86. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0070.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt hei der Paracent\u00e8se der Brust zu verhindern,\n[\u00bbPrager Vierteljahr sehr.\u00ab 485-1, Bd. XXXI. S. 27, \u2014 und 1852, Bd. XXXV. S. 93.]\n1.\nDa die Operation der Paracent\u00e8se der Brust, wenn auch nicht gerade h\u00e4ufig, doch dann und wann ausgef\u00fchrt und f\u00fcr indicirt gehalten wird ; so muss es im Interesse der Praktiker, welche auf die bestm\u00f6gliche Weise operiren wollen, liegen, jeden Vorschlag zur Verbesserung des Verfahrens, wenn er Ber\u00fccksichtigung verdient, zu erproben und in praxi zu verwerthen. Dieses Interesse nehme ich f\u00fcr die nachfolgenden Zeilen in Anspruch und unterwerfe deren Inhalt dem Urtheile der Fachm\u00e4nner.\nDie Paracent\u00e8se der Brust, welche bekanntlich entweder mit dem Messer oder, wie dies jetzt wohl gew\u00f6hnlich geschieht, mit dem Troicart vollzogen wird, ist zwar an sich eine der einfachsten Operationen, aber nichts desto weniger durch die Dignit\u00e4t des K\u00f6rpertheiles, an dem operirt wird und durch mehrere Umst\u00e4nde von Gewicht. \u2014 So ist die N\u00e4he so ansehnlicher Blutgef\u00e4sse und unmittelbarer Abk\u00f6mmlinge der Aorta, wie der Artt. intercostales immerhin bedenklich und liegt eine Verwundung der Lunge selbst aus mehr als einem Grunde im Bereiche der M\u00f6glichkeit. Ueberdies muss man bei der Paracent\u00e8se stets gew\u00e4rtigen, dass die atmosph\u00e4rische Luft in die ge\u00f6ffnete Pleurah\u00f6hle eindringt, wenn nicht besondere Vorkehrungen getroffen werden. Ob der von Vielen sehr gef\u00fcrchtete Lufteintritt in der That so gef\u00e4hrlich, ob die Verhinderung desselben auf der anderen Seite so wesentlich f\u00fcr den Erfolg der Operation sei, kann ich nicht entscheiden : so viel steht aber fest, dass es unter allen Umst\u00e4nden nat\u00fcrlicher und besser erscheint, wenn die Luft abgehalten wird. Es sind demnach","page":70},{"file":"p0071.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 71\ndie verschiedenen, mehr oder weniger entsprechenden Vorrichtungen den Eintritt der Luft zu verhindern, nicht zu \u00fcbersehen, sondern vielmehr , falls es Noth thut, zu verbessern und m\u00f6glichst zweckdienlich herzustellen. Im Nachfolgenden bringe ich eine neue Vorrichtung der Art, welche h\u00f6chst einfach ist und mehrere Vortheile darbieten d\u00fcrfte, in Vorschlag.\nVorher einige Bemerken \u00fcber die \u00e4lteren Methoden und \u00fcber die Bedingungen des Eintrittes der Luft in die ge\u00f6ffnete Brusth\u00f6hle.\nBei unverletzten Thoraxwandungen und unter normalen Verh\u00e4ltnissen liegt die Lunge unmittelbar an der inneren Fl\u00e4che der Brustwand und an der oberen Fl\u00e4che des Zwerchfells an ; die Pleura costalis und pulmonalis sind in unmittelbarer Ber\u00fchrung und entfernen sich niemals von einander, sondern verschieben sich w\u00e4hrend der Atlimungs-bewegungen blos an einander. Der Luftdruck erh\u00e4lt die Lunge stets in einer der Capacit\u00e4t der Brusth\u00f6hle entsprechenden Ausdehnung. In dem Maasse, als sich der Thorax erweitert, wird die Lunge durch die eindringende Luft aufgebl\u00e4ht; in dem Maasse, als sich der Thorax verengert, collabirt die Lunge und treibt die Luft wieder aus. Das erstere, weil der leere Kaum, welcher zwischen den Pleuraplatten entstehen w\u00fcrde, bei unverletzten Thoraxwandungen nur auf dem Wege \u2014 n\u00e4mlich durch die ausdehnbaren Lungen erf\u00fcllt werden kann ; das letztere weil die Lunge mechanisch comprimirt wird und zugleich der Aeusserung ihrer Elastieit\u00e4t und Contraetilit\u00e4t (?) nichts im Wege steht. \u2014 Wenn die Thoraxwandungen und der Pleurasack hingegen an irgend einer der Luft zug\u00e4nglichen Stelle durchbohrt sind, so hat die Luft zwei Wege die Entstehung eines leeren Raumes in der Brusth\u00f6hle zu verhindern und muss beide ben\u00fctzen, weil der Druck ein allseitiger ist. Der eine Weg ist die nachgiebige, ausdehnbare Lunge, der andere eben die gesetzte Oeffnung \u2014 in unserem Falle die durch den Troicart hervorgebrachte Stichwunde. Je nachdem der eine oder der andere Weg bequemer ist und weniger Widerstand entgegensetzt, dringt die Luft auf dem einen oder dem anderen iii gr\u00f6sserer Menge ein. Die Entstehung eines Pneumothorax im Allgemeinen, mag er nun durch eine Verletzung der Lunge und der Pleura pulmonalis oder eine Durchbohrung der Brustwand in ihrer ganzen Dicke, veranlasst sein, erkl\u00e4rt sich somit aus dem Mechanismus des Athmens von selbst und beruht auf \u2014 dem horror vacui. Die Gefahr und Gr\u00f6sse des Lufteintrittes w\u00e4chst mit der Gr\u00f6sse und Beschaffenheit der Verwundung, mit der Gr\u00f6sse der Athmungsbewegungen und mit der geringeren Ausdehnbarkeit der Lunge.\nIm Beginne der Operation der Paracent\u00e8se, wo das in bedeuten-","page":71},{"file":"p0072.txt","language":"de","ocr_de":"72 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\nder Menge angesammelte pleuritische Exsudat die Lunge comprimirt und die betreffende Thoraxli\u00e4lfte \u00fcber die Maassen ausdehnt, ist der Eintritt von Luft nicht zu bef\u00fcrchten, weil die Atlimungsbewegungen entweder noch ganz mangeln oder doch verschwindend klein sind. Demgem\u00e4ss sieht man auch das zuerst ausfliessende Exsudat im Bogen aus der Bohre des Troiearfs hervorspritzen, und bemerkt kaum ein leises, mit den Atlimungsbewegungen des Kranken svnchronisclies An-und Abschwellen des Strahles, welches auf eine rhythmische Ver\u00e4nderung der das Exsudat hervortreibenden Druckkraft schliessen l\u00e4sst. \u2014 Im weiteren Verlaufe nimmt jedoch die Gefahr in dem Maasse zu. als die Brusth\u00f6hle vom Exsudat entleert wird, als die Beweglichkeit des Brustkorbes zunimmt und die Lunge, in Folge der l\u00e4ngeren oder k\u00fcrzeren Compression, durch das Exsudat sich weniger rasch und gen\u00fcgend auszudehnen im Stande ist. Das anf\u00e4nglich ganz gleich-m\u00e4ssig und im Bogen hervorspritzende Exsudat, beginnt nach und nach abwechselnd, bald st\u00e4rker bald schw\u00e4cher abzufliessen. Gegen das Ende der Operation, wenn die oben er\u00f6rterten Bedingungen des Lufteintrittes gesetzt werden, ist dieses Ereigniss unausbleiblich \u2014 sobald keine Vorkehrungen getroffen sind. Man kann dann das blasende Ger\u00e4usch der einstr\u00f6menden Luft deutlich h\u00f6ren. Ueberdies sind zu dieser Zeit Hustenanf\u00e4lle, wahrscheinlich hervorgerufen durch den entw\u00f6hnten, reizenden Contact der atmosph\u00e4rischen Luft mit dem lange comprimirt gewesenen Lungengewebe, eine gew\u00f6hnliche Erscheinung und beg\u00fcnstigen nat\u00fcrlicher Weise die Entstehung eines Pneumothorax.\nDie Luft kann w\u00e4hrend der Operation oder auch nach der Entfernung der Troicartr\u00f6hre, durch die entstandene Wunde eindringen : man muss daher f\u00fcr einen gutschliessenden Verband (Collodium ? sorgen und bei der Entfernung des Troicarts darauf achten, dass sieh die Wundlippen augenblicklich schliessen, was am besten dadurch erreicht wird, wenn man die Haut beim Herausziehen der Bohre gegen dieselbe mit den Fingern der anderen Hand andr\u00fcckt. Die Haut vor dem Einstich zu verschieben, damit sie sich hernach selbst \u00fcber die innere Oeffnung her\u00fcberlege, scheint ganz passend zu sein, eben so die Anwendung eines platten Troicarts statt eines runden.\nW\u00e4hrend die Troicartr\u00f6hre noch in der Wunde steckt, kann die Luft m\u00f6glicher Weise auf zwei verschiedenen Wegen eindringen, n\u00e4mlich entweder durch die Bohre oder zwischen der Bohre und den Wundlippen. Das letztere darf f\u00fcr gew\u00f6hnlich wohl nicht bef\u00fcrchtet werden, ist jedoch unter Umst\u00e4nden \u2014 namentlich wenn die Bohre unwegsam w\u00e4re und heftige Bespirationsbewegungen eintreten","page":72},{"file":"p0073.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 73\n\u2014 nicht undenkbar. Man k\u00f6nnte sich dagegen durch das Andr\u00fccken der Wundlippen gegen die Troicartr\u00fchre sicherstellen.\nWas den anderen Weg. n\u00e4mlich den durch die R\u00f6hre, betrifft, so war man auf verschiedene Weise bem\u00fcht, denselben der Luft zu verlegen; doch scheint keine der Vorrichtungen oder Vorkehrungen in allen Beziehungen ganz zu entsprechen. Ich lasse die Beschreibung der verschiedenen Methoden, welche mir bekannt geworden sind, folgen.\n1.\tMan setzt den Kranken in ein Bad und verrichtet die ganze Operation unter Wasser. Es ist begreiflich und gewiss, dass unter diesen Umst\u00e4nden die Luft unm\u00f6glich in die Brusth\u00f6hle eindringen kann ; allein ebenso begreiflich und gewiss ist es, dass nun statt der Luft das umgebende Wasser eindringen wird. Incidit in Scyllam, qui vult vitare Charybdim !\n2.\tNachdem der Troicart eingestochen und sein Stachel entfernt ist, wird eine d\u00fcnnwandige, durch Zusammendr\u00fccken sorgf\u00e4ltig luftleer gemachte Blase, welche an ihrer M\u00fcndung einen metallenen Ansatz mit einer Schraubenmutter tr\u00e4gt, an die Abfluss\u00f6ffnung der Troicartr\u00fchre angeschraubt. Das ausfiiessende Exsudat sammelt sich in der Blase an und dehnt sie aus. Statt der Luft wird somit, wenn die Bedingungen dazu vorhanden sind, eine entsprechende Menge des schon ausgeflossenen und in der zusammendr\u00fcckbaren Blase enthaltenen Exsudates in die Brusth\u00f6hle regurgitiren. \u2014 Diese Methode erscheint sehr plausibel und geh\u00f6rt in der That zu den besseren. Einige Schwierigkeiten sind aber dennoch dabei. Zun\u00e4chst l\u00e4sst sich die Gr\u00f6sse der Blase nicht mit Sicherheit im Vorhinein angeben. Ist die Blase zu klein, so kann nicht alles Exsudat auf einmal abfliessen ; man w\u00e4re gen\u00f6thigt die Blase abzuschrauben, zu entleeren und neuerdings anzuschrauben, in der Zwischenzeit aber die R\u00f6hre mit einem Hahn abzusperren. Ist die Blase zu gross, so treten andere Unbequemlichkeiten oder Nachtheile ein, auf welche ich sp\u00e4ter zur\u00fcckkomme. Uebrigens l\u00e4sst sich die Luft nicht ganz leicht aus der Blase vollst\u00e4ndig herausdr\u00fccken und beim Befestigen an den Troicart hintanhalten. Auch ist es schwer zu beurtheilen, wann kein Exsudat mehr abl\u00e4uft und die Zeit gekommen ist, die Operation zu beendigen. Freilich kann man entgegnen, dass es auf ein Minimum von Luft, welches vielleicht eindringt und auf einige Tropfen Exsudat mehr, welche allenfalls Zur\u00fcckbleiben, wenn die Operation zu fr\u00fch abgebrochen wurde, wohl nicht ankomme. Zugegeben ! Aber warum soll man, wenn es auf die einfachste Art m\u00f6glich hst, nicht auch diese Unvollkommenheiten im Verfahren beseitigen ?","page":73},{"file":"p0074.txt","language":"de","ocr_de":"74 Ein Verfahren, den Lufteintritt hei d. Paraeentese d. Brust zu verhindern.\n3.\tMan bindet in das untere Ende des Troicarts, knapp oberhalb der Abfluss\u00f6ffnung, welche zu dem Ende einen etwas aufgeworfenen Hand oder sonst einen Widerhalt hat, ein St\u00fcck Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen in Form einer weiten R\u00f6hre fest. Bevor man operirt, erweicht man das Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen in Wasser und streift es hinauf, damit man den Stachel des Troicarts ungehindert ein- und ausf\u00fchren kann. Ist der Einstich gemacht und der Stachel entfernt, so streift man das Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen wieder herab und liisst das ausfliessende Exsudat zwischen den Falten desselben sich einen Weg suchen. Wollte nun schliesslich, wenn der Strom zu intermittiren beginnt, Luft eintreten, so kann dies deshalb nicht geschehen, weil sich die Luft selbst den Weg versperrt, indem sie ihr Bestreben einzudringen, als allseitigen Druck \u00e4ussert und demgem\u00e4ss die feuchten, nachgiebigen Bl\u00e4tter des Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchens von aussen her luftdicht gegen einander presst. \u2014 Man sieht leicht, worauf es hierbei ankommt. Es ist einerlei, wie das St\u00fcck Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen geformt ist, ob es eine wirkliche R\u00f6hre bildet oder blos ein zusammengerolltes Blatt ist, \u2014 wenn es nur den Lufteintritt auf die angegebene Weise verhindern kann. Ich /\u00abah eine solche Vorrichtung bei Herrn Luer, cliir. Instrumentenmacher in Paris und glaube, dass dieselbe von einem dortigen Chirurgen angegeben worden ist.\n4.\tDer bekannte Troicart von Schuh bestellt aus zwei Theilen ; einem gew\u00f6hnlichen Troicart und einem kleinen metallenen Trog, welcher an den ersteren befestigt werden kann. Der Ansatz, mit dem der Trog in die Abfluss\u00f6ffnung des Troicarts passt, ist mit einer Klappe versehen, welche sich in den Trog hinein \u00f6ffnet, in entgegengesetzter Richtung jedoch scliliesst und die Troieartr\u00fchre absperrt. Das Exsudat str\u00f6mt somit ungehindert aus der R\u00f6hre in den Trog und aus diesem, wenn er voll ist, in ein untergehaltenes Gef\u00e4ss. Hingegen kann aus dem Trog nur sehr wenig in die R\u00f6hre zur\u00fcckfliessen, weil sich die erw\u00e4hnte Klappe alsbald scliliesst und in dieser Eichtling nichts mehr passiren l\u00e4sst. \u2014 Es ist einleuchtend, wie durch diese Vorrichtung der Lufteintritt unm\u00f6glich gemacht wird. Wesentlich ist hierbei, dass sich die Klappe unter dem Niveau der im Troge stehenden Fl\u00fcssigkeit befindet, damit die Luft nicht w\u00e4hrend der Zeit, welche die Klappe bis zu ihrer v\u00f6lligen Schliessung braucht, eindriugen k\u00f6nne, sondern diese vor sich hertreiben muss. Dem Troge muss w\u00e4hrend der Operation eine horizontale Lage gegeben werden : auch muss daf\u00fcr Sorge getragen werden, dass die Fl\u00fcssigkeit, welche in demselben angesammelt ist, nicht versch\u00fcttet wird, weil ihr Vorhandensein, wie wir sahen, von Wichtigkeit ist.","page":74},{"file":"p0075.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt hei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 75\n5. Hr. Prof. Bruns in T\u00fcbingen zeigte mir einen von ihm angegebenen Troicart, welcher eine Verbesserung des ScHUH\u2019schen ist. Die Gefahr, den Trog zu versch\u00fctten, f\u00e4llt bei der B\u00dfuxs\u2019schen Einrichtung weg, indem der offene Trog von Schuh in einen kleinen hohlen Cylinder umge\u00e4ndert ist, in welchen an beiden Enden Oeff-nungen gemacht sind. Die dem Troicart zugewendete Oeffnung ist auf dieselbe Weise, wie die Oeffnung des Schuh'sehen Troges durch eine Klappe verschliessbar, die entgegengesetzte Oeffnung m\u00fcndet frei.\nWerfen wir einen vergleichenden Blick auf die mitgetlieilten Methoden, so wird es uns nicht entgehen, dass sie je nach dem wesentlichen, haupts\u00e4chlichen Gedanken, der ihnen zu Grunde liegt, in zwei Classen zerfallen. Die eine Classe von Methoden, zu der die unter 1 und 2 beschriebenen geh\u00f6ren, will die bezweckte Verhinderung des Luftzutritts dadurch erreichen, dass zwischen der atmosph\u00e4rischen Luft und der angebohrten Brusth\u00f6hle ein gen\u00fcgendes Quantum Fl\u00fcssigkeit eingeschaltet wird, welche der Luft den Weg verlegt. Ein entsprechender Theil dieser Fl\u00fcssigkeit wird, wenn die Bedingungen gesetzt sind, durch den Luftdruck in die Brusth\u00f6hle hineingetrieben, die Luft selbst aber kann nicht eindringen.\nDie andere Classe, welche die \u00fcbrigen Methoden begreift, ist dadurch charakterisirt, dass die angewendeten Apparate, die sieh noch vielfach zweckm\u00e4ssig ab\u00e4ndern liessen, Klappenvorrichtungen enthalten, welche jede ausgedehnte, r\u00fcckg\u00e4ngige Bewegung in der Troicartr\u00fchre verhindern und somit auch der Luft den Eingang ver-schliessen. \u2014 Es d\u00fcrfte sich kaum eine neue praktische Methode ersinnen lassen, welche sich nicht unter eine von beiden oder beide Classen zugleich rangiren liesse, denn es ist klar, dass man eine R\u00f6hre nur dadurch f\u00fcr einen K\u00f6rper, welcher in dieselbe einzudringen ge zwungen wird, unzug\u00e4nglich machen kann, wenn man sie mit einem zweiten K\u00f6rper, mag er nun fl\u00fcssig oder fest sein verschliesst. Eine Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule kann unter Umst\u00e4nden eben so gut eine Klappe abgeben, als ein St\u00fcck Metall, Leder oder sonst ein fester K\u00f6rper.\nEs ist nun die Frage, welche von beiden Arten von Apparaten, die mit fl\u00fcssigem oder die mit festem Ventil, caeteris paribus, f\u00fcr unseren Fall vorzuziehen sind. Ohne Zweifel k\u00f6nnen beide Arten von Ventilen, zweckm\u00e4ssig angewandt, die Luft abhalten ; allein jede tliut es auf eine besondere, ihr eigenth\u00fcmliche Weise und es kommt darauf an, diese Verschiedenheit f\u00fcr unseren Zweck zu verwerthen. \u2014 Das feste Ventil ist starr, unnachgiebig und sperrt gewaltsam, pl\u00f6tzlich ab; die Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule als Klappe hingegen ist beweglich, nachgiebig und in ihrer Wirkung sanft, allm\u00e4hlich. Halten wir mit dieser","page":75},{"file":"p0076.txt","language":"de","ocr_de":"76 Ein Verfahren, den Lufteintritt hei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\nCharakteristik die oben er\u00f6rterten Bedingungen des Lufteintritts zusammen , n\u00e4mlich die Vermehrung des Raumes in der Brusth\u00f6hle und die Notliwendigkeit der Ausf\u00fcllung dieses Plus, so ergiebt sich Folgendes.\nDas feste Ventil tliut der Lunge Gewalt an. das fl\u00fcssige nicht. Das feste Ventil accommodirt sich nicht dem Grade der Ausdehnbarkeit der Lunge, das fl\u00fcssige vollkommen. Mit dem festen Ventil kann die Entleerung der Brusth\u00f6hle von Exsudat leicht \u00fcber das geforderte Mittel hinausgetrieben werden, mit dem fl\u00fcssigen niemals. Der Lunge soll aber keine Gewalt angethan werden, die Entleerung des Pleurasackes soll blos so weit gehen als es die Ausdehnbarkeit der Lunge gestattet, weil sonst ein Spannungszustand eintritt, der nur geeignet ist, neue Exsudatmassen zu setzen, und das Blut, \u00e4hnlich wie durch einen Schr\u00f6pfkopf gezwungen wird, sich in den Gelassen der Pleura anzuh\u00e4ufen und anzustauen. \u2014 Nimmt man Alles zusammen und erw\u00e4gt es im Einzelnen, so scheint das Votum gerechtfertigt, dass das fl\u00fcssige \\ entil f\u00fcr die \\ erschliessung der Troicartr\u00f6hre bei der Paracent\u00e8se, dem festen Ventil vorzuziehen sei. Die beiden bisher angegebenen Methoden, bei welchen der Verschluss durch eine Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule bewerkstelligt wird, entsprechen aber dem Zwecke nicht vollst\u00e4ndig. Die unter 1 beschriebene ist geradezu verwerflich : gegen die andern l\u00e4sst sich nebst dem Angef\u00fchrten noch das bemerken, dass in dem Falle als die Blase noch nicht v\u00f6llig mit Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllt oder dieselbe \u00fcberhaupt relativ zu gross ist, leicht dasselbe eintreten kann, was Lei der Vorrichtung mit dem Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen herbeigef\u00fchrt wird, n\u00e4mlich ein unnachgiebiger Verschluss durch Zusammendr\u00fcckung des unaugef\u00fcllten Theiles der Blase. Die Vortheile des fl\u00fcssigen Ventils w\u00fcrden somit unter diesen Umst\u00e4nden wegfallen. Es ist die Aufgabe somit noch nicht gel\u00f6st, einen Troicart mit fl\u00fcssigem Ventil anzugeben, welcher nicht nur alle durch diese Art des Verschlussmittels gebotenen A ortheile besitzt, sondern dessen Wirkung auch sicher und unfehlbar, dessen Anwendung leicht und ohne Umst\u00e4nde, und dessen Einrichtung einfach und wohlfeil ist.\nDas Instrument, welches ich aus diesen Gesichtspunkten in Vorschlag bringe, besteht aus einem gew\u00f6hnlichen Troicart und einer nicht allzu d\u00fcnnen, elastischen R\u00f6hre von beil\u00e4ufig 6 bis 8 Zoll L\u00e4nge. Die elastische R\u00f6hre hat an einem Ende einen kleinen Metallansatz, welcher luftdicht in der Abfluss\u00f6flnung des Troicarts befestigt werden kann, das andere Ende m\u00fcndet frei. Aus welchem Stoffe die R\u00f6hre gemacht ist, ist ganz einerlei, wenn sie nur durch die Beschaffenheit ihrer inneren Oberfl\u00e4che dem Hindurchfliessen von Fl\u00fcssigkeiten kein Hinderniss in den A\\ eg legt und biegsam und elastisch genug ist, damit ihr Lumen","page":76},{"file":"p0077.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 77\nimmer wegsam bleibe. \u2014 Die Gebrauchsanweisung dieser einfachen Vorrichtung ist Folgende : Nachdem der Troicart an der passenden Stelle eingestochen und der Stachel entfernt ist, wird die elastische R\u00f6hre durch ihren Ansatz an der Abfluss\u00f6ffnung luftdicht befestigt. Da, wie sich aus den fr\u00fcheren Betrachtungen ergeben hat, das Exsudat anfangs im continuirlichen Strahle hervorspringt, so hat man Zeit genug die elastische R\u00f6hre anzustecken, ohne schon den Eintritt von Luft bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. W\u00e4hrend die R\u00f6hre im Troicart befestigt wird, h\u00e4lt man dieselbe gerade gestreckt und etwas nach aufw\u00e4rts geneigt, damit das ausstr\u00f6mende Exsudat alle darin enthaltene Luft leicht aus-treiben kann. Erscheint das Exsudat an der freien M\u00fcndung und beginnt es daselbst abzufliessen, so biegt man die elastische R\u00f6hre auf den Boden des Gef\u00e4sses herab, welches zur Aufnahme des entleerten Exsudats bestimmt ist, und sorgt daf\u00fcr, dass sie in dieser Lage erhalten werde und dass die Abfluss\u00f6ffnung durch die sich ansammelnde Fl\u00fcssigkeit stets bedeckt bleibe. Das Niveau der Fl\u00fcssigkeit in dem Gef\u00e4sse muss wo m\u00f6glich tiefer stehen als die paracentesirte Brust, was man durch eine nach dieser Seite geneigte Stellung des Kranken sehr gut erreichen kann. \u2014 Bemerkt man, dass die Fl\u00fcssigkeit in dem unter-gehaltenen Gef\u00e4sse nicht mehr h\u00f6her steigt, so ist dies der Beweis, dass nichts mehr ausfliesst und daher so viel entleert worden ist, als nach Maassgabe der Ausdehnbarkeit der Lunge entleert werden konnte und sollte. Die Operation ist beendet und man hat nur noch den Troicart sammt seiner R\u00f6hre zu entfernen und einen passenden Verband anzulegen.\nAuf welche Weise durch diese Vorrichtung die atmosph\u00e4rische Luft abgehalten wird, ist ganz einleuchtend. Es m\u00fcsste n\u00e4mlich \u2014 ehe die Luft eindringen k\u00f6nnte \u2014 die ganze schon entleerte Exsudatmasse in der Brusth\u00f6hle wieder zur\u00fcckgef\u00fcllt werden, weil sie der Luft den Weg verlegt und sich die Abfluss\u00f6ffnung der elastischen R\u00f6hre am Grunde des Gef\u00e4sses und ganz tief unter dem Niveau der Fl\u00fcssigkeit be-flndet. Dass aber die ganze Exsudatmasse zur\u00fcckgestauet w\u00fcrde, ist, wie sich von selbst versteht, unm\u00f6glich \u2014 daher auch der Eintritt der atmosph\u00e4rischen Luft in den paracentesirten Raum. Was das Aus-fliessen des Exsudats betrifft, so ist dies durch diese Vorrichtung durchaus nicht erschwert, sondern eher noch erleichtert, weil der Troicart mit seiner elastischen R\u00f6hre heberf\u00f6rmig gebogen ist und das auffangende Gelass tiefer stellet als die Brust. Diese Vorrichtung wirkt wesentlich wie ein Heber \u2014 obsclion unter besonderen Verh\u00e4ltnissen, denen allen Rechnung getragen werden muss.\nIn wie weit es durch das beschriebene Instrument gelungen ist, die","page":77},{"file":"p0078.txt","language":"de","ocr_de":"78 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\nAufgabe zu l\u00f6sen und deu gestellten Anforderungen zu gen\u00fcgen, muss die Erfahrung entscheiden.\n2.\nIm 31. Bande dieser Zeitschrift habe ich ein Verfahren beim Bruststich angegeben, welches manche Vortheile versprach. Wenn ich gegenw\u00e4rtig noch einmal auf diesen Gegenstand zur\u00fcckkomme, so geschieht dies tlieils, weil seither auf der Klinik des Herrn Prof Hamernik zwei Paracentesen mit dem von mir beschriebenen Troicart gemacht wurden, deren Ergebniss den gehegten Erwartungen vollkommen entsprach, tlieils, weil das Princip, nach welchem das Instrument gebaut ist, eiue allgemeinere Anwendung in der operativen Chirurgie gestattet. Im Folgenden werde ich zun\u00e4chst die bez\u00fcglich jener Operationsmethode gewonnenen Erfahrungen mittlieilen und dann Einiges \u00fcber die Brauchbarkeit biegsamer B\u00f6hren zur Entleerung von Fl\u00fcssigkeiten, die sich an verschiedenen Orten im K\u00f6rper ansammeln k\u00f6nnen und unter Umst\u00e4nden einen operativen Eingriff nothwendig machen, anmerken.\nDie erste Paracent\u00e8se wurde an Wedel Anton (66 Jahre alt, Seilermeister in Prag) den 30. Juni 1851 ausgef\u00fchrt. Aus der Krankengeschichte hebe ich nur Folgendes hervor, wonach man den Zustand des Patienten unmittelbar vor der Paracent\u00e8se beurtheilen kann :\nPatient ist seit 8 Wochen bettl\u00e4gerig ; sein K\u00f6rper abgemagert ; die unteren Extremit\u00e4ten hydropisch ; die rechte Thoraxh\u00e4lfte ganz unbeweglich, der Percussionston schon am linken Sternalrande kurz, ebenso rechts in der obersten Bauchpartie bis in die Magengegend; Herzstoss zwischen der 6. und 7. Rippe, etwa einen Zoll von der Achsellinie entfernt; Puls 76. Dispno\u00f6 ; K\u00f6rpergewicht 115 Pfund. \u2014 Durch die Paracent\u00e8se wurde das in der rechten Thoraxh\u00e4lfte befindliche Exsudat entleert. Es war eine albu-menhaltige, gelblich gef\u00e4rbte, klare Fl\u00fcssigkeit und wog 5 Pfund. Nach vollendeter Operation ergab die physikalische Untersuchung, dass die Verh\u00e4ltnisse des Thorax zum Normalen nahezu zur\u00fcckgekehrt waren. Das verdr\u00e4ngte Diaphragma war um 2xj.1 Zoll gestiegen; der Herzstoss zeigte sich zwischen der 5. und 6. Rippe, und einen Zoll n\u00e4her dem Sternalrande ; das Athmen war sehr erleichtert; das K\u00f6rpergewicht betrug 110 Pfund. Den 18. Juli wurde Patient geheilt entlassen. \u2014 Die t\u00e4glich wiederholten W\u00e4gungen, welche auf der Klinik des Herrn Prof. Hamernik mit aner-kennenswerther Ausdauer bei fast allen Patienten vorgenommen werden, zeigten, dass das K\u00f6rpergewicht des Paracentesirten im fortw\u00e4hrenden Abnehmen begriffen war, und am 9. Juli nur 98 Pfund betrug, dann aber wieder zuzunehmen begann.","page":78},{"file":"p0079.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 79\nAm 6. October 1851 wurde die Missel Marie, Tagl\u00f6hnerin, welche am 14. April in das Krankenhaus aufgenommen worden war, auf die zweite med. Klinik gebracht.\nDie Patientin, \u00fcber 50 Jahre alt, sehr herabgekommen und schwach, hatte w\u00e4hrend der letzten Wochen ein nicht unbedeutendes pleuritisches Exsudat in der linken Thoraxh\u00e4lfte bekommen. Um der grossen Athemnoth zu steuern, wurde die Paracent\u00e8se der betreffenden Brusth\u00e4lfte angeordnet, und am 7. October durch Herrn Prof. Pitha vollf\u00fchrt. Das Einstossen des Troicarts hatte einige Schwierigkeit, weil die Intercostalr\u00e4ume sehr eng waren. Das entleerte Exsudat reagirte alkalisch, enthielt viel Albuinen und Blut, und wog an 2 Pfund. Die physikalischen Verh\u00e4ltnisse der linken Brusth\u00e4lfte wurden durch die Paracent\u00e8se wesentlich gebessert, auch schlief die Patientin mehrere N\u00e4chte gut, und f\u00fchlte sich \u00fcberhaupt erleichtert. Das Oedem der unteren Extremit\u00e4ten, welches sich vor l\u00e4ngerer Zeit gebildet hatte, war schon am 9. October verschwunden. Vom 11. October an verschlechterte sich jedoch der Zustand. Am 22. October um lt*/2 Uhr Mittags trat der Tod ein.\nMan war \u00fcber die ung\u00fcnstige Prognose dieses Falles von vorn herein nicht im Zweifel, und die Paracent\u00e8se wurde nur aus dem oben angef\u00fchrten Grunde f\u00fcr indicirt gehalten. Die Erleichterung der Athembewegungen war auch alsbald eingetreten, doch war die Erkrankung zu tief, um hoffen zu lassen, auf irgend einem Wege eine dauernde Besserung zu erzielen. Aus dem Sectionsbefunde wurde mir mitgetheilt, dass in der Leber , dem Zwerchfell, dem Pericardium, der Pleura, den Nieren und in den Eierst\u00f6cken Krebsknoten vorhanden waren ; auch das Pankreas zeigte sich krebsig entartet.\nDas von mir angegebene Operationsverfahren hat sich hiemit praktisch bew\u00e4hrt. Die Paracent\u00e8se ging in beiden F\u00e4llen rasch und sicher von Statten, die Entleerung des Exsudates erfolgte ruhig, und ohne die geringste Gefahr des gef\u00fcrchteten Lufteintrittes in die ge\u00f6ffnete Pleurah\u00f6hle. Ueber den Erfolg des Bruststiches \u00fcberhaupt kann freilich noch kein erfahrungsgem\u00e4sses Urtheil abgegeben werden, allein das gewonnene Resultat d\u00fcrfte insofern von Bedeutung sein, als es vor weiteren Versuchen nicht nur nicht abschreckt, sondern bei der Einfachheit und Sicherheit des Operationsverfahrens zur Wiederholung desselben einladet. Ich tlieile desshalb eine kurze Beschreibung der in beiden F\u00e4llen befolgten Methode mit, und verweise zugleich auf das a. a. 0. \u00fcber die Bedingungen des Lufteintrittes etc. Gesagte1).\n1 Durch meinen geehrten Collegen Herrn Dr. v. Uasner wurde ich, nachdem der citirte Aufsatz, welchen ich im Januar 1851 niederschrieb, schon lange","page":79},{"file":"p0080.txt","language":"de","ocr_de":"80 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\nNachdem die passende Stelle f\u00fcr den Einstich gefunden war, wurde ein gew\u00f6hnlicher, mit einem Hahn versehener Troicart daseihst eingestossen, der Stachel entfernt, und der Hahn geschlossen. Hier-\ngedruckt war, mit der Vorrichtung von Higginson bekannt gemacht, welche ich bis dahin v\u00f6llig \u00fcbersehen hatte, und daher a. a. 0. nicht mehr besprechen konnte. Ich erlaube mir, das Vers\u00e4umte hier nachzuholen. Dr. G. F. Easton hat Higginson\u2019s Instrument zuerst angewendet und bew\u00e4hrt gefunden. Seine eigenen Worte \u00fcber das angewendete Operationsverfahren sind folgende :\n.... \u00bb The entrance of air into the chest tuas effectually prevented by the use of an apparatus suggested by Mr. Higginson, which, onaccountof its simple construction, its easy management, and its complete efficacy in this instance, I can recommend for employment on similar occasions, in preference to others of a more costly and complicated nature. It is simply a tube about a yard long, made of vulcanised india rubber, which being filled with water, and one of its extremities placed over the mouth of the canula, acts on the principle of a syphon. If it is properly adjusted, and the other extremity immersed in the fluid, air cannot by any possibility gain admission into the chest. The stream was free, uniform, and continuous, unaffected by the respiratory movements. To the middle of the tube was adapted an india rubber bottle, which in this operation does not appear to be essential to success, when the fluid is moderately thin. When emptied by pressure, and then allowed to expand, it may be advantageously employed to clear the tube, if the passage happens to be obstructed by lymph or coagulum, or other small baclies of a soft anil yielding nature, or to wash out the water, or any of the lotions, which have been recommended for the purpose. And these seem to be the chief, if not the only advantageous uses to ivhich it can be applied.\u00ab (London Gazette. April 1850).\nDas von mir angegebene Verfahren beruht, wie man sieht, wesentlich auf demselben Princip, wie das von Hr. Higginson, welcher demnach das unbestrittene Verdienst hat, zuerst die Absperrung der ge\u00f6ffneten Pleurah\u00f6hle durch eine Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule bewerkstelligt und die Entleerung des Exsudates durch die heberf\u00f6rmige Kr\u00fcmmung der Abflussrohre erleichtert zu haben. Nichts desto-weniger unterscheidet sieh mein Verfahren von dem Higginson\u2019s, und icli darf \u2014 obschon ich unabh\u00e4ngig von Hr. Higginson zu Anfang des Jahres 1850 auf dasselbe Princip verfiel \u2022\u2014jedenfalls Anspruch darauf machen, sein Verfahren, ohne dasselbe zu kennen, vereinfacht und, wie icli glaube, verbessert zu haben. Higginson f\u00fcllt seine Kautschukr\u00f6hre mit Wasser an, um die darin enthaltene Luft zu verdr\u00e4ngen, w\u00e4hrend nach meiner Angabe das Anfangs m\u00e4chtig hervorstr\u00f6mende Exsudat selbst die gerade gestreckte und etwas nach aufw\u00e4rts gerichtete plastische Abflussr\u00f6hre von der atmosph\u00e4rischen Luft s\u00e4ubert, und, nachdem die (R\u00f6hre auf den Grund des leeren zmn Auffangen des Exsudates bestimmten Glases herabgebogen ist, die Abfluss\u00f6ffnung derselben ohne Beihilfe einer anderen Fl\u00fcssigkeit deckt. Higgixson\u2019s Verfahren ist jedenfalls umst\u00e4ndlicher, ohne daf\u00fcr einen besonderen Vortheil darzubieten; ja die Vermischung des abgeflossenen Exsudates mit dem vorgeschlagenen Wasser k\u00f6nnte unter Umst\u00e4nden sogar nachtheilig werden. Was die in der H\u00e4lfte der Kautschuk-r\u00f6hre einm\u00fcndende Kautschukflasche betrifft, so halte icli dieselbe mit Easton f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig, umsomehr, als der Zweck, welcher durch sie erreicht werden soll \u2014 wie ich weiter unten zeigen werde \u2014 auch auf andere Weise zu erreichen ist.","page":80},{"file":"p0081.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 81\nauf befestigten wir eine etwa 12 Zoll lange und 2 */2 Linien weite R\u00f6hre von Gutta-Percha, welche vorher ausgesucht und passend befunden worden war, luftdicht an das freie Ende der Caniile. In unserem Falle war die Gutta-Percha-R\u00f6hre gerade weit genug, um das Ende der Caniile ohne Schwierigkeit in sich aufzunehmen, und zugleich fest und luftdicht zu umschliessen. Nun wurde die elastische R\u00f6hre, welche durch ihre Befestigung eine unmittelbare Verl\u00e4ngerung des Troicarts darstellte, gerade gestreckt, etwas nach aufw\u00e4rts gerichtet, und der Hahn ge\u00f6ffnet. Bei der schr\u00e4gen Richtung des Instrumentes nach Oben trieb das kr\u00e4ftig hervorspringende Exsudat alle innerhalb der R\u00f6hre enthaltene atmosph\u00e4rische Luft mit Leichtigkeit aus, und begann aus der freien Oeffnung abzufliessen. Sofort bogen wir die elastische R\u00f6hre auf dem Boden eines leeren Trinkglases, welches in einem anderen, gr\u00f6sseren, ebenfalls leeren Gef\u00e4sse und tiefer als die paracentesirte Brusth\u00e4lfte stand, langsam herab, und sorgten daf\u00fcr, die Abfluss\u00f6ffnung auf dem Grunde des Glases zu erhalten. Durch das sich ansammelnde Exsudat, welches zusehends stieg, und endlich in das gr\u00f6ssere Gef\u00e4ss \u00fcberlief, wurde die angebohrte Pleurah\u00f6hle vollkommen und sicher von der Atmosph\u00e4re abgesperrt. Der Eintritt der Luft in den sich entleerenden Raum war unm\u00f6glich. Das Exsudat floss ruhig und gleichm\u00e4ssig ab, und selbst gegen das Ende der Operation zeigten sich keine merklichen mit den Athmungsbewegungen synchro-nischen Niveauschwankungen im Glase. Bei sehr tiefen Inspirationen, welche wir den Patienten machen liessen. sahen wir jedoch die Fl\u00fcssigkeit im Glase sehr deutlich fallen, bei heftigen, namentlich stoss-weisen Exspirationen ebenso deutlich wieder steigen. Diese Beobachtung ist von allgemeinerem Interesse und best\u00e4tigt meine Darstellung der Bedingungen des Lufteintrittes in die ge\u00f6ffnete Pleurah\u00f6hle. Nachdem wir uns \u00fcberzeugt hatten, dass kein Exsudat mehr aus-fliesse, wurde der Hahn geschlossen, das Instrument entfernt, und der Verband mit den gew\u00f6hnlichen Vorsichtsmaassregeln angelegt. Es konnte nicht bezweifelt werden, dass gerade soviel Exsudat entleert worden war, als sich nach der der Lunge gebliebenen Ausdehnbarkeit, den r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnissen des Thorax etc. f\u00fcr den Augenblick ohne Gewalt entleeren liess.\nVergegenw\u00e4rtigt man sich die eigenth\u00fcmlichen physikalischen Verh\u00e4ltnisse, welche die beschriebene Verrichtung setzt, so wird man bei einiger Bekanntschaft mit den Principien der Hydrodynamik ohne Schwierigkeit finden, dass durch dieselbe die Entleerung des Exsudates wesentlich beg\u00fcnstigt und erleichtert werde. Das Niveau der entleerten Fl\u00fcssigkeit, unter welcher die Abfluss\u00f6ffnung der elastischen\nCzermak, Schriften.\t(J","page":81},{"file":"p0082.txt","language":"de","ocr_de":"82 Ein Verfahren, den Lufteintritt hei d. Paraeentese d. Brust zu verhindern.\nAnsatzr\u00f6hre von Kautschuk oder Gutta-Percha sich befindet, steht n\u00e4mlich tiefer als die paracentesirte Brusth\u00e4lfte : unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden h\u00e4ngt aber bekanntlich die in einer gegebenen Zeit ablaufende Menge Fl\u00fcssigkeit von der Gr\u00f6sse der Druckh\u00f6he ab, d. h. von der Gr\u00f6sse des verticalen Abstandes zwischen der Abfluss\u00f6ffnung und der Oberfl\u00e4che der zu entleerenden Fl\u00fcssigkeit (vergl. J. M\u00fcllek's Lehrb. der Pliys. und Meteorolog. 3. Aufl. Bd. I, S. 232 : also muss auch, caeteris paribus, durch die lange elastische Ansatzr\u00f6hre, welche tief unter den Einstich und dem h\u00f6chsten Stande des Exsudates im Thorax m\u00fcndet, mehr Exsudat abfliessen, als durch die M\u00fcndung der einfachen Caniile ohne Ansatzrohr, weil dieselbe in der H\u00f6he der Operationswunde steht; hierzu kommt noch, dass abgesehen von diesem durch das Instrument gesetzten Verh\u00e4ltnisse alle anderen die Entleerung des Exsudates bedingenden und beg\u00fcnstigenden Momente nicht minder in Wirksamkeit treten.\nUebrigens hat das Instrument alle Eigenschaften eines zwei-schenkligen Hebers und k\u00f6nnte aus diesem Grunde Heber-Troicart genannt werden. Die elastische R\u00f6hre entspricht dem l\u00e4ngeren, die Can\u00fcle dem k\u00fcrzeren Schenkel : der Luftdruck, welcher auf die, in beiden Schenkeln des Hebers eingeschlossene Fl\u00fcssigkeit einwirkt, und an der Heberwirkung nur den An the il hat, die Entstehung eines leeren Raumes in der Heberr\u00f6hre zu verh\u00fcten, wirkt auch auf beide Schenkel unseres Instrumentes \u2014 obschon auf der einen Seite nicht unmittelbar. Das in der Pleurah\u00f6hle enthaltene Exsudat ist n\u00e4mlich einerseits von der Lunge, andererseits von der Thoraxwand und dem Zwerchfell begrenzt und eingeschlossen, es kann somit die Luft nur durch die beweglichen Begrenzungen der Pleurah\u00f6hle hindurch, d. h. nur mittelbar auf das zu entleerende Exsudat dr\u00fccken. Wird die Can\u00fcle in der Einstichs\u00f6ffnung genau horizontal gehalten oder schr\u00e4g nach aufw\u00e4rts gerichtet, so f\u00e4llt nat\u00fcrlich die volle Uebereinstimmung mit dem zweischenkligen Heber weg, obschon alle Consequenzen aus dem torricellischen Theorem, wie oben gezeigt wurde, nichts destoweniger auch unter diesen Umst\u00e4nden ihre Anwendung finden, gerade so wie auf einen Heber, dessen k\u00fcrzerer Schenkel unendlich klein gedacht wird.\nIch habe schon fr\u00fcher (a. a. O. S. 35: darauf hingewiesen, dass hier verwickeltere Verh\u00e4ltnisse obwalten, als bei dem gew\u00f6hnlichen Heber. Alle diese Verh\u00e4ltnisse muss man wohl ber\u00fccksichtigen und in Anschlag bringen ; einige derselben stehen der Heberkraft des Instrumentes entgegen, oder halten ihr mehr oder weniger genau das Gleichgewicht , andere hingegen wirken in gleichem Sinne \u2014 unter allen","page":82},{"file":"p0083.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. 83\nUmst\u00e4nden bleibt aber dennocli die Heberkraft des Instrumentes ein stetswirksamesMoment, \u2014 selbst dann, wenn sie v\u00f6llig1 \u00fcberwunden wird, indem jede der Componenten ihren bestimmten maassgebenden Antheil an der Resultirenden hat. Je gr\u00f6sser der verticale Abstand zwischen dem Niveau des entleerten, und des im Thorax eingeschlossenen Exsudates ist, desto gr\u00f6sser ist auch die Druckh\u00f6he der in der elastischen R\u00f6hre eingeschlossenen Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule und ceteris paribus die Heberkraft des Instrumentes. Wird das zum Auffangen des Abgeflossenen bestimmte Gef\u00e4ss gehoben, so dass sich der verticale Abstand desselben vom Thorax vermindert, so wird die Druckh\u00f6he und das hydrodynamische Moment gleichfalls geringer. W\u00fcrde man fortfahren das auffangende Gef\u00e4ss in der angegebenen Weise zu erheben, so w\u00fcrde man zun\u00e4chst an eine Linie kommen, wo die Druckh\u00f6he = 0 wird die Vorrichtung w\u00fcrde unter diesen Umst\u00e4nden das Abfliessen ebenso wenig beg\u00fcnstigen wie ein Heber, dessen Abfluss\u00f6ffnung nicht tiefer st\u00e4nde als das Niveau der zu entleerenden Fl\u00fcssigkeit!, endlich aber, nach Ueberschreitung dieser Linie die urspr\u00fcngliche Wirkungsweise des Instrumentes umkehr en, indem das Niveau des bereits'abgeflossenen Exsudates h\u00f6her zu stehen kommt als der paracentesirte Thorax. Unter diesen Verh\u00e4ltnissen beg\u00fcnstigt das Instrument das Zuriickfliessen des bereits Entleerten, und kann \u2014 falls dies \u00fcberhaupt indicirt ist \u2014 dazu ben\u00fctzt werden, beliebige Fl\u00fcssigkeiten, \u00bbwelche man zu diesem Zwecke empfohlen\u00ab, ohne Gefahr des Lufteintrittes und ohne gewaltsame Injection in die ge\u00f6ffnete Pleurah\u00f6hle einzuf\u00fcllen, und dann wieder sicher und gefahrlos zu entleeren. Man ersieht, dass Higginson\u2019s seitlich angebrachte Kautschukflasche vgl. Anm. S. 80] hiermit ersetzt werden kann, indem man es in der Macht hat den hydrostatischen Druck beliebig zu vergr\u00f6ssern.\nDas eben Gesagte wird, wie ich glaube, vollkommen hinreichen, die Wirkungsweise des Hebertroicarts verst\u00e4ndlich zu machen, und die Brauchbarkeit elastischer Abfluss-R\u00f6hren in das geh\u00f6rige Licht zu stellen.\nAlles zusammengenommen d\u00fcrfte sich das angegebene Verfahren beim Bruststich durch seine Einfachheit und die anderweitigen Vortheile, welche es darbietet, in vorkommenden F\u00e4llen vor den \u00fcbrigen Methoden, auch vor der von Higginson angegebenen, empfehlen 1 .\n1 In dem 1. Hefte der Illustrirten med. Zeitschrift. M\u00fcnchen 1852 hat Hr. Dr. Wintrich in Erlangen \u00bbeinige Worte Uber die Paracent\u00e8se der Brust\u00ab und die\n0*","page":83},{"file":"p0084.txt","language":"de","ocr_de":"84 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\nAuch heim Bauch stich, hei der Pu notion von Hydroovarien und dgl. l\u00e4sst sich eine lange elastische Abflussrohre, welche man in\nBeschreibung \u00bbeines neuen Instrumentes zu gefahrloser Ausf\u00fchrung derselben\u00ab ver\u00f6ffentlicht. Ich bin in seinem Aufsatze auf eine herausfordernde Weise angegriffen worden, und sehe mich in die Nothwendigkeit versetzt, Ilrn. Dr. Wintrich zu antworten. M\u00f6ge derselbe k\u00fcnftighin mehr bei der Sache bleiben und vorsichtiger sein ! Hr. Dr. Wintrich widmet mehrere seiner Aphorismen der Darstellung der physikalischen Verh\u00e4ltnisse des Athmungsprocesses, der Bedingungen des Lufteintrittes u. s. w., welche im Wesentlichen eine frappante und erfreuliche Uebereinstimmung mit den von mir a. a. 0. dar\u00fcber ver\u00f6ffentlichten Bemerkungen zeigen. Bei einer gewissenhaften Vergleichung unserer beiderseitigen Aufs\u00e4tze konnte mich nur das weit fr\u00fchere Datum des meinigen \u00fcber den Vorwurf, welchen ich mir selbst zu machen im Begriffe war, beruhigen, an Hrn. Dr. Wintrich ein Plagiat begangen und das Neue, was sich daselbst nebst vielem, schon l\u00e4ngst Bekannten etwa finden sollte, aus seiner Arbeit, ohne seinen Namen auch nur zu nennen, entlehnt zu haben. Ich erw\u00e4hne dies nur, weil sich Hrn. Wintrich\u2019s Aphorismen das Ansehen geben, als ob sie ganz unerh\u00f6rte Dinge enthielten. Hr. Dr. Wintrich greift mich S. 35 direct an, indem er mit gesperrten Puchstaben drucken l\u00e4sst, dass ich Higginson\u2019s Instrument \u00bbin der 2. Auflage als Eigenes\u00ab h\u00e4tte erscheinen lassen, und beschuldigt Higginson, Dr. Easton und mich eines groben physikalischen Irrthums, weil er es nicht begreifen kann, welches \u00bbphysikalische Gesetz\u00ab wir zur Erkl\u00e4rung der Heberwirkung unserer Instrumente ben\u00fctzen. Als Antwort auf den ersten Ausfall und zur Berichtigung mag das, in der Anmerkung S. 80 \u00fcber mein Verh\u00e4ltniss zu Higginson Gesagte gen\u00fcgen. Was aber den, den beiden Engl\u00e4ndern und mir gemachten Vorwurf der Unkenntniss der Gesetze des Hebers betrifft, so f\u00e4llt derselbe einfach auf Hrn. Wintrich selbst zur\u00fcck, da er unglaublicherweise sagt (S. 35), dass seines Wissens \u00bbdie ganze Wirkung der Heberkraft nur durch einen ungleichen Luftdruck oder durch ungleichen Luftwiderstand erm\u00f6glicht wird\u00ab und verdient daher gar keine weitere Ber\u00fccksichtigung. Ich will jedoch Hrn. Wintrich zurechtweisen und schlage ihm vor, im Lehrbuch der Physik und Meteorologie von Dr. Joh. M\u00fcller 3. Aufl. Bd. I., S. 156, \u00a7. 08, \u00fcber den Heber nachzulesen. Freilich h\u00e4tte Hr. Wintrich auf den sehr nahe liegenden Gedanken selbst kommen k\u00f6nnen, ein Lehrbuch der Physik nachzusehen, bevor er seine neue Theorie des Hebers entwickelte.\nDie mit Exsudat gef\u00fcllte Pleurah\u00f6hle mit einem starrwandigen, vollen Fass und den luftdicht in das Spundloch eingekeilten Heber mit unserem Troicart zu vergleichen, wie Hr. Wintrich es wirklichthut, ist v\u00f6llig unstatthaft. Wenn Hr. Wintrich zu seinem unpassenden Vergleich nun einmal eine besondere Vorliebe hatte, so musste er wenigstens eine mit einer d\u00fcnnwandigen Kautschukflasche \u2014 (welche \u00e4hnlich wie die Lunge in den Thorax, in das gef\u00fcllte Fass hineinragt) \u2014 verschlossene Gegen\u00f6ffnung anbringen, denn sonst kann \u2014 wie ja selbst Hr. Wintrich einsieht \u2014 auch der \u00bbbestconstruirte Heber\u00ab (!) keinen Tropfen entleeren. Hrn. Wintrich\u2019s neues Instrument endlich, welches ihm \u00bbseit Jahren vorschwebte\u00ab und \u00bbnach langem Experimentiren\u00ab zu construiren gelungen ist, verspricht durchaus keine besonderen Vortheile, es m\u00f6chte denn der Umstand betont werden, dass die den Stachel tragende innere R\u00f6hre nicht entfernt zu werden","page":84},{"file":"p0085.txt","language":"de","ocr_de":"Ein Verfahren, den Lufteintritt hei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern. S5\nder oben angegebenen Weise an die Can\u00fcle des Troicarts befestigt, mit grossem Vortbeil verwenden. Es handelt sich hier weniger um die Verhinderung des Eintrittes von Luft in die ge\u00f6ffneten R\u00e4ume als um eine Erleichterung der Entleerung der Fl\u00fcssigkeiten, so wie um ein bequemeres Verfahren das Entleerte aufzufangen. Der Lufteintritt kann bei einiger Vorsicht des Operateurs wohl nicht leicht stattfinden und man braucht daher nicht erst eine besondere Vorrichtung auszusinnen, allein wenn man die v o 11 e Sicherheit dagegen, durch die Anwendung der elastischen Ansatzr\u00f6hre, welche den beiden anderen Anforderungen gen\u00fcgt, mit in den Kauf bekommt, so wird dies kaum Jemand bedauern. \u2014 Die elastische Ansatzr\u00f6hre wird hier ganz auf dieselbe Weise gebraucht wie bei der Paracent\u00e8se der Brust und wirkt hier wie dort nach denselben Gesetzen. Die L\u00e4nge derselben kann 2 Fuss und dar\u00fcber betragen, und das Lumen mehrere Linien im Durchmesser halten. Durch die bedeutendere L\u00e4nge wird, caeteris paribus, das hydrostatische Moment vergr\u00f6ssert, indem der verticale Abstand der Abfluss-\nbraucht, sondern in die Can\u00fcle zur\u00fcckgezogen wird, wodurch es gestattet ist, schon vor dem Einstich die elastische Abflussrohre, welche Hr. Wintrich auch anwendet, an die Abfluss\u00f6ffnung des Troicarts zu befestigen. Hr. Wintrich l\u00e4sst gleich nach dem Einstich das freie Ende der Kautschukr\u00f6hre in ein mit Wasser gef\u00fclltes Glas tauchen, gibt \u00fcbrigens aber nicht an, wie die in der R\u00fchre enthaltene Luft entfernt werden solle. Das mit Wasser gef\u00fcllte Glas will Wintrich tiefer gestellt wissen als die Operationswunde und es scheint fast, dass Herr Ai iNTRiCH die Bedeutung dieser Tieferstellung dunkel geahnt habe. Was den Troicart selbst angeht, so soll derselbe, wie Hr. Wintrich versichert, ganz besonders geeignet sein, um \u00bbbald einen dicken, bald wieder nur einen ganz d\u00fcnnen Strahl, schnell oder langsam .... etc. abfliessen zu machen und im Falle der \\rer-stopfung bei dickem, flockenreichen Exsudat ohne Entfernung des Apparates, ohne Anwendung einer Sonde etc.\u00ab das Hinderniss sogleich zu beseitigen. Und dies Alles bewirkt Hr. Wintrich einfach durch zwei in einandergesteckte, mit gleich grossen, ovalen Seiten\u00f6ffnungen versehene silberne R\u00f6hren, von denen die innere den Stachel tr\u00e4gt u. s. w. (vergl. S. 35). 'Je nachdem die beiden ovalen Oeffnungen durch das Zurtickziehen der inneren R\u00f6hre untereinander verschoben werden, lassen sie bald eine gr\u00f6ssere, bald eine kleinere Oeffnung \u00fcbrig, und man beherrscht somit, nach Hrn. Wintrich, die St\u00e4rke des Strahles und die Schnelligkeit der Entleerung. Es scheint mir jedoch, dass dies noch weit einfacher erreicht werden kann, wenn man die elastische Abflussrohre mit den Fingern zusammendr\u00fcckt, oder durch eine Ligatur mehr oder weniger zuschn\u00fcrt, oder endlich einknickt. Dazu bedarf es also eines besonderen und kostspieligen Apparates durchaus nicht. Vor der Verstopfung des Instrumentes durch Exsudatflocken endlich sichert man sich, nach Wintrich, durch Zerschneidung derselben (S. 37). Hr, Wintrich scheint von diesen Flocken vorauszusetzen, dass sie sich seinem Troicart zu Liebe immer zwischen die Oeffnungen der beiden R\u00f6hren legen werden, um sich zerschneiden zu lassen.","page":85},{"file":"p0086.txt","language":"de","ocr_de":"86 Kin Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracent\u00e8se d. Brust zu verhindern.\n\u00d6ffnung von dem h\u00f6chsten Stande der zu entleerenden Fl\u00fcssigkeit gr\u00f6sser ausf\u00e4llt; man leitet die R\u00f6hre auf dem k\u00fcrzesten Wege, Uber den Bettrand, in das auffangende (befliss, welches auf dem Boden oder auf einem Schemel steht und gross genug ist, um die ganze Fl\u00fcssigkeitsmenge zu fassen, \u2014 womit zugleich das l\u00e4stige Wechseln der Ge-f\u00e4sse beseitigt ist.\nDie Weite des Lumens ist gleichfalls von Bedeutung, denn es macht sich der sch\u00e4dliche Einfluss der Adh\u00e4sion der Fl\u00fcssigkeit an den R\u00f6hren Wandungen um so mehr geltend, je geringer der innere Durchmesser der R\u00f6hre ist. \u2014 In \u00e4hnlicher Weise , wie in den angef\u00fchrten Beispielen, kann man auch am Kathete r elastische Ansatzr\u00f6hren zur Bef\u00f6rderung der Entleerung des Urins u. s. w. anbringen, wenn es noth wendig erscheinen sollte.\nDie Magenpumpe, welche A. Higginsox im \u00bbLancet\u00ab, Febr. 1847, p. 240, beschrieben hat, geh\u00f6rt auch hierher. Die Elasticit\u00e4t und Biegsamkeit der vulcanisirten Kautschukr\u00f6hren sind auf sehr sinnreiche Weise verwerthet. Higgixsox\u2019s Magenpumpe hat keine fixen Klappen und k\u00f6nnte ebenso gut Magen-Heber heissen, denn sie entleert den Mageninhalt nach dem Gesetze des zweischenkligen Hebers.\nDie k\u00fcnstliche Entfernung einer Fl\u00fcssigkeit aus einem gegebenen Raume kann, da es sich um einen rein physikalischen Vorgang handelt, auf ganz exacte Weise geschehen. Die durch die Lehren der Physik gebotenen Hilfsmittel k\u00f6nnen und sollen hier eben so gut als anderw\u00e4rts ben\u00fctzt und ausgebeutet werden. Es w\u00e4re wahrlich der M\u00fche werth, die Operationslehre in ihrem ganzen Umfange in dieser Richtung zu revidiren und zu bearbeiten. Die physikalische Diagnostik hat in ihre r Sph\u00e4re das geleistet, was von einer auf physikalische Grunds\u00e4tze basirten und aus exacten Principien streng logisch entwickelten Operationslehre in der Chirurgie zu erwarten steht.\nDie voranstehenden Zeilen enthalten einen kleinen Beitrag zur L\u00f6sung dieser Aufgabe.","page":86}],"identifier":"lit16154","issued":"1879","language":"de","pages":"70-86","startpages":"70","title":"Ein Verfahren, den Lufteintritt bei der Paracentese der Brust zu verhindern","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:07:50.400793+00:00"}
