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Ueber das Orthoskop: Eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und kranken Auges

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{"created":"2022-01-31T13:28:58.487763+00:00","id":"lit16155","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 87-102. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0087.txt","language":"de","ocr_de":"VII.\nUeber das Orthoskop,\neine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und\nkranken Auges.\n[\u00bbPrag. Vierteljahr sehr.\u00ab 4851. Bd. .XXXII. S. 455 \u2014 und 4855. Bd. XXXVIII S. 457.]\n1.\nF\u00e4llt ein Lichtstrahl an irgend einem Punkte der Trennungsfl\u00e4che zweier Medien von verschiedener lichtbrechender Kraft senkrecht auf, so geht er ungebrochen aus dem einen in das andere \u00fcber; bildet hingegen die Einfallsrichtung des Lichtstrahls einen Winkel mit dem im Einfallspunkte auf der Trennungsfl\u00e4che errichteten Lothe, so wird der Strahl gebrochen, d. h. er erf\u00e4hrt vom Einfallspunkte an eine Ablenkung von seiner urspr\u00fcnglichen Richtung. Der Winkel, welchen der abgelenkte Strahl mit der Verl\u00e4ngerung des Lothes bildet, heisst der Brechungswinkel, oder nach Anderen der gebrochene Winkel. Die Erfahrung lehrt, dass der Brechungswinkel gr\u00f6sser oder kleiner sein kann als der Einfallswinkel, dass aber das Verh\u00e4ltniss zwischen dem Sinus beider f\u00fcr zwei bestimmte Medien stets constant bleibe. Im Allgemeinen ist der Brechungswinkel dann kleiner als der Einfallswinkel, wenn der Lichtstrahl aus einem d\u00fcnneren in ein dichteres Medium kommt : im umgekehrten Falle ist er gr\u00f6sser als der letztere. Man dr\u00fcckt dieses Gesetz auch so aus : Der Lichtstrahl wird zum oder vom Einfallslothe gebrochen, je nachdem er aus einem d\u00fcnneren in ein dichteres oder aus einem dichteren in ein d\u00fcnneres Medium gelangt. Da das Verh\u00e4ltniss zwischen dein Sinus des Brechungswinkels und dem Sinus des Einfallswinkels, welches das Brechungsverh\u00e4ltniss oder der Brechungsexponent heisst, f\u00fcr zwei bestimmte Medien constant ist, so ergibt sich, dass es bei der Brechung zum Lothe einen gr\u00f6ssten Brechungswinkel gibt, welcher immer weniger als 90\u00b0 betragen muss :","page":87},{"file":"p0088.txt","language":"de","ocr_de":"88\nUeber das Orthoskop\nbei der Brechung v o m Lothe hingegen einen gr\u00f6ssten Einfallswinkel, welcher ebenfalls stets kleiner als ein rechter sein muss, wenn der Lichtstrahl noch in das zweite weniger dichte Medium gelangen soll. Wird bei der Brechung vom Lothe der durch den Exponenten bestimmte gr\u00f6sste Einfallswinkel \u00fcberschritten, so erfolgt an der Trennungsfl\u00e4che statt einer Brechung eine totale Lellexion des Lichtstrahls, welcher dann in das d\u00fcnnere Medium gar nicht hineinkommen kann. Die dioptrischen Gesetze schlagen hier in die katoptrischen um. 'Die unmittelbare, f\u00fcr unsere r\u00e4umlichen Gesichfswahrnehmungen wichtige Folge der Ablenkung der Lichtstrahlen von ihrer urspr\u00fcnglichen Richtung ist die Verr\u00fcckung oder Verschiebung der Bilder, welche sie von ihren Gegenst\u00e4nden hervorzubringen im Stande sind. Wenn wir z. B. in schr\u00e4ger Richtung ins Wasser sehen, so m\u00fcssen die am Grunde liegenden Gegenst\u00e4nde auf anderen Punkten unserer Retina ihre Bildchen entwerfen, als wenn \u2014 bei unver\u00e4nderter Stellung und Lage des Auges \u2014 das Wasser abgelassen w\u00fcrde, und erscheinen uns deshalb je nach der verschiedenen Ablenkung der Lichtstrahlen an anderen Orten im Raume1 '.\nIch erinnere hier an ein bekanntes, leicht zu wiederholendes Experiment, welches zugleich sehr instructiv ist. Man nehme ein leeres Gef\u00e4ss, lege auf den Boden desselben ein Geldst\u00fcck und stelle sich so, dass der freie Rand des Gef\u00e4sses die M\u00fcnze vollst\u00e4ndig verdeckt. Nun lasse man nacli und nach Wasser einf\u00fcllen \u2014 doch langsam, damit das Geldst\u00fcck nicht von seinem Platze fortgeschwemmt werde. In dem Maasse, als das Niveau des Wassers steigt, r\u00fcckt dann, ohne dass der Beobachter seine Stellung im Geringsten \u00e4ndert, das Geldst\u00fcck Uber den es verdeckenden Rand hervor, und man bemerkt zugleich, dass sich der ganze Boden des Gef\u00e4sses scheinbar verschiebt und erhebt. Die Erkl\u00e4rung dieser Erscheinung folgt aus dem vorigen mit Leichtigkeit, und es ist \u00fcberdies m\u00f6glich, durch Anwendung der oben er\u00f6rterten Gesetze der Brechung die allgemeinen Bedingungen f\u00fcr die Beschaffenheit und Gr\u00f6sse der Ablenkung solcher Bilder a priori festzustellen. Die Gr\u00f6sse, die Lage und der Ort der Bilder, welche von Gegenst\u00e4nden herr\u00fchren, die sich unter Wasser oder sonst einem st\u00e4rker brechenden Medium als Luft befinden, h\u00e4ngen \u00fcberhaupt ab : 1. von der Lage und der r\u00e4umlichen Beziehung der Gegenst\u00e4nde zu dem Beobachter; 2. von\n1 Diese Erfahrung \u00fcber die scheinbare Ortsver\u00e4nderung der Gegenst\u00e4nde kann Jene, welche sich aus Mangel an Hebung in Sachen der Speculation nicht gleich auf den subjectiven Standpunkt erheben k\u00f6nnen, auf den richtigen Weg des Nachdenkens und zum Verst\u00e4ndniss der subjectiven Natur unserer sinnlichen Wahrnehmungen bringen. Doch dies nur beil\u00e4ufig.","page":88},{"file":"p0089.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Orthoskop.\n89\ndem Brecliungsverli\u00e4ltniss zwischen der Luft und dem dichtereu Medium ; 3. von der M\u00e4chtigkeit des Mediums iu der Richtung der Sehlinie, und endlich 4. von den mathematischen Eigenschaften und der Lage der Trennungsfl\u00e4che. Die verschiedene Dicke der den Gegenstand deckenden Schichte des dichteren Mediums hat in so fern Einfluss auf die Verh\u00e4ltnisse des Bildes, als die Lichtstrahlen l\u00e4nger oder k\u00fcrzer ihre urspr\u00fcngliche Richtung beibehalten. Dass die Gestalt der Trennungsfl\u00e4che ebenfalls von Bedeutung sei, ist einleuchtend, wenn man sich nur der dioptrischen Erscheinungen hei sph\u00e4rischen Begrenzungsfl\u00e4chen der brechenden Medien erinnert.\nMit den Gesetzen der Strahlenbrechung vertraut, kann man f\u00fcr einen speciellen Fall aus dem verschobenen Bilde die wahre Lage des Gegenstandes berechnen, wenn man die n\u00f6tliigen Data besitzt, oder durch Versuche a posteriori bestimmen, und den Fehler, welcher durch die Ablenkung entstanden ist, im Geiste verbessern ; allein nichts desto weniger bleibt die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung dieselbe, und verleitet uns immer wieder zu dem Fehlschluss \u00fcber die wahre Lage, h\u00e4tten wir ihn auch so eben theoretisch berichtigt. Wir erhalten auf diese Weise unter Umst\u00e4nden falsche r\u00e4umliche Anschauungen, und sind dann nicht im Stande, aus der einfachen Wahrnehmung sofort ein richtiges Urtlieil \u00fcber die objectiven Verh\u00e4ltnisse, deren genaue Kennt-niss uns von Bedeutung sein kann, zu f\u00e4llen.\nSo hat man bei der Untersuchung der inneren Theile des Auges, welche in physiologischer oder pathologischer Hinsicht an lebenden Individuen vorgcnominen wird, namentlich wenn es sich um eine mehr seitliche Ansicht handelt, mit jenen Schwierigkeiten der in diesen F\u00e4llen ohne Zweifel wichtigen Beurtheilung der objectiven r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse zu k\u00e4mpfen. Die inneren Theile des Auges, so weit dieselben von Aussen her sichtbar sind, erfahren eine Gestaltver\u00e4nderung und eine scheinbare Verschiebung aus ihrer nat\u00fcrlichen Lage, weil die von ihnen reflectirten Strahlen aus den st\u00e4rker lichtbrechenden Medien des Auges in die Luft gelangen und an den sph\u00e4roidischen Trennungsfl\u00e4chen gebrochen werden. Wollen wir auch von dem Brecliungsverli\u00e4ltniss zwischen Cornea und Humor aqueus ganz absehen, und die Substanz der Cornea \u00fcberhaupt gar nicht in Rechnung bringen : so ist doch das Verh\u00e4ltniss zwischen Humor aqueus und Luft von der Art, dass die Lichtstrahlen bei ihrem Austritte eine bedeutende Ablenkung vom Einfallslothe erfahren m\u00fcssen. Die Folge hievon ist, dass die vordere Augenkammer ihre Tiefe verliert, und keine Profilansicht gestattet: die Iris w\u00f6lbt sich scheinbar vor. und f\u00fcllt mit ihrem Bilde nahezu den ganzen von der Cornea begrenzten Raum aus. Wir sind an gesunden","page":89},{"file":"p0090.txt","language":"de","ocr_de":"90\nUeber das Orthoskop.\nAugen nicht im Stande, von der Seite her durch die vordere Augenkammer hindurchzusehen, und entdecken nur eine Andeutung von dem durch anatomische Untersuchungen bekannten Zwischenraum zwischen der Cornea und der Iris. Es geschieht hier im Wesentlichen dasselbe, was in dem oben citirten Versuch mit dem Gelasse zu beobachten war : so wie sich dort der Boden mit dem Geldst\u00fccke erhob, und nach der einen Seite hin verr\u00fcckte, ganz eben so wird hier die Iris hervorgew\u00f6lbt und verschoben. Die einzige Verschiedenheit liegt in der Gestalt der Trennungsfl\u00e4che der Medien; dort trennt der ebene Wasserspiegel, hier die gekr\u00fcmmte Oberfl\u00e4che der Cornea.\nDass wir dem zu Folge von den physiologischen und pathologischen Ver\u00e4nderungen, hinsichtlich der r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse, welche an den sichtbaren inneren Tlieilen des Auges Vorgehen, theils gar nichts wahrnehmen, theils falsche Ansichten bekommen m\u00fcssen, ist so wohl eben so einleuchtend, als es bei der Wichtigkeit des Gegenstandes w\u00fcnschenswerth ist, die Ursache der Unvollkommenheit dieser Untersuchungen m\u00f6glichst zu entfernen.\nDurch grosse Uebung und genaue Kenntniss der Anatomie des Auges kann man es zwar dahin bringen, auch aus den verschobenen Bildern manchen richtigen Schluss zu ziehen, allein dies hindert nicht, eine bessere Untersuchungsmethode, welche correctere Data liefert, zu suchen. Um zum Ziele zu gelangen, ist es unumg\u00e4nglich notliwendig, die objectiven Verh\u00e4ltnisse, in welclien sich das beobachtete Auge befindet, so weit als m\u00f6glich zweckm\u00e4ssig zu \u00e4ndern, weil die ger\u00fcgte Unvollkommenheit der Bilder eben objective Ursachen hat. Wir haben die Ablenkung der Lichtstrahlen von ihrem geradlinigen Wege w\u00e4hrend des Durchtrittes durch die verschiedenen Medien als die Fehlerquelle erkannt, und m\u00fcssen daher gerade diese Ablenkung, so weit es thuulicli ist, zu verhindern trachten. Die gr\u00f6sste Ablenkung, welche alle das Auge verlassenden Lichtstrahlen erfahren, sie m\u00f6gen aus welcher Tiefe immer kommen, findet an der \u00e4usseren Oberfl\u00e4che der Cornea statt, weil diese das Auge gegen die Aussenwelt begrenzt, und das Licht weit st\u00e4rker als die Luft zu brechen vermag. Die Brechungen, welche die reflectirten Lichtstrahlen innerhalb des Auges, ehe sie an die Cornea gel\u00e4ngen, erleiden, sind im Allgemeinen schon deshalb von geringerer Bedeutung, weil die in der Tiefe des Auges befindlichen Tlieile f\u00fcr eine Profilansicht, um welche es sich uns vorz\u00fcglich handelt, verloren gehen. Dieser Umstand ist unserem Vorhaben g\u00fcnstig, denn wir haben kein Mittel, die Brechung der Strahlen innerhalb des Auges zu verhindern, und m\u00fcssten von ihr absehen, wenn sie auch bedeutender w\u00e4re, w\u00e4hrend es f\u00fcr die Aufhebung oder wenigstens bedeutende","page":90},{"file":"p0091.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Orthoskop.\n91\nVerringerung der Brechung an der Oberfl\u00e4che der Cornea, wie ich sogleich zeigen werde, ein zweckm\u00e4ssiges Mittel gibt. Ich wurde vor etwa drei Jahren beim Pr\u00e4pariren eines Auges auf dieses Mittel aufmerksam.\nDie das Auge umgebende Luft hat, wie wir wissen, im Verh\u00e4lt-niss zur Cornea oder dem Humor aqueus eine geringe lichtbrechende Kraft, und ist namentlich Schuld an der starken Ablenkung der ausfahrenden Strahlen. W\u00fcrden wir die atmosph\u00e4rische Luft fortschaffen, und das Auge statt mit dieser mit einem K\u00f6rper umgeben, welcher das Licht eben so stark als die Cornea oder der Humor aqueus bricht, so w\u00fcrden wir ein f\u00fcr unseren Zweck g\u00fcnstigeres Verh\u00e4ltniss schaffen. Die reflectirten Lichtstrahlen w\u00fcrden, von der vorderen Fl\u00e4che der Linse angefangen, Medien von fast verschwindend kleinen Dichtigkeitsunterschieden durchlaufen, und k\u00f6nnten somit kaum erheblich von ihrer Richtung abgelenkt werden. Der Abschnitt des Auges vor der Linse m\u00fcsste uns demnach weit eher als unter anderen Umst\u00e4nden in seinen wahren objectiven Verh\u00e4ltnissen erscheinen; was hinter der Linse liegt, wird sich aber immerhin unter mehr oder weniger bedeutenden optischen Ver\u00e4nderungen dem Blicke darbieten; die Linse selbst geh\u00f6rt theils in das einer exacteren Beobachtung zug\u00e4nglich gemachte, theils in das andere Gebiet. \u2014 W\u00fcrde der K\u00f6rper bedeutend st\u00e4rker als die Cornea das Licht brechen, so w\u00fcrden die reflectirten Lichtstrahlen beim Austritte zum Perpendikel abgelenkt, und die inneren Theile des Auges abermals unter anderen Gestalten erscheinen lassen.\nEin K\u00f6rper von der gew\u00fcnschten brechenden Kraft, welcher zugleich Beweglichkeit genug besitzt, sich an das Auge anzuschmiegen, ist z. B. das Wasser. Das Brechungsverm\u00f6gen desselben n\u00e4mlich wird durch die Zahl 1,335S ausgedr\u00fcckt. Da nun die Cornea mit 1,33, die w\u00e4sserige Feuchtigkeit mit 1,338 bricht, so wird die Ablenkung der Lichtstrahlen von ihrem geradlinigen Wege nur unbedeutend sein.\nEs ist nicht schwer, das Auge auf irgend eine passende Weise unter Wasser zu setzen, und zugleich der Beobachtung von Aussen zug\u00e4nglich zu machen. Man kann ganz einfach das Gesicht in ein gl\u00e4sernes Wasserbecken tauchen, die Augen \u00f6ffnen und nun von einem zweiten durch die Glaswand beobachten lassen. Dieses etwas rohe Verfahren w\u00fcrde wenigstens gen\u00fcgen, um sich schnell von der \u00fcberraschenden Wirkung der Wasserschichte auf das Aussehen eines lebendigen Auges zu \u00fcberzeugen. F\u00fcr wissenschaftliche Zwecke habe ich, um bequemer und l\u00e4nger beobachten zu k\u00f6nnen, einen besonderen Apparat ausgedacht, welcher bei aufrechter Stellung des Kopfes eine","page":91},{"file":"p0092.txt","language":"de","ocr_de":"92\nlieber das Orthoskop\ngen\u00fcgende Menge Wasser vor einem der beiden Augen fixirt. Bei geneigter Stellung des Kopfes ist es wohl leichter, das Wasser um das Auge zusammenzuhalten, allein man hat dann eine weniger g\u00fcnstige Beleuchtung und weniger Bequemlichkeit und Freiheit im Beobachten.\nMein Apparat (vgl. die Erkl\u00e4rung der Abbildungen 1 und 2 ist eine Art K\u00e4stchen, und wird aus vier rechtwinklig zusammen stossenden W\u00e4nden gebildet, welche wasserdicht an einander gef\u00fcgt sind. Die vordere und die \u00e4ussere Wand sind aus reinem Glase, die untere und die innere aus Blech. Es Hessen sich auch diese beiden W\u00e4nde aus Glas herstellen, allein ich zog es vor, undurchsichtige und geschw\u00e4rzte Fl\u00e4chen daselbst anzuwenden, weil sich das Auge aus dieser dunklen Umgebung besser hervorhebt. Die freien hinteren B\u00e4nder der unteren und der inneren Wand sind so ausgeschnitten, dass sie unterhalb des Augenh\u00f6hlenrandes an die Wange und zwischen dem inneren Augenwinkel und der Nasenwurzel genau angedr\u00fcckt werden k\u00f6nnen. Der hintere Tlieil der \u00e4usseren gl\u00e4sernen Wand kommt flach auf die Schl\u00e4fe zu liegen. F\u00fcr jedes der beiden Augen geh\u00f6rt nat\u00fcrlich ein\na'; eigener Apparat, weil der Gesichts-// ausschnitt f\u00fcr die rechte Seite in ent-/ gegengesetzter Richtung gekr\u00fcmmt sein muss, als jener f\u00fcr die linke. Hat man den Apparat, welcher an einem kleinen, an der unteren Fl\u00e4che * der unteren blechernen Wand ange-l\u00f6tlieten Ringe gefasst wird, geh\u00f6rig angelegt, so befindet sich das Auge in einem oben offenen K\u00e4stchen gewissermaassen eingesperrt, und kann nun ganz unter Wasser gesetzt werden, da die W\u00e4nde so weit hinaufreichen, dass das Niveau der Fl\u00fcssigkeiten in gleicher H\u00f6he mit dem oberen Augenh\u00f6hlenrande stehen kann. Um das Ausfliessen des Wassers, welches dann statt findet, wenn der Ausschnitt des Apparates f\u00fcr die Gesichtsbildung nicht genau passt, m\u00f6glichst zu verhindern, lege ich l\u00e4ngs der Linie, wo das Gesicht ber\u00fchrt wird, namentlich unter dem inneren Augenwinkel und an der Schl\u00e4fe nach Bedarf kleinere oder gr\u00f6ssere Ballen oder W\u00fcrstchen von Baumwolle unter und dr\u00fccke dann fest auf. Bisher habe ich den Apparat stets auf die beschriebene Weise angelegt und das Wasser zu fixiren gesucht. Es versteht sich aber von selbst,\n\n\u2022/ \u00df:\nFig. 1.","page":92},{"file":"p0093.txt","language":"de","ocr_de":"lieber das Orthoskop.\n93\ndass namentlich f\u00fcr die praktische Augenheilkunde verschiedene zweckdienliche Modificationen des Apparates und der Anlegung zu erdenken sind, z. B. ein Kautschuk-Besatz f\u00fcr den Gesichtsausschnitt etc. Ich \u00fcberlasse jedoch diese Verbesserungen den praktischen Oculisten. welche ihre Bed\u00fcrfnisse besser kennen als ich. Die Hauptsache ist, das Auge unter das Niveau einer Fl\u00fcssigkeit von den geforderten Eigenschaften in der Weise zu setzen, dass es gut und bequem beobachtet werden kann b.\nMan giesst das Wasser von oben in den Apparat ein, und l\u00e4sst das Auge vorl\u00e4ufig sehliessen, damit es sich beim allm\u00e4hlichen Oeffnen mit dem etwas abschreckenden Eindruck des ungewohnten Mediums nach und nach befreunde. Hat es sich endlich ge\u00f6ffnet, so erscheint es dem Beobachter ganz eigenth\u00fcmlich ver\u00e4ndert; von vorn gesehen weniger auffallend als in der Profilansicht. Die Iris tritt als ein ebener Vorhang weit zur\u00fcck, die Cornea hingegen w\u00f6lbt sich als eine glashelle halbkuglige Blase hervor, und gestattet eine seitliche Durchsicht durch die vordere Augenkammer. Bei sehr stark erweiterter Pupille liegt die Linse bloss und kann genau untersucht werden. Mit kurzen Worten, alle r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse der vorderen Th eile des Auges, welche wir haupts\u00e4chlich ber\u00fccksichtigen, pr\u00e4sentiren sich nahezu in ihrer nat\u00fcrlichen Beschaffenheit, und k\u00f6nnen daher mit gr\u00f6sserer Pr\u00e4cision als bis jetzt beurtheilt werden. Die von mir angegebene Untersuchungsmethode, welche hiermit noch keineswegs in allen Richtungen ausgebeutet ist, d\u00fcrfte f\u00fcr den Ophthalmiatriker von einiger diagnc-\n1 Nachdem bereits diese und Dr. v. Hasner\u2019s (Prag. Vtljschr. XXXII. S. l(i(i ff.) Abhandlung dem Drucke \u00fcbergeben war, ist es mir gelungen, das Abfliessen des Wassers auf eine sichrere Weise als durch Unterlagen von Baumwolle zu verhindern. Ich nehme statt Baumwolle geknetete Mica panis, welche sich an das Gesicht sehr genau anlegt, und den Rand des Apparates bei gelindem und anhaltendem Drucke tief in sich aufnimmt. Hat man das Brod vorher gut durchgeknetet, so dass es keine Risse und Spalten hat, ferner den Rand tief eingedr\u00fcckt und einen geh\u00f6rigen continuirlichen Druck angewendet, so Hiesst kein Tropfen ab. Ein mit Baumwolle ausgestopftes P\u00f6lsterchen von Wachstaffet habe ich auch versucht. Am Gesichte h\u00e4lt es vortrefflich. Der Rand des Apparates kann jedoch nicht tief genug einsinken, und m\u00fcsste, wenn diese Vorrichtung ihren Zweck ganz erf\u00fcllen soll. wasserdicht mit dem Polster verbunden werden. Am besten und bequemsten wird es sein, wenn man einen besonders gestalteten Besatz von Kautschuk an den Gesichtsausschnitt anbringen l\u00e4sst. Ich habe schon oben davon Erw\u00e4hnung gethan, und h\u00e4tte schon l\u00e4ngst diese Idee ausgef\u00fchrt, wenn ich eines Arbeiters habhaft geworden w\u00e4re. Um durch das Fixiren des Apparates nicht im Beobachten gest\u00f6rt zu werden, namentlich wenn man keinen Gehilfen dazu bei der Hand hat, ist es zweckm\u00e4ssig, den Apparat durch eine Vorrichtung, z.B. einen Riemen, metallene Spangen an den Kopf des Patienten zu befestigen.","page":93},{"file":"p0094.txt","language":"de","ocr_de":"94\nUeber das Orthoskop.\nstischer Bedeutung sein, und giebt dem Physiologen Gelegenheit, ein lebendiges Auge in seinen wahren Verh\u00e4ltnissen zu studiren. Ich selbst hatte bei der Construction meines Apparates den Zweck, die etwaigen Ortsver\u00e4nderungen der Linse, welche zn Erkl\u00e4rung des Accommodationsverm\u00fcgens von Einigen vorausgesetzt werden, direct zur Anschauung zu bringen. Die Resultate dieser Untersuchungen werde ich an einem anderen Orte mittlieilen.\nBez\u00fcglich der Anwendbarkeit des Apparates, namentlich in der Augenheilkunde, ist noch dem Einwurfe zu begegnen, dass der Eindruck des Wassers ein unleidlicher sei und \u00fcble Folgen haben k\u00f6nne. Es ist allerdings wahr, dass es nicht gerade angenehm ist, das Auge unter Wasser aufzuthun, allein man kann es ganz gut an dieses Medium gew\u00f6hnen, wie ich an mehreren meiner Freunde und an mir selbst erfahren habe. Ueberdies kann das Wasser etwas erw\u00e4rmt oder mit schleimigen Mitteln oder mit Eiweiss u. dgl. versetzt werden. Die Patienten, welche im Prager Hospitale auf der Klinik des Hm. Prof. Arlt und der Abtheilung des Hrn. Dr. Hasner mit dem Apparate untersucht wurden, haben sich auch nicht sehr empfindlich gezeigt und keine \u00fcblen Folgen versp\u00fcrt. Immerhin bleibt ein derartiges Augenbad ein Reiz, und der Arzt wird etwaige Contraindica-tionen wohl ber\u00fccksichtigen m\u00fcssen.\nWir haben bisher von den Ver\u00e4nderungen, welche der Beobachter an dem zu untersuchenden Auge im Allgemeinen gewahrt, und von dem localen Effect der unmittelbaren Ber\u00fchrung der Conjunctiva durch das Wasser gesprochen. Es bleibt uns nun noch zu er\u00f6rtern, in welcher Weise das Sehen in subjectiver Hinsicht alterirt ist. und welche Ver\u00e4nderungen der optischen Verh\u00e4ltnisse der Untersuchte an seinem Auge erf\u00e4hrt.\nDie Frage, \u00abob man unter Wasser sehen k\u00f6nne\u00ab, ist schon vor langer Zeit aufgeworfen, und auf mathematisch-physikalischem Wege exact beantwortet worden. Die Aussagen ber\u00fchmter Taucher, welche alle aus Erfahrung sprechen wollen, stimmen jedoch nichts desto weniger gar nicht \u00fcberein; die einen haben bejahend, die andern verneinend geantwortet. Man wird sich durch folgende Betrachtung leicht \u00fcberzeugen, dass die Wahrheit in der Mitte liegt, und der scheinbare Widerspruch in den Aussagen erfahrener Taucher nur durch die Ungenauigkeit im Ausdruck bedingt sei. Kommen die Lichtstrahlen, welche von einem leuchtenden Punkte nach allen Seiten ausstr\u00f6men, beim gew\u00f6hnlichen Sehen in der Luft an die convexe Fl\u00e4che der Cornea, so erfahren sie eine bedeutende Brechung zum Einfallslothe : gegen die optische Achse des Auges abgelenkt, erreichen","page":94},{"file":"p0095.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Orthoskop.\n95\nsie daher die Linse und werden, wenn das Auge f\u00fcr die betreffende Entfernung eingerichtet ist, auf der Retina wieder in einem Punkte vereinigt. Versetzt man in Gedanken das Auge und den leuchtenden Punkt unter Wasser, ohne jedoch an dem Accommodationszustand des ersteren und der Entfernung des letzteren das Geringste zu \u00e4ndern, so wird der Gang der Lichtstrahlen im Auge dennoch ver\u00e4ndert und die Vereinigungsweite eine ganz andere sein m\u00fcssen. Denn es wird, da das Wasser eine weit gr\u00f6ssere lichtbrechende Kraft besitzt als die Luft, das Brechungsverh\u00e4ltniss an der Oberfl\u00e4che der Cornea ganz unbedeutend, und die Lichtstrahlen k\u00f6nnen daher auch nur unbedeutend der optischen Achse zugebrochen werden. Die Linse empf\u00e4ngt jetzt relativ-divergirende Lichtstrahlen, und k\u00f6nnte sie erst in einer bedeutenden Entfernung hinter der Retina zu einem Punkte vereinigen. Auf der Retina entsteht demnach ein Zerstreuungskreis und kein deutliches Bild. Ich lasse hier eine Berechnung Uber den Verlust an brechender Kraft eines unter Wasser befindlichen Auges folgen, welche in Gehler\u2019s physikalischem W\u00f6rterbuch Band IV, Abtheilung 2, S. 1384 zu finden ist : \u00bbGenauer genommen ist das Brechungsverh\u00e4ltniss des Lichtes aus Luft in die w\u00e4sserige F euchtigkeit des Auges \u2014 n: 1 = 1,337; das Brechungsverh\u00e4ltniss aus Wasser in die w\u00e4sserige Feuchtigkeit des Auges = w : 1 = 1,00075. Setzt man also den Halbmesser der Cornea = q \u2014 3'\",75 : den Abstand des gesehenen Objectes = d= 10\", alles in Pariser Fussmaass, und sucht dann die Brennweite des Bildes hinter der Linse = f. so findet man :\nf\u2014-------ndq-----=16'\",3982. Wird in dieser Formel statt n die\n'\t(n\u20141 d \u2014 q\nGr\u00f6sse w substituirt, so findet man :\nf \u2014------\u2014\t----=\u2014 123'\".043. dasheisst. die aus einer Entfernung\n(tu\u2014 1 d \u2014 q\nvon 10 Zoll kommenden Lichtstrahlen werden durch den Einfluss der Brechung gar nicht zum Brennpunkte vereinigt, sondern w\u00fcrden diese erst in einer Entfernung von 10 Zoll zum Brennpunkte vereinigt werden, wenn sie aus einem Abstande von 10 Zoll 3 Linien ins Auge fielen\u00ab. Das Auge wird unter Wasser ungeheuer weitsichtig, da die optische Wirkung der Cornea und des Humor aqueus, welche zusammen als eine Linse von etwa 16\"', 3982 Brennweite betrachtet werden k\u00f6nnen, beinahe ganz weg f\u00e4llt. Sehr kurzsichtige Individuen werden unter Wasser im Allgemeinen weniger schlecht sehen als Weitsichtige. Wollte man unter Wasser dennoch klare Bilder von den Gegenst\u00e4nden erhalten, so m\u00fcsste man, wie ein Staaroperirter und aus demselben physikalischen Grunde wie dieser eine Sammellinse vors Auge nehmen. Das Auge","page":95},{"file":"p0096.txt","language":"de","ocr_de":"96\nUeber das Orthoskop.\ndes Operirten li\u00e2t die Krystallinse, jenes des unter Wasser befindlich\u00e9n Individuums die Cornea sannnt dem Humor aqueits verloren. Es ist berechnet, dass der gemeinschaftliche Halbmesser einer f\u00fcr das deutliche Sehen im Wasser bestimmten biconvexen Glaslinse, deren Substanz 1,55 lichtbrechende Kraft besitzt, etwa 4,6 Linien betragen m\u00fcsse. \u2014 Die- oben aufgeworfene Frage muss demnach folgender-maassen beantwortet werden : Ein deutliches Sehen unter Wasser ist f\u00fcr unser Auge physikalisch unm\u00f6glich, nichts desto weniger entstehen aber zerstreute Bilder der Gegenst\u00e4nde auf der Retina, welche f\u00fcr die erg\u00e4nzende Imagination des Sinnes hinreichen, unvollkommene Gesichtswahrnehmungen zu vermitteln.\nAlles, was eben gesagt wurde, gilt im Allgemeinen auch vom Sehen durch unseren Apparat, nur muss man mit in Rechnung bringen, dass die hier gesehenen Gegenst\u00e4nde nicht wie dort ebenfalls mit unter Wasser sind. Die aus der Luft durch den Apparat zum Auge gelangenden Lichtstrahlen erleiden durch die Glaswand und das vorgeschlagene Wasser, ehe sie die Cornea erreichen, eine zweifache Breclnmg. Diese zweifache Brechung erleiden auch die aus dem Apparat herauskommenden Strahlen; wenn der Beobachter daher durch eine der beiden Glasw\u00e4nde in den Apparat hineinsieht, so erscheint ihm das ganze Auge mehr oder weniger aus seiner nat\u00fcrlichen Lage verschoben, ohne jedoch hiedurch in seinen Einzelheiten wesentlich ver\u00e4ndert zu sein, da die Glaswand parallele Begrenzungsfl\u00e4chen besitzt. Uebrigens kann man auch von oben lier, wo der Apparat offen ist, beobachten; die Strahlen werden da nur einmal und zwar an der Oberfl\u00e4che des vorgeschlagenen Wassers gebrochen. \u2014 Schliesslich erlaube ich mir noch f\u00fcr meinen Apparat einen Kamen in Vorschlag zu bringen, weil ich hoffe, dass derselbe nicht gleich in die akologische Rumpelkammer geworfen werden wird. Es ist schwer, das was der Apparat eigentlich leistet, in den engen Raum eines Wortes zusammen zu dr\u00e4ngen. Doch glaube ich eine Bezeichnung gefunden zu haben, welche, wenn auch nicht ganz richtig, immerhin gen\u00fcgend sein d\u00fcrfte. Im Grunde kommt es auf das gew\u00e4hlte Wort nicht viel an, wenn es einmal durch den Sprachgebrauch sanctionirt ist. Die Haupteigenschaft des Apparats, er mag wie immer modifient werden, oder das, was er obj ectiv bewirkt, ist, dass er die Brechung der aus dem Auge reflec-tirten Lichtstrahlen an der Oberfl\u00e4che der Cornea bedeutend verringert. Die Lichtstrahlen behalten also bei Anwendung des Apparates ihre geradlinige Richtung ziemlich bei, und erzeugen dann Bilder, welche den objectiven Verh\u00e4ltnissen fast vollkommen genau entsprechen. Wollen wir auch von der noch \u00fcbrig bleibenden geringen Ungenauig-","page":96},{"file":"p0097.txt","language":"de","ocr_de":"lieber das Orthoskop.\n97\nkeit abselien, so w\u00fcrden wir dein Apparat die Wirkung zusclireiben m\u00fcssen, die Lichtstrahlen in ungebrochener gerader Eichtung aus dem Auge heraus zu leiten, und richtige r\u00e4umliche Anschauungen von den inneren Theilen des Auges hervorzubringen. Ein Instrument von diesen Eigenschaften k\u00f6nnte dann ein O r t h o s k o p von ogd-ng gerade, recht und o/.onho betrachten, sehen genannt werden. Ich verkenne nicht, dass durch diese Bezeichnung etwas zu viel von meinem Apparate ausgesagt wird, allein bei einigem gutem Willen l\u00e4sst sie sich schon plausibel machen.\n2.\nDie physikalischen Bedingungen, unter welchen die inneren Theile des lebenden Auges der Untersuchung zug\u00e4nglich gemacht werden k\u00f6nnen, sind durch die Arbeiten von Bkuecke 1 j und Helmholtz 1 2j gen\u00fcgend er\u00f6rtert und durch den Augenspiegel des Letzteren auf sinnreiche Weise realisirt worden. Ruete3 hat neuerdings verschiedene, theils von ihm selbst, tlieils von Anderen erfundene Vorrichtungen zu demselben Zwecke beschrieben. \u2014Jeder der bisher bekannt gewordenen Augenspiegel hat seine besonderen Vor- und Nachtheile, welche sich leicht bei der vergleichenden, praktischen Anwendung herausstellen und zu einer fortgesetzten Verfolgung des mit so viel Gl\u00fcck betretenen Weges auffordern.\nWill man die inneren Theile, namentlich den Grund des lebenden Auges untersuchen, so hat man zun\u00e4chst f\u00fcr eine passende Beleuchtung zu sorgen und das aus dem Inneren des Auges lierausreflectirte Licht in das Auge des Beobachters zu leiten. Sodann muss man eine optische Vorrichtung anbringen, welche die Vereinigung der refiectirten Lichtstrahlen zu einem deutlichen Bilde im Auge des Beobachters m\u00f6glich macht. \u2014 Der Tlieil des durch die Cornea in ein Auge geworfenen Lichtes, welcher vom Grunde reflectirt wird, kehrt, wenn das Auge f\u00fcr die Lichtquelle accommodirt ist, bis auf ein Minimum unregelm\u00e4ssig zerstreuter Strahlen, zu derselben zur\u00fcck. In das Auge des Beobachters kann somit nur dann eine erhebliche Menge dieses reflectirten Lichtes gelangen und zur Erzeugung eines Bildes ben\u00fctzt werden, wenn das beleuchtete Auge nicht genau f\u00fcr die Entfernung der Lichtquelle accommodirt ist, und das beobachtende Auge in oder unmittelbar an der Lichtquelle sich befindet : oder wenn das refiectirte Strahlenb\u00fcndel durch k\u00fcnstliche Vorrichtungen z. B. unbelegte Spie-\n1 M\u00fcll. Arch. 1845. S. 387 und M\u00fcll. Arch. 1847. S. 225.\n- Beschreibung eines Augenspiegels . . etc. Berlin 1851.\n3 Der Augenspiegel und das Optometer f\u00fcr praktische Aerzte. G\u00f6ttingen 1852. Czermak, Schriften.\t7","page":97},{"file":"p0098.txt","language":"de","ocr_de":"98\nUeber das Orthoskop.\ngelgl\u00e4ser, durchbohrte und theilweise ihres Belags beraubte Spiegel etc.) in zwei Th eile gespalten wird, von denen der eine zur Lichtquelle zur\u00fcckkehrt, der andere nach einer anderen Richtung, dem Beobachter zugelenkt wird.\nDie eben er\u00f6rterten Bedingungen lassen sich auf die mannigfaltigste Weise, mehr oder minder zweckdienlich, realisiren. Nach Helmholtz\u2019s Vorg\u00e4nge ist bisher fest ausschliesslich Lampenlicht zur Beleuchtung verwendet worden, welches vermittelst spiegelnder Fl\u00e4chen in das zu beobachtende Auge geworfen wurde.\nIch will hier beil\u00e4ufig erw\u00e4hnen, dass man noch auf einem anderen Wege, als durch die Cornea, eine mehr oder weniger bedeutende Menge Licht in das Auge gelangen lassen kann, n\u00e4mlich durch Sclerotica und Chorioidea, welche, wie mich zahlreiche Versuche gelehrt haben, selbst bei dunklen Augen, hinreichend durchscheinend ist. Zu dem Ende concentrirt man das Licht durch eine grosse Sammellinse und l\u00e4sst den Strahlenkegel von der Seite her auf das Auge fallen. Das Licht gelangt durch die Sclerotica, Chorioidea und Retina hindurch, in das Innere des Auges und trifft je nach der Einfallsrichtung entweder einen Punkt der entgegengesetzten Seiten der Retina, Chlorioidea und Sclera, oder es wird durch die Linse, den Humor aqueus und die Cornea direct nach aussen gelenkt. Jener Theil des Lichtes, welcher an der getroffenen Stelle der entgegengesetzten Seite durchgegangen ist, macht sich \u00e4usserlicli als heller Fleck bemerklich ; der andere Theil, welcher daselbst reflectirt wird, kann hingegen, bei einer gewissen Einfallsrichtung des Strahlenkegels der Beleuchtungslinse, durch die Pupille aus dem Auge herausgelangen. \u2014\nBefindet sich ein beobachtendes Auge in der Richtung eines der beiden Lichtb\u00fcschel. von denen das eine direct, das andere nach einmaliger Reflexion durch die Pupille herausgebrochen wird, so sieht es die Pupille des beobachtenden Auges in derselben Weise, in r\u00f6thlichem Lichte aufleuchten, wie bei einem leukaethiopischen Kaninchen. Es versteht sich von selbst, dass die Intensit\u00e4t der Erleuchtung bei verschiedenen Augen sehr verschieden ist. Blaue, etwas vorspringende Augen eignen sich weit besser zu diesen Versuchen als dunkle, ob-sclion auch diese letzteren hinreichend durchscheinende H\u00e4ute besitzen, um die besprochene Erscheinung zu zeigen.\nNach dieser Methode kann man das ganze Auge, namentlich den Glask\u00f6rper, die Linse, das Lig. ciliare etc., in den verschiedensten Richtungen durchleuchten und dabei manche nicht unwesentliche Aufschl\u00fcsse Uber etwa vorhandene pathologische Ver\u00e4nderungen erhalten.","page":98},{"file":"p0099.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber das Orthoskop.\n99\nDem Lampenlichte, welches bei der Anwendung der Augenspiegel gebraucht wird, d\u00fcrfte in manchen F\u00e4llen das Tageslicht vorzuziehen sein. Durch eine, freilich etwas umst\u00e4ndliche Kegulirung und Concentration k\u00f6nnte man das Tageslicht, ohne Zweifel, f\u00fcr die Anwendung der Augenspiegel brauchbar machen.\nDas Orthoskop1 erf\u00fcllt die oben er\u00f6rterten Bedingungen, durch welche der Grund des Auges der Untersuchung zug\u00e4nglich gemacht wird, auf die einfachste Art und kann bei heller Tages- und Lampenbeleuchtung nicht bl\u00e9s zur Untersuchung der vorderen Augenkammer, sondern auch der Retina und der \u00fcbrigen inneren Theile, wie ein Augenspiegel, gebraucht werden. Die Versuche mit dem Orthoskop. welche Herr Prof. Arlt in dieser Beziehung auf seiner Klinik angestellt hat, haben ein sehr befriedigendes Resultat gegeben. \u2014 Die urspr\u00fcngliche Form des Orthoskops kann nach den Bed\u00fcrfnissen des Praktikers leicht modificirt werden, so dass die Anwendung desselben beim Tages- oder Lampenlichte ungleich geringere Schwierigkeiten macht und weit weniger Uebung erfordert, als die Anwendung der verschiedenen Augenspiegel. Der Grundgedanke, welcher die Veranlassung zur Construction des Orthoskops gab, war der: Die Brechung und Ablenkung der Lichtstrahlen an der v or de reu Ob er fl\u00e4ch e der Cornea m\u00f6 gli ch s t z u v er h \u00fc t en. Diese Forderung wurde erf\u00fcllt, indem das Auge auf passende Vf ei sc unter Wasser gesetzt wurde. Zur \u2022Ansammlung des Wassers diente ein vor dem Auge angebrachtes, durchsichtiges K\u00e4stchen. Ich habe oben den Einfluss des Wassers, welches nahezu denselben Brechungsexponenten hat wie der Humor aqueus und die Cornea, auf den Gang der einfallenden und aus dem Auge reflectirten Lichtstrahlen er\u00f6rtert. Das Auge wird im h\u00f6chsten Grade weitsichtig; die Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen, welche von n\u00e4heren und ferneren Gegenst\u00e4nden ausgehen, fallen in verschiedener Entfernung hinter die Retina. Auf der Retina selbst entstehen somit grosse Zerstreuungskreise. Der vordere Brennpunkt des Auges wird vom Auge abger\u00fcckt und die aus dem Inneren reflectirten Strahlen erleiden nur noch durch die Krystalllinse eine erhebliche Ablenkung von ihrer Richtung. Bei einiger Ueberlegung erkennt man leicht, dass auf diese Weise jene Verh\u00e4ltnisse, welche die Wahrnehm-\n1 Nach der gelehrten Berichtigung des Hrn. Dr. Cramer in Groningen (Tijdschrift der Nederlandsche Maatschappij tot Bevordering der Geneeskunst. Januarij 1852. p. 46) hat schon Petit ein solches Instrument in der Histoire de l\u2019Acad\u00e9mie royale de chirurgie 1728, beschrieben, ohne jedoch, wie es scheint, eine weitere praktische Anwendung davon gemacht zu haben.\n7*","page":99},{"file":"p0100.txt","language":"de","ocr_de":"100\nUeber das Orthoskop.\nung der Retina f\u00fcr gew\u00f6hnlich unm\u00f6glich machen, in so weit aufgehoben werden, dass man unter hinreichend starker Beleuchtung ohne Weiteres das Innere und den Grund des Auges deutlich muss sehen k\u00f6nnen.\nEs ist schon eine alte, aber un verwert h etc Erfahrung, dass der Versuch dieses Resultat theoretischer Betrachtung vollkommen best\u00e4tigt. Ich finde in dem Trait\u00e9 des Sens par Mr. Le Cat, Nouvelle Edition. Amsterdam 1744, pag. 174, wo Mariotte's Ansicht von der Unempfindlichkeit des Opticus und der Bedeutungslosigkeit der Retina f\u00fcr das Sehen, vertheidigt wird, folgende Stelle :\n\u00bb Mr. Mery plongea un chat dans un sceau d\u2019eau et lui examina le fond des yeux ; quand l\u2019oeil est plong\u00e9 dans l\u2019eau, on voit plus distinctement les parties internes. Il vit donc que la retina \u00e9toit aussi transparente que toutes les humeurs de l'oeil et il en conclut, que cette membrane n\u2019\u00e9tait pas plus l\u2019organe imm\u00e9diat de la vue, que le cristallin et l'humeur vitr\u00e9e, puisque les rayons la traversaient aussi facilement qu\u2019elle traverse les autres humeurs. \u00ab\nDieselbe Methode wendete auch Bkuecke bei seinen Untersuchungen \u00fcber die Ursachen des Farbenwechsels der leuchtenden Thieraugen an, um den Grund der Augen zu sehen. M\u00fcll. Arch. 1845, S. 391 .\nSchliesslich erlaube ich mir noch auf einen wesentlichen Vortheil aufmerksam zu machen, welchen das Orthoskop, abgesehen von.der Leichtigkeit der Anwendung und von seiner Einfachheit, bez\u00fcglich der Beleuchtung darbietet. Bei den bisher bekannt gewordenen Augenspiegeln tritt, wie schon Helmholtz angef\u00fchrt, das Flammenbild, welches die Cornea zur\u00fcckwirft, sehr st\u00f6rend hervor, wenn man sich jenen Th eilen der Retina n\u00e4hert, welche in der Sehaxe liegen. Die Untersuchung des gelben Fleckes und seiner Umgebung wird durch das Hornhautbildchen wesentlich erschwert. Die Intensit\u00e4t und mit dieser die st\u00f6rende Einwirkung des Hornhautbildchens w\u00e4chst nat\u00fcrlich mit der Intensit\u00e4t der Beleuchtung. Dieser wichtige Uebelstaud nun wird durch die Anwendung des Orthoskops gehoben. Die einzige erhebliche Spiegelung des einfallenden Lichtes findet an der vorderen Glasplatte des Instrumentes statt. Diesem Reflex kann man jedoch durch Ver\u00e4nderung des Einfallswinkels der Lichtstrahlen entgehen oder dadurch ganz und gar ausweichen, dass man das Auge durch die seitliche Glasplatte, welche, zu diesem Ende eine andere Neigung zu der vorderen bekommen kann , oder von oben her beobachtet, w\u00e4hrend das passend gestellte Auge durch die vordere Glasplatte beleuchtet wird. Will sich der Beobachter das Bild der Retina n\u00e4her bringen","page":100},{"file":"p0101.txt","language":"de","ocr_de":"lieber das Orthoskop.\n101\noder vergr\u00f6ssern, so braucht er nur eine entsprechende Linsencombi-nation auszuw\u00e4hlen und vor sein Auge zu nehmen.\nDie Absicht, welche icli bei der Ver\u00f6ffentlichung dieser Andeutungen hatte, ist erreicht, wenn die Aufmerksamkeit der praktischen Augen\u00e4rzte mit Erfolg auf ein Mittel zur Untersuchung des Auges gelenkt wurde, welches \u2014 obschon von entschiedener Bedeutung f\u00fcr die physikalische Diagnostik, schon einmal g\u00e4nzlich in Vergessenheit gerathen war.\nN a c li s c h r i ft. Herr Prof. Aklt, welcher sich seit meinen ersten Mittheilungen mit unerm\u00fcdlichem Eifer um die praktische Verwerthung des Orthoskops angenommen hat, liess vor Kurzem ein f\u00fcr \u00e4rztliche Zwecke vollkommen brauchbares Orthoskop construiren. Das K\u00e4stchen besteht aus Gutta Percha und hat nur eine gl\u00e4serne Wand, welche von vorn und innen, nach hinten und aussen geneigt ist. Der Gesichtsausschnitt legt sich durch massiges Andr\u00fccken des Apparates sehr genau an und verhindert jedes Abtr\u00e4ufeln des Wassers. Dem Keflex von der geneigten Glasplatte entgeht der Beobachter leicht durch die passende Regulirung der Einfallsrichtung der Lichtstrahlen. Der Preis dieses Instrumentes \u00fcbersteigt nicht 1 fl. C. M.","page":101},{"file":"p0102.txt","language":"de","ocr_de":"102\nlieber das Orthoskop.\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\n(Holzschnitte Seite 92.)\nFig. 1 A stellt das f\u00fcr das rechte Auge bestimmte Orthoskop dar ; die nat\u00fcrlichen Dimensionen sind um mehr als das Dreifache verkleinert, a, b, c, d ist die vordere, c, d, c, f die \u00e4ussere Glaswand; a, b, g, h die innere, b, c, f, h die untere Wand, an welcher letzteren der Ring o befestigt ist, der zum bequemeren Festhalten des Apparates dient. Die krumme Linie ghf ist der sogenannte Gesichtsausschnitt. Der Rand e f der \u00e4usseren Glaswand geh\u00f6rt im Grunde auch dazu. Der Rand gh kommt beim Anlegen des Apparates zwischen die Nase und den inneren Augenwinkel zu liegen, und reicht von dem oberen Augenh\u00f6hlenrande bis unter den unteren. Der Ausschnitt /if ist der Kr\u00fcmmung des Wangen- und Oberkieferknochens conform, und wird l\u00e4ngs des unteren Augr nh\u00f6hlenrandes an die Wange angedr\u00fcckt. Der hintere Theil der \u00e4usseren Glaswand (bei ef) liegt flach auf dem vorderen Theile der Schl\u00e4fengegend auf, indem der Rand cf weiter nach r\u00fcckw\u00e4rts reicht als bh. Die Ausschnitte fh und gh erscheinen an dieser per-spectivischen Zeichnung in der Verk\u00fcrzung, und k\u00f6nnen daher richtig nicht ganz beurtheilt werden. Ich habe deshalb in Fig. 1 B die innere Wand in voller Ansicht gegeben, und in Fig. 2 eine Durchschnittszeichnung entworfen. Die punktirte Linie a\u00dfy\u00df'a' entspricht der Begrenzung des Durchschnittes des Gesichtes in der Entfernung unterhalb der beiden Augenh\u00f6hlen, in welcher der hintere Rand der unteren Fl\u00e4che des Apparates aufgesetzt wird. Der Vorsprung \u00dfy\u00df' in der Mitte ist der Querschnitt der Nase. Den bei den Wangenkr\u00fcmmungen a\u00df (rechts: und \u00ab' \u00df' links) m\u00fcssen nun die Ausschnitte hf und h' f entsprechen, hf ist der Wangenausschnitt des rechten, h'[' jener des linken Orthoskops. Die untere Wand sowohl des rechten als des linken Orthoskops liegt in der Durchschnittsebene, kann also in ihrer nat\u00fcrlichen Gestalt dargestellt werden. Ich habe beide W\u00e4nde so an den Durchschnitt des Gesichtes angezeichnet, wie sie sich beim Anlegen zum Gesichte verhalten. Man \u00fcbersieht nicht nur das Verh\u00e4ltniss der Gesichtsausschnitte zu ihren Gesichtsh\u00e4lften, sondern auch zu einander.","page":102}],"identifier":"lit16155","issued":"1879","language":"de","pages":"87-102","startpages":"87","title":"Ueber das Orthoskop: Eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und kranken Auges","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:28:58.487768+00:00"}

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