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{"created":"2022-01-31T16:14:06.581426+00:00","id":"lit16156","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 103-113. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0103.txt","language":"de","ocr_de":"VIII.\nlieber einen eigent\u00fcmlichen Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache des Menschen,\n[Zeitsehr. f. wissensch. Zoologie etc. 1831. Bd. HI. S. 27.]\nHierzu Tafel 8.\nDie Sammlung des physiologischen Institutes zu Breslau besitzt 1 den Sch\u00e4del eines jugendlichen Individuums, w elcher folgende bemerkenswerthe Missbildung zeigt.\nin dem Winkel, wo das Keil-, Sieb- und Stirnbein gew\u00f6hnlich zusammenzustossen pflegen, findet sich an demselben \u2014 sowohl auf der rechten als auf der linken Seite \u2014 ein ansehnlicher Schaltknochen eingelagert, dessen obere Fl\u00e4che gegen - die Sch\u00e4delh\u00f6hle, dessen untere in die Augenh\u00f6hle sieht. Der Schaltknochen stellt beiderseits ein dreieckiges Bl\u00e4ttchen von nicht sehr regelm\u00e4ssigen Contouren dar und grenzt nach hinten an das Keilbein, nach innen an das Siebbein, und nach vorn und aussen an den horizontalen Theil des Stirnbeins.\nIn Fig. 1 .1 sind beide Schaltknochen, von der Sch\u00e4delh\u00f6hle aus, in ihrer nat\u00fcrlichen Lage, Verbindung und Gr\u00f6sse abgebildet; das Os ethmoidale ist entfernt, die Incisura ethmoidal is, von hinten durch das Keilbein geschlossen, pr\u00e4sentirt sich als ein grosses, l\u00e4nglich viereckiges Loch.\nFig. 2 A giebt eine Ansicht der Schaltknochen von unten. Das Siebbein und s\u00e4mmtliche Gesichtsknochen sind weggenommen.\nBei der Ansicht von oben Fig. 1 A tritt ein ganz eigent\u00fcmliches Verh\u00e4ltniss der Schaltknochen zu den kleinen Fl\u00fcgeln des Keilbeins, welche auf einer fast embryonalen Entwicklungsstufe stehend, ganz rudiment\u00e4r angedeutet sind und erst durch Anlagerung der nach aussen gerichteten langen Forts\u00e4tze der Schaltknochen zur normalen L\u00e4nge erg\u00e4nzt werden, hervor, auf das wir sp\u00e4ter noch einmal zur\u00fcckkommen.","page":103},{"file":"p0104.txt","language":"de","ocr_de":"104 Ueb. einen eigenth. Sclialtknoehen im \u00c4ugenh\u00fchlendache d. Menschen.\nDurcli die Vergleichung der beiden Darstellungen (Fig. 1 A und Fig.2 A ergiebt sich, dass die Augenh\u00f6hlenfl\u00e4che der Schaltknochen weit kleiner ist als ihre Sch\u00e4delh\u00f6hlenfl\u00e4che. Der Grund dieses Verh\u00e4ltnisses wird bei n\u00e4herer Betrachtung der isolirten Schaltknochen und ihrer Verbindungsweise mit dem Nachbarknochen leicht erkannt; und imruht darauf, dass sich die Schaltknochen nach vorn und nach aussen einige Millimeter weit \u00fcber den horizontalen Theil des Stirnbeins \u2014 \u00e4hnlich wie die Schuppe des Schlafbeins \u00fcber den unteren Rand des Parietalknochens \u2014 her\u00fcberschieben.\nFig. 2 fl stellt den isolirten Schaltknochen der linken Seite, von unten gesehen dar. Der ganze breite Saum zwischen a, b. c. d. c und /\u2019, (j. e dient zur schuppennahtartigen Verbindung mit dem Stirnbein und liegt deckend auf dem horizontalen Theil desselben auf. Die Augenh\u00f6hlenfl\u00e4che ist um diesen ganzen Saum kleiner als die der Sch\u00e4delh\u00f6hle zugewendete Fl\u00e4che des Schaltknochens.\nBei a und b hat der Saum einige scbarfvorspringende Erh\u00f6hungen, welche in entsprechende Unebenheiten des Stirnbeins passen, und die Verbindung inniger machen.\nNahezu in der Mitte des Schaltknochens befindet sich eine ovale L\u00fccke bei g). welche, wenn Alles in situ et nexu naturali ist, durch einen Theil der Pars horisontalis des Stirnbeins bis auf eine kleine Spalte von unten her verschlossen wird.\nEbenso wie der linke verh\u00e4lt sich auch der rechte Schaltknochen Fig 2 C zum horizontalen Theil des Stirnbeins, welchen er mit dem breiten, bei b gez\u00e4hnelten Rande zwischen a b c d e und \u00ab /' e deckt und hierdurch gleichfalls eine Vergr\u00f6sserung seiner Sch\u00e4delh\u00f6hlenfl\u00e4che setzt.\nNach hinten stossen die Schaltknochen an die kleinen Fl\u00fcgel des Keilbeins und verbinden sich mit denselben tlieils durch wahre N\u00e4hte, theils durch blosse Anlagerung, indem die innere H\u00e4lfte links h e, rechts g e) des hintern Randes rechts g d, links h d), der zur Verbindung mit den Processus ensiformes dient, unregelm\u00e4ssig ausgezackt und gez\u00e4lmelt ist, w\u00e4hrend die \u00e4ussere H\u00e4lfte (e d) glatt und scharf ausgeschnitten erscheint.\nDie Enden der kleinen Keilbeinfl\u00fcgel passen und senken sich in diese glatten Ausschnitte am hintern Rande der Schaltknochen so vollst\u00e4ndig ein. und die hintere Contour der ersteren geht so ganz ohne Unterbrechung in jene des freien, nach aussen gerichteten Fortsatzes der letzteren \u00fcber, dass diese freien Forts\u00e4tze der Schaltknochen f\u00fcr die blos zuf\u00e4llig losgetrennten Endst\u00fccke der Alae parvae imponiren, und dass auf den ersten Blick die Vermuthung rege wird, es seien die","page":104},{"file":"p0105.txt","language":"de","ocr_de":"Ueb. einen eigenth. Schaltknochen im Augenh\u00fchlendache d Menschen. 105\nSchaltknoclien wenigstens zum Tlieil aus d e in s e 1 b e n Bildungsmaterial entstanden, aus dem sonst die normal gebildeten Alae parvae erwachsen.\nDie Ber\u00fchrungspunkte der Schaltknochen mit ihrem dritten Nachbarknochen, dem Siebbein, sind am wenigsten zahlreich. Der Sclialt-knoclien der rechten Seite erreicht das Siebbein blos durch einen kleinen, nach unten und hinten gekr\u00fcmmten Fortsatz (a h) und tr\u00e4gt zur Begrenzung der Incisura ethmoidalis nur sehr wenig bei. Der linke Schaltknoclien stellt durch einen \u00e4hnlichen Fortsatz f i) und einige wenige Punkte seines inneren Randes, der sich nach vorn und innen \u00fcber den horizontalen Tlieil des Stirnbeins vorschiebt, mit dem Siebbein in Verbindung: sein Antheil an der Begrenzung der Incisura ethmoidalis ist jedoch weit gr\u00f6sser, als der des rechten Schaltknochens, und betr\u00e4gt fast die H\u00e4lfte des linken Randes der Incisur.\nDurch den gekr\u00fcmmten Fortsatz, welchen die Schaltknochen nach ab- und r\u00fcckw\u00e4rts schicken, entsteht an ihrem innern Rande je ein kleiner, rundlicher Ausschnitt, der durch die Anlagerung des Keilheins von hinten und des Siebbeins von unten zu einem Loche \u2014 dem Foramen ethmoidale poslicum \u2014 geschlossen wird.\nDie eben beschriebene Missbildung, welche mein Interesse bez\u00fcglich ihrer Erkl\u00e4rung durch die Entwickelungsgeschichte der betreffenden Sch\u00e4delgegend und bez\u00fcglich der Lehre von den Schaltknoclien \u00fcberhaupt lebhaft in Anspruch nahm, veranlasste mich, \u00fcber die H\u00e4ufigkeit ihres Vorkommens Nachforschungen anzustellen. Das anatomische Museum und die Sammlung des physiologischen Institutes in Breslau, deren Benutzung mir durch die Cfiite der Herren Professoren Purkine und Baricow auf die liberalste Weise gestattet wurde, boten dazu Material genug.\nUnter mehreren hundert Sch\u00e4deln, die ich untersuchte, fanden sich nebst dem schon beschriebenen Falle nur noch 5 vor, an welchen die Schaltknoclien, obschon von geringerer Gr\u00f6sse, vorhanden waren.1) Ich lasse die specielle Beschreibung derselben folgen.\n2 Sch\u00e4del eines Erwachsenen. Die Schaltknoclien sind auf beiden Seiten zugegen.\nDer linke Schaltknoclien besteht aus zwei getrennten Pl\u00e4ttchen, einem gr\u00f6sseren, nach innen gelegenen und einem kleineren, nach\n1 Ich habe seither Gelegenheit gehabt, mehrere anatomische Museen, unter andern das in W\u00fcrzburg', zu durchsuchen, fand jedoch in keinem derselben Sch\u00e4del mit diesem Schaltknoclien, so dass ich annehmen muss, dass sie nicht allzu h\u00e4ufig Vorkommen.","page":105},{"file":"p0106.txt","language":"de","ocr_de":"] 06 Ueb einen eigenth. Schaltknoclien im Augenh\u00f6hlendache d. Menschen.\naussen gelagerten, welche beide zusammengenommen und als eins betrachtet, beinahe die Gestalt eines Kreissegmentes haben.\nDie Sehne des Kreissegmentes ist nach hinten gerichtet und grenzt an das Keilbein ; das halbkreisf\u00f6rmige St\u00fcck der Peripherie sieht hingegen nach vorn und st\u00f6sst an das Siebbein und die Pars horizontalis des Stirnbeins.\nDer Schaltknochen der rechten Seite stimmt in Gestalt, Lage und Begrenzung mit dem der linken Seite ganz \u00fcberein ; nur ist er etwas kleiner und nicht in zwei ungleich grosse Pl\u00e4ttchen getrennt, sondern einfach.\nDie L\u00e4nge der Schaltknochen betr\u00e4gt beiderseits 0,9 cm., die Breite links 1,5 cm, rechts 1,2 cm.\nEin weiterer Unterschied zwischen beiden Schaltknoclien findet ncch darin statt, dass der rechte einen geringeren Antheil an der Begrenzung des Foramen ethmoidale posticum hat, als der linke.\nDas Foramen ethm. post, auf der rechten Seite wird n\u00e4mlich durch drei Knochen, gerade so wie in dem oben beschriebenen Falle, gebildet, w\u00e4hrend das Foramen ethm. post, der linken Seite durch den Zusammentritt nur zweier Knochen zu Stande kommt, indem das gr\u00f6ssere, nach einw\u00e4rts gelegene St\u00fcck des Schaltknochens dieser Seite von dem inneren Bande einen langen, gekr\u00fcmmten Fortsatz nach unten und hinten schickt, welcher unmittelbar an das Keilbein st\u00f6sst und auf diese Weise den oberen Band der Papierplatte des Siebbeins von der Begrenzung des Foramen ethm. post, g\u00e4nzlich ausschliesst.\nDie Verbindung der Schaltknoclien mit dem Keil- und Siebbein wird beiderseits durch mehr oder weniger ausgesprochene wahre N\u00e4hte vermittelt; die Verbindung mit dem horizontalen Tlieil des Stirnbeins ist hingegen schuppennahtartig und kommt dadurch zu Stande, dass sich die Schaltknoclien unter die Pars horizontalis nach vorn verl\u00e4ngern und nicht wie im obigen Falle \u00fcber dieselbe her\u00fcberschieben.\nDie Augenh\u00f6hlenfl\u00e4che der Schaltknoclien ist demnach etwas gr\u00f6sser als die Sch\u00e4delh\u00f6hlenfl\u00e4che.\n3) Sch\u00e4del eines Erwachsenen. Die Schaltknoclien sind auf beiden Seiten vorhanden und entsprechen in ihren anatomischen Verh\u00e4ltnissen fast vollkommen jenen des unter 1 beschriebenen Falles.\nBemerkenswerth und etwas abweichend ist jedoch die Beziehung des linken Schaltknochens zum Foramen eth. post., welches mit Ausschluss aller \u00fcbrigen Knochen einzig und allein von ihm begrenzt und gebildet wird. Von der Augenh\u00f6hle aus gemessen betr\u00e4gt die L\u00e4nge sowohl als die gr\u00f6sste Breite dieses Schaltknochens 1,3 cm.\n4'i Sch\u00e4del eines Erwachsenen. Bios auf der linken Seite ist in","page":106},{"file":"p0107.txt","language":"de","ocr_de":"Ueb. einen eigentli. Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache d. Menschen. 1 07\ndem Winkel zwischen dem Keil-, Sieh- und Stirnhein ein 1,3 cm langer und 1,1 cm breiter, unregelm\u00e4ssig gestalteter Schaltknochen eingelagert.\nSeine Augenh\u00f6hlenfl\u00e4che hat ganz andere Umrisse als die Sch\u00e4delh\u00f6hlenfl\u00e4che.\nYon seinem innern Rande geht ein kurzer, ziemlich starker Fortsatz nach abw\u00e4rts, welcher sich an den ohern Rand der Papierplatte des Siehbeins anlegt und an seiner Ursprungsstelle durch einen vorderen und einen hinteren halbkreisf\u00f6rmigen Ausschnitt verengt ist. Der vordere Ausschnitt wird durch einen \u00e4hnlichen Ausschnitt am Rande der Papierplatte mit Ausschluss des Stirnbeins zu einem Foramen ethmoidale medium geschlossen, w\u00e4hrend der hintere durch den Hinzutritt des Sieh- und Keilheins zum eigentlichen Foramen ethmoidale posticum umgewandelt wird.\n5 ; Sch\u00e4del eines jugendlichen Individuums. Der Schaltknochen findet sicli nur auf der rechten Seite. Er ist dick aufgetrieben und spongi\u00f6s, wie s\u00e4mmtliche Knochen der vorderen Region der Sch\u00e4delbasis, seine untere Fl\u00e4che hat die Gestalt eines in die Quere gezogenen Vierecks mit abgerundeten Winkeln ; seine obere, gr\u00f6ssere Fl\u00e4che ist nach vorn durch eine wellige Contour halbkreisf\u00f6rmig abgerundet, nach hinten quer ahgestutzt. In der Mitte seines hintern Randes befindet sieh eine einspringende Spalte, welche in Folge der Anlagerung des Processus ensiformis des Keilheins ein schr\u00e4g von unten und aussen nach innen und oben verlaufendes Kan\u00e4lchen darstellt.\nDas Foramen ethm. post, ist eine grosse, unregelm\u00e4ssige Spalte, welche nach vorn durch einen vom innern Rande des Schaltknochens nach unten absteigenden, gekr\u00fcmmten Fortsatz, nach hinten durch das Keilbein und nach unten durch das Siebbein begrenzt wird.\nDer Schaltknochen steht, wie alle schon beschriebenen, mit dem Keil-, Sieh-, und Stirnbein in Verbindung. Seine gr\u00f6sste L\u00e4nge betr\u00e4gt 2 cm, die gr\u00f6sste Breite 2,3 cm und die Dicke 0,5 cm.\n6) Sch\u00e4del eines Erwachsenen. Auf der linken Seite ist ein Schaltknochen vorhanden. Seine Gestalt ist l\u00e4nglich viereckig; er hat eine L\u00e4nge von 1,1 cm, eine Breite von 0,7 cm und ist mit seinem gr\u00f6ssten Durchmesser schr\u00e4g von innen und hinten nach vorn und aussen gelagert. Das Keil-, Sieh- und Stirnbein sind seine Nachbarknochen ; unter das erstere schiebt er sich einige Millimeter weit herunter und sieht durch eine L\u00fccke desselben hervor ; er bildet auch mit den beiden letzteren keine wahren N\u00e4hte.\nDas Foramen ethm. post, ist nach oben durch den Schaltknochen, nach unten durch das Siebbein, nach hinten durch das Keilbein he-","page":107},{"file":"p0108.txt","language":"de","ocr_de":"lOS Ueb. einen eigenth. Schaltknochen im Angenh\u00fchlendache d. Menschen.\ngrenzt. Der Schaltknochen deckt n\u00e4mlich einen Ansschnitt im oberu Rande der Papierplatte des Siebbeins und ist an seinem innern Rande ganz flach und eben.\nAus dem bisher Mitgetheilten geht hervor, dass im Augenh\u00f6hlendache des Menschen ein eigenth\u00fcmlicher Schaltknochen, \u2014 obschon nicht allzuh\u00e4ufig \u2014 vorkomme. welcher sowohl paarig, als unpaarig, d. h. auf beiden Seiten, oder nur auf der rechten oder der linken Seite zugegen sein kann.\nIn drei F\u00e4llen habe ich ihn paarig gefunden, in zwei F\u00e4llen nur auf der linken. in einem nur auf der rechten Seite. Es ist auffallend, dass in den drei erstgenannten F\u00e4llen der Schaltknochen der linken Seite von bedeutenderer Entwicklung war, als der der rechten Seite.\nWerfen wir einen vergleichenden Blick auf s\u00e4mmtliclie oben beschriebene Schaltknochen, so sind als charakteristische, ihnen allen zukommende anatomische Verh\u00e4ltnisse besonders hervorzuheben :\n1\tihre Einlagerung zwischen das Keil-. Sieb- und Stirnbein, mit welchem letzteren sie sich durch eine mehr oder weniger ausgesprochene Schuppennaht verbinden:\n2\tihr Antheil an der Bildung der oberen Wand der Augenh\u00f6hle und des Bodens der vordem Sch\u00e4delgrube : und\n3\tihre Beziehung zum Foramen ethmoidale posticum, an dessen Begrenzung sie einen wesentlichen, wiewohl nicht gleichgrossen Antheil nehmen. Das Foramen elhm. post., welches, beil\u00e4ufig gesagt, meist nicht ein Foramen , sondern ein CanaUs genannt zu werden verdiente . wird n\u00e4mlich gegen die Augenh\u00f6hle zu entweder durch den Schaltknochen allein, mit Ausschluss aller andern Knochen, begrenzt, oder durch den Schaltknochen und das Keilbein, oder endlich durch drei Knochen, das Keilbein , das Siebbein und den Schaltknochen.\nVerschiedenheiten zwischen den Schaltknochen finden sich bez\u00fcglich der Gr\u00f6sse, der Gestalt und der Verbindungsweise mit den Nachbarknochen.\nUm Uber die Bedeutung und Entstehung dieser Schaltknochen ins Klare zu kommen, ist es nothwendig. sich die fr\u00fcheren Entwicklungsphasen der vorderen Sch\u00e4delgegend. d. h. die embryonalen Verh\u00e4ltnisse des Keil-, Sieb- und Stirnbeins zu vergegenw\u00e4rtigen.\nVor allem muss festgestellt werden, dass von diesen drei Knochen das Keilbein und Siebbein im Embryo knorpelig pr\u00e4fonnirt, Theile des Knorpelsch\u00e4dels sind, w\u00e4hrend das Stirnbein nicht knorpelig vorgebildet ist und nicht zum Primordialcranium geh\u00f6rt. und dass somit der Schaltknochen nur entweder aus einem Theil des Knorpelsch\u00e4dels","page":108},{"file":"p0109.txt","language":"de","ocr_de":"Uel>. einen eigenth. Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache d. Menschen. 109\njener Region oder aus dem Bildungsmaterial des Stirnbeins oder aber aus beiden zugleich entstanden sein kann. Der letzte Fall w\u00e4re ganz gut denkbar und h\u00e4tte in der Entwicklungsweise der Schuppe des Hinterhauptbeins, welche wie bekannt zum Theil aus Knorpel, zum Theil nicht aus Knorpel, wenigstens nicht aus wahrem Knorpel entsteht, ein Analogon.\nDas vordere Ende des Knorpelsch\u00e4dels, das sich durch Ossification zu dem Keilbein und Siebbein umwandelt, hat schon sehr fr\u00fch eine den aus ihm entstehenden Knochen ziemlich \u00e4hnliche Form und Gestalt. Eine Verschiedenheit zwischen den ausgebildeten Knochen und ihrer knorpeligen Grundlage liegt jedoch einmal in der verh\u00e4lt-nissm\u00e4ssig sehr bedeutenden L\u00e4nge der knorpeligen Alae parvae, und zweitens in dem Vorhandensein eines sp\u00e4ter verschwindenden. ziemlich breiten Knorpelstreifens, welcher, den Frontalplatten des Primor-dialcranimns der Thiere entsprechend, beiderseits von den seitlichen R\u00e4ndern der knorpeligen Lamina cribrosa entspringt und schr\u00e4g nach hinten und aussen \u00fcber die hintere und innere Partie des Augenh\u00f6hlendaches gegen die Mitte der Mae parvae zieht, mit diesen verschmilzt, und so die Veranlassung zur Bildung einer queren L\u00fccke das sogenannte Foramen sphenofron tale' giebt, welche nach innen durch den Ethmoidalknorpel begrenzt wird.\nHier wie in seiner ganzen \u00fcbrigen Ausdehnung ist der Knorpelsch\u00e4del von einem mehr oder weniger starken Perichondrium \u00fcberzogen und umkleidet, welches an bestimmten Punkten unmittelbar in das Periost der sogenannten Belegknochen \u00fcbergeht.\nDie Pars horizontalis des sich bildenden Stirnbeins schiebt sich, umkleidet von ihrem Periost, mit ihrem hinteren Rande unter jenem Knorpelstreifen \u2014 der Frontalplatte \u2014 bis gegen die Ala parva nach r\u00fcckw\u00e4rts und grenzt mit ihrem inneren Rande an den Ethmoidal-knorpel. Ueber das Verh\u00e4ltniss des Periosts und Perichondriums an dieser Stelle, wo das Stirnbein unter der Frontalplatte liegt, Hesse sich etwa folgende Anschauung aufstellen : man k\u00f6nnte annehmen, dass sich die obere Platte des Periosts des Stirnbeins zur Aufnahme der Frontalplatte in zwei Lamellen spalte, von denen die obere zum Perichondrium der oberen Fl\u00e4che der Frontalplatte wird, w\u00e4hrend die untere als trennende Lage zwischen Knorpel und werdendem Knochen sowohl Periost als Perichondrium ist.\nDie Frontalplatte und der unter derselben liegende Theil der Pars horizontalis des Stirnbeins entsprechen bez\u00fcglich ihrer Lage und ihres Verh\u00e4ltnisses zu den Nachbargebilden vollkommen der Lage und der Begrenzung des Schaltknochens : \u2014 sie sind das einzige gegebene","page":109},{"file":"p0110.txt","language":"de","ocr_de":"1 10 Ueb. einen eigenth. Sehaltknochen im Augenh\u00f6hlendaclie d. Menschen.\nBildungsmaterial, aus dem der Sehaltknochen m\u00f6glicherweise entstanden sein kann.\nWir wiederholen, was oben vorl\u00e4ufig \u00fcber die Qualit\u00e4t der Anlage, aus der sich der Sehaltknochen herausbilden kann, gesagt wurde, indem wir jetzt speciell die Tlieile bezeichnen :\n1\tDer Sehaltknochen ist entweder die in gr\u00f6sserer oder kleinerer Ausdehnung ossifieirte Frontalplatte oder\n2\teinlos getrenntes St\u00fcck der Pars horizontal is des Stirnbeins, oder endlich\n\u00e4 Beides zugleich.\nIm weiteren Verlauf der normalen Entwicklung des Sch\u00e4dels \u00e4ndert sich durch die Ossification und andere Vorg\u00e4nge manches embryonale Verh\u00e4ltniss, \u2014 so auch das vorhin beschriebene.\nDie Metamorphose, die mit und in den verschiedenen Partieen des Knorpelsch\u00e4dels vorgeht, ist, wie man annimmt, eine dreifache : der gr\u00f6sste Tlieil des Primordialcraniums ossificirt; ein kleiner Theil bleibt l\u00e4ngere Zeit die Knorpelscheibe zwischen dem K\u00f6rper des Keilbeins und dem K\u00f6rper des Hinterhauptbeins), oder f\u00fcr immer (Septum narium cart il. knorpelig; ein dritter Theil endlich hat blos eine vor\u00fcbergehende Bedeutung und verschwindet ganz und gar.\nDie Frontalplatten und die \u00e4ussersten Spitzen der Alae parvae geh\u00f6ren zu jenen Partieen des Knorpelsch\u00e4dels, welche sp\u00e4ter nicht mehr nachzuweisen sind, und von denen wohl angenommen werden muss, dass sie durch irgend einen Vorgang verschwinden. Der horizontale Theil des Stirnbeins ist somit sp\u00e4ter nicht mehr von der Frontalplatte bedeckt und tr\u00e4gt in seiner ganzen Ausdehnung zur Bildung des Bodens der vordem Sch\u00e4delgrube bei.\nDies der normale Fortbildungsproeess. Die Entstehung eines Schaltknochens ist immer etwas Abnormes und setzt einen eigenthixm-lichen Entwicklungsvorgang voraus ; so auch das Vorhandensein unsres Schaltknochens.\nUnter den vorliegenden Verh\u00e4ltnissen kann der normale Fortbildungsproeess in mehrfacher Beziehung ein anderer werden. Es l\u00e4sst sich n\u00e4mlich denken, dass abnormerweise Ossificationspunkte in die Frontalplatte niedergelegt werden \u2014 denn sie ist ebensogut knorpelig, als die \u00fcbrigen ossificirenden Tlieile des Primordialcraniums. Die ganz oder tlieilweise ossifieirte Frontalplatte w\u00fcrde dann, statt zu verschwinden, selbst\u00e4ndig auftreten, und es k\u00e4me nur au \u00a3 ihr Verh\u00e4ltniss zur Pars horizontal^ des Stirnbeins an, ob sie einen Sehaltknochen bilden oder zu dessen Entstehung beitragen k\u00f6nne. Wenn der ixnter","page":110},{"file":"p0111.txt","language":"de","ocr_de":"Ueb. einen eigenth. Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache d. Menschen. Hl\nder abnorm ossificirenden Frontalplatte liegende Theil der Pars hori-sontalis des Stirnbeins ans irgend einem Grunde nicht verkn\u00f6chert, so kann die Frontalplatte allein den Schaltknochen darstellen ; wenn sich die Pars horizontal is wie gew\u00f6hnlich entwickelt, so ist die M\u00f6glichkeit gegeben, dass die Frontalplatte entweder mit ihr vollst\u00e4ndig und spurlos verschmilzt was gar nicht so selten Vorkommen mag, nur ist es sp\u00e4ter nicht nachzuweisen) oder als eine Knochenschuppe persistirt : wenn endlich das St\u00fcck der Pars horizontales, welches von der ossifi-cirenden Frontalplatte bedeckt wird, ebenfalls verkn\u00f6chert, sich aber von dem Stirnbein als selbst\u00e4ndiges Pl\u00e4ttchen lostrennt und mit der Frontalplatte zu einem Knochen verschmilzt : so entsteht ein Schaltknochen, zu dessen Bildung die Frontalplatte sowohl als das Stirnbein beitragen.\nEs liesse sieb auch denken, dass die Frontalplatte wie gew\u00f6hnlich verschwindet, w\u00e4hrend sicli vom horizontalen Theil des Stirnbeins hingegen ein Sch\u00fcppchen lostrennt, das als selbst\u00e4ndiger Schaltknc-chen persistirt.\nDas Abnorme im Fortbildungsprocess, welches die Bedingung des Entstehens eines Schaltknochens ist, geht demnach hier entweder in der weiteren Entwicklung des Stirnbeins allein, oder der Frontalplatte allein, oder aber beider zugleich vor sich.\nDass die Frontalplatte in der That ossificiren k\u00f6nne, was schon a priori zugegeben werden darf, ergiebt sieh einmal daraus, dass die A lue parvae namentlich an der Stelle, wo sie mit ihr in Verbindung stehen, sehr wechselnde Umrisse haben, bald schm\u00e4ler, bald breiter sind, \u2014 und zweitens, dass an manchen Kindersch\u00e4deln, deren Frontalplatten entweder schon verschwunden, oder noch nachweisbar sind, zwischen den fibr\u00f6sen Lamellen, die dieselben fr\u00fcher einschlossen, oder in dem Knorpel selbst hier und da verschieden grosse Knochen-Sch\u00fcppchen und -Kerne gefunden werden.\nEs kommt nun darauf an, sich f\u00fcr einen der oben besprochenen abnormen Entwickelungsvorg\u00e4nge zu entscheiden, um \u00fcber die Bedeutung unsres Schaltknochens eine feste Anschauung zu gewinnen. Man darf hierbei aber nicht vergessen, dass in den sechs eingangs beschriebenen F\u00e4llen nur die Resultate abgelaufener Bildungsprocesse vorliegen, und dass somit keine directen Anhaltspunkte f\u00fcr das Urtheil gegeben sind, sondern ein mehr oder weniger pree\u00e4rer Schluss gewagt werden muss.\nDie einzigen Pr\u00e4missen zu diesem Schluss ergeben sich, meiner Ansicht nach, aus der Vergleichung der Schaltknochen mit den Fron-","page":111},{"file":"p0112.txt","language":"de","ocr_de":"] 1 2 Ueb. einen eigeuth. Schaltknochen im Angenh\u00f6hlemlache d. Menschen.\ntalplatten bez\u00fcglich der Form, Ausdehnung, Lage, Verbindungsweise und des Verh\u00e4ltnisses zu den Nachbargebilden.\nVon den sechs beschriebenen F\u00e4llen scheint mir nur der erste geeignet zur Entscheidung der Frage.\nBetrachtet man die in Fig. 1 A von der Sch\u00e4delh\u00f6hle aus in ihrer nat\u00fcrlichen Lage und Verbindung abgebildeten Schaltknochen, und vergegenw\u00e4rtigt sich zugleich die embryonalen anatomischen Verh\u00e4ltnisse dieser Sch\u00e4delgegend, \u2014 die von den Seitenr\u00e4ndern der knorpeligen Lamina cribrosa zu den knorpeligen, kleinen Keilbeinfl\u00fcgeln schr\u00e4g \u00fcber den horizontalen Theil des werdenden Stirnbeins her\u00fcberziehenden und mit ihnen verschmelzenden Frontalplatten, die vom \u00e4ussern Umfang des Foramen opticum aus gegen die freien Spitzen hin fortschreitend verkn\u00f6chernden Alae parvae u. s. w. \u2014, so wird man die frappante Uebereinstimmung der Schaltknochen mit der Frontalplatte in ihren anatomischen Verh\u00e4ltnissen wohl nicht leicht verkennen. Urei Punkte will ich noch besonders hervorheben : n\u00e4mlich die schuppennahtartige Verbindung der Schaltknochen mit dem Stirnbein, ihr Verh\u00e4ltniss zu den Alae parvae. und drittens den grossen Antheil des linken Schaltknochens an der Begrenzung der lncisura ethmoidalis.\nUic Verbindungsart der Schaltknochen mit dem horizontalen Theil des Stirnbeins stimmt vollkommen mit der Lage der Frontalplatte \u00fcber demselben \u00fcberein ; das Heranreichen des langen innern Randes des linken Schaltknochens bis an die Lamina cribrosa entspricht dem Urspr\u00fcnge der Frontalplatte von den Seiten des Ethmoidalknorpels ; das Verh\u00e4ltniss zu den Alae parvae endlich (siehe die Beschreibung beweist mit fast apodiktischer Gewissheit, dass Th eile des Knorpelsch\u00e4dels, und zwar die Spitzen der knorpeligen Alae parvae, mit zur Bildung der Schaltknochen verwendet wurden.\nNach dem Allen scheint es ziemlich fest zu stehen und mehr als wahrscheinlich zu sein, dass wenigstens der Theil der Schaltknochen, welcher in die Sch\u00e4delh\u00f6hle sieht, durch die Ossification und die weitere Entwickelung der Frontalplatten und der Enden der knorpeligen Alae parvae entstanden sei. Jedenfalls hat diese Anschauung die meisten Chancen. Minder wahrscheinlich ist es jedoch, dass auch der in die Augenh\u00f6hle sehende Theil der Schaltknochen als ossificirter Knorpel anzusehen sei, und es spricht namentlich der Umstand dagegen , dass sich gleich zu Anfang das werdende Stirnbein weit unter die Frontalplatte herunterschiebt. Annehmbarer scheint es mir, diesen Theil als ein losgetrenntes St\u00fcck der Pars horizontalis des Stirnbeins aufzufassen, welches von unten an die ossificirte Frontalplatte angewachsen ist.","page":112},{"file":"p0113.txt","language":"de","ocr_de":"Ueb. einen eigenth. Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache d. Menschen. 113\nHiermit haben wir uns f\u00fcr jenen abnormen Entwickelungsvorgang erkl\u00e4rt, welcher die Entstehung der Schaltknochen durch die Verkn\u00f6cherung eines Theiles des Knorpelsch\u00e4dels und Verwachsung desselben mit einem abgetrennten St\u00fcck des Stirnbeins bedingt.\nEs bliebe noch das Verschwinden des Foramen sphenofrontale zu motiviren. Ich vermuthe, dass sich der vordere und der hintere Rand dieser Spalte in Folge der fortschreitenden Ossification bis zur Ber\u00fchrung gen\u00e4hert haben (vielleicht auch theilweise verwachsen sind), und zu dem innern Tlieil der Naht zwischen dem Schaltknochen und dem Processus ensiformis, welche, wenn auch nicht ihrem Umrisse, doch ihrer Lage nach, dem For. sphenofrontale entspricht, verwandelt wurden, w\u00e4hrend das innere Ende des For. sphenofrontale offen blieb und nun das For. ethmoidale posticum darstellt.\nWas nun die in den \u00fcbrigen f\u00fcnf F\u00e4llen beschriebenen Schaltknochen betrifft, so sind sie zu wenig entwickelt, und ihr Verh\u00e4ltniss zu den Nachharknochen nicht genug ausgesprochen, als dass ihre Bedeutung mit einiger Sicherheit festgestellt werden k\u00f6nnte; dennoch d\u00fcrfte nach dem \u00fcber die ersten beiden Schaltknochen bemerkten die Meinung, dass auch sie theilweise der Ossification der Frontalplatte ihren Ursprung verdanken, einen festem Boden bekommen, ohschon sich \u00fcbrigens nicht viel dagegen einwenden Hesse, wenn man diese kleineren, minder entwickelten Schaltknochen hlos f\u00fcr abgetrennte Pl\u00e4ttchen des horizontalen Theils des Stirnbeins halten wollte.\nW \u00fc r z h u rg im Januar 1850.\nCzermak, Schriften.\nb","page":113}],"identifier":"lit16156","issued":"1879","language":"de","pages":"103-113","startpages":"103","title":"Ueber einen eigenth\u00fcmlichen Schaltknochen im Augenh\u00f6hlendache des Menschen","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:14:06.581432+00:00"}
