Open Access
{"created":"2022-01-31T16:16:19.337283+00:00","id":"lit16165","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 215-227. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0215.txt","language":"de","ocr_de":"XVII.\nUeber die Accommodationslinien\n(sammt Zusatz).\n/ ir<>/ier akadem. Sitzungsberichte 1834 u. 1833 (Physiologische Studien .] (Hierzu Fig. 1 u. 2 auf Tafel 11).\n[Mit dieser Nummer begimit die Wiedergabe einer gr\u00f6sseren Reihe von Abhandlungen aus dem Gebiete der Sinnesphysiologie, welche von J. N. Czermak in drei Heften unter dem Titel \u00bbPhysiologische Studien\u00ab in den B\u00e4nden XII, XV und XVII (Jahrg\u00e4nge 54 und 55) der Wiener Sitzungsberichte ver\u00f6ffentlicht wurden. Die chronologische Reihenfolge der Abhandlungen wurde zu Gunsten des Zusammenhanges in diesem Abdruck cinigermaassen ver\u00e4ndert, so sind vor Allem die in dem zweiten Hefte enthaltenen Zus\u00e4tze zu den Abhandlungen des ersten Heftes hier den einzelnen Abhandlungen selbst unmittelbar angef\u00fcgt. I\nVon den Accommodationslinien1 .\nMit der Zunahme der Entfernung eines leuchtenden Punktes von einer Collectiv-Linse oder einer solchen Linsen-Combination. nimmt die Gr\u00f6sse der Vereinigungsweite der von ihm ausgehenden Strahlen ab. und umgekehrt.\nJene Zunahme und diese Abnahme geschehen aber nicht in gleichem Verh\u00e4ltnisse. sondern es nehmen, l\u00e4sst man den leuchtenden Punkt sich stetig bis ins Unendliche von der Linse entfernen, die Vereini-\n1 Ueber diesen Gegenstand habe ich schon im Jahre 1850 in den \u00bbVerhandlungen der W\u00fcrzburger med.-physikalischen Gesellschaft\u00ab Bd. I, S. 184, eine kurze Mittheilung ver\u00f6ffentlicht. Wenn ich hier noch einmal und ausf\u00fchrlicher darauf zur\u00fcckkomme, so geschieht dies, weil meine erste Notiz fast ganz unber\u00fccksichtigt geblieben, und weil ich bei der vorliegenden Umarbeitung manche Verbesserung und Vermehrung anbringen konnte.","page":215},{"file":"p0216.txt","language":"de","ocr_de":"216\nlieber die Accommodationslinien.\ngungsweiten der Strahlen anfangs schneller ab als sp\u00e4ter, wenn der leuchtende Punkt schon weiter entfernt ist, so, dass die Differenz der Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen zweier in constanter Entfernung hinter einander gelegenen Punkte, eine verschiedene ist, je nachdem die beiden Punkte nahe oder entfernt sind.\nDie Differenz der Vereinigungsweiten ist um so gr\u00f6sser, je weniger, um so kleiner, jemehr diele lichtenden Punkte von dem dioptrischen Apparat entfernt sind. Es versteht sich ferner von selbst, dass die Differenz der Vereinigungsweiten auch mit der Entfernung der leuchtenden Punkte von einander w\u00e4chst, undabnimmt, wenndiePunkten\u00e4her aneinander r\u00fcck en.\nDiese Gesetze kann man leicht mit H\u00fclfe der Gleichung f\u00fcr die Linse durch Rechnung finden, und auch experimentell nachweiseu. Ich lasse die Berechnung folgen.\nDie bekannte elementare Gleichung f\u00fcr die Linse ist : \u2014 = 1\u2014 \u2014.\n\u00b0\ta p a\nHiernach haben wir die Differenz der Vereinigungsweiten a \u2014 \u00ab1), der Lichtstrahlen zweier leuchtenden Punkte \u2014 deren constante Entfernung von einander = n sei, f\u00fcr zwei F\u00e4lle zu berechnen.\nErstens f\u00fcr den Fall, wenn der n\u00e4here der beiden Punkte um a von der Linse entfernt ist, und\nzweitens, wenn der Abstand a auf ma gewachsen ist.\nIm ersteren Falle ist die Vereinigungsweite der Strahlen des n\u00e4heren Punktes a \u2014 \u2014 V des entfernteren Punktes aber cP \u2014 ln + >>]\na \u2014p1\ta -J- n \u2014 p\nalso die Differenz der Vereinigungsweiten \u00ab \u2014 \u00ab' = ap---- - + \u2014\na \u2014 p a + n \u2014 p\n\u2014 _y *a + n \u2014 p) \u25a0 Wenn man 111111 \u2022 w\u00e4hrend die relative Distanz\nn der Objecte unver\u00e4ndert bleibt, die Entfernung a zunehmen l\u00e4sst, so nehmen die beiden Factoren des Nenners zu, der Bruch wird somit kleiner. F\u00fcr den zweiten Fall wird also die Differenz kleiner, was zu beweisen war.\nWenn a schon so gross ist, dass n und p dagegen vernachl\u00e4ssigt werden k\u00f6nnen, dann nimmt die Differenz der Vereinigungsweiten a \u2014 cP nahezu im quadratischen Verh\u00e4ltnisse der Entfernung \u00ab ab.\nDas zweite oben angef\u00fchrte Gesetz ist hiermit eigentlich schon best\u00e4tiget, da durch das Wachsen von n der Z\u00e4hler des Bruches im Verh\u00e4ltnisse zum Nenner mehr zunimmt, und der Bruch gr\u00f6sser wird, welcher die Differenz der Vereinigungsweiten bedeutet. Auch hier ergeben sich zwei F\u00e4lle.","page":216},{"file":"p0217.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Accommodationslinien.\n217\nEin Mal sind die lenchtenden Punkte um n von einander entfernt, das zweite Mal um s n , w\u00e4hrend der der Linse n\u00e4her gelegene Punkt seine Entfernung a von derselben unverr\u00fcckt beibeh\u00e4lt. Setzen wir die Differenz der Vereinigungsweiten im ersten Falle = /). im zweiten\n= d, so ist offenbar d > D ; indem von derselben Gr\u00f6sse \u2014- erst\na \u2014 p\neine gr\u00f6ssere, dann eine kleinere Gr\u00f6sse subtrahirt wurde. \u2014\nDie er\u00f6rterten Gesetze haben auch f\u00fcr den lichtbrechenden Apparat unseres Auges Geltung, und es ergeben sieh hieraus wichtige Folgerungen f\u00fcr die Lehre von dem Accommodationsverm\u00f6gen.\nDie Differenz der Vereinigungsweiten von Lichtstrahlen, welche von verschieden weit entfernten Punkten kerkommen, bedingt das Entstehen und caeteris paribus die Gr\u00f6sse der Zerstreuungskreise und somit auch den Grad der dioptrischen Undeutlichkeit der Bilder, indem nur jene Strahlen in einem Punkte auf der Fl\u00e4che der Retina sich vereinigen, die von einem Punkte des Objectes, das sich in der deutlichen Sehweite befindet, ausgehen, w\u00e4hrend die Vereinigungspunkte aller \u00fcbrigen Strahlen, die von n\u00e4heren oder ferneren Gegenst\u00e4nden kommen, entweder vor oder hinter der Retina liegen, und daher diese um so zerstreuter auf die Retina fallen m\u00fcssen, je weiter die Vereinigungspunkte in dieser oder in jener Richtung von der Netzhaut entfernt sind.\nBest\u00fcnden nun die inneren Ver\u00e4nderungen des Auges, welche die verschiedenen Accommodationszust\u00e4nde bedingen, in einer Idossen Vergr\u00f6sserung und Verkleinerung des Abstandes zwischen der hinteren Fl\u00e4che der Linse und der Retina, so w\u00fcrden offenbar die Unterschiede der Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen, welche von verschieden weit entfernten Gegenst\u00e4nden kommen, beimSeheninderN \u00e4 li e viel bedeutender, als beim Sehen in der Ferne aus-fallen m\u00fcssen.\nDa wir aber jetzt durch die sch\u00f6nen Untersuchungen von Crajier1 in Groningen und Helmholtz 2 in K\u00f6nigsberg mit Sicherheit wissen, dass die Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes durch die Ver\u00e4nderung des Kr\u00fcmmungshalbmessers der vorderen Fl\u00e4che der Linse hervorgebracht wird, so k\u00f6nnen wir obige Folgerung f\u00fcr das Sehen in der N\u00e4he und in der Ferne nicht sofort acceptiren.\nF\u00fcr jedweden Accommodationszustand haben die er\u00f6rterten Gesetze der Vereinigungsweiten freilich dieselbe Geltung, vergleichen\n' lief Accommodatievermogen der Oogen, physiologisch toegelicht door A. Cramer. Te Haarlem 1S53.\n2 Monatsbericht der Berliner Akademie. 1S53, Februar, S. 137.","page":217},{"file":"p0218.txt","language":"de","ocr_de":"21b\nlieber die Accommodationslinien.\nwir jedoch die Verh\u00e4ltnisse der Vereinigungsweiten hei zwei verschiedenen Accommodationszust\u00e4nden des Auges, so werden wir caeteris paribus verschiedene absolute und relative Zahlenwerthe linden. Denn da durch das Convexer werden der vorderen Fl\u00e4che der Linse beim Accommodiren f\u00fcr die N\u00e4he der lichtbrechende Apparat des Auges eine k\u00fcrzere Brennweite bekommt, so werden s\u00e4mmtliche Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen, welche von n\u00e4heren und ferneren Objecten kommen, und die Unterschiede derselben, in einem gewissen Verh\u00e4ltnisse, geringer ausfallen m\u00fcssen.\nEs w\u00e4re unter solchen Umst\u00e4nden sogar der Fall denkbar, dass durch das Accommodiren f\u00fcr die N\u00e4he, in Folge der Verkleinerung der Brennweite, die Vereinigungsweiten derart verk\u00fcrzt w\u00fcrden, dass die von n\u00e4heren Gegenst\u00e4nden kommenden Lichtstrahlen in Entfernungen vereinigt w\u00fcrden, deren Differenzen absolut geringer ausfielen, als die Unterschiede der Vereinigungsweiten von Lichtstrahlen, welche von entfernteren Objecten kommen, wenn das Auge durch Abplattung der vorderen Linsenfl\u00e4che und Vergr\u00f6sserung der Brennweite f\u00fcr die Ferne accommodirt ist. F\u00e4nde dieser extreme Fall f\u00fcr das Auge statt, so w\u00fcrde das deutliche Sehen in der N\u00e4he geringere Ver\u00e4nderungen noth wendig machen, als das Sehen in der Ferne. Da aber nach Listing\u2019s1; Berechnung das ganze Accommodations-Intervall, bei Augen von gr\u00f6sstem Anpassungsumfang, auf 3\u20144 mm anzunehmen ist, so kann der Unterschied der Brennweiten, welche den Accommodationszust\u00e4nden f\u00fcr die N\u00e4he und f\u00fcr die Ferne entsprechen, nicht in dem Grade bedeutend sein, um jenen extremen Fall f\u00fcr das Auge m\u00f6glich zu machen.\nDemnach ist es uns, trotz des neu entdeckten Adaptionselementes, doch erlaubt, die oben er\u00f6rterten Gesetze der Vereinigungsweiten und die Folgerungen aus denselben im Allgemeinen auf das Auge anzuwenden, was im Folgenden geschehen soll. Bevor ich weiter fortfahre, muss ich jedoch der Feinheit des Kaumsinnes des lichtempfindenden Theiles des Auges gedenken, denn dieses subjective Moment spielt in der Lehre vom deutlichen Sehen in verschiedenen Entfernungen und vom Accommodationsverm\u00f6gen eine wichtige Rolle, auf welche ich a. a. 0. bereits ausdr\u00fccklich aufmerksam gemacht habe.\nIch habe darauf hingewiesen, dass sich die Nothwendigkeit eines Adaptionsverm\u00f6gens gar nicht einsehen und beweisen l\u00e4sst, wenn man nicht neben den rein optischen Betrachtungen, auch der Sch\u00e4rfe der r\u00e4umlichen Wahrnehmung auf der Retina Rechnung tr\u00e4gt.\n1 Listing in Wagner's Handwb. IV. Bd. Art. Dioptrik des Auges.","page":218},{"file":"p0219.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Accommodationslinien.\n219\nDie optischen Argumente f\u00fcr die Nothwendigkeit des Accommo-dationsverm\u00f6gens haben n\u00e4mlich so lange kein Gewicht, so lange man nicht gezeigt hat, dass die Retina die, die Undeutlichkeit der Bilder bedingenden Zerstreuungskreise auch wirklich wahrzunehmen im Stande ist.\nDie Retina ist in der That im Stande, die Undeutlichkeit der Bilder, wie dieselbe mit optischer Nothwendigkeit entsteht, wahrzunehmen, doch da die Sch\u00e4rfe der Retina endlich ist, so werden Zerstreuungskreise, deren Durchmesser die Bildgr\u00f6sse der kleinsten noch wahrnehmbaren Objecte, welche nach Volkmann , Hueck und Listing auf die Sehwinkelgrenze von '/4 Bo-genminute f\u00fchren, und somit auch die durch dieselben bedingte Undeutlichkeit der Bilder nicht mehr wahrgenommen. Dies vorausgeschickt, ergibt sich zun\u00e4chst :\n1.\tdass Dringlichkeit und Gr\u00f6sse der inneren Ver\u00e4nderungen behufs der Accommodation in der N\u00e4he viel bedeutender sind, als beim Sehen in weiteren und weiteren Fernen.\nListing hat diesen Satz, a. a. O., S. 500, best\u00e4tigt und zugleich berechnet, dass das Auge f\u00fcr Objectweiten von oo bis 65 m keiner Accommodation bedarf, da die innerhalb dieser Breite entstehenden Zerstreuungskreise unter die Grenze des Sichtbaren fallen.\nAus denselben Pr\u00e4missen folgern wir ferner :\n2.\tdass das Auge niemals f\u00fcr einen Punkt, sondern immer f\u00fcr eine Reihe von hinter einander liegenden Punkten, d. i. f\u00fcr eine Linie accommodirt ist. Diese Linie nannte ich Accommodationsliuie, und f\u00fcge jetzt noch die genauere Bestimmung \u00bbim engeren Sinne\u00ab hinzu. Der Punkt dieser Accommodationslinie, f\u00fcr dessen Entfernung das Auge eigentlich optisch eingerichtet ist, heisst der Accommodationspunkt. Fr\u00fcher hatte ich diesen Punkt als den Hauptpunkt bezeichnet, glaubte aber, um nicht mit Listing\u2019s dioptrischen Terminologie zu collidiren, diesen Ausdruck mit dem vorhin gebrauchten vertauschen zu sollen.\nAlle in der Accommodationslinie i. e. S. liegenden Objecte werden zu gleicher Zeit mit derselben relativen Deutlichkeit gesehen. Die Objecte, welche diesseits oder jenseits der Accommodationslinie i. e. S. liegen, nehmen mit der Entfernung vom Accommodationspunkte an Undeutlichkeit zu.\nUm dieses Verk\u00e4ltniss graphisch auszudr\u00fccken, k\u00f6nnte man die als eine einfache Linie dargestellte Accommodationslinie i. e. S. an beiden Endpunkten in dem Maasse sich verbreitern oder in zwei diver-","page":219},{"file":"p0220.txt","language":"de","ocr_de":"220\nUeber die Accommodationslinien.\ngirende Linien aufl\u00fcsen lassen, als die Undeutlichkeit der Bilder der diesseits und jenseits der Accommodationslinie i. e. S. gelegenen Objecte Zunahme.\nEine solche graphische Darstellung des einem jeden Accommodationszustande entsprechenden, durch die endliche Sch\u00e4rfe der Retina einerseits, andererseits durch die optischen Gesetze bedingten Verh\u00e4ltnisses der Deutlichkeit einer unendlichen Reihe stetig hintereinander gelegener Objecte, nenne ich eine Accommodationslinie im weiteren Sinne.\nEs entspricht nat\u00fcrlich j edem Accommodationszustand eine besondere Accommodationslinie im weiteren Sinne, deren es daher f\u00fcr ein und dasselbe Auge unendlich viele und verschiedene geben wird. Verschiedene Individuen unterscheiden sich je nach der Beschaffenheit des optischen Apparates und der Sch\u00e4rfe der Gesichtswahrnehmung durch ihre Accommodationslinien.\nBei genauerer Ueberlegung kommen folgende Eigenschaften der Accommodationslinien zum Vorschein.\n1.\tDie Accommodationslinien i. e. S. sind nicht gleich lang, sondern nehmen mit der Entfernung des Accommodationspunktes vom Auge, unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden zu.\n2.\tDie Accommodationslinien sind um so sch\u00e4rfer begrenzt, je n\u00e4her der Accommodationspunkt dem Auge liegt.\n3.\tDer Accommodationspunkt liegt nicht in der Mitte der Accommodationslinie, sondern n\u00e4her dem, dem Auge zugewendeten Ende derselben.\n4.\tEndlich nimmt die Verbreiterung der Linie oder die Divergenz, welche, wie oben erw\u00e4hnt, das allm\u00e4hliche Undeutlichwerden der diesseits oder jenseits der Accommodationslinie gelegenen Objecte graphisch andeuten soll, an dem, dem Auge zugekehrten Ende weit rascher zu , als an dem abgekehrten Ende. Dies Verh\u00e4ltniss wird mit der gr\u00f6sseren Entfernung des Accommodationspunktes vom Auge weniger auffallend.\nSchliesslich erlaube ich mir eine Anzahl von Versuchen mitzu-theilen, welche durch die vorangeschickten theoretischen Betrachtungen ihre Erkl\u00e4rung finden, und die Richtigkeit meiner Lehre von den Accommodationslinien best\u00e4tigen.\na) Spannt man einen langen d\u00fcnnen Faden in der Verl\u00e4ngerung der optischen Axe des ge\u00f6ffneten Auges auf, so nimmt der Faden vollst\u00e4ndig das Bild einer Accommodationslinie i. w. S. an. Es erscheint in der Umgebung des fixirten 'Accommodations-) Punktes eine gr\u00f6s-","page":220},{"file":"p0221.txt","language":"de","ocr_de":"L'eber die Accommodationslinien.\n221\nsere oder kleinere Strecke des Fadens vollkommen deutlich, w\u00e4hrend die beiden Enden des Fadens verschwommen und wie aufgerollt aus-sehen. Jene deutliche Strecke des Fadens entspricht der Accommo-dationslinie i. e. S., und der oben aufgestellte Satz, dass das Auge nie f\u00fcr einen Punkt, sondern f\u00fcr eine Linie eingerichtet ist, wird hiermit best\u00e4tigt. L\u00e4sst man das Auge, durch Aenderung der Accommodationszust\u00e4nde, an dem Faden hin- und zur\u00fcckgehen, so wird man bemerken, wie jene deutliche Strecke (die Accommoda-tionslinie) dem vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts geschobenen Accommodations-puukte folgt, und zugleich an L\u00e4nge zunimmt und abnimmt, je nachdem der Accommodationspunkt von dem Auge entfernt, oder dem Auge gen\u00e4hert wird. Ferner wird man leicht beobachten k\u00f6nnen, dass je n\u00e4her der Accommodationspunkt dem Auge liegt, die Accommodations-linie i. e. S. auch um so sch\u00e4rfer begrenzt, d. h. der Uebergang zu der Undeutlichkeit der Endst\u00fccke des Fadens viel rascher und schroffer ist.\nEndlich kann dem Beobachter auch nicht entgehen, wie viel bedeutender die Undeutlichkeit des dem Auge zugekehrten Fadenendes f\u00fcr gleiche L\u00e4ngen zunimmt, als die des abgekehrten Fadenendes. Hierbei ergeben sich nach dem Grade der Sch\u00e4rfe der Betina und nach den Verh\u00e4ltnissen des optischen Apparates zahlreiche individuelle Verschiedenheiten.\nb Man mache auf eine Glasplatte einen Punkt mit Tinte oder Farbe, und halte dieselbe vor eine Druckschrift. Mit dem Auge n\u00e4here man sich der Platte so viel als m\u00f6glich, doch so, dass man den aufgetragenen Punkt noch vollkommen deutlich sehen kann. Bei der geringsten Aufmerksamkeit stellt sich nun heraus, dass, wenn der Punkt auf der Glasplatte deutlich gesehen wird, die dahintergelegene Druckschrift ganz undeutlich erscheint, und umgekehrt.\nEs h\u00e4ngt von der Willk\u00fcr ab, bald dieses, bald jenes Object klar und deutlich zu sehen. Dies ist, beil\u00e4ufig gesagt, der einfachste und schlagendste Beweis f\u00fcr die Existenz eines willk\u00fcrlichen Aceonnno-dationsVerm\u00f6gens. Beobachtet man w\u00e4hrend dieses Versuches noch etwas genauer, so wird man eine auf fallende Verschiedenheit in dem Grade der Undeutlichkeit jenes Objectes finden, f\u00fcr welches das Auge gerade nicht accommodirt ist, wenn man sich mit dem Auge von der Glasplatte entfernt, ohne jedoch an der Stellung derselben zu der Druckschrift das Mindeste zu \u00e4ndern. Je weiter sich nun das Auge von den Objecten, oder die'Objecte vom Auge entfernen, desto geringer wird die Undeutlichkeit des Gegenstandes, f\u00fcr welchen das Auge nicht accommodirt ist, bis endlich in einer bestimmten Entfernung , welche caeteris paribus mit der Gr\u00f6sse des Abstandes zwischen","page":221},{"file":"p0222.txt","language":"de","ocr_de":"222\nUeber die Accommodationslinien.\nden beiden Objecten hier der Glasplatte und der Druckschrift) w\u00e4chst, beide Gegenst\u00e4nde zu gleicher Zeit mit derselben relativen Deutlichkeit gesehen werden. Dies ist der experimentelle Nachweis, dass die beiden oben entwickelten Gesetze der Differenzen der Vereinigungsweiten, trotz der Ver\u00e4nderung des Kr\u00fcmmungshalbmessers der vorderen Linsenfl\u00e4che beim Accommediren f\u00fcr die N\u00e4he und Ferne, doch f\u00fcr unser Auge volle Geltung haben.\nBeim Sehen in der N\u00e4he gen\u00fcgt schon ein Abstand von wenigen Linien zwischen zwei hinter einander liegenden Objecten, um eine auffallende Differenz der Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen dieser Objecte zu setzen, und einen hohen Grad von Undeutlichkeit desjenigen Objectes zu bedingen, f\u00fcr welches das Auge nicht accommo-dirt ist ; w\u00e4hrend beim Sehen in der Ferne klafterweit aus einander gelegene Th\u00fcrrne noch mit derselben relativen Deutlichkeit erscheinen, mag man den n\u00e4heren und den ferneren derselben fixiren.\nBetragen die Entfernungen zwischen 65 m und oo, so h\u00f6rt mit dem Bed\u00fcrfnisse auch die M\u00f6glichkeit einer weitern Accommodation auf.\nHiermit ist auch der Satz experimentell erwiesen, dass die Dringlichkeit und Gr\u00f6sse der Accommodationsbewegungen beim Sehen in der N\u00e4he viel bedeutender sind, als beim Sehen in weiteren und weiteren Fernen.\nDiesen Satz, welchen ich schon a. a. 0. aufgestellt.habe, hat neulich Gramer in seiner angef\u00fchrten trefflichen Preisschrift \u00bb\u00fcber das Accommodationsverm\u00f6gen der Augen\u00ab, ohne au% meine fr\u00fchere Ver\u00f6ffentlichung R\u00fccksicht zu nehmen, best\u00e4tiget.\nc) Da in den eben mitgetheilten Versuchen alle Haupts\u00e4tze meiner Lehre von den Accommodationslinien experimentell nachgewiesen sind, so will ich es nur noch versuchen, zwei bestimmte Accom-modationslinien meines rechten Auges graphisch darzustellen.\nIch bediene mich zu diesem Zwecke des oft gebrauchten ScheinERschen Versuches und des Optometers, welches Hasner in der Prager Vierteljahrschrift, Bd. 32. beschrieben hat.\nIch befestigte in der rechten Augen\u00f6fifnung der an dem einen Ende des horizontalen Brettes des Optometers angebrachten Larve ein Kartenblatt, in welches zwei feine L\u00f6chelchen gestochen waren, und stellte auf das horizontale Brett in verschiedenen Entfernungen vom Kartenblatte N\u00e4hnadeln auf, welche die Spitzen frei nach oben kehrend, in kleinen Wachskl\u00f6tzchen staken.\nSah ich durch die L\u00f6chelchen des Kartenblattes auf die in gerader Linie hinter einander stehenden Nadeln, so sah ich dieselben je nach","page":222},{"file":"p0223.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Accommodationslinien.\n223\nihrer Entfernung und je nach dem festgehaltenen Aceommodations-zustande, in bekannter Weise einfach oder doppelt.\nIn dem einen Versuche war mein Auge f\u00fcr eine Entfernung von 7 Wiener Zoll accommodirt. Die in dieser Entfernung stehende Nadel erschien daher einfach. Die Nadel, welche 4\" entfernt war, erschien schon im Doppelbilde, ebenso die Nadel, welche 27\" entfernt war, mit dem bemerkenswerthen Unterschiede jedoch, dass der Abstand der Doppelbilder von einander im ersten Falle 3/4 Wiener Linien, im zweiten aber nur 3/8\"' betrug. Die Nadel von 10\" Entfernung, war hingegen mit fast derselben Deutlichkeit und einfach zu sehen, wie die 7\" weit entfernte Nadel, welche im Accommodationspunkte stand. Die Accommodationsliuie i. e. S. betr\u00e4gt also bei 3\".\nIm zweiten Versuche war das Auge f\u00fcr eine Entfernung von 13\" accommodirt. Eine daselbst aufgestellte Nadel erschien einfach und klar, aber auch noch bei 19\" Entfernung war dies der Fall. Die Accommodationslinie i. e. S. betrug hier schon 6\". Bei 27\" Entfernung erschien die Nadel zwar schon unzweifelhaft in Doppelbildern, allein der Abstand derselben war kaum mit Sicherheit zu messen. Erst in einer Entfernung von 844\" betrug die Distanz der Doppelbilder einer Dachrinne des gegen\u00fcber liegenden Hauses 1/2\"\u2019- Hingegen standen die Doppelbilder einer 7\u201d entfernten Nadel 2/;j\"' von einander ab.\nTragen wir nun die Entfernungen in verkleinertem Maassstabe als Abscissen auf eine gerade Linie, und verzeichnen die Abst\u00e4nde der Doppelbilder ohne dieselben auf einen kleineren Maassstab zu redu-ciren), als Ordinaten, so erhalten wir folgende zwei Curven Fig. 1 und 2 Taf. 11), deren Vergleichung eine abermalige Bekr\u00e4ftigung der Lehre von den Accommodationslinien ist.\nEs w\u00e4re w\u00fcnschenswerth, zahlreiche und genaue Messungen von Accommodationslinien zu besitzen, da dieselben \u00fcber die optischen Eigenschaften des lichtbrechenden Apparates der Augen, und \u00fcber die Sch\u00e4rfe der Ketina zugleich Aufschluss geben. Es w\u00fcrden sich individuelle Verschiedenheiten des Verh\u00e4ltnisses zwischen diesen beiden Momenten des Sehens ergeben, aus welchen sich ein normaler Mittelwerth dieses Verh\u00e4ltnisses gewinnen liesse.\nFreilich m\u00fcsste man eine bessere Messungsmethode anwenden, als die oben mitgetheilte, da dieselbe manche Schwierigkeit und Fehlerquelle bietet.\nIch hebe namentlich die Schwierigkeit heraus, eine Reihe von Nadeln so in einei^geraden Linie hinter einander aufzustellen, dass sich die entstehenden Doppelbilder nicht decken, und den Beschauer nicht verwirren. Da man nicht sicher ist, dass der Accommodations-","page":223},{"file":"p0224.txt","language":"de","ocr_de":"224\nUeber die Accominodationslinien.\nzustand, dessen Accommodationslinie man zu bestimmen sucht, genau derselbe bleibt. so kann man nicht eine Nadel nach der andern untersuchen , was sehr bequem w\u00e4re, sondern man muss immer wenigstens zwei Nadeln zu gleicher Zeit im Gesichtsfelde behalten: n\u00e4mlich : die Nadel, welche im Accommodationspunkte steht, und w\u00e4hrend des Versuches stets einfach und deutlich bleiben muss, und eine andere beliebig wo stehende Nadel, deren Doppelbild gemessen wird. Hiermit ist wohl diese Schwierigkeit gehoben. K\u00f6nnte die Fehlerquelle des Verfahrens so leicht vermieden werden, als diese Schwierigkeit gehoben wurde, dann k\u00f6nnte man sich bei dem oben angewendeten Verfahren beruhigen, allein dies ist nicht der Fall, denn als Fehlerquelle bezeichne ich vornehmlich die Wirkung der feinen L\u00f6chelchen des Kartenblattes, durch welche man schaut, auf den Accommoda-tionszustand und auf die Gr\u00f6sse der Netzhautbildchen.\nZusatz.\na Da nach Ar>. Fick's und Anderer Untersuchungen 1 der optische Apparat des Auges die in der verticalen und horizontalen*Ebene verlaufenden Strahlen niemals gleichzeitig auf der Retina zur Vereinigung bringt oder. anders ausgedr\u00fcckt. da der Accommodations-punkt f\u00fcr die verticale Ebene in einer andern Entfernung vom Auge liegt, als der f\u00fcr die horizontale: so muss man offenbar f\u00fcr jeden einzelnen Accommodationszustand verschiedene Accominodationslinien erhalten, je nachdem man die Strahlenbrechung in der horizontalen, in der verticalen oder in einer geneigten Ebene betrachtet.\nWollte man alle diese Verh\u00e4ltnisse in Einer Accommodationslinie ausdrLicken, so m\u00fcsste man derselben eine k\u00f6rperliche, nach den drei Dimensionen des Raumes ausgedehnte Gestalt geben, indem man die Ebene. in welcher die fl\u00e4chenf\u00f6rmige Accommodationslinie verzeichnet ist, um die Seliaxe ein Mal in Gedanken rotiren liesse.\nWenn die brechende Kraft des optischen Apparates in allen Richtungen genau dieselbe w\u00e4re oder wenn die Unregelm\u00e4ssigkeiten der brechenden Kraft keine wahrnehmbaren Unterschiede der Vereinigungsweiten setzen k\u00f6nnten, so w\u00fcrde die k\u00f6rperliche Accommodationslinie die Gestalt zweier d\u00fcnnen Kegel erhalten, deren\n! Zeitschrift f\u00fcr rationelle Medicin. Neue Folge, II, S. S3. \u2014 Vergleiche auch Sturm: Ueber die Theorie des Sehens. Poggexdorffs Annalen, Band LXY S. ll\u00fc und Fechner\u2019s Centralblatt f\u00fcr Nat. und Anthropologie. Nr. 5, S. 73. Jalirg. 1S53.","page":224},{"file":"p0225.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Aecommodationslmien.\n225\nBasen und Querschnitte kreisf\u00f6rmig und deren Spitzen durch eine Linie (Accommodationslinie i. e. S.) verbunden w\u00e4ren und von denen der Kegel, dessen Basis auf der Cornea steht, einen stumpferen Scheitelwinkel bes\u00e4sse, als jener dessen Basis vom Auge abgewendet ist.\nWenn hingegen die brechende Kraft unseres optischen Apparates, wie es nach A. Fick wirklich der Fall ist, in der verticalen Ebene eine andere w\u00e4re, als in der horizontalen und wenn diese beiden Extreme allm\u00e4hlich in einander \u00fcbergingen, dann w\u00fcrden die beiden Kegel der k\u00f6rperlichen Accommodationslinie elliptische Basen und Querschnitte bekommen, deren Durchmesser sich f\u00fcr jeden einzelnen Accommodationszustand und innerhalb einer und derselben Accommodationslinie in bestimmten Verh\u00e4ltnissen gesetzm\u00e4ssig \u00e4ndern m\u00fcssten.\nEine solche k\u00f6rperliche Accommodationslinie w\u00e4re der vollst\u00e4ndige Ausdruck der einem bestimmten Accommodationszustand entsprechenden, bei demselben Grade der Aufmerksamkeit, durch die Sch\u00e4rfe der Betina einerseits physiologisch), anderseits durch den optischen Apparat physikalisch) bedingten Verh\u00e4ltnisse der Deutlichkeit , mit welcher leuchtende in einer unendlichen Keilie hintereinander liegende Punkte wahrgenommen werden k\u00f6nnen.\nb Die Lehre von den Aecommodationslmien, welche ich in der vorstehenden Abhandlung nur in den allgemeinsten Grundlinien sldzzirt, und deren weitere Ausf\u00fchrung in Bezug auf die von A. Fick erkannten Eigenschaften des optischen Apparates ich durch den eben mitgetheilten Zusatz angedeutet habe, muss auch noch in Beziehung auf das in directe Sehen ausgef\u00fchrt werden, da bisher hiervon nicht ausdr\u00fccklich die Bede gewesen ist.\nEs ist bekannt, dass die Feinheit des Baumsinnes der Betina von dem Axenpuukte an nach der Peripherie hin in \u00fcberaus rascher Progression abnimmt. Diese Abnahme der Feinheit des Baumsinnes ist nun so bedeutend, dass die Zerstreuungskreise, welche in Folge unpassender oder unvollkommener Accommodation auftreten, nur f\u00fcr die um den Axenpunkt gelegene etwa 1, 2 [Pariser Linien im Durchmesser haltende Fl\u00e4che ') der Betina leicht wahrnehmbar und merklich st\u00f6rend sein k\u00f6nnen, w\u00e4hrend dieselben f\u00fcr den stumpferen peripherischen Tlieil der Betina immer bedeutungsloser werden und endlicli so gut wie g ar\"fri c h t Vorh\u00e4nde n sind.\nVon der Biehtigkeit des Gesagten kann man sich leicht \u00fcberzeugen, wenn man ein passendes Object indirect, d. h. vermittelst\n1 Vergl. E. II. Weber: \u00bbUeber den Raumsinn\u00ab, in den Berichten \u00fcber die Verliandl. derk\u00f6n. s\u00e4clis. Gesellschaft der Wissenseh. zu Leipzig. II, 1S53, S. 136.\nCzerraak, Schriften.\t15","page":225},{"file":"p0226.txt","language":"de","ocr_de":"226\nUeber die Aceommodationslinien.\neines mehr oder weniger weit von dem Axenpunkte entfernten Theiles der Retina fixirt und dabei den optischen Apparat des Auges f\u00fcr die verschiedensten Entfernungen einrichtet.\nMan findet dann von den Ver\u00e4nderungen, welche die verschiedenen Accommodationszust\u00e4nde die selbstverst\u00e4ndlich nicht ohne Einfluss auf die optische Sch\u00e4rfe und Reinheit des Netzhautbildchens bleiben k\u00f6nnen hinsichtlich der Deutlichkeit der Wahrnehmung des indirect gesehenen Objectes hervorbringen sollten, um so geringere Spuren, je n\u00e4her die afficirte Netzhautstelle an der Om serrata liegt.\nWenn kein Undeutlicherwerden des Details und der Umrisse des indirect gesehenen Gegenstandes mehr in unpassender Accommodation auftritt, dann nehme ich meistens noch ein Bl\u00e4sserwerden der fixirten Objecte wahr und erkl\u00e4re mir dasselbe haupts\u00e4chlich aus der geringeren Intensit\u00e4t zerstreuter Bilder. Beil\u00e4ufig sei bemerkt, dass wir hier in der Retina die F\u00e4higkeit geringe Licht-Intensit\u00e4tsunter-schiede wahrzunehmen mit einer sehr geringen Feinheit des Raumsinnes gepaart antreffen. Die Haut der Augenlider und der Wangen bietet hierzu ein Analogon in der Sph\u00e4re des Tastsinnes, indem dieselbe nach Weber\u2019s Untersuchungen einen relativ feineren Temperaturais Raumsinn besitzt. Ueber die Beschaffenheit der Accommodatious-linien f\u00fcr das indirecte Sehen m\u00f6gen folgende Andeutungen, welche sich aus den ber\u00fchrten Pr\u00e4missen ergeben, gen\u00fcge*?:\nMit der Abnahme der Feinheit des Raumsinnes, welche bedeutender und rascher in horizontaler als in verticaler Richtung stattfinden soll1 , w\u00e4chst die L\u00e4ng e und die Breite der Accommo-dationslinie i. e. S. wir haben hier die in einer Ebene verzeichnete Linie im Sinne, welche beil\u00e4ufig bemerkt niemals, auch nicht f\u00fcr das directe Sehen, eine mathematische Linie ist , bis es endlich keinen Unterschied mehr zwischen einer Accommodationslinie i. e. S. und i. w. S. gibt. Ferner m\u00fcssen die elliptischen Basen und Querschnitte der k\u00f6rperlichenAccommodationslinien allm\u00e4hlich in Kreise sich verwandeln und die beiden Kegel zu Einem Cylinder verschmelzen, indem die Verschiedenheit der Vereinigungsweiten der in der verticalen und in der horizontalen Ebene befindlichen Strahlen eben so wenig indirect wahrnehmbare Zerstreuungskreise zu setzen im Stande ist, als der Unterschied der Vereinigungsweiten von Strahlen leuchtender Punkte, die diesseits und jenseits des Accommo-\n1 Vergl. G. Meissner\u2019s wichtige \u00bbBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Sehorgans\u00ab. Leipzig 1854, S. 58.","page":226},{"file":"p0227.txt","language":"de","ocr_de":"Uebcr die Accommodationslinien.\n227\ndationspunktes liegen. F\u00fcr das indirecte Sehen wird die Dringlichkeit der Accommodations-Ver\u00e4nderungen behufs des m\u00f6glichst deutlichen Sehens und die Nothwendigkeit der Existenz eines sogenannten Accommodations-Verm\u00f6gens, wie die Accommodationslinien beweisen, immer geringer und endlich gleich Null. Ich habe schon in meiner ersten Mittheilung \u00fcber die Accommodationslinien (Verhandlungen der W\u00fcrzburger med.-physik. Gesell., Bandl, S. 184) daraufhingewiesen, dass sich die N o t h w e n d i gk ei t des Accommodations-Verm\u00f6gens gar nicht einsehen und beweisen l\u00e4sst, wenn man nicht neben den rein optischen Betrachtungen auch der Sch\u00e4rfe der r\u00e4umlichen Wahrnehmung auf der Retina Rechnung tr\u00e4gt. Die Betrachtung der Accommodationslinien f\u00fcr das indirecte Sehen liefert nun den schlagenden Beleg f\u00fcr die Richtigkeit dieser meiner Behauptung.\n15*","page":227}],"identifier":"lit16165","issued":"1879","language":"de","pages":"215-227","startpages":"215","title":"Ueber die Accomodationslinien (sammt Zusatz)","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:16:19.337289+00:00"}
