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Ueber die Wirkung punktförmiger Diaphragmen auf das Sehen (sammt Zusatz)

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{"created":"2022-01-31T14:21:41.492986+00:00","id":"lit16166","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 228-242. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0228.txt","language":"de","ocr_de":"XVIII.\nUeber die\nWirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen\n(sammt Zusatz).\n[Wiener akadem. Sitzungsberichte 4834 u. 1855 (Physiologische Studien).]\n(Hierzu Fig. 4, 4 auf Taf. 11, Fig. 5 auf Taf. 12, Fig. 1, 2, 5 auf Taf. 14 und\nFig. (i u. 7 auf Taf. 15 .\nBringt man ganz nahe vor (las Auge ein Kartenblatt oder ein St\u00fcck d\u00fcnnen Bleches, in welchem eine sehr feine, punktf\u00f6rmige Oeff-nung angebracht ist, so wird 1. ein nur sehr kleiner Theil der Lichtstrahlen, welche von den, vor dem \u00c4uge gelegenen Objecten herkom-men, durch die feine Oeffnung in das Auge gelangen, w\u00e4hrend der \u00fcbrige Theil der Strahlen durch den undurchsichtigen Schirm abgehalten wird, und 2. erleiden die durchgelassenen Strahlen eine Dispersion durch die Ablenkung, welche der Band der Oeffnung auf die an ihm vorbeistreichenden Strahlen aus\u00fcht.\nDie am Ende von Nr. XVII erw\u00e4hnten Wirkungen der feinen L\u00f6chelchen im Kartenblatte auf den Accommodationszustand und das Netzhautbild erkl\u00e4ren sich aus der Verkleinerung der in das Auge gelangenden Strahlenkegel und aus der Dispersion der Strahlen am Bande der Oeffnung. Im Folgenden soll diese Erkl\u00e4rung ausgef\u00fchrt werden, doch will ich vorher die zu betrachtenden Erscheinungen genauer angeben, welche man heim Sehen durch feine Oeffnungen wahrnimmt.\nA.\tBeim Sehen durch eine feine Oeffnung w\u00e4chst die Vereinigungsweite der Lichtstrahlen, das L\u00f6chelchen wirkt wie eine concave Brille oder Zerstreuungsglas.\nB.\tDie Undeutlichkeit der Bilder von Gegenst\u00e4nden, welche nicht in der Accommodationslinie i. e. S. liegen, wird sehr vermindert, wenn man durch ein feines L\u00f6chelchen sieht.","page":228},{"file":"p0229.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n229\nC. Accommodirt man f\u00fcr die Ferne, und richtet seine Aufmerksamkeit auf ein sehr nahes Object, oder n\u00e4hert ein Object dem Auge bis Uber den Nahepunkt, so dass das Auge nothwendig f\u00fcr einen entfernteren Punkt accommodirt ist, so erscheint dieses Object undeutlich, schiebt man nun ohne sonst etwas zu \u00e4ndern, ein durchstochenes Kartenblatt zwischen das Object und das Auge, und sieht dann durch das L\u00f6chelchen nach dem Object, so erscheint dasselbe relativ deutlich, zwar lichtschwach, aber vergr\u00f6ssert.\nO. Kehrt man die Bedingungen um, accommodirt man also f\u00fcr die N\u00e4he, und richtet die Aufmerksamkeit auf ein fernes Object, so wird dieses undeutlich erscheinen. Schiebt man nun wieder das Kartenblatt mit dem L\u00f6chelchen vor das Auge, so sieht man jenes Object mit relativer Deutlichkeit, aber verkleinert.\nJe n\u00e4her der Accommodationspunkt dem Auge liegt, desto auffallender tritt caeteris paribus die Verkleinerung des Bildes hervor. Wenn man, w\u00e4hrend das Auge durch das L\u00f6chelchen nach fernen Objecten sieht, abwechselnd f\u00fcr die N\u00e4he und dann f\u00fcr die Ferne accommodirt und s\u00e4mmtliche Accommodationszust\u00e4nde stetig durchl\u00e4uft, so bemerkt man, dass die gesehenen Objecte in Bewegung gerathen, sich dem Auge n\u00e4hern und von demselben sich entfernen.\nUnd zwar in dem Maasse, als sich der Accommodationspunkt dem Auge n\u00e4hert, verkleinern sich die fernen Objecte und weichen zugleich zur\u00fcck. R\u00fcckt man hingegen den Accommodationspunkt wieder nach seiner alten Stelle, oder gar noch weiter vom Auge ab, so scheinen die Objecte sich wieder dem Auge zu n\u00e4hern und gr\u00f6sser zu werden.\nEs giebt wohl noch mancherlei andere Erscheinungen, welche beim Sehen durch punktf\u00f6rmige Diaphragmen zu beobachten sind, allein ich beschr\u00e4nke mich auf die Besprechung der hervorgehobenen Thatsachen, da dieselben f\u00fcr uns von Wichtigkeit sind.\nAd A. Wenn die Zerstreuung des durch das L\u00f6chelchen tretenden Strahlenkegels auch nur unbedeutend ist, so ist dieselbe doch vorhanden, und muss eine, wenn auch unbedeutende Vergr\u00f6sserung der Vereinigungsweite der Lichtstrahlen bedingen, da die st\u00e4rker divergiren-den Strahlen des zerstreuten Lichtkegels von einem n\u00e4her gelegenen Punkte zu kommen scheinen, welchem, nach bekannten Gesetzen, eine gr\u00f6ssere Vereinigungsweite entspricht.\nDieser Umstand kann nicht ganz ohne Einfluss auf den Accommo-dationszustand bleiben, und es ergiebt sich hieraus, dass die Bestimmung der Accommodationsverli\u00e4ltnisse eines Auges, welches dabei durch ein feines L\u00f6chelchen sieht, nicht vollkommen richtig ausfallen kann.","page":229},{"file":"p0230.txt","language":"de","ocr_de":"230 Urtier die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\nAd B. Das auffallende Deutlicherwerden stark zerstreuter Bilder durch die Anwendung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen erkl\u00e4rt sich durch die bedeutende Verkleinerungder Zerstreuungskreise, von deren Gr\u00f6sse ja die Undeutlichkeit der Bilder haupts\u00e4chlich abh\u00e4ngt. Da das kleine L\u00f6chelchen nur den kleinsten Tlieil des einfallenden Strahlenkegels in das Auge gelangen l\u00e4sst, so kann unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden auch nur der kleinste Theil des Zerstreuungskreises \u00fcbrig bleiben. Wird nun auch durch die Dispersion der Strahlen, am Rande des L\u00f6chelchens, der Durchmesser der Zerstreuungskreise wieder etwas vergr\u00f6ssert, immer bleibt der gegenw\u00e4rtige Durchmesser der Zerstreuungskreise gegen den fr\u00fcheren, welchen dieselben ohne das punktf\u00f6rmige Diaphragma hatten und haben w\u00fcrden, noch bedeutend klein und das Bild daher relativ deutlich.\nEin mit einem durchl\u00f6cherten Kartenblatt armirtes Auge verl\u00e4ngert aus diesem Grunde alle seine Accommodationslinien i. e. S., und \u00e4ndert daher seine urspr\u00fcnglichen Accommodationsverh\u00e4ltnisse wesentlich.\nAd C. Die Gr\u00f6sse, in welcher wir einen Gegenstand sehen, h\u00e4ngt von mehreren Momenten ab, und ist keine unmittelbare Wahrnehmung. Unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden steht die gesehene Gr\u00f6gge des Objectes in geradem Verh\u00e4ltnisse zu der Gr\u00f6sse des Netzhautbildchens. Deshall) wollen wir zun\u00e4chst untersuchen, welche Dimensionen das Netzhautbildchen unter den oben vorausgesetzten Umst\u00e4nden haben wird.\nDas Auge ist f\u00fcr die Ferne accommodirt, die Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen, welche von nahen Objecten kommen, fallen somit hinter die Netzhaut. Steht der Gegenstand in der vorderen Focal-ebene, so sind die Vereinigungsweiten unendlich weit hinter der Retina gelegen, d. h. dann laufen die Strahlen der einzelnen Lichtkegel im Glask\u00f6rper parallel. Befindet sicli der Gegenstand zwischen dem vorderen Brennpunkt und der Oberfl\u00e4che der Cornea, so werden die Vereinigungsweiten negativ, d. h. es divergiren die im Glask\u00f6rper verlaufenden Strahlen der einzelnen Lichtkegel, und schneiden sieh virtuell in einem vor der Linse gelegenen Punkte. Das Bild des Objectes wird aus sehr grossen Zerstreuungskreisen zusammengesetzt, und muss daher sehr undeutlich erscheinen.\nDie Umrisse dieses zerstreuten Bildes haben aber viel gr\u00f6ssere Dimensionen als die Umrisse des entsprechenden Objectes. Denkt man sich nun das durchl\u00f6cherte Kartenblatt zwischen Object und Auge geschoben, so werden die Zerstreuungskreise auf ein Minimum redu-eirt, indem das Kartenblatt die gr\u00f6ssere Menge der Strahlen der ein-","page":230},{"file":"p0231.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen. 231\nzelnen Lichtkegel auff\u00e4ngt. Die Strahlen, welche durchgelassen werden, sind aber jene, welche sich in den \u00e4ussersten Lichtkegeln an dem Theile der Peripherie befinden, welcher zun\u00e4chst an der optischen Axe liegt.\nDas Object erscheint daher in einem relativ deutlichen und ver gr\u00f6sser ten Bilde, welches jedoch 1 i c h t s c h w a c h ist.\nIn Fig. 3 und 4 Taf. 11 ) soll diese schon von Henle gegebene Erkl\u00e4rung der Vergr\u00f6sserung versinnlicht werden; f\u00fcr die F\u00e4lle, wo der Gegenstand in oder vor der vorderen Focalebene steht. Henle hat in M\u00fcller\u2019s Physiologie, S. 340, die Construction f\u00fcr den Fall gegeben, wo das Object hinter der vorderen Focalebene liegt, und die Strahlen im Glask\u00f6rper divergirend verlaufen.\nNach dieser Construction, welche immer ein \u00e4hnliches Resultat giebt, wenn nur die Differenz zwischen den Entfernungen des Objectes und des Accommodationspunktes eine bedeutende Gr\u00f6sse erreicht, begreift man vollst\u00e4ndig die bedeutende Vergr\u00f6sserung des Bildes. Um aber eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Erkl\u00e4rung des Ph\u00e4nomens zu geben, m\u00fcssen wir noch auf ein subjectives Moment, welches hierbei th\u00e4tig ist, R\u00fccksicht nehmen. Ich meine die Sch\u00e4tzung der Gr\u00f6sse eines und desselben St\u00fcckes der Netzhaut, beim Sehen in der Ferne und der N\u00e4he. Bekanntlich erscheint uns dieselbe Stelle der Netzhaut beim Blick in die Ferne ungleich gr\u00f6sser, als sie uns erscheint, wenn wir das Auge f\u00fcr die N\u00e4he accommodiren. Hiervon kann man sich leicht \u00fcberzeugen, wenn man sich ein kr\u00e4ftiges Blendungsbild erzeugt, und dann bei geschlossenem oder offenen! Auge abwechselnd f\u00fcr die Ferne und f\u00fcr die N\u00e4he aceommodirt.\nDas Moment kommt nun bei der Vergr\u00f6sserung des Bildes in Betracht. Das Auge ist in unserem Versuche nach der Voraussetzung f\u00fcr die Ferne eingerichtet. Der dem Auge nahe ger\u00fcckte, durch das L\u00f6chelchen betrachtete Gegenstand m\u00fcsste uns also selbst in dem Falle, dass sein Retinabildchen dieselbe Gr\u00f6sse h\u00e4tte, oder gar um ein Bestimmtes kleiner geworden w\u00e4re, als es ist, wenn uns der Gegenstand in seiner nat\u00fcrlichen Gr\u00f6sse erscheint, noch ver grosse rt Vorkommen. Da nun aber unter den angegebenen Umst\u00e4nden das Retinabild \u00fcberdies aus optischen Gr\u00fcnden objectiv gr\u00f6sser ist, so muss uns die Vergr\u00f6sserung des Objectes um so bedeutender scheinen.\nVergr\u00f6ssert man k\u00fcnstlich die Brennweite des Auges, so tritt die Vergr\u00f6sserung, welche begreiflicher Weise unter gew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden nur f\u00fcr relativ nahe Objecte stattfinden kann, selbst f\u00fcr entferntere Gegenst\u00e4nde ein, wie folgender Versuch lehrt.","page":231},{"file":"p0232.txt","language":"de","ocr_de":"232 Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\nIch brachte das Auge unter Wasser, indem ich das von mir beschriebene Orthoskop (Nr. VII anwendete, und blickte durch die mehr als Zoll dicke, das Auge umsp\u00fclende Wasserschicht nach dem mehr als 4 Klaftern entfernten Fenster. Da das Auge, welches durch die Wasserschicht der optischen Wirkung der Cornea beraubt war, ungeheuer weitsichtig wurde, so konnte ich in dieser Entfernung Nichts deutlich wahrnehmen.\nBrachte ich nun aber ein durchbohrtes Kartenblatt vor das Auge, so erschien mir das Fenster zwar schattenhaft und sehr lichtschwach, aber ungemein vergr\u00f6ssert. und mit ziemlich scharfen Umrissen.\nAd D. In diesem Falle l\u00e4sst sich durch die Betrachtung der optischen Verh\u00e4ltnisse eine objective Verkleinerung des Retinabildchens, und zugleich der in demselben Sinne wirkende Einfluss des schon im vorigen Falle er\u00f6rterten subjectiven Momentes nachweisen, so dass die Erkl\u00e4rung des Ph\u00e4nomens keinem Zweifel unterliegt.\nDa das Auge f\u00fcr die N\u00e4he accommodirt ist, so muss das Bild eines entfernten Objectes vor die Netzhaut fallen vergl. Taf. 12, Fig. 5). Das L\u00f6chelchen des Kartenblattes, welches vor das Auge geschoben wird, bedingt auch hier durch Verkleinerung der Zerstreuungskreise eine gr\u00f6ssere Klarheit des Bildes, welches in dem Maasse sich verkleinert, als die Vereinigungsweiten der Lichtstrahlen, durch das Accommodiren f\u00fcr die N\u00e4he weiter vor die Retina fallen, indem dann die durchgelassenen Lichtstrahlen, welche von den \u00e4ussersten Punkten a und b des Objectes ausgehen, st\u00e4rker convergiren. Das Bild wird also in der That objectiv kleiner, und hierzu kommt noch die schon oben er\u00f6rterte Sch\u00e4tzung der Gr\u00f6sse des Retinabildchens, welche, da das Auge f\u00fcr die N\u00e4he accommodirt wird, das Bildchen noch kleiner erscheinen l\u00e4sst. Warum mit dem Kleinerwerden des Bildes der Gegenstand zugleich in der Dimension der Tiefe sich zu entfernen scheint, bin ich gen\u00fcgend zu erkl\u00e4ren nicht im Stande, glaube aber, dass, da eine stetige Verkleinerung des Sehwinkels, sowohl durch stetiges Verkleinern des Objectes, als durch stetiges Entfernen desselben hervorgebracht werden kann, der Verstand durch ein noch nicht n\u00e4her zu bezeichnendes Moment bestimmt wird, das Ph\u00e4nomen in der letzteren Weise auszudeuten und anzuschauen. Wir haben hier den merkw\u00fcrdigen Fall, dass eine stereoskopische Anschauung durch ein einziges Auge vermittelt wird.\nJe kleiner das L\u00f6chelchen ist, welches man bei den beschriebenen und erkl\u00e4rten Versuchen anwendet, desto licht\u00e4rmer und desto sch\u00e4rfer begrenzt wird das Retinabildchen erscheinen.\nWill man die objective Vergr\u00f6sserung des Retinabildchens im","page":232},{"file":"p0233.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n233\nerstein die Verkleinerung des Retinabildcliens im zweiten Falle auf einen m\u00f6glichst hohen Grad bringen, so muss man, abgesehen von dem schon oben erw\u00e4hnten Verh\u00e4ltnisse, zwischen der Entfernung des Accommodationspunktes und des Objectes noch die Stellung des durchbohrten Kartenblattes reguliren. Eine genauere Betrachtung der gegebenen Constructionen (Fig. 3, 4 und 5), wird zu der Einsicht f\u00fchren, dass die Oeffmmg des Kartenblattes an dem Punkte stehen muss, wo sich die Strahlen a c und b d kreuzen, wenn in beiden F\u00e4llen der gr\u00f6sste Werth erreicht werden soll, denn diese Strahlen sind es, welche den gew\u00fcnschten gr\u00f6ssten und kleinsten Umriss des Retinabildchens verzeichnen. Das Experiment best\u00e4tigt meine Angabe. N\u00e4hert man das durchbohrte Kartenblatt so weit als m\u00f6glich der Cornea, so kann man sicher sein, dass das L\u00f6chelchen nicht an dem von mir bezeiclmeten Platze, dem Durchkreuzungspunkte der Strahlen \u00ab c und b d stellt, und es zeigt der Versuch, dass die Vergr\u00f6sserung im ersten, die Verkleinerung im zweiten Falle bei weitem nicht so bedeutend ausf\u00e4llt, als wenn das Kartenblatt etwas von der Cornea abger\u00fcckt wird. Dies gilt besonders f\u00fcr den zweiten Fall, da der angegebene Durchkreuzungspunkt f\u00fcr Strahlen, die von entfernten Objecten kommen, viel weiter vom Auge abliegt als f\u00fcr Strahlen, die nahe Objecte aussenden.\nDie Ungenauigkeit des Verfahrens, welches wir oben zur Bestimmung der beiden Accommodationslinien Nr. XVII brauchten, leuchtet aus dem \u00fcber die Verkleinerung der Netzhautbildchen Gesagten von selbst ein.\nWie die geringe Gr\u00f6sse der Oeffnung der Pupille diese Versuche st\u00f6ren kann, ergiebt sich leicht aus der Betrachtung der mitgetheilten Constructionen.\nDie Beschattung des Auges durch das Kartenblatt ist der Erweiterung der Pupille und dem Gelingen der Versuche f\u00f6rderlich.\nZusatz.\na Ich habe oben die Beobachtung mitgetheilt, dass, wenn man durch ein feines L\u00f6chelchen entfernte Gegenst\u00e4nde fixirt und dabei f\u00fcr die N\u00e4he accommodirt, dieselben auffallend kleiner werden und zugleich in der Dimension der Tiefe deutlich zur\u00fcckweichen ; dann aber wieder gr\u00f6sser werdend hervortreten, wenn man f\u00fcr die Ferne accommodirt.\nDie Bedingungen des Kleinerwerdens der entfernten Gegenst\u00e4nde durch die Accommodation f\u00fcr die N\u00e4he glaube ich in obiger Abhandlung ersch\u00f6pfend er\u00f6rtert zu haben und weiss daher in dieser Bezieh-","page":233},{"file":"p0234.txt","language":"de","ocr_de":"234 Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\nung nichts hinzuzufiigen. Wenn ich trotzdem auf die mitgetheilte Beobachtung zur\u00fcckkomme, so geschieht dies, um durch die allseitige Er\u00f6rterung der Bedingungen des Versuches jenes Moment aufzufinden, welches den Verstand bestimmt, die stetige Verkleinerung der Bilder, welche sowohl durch allm\u00e4hliches sich Verkleinernder Objecte, als durch allm\u00e4hliches Entfernen derselben in der Dimension der Tiefe, hervorgebracht sein k\u00f6nnte, gerade nur in der letzteren Weise auszudeuten und anzuschauen. In der Ver-gr\u00f6sserung und Verkleinerung des Gesichtswinkels, unter welchem die Objecte erscheinen, kann man offenbar die Erkl\u00e4rung dieser Thatsachc nicht finden, denn man begriffe dann nicht, warum gerade die zweite und nicht vielmehr die erste M\u00f6glichkeit der Auffassung Wirklichkeit wird. Die Ver\u00e4nderung der Gr\u00f6sse des Gesichtswinkels bedingt an und f\u00fcr sich keine scheinbare Verr\u00fcckung der gesehenen Objecte in der Dimension der Tiefe. Erst wenn gewisse andere Momente hinzukommen oder wegfallen, erh\u00e4lt die Ver\u00e4nderung des Gesichtswinkels in der Anschauung eine bestimmte Deutung und bestimmten Werth. Unser Urtheil \u00fcber die Entfernung eines Gegenstandes in der Dimension der Tiefe, wird bekanntlich wesentlich durch den Convergenz-winkel der Sehaxen und durch den Zustand des Accommodations-apparates, ferner in zweiter Linie auch durch die relative Lichtst\u00e4rke und \u00bbvielleicht\u00ab durch die verschiedene Gr\u00f6sse der Zerstreuungskreise, unter welchen die Gegenst\u00e4nde erscheinen, bestimmt. ')\nWas die Art angelit, in welcher diese Momente unser Urtheil bestimmen, so gilt, unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden Folgendes.\nAd 1. Je st\u00e4rker die Augenaxen convergiren m\u00fcssen, um auf einem Gegenst\u00e4nde einzuschneiden, desto n\u00e4her erscheint uns derselbe und umgekehrt.\nAd 2. Die Gegenst\u00e4nde erscheinen uns um so n\u00e4her, je gr\u00f6sser die Anstrengungen sind welche die Muskeln des Einrichtungsapparates machen m\u00fcssen, um das Auge f\u00fcr divergirende Strahlen, d. h. f\u00fcr die M\u00e4he zu aecommodiren und das Bild deutlich zu entwerfen, und vice versa. Ich erinnere hier namentlich an die scheinbare Entfernung oder N\u00e4herung eines auf der Retina vorhandenen Blendungsbildes, je nachdem das Auge f\u00fcr die Ferne oder die N\u00e4he accommodirt wird.\nAd 3. Nach Ludwig gewinnt die Lichtst\u00e4rke nur \u00bbjenseits der deutlichen Seheweite und in Abst\u00e4nden, in welchen die Gegenst\u00e4nde mit fast parallelen Strahlen aufgefasst werden, Einfluss auf die\n1 Vgl. Ludwig: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 1853, Bd. I, S. 253.","page":234},{"file":"p0235.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n235\nSch\u00e4tzung der Entfernung, keinesfalls aber innerhalb der deutlichen Seheweite\u00ab. Dies scheint mir jedoch unrichtig zu sein, indem es dann unbegreiflich w\u00e4re, auf welche Art Maler auf der Leinwandfl\u00e4che durch Vertheilung von Licht und Schatten plastisch hervortretende Relieffiguren zu Stande bringen k\u00f6nnten u. s. w. Uebrigens hat Cramer einige Versuche angegeben, welche Ludwig\u2019s Behauptung widerlegen, indem sie beweisen, dass auch innerhalb der deutlichen Seheweite lichtstarkere Gegenst\u00e4nde n\u00e4her, lichtschw\u00e4chere entfernter zu stehen scheinen. Cramer1) fand n\u00e4mlich, dass die Projection einer stereometrischen Figur, welche man nach Necker\u2019s Bemerkung in doppelter Weise auffassen kann2) sich in einer bestimmten Weise der Vorstellung aufdringt, wenn der Theil der Figur, welcher hervortreten soll lichtst\u00e4rker {gezeichnet ist als der Theil, welcher zur\u00fccktreten soll.\n\u00bbMeer in het oogvallend, sagt Cramer 3), dat het meest lichtsterke zieh als het naastbij zijnde aan ons voordoet, zien wij dit nog aan het volgen Fig. 5, a, b (vergl. Fig. 5, Taf. 14), zij een k\u00f6rte glazencilin-der. Men kan nu bij deze figuur naar willekeur de opening a als de voorste en b als de achterste beschouwen, of ook wel omgekeerd b als de voorste opening \u2014 waar men inziet \u2014 aanmerken, en a als de achterste \u2014 waardoor men we\u00eaz uitziet.\nZoodra echter de cirkels ongelijk van lichtsterkte zijn, zoo als bij Fig. 6 en 7 (vergl. 6 und 7, Taf. 15), dringt zieh de lichte cirkelin onze voorstelling onwillekeurig als de voorste opening van den cilinder aan ons op, men kan bij Fig. 6 alleen tot de opening a in-en door de opening b uitzien, terwijl juist het omgekeerde met Fig. 7 plants heeft. \u00ab\nSo richtig im Ganzen Cramer\u2019s interessante Beobachtung ist, so geht derselbe doch entschieden zu weit, wenn er glaubt, dass man in Fig. 6 nur durch die Oeffnung a hinein, durch die Oeffnung b hinausschauen kann. Mir gelingt es wenigstens stets, nach Willk\u00fcr in Fig. 6 die Stellung des Glascylinders auch so aufzufassen, dass ich durch die Oeffnung b hinein, durch die Oeffnung a hinauszuschauen meine, ob-schon sich allerdings eine gr\u00f6ssere Anstrengung dabei f\u00fchlbar macht, als bei Betrachtung der Fig. 5. Diese Anstrengung r\u00fchrt offenbar daher , dass der lichtschw\u00e4chere Cirkel als der n\u00e4here, der lichtst\u00e4rkere\n1\tCramer: Bijdrage tot de Verklaring der zoogenaamde Irradiatie-Verschyn-selen. Nedert. Lancet, 1854; 3. Serie, 3. Jaarg.\n2\tEigentlich kann man sie in 3f\u00e2cher Weise: 1. als ebene Zeichnung, und dann noch in dopp e 11 er Weise als k\u00f6rperliche Figur auffassen.\n3\tA. a. O. S. 17.","page":235},{"file":"p0236.txt","language":"de","ocr_de":"236 lieber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\naber, als der entferntere aufgefasst werden soll. Denn beschaut man Fig. 6 und 7 ganz unbefangen, so wird sich einem die von C\u00e7amek angegebene Auffassung immer von selbst aufdringen, woraus eiten der Einfluss der relativen Lichtst\u00e4rke auf die Sch\u00e4tzung der Entfernung auch innerhalb der deutlichen Sehweite ersichtlich wird : und dieser Einfluss muss im Falle, dass der lichtschw\u00e4chere Cirkel als der n\u00e4here aufgefasst werden soll, \u00fcberwunden werden.\nSchliesslich bemerke ich noch beil\u00e4ufig, dass man Fig. 5 am leichtesten als ebene Zeichnung auffasst, indem bei jeder der beiden anderen Auffassungen der eine der Kreise als der vordere, der andere als der hintere betrachtet werden soll, obschon der erstere eben so 1 i c h t s t a r k ist, als der letztere.\t^\nAd. 4. Was die Gr\u00f6sse der Zerstreuungskreise, als bestimmendes Moment f\u00fcr die Auffassung der Dimension der Tiefe anbelangt, so fand ich bei Ludwig a. a. 0. keine hinreichend bestimmten und detaillirten Angaben.\nIch sah mich gen\u00f6thigt den Gegenstand selbst genauer zu verfolgen. Es wird sich zeigen, dass es gerade dieses Moment ist, welches in unserem Falle besonders tli\u00e4tig und wirksam auftritt. Das Wachsen und Abnehmen der Zerstreuungskreise bringt, nach meinen Beobachtungen hinsichtlich der Beurtheilung der Entfernung des betreffenden Gegenstandes, entgegengesetzte Wirkungen hervor, je nachdem der Gegenstand diesseits oder jenseits des Accom m o da -tions punk tes liegt.\nBetrachte ich monocular eine wohlpolirte Nadel in beliebiger Entfernung und accommodire mein Auge f\u00fcr die N\u00e4he, so dass der Accommodationspunkt n\u00e4her an das Auge r\u00fcckt und die Nadel immer weiter jenseits desselben zu stehen kommt, so scheint die Nadel in dem Maasse als sie in Zerstreuungskreise zerf\u00e4hrt, in der Dimension der Tiefe zur\u00fcckzuweichen. Die Nadel scheint jedoch in dem Maasse wieder hervorzutreten, als ihre Umrisse sich aus dem schwindenden Nebel der Zerstreuungskreise durch die entgegengesetzte Accommo-dationsth\u00e4tigkeit wieder sch\u00e4rfer herausheben.\nH\u00e4lt man die Nadel n\u00e4her ans Auge und accommodirt f\u00fcr die Ferne, wobei die Nadel diesseits des Accommodationspunktes zu liegen kommt, so findet mit dem Wachsthum der Zerstreuungskreise kein Zur\u00fcckweichen des zerstreuten Bildes vom Auge, sondern im Gegen-tlieil eine scheinbare N\u00e4herung desselben zum Auge statt, w\u00e4hrend mit der Abnahme der Zerstreuungskreise die Nadel statt wie fr\u00fcher hervorzutreten, auf ihren alten Platz zur\u00fcckr\u00fcckt.\nNach dem Gesagten halte ich mich f\u00fcr berechtigt, folgenden","page":236},{"file":"p0237.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n237\nSatz auszusprechen : E i n cl i e s s e i t s des Accommodations-punktes befindlicher Gegenstand wird um so n\u00e4her, ein jenseits des Accommodationspunktes befindlicher um so entfernter erscheinen, je gr\u00f6sser die Zerstreuungskreise sind, welche an ihm wahrgenommen werden.\nWir haben nun zu untersuchen, welche besondere Combination der er\u00f6rterten vier, unser Urtheil bestimmenden Elemente in dem oben angef\u00fchrten Versuche wirksam sind.\nDie durch ein L\u00f6chelchen betrachteten entfernten Gegenst\u00e4nde scheinen in der Dimension der Tiefe zur\u00fcckzuweichen, w\u00e4hrend :\n1.\tder Convergenzwinkel der Augenaxen gr\u00f6sser wird, indem sich das geschlossene Auge bei der Accommodation f\u00fcr die N\u00e4he nach einw\u00e4rts dreht ;\n2.\tder optische Apparat f\u00fcr die N\u00e4he eingerichtet wird;\n3.\tdie sich verkleinernden Bildchen lichtschw\u00e4cher, und\n4.\tzugleich, durch die Vergr\u00f6sserung der Zerstreuungskreise, undeutlicher werden.\nKehren sich die aufgez\u00e4hlten Bedingungen um, so folgt unab\u00e4nderlich die entgegengesetzte Auffassung der Verh\u00e4ltnisse \u2014 die sich vergr\u00f6ssernden Gegenst\u00e4nde scheinen an den Beobachter n\u00e4her heranzutreten.\nSehen wir nun zu, in welcher Art die einzelnen Elemente, welche unser Urtheil \u00fcber die Dimension der Tiefe bestimmen, th\u00e4tig sind, so werden wir zun\u00e4chst die Vergr\u00f6sserung des Convergenzwiukels, welche ohnedies ein N\u00e4hertreten und nicht ein Zur\u00fcckweichen der Gegenst\u00e4nde zur Folge haben m\u00fcsste, in unserem Falle als bedeutungslos und wirksam erkl\u00e4ren m\u00fcssen, da nur mit Einem Auge gesehen wird.\nDie A c c o m m odationf\u00fcrdieN\u00e4he, welche caeteris paribus eine Verkleinerung und N\u00e4herung des gesehenen Gegenstandes bedingt, wirkt in der einen Richtung, hinsichtlich der Verkleinerung der Objecte, welche factisch eintritt vergl. die vorstehende Abhandlung , ungehindert, wird aber in der andern Richtung ihres bestimmenden Einflusses \u2014 hinsichtlich der scheinbaren N\u00e4herung des Objectes, welche hier gerade in das Gegentheil umschl\u00e4gt, durch andere gleich anzugebende Momente \u00fcberwogen und vollst\u00e4ndig gebunden.\nDiese anderen entgegengesetzt wirkenden Momente, welche uns bestimmen, die sich verkleinernden Gegenst\u00e4nde zugleich als z u r \u00fc c k -weichend aufzufassen, sind die Abnahme der Lichtst\u00e4rke und die Zunahme, d. h. Vergr\u00f6sserung der Zerstreuungs-","page":237},{"file":"p0238.txt","language":"de","ocr_de":"23S Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\nkreise, welche letztere, da sie hier, hei jenseits des Accominoda-tionspunktes gelegenen Objecten (yergl. oben ad 4) auftritt, ein scheinbares Zur\u00fcckweichen derselben bedingt.\nDa beim Accommodiren des Auges f\u00fcr die Ferne alle er\u00f6rterten Umst\u00e4nde sich umkehren, so hat es keine Schwierigkeit einzusehen, dass auch unser Urtheil \u00fcber die Richtung der scheinbaren Bewegung in der Dimension der Tiefe in entgegengesetzter Weise ausf\u00e4llt.\nDass die er\u00f6rterte Erscheinung wirklich durch die angegebenen Momente bedingt wird, und nicht etwa eine nur durch die schnelle Ver\u00e4nderung des Gesichtswinkels, unter welchem die Objecte erscheinen, gesetzte T\u00e4uschung ist \u2014 obschon ich die M\u00f6glichkeit einer solchen T\u00e4uschung nicht absolut leugnen will. \u2014 ersieht man leicht daraus, dass kaum eine Spur des scheinbaren Vor- und Zur\u00fccktretens bemerkt wird, wenn man den Versuch so einrichtet, dass alle jene Momente, welche nach unserer Meinung die Erscheinung bedingen, wegbleiben.\n7. Ich zeichnete auf eine sogenannte Stampfer'sehe Wunderseheibe eine Reihe von Kreisen, deren Durchmesser nach der einen Seite immer kleiner und kleiner genommen wurden, bis die Reihe endlich mit einem Punkte schloss. Betrachtete ich nun diese Zeichnung durch die mit Spalten versehene Durchsichtsscheibe, so erschienen mir, je nachdem ich nach rechts oder nach links drehte, Kreise, die zu Punkten zusammenschrumpften oder Punkte, die sich zu Kreisen ausdehnten \u2014 ich konnte jedoch nichts von einem Hervor- oder Zur\u00fccktreten der Kreise und Punkte bemerken.\n\u00df Betrachtet man einen verticalen nacli unten an Dicke zunehmenden Strich durch ein feines L\u00f6chelchen, indem man denselben in gleichbleibender Entfernung senkrecht auf- und abschiebt, so dass das von dem Strich gesehene St\u00fcck stetig an Gr\u00f6sse all- und zunimmt, so m\u00fcsste, wenn die Vergr\u00f6sserung und Verkleinerung des Gesichtswinkels, unter welchem die Objecte erscheinen, das Vor- und Zur\u00fccktreten in die Dimension der Tiefe wesentlich bedingte, der Strich sich zu n\u00e4hern und zu entfernen scheinen. Dies habe ich jedoch nicht beobachten k\u00f6nnen. sondern der Strich schien mir einfach dicker und d\u00fcnner zu werden, ohne seine scheinbare Entfernung zu \u00e4ndern.\n1) Bei dem Versuche, wo man einen nahe an das Auge gehaltenen Gegenstand durch das feine L\u00f6chelchen im Kartenblatte bedeutend vergr\u00f6ssert sieht, wenn das Auge f\u00fcr eine gr\u00f6ssere Entfernung accom-modirt ist, habe ich bei willk\u00fcrlicher Ver\u00e4nderung des Accommoda-tionszustandes nur Spuren einer solchen Bewegung der Gegenst\u00e4nde","page":238},{"file":"p0239.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n239\nin der Dimension der Tiefe und eines solchen Gr\u00f6ssenwechsels derselben wahrnehmen k\u00f6nnen.\nDies kann nicht Wunder nehmen, da unter den obwaltenden Bedingungen die Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes factiscli weder eine merkliche Vergr\u00fcsserung und Verkleinerung der Bilder, noch einen auffallenden Wechsel der Lichtst\u00e4rke, noch auch eine hinreichende Zu- und Abnahme der Zerstreuungskreise setzt.\nUeberdies wirkt das Moment der relativen Lichtst\u00e4rke, welches im vorigen Falle (vgl. oben unter a) gleichsinnig mit dem Momente des W achsth u mes derZerstreuungsk reise wirkte, hier demselben entgegen.\nLTnter den obwaltenden Verh\u00e4ltnissen werden n\u00e4mlich, wenn man \u00fcberhaupt Spuren einer Ver\u00e4nderung merkt, beim Accommodiren f\u00fcr die N\u00e4he die sich verkleinernden Bilder lichtst\u00e4rker und optisch deutlicher, beim Accommodiren f\u00fcr die F erne hingegen 1 i c h t s c h w \u00e4 -eher und optisch undeutlicher.\nDa die gesehenen Gegenst\u00e4nde im vorliegenden Falle diesseits des Accommodationspunktes gelegen sind, so ist mit der Verkleinerung der Zerstreuungskreise ein Zur\u00fcckweichen, mit der Vergr\u00f6sserung derselben ein N\u00e4hertreten, wie man Spuren davon wirklich bei angestrengten Accommodationsbewegungen beobachten kann, verkn\u00fcpft ; w\u00e4hrend die Verh\u00e4ltnisse der Lichtst\u00e4rke, welche im ersten Falle z u- im zweiten Falle ab nimmt, gerade die entgegengesetzte Beurtheilung der Bewegung der Gegenst\u00e4nde in der Dimension der Tiefe verlangen. Die entgegengesetzten Wirkungen dieser beiden Momente heben sich in der Art auf, dass das erstere mit einem geringen Uebersclmsse die Oberhand beh\u00e4lt und das Urtheil ganz allein bestimmt. Dieser Ueberschuss wird jedoch noch etwasa b g e s c h w \u00e4 c h t, indem ein Theil desselben den Einfluss der Accommodationsth\u00e4tigkeit, die gerade so wie im vorigen Falle (sub a) in entgegengesetztem Sinne wirkt, bindet und unsch\u00e4dlich macht. Da zu den an und f\u00fcr sich unbedeutenden Ver\u00e4nderungen noch solche Hemmungen hinzukommen, so ist es wohl begreiflich, warum die scheinbare Entfernung und N\u00e4herung der Gegenst\u00e4nde in dem eben besprochenen Falle weit unbedeutender ausfallen muss, als in dem sub a er\u00f6rterten Falle ; dort hat man es mit fernen, hier mit sein-nahen Gegenst\u00e4nden zu thun.\nc Eine wesentliche Best\u00e4tigung erh\u00e4lt der von mir sub a ad 4 aufgestellte Satz \u00fcber die Art, in welcher der Gr\u00f6ssenwechsel der Zer-streuungskreise unser Urtheil \u00fcber die Entfernung eines diesseits oder","page":239},{"file":"p0240.txt","language":"de","ocr_de":"240 Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen.auf das Sehen.\njenseits des Accommodationspunktes gelegenen Gegenstandes bestimmt, durch die folgenden Versuche und Betrachtungen.\nIch habe schon oben angegeben, dass man bei den Versuchen mit punktf\u00f6rmigen Diaphragmen unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden aus rein optischen Gr\u00fcnden eine um so bedeutendere Vergr\u00f6sserung oder Verkleinerung der betrachteten Gegenst\u00e4nde erzielt, je mehr man die punktf\u00f6rmige Oeffnung des Kartenblattes dem Durchkreuzungspunkte der Strahlen bd und ac n\u00e4hert vgl. Fig. 3, 4 und 5 Taf. ii u. 12). Die bedeutendste Vergr\u00f6sserung oder Verkleinerung erzielt man nat\u00fcrlich, wenn man die punktf\u00f6rmige Oeffnung mit diesem Durchkreuzungspunkte zusammenfallen l\u00e4sst. Von der Beugung der Lichtstrahlen am Bande der Oeffnung sehe ich hier vorl\u00e4ufig ganz ab. Wenn man einen Gegenstand nahe vor das Auge bringt, w\u00e4hrend das Auge f\u00fcr die Ferne accommodirt ist, so dass derselbe diesseits des Accommodationspunktes zu liegen kommt, und dann zwischen Gegenstand und Auge ein durchl\u00f6chertes Kartenblatt bringt, so sieht man den Gegenstand, wie bereits er\u00f6rtert wurde, mehr oder weniger stark ver-gr\u00f6ssert. Schiebt man nun das durchl\u00f6cherte Kartenblatt zwischen dem Auge und dem Gegenst\u00e4nde gleichsam auf der Sehaxe, welche durch das L\u00f6chelchen geht, hin und her, so bemerkt man, dass die Vergr\u00f6sserung merklich zunimmt, wenn das Kartenblatt vom Auge entfernt wird, dass sie hingegen abnimmt, wenn das Kartenblatt dem Auge gen\u00e4hert wird. Dabei habe ich ferner den bemerkenswerthen Umstand beobachtet, dass der Gegenstand in sehr auffallender Weise in Bewegung zu gerathen und zwar w\u00e4hrend seiner Vergr\u00f6sserung zugleich gegen die Oeffnung des Kartenblattes heranzutreten, w\u00e4hrend seiner Verkleinerung hingegen von derselben zur ttckzu weich en scheint.\nDurch das Hin- und Herschieben des punktf\u00f6rmigen Diaphragma\u2019s bringen wir also bei unver\u00e4ndertem Accommodations zustande genau dieselbe Erscheinung der scheinbaren N\u00e4herung und Entfernung der Gegenst\u00e4nde hervor, wie sie bei feststehendem Diaphragma durch Ver\u00e4uderung des Accommodationszustan-des mit Nothwendigkeit eintritt. K\u00f6nnten wir f\u00fcr beide F\u00e4lleN^as Vorhandensein der gleichen, unser Urtheil bestimmenden wesentlichen Umst\u00e4nde nachweisen, so w\u00fcrde unser Vertrauen zu der Richtigkeit der ganzen hier mitgetheilten Betrachtungen nicht unbetr\u00e4chtlich wachsen. Diesen Nachweis nun k\u00f6nnen wir in der That liefern.\nVergegenw\u00e4rtigen wir uns zuerst, dass die N\u00e4herung des Dia-phragma\u2019s an das Auge die gleiche Folge hat, wie das Accomni o dir en des Auges f\u00fcr die N\u00e4he \u2014 n\u00e4mlich das scheinbare","page":240},{"file":"p0241.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\n241\nZur\u00fcckweichen des Gegenstandes ; und dass die Entfernung des D i a p h r a g in a \u2019 s vom Auge die gleiche Folge hat, wie das Accom-uio dir en f\u00fcr die Ferne \u2014 n\u00e4mlich die N\u00e4herung des Gegenstandes.\nUntersuchen wir nun sofort die Umst\u00e4nde, welche durch das Verschieben des Kartenhlattes gesetzt werden, ob es wesentlich dieselben sind, welche unser Urtheil hei der Ver\u00e4nderung des Accommoda-tionszustandes bestimmen. Durch das Entfernen des Kartenhlattes vom Auge wird das sich vergr\u00f6ssernde Bild des Gegenstandes zu gleicher Zeit lichtschw\u00e4cher und undeutlicher, d. h. die Zerstreuungskreise nehmen an Gr\u00f6sse zu. Zufolge der Abnahme der Lichtst\u00e4rke sollte uns zwar der Gegenstand zur\u00fcckzuweichen scheinen; die Vergr\u00f6sserung der Zerstreuungskreise Lei einem diesseits des Accommodationspunktes gelegenen Gegenst\u00e4nde bestimmt uns aber zur entgegengesetzten Auffassung, und da dieses letztere Moment hier das bedeutendere ist, so \u00fcberwindet es das erstere und wir beurtheilen die scheinbare Bewegung des Gegenstandes in seinem Sinne \u2014 als N\u00e4herung.\nSchieben wir das Kartenblatt zur\u00fcck, wodurch es dem Auge gen\u00e4hert wird, so treten die entgegengesetzten Ver\u00e4nderungen an dem sich etwas verkleinernden Bilde ein \u2014 es wird lie lit st\u00e4rker und deutlicher, d. h. seine Zerstreuungskreise nehmen an Gr\u00f6sse ab \u2014 und die scheinbare Bewegung muss in ihr Gegentheil Umschl\u00e4gen, der Gegenstand scheint zur\u00fcckzu weich en.\nAus welchem Grunde und in welcher Art das Verschieben des Diaphragmas im ersten Falle eine Vergr\u00f6sserung, im zweiten eine Verkleinerung der Zerstreuungskreise setzt, ersieht man leicht durch die genauere Betrachtung von Fig. 1 und 2 Tafel 14 . Dass mit der Vergr\u00f6sserung der Zerstreuungskreise eine Verminderung der Lichtst\u00e4rke gesetzt wird, lehrt der Augenschein \u2014 und versteht sich wohl auch von selbst.\nVergleichen wir jetzt die unser Urtheil \u00fcber die Dimension der Tiefe bestimmenden Umst\u00e4nde, welche einerseits die Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes bei feststehendem Diaphragma, andererseits die Verschiebung des Diaphragma\u2019\u00bb bei feststehender Accommodation zur Folge hat, so werden wir finden, dass diese Umst\u00e4nde f\u00fcr beide F\u00e4lle wesentlich dieselben sind, mit dem einzigen Unterschiede, dass bei der Verschiebung des Diaphragma\u2019s der sch\u00e4dliche Einfluss, welchen die willk\u00fcrliche Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes aus\u00fcbt vgl. oben subb wegf\u00e4llt, wodurch es sich denn, abgesehen von der verschiedenen Gr\u00f6sse der hier und dort gesetzten Ver\u00e4nderungen.\nCzermak, Schriften.\ti<-","page":241},{"file":"p0242.txt","language":"de","ocr_de":"242 lieber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen.\nauch zum Theil erkl\u00e4rt, warum die scheinbare Entfernung und N\u00e4herung des Gegenstandes bei Verschiebung des Diaphragma\u2019s ungleich auffallender und betr\u00e4chtlicher ist, als bei willk\u00fcrlicher Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes.\nd) Liegt der Gegenstand, wie in dem sub a betrachteten Falle, weit jenseits des Accommodationspunktes, so sieht man von der Verschiebung des Diaphragma\u2019s gar keinen Erfolg, w\u00e4hrend, wie bereits sub a) er\u00f6rtert wurde, die Ver\u00e4nderung des Accommodationszustandes eine sehr auffallende scheinbare Bewegung der Gegenst\u00e4nde bedingt. Dass die Verschiebung des Diaphragma\u2019s hier k<\u00fcne Wirkung hervorbringt, scheint mir wesentlich darin zu liegen, dass die von fernen Gegenst\u00e4nden kommenden Strahlen zu wenig divergiren, als dass durch den verschiedenen Standpunkt des Diaphragma\u2019s eine wahrnehmbare Vergr\u00f6sserung oder Verkleinerung der Zerstreuungskreise, wie wir eine solche f\u00fcr mehr divergirend auffallende Strahlen in Fig. 1 und 2 (Taf. 14 nachgewiesen haben, bedingt werden k\u00f6nnte. \u2014 Das Ausbleiben der Erscheinung hinter diesen Umst\u00e4nden liefert uns zugleich einen weiteren Beweis, dass die scheinbare Bewegung der Objecte in der Dimension der Tiefe wesentlich von den angegebenen Momenten und nicht etwa lediglich von dem Gr\u00f6ssenwechsel der Gesichtswinkel, unter welchen das Object und das L\u00f6chelchen des Kartenblattes erscheinen, abh\u00e4ngt.","page":242}],"identifier":"lit16166","issued":"1879","language":"de","pages":"228-242","startpages":"228","title":"Ueber die Wirkung punktf\u00f6rmiger Diaphragmen auf das Sehen (sammt Zusatz)","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:21:41.492992+00:00"}

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