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Zur Lehre von den Doppelbildern, die beim Sehen mit beiden Augen entstehen (sammt Zusatz)

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{"created":"2022-01-31T16:15:05.082868+00:00","id":"lit16168","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 270-278. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0270.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Lehre von den Doppelbildern, die beim Sehen mit beiden Augen entstehen\n(sammt Zusatz).\n[Wiener akademische Sitzungsberichte 1834 und 1833 (Physiologische Studien .] .'Hierzu Fig. 11, 12 u. 13 aufTaf. 13, .\nH\u00e4lt man eine Druckschrift parallel zur Gesichtsfl\u00e4che nahe vor die Augen, und schiebt die flache Hand so zwischen Buch und Gesicht, dass sich der Radialrand der Hand an Stirne und Nasenr\u00fccken, legt, der Ulnarrand aber das Papier ber\u00fchrt, und auf diese Art beide \u00c0ugen durch eine Scheidewand g\u00e4nzlich getrennt werden, so tritt sehr leicht das oben, S. 24S er\u00f6rterte Verh\u00e4ltuiss ein, dass die Augen f\u00fcr die Buchfl\u00e4che accommodirt bleiben, w\u00e4hrend der Durchkreuzuugs-puukt der Sehaxen hinter dieselbe f\u00e4llt. Damit ist aber nothwendig auch die Entstehung von Doppelbildern gesetzt. In der That scheint sich das Bild, welches dem rechten Auge geh\u00f6rt, \u00fcber das, dem linken Auge geh\u00f6rige, in horizontaler Richtung von rechts nach links her\u00fcber zu schieben. w\u00e4hrend das Bild des linken Auges die entgegengesetzte Bewegung auszuf\u00fchren scheint.\nAbgesehen von dieser Art der Doppelbilder, welche wir bereits oben betrachtet haben, kommen unter den angegebenen Bedingungen leicht noch andere Doppelbilder zum Vorschein, da die Augen so zu sagen desorientirt sind.\nDort wo der Ulnarrand der Hand die Zeilen der Druckschrift ber\u00fchrt. erscheinen sie wie zerbrochen, und h\u00e4ufig an einander in verti-caler Richtung verschoben, so dass die Fortsetzung der links gelegenen Zeilenh\u00e4lfte auf der rechten \u00bbSeite nicht in derselben Linie fortgeht, sondern um einen halben Zeilenabstand nach oben oder nach unten ger\u00fcckt erscheint. Die Zeilenh\u00e4lften der einen \u00bbSeite entsprechen dann den Zcilenzwischenr\u00e4umen der andern Seite, und umgekehrt. Diese","page":270},{"file":"p0271.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen in. beid. Augen entstehen. 271\nverticale Verschiebung kann so bedeutend sein, dass die Zeilenh\u00e4lfte der einen Seite der zweiten oder dritten unter oder \u00fcber ihrer eigentlichen Fortsetzung gelegenen Zeilenh\u00e4lfte der anderen Seite entspricht, d. h. mit ihr in derselben horizontalen Linie liegt. Diese Art der Doppelbilder erkl\u00e4rt sich einfach durch die Drehung eines Auges nacli oben oder nach unten.\nBetrachtet man die obersten Zeilen der Druckschrift so, dass man die Augen sehr stark nach innen und ob en wenden muss, so erscheinen die Zeilen wie gebrochen und die H\u00e4lften bilden einen nach oben offenen stumpfen Winkel. (Vgl. Taf. 13, Fig. 11).\nWendet man die Augen sehr stark nach innen und unten, so convergiren die H\u00e4lften der gebrochenen Zeilen ebenfalls unter einem stumpfen Winkel, welcher jedoch nach unten ge\u00f6ffnet ist, wie Fig. 12 (Taf. 13) zeigt.\nDiese Art der Doppelbilder, wo horizontale und verticale Linien, welche das eine Auge sieht, eine Neigung gegen die von dem anderen Auge gesehenen horizontalen und verticalen Linien bekommen, erkl\u00e4ren sich aus einer Drehung um die optische Axe, Welche die Netzh\u00e4ute in entgegengesetzter Lichtung beim Sehen nach innen und oben und nach innen und unten erfahren. Mit dem Uuete'sehen Ophthalmo-trop l\u00e4sst sich diese Drehung um die optische Axe in Folge der Wendung des Auges nach innen und oben und nacli innen und unten leicht demonstriren.\nManchmal combiuirt sich unter den angegebenen Bedingungen die horizontale Verschiebung der Bilder mit der verticalen und mit der zuletzt beschriebenen Drehung.\nMan kann hier nicht eigentlich von Doppelbildern, d. h. von doppelten Bildern eines Gegenstandes reden, da das Gesichtsfeld des einen Auges von dem d^es anderen Auges vollkommen getrennt ist, und kein Gegenstand zu gleicher Zeit Object beider Augen sein kann; allein nichts desto weniger enth\u00e4lt das Obige einen Beitrag zur Lehre von den Doppelbildern, welche beim Sehen mit zwei Augen entstehen k\u00f6nnen, indem man sich den beschr\u00e4nkten Theil der Druckschrift, welchen ein Auge \u00fcbersieht, zu einem Totalbilde des von beiden Augen \u00fcbersehenen Theiles der Druckschrift erg\u00e4nzt und auf diese Art zwei solcher Erg\u00e4nzungen erh\u00e4lt, deren relative Lage man nie die von Doppelbildern beurthcilt.\nWenn die als Scheidewand zwischen den Augen dienende flache Hand entfernt wurde, dann sollte man meinen, m\u00fcssten sich Doppelbilder im engeren Sinne zeigen, d. h. doppelte Bilder eines und desselben Gegenstandes. Dies ich auch f\u00fcr die ersten zwei Lichtungen des Aus-","page":271},{"file":"p0272.txt","language":"de","ocr_de":"272 Zur Lehre v. <1. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen.\n*\ncinandertretens der Bilder, n\u00e4mlich die verticale und horizontale der Fall.\nDas Auseinandertreten der Doppelbilder in der zuletzt er\u00f6rterten Richtung kann jedoch ohne eine solche die Augen trennende Scheidewand nicht leicht zustande gebracht werden. Es scheint, dass die hierzu nothwendige entgegengesetzte Drehung der Augen um die optische Axe durch eine Anstrengung der schiefen Augenmuskeln compensirt wird, wenn beide Augen frei denselben Gegenstand betrachten , indem dann die schon \u00f6lten er\u00f6rterte Tendenz einfach und deutlich zu sehen, als ein wirksames, die Bewegungen der Augen regulirendes Moment auftritt.\nDie Doppelbilder lassen sich nach verschiedenen Eintheilungs-gr\u00fcnden in verschiedene Gruppen bringen, z. B. nach den obwaltenden Accommodationsverh\u00e4ltnissen; nach den Retinastellen, auf welche sicli die Bilder projiciren, endlich auch nach den verschiedenen Richtungen, in welchen die Doppelbilder auscinandertreten.\nIm Vorliegenden haben wir alle nur irgend m\u00f6gliche\ntungen, in welche die Doppelbilder sich \u00fcber einander verschieben k\u00f6nnen, angegeben und er\u00f6rtert.\nSchliesslich erw\u00e4hne ich noch, dass man Zeichnungen entwerfen kann, welche zerstreute St\u00fccke eines Bildes darstellen, und durch die besondere Stellung der Augen zu einem Bilde vereinigt werden.\nSo gut man n\u00e4mlich von einem Gegenst\u00e4nde zwei Bilder erhalten kann, eben so gut kann man bei passender Anordnung aus zwei Bildern Eines hervorbringen. Dies gilt f\u00fcr jede Richtung des Auscin-andertretens der Doppelbilder. Zerschneidet man eine beliebige Zeichnung in zwei H\u00e4lften, und legt dieselben durch einen Zwischenraum von Ya bis 1 Wiener Zoll getrennt, neben einander, und betrachtet sie so, dass die Augen f\u00fcr ihre Entfernung accommodirt bleiben, w\u00e4hrend die Augenaxeu hinter denselben zur Durchkreuzung kommen \u2014 also unter den Bedingungen des oben S. 24S unter A I mitgetheiltcn Versuches \u2014 so wird man leicht die Stellung der Augen finden, wo sich die H\u00e4lften der Zeichnung folgendermassen gruppircu. Siehe Taf. 13, Fig. 13 . Es entstehen im Ganzen vier Bilder der aufgelegten zwei H\u00e4lften der zerschnittenen Zeichnung.\nDie Bilder A' und B' geh\u00f6ren dem rechten, die Bilder A und B dem linken Auge. Die Bilder A und B' setzen ein vollst\u00e4ndiges Bild zusammen.\nDieses Beispiel mag f\u00fcr alle anderen F\u00e4lle gen\u00fcgen; nur mag noch bemerkt werden, dass, wenn man diese und \u00e4hnliche Zeichnungen betrachtet, w\u00e4hrend man eine trennende Scheidewand zwi-","page":272},{"file":"p0273.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstellen. 273\nsehen den Augen errichtet, die beiden Bilder A und 1i' ganz wegfallen, und die Verschmelzung der beiden H\u00e4lften zu einem Bilde noch besser in die Augen springt.\nZusatz.\na) In dem vorliegenden Paragraphen habe ich alle m\u00f6glichen Ilanptrichtungcn, in welchen gesehene Objecte zu Doppelbildern auseinander treten k\u00f6nnen, angegeben und an einem Versuche er\u00f6rtert.\nG. Meissner1) hat diesen Versuch, im Zusammenh\u00e4nge mit seinen vortrefflichen Untersuchungen \u00fcber den Horopter, gleichfalls, jedoch nicht vollst\u00e4ndig behandelt. Den wesentlichen Punkt meiner Mittheilung, welchen Meissner unber\u00fccksichtigt Hess, bringe ich hier noch einmal zur Sprache; n\u00e4mlich: j en es Auseinandertreten der Doppelbilder in vcrticalcrRichtu n g, welches sich \u00bb einfach durch die Drehung eines Auges nach oben\u00ab \u00bboder nach unten\u00ab \u2014 also durch Augenbewegungen erkl\u00e4rt, welche die Schaxen in verschiedene Ebenen auseinander stellen und ihre Intersection auf heben.\nIch habe diese neue Thatsache a. a. 0. mit so geringer Ausf\u00fchrlichkeit behandelt, dass sehr leicht Zweifel an der Richtigkeit meiner Angabe entstehen k\u00f6nnen. Da ich \u00fcberdies die Umst\u00e4nde, welche gew\u00f6hnlich und auch in dem mitgethcilten Versuche zum grossen Tlicil ein scheinbares verticales Auseinandertreten der Doppelbilder bedingen, gar nicht erw\u00e4hnt habe, so liegt vielleicht f\u00fcr Manche der Verdacht nahe, icli h\u00e4tte mir eine Verwechslung zu Schulden kommen lassen und es sei Nichts mit meiner Beobachtung, indem dieselbe auf andere Weise, als durch jene bisher bezweifelten Augen-bewegungen erkl\u00e4rt werden m\u00fcsse.\nUm solchen Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen und das von mir behauptete Vorkommen jener Augenbewegungen \u00fcberzeugend festzu-stcllcn, lasse ich hier eine etwas ausf\u00fchrlichere Auseinandersetzung des Gegenstandes folgen.\nDie Entstehung der Doppelbilder \u00fcberhaupt beruht bekanntlich darauf, dass die Bilder eines Gegenstandes nicht auf identische Punkte der Netzh\u00e4ute fallen. Die Richtung, in welcher die scheinbare Verdoppelung des Gegenstandes stattfindet, h\u00e4ngt von der relativen Rage der beiden Netzhautbildchen ab. Solcher Hauptrichtungen gibt cs, wie ich gezeigt habe, drei und man k\u00f6nnte hiernach die Doppelbilder in verticale, horizontale und geneigte oder\n1 A. a. 0., S. 75, \u00a7. Ki.\nCzermak, Schriften.\nIS","page":273},{"file":"p0274.txt","language":"de","ocr_de":"274 Zur Lehre v. <1. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstellen.\ngedrehte eintheilen \u2014 der m\u00f6glichen Combinationen nicht zu gedenken.\nEin Auseinandertreten der Doppelbilder in vertiealer Richtung wird ganz allgemein dann stattlindcn, wenn das eine Bild unter, das andere \u00fcber einem Nctzhautpunkte, welcher f\u00fcr beide Netzh\u00e4ute identisch ist, auff\u00e4llt. Dieses Lagcrungsvcrh\u00e4ltniss der Netzhautbilder tritt nun unter verschiedenen Umst\u00e4nden ein.\n\u00ab) Wenn die Augenaxen weder parallel stehen, noch 45\u00b0 gegen den Horizont geneigt sind, so findet, nach Mhissnisu'), auf dessen Arbeit ich wegen des Details verweise, in Folge der Neigung der \u00bbTrennungslinien\u00ab gegen einander, f\u00fcr die Bilder von einem neben dem fixirten gelegenen Funkte, stets ein solches Lagcrungsvcrh\u00e4ltniss auf den Netzh\u00e4uten statt, dass ein Ucbercinaudcrtrctcn der Bilder in rein vertiealer oder schr\u00e4ger Richtung erfolgen muss. Die \u00fcber einander verschobenen Doppelbilder werden unter diesen Umst\u00e4nden Beide indirect gesehen.\n\u00df) Wenn man den Kopf nach der Beite neigt, so m\u00fcssen sich die rechtscitigcn oder verkehrten Doppelbilder eines Gegenstandes in vertiealer Richtung \u00fcber einander verschieben, und zwar werden rechtseitige Bilder sich zu heben, verkehrte hingegen sich zu senken scheinen, wenn das eine Auge, welchem die Bilder angeh\u00f6ren, durch Neigung des Kopfes \u00fcber die Horizontale gehoben wird, w\u00e4hrend das andere Auge in seiner urspr\u00fcnglichen H\u00f6he erhalten oder unter die Horizontale gesenkt wird, und vice versa.\nEines der unter diesen Umst\u00e4nden entstandenen vertiealen Doppelbilder kann direct gesehen werden, ja weiui die Bilder eine incluais punktf\u00f6rmige Ausdehnung haben, k\u00f6nnen beide auf die Axenpun\u00fcte der Netzh\u00e4ute fallen \u2014 freilich mit verschiedenen Theilcn, da sie sonst zu Einem Bilde verschmelzen m\u00fcssten.\ny) Steht die die beiden Axenpunkte der Netzh\u00e4ute verbindende Linie in Folge der Drehung eines Auges nach auf- oder abw\u00e4rts, oder in Folge einer gleichzeitigen Wirkung der Aufw\u00e4rtsrollcr, an dem einen, der Abw\u00e4rtsroller an dem anderen Auge nicht in Einer Ebene mit der horizontal gestellten \u00bbSehbasc\u00ab (Tourtijat.) , so sind die Bedingungen f\u00fcr verticale Doppelbilder gesetzt. Es ist aber die Frage, oh solche Augenbewegungen m\u00f6glich sind.\n\u00bbDie Bewegungen der Aug\u00e4pfel\u00ab sagt Tourtuai/i 2 . \u00bbsind durch\n\u00ab\ni A. a. O., S. 50, \u00a7. 33.\n* A. a. 0., S. 0.","page":274},{"file":"p0275.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen. 275\neine noch unerkl\u00e4rte, doch ohne Zweifel in dem Verh\u00e4ltnisse der Urspr\u00fcnge der Nervi ocnlomotorii begr\u00fcndete Nothwendigkeit in der Weise von einander abh\u00e4ngig, dass die Drehung des einen, durch welche die Axe desselben aus der Axenehene nach oben oder unten abweicht, auch eine gleiche Abweichung der Axe des anderen zur Folge hat, welche nun in die Ebene, welche die bewegte erste Axe mit der Sehbase einschliesst, zu liegen kommt. Die Axenebene zerf\u00e4llt selbst dann nicht, wenn beim Vorsichhinstarrcn die Axen eine parallele Stellung annehmen oder im Schlafe ein- und aufw\u00e4rts gewendet sind, auch scheint eine Art des Schielens, in welcher die Axen aus der Ebene weichen, nicht vorzukommen\u00ab1).\nDiesem entgegen behaupte ich nun, dass jene bezweifelten oder geleugneten Augenbewegungen und das Zerfallen der Axenebene unter gewissen Umst\u00e4nden dennoch wirklich Vorkommen.\nDie Richtigkeit meiner Behauptung glaube ich durch folgende Versuche \u00fcber allen Zweifel erheben zu k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst stelle ich eine Linie, die Zeilen einer Druckschrift oder den Rand einer Tischplatte vermittelst einer Libelle genau horizontal. Dann bringe ich die \u00bbSehbase\u00ab und die die beiden Axenpunkte der Netzh\u00e4ute verbindende Linie in eine solche Lage, dass diese beiden Linien mit dem horizontal gestellten Objecte in Eine Ebene fallen. Dies geschieht, indem ich das horizontal gestellte Object in verkehrte Doppelbilder aus einander treten lasse und, den Kopf von einer Seite zur anderen neigend, jene Stellung des Kopfes bestimme, bei welcher die verkehrten Doppelbilder genau in Einer Horizontalen stehen. Ist die gew\u00fcnschte Stellung des Kopfes ausgcmittelt, so lasse ich auf meinem Kopfe eine Wasserwage horizontal befestigen, welche einem Gehilfen jede unwillk\u00fcrliche seitliche Neigung des Kopfes sogleich angibt.\nNach diesen Vorbereitungen, welche mich offenbar in den Stand setzen, ein etwaiges Zerfallen der Axenehene mit grosser Genauigkeit zu erkennen, schreite ich zu folgenden Versuchen.\n1.\tIch schliesse und \u00f6ffne abwechselnd das eine Auge, w\u00e4hrend das andere ruhig nach dem horizontal gestellten Objecte sieht und beobachte die relative Stellung der dabei entstehenden verkehrten Doppelbilder.\n2.\tIch verkleinere, w\u00e4hrend der Betrachtung des horizontal gestellten Objectes, den Convergenzwinkcl der Sehaxen immer mehr und mehr, bis die Sehaxen parallel stehen und bringe dieselben endlich bis zur Divergenz.\n1 Vcrgl. dagegen Archiv fiir Ophthalmologie von Graefe. Berlin 1854. Baud I, Abth. I, S. II.\n18*","page":275},{"file":"p0276.txt","language":"de","ocr_de":"276 Zur Lehre v. <1. Doppelbildern, die beim Sollen in. beid. Augen entstehen.\n3. Ich betrachte Objecte, welche von der Medianlinie (Mittelaxe, Touhtual) so weit seitlich entfernt sind, dass sie dem einen Ange betr\u00e4chtlich n\u00e4her stehen, als dem anderen1).\nUnter allen diesen Umst\u00e4nden habe ich verticale Doppelbilder entstehen sehen, welche einem Zerfallen der Axeuebcne ihren Ursprung verdanken. Ich erkannte und erschloss dies mit Sicherheit daraus 1 ) dass die Libelle, die an meinem Kopfe befestigt war, nicht die geringste Schwankung, w\u00e4hrend der Entstehung und Beobachtung der Doppelbilder zeigte und 2) dass die Object-Punkte, welche in die Verl\u00e4ngerung der Seliaxen fielen und daher auf den Axcnpunkten der Netzh\u00e4ute sich abbildeten, nicht in einer horizontalen Linie lagen, sondern dass die diese Punkte des Objectes verbindende Gerade, nach einer oder der anderen Richtung gegen den Horizont geneigt war oder selbst vertical stand.\nAdl. Obschon Touktual2) Hell\u2019s Behauptung einer stattfindenden Bewegung des Augapfels w\u00e4hrend des Lidschlagcs best\u00e4tigt und n\u00e4her bestimmt hat, so ist cs ihm doch entgangen, dass diese Bewegungen zum Theil solcher Art sind, wie er sic in der sub y citirten Stelle aus dem Jahre 1842 geleugnet hat.\nDas Bild des geschlossenen Auges finde ich nach meinen Beobachtungen bei der Oeffuung desselben in dreifach er Richtung gegen das Bild des w\u00e4hrend des ganzen Versuches offen gehaltenen Auges verschoben; experimentire ich mit dem linken Auge, so erscheint das Bild nach rechts und nach unten geneigt oder gedreht. Demgem\u00e4ss hat sich also das linke Auge w\u00e4hrend des Lidschlages nach aussen (links) und nach oben gewendet und zugleich etwas um die optische Axe in der Richtung von aussen (links) und unten nach innen und oben gedreht. Dasselbe gilt mututis mutandis f\u00fcr das rechte Auge.\nAd 2. W\u00e4hrend ich die Convergenz der Augenaxcn in den Parallelismus und diesen in die Divergenz \u00dcbergehen lasse, treten die verkehrten Doppelbilder, in welchen das horizontal gestellte Object erscheint, immer weiter und weiter aus einander und erleiden dabei zugleich eine mehr oder weniger auffallende verticale Verschiebung. F\u00fcr eine Entfernung des Objectes von 3 Fuss mochte diese Verschiebung oft bis etwa 6 Wiener Linien betragen. Werden die Zeilen einer Druckschrift als horizontal gestelltes Object verwendet, so kann man sich sehr leicht \u00dcberzeugen, dass unter diesen Umst\u00e4nden die Axenebeue\ni Vcrgl. Nr. XIX.\nM\u00fcllers Archiv 1S:is, S. :s2(>.","page":276},{"file":"p0277.txt","language":"de","ocr_de":"Zur Lohre v. il. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen. 277\nzerfalle, indem die Verl\u00e4ngerungen der Augenaxen Buchstaben treffen, welche in v cr schi e d cn en Zeilen liegen. Bei mir tritt immer das Bild des linken Auges \u00fcber das des rechten Auges herauf\u2014die Seh-axe des rechten Auges trifft verl\u00e4ngert einen h\u00f6her gelegenen Bankt des Objectes als die Sehaxe des linken Auges. Bei anderen Individuen mag dies vielleicht umgekehrt sein.\nAd 3. Unter den angegebenen Umst\u00e4nden treten, wenn die Asymmetrie der Augenstellungen gewisse Grenzen \u00fcberschreitet, endlieh Doppelbilder auf, und cs wird unm\u00f6glich, einfach und deutlich zu selten. Befindet sich das Object, z. B. eine senkrecht auf der horizontalen Linie stehende Nadel, auf der rechten Beite, so dass beide Augen stark nach rechts gewendet werden m\u00fcssen, so steht das Bild des linken Auges rechts von dem Bilde des rechten Auges und oft sehr betr\u00e4chtlich tiefer als dieses und erscheint zugleich etwas nach rechts hin geneigt. Je n\u00e4her das zu betrachtende bject cHelen's paribus steht, je gr\u00f6sser also der Convergenzwiukcl er Augenaxen sein m\u00fcsste, um dasselbe einfach zu sehen, desto schwieriger ist es, die Entstehung von Doppelbildern zu verhindern und die Sehaxcn auf dem Objecte zum Durchschneiden zu bringen. Durch ein\u00bb mehr oder minder betr\u00e4chtliche Anstrengung der Einw\u00e4rtsroller der Augen gelingt cs wohl meist, den geforderten Convcrgenz-winkel der Behaxen zu erzwingen, so dass sich die Doppelbilder einander in horizontaler Richtung immer mehr und mehr n\u00e4hern und endlich ganz in Eins verschmelzen, wenn sich die verticale Verschiebung und Neigung oder Drehung derselben corrigircn. Dies geschieht jedoch nicht immer und zwar dann nicht mehr, wenn das Object zu nahe steht und eine zu starke seitliche Drehung der Augen verlangt, um bei festgestelltcm Kopfe gesehen zu werden. Die verticale Verschiebung, welche sich, wie ich bemerkt habe, mit dem Aufw\u00e4rtsneigen der Behaxen, bei h\u00f6herem Blande des zu betrachtenden Objectes, steigert, corrigirt sich beinahe noch schwieriger, als die Drehung oder Neigung, so dass man unter diesen Umst\u00e4nden \u2014 ohne gerade besonders ge\u00fcbt zu sein \u2014 oft die Gelegenheit hat, sich zu \u00fcberzeugen, wie die Punkte des Objectes, welche in der Verl\u00e4ngerung der Behaxen liegen, senkrecht \u00fcber einander zu stehen kommen. Sind beide Augen, wie in dem obigen Falle, nach rechts gedreht, so ist. die Sehaxe des rechten Auges auf einen unterhalb der Spitze gelegenen Punkt der Nadel gerichtet, w\u00e4hrend die Axe des linken Auges die Nadelspitze selbst trifft.\nDie verticale Verschiebung der Zeilenh\u00e4lften in dem in der vor-","page":277},{"file":"p0278.txt","language":"de","ocr_de":"278 Zur Lehre v. d. Doppelbildern, die beim Sehen m. beid. Augen entstehen.\nstehenden Abhandlung angegebenen Versuche kann nach dieser Auseinandersetzung also durch s\u00e4mmtliche sub a, \u00df und y er\u00f6rterten Umst\u00e4nde bedingt sein. Welche von diesen Umst\u00e4nden einzeln oder com-binirt in einem gegebenen Falle vorhanden sind, ist jedoch nicht immer ganz leicht zu ermitteln.\nb) Dass man durch eine passende Stellung der Augen zwei llilder oder Bildtheilc zu Einem Bilde vereinigen k\u00f6nne, hat bereits Dove1) gezeigt und in Anwendung gebracht.\nDarstellung der Farbenlehre und optische Studien. Berlin 1851, S. 104.","page":278}],"identifier":"lit16168","issued":"1879","language":"de","pages":"270-278","startpages":"270","title":"Zur Lehre von den Doppelbildern, die beim Sehen mit beiden Augen entstehen (sammt Zusatz)","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:15:05.082874+00:00"}

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