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{"created":"2022-01-31T16:17:56.881767+00:00","id":"lit16172","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 303-353. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0303.txt","language":"de","ocr_de":"XXV.\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n/ Wiener akademische Sitzungsberichte 1855 {Physiologische Studien).] {Hierzu Fig. 27 u. 2S auf Taf. 1ii und die Tafeln 17 und 18).\n\u00a7 1. Vergleichende Beobachtungen \u00fcber die Feinheit des Raumsinnes der Haut bei Kindern und bei Erwachsenen.\nHarting ') hat die interessante Entdeckung gemacht, dass die Zunahme des Durchmessers der Nervenst\u00e4mmc w\u00e4hrend des Wachs-thnms nicht durch die Vermehrung der Anzahl der Primitivfibrillen, sondern durch die Verdickung des Nenrilems einerseits und der bereits vorhandenen Primitivfibrillen andererseits bedingt werde. Harting sagt (a. a. O. S. 74) :\n\u00bb4. Les moyennes g\u00e9n\u00e9rales des nombres de lubes 'primitifs composant les nerfs sont :\nNerf median\tNerf crural\nFoetus...................... 21,432 . . . .28,500\nEnfant nouveau n\u00e9 .... 20,900 .... 37,297 Homme adulte................ 22,560 .... 35,410\nQuoique les chiffres rapport\u00e9s dans la table d\u00e9notent, que le nombre des tubes primitifs d'un nerf est loin d\u2019\u00eatre fixe, mais qu'il varie ait contraire beaucoup chez les diff\u00e9rents individus, il r\u00e9sulte cependant des moyennes, que cette diff\u00e9rence ne tient pas \u00e0 l\u2019\u00e2ge, mais que l\u2019enfant nouveau n\u00e9 poss\u00e8de le m\u00eame nombre de tubes primitifs que l\u2019homme adulte. En combinant les moyennes on trouve pour la somme totale des tubes primitifs contenus dans les deux nerfs chez :\nl\u2019enfant........................... 58,203\nl\u2019homme adulte..................... 57,970\n1 Harting : Recherches microm\u00e9triques. Utrecht 1854.","page":303},{"file":"p0304.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n304\nChez le foetus le nombre est d\u00e9j\u00e0 si (jrund, qu\u2019il para\u00eet, qu'au moins dans le nerf median,'le nombre est complet, tandis que celui trouve pour le nerf crural n\u2019est pas beaucoup au dessous de la moyenne, et surpasse m\u00eame en un cas celui trouv\u00e9 pour un des adultes. A la v\u00e9rit\u00e9, je n\u2019ai pu tenir compte ici du neuril\u00e8me, comme je l\u2019ai d\u00e9j\u00e0 indiqu\u00e9, mais la quantit\u00e9 en \u00e9tait si petite, qu\u2019elle ne saurait influer beaucoup sur le r\u00e9sultat. On peut donc admettre, qu\u2019\u00e0 la fin die quatri\u00e8me mois le nombre des tubes nerveux est \u00e0-peu-pr\u00e8s complet, ce qui n\u2019a lieu pour aucun des \u00e9l\u00e9ments, qui constHuent les autres tissus examin\u00e9s, et semble fournir une preuve nouvelle de la haute importance du tissu nerveux, pour faire parvenir les autres tissus \u00e0 leur plein d\u00e9veloppement \u00ab.\na) Der Mensch besitzt also als Erwachsener dieselbe absolute Menge von peripherischen Ncrvcnfibrillcn. welche er als Kind besessen hat. Dieser Satz gilt mit Sicherheit f\u00fcr die cerebrospinalen Nerven \u2014 somit auch f\u00fcr die Tastnerven der Haut; denn obgleich IIauting\u2019s genaue Messungen sich nur auf den /V. medianus und A'. crurtdis beziehen, so hat man doch nicht, den geringsten (Irund, die Allgemeingiltigkeit dieses Satzes f\u00fcr s\u00e4mmtliche peripherische Nerven des cerebrospinalen Systems zu bezweifeln. Von den Nerven des sympathischen Systems haben wir hier nicht zu handeln.\nb Die quadratische Ausdehnung der Haut, in welcher die Tastnerven ihre peripherisch e End Verbreitung haben, ist bei Erwachsenen ungleich gr\u00f6sser, als hei Kindern. EinSatz, dessen Dichtigkeit, wohl von selbst cinlcuchtet und nicht erst durch Messungen bewiesen zu werden braucht. Diese beiden Pr\u00e4missen sub a und sub b f\u00fchren nun zu dem Schl\u00fcsse, dass bei Kindern die relative Menge der Tastnervenfasern im Allgemeinen gr\u00f6sser sein m\u00fcsse, alsbei Erwachsenen. Unter der relativen Menge der Tastnervenfasern haben wir bekanntlich jene Anzahl von Fasern zu verstehen. welche sich auf einer als Maasscinheit angenommenen Fl\u00e4che, z. B. auf einer Quadratlinie verbreiten. Bei Kindern kommen also auf eine Quadratlinie Haut mehr Fibrillen, als bei Erwachsenen.\nDie von einer elementaren Nervenfaser versorgte Hanttl\u00e4che hat E. H. Weber bekanntlich einen Ein p findungskreis genannt. Demnach kann man im Allgemeinen behaupten, dass Kinder auf einem gleich grossen IIautstticke mehr und kleinere Empfindungskreise als Erwachsene besitzen werden. Da nun nach Weber's bekannten Untersuchungen \u00fcber den Tastsinn, die Feinheit, des liaumsinncs der Haut mit dem Durchmesser der","page":304},{"file":"p0305.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n:ior>\nEmpfindungskreise in umgekehrtem Verh\u00e4ltnisse steht, so folgere ich, dass Kinder im Allgemeinen einen feineren R a u m sinn der Haut besitzen m\u00fcssen als Erwachsene.\nDieser Satz hat sich durch meine vergleichenden Messungen als richtig herausgestellt. Ohne directe Beweise w\u00e4re derselbe wohl sehr wahrscheinlich gewesen, aber doch immer problematisch geblieben, da man den Einfluss der Erziehung und Entwickelung des Sinnes und des Verstandes einerseits, und der m\u00f6glicherweise im Verlaufe des Wachstlmms cintrctendcn Ver\u00e4nderungen in der Anordnung des Tastnervensystems und des Tastorgans andererseits, nicht a priori berechnen kann.\nGenau genommen, beziehen sich alle die Folgerungen, welche ich soeben entwickelt habe, auf die Wachsthumsstufen und Altersperioden eines und desselben Individuums; allein abgesehen von individuellen Verschiedenheiten der Feinheitsgrade des Ranm-sinncs der Haut, k\u00f6nnen meine Folgerungen und Messungen f\u00fcglich als entsprechend gewissen allgemeinen und normalen Verh\u00e4ltnissen zwischen Kindern und Erwachsenen, gelten, da alle Erwachsenen offenbar einst Kinder gewesen sind und die Kinder zum grossen Theil zu Erwachsenen werden. Freilich weichen Erwachsene unter sich und Kinder gleicher Wachsthumsstufc unter sich in den individuellen Feinheitsgraden des Raumsinnes der Haut, selbst unter \u00fcbrigens m\u00f6glichst \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden, nicht unbetr\u00e4chtlich von einander ab, allein nichts destoweniger kann man, wie mir scheint, nach Wiederholung der Messungen an vielen Individuen eine maassgebende Vergleichung der gewonnenen Resultate schon wagen.\nIch habe diesen Punkt ber\u00fchrt, um gleich von vornherein einem Eimvand zu begegnen, welchen man , ohne gr\u00fcndliche Uebcrlegung, gegen die Beweiskraft meiner sp\u00e4ter mitzutheilenden Messungen an Kindern erheben k\u00f6nnte. Man k\u00f6nnte n\u00e4mlich die durch diese Messungen wirklich naehgewiesene gr\u00f6ssere Feinheit des Raumsinnes bei Kindern einfach auf die Verschiedenheit individueller Feinheitsgrade des Raumsinnes der untersuchten Kinder und des zum Vergleich dienenden Erwachsenen schieben wollen. Das eben Gesagte und die sich sp\u00e4ter ergebende Ucbcrcinstimmung der allgemeinen Mcssungsresnltate, welche an verschiedenen Kindern gewonnen wurden, zeigen jedoch wie unwahrscheinlich und unstatthaft cs w\u00e4re anzunehmen, dass ich zuf\u00e4llig auf eine Zahl Kinder gestossen sei, die s\u00e4mmtlich einen so ungew\u00f6hnlich feinen Raumsinn bc-sassen, dass nur aus diesem Grunde die Vergleichung der an ihnen gewonnenen Messungsresultate mit jenen, welche \\\\ icisicr\nC /. o r ni a k, Schril't <*\u00bb\u2022\t-0","page":305},{"file":"p0306.txt","language":"de","ocr_de":":S0<>\tBeit r\u00fcge zur Physiologie des Tastsinnes.\nf\u00fcr einen Erwachsenen erhielt, zu ihren Gunsten h\u00e4tte ausschlagen m\u00fcssen.\nEben so unstatthaft w\u00e4re es, zuvermuthen, dass Weber\u2019s Messungen an der von mir nach gewiesenen Differenz Schuld seien, indem sic vielleicht zuf\u00e4llig an einem ausnahmsweise stumpff\u00fchlcn-d c n Individuum angcstcllt sein k\u00f6nnten. Wohl l\u00e4sst siel\u00bb aber nicht leugnen, dass die absolute Gr\u00f6sse der gefundenen Differenz den zuf\u00e4lligen, individuellen Verh\u00e4ltnissen der untersuchten und verglichenen Personen zuzuschreiben sei.\nIch habe oben den Satz ausgesprochen, dass sich bei Kindern auf einem Hautstlicke von gleicher Ausdehnung mehr Nervenenden und Empfindungskreisc finden m\u00fcssen, als bei Erwachsenen. Damit war jedoch nicht etwa gemeint, dass die Vergleichung jeder beliebigen Ilautst\u00fccke, auch wenn sic ganz verschiedenen Regionen des K\u00f6rpers angeh\u00f6ren, einen gr\u00f6sseren Reichthum an Nervenenden und Empfindungskreisen f\u00fcr das llautst\u00fcck des Kindes ergeben m\u00fcsste, als f\u00fcr das des Erwachsenen ; denn die Volarfl\u00e4che der letzten Fingerglieder jedes Erwachsenen z. B. hat auf einer Quadratlinie unbedingt m c h r Nervenenden und Empfindungskreise, und somit auch einen feineren Raumsinn, als die R\u00fcckenhaut eines Kindes.\nMan darf hierbei n\u00e4mlich nicht vergessen, dass die Feinheit des Raumsinnes, wie E. II. Weber zuerst nachgewiesen hat, in den verschiedenen Regionen der Haut eines und desselben Individuums sehr ungleich entwickelt und nach einem besonderen Gesetze vertheilt ist. Der absolute Feinheitsgrad des Raumsinnes einer bestimmten llautrcgion bei verschiedenen Individuen scheint sogar weit mehr individuellen Schwankungen unterworfen zu sein, als der relative Feinheitsgrad des Raumsinnes zweier bestimmten Hautregionen (Allen Thomson). Zur Vergleichung der Verh\u00e4ltnisse des Raumsinnes bei Kindern nnd Erwachsenen m\u00fcssen wir demnach immer Hautstlicke derselben Region des K\u00f6rpers w\u00e4hlen.\nBei Kindern gelten gewiss \u00e4hnliche Gesetze f\u00fcr die Abstufungen des Raumsinncs in den verschiedenen Hautregionen, wie bei Erwachsenen. Ich sage absichtlich \u00e4hnliche und nicht gleiche Gesetze, weil kaum anzunchmcn ist, dass die Haut der Kinder, w\u00e4hrend des Wachsthums, an allen Punkten zugleich und in gleichem Maasse an quadratischer Ausdehnungzunehmen sollte. Schon die verschiedenen Proportionsverh\u00e4ltnisse der K\u00f6rperthcile bei Kindern und bei Erwachsenen weisen mit aller Bestimmtheit darauf hin, dass das Wachsthum der Haut nach der Fl\u00e4che in verschiedenen Regionen des K\u00f6rpers verschieden sein m\u00fcsse. So \u2022/.. B. wachsen Arme und Beine","page":306},{"file":"p0307.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00fcge zur Physiologie ties Tastsinnes.\n307\nmehr in der L\u00e4nge als im Umfange, die Haut muss daher auch an diesen Gliedern eine gr\u00f6ssere Ausdehnung in der L\u00e4nge als in der Breite erreichen. Hiermit stimmt und hieraus erkl\u00e4rt sich zum Theil die Beobachtung Wbber\u2019s, dass der Kaumsinn an Armen und Beinen der Quere nach bedeutend feiner ist, als der L\u00e4nge nach1). Demnach werden wir f\u00fcr die Haut der Kinder nicht genau dieselbe Vertheilung der verschiedenen Feinheitsgrade des Kaumsinnes erwarten d\u00fcrfen, wie bei den Erwachsenen.\nIn diesen relativen Wachsthumsverh\u00e4ltnissen der Haut nach der Fl\u00e4che glaube ich ein neues, wesentliches Moment aufgedeckt zu haben, welches neben gewissen, noch unbekannten Verh\u00e4ltnissen der Centralorgane und den urspr\u00fcnglich angelegten, f\u00fcr verschiedene llautregionen bestimmten verschiedenen Mengen von Nervenfibrillen und Empfindungskreisen, den betreffenden absoluten und relativen Feinheitsgrad des Kaumsinnes einer llautregion bedingen hilft. Von den subjcctiven Momenten der Aufmerksamkeit und Hebung wollen wir hier vorl\u00e4ufig ganz abschcn.\nDie im Allgemeinen \u00fcbereinstimmende Vertheilung der Fein-heitsgradc des Raumsinncs in der Haut bei Kindern und Erwachsenen, welche meine weiter unten mitgetlieilte vergleichende Tabelle aus-weist, kommt auf Rechnung des gemeinsamen Organisationsplaues der Ccntralorgane und der peripherischen Ncrvenvcrtheilung, w\u00e4hrend die V c r s c h i e d e n h c i t e n der numerischen, speciellcn Verh\u00e4ltnisse des Feinheitsgrades homologer Hautregionen bei Kindern und Erwachsenen auf die individuellen Abweichungen in der Anordnung und Menge der Nervenfibrillen und auf die Differenzen der specifischen Wachsthumsgr\u00f6sse der Hautst\u00fccke zu schieben sein werden.\nElic ich meine vergleichenden Tabellen mittheile, erlaube ich mir nur noch \u00fcber deren Anfertigung und \u00fcber die Wicisiiu'schen Messungsmethoden Einiges zu bemerken.\nMeinen Tabellen habe icli E. II. Webbb\u2019s bekannte Tabelle \u00fcber die Feinheit des Kaumsinnes zu Grunde gelegt. Ich f\u00fcllte einfach die von Weber aufgestellten Rubriken (vgl.TabelleI, 8.313) mit den bei Kindern\n1 Diese Ansicht wird durch die Beobachtung gest\u00fctzt, dass die Differenz der Abst\u00e4nde der Zirkelspitzen in der Quer- und L\u00e4ngsrichtung bei Erwachsenen gr\u00f6sser ist als bei Kindern. Weber sagt: \u00bbEin Abstand der ber\u00fchrenden Zirkel-spitzen von Mi\"\u2019 bis IS'\" war an der Mitte des Oberarms erforderlich, wenn dieselben in querer Richtung, ein Abstand von \u2022'\u00ab)\"' und bisweilen noch mehr war n\u00fcthig, wenn sie der L\u00e4nge nach lagen\u00ab. F\u00fcr die Mitte des Unterarms fand Weber \\Y\" und 21\"'. Ich bestimmte die Differenz der Abst\u00e4nde bei einem 12j\u00e4hrigen Knaben im ersten Falle auf I\u00cf'\"\u201412\"', im zweiten Falle aber auf 10'\"\u2014\n20*","page":307},{"file":"p0308.txt","language":"de","ocr_de":"308\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\ngefundenen Werthen des kleinsten Abstandes der Zirkelspitzen aus, so zwar, dass meine Tabellen eine leichte und vollst\u00e4ndige Vergleichung mit Weber's Tabelle zulassen, wenngleich ich nach Wiener Linien gemessen habe, Weber aber nach Pariser Linien. Denn da nach Hannover\u2019s \u00bbTableau microm\u00e9trique\u00ab 1 P. L. \u2014 1,027643 W. L. ist, kann die Verschiedenheit der Maasse ohne das geringste Bedenken vernachl\u00e4ssigt werden. Die zweite Tabelle enth\u00e4lt die Vcrh\u00e4ltniss-zahlcn, welche man bei einer Vergleichung der Feinheitsgrade des i\u00eeaumsinncs je zweier verschiedener Hautstellen bekommt. Es ist eine sogenannte \u00bbtable \u00e0 double entr\u00e9e\u00ab. Die verschiedenen Hautstellen sind, wie in der ersten Tabelle ersichtlich ist, der K\u00fcrze wegen mit Buchstaben bezeichnet. Will man z. B. erfahren, wie viel Mal stumpfer der Kaumsinn auf dem unteren Theile der Stirne entwickelt ist als auf der Nasenspitze, so hat man nur auf der ersten Tabelle die beiden Buchstaben zu suchen, welche die zu vergleichenden Hautstcllen bezeichnen, und auf der zweiten Tabelle in der schr\u00e4gen und wagerechten Buchstabenreihe wieder aufzufinden, um sogleich die gesuchte Verh\u00e4ltnisszahl zu erhalten.\nDie Verh\u00e4ltnisszahlen sind so berechnet, dass sich die Buchstaben der schr\u00e4gen Keihc \u2014 oder vielmehr die Feinheit des Kaumsinnes der durch dieselben bczeichnctcn Ilautstellen\u2014 zu jenen der wagerechten Reihe verhalten wie 1 : x. Der K\u00fcrze halber ist die Zahl J \u00fcberall wcggclasscn. In jedem Viereck der zweiten Tabelle finden sich r> mit den Buchstaben W, II, E, B und F bczciclmete Verh\u00e4ltnisszahlen. Die mit W bczciclmete Zahl bezieht sich auf die erste Columne der ersten Tabelle, welche am Kopfe auch den Buchstaben W tr\u00e4gt und Weber\u2019s Messungsresultate f\u00fcr einen Erwachsenen enth\u00e4lt.\nDie mit 11, E, B und F bezcichneten Zahlen gelten f\u00fcr die von mir untersuchten vier Knaben. Auf der ersten Tabelle finden sieh auch vier mit diesen Buchstaben bczciehncte Columnen, welche die directe\u00bb Messungsrcsultatc, aus welchen jene Verh\u00e4ltnisszahlen berechnet wurden, enthalten.\nDurch diese Anordnung glaube ich meinen Tabellen einen m\u00f6glichst hohen Grad von Uebcrsichtliehkeit und Brauchbarkeit gegeben zu haben. Schliesslich halte ich cs nicht f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig, die untersuchten vier Knaben mit ihren Namen zu nennen und ihr Alter, ihre Gr\u00f6sse und den Namen und Charakter ihrer V\u00e4ter anzugeben, weil das Alter und die Gr\u00f6sse der Individuen f\u00fcr die Untersuchung von Bedeutung ist und die \u00fcbrigen Angaben zur Herstellung der Identit\u00e4t der Person unentbehrlich sind, wenn nach einer Reihe von Jahren dieselben Individuen einer wiederholten Untersuchung, welche von","page":308},{"file":"p0309.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n300\ngrossem Interesse sein wird, sollten unterworfen werden. Folgende Zusammenstellung enth\u00e4lt die n\u00fcthigen Angalten und \u00dcberdies das Buchstabenzeiclien der Colunme auf der Tabelle I und der Vcrliiiltniss-zalil auf der Tabellen, welche sich auf den betreffenden Knaben bezieht:\nln der Tabelle bezeichnet mit\tName des Knaben.\tAlter.\tGr\u00f6sse.\tName und Charakter des Vaters.\nH.\tHubert\ti 1 Jahr 9 Monat\t50 Z. W.\tHerr Raphael Wessely, Gutsbesiter in B\u00f6hmen.\nF.\tFriedrich\t12 Jahre\t51 Z. W.\tHerr Karl B. Presl, l\u2019rof. der Naturgeschichte an der Universit\u00e4t in Prag.\nE.\tEugen\t11 Jahre\t51 Z. OL.\tHerr Wilhelm Lippich, y Prof, der medicioisclicii Klinik au der Universit\u00e4t zu Wien.\nB.\tBobuslav\t12 Jahre\t55 Z. W.\tHerr Vinzenz Jiruseli, l)r. Medic, und praktischer Arzt in Prag.\nE. II. Wkukk\u2019s bekannte Methode, vermittelst eines Zirkels die Feinheit des Kaumsinnes zu messen, welche ich ausschliesslich auge-wendet habe, ist viel bequemer und genauer, als desselben Physiologen zweite Methode1), welche darin besteht, \u00bbdass man einen Menschen den Ort anzeigen l\u00e4sst, wo man seine Haut ber\u00fchrt oder soeben ber\u00fchrt hat\u00ab. Um Zuf\u00e4lligkeiten, welche das Kcsultat der Messung mitbedingen, m\u00f6glichst zu climinircn, ist man gezwungen, aus vielen Beobachtungen, die an demselben Individuum angcstcllt werden m\u00fcssen, das Mittel zu ziehen. Einen dem Zufall unterworfenen, die Messung mag dieselbe nach welcher Methode immer vorgenommen werden wesentlich beeinflussenden Umstand, welcher namentlich dann seine sch\u00e4dliche Wirkung \u00e4ussert, wenn die gefundenen Abst\u00e4nde der Zirkel-spitzen zur Berechnung der Verh\u00e4ltnisszahl zweier bez\u00fcglich des Feinheitsgrades des Baumsinnes zu vergleichenden llautst\u00fcckc dienen sollen, will ich n\u00e4her er\u00f6rtern, da derselbe meines Wissens noch nirgends hervorgehoben worden ist.\n1 E. II. Weber: lieber den Raumsinn. S. 80\u2014oo, in den Verhandlungen d. k. s\u00e4chs. Gesellschaft d. Wissensch. in Leipzig. Matli.-phys. Classe 1852.","page":309},{"file":"p0310.txt","language":"de","ocr_de":"310\nRoi tr\u00fcge zur Physiologie ties Tastsinnes.\nDas zur Untersuchung dienende Individuum hat bekanntlich, wenn man mit dem Zirkel misst, anzugeben, ob es die beiden gleichzeitig, und mit gleicher Kraft auf die Haut dr\u00fcckenden Zirkelspitzen r\u00e4umlich gesondert empfindet, oder oh die beiden Eindr\u00fccke zu Einem verschmelzen. Es giebt aber offenbar, wie bereits AVleisten bemerkt hat, keine haarscharfe Grenze zwischen einer r\u00e4umlich einheitlichen Empfindung und der Wahrnehmung einer r\u00e4umlich gesonderten Doppelempfindung.\nDas untersuchte Individuum, namentlich wenn cs in derlei sub-jeetiven Bestimmungen nicht sehr ge\u00fcbt ist, wird nun zwar bei einiger Aufmerksamkeit immer mehr oder weniger sicher angeben k\u00f6nnen, ob es eine einfache oder eine Doppelcmpfindung habe '), allein es wird wohl kaum mit einiger Verl\u00e4sslichkeit f\u00fcr zwei verschiedene Ilautstellen jene Abst\u00e4nde der Zirkclspitzen zu bezeichnen im Stande sein, welche genau denselben 0 rud der Deutlichkeit der Doppelempfindung auf den zu vergleichenden I lautstellen bedingen. F\u00fcr die richtige Vergleichung der Feinheitsgrade des Rauiusinncs verschiedener 1 lautstellen ist aber das Vorhandensein dieser schwererf\u00fcllbaren Forderung eine unerl\u00e4sslich noth wendige Bedingung. Die Ben\u00fctzung der Mittelwcrthc aus zahlreichen Beobachtungen ist auch hier das einzige Auskunftsmittel.\nDer eben er\u00f6rterte und ein anderer \u00e4hnlicher Ucbelstand macht sich bei der Anwendung des zweiten AVuBKK\u2019schen Verfahrens, jedoch in noch weit h\u00f6herem Grade geltend. Bei diesem Verfahren soll man mit einer kurzen Sonde den Funkt bezeichnen, welcher ber\u00fchrt wird oder soeben ber\u00fchrt wurde.\n\u00bbBestimmt man\u00ab, sagt Weber, \u00bbmit einem Zirkel oder Maassstabe, wie weit der Beobachter von dem gesuchten Orte entfernt bleibt, wenn er demselben am n\u00e4chsten zu sein glaubt, und nimmt aus vielen solchen Bestimmungen das Mittel, so wird man finden, dass er desto weiter von ihm entfernt bleibt, je unvollkommener der Baumsinn in dem Theilc der Haut ist, an welchem der Versuch gemacht wird\u00ab. Bei dieser Bestimmung spielt der Zufall eine so bedeutende Rolle, dass der Werth des ganzen Verfahrens zur Ermittelung der Feinheitsgrade des Raumsinncs in Frage gestellt wird.\nWenn die Entfernung von dem zuerst ber\u00fchrten Punkte, in welcher die suchende Sonde aufgesetzt wird, eine gewisse Gr\u00f6sse \u00fcberschreitet,\n1 Vor T\u00e4uschung bewahrt man sich , indem mau den Beobachter bestimmen l\u00e4sst., nicht nur ob er mit einer oder mit zwei Zirkelspitzen ber\u00fchrt wurde, sondern auch welche Richtung die die Zirkelspitzen verbindende Gerade im Vergleiche zur L\u00e4ngsaxe der Glieder und des K\u00f6rpers haben (Weber).","page":310},{"file":"p0311.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n31 I\nso f\u00fchlt man zwar leicht, (lass die Sonde von dem Orte der ersten Ber\u00fchrung noch ziemlich weit entfernt ist und dass man sieh demselben in einer gewissen Richtung noch mehr n\u00e4hern k\u00f6nne. Dass hei der Bestimmung ein gewisser Grenzwerth nicht \u00fcberschritten werden kann, h\u00e4ngt von dem Feinheitsgrade des Raumsinnes des betreffenden Hautst\u00fcckes ab, und in so weit, aber auch nur in so weit steht eine Messung nach dem in Rede stehenden Verfahren in director Beziehung zur Feinheit des Raumsinnes. Innerhalb eines bestimmten, jenem Grenzwcrthe entsprechenden Bezirkes um die zuerst ber\u00fchrte Hautstelle herum, dessen Ausdehnung von dem vorhandenen Feinheitsgrade des Raumsinnes abh\u00e4ngt, wird man aber an jedem Funkte stille halten und ihn als denjenigen bezeichnen k\u00f6nnen, wo man dem gesuchten Orte am n\u00e4chsten zu sein glaubt. Daher ist cs rein dem Zufalle \u00fcberlassen, bei welchem der Funkte jenes Bezirkes der Beobachter sein \u00bbSuchen cinstellt.\nMan sieht leicht, dass fast alle nach diesem Verfahren gewonnenen bestimmten Wertlie mehr oder weniger falsch und zwar zu kIein ausfallen werden, denn cs ist sehr unwahrscheinlich anzunehmen, dass die suchende Sonde selbst unter 1000 Beobachtungen auch nur ein Mal gerade auf der Grenze jenes Bezirkes, um dessen Bestimmung cs sich handelt, stehen geblichen sein wird. Hier hilft cs auch nichts, das Mittel aus vielen Beobachtungen zu ziehen, da die Bestimmungen in \u00fcberwiegender Zahl zu klein sind, das Mittel daher auch zu klein aus-fallcn muss. Bei dem Verfahren mit dem Zirkel ist die Bestimmung durch zwei Grenzwcrthe, einen kleinsten und einen gr\u00f6ssten beschr\u00e4nkt, w\u00e4hrend bei dem zweiten Verfahren nur der eine und zwar der gr\u00f6sste Grenzwcrfh nicht \u00fcberschritten werden kann, indem es f\u00fcr dieses Verfahren gar keinen kleinsten Grenzwerth gibt. Der kleinste Grenzwerth ist hier = 0, wenn n\u00e4mlich die suchende Sonde zuf\u00e4llig die zuerst ber\u00fchrte llautstelle findet.\nDies r\u00fchrt daher, dass der Doppeleindruck zweier einander zu sehr gen\u00e4herten, gleichzeitig und gleichstark aufgedr\u00fcckten Zirkel-spitzen zu einer Empfindung zusammcntlicsst, w\u00e4hrend der Eindruck, welchen die such ende Sonde macht, selbst dann noch eine gesonderte wenn auch nicht r\u00e4umlich bestimmte) Empfindung setzt, wenn die durch die Sonde ber\u00fchrte Hautstelle der anderen zuerst ber\u00fchrten Stelle so nahe liegt, dass bei gleichzeitiger Ber\u00fchrung dieser Hautstcllen absolut keine Trennung der beiden Empfindungen mehr m\u00f6glich w\u00e4re.\nAus dem Gesagten ergibt sich nun von selbst, dass das zweite WiiBEu\u2019sche Verfahren zur genaueren Bestimmung der Feinheit des","page":311},{"file":"p0312.txt","language":"de","ocr_de":"312\nBeitr\u00fcge zur Physiologie des Tastsinnes.\nRaiurisinnes in der Haut nicht nur im Vergleiche mit dem ersten Verfahren, sondern auch an und f\u00fcr sich g\u00e4nzlich unbrauchbar sei.\nDagegen k\u00f6nnte dieses Verfahren, wenn man cs etwas modificirte, zur Untersuchung einer Frage brauchbar werden, welche Weber f\u00fcr den sogenannten \u00bbDrucksinn\u00ab beantwortet hat, n\u00e4mlich: wie viel Zeit zwischen zwei auf einander folgenden Empfindungen verfliessen darf, um die letztere mit der erstereu noch mit einiger Sicherheit vergleichen zu k\u00f6nnen?\nWeber1' sagt: \u00bbIch habe hei verschiedenen Menschen Reihen von Experimenten dar\u00fcber gemacht, in welchem Grade die Vergleichung zweier Empfindungen unvollkommener werde, wenn 2, 5, 10, 15, 20. 25, 30, 35, 40 und mehr Secundeu vergehen, ehe die zweite Empfindung auf die erste folgt, mit der sie verglichen werden soll\u00ab.\n\u00bbRci manchen Menschen wurde die Vergleichung schon nach 10 Secundcn sehr unvollkommen. Rci gr\u00f6sseren Gewichtsunterschieden kann mehr Zeit vergehen, ehe man verhindert wird, das schwerere Gewicht von dem leichteren zu unterscheiden\u00ab.\nF\u00fcr den \u00bbRaumsinn\u00ab nun w\u00fcrde sich die Frage etwa so gestalten: wie viel Zeit darf zwischen zwei aufeinander folgenden Ber\u00fchrungen verstreichen, wenn noch mit Sicherheit, angegeben werden soll, ob zum zweiten Male derselbe oder ein anderer 1 lautpunkt ber\u00fchrt worden ist. Die St\u00e4rke des ersten Eindruckes und die Gr\u00f6sse der Entfernung des das zweite Mal ber\u00fchrten llautpunktcs von dem zuerst ber\u00fchrten werden wohl, wie beim Drucksinn die Gr\u00f6sse des Gewichtsunterschiedes, in geradem Verh\u00e4ltnisse zur L\u00e4nge der Zeit stehen, welche verfliessen darf ohne die M\u00f6glichkeit des Erkcnnens der Identit\u00e4t oder Nichtidentit\u00e4t der ber\u00fchrten 1 lautpunkte aufzuheben.\nIch lasse nun die Tabellen folgen :\n1 Handw\u00fcrterb. d. Physiol. von R. Wagnek. Art. \u00bbTastsinn u. Geineingetuhl\u00ab S. 545.","page":312},{"file":"p0313.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\t313\nTabelle I.\na 1\t<D = rt 2\tTheil der Haut\tAbstand der Zirkelspitzen in\t\t\t\t\n\t\tPar. Lin.\t\t\t\t\nf 8\t\t\t\tWiener Limen\t\t\n\t/\tW.\tH.\tF.\tE.\tB.\nA.\tZungenspitze1)\t\t\u2022t-\t\"2\ti \u20225\tJ '2\t1 *>\nB.\tVolarseite des letzten Fingergliedes\ti\t\t3\t3 n\t\u25a0\u00ce\nC.\tBother Theil der Lippen\t\t2\tl\t\t1\t1\n1).\tVolarseite d. zweiten Fingerglicdcs\t2\t4\ti\u00a7\t4\t4\nK.\tDorsalseite d. letzten Fingergliedes\tJ\t2\t2\t2\t2\nF.\tNasenspitze\t\t3\t2\t2\t9\t2\n(J .\tVolarseile an d. capil. oss. metacarpi\t3\t2 \u00ab LtL\t2\t2\t2\nH.\tR\u00fccken der Zunge 1\" von der Spitze\t\t\t\t\t\n\tin der Mitte\t\t1\t3\t3\t\u2014\t\u2014\nI.\tEbenda am Rande . .\t...\t1\t3\t3\t\u2014\t\u2014\nK.\tAm nicht, rothen Theil der Lippen\t1\t3\t3\t2\t3\nL.\tAm Metacarpus des Daumens . .\t3\t3\t3\t3\tH\nM.\tPlantarseite der grossen Zehe am\t\t\t\t\t\n\tletzten Gliede\t\t5\t3*\t3\t\u2014\t4\nN.\tDorsalseite deszweit.cn Gliedes der\t\t\t\t\t\n\tFinger \t\t5\t4\t4\t4\t4\n0.\tBacken\t\t5\t\u25a04\t1\t4\t1\nP.\tAeussere Oberfl\u00e4che d. Augenlides\t5\t4\t4\t4\t4\nQ-\tMitte des harten Gaumens ....\t\u00ab\t4\t5\t\u2014\t5\nR S.\tHaut auf dem vorderen Theile des Jochbeines\t Plantarseite am Metatarsus der\t7\t5\t5\t0\t5\n\tgrossen Zehe \t\t7\t5\t4\t\u2014\t5\nT.\tDorsalseite des ersten Gliedes der\t\t\t\t\t\nU.\tFinger \t\t7\t5\t1\t5\t5\n\tDorsalseite der ra)>H. uss. melacarpi\t8\t0\t0\t0\t0\nV.\tInnere Oberfl\u00e4che der Lippen nahe\t\t\t\t\t\n\tam Zahnfleisch\t\tII\t5\t0\t0\t0\nw.\tHaut am hinteren Theile des Joch-\t\t\t\t\t\n\tbeins\t\t10\tH\t7\t8\t0\nX.\tUnterer Theil der Stirne\t\t10\t0\t8\t8\t7\nY.\tHinterer Theil der Ferse\t\t10\t10\t0\t\u2014\t0\nz.\tBehaarter unterer Theil des Occiput\t12\t8\tlo\t8\t0\nA'.\tR\u00fccken der Hand\t\t11\t0\t10\t0\t12\nB'.\tHals unter der Kinnlade\t\t15\t(j\tlo\t8\t10\nV.\tScheitel\t\t15\t12\tlo\t10\t12\n1)'.\tKniescheibe und Umgegend . . .\tHi\t13\t11\t\u2014\t10\nE'.\tKreuz\t\tIS\t14\t15\t\u2014\t11\nF'.\tAuf dem Glutaeus\t\t18\t14\t15\t\u2014\t17\nG'.\tOberer und unterer Theil des Un-\t\t\t\t\t\n\tterarmes\t\t18\t14\t10\t17\t13\n11'.\tOberer und unterer Theil des Uu-\t\t\t\t\t\n\ttersehenkels\t\t18\t15\t10\t\u2014\t14\nP.\tFussr\u00fccken in der N\u00e4he der Zehen\t18\t15\t10\t\u2014\t12\nK'.\tAuf dem Sternum\t\t20\t10\t15\t15\t1 1\nI/.\tHaut am .R\u00fcckgrate\t\t21\u201430\t17\t10\t10\t14\nM'.\tAn manchen Stellen in der Mitte des\t\t\t\t\t\n\tOberarmes und Oberschenkels .\t10\u201430\t11\u201410\t14\u201418\t22\t13\u201410\n1 Der Abstand der Zirkelspitzen an der Zungenspitze ist bei den vier Knaben etwas zu gross angegeben, indem ich so kleine Differenzen, wie sie hier Vorlagen, nicht mehr mit voller Genauigkeit gemessen habe. \u2014","page":313},{"file":"p0314.txt","language":"de","ocr_de":"314\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nMir liegen zwar noch mehr Beobachtungen, welche ich zum Theil der (liite des Herrn Dr. Sulik verdanke, vor, als ich in dieser Tabelle zusammcngestcllt habe, allein ich spreche die folgenden allgemeinen S\u00e4tze docii mit einer gewissen Zur\u00fcckhaltung aus, da ich nicht verkenne, dass es mehr als Idos w\u00fcnschcnswerth w\u00e4re, die Zahl der Beobachtungen noch betr\u00e4chtlich zu vermehren, um das Gesctzm\u00e4ssige von dem Zuf\u00e4lligen, das Allgemeine von dem Individuellen zu trennen und rein darzustellen. M\u00f6gen meine Collegen dies Gcst\u00e4ndniss als eine directe Aulforderung zur Mitarbeiterschaft betrachten !\nDie reinsten, maassgebendsten llesultatc wird man jedoch, wie ich schon oben angedeutet habe, erst dann erhalten, wenn man Beobachtungsreihen wird vergleichen k\u00f6nnen, welche an einem und demselben Individuum im Kindes- und im Mannesalter gemacht worden sind. Mit den vier Knaben, welche in der obigen Tabelle angef\u00fchrt sind, beabsichtige ich seiner Zeit das Material zu einer solchen Vergleichung zu liefern.\nAus meiner Zusammenstellung geht v o r 1 \u00e4 u f i g folgendes hervor :\n1.\tDer Raumsinn ist in der Haut der Knaben feiner als in der Haut des Erwachsenen, denn die Abst\u00e4nde der Zirkelspitzen sind mit zwei Ausnahmen s\u00e4mmtlich kleiner f\u00fcr die ersteren, als f\u00fcr den letzteren.\nIn der Columne II finden wir n\u00e4mlich an dem hinteren Theile der Ferse ( )') den Abstand der Zirkelspitzcn = 10 Linien, ferner in der Columne B an der Kniescheibe und Umgegend \\D') den Abstand der Zirkelspitzen =1(3 Linien, wie in der Columne IV. Zur Erkl\u00e4rung dieser beiden Ausnahmen und anderer Unregelm\u00e4ssigkeiten k\u00f6nnte man anf\u00fchren, dass der Baumsinn an den fraglichen Hautstellen schon urspiinglich f\u00fcr eine geringere Entwickelung der Feinheit angelegt worden sei und dass \u00fcberdies die Haut jener Regionen rascher als an anderen Orten sich ausgedehnt habe, so dass sic schon im Knaben nahezu jene quadratische Ausdehnung erreicht h\u00e4tte, welche sie im Erwachsenen zu erreichen bestimmt war. Was den Fall in der Columne B betrifft, so ist \u00fcbrigens zu bemerken, (lass auf der Kniescheibe selbst der Abstand der Zirkelspitzcn weniger als 1(3 Linien betrug und dass nur die Umgebung derselben diesen Abstand forderte.\n2.\tDie Abst\u00e4nde der Zirkelspitzen nehmen im Allgemeinen in s\u00e4mmtlich en \u00f4 Column en van oben nach unten an Gr\u00f6sse zu, f\u00fcr die Knaben jedoch weniger stetig und gleichm\u00e4ssig als f\u00fcr den Erwachsenen.\n3.\tDie Differenzen zwischen den Abst\u00e4nden der Zirkelspitzen bei den Knaben und bei dem Erwach-","page":314},{"file":"p0315.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n315\nseiten, welche man auf gleichen II aut stellen findet, fallen im Allgemeinen um so gr\u00f6sser aus, je weniger feinf\u00fchlend die zur Bestimmung der Differenz gew\u00e4hlte 11 autrcgion ist.\nSo z. B. betragen die Differenzen der Abst\u00e4nde auf dem Sternum A '] HA\"', F5\"'. /i 5\"', H w\u00e4hrend dieselben auf der Volarseite des letzten Fingerglicdes [B) nur II'//\", F1//\", F. Ii '//\" betragen.\nDie weniger feinf\u00fchlenden Ilautregionen scheinen zugleich jenen Th eilen des K\u00f6rpers zu entsprechen, welche im Verh\u00e4ltnisse am meisten w\u00e4hrend des Wachsthums an Gr\u00f6sse zunehmen, deren Haut also auch am meisten an quadratischer Ausdehnung zunehmen muss, wie z. B. an Armen, Beinen, Brust und R\u00fcckgrat.\n4. Die Abst\u00e4nde der Zirkelspitzen sind f\u00fcr die einzelnen Knaben nicht unbetr\u00e4chtlichen individuellen Schwankungen \u2014 (namentlich in den stumpffii blenden Hautregionen) \u2014 unter w o r f e n.\n(Siehe nebenstehende Tabelle II.)\nDiese Tabelle lehrt :\n1.\tDass die relativen Feinheitsgrade des Raumsinnes in den verschiedenen Hautregionen f\u00fcr die Knaben sowohl als f\u00fcr den Erwachsenen im Allgemeinen \u00fcbereinstimmen, indem s\u00e4mmtliche Verh\u00e4lt-nisszahlen von links nach rechts und von unten nach o b c n a n Gr\u00f6sse z u n e li m e n ;\n2.\tdass es an individuellen Schwankungen nicht fehlt; und\n3.\tdass die Verh\u00e4ltnisszahlen in manchen Columnen f\u00fcr die Knaben, in manchen anderen hingegen f\u00fcr den Erwachsenen entschieden gr\u00f6sser ausfallen, dass somit die relativen Feinheitsgrade des Raum Sinnes, wie wir oben bereits a priori verni utheten, bei Kindern im Specieilen doch etwas anders auf der Haut vcrthcilt sind, als bei Erwachsenen.\nNachdem wir unsere im Eing\u00e4nge des \u00a7 dargclegten Folgerungen durch die mitgetheilten Beobachtungen best\u00e4tigt fanden, werden wir uns die Frage aufwerfen m\u00fcssen, in welcher Ausdehnung das Princip der relativen Fl\u00e4chenausdehnung und Wachsthumsgr\u00f6sse der Haut an-gewendet werden d\u00fcrfe, ob es zul\u00e4ssig sei, ohne Vorbehalt die Folgerung zu ziehen :","page":315},{"file":"p0315s0001tableII.txt","language":"de","ocr_de":"TABELLE II\nzu $. 315.\n/I\t\t1 B |\tC\t\\ D\t] E\tF\tl G\t! H\tI\tK\tL\tM\tN\t0\tP Q\t\tR\t! s\tT\tU\ty\tw\t.V\tY\tz\t*\tB'\tC\tiy\tE'\tF\tG\u2019\tII'\tr\tA\tL'\tM'\t\n,1\t1 W 1-0 H 1-0 F 10 \u00a3 10 B 1-0\tI 2-0 !\t1*5 i 1 -5 1-5 1*5\t40 20 1-\t5 2-\t0 20\t1\t4-0 |\t3-0 i 3-5 |\t3-0 | 3-0\t; 0-0 ; 4-o 1 4-0 4-0 1 4-0\t60 4 0 4-0 4-0 4-0\t6-0 5-0 4-0 4-0 4-0\t8*0 6-0 00\tI 8-0 \u00fc*0 0-0\ts-o \u00fc-0 c-u 4-0 6-3\t8*0 0*0 0*0 0*0 6*0\t; lo-o S-0\t10*0 8*0 S-0 b*0 yO\t10-0 0*0 8*0 8*0 8*0\t10-0 8*0 8*0 8*0 8*0\t! 12-0 1 3*0 ; \u00eeo-o I 100\t14*0 10*0 10*0 12*0 10*0\t14-0 10-0 S-0 10-0\t14-0 | 10-0 i S-0 1 10-0 10*0\t\u00eeo-o 12-0 12-0 12-0 120\t18-0 10-0 12-0 12*0 120\t20-0 17-0 14-0 l\u00fc-0 12-0\t2o-o ls-0 10*0 l\u00fc-0 14-0\t20-0 20*0 iS*D IS-0\t24-0 l\u00fc-0 20-0 l\u00fc-0 ISO\t28-0 ISO 20*0 ISO 24*0\t30.0 1S-0 20-0 l\u00fc-o 20-0\t30-0 24-0 20-0 *20-0 24*0\t32-0 26-0 2s-o 32-0\t3\u00fc-0 2s-0 30-0 22-U\t3\u00fc-0 2S-0 30-0 340\t3\u00dc-0 2s-u 32-0 34-0 2\u00fc-o\t50.0 50-11 32-0 2s-<>\t3\u00fc-0 32-0 2n-0 - 24-0\t40-0 32-0 30-0 30-0 2s. 0\t42-O-\u00fcd.I) 34-0 32-0 32*0 2s-0\t324-00.0 j 2s 30 1 41 20-88\t\nB\tB\tW \u00a30 H 10 P 10 E 1-0 B 1-0\t20 1*3 1-0 1-3 1-3\t20 20 2-3 2-0 20\tj 3-0 li 2-7\t3-0 2-7 2-7 2-7 2-7\t30 3-3 2-7 2-7 2-7\t40 4 0 40\t4-0 4-0 4-0\t4*0 4-0 40 2*7 43\t4*0 4*0 1*0 4 0 4*0\t3*0 4*7 4*0 5*3'\t5*0 5*3 5-3 5*3 5*3\t5*0 0*0 5*3 5*3 5*3\t5*0 5*3 5*3 5*3 5*3\t0*0 5*3 0*7 0*7\t7-0 6*7 0*7 8*0 0*7\t7-0 \u00fc-7 5-3 0-7\t7-0 0-7 5-3 l\u00ef-7 fi-7\t8-0 S-0 S-0 S-0 8-0\t90 0-7 S-0 S-0 S-0\t10*0 11-3 9-3 10*7 8-0\t10-0 120 10-7 10-7 9-3\t10-0 13-3 12*0 12-0\t12-0 10-7 13-3 10-7 12-0\t14*0 12-0 13-3 12-0 l\u00fc-U\t15*0 1*2-0 13-3 10*7 13*3\t15-0 l\u00fc-0 13-3 i:;-3 l\u00fc-0\tl\u00fc-0 17-3 lS-7 21-:;\tls-o 18-7 20-0 14-7\t18-0 ls-7 20-0 22-7\tISO 1S-7 21-3 n-3\tls-0 2o-o 2F3 ,8,\tls-o 21-3 ls-7 10-0\t200 21-3 2o-o 20-0 lS-7\t21-30 22*7 2\u00ce4 214 ls-7\t10-30 14-\t7-25*3 15-\t7-210 29-3 17*3-25-3\t\n! c\t\tC\tw i-o H 10 F 1-0 \u00a3 1-0 B 10\t1-0 1-\t5 2-\t3 2-0 2-0\t1-\t5 20 2-\t7 20 2*0\t1*5 2-0 2-7 2-0 \u2022 2-0\t1-\t3 2-\t5 2-7 2-0 2-0\t20 3-0 40\t2-0 3-\t0 4-\t0\t2-0 3-0 4*0 2-0 3*2\t2*0 3*0 4*0 3*0 3*0\t2*5 3*6 4*0 4*0\t2*5 4*0 5*3 4*0 4*0\ti 2-\u00e2 4*5 5*3 4*0 4*0\t2*5 40 3*3 [ 4*0 4*0\t3*0 4*0 6*7 0*7\t3*5 5*0 0*7 0*0 5*0\t!\t3*5 5*0 5-3 5-0\t:>*5 5*0 5-3 5*0 5*0\t4-\t0 0-0 5-\t0 \u00ab\u25a00 0-0\t4-\t5 5-\t0 s-o \u00fc-0 \u00fc-0\t5-0 8-\t5 9-\t3 s-0 \u00fc-0\t5-0 9*0 10-7 S-0 7-0\t5-0 lo-o 12-0 9-0\t\u00fc*0 S-0 13*3 S-0 90\t7*0 9*0 13-3 9*0 12-0\t7-5 9-0 13-3 s-0 10*0\t7-5 12-0 13-3 1O-0 12-0\tS-0 13-0 1S-7 l\u00dc-0\t9-0 14-0 20-0 11-0\t9-0 14-0 20-0 IM)\t9-0 14*11 21-3 17-0 ! 3-0\till 213 14-0\t9-0 l\u00fc-0 1S-7 12-0\t10-0 l\u00fc-0 20-0 15-0 14-0\t10-5-15-0 17*0 21-3 l\u00fc-0 14-0\tS-0-15-0 11-0-19-0 18-7-24-0 22-0 13-0-19-0\ti\nD\t\t\tD\tWl-0 H 1-0 F 1-0 E 1-0 B 1-0\t1-5 1-3 M 1-3 1-3\t1-5 1-3 M 1-3 1-3\t1*5 1-7 l-l 1-3 1-3\t2-0 2-0 1-7\t2-0 2-0 1-7\t2*0 2*0 1*7 1*3 2*2\t20 20 1-\t7 2-\t0 2-0\t2*5 2-3 1*7 2*7\t2-5 2-7 2-3 2-7 2-7\t25 3-0 2-3 2-7 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3-\t4 4-\t0\t2-3-4\"3 2-2-3-s 38-4.3\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tE \u2014 B 1-0\t1-0\t1-2\t1-2\t1-2\t1-4\t1-8\t1-S\t24\t2-0\t24\t3-2\t2-2\t3-4\t2-0\t2-s\t2-4\t2-8\t2-S\t20-3.8\t\nr\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tT\tW 1.10 H MO F MO E l-H) B l-'O\t1-1 1-2 1:1 1-2\t1-3 1-0 il 1-2\t1-4 1-7 1-7 l-(i 1-2\t1-\t4 1-8 2-\t0 1-\u00fc 1-2\t1-\t4 20 2-\t2 1-S\t1-7 1-\u00fc 2*5 1*6 1-S\t2-0 1-\t5 2-\t5 I!\t21 1-\tS 2-\t5 1-0 20\t24 24 2-0 24\t2-\t3 2\u00ab 3-\t5 3-2\t2-\t\u00fc 2-8 3-\t7 2-2\t2-6 2-8 3-7 3-4\t2-0 2-8 40 II\t2-\t\u00fc 3-\t0 4-\t0 2-S\t2-0 3-2 3-5 24\t2!) :i-2 8-7 34 2-s\t3-0-4-3 3-\t4 4-\t0 II\t23-4-3 2-\t2-3-S 3-\t5- 4-5 44 2-n-.;-s\t\nu\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tu\tW 1-0 H 1*0 F 1-0 E 1-0 B 1-0\t1-1 0*8 1-0 1-0 1-0\t1-2 1-4 1-2 1-3 1-0\t1*2 1-5 1*3 1-3 1-2\t1-2 1-7 1-5 1-5\ti-5 1-3 1-7 1-3 1-5\t1-7 1-5 1*7 1-5 2*0\t1-9 1-5 1-7 1-3 1-7\t1-\t9 2-\t0 1-7 1-7 20\t2-0 2-2 23 2-7\t2-2 2-3 2-5 1-S\t2-2 2-3 2-5 24\t2-2 2-3 2-7 1:1\t2-2 n 2-3\t2-2 2-7 2-3 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1-0\t1-0 1-1 M 1-3\t1-2 0-0 1-2 1-0 1-3\t1-4 J*0 1*2 1-1 1-7\t1-5 1-0 1-2 1-0 1-4\t1-5 il 1-2 1-7\t1-C 1-4 1-\t7 2-\t3\t1-S 1-\u00dc 1-9 1-\u00fc\t1-S 1-\u00fc 1-\t9 2-\t4\t1-S 1-0 20 21 1-0\t1-8 1-\t7 20 2-\t0\t1-S 1-S 1-7 1-7\t2-0 1-S 1-9 1-\t9 2-\t0\t\u25a021-3-0 1-\t9 2-\t0 2-0 2-0\t1-0-3-0 1.2-2-1 J-7-2-2 2-7 1-9-2-7\t\nY\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tY\tWl-0 H 1-0 i_F 1-0\t1-2 0-8 M\t1-4 0*9 M\t1-5 0-9 M\t11 J-l\t1-6 1-3 1-0\t1-S 1-4 1-7\t1-S 1-4 1-7\t1-S 1-4 1-S\t1-S 1-5 1-S\t1-S 1-\u00fc 1-6\t2-0 1-0 1-7\t21-3-0 1-7 1-S\t14-34 1-1-14 1-8-24\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tB 10\t1-0\t1-3\tM\t1-3\t1-8\t1-2\t1-9\t1-4\t1-0\t1-3\t1-C\t14\tJ 4-2-1\t\nz\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tZ\tWl-0 H 1-0 F 1 -0 El-0 B 1-0\t1-2 M 1-0 1-1 1-3\t1-2 M 1-0 1-0 M\t1-2 1-5 i 1 14\t1-3 1-6 1-4 1-8\t1-5 1-7 1-5 M2\t1-5 1-7 1-5 1-9\t1-5 1-\t7 1-6 2-\t1 1*4\t1-5 U9 1-C 1-C\t1-\t5 2-\t0 1-4 1-3\t1-\t7 2-\t0 1-5 14 14\t1-7-24 2-1 14 24 14\t! -3-2-5 14-24 1-44-8 2-7 14-2-1\t<\n\u00cf A'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\ti\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tA'\tWl-0 H 1*0 F 1*0 El-0 B 1*0\t11 1-0 1-0 0-0 os\t\u00c0 1-3 t-0 M 1-0\t1-1 1-4 1-4 1-3\t1-3 1-6 1-5 0-9\til 1-5 1-4\t1-3 1-0 1-\u00dc 1-9 1-1\t1-3 1-7 l-Or\" 1-2\t1-3 1-S 1-4 1-0\t1-4 1-S 1-5 1-7 1-2\t14-2-1 1-0 14 il\t11-21 1-2-21 1-4-1-S 2-4 1-1-14\ti\nB\u2019 L\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t! i\t\t\t-\t\t\t\t\t\t\t\t\tB'\tWl-0 H 10 F 10 E 1-0 B 10\t10 1-3 il 1-2\t1-1 1-4 1-4 1-6\t1-2 1-\u00fc 1-5 M\t1-2 1-6. 1-5 1-7\t1-2 1-0 1-\tC 2-\t1 1-3\t1-2 1-7 \u00ee-c- 1-4\t1-2 1-8 1-4 1-2\t1-3 1-S 1-5 1-9 1-4\t1-4-2-0 1-9 1-\tC 2-\t0 1-4\t1-1-2-0 1-2-21 1-4- 1-S 2-7 1-3-1-9\t\na L\t'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tC\tWl-0 \u00bb El-U B 1*0\tM 14 1-3\tJ-2 .,.,1*2 1-5 0*9\t12 . J-2 1-5 14\t1-2 1-2 1-\u00fc 1-7 M\t1-2 4-2.... 1-0 .M\t1-2 il To\t1-3 il 1-5 1-2\t1-4-2-0 1-4 1-\u00fc 1-\u00fc 1-2\t14-2-0 0-\t9-1-0 14-1-S 2-2 1-\t1-1 -(>\t<\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tD'\tWl-0 H 1-0 F 1-0\tM M 1-1\tl-l ht ht\tM 1-1 M\t1 1 1-2 M\t14 1-2 1-0\t1-2 1-2 1-1\t1-3-20 1-3 M\t1-0-1*9 0-\tS-l-5 1-\t\u00fc-1-3\t\nr\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tE \u2014 B 1-0\t0-7\t1-1\t0-8\t0-9\t0-7\t0-9\to-o\t0-8-1 -2\t\nE'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tE'\tW 1-0 H 1-0 F 1-0\t1-0 1-0 1-0\t1-0 J-0 M\t1-0 M 14\t1-0 1-1 0-9\tJ-J 1-1 J-0\t12-1-7 1-2 1-1\tO-S-l-7 0-8-14 0-9-1 -2\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tE \u2014 B 1-0\t1-5\t1-2\t1-3\tM\t14\t14.\t1-2-1 -7\t\nF\t\t\t\t\t\t\t\t\t\u25a0 r i\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tF\tWl-0 H 1-0 F 1-0\t1-0 1-0 M\t1-0 M 1-1\t1-0 1-1 0-9\ti-i \u00ee-i 1-0\t1-2-1-7 1-2 l-l\tO-S-l-7 O-S-l-4 0-9-1 -2\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tE \u2014\u25a0 B 10\t0-8\tol\t0-7\to-s\t0-8\t0-7-1 -1\t\nO'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tG'\tWl-0 H 1-0 F 1-0 E 1*0 B 1-0\t1-0 M 10 1-1\t1-0 M 0-9 0-9\t1-1 1-1 0-9 0-9 M\t1-2-1 -7 1*2 1-0 0-\t9 1-\t1\tO-S-l-7 O-S-l-4 0-9-1-1 1-3 1*0-1*5\t;\nII'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t/\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tH'\twi-o H 1-0 F 1-0\t1-0 M 0-9\t1-1 14 0-9\t1-2-1-7 14 1-0\tO-S-J-7 0-7-1-3 0*94-1\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tB 1-0\tou\t1-0\t1-0\t0-9-14\t\n/'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tr\tWl-0 H 1-0 F 1-0\t1-1 1-0 M\t1-2-1-7 14 1-0\tO-S-l-7 <1-7-4 -2 14-1-3\t\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tB 1-0\t>3\t1-2\t1*1-1-0\t\n; K'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tK'\tW 1-0 H 1-0 F 10 E 1-0 !{).-a\t1-0-1 -5 1-1 1-1 l-l 1-0\t0*8-1-5 0-74-2 0-9-1-2 1-5 0-9-14\t\nV\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tL'\tW 14 H 14 F 14 E 1-0 B 14\tJ 0-84 *4 ( 0-5-1*0 0-04 4 0*9-1\u20221 14 0*94 4\t\n\\ M'\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\til/'\tw 1 -o H l*u F1-0 El-0 B 1*0\t","page":0},{"file":"p0316.txt","language":"de","ocr_de":"316\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nDass ein Individuum einen um so feineren Raumsinn besitzen m\u00fcsse, je geringer die quadratische Ausdehnung seiner Haut ist.\na) Wenn das Individuum ein Kind ist, so wird uns eine kurze Erw\u00e4gung erkennen lassen, dass wir offenbar zu weit gingen, wenn wir in Uebereinstimmung mit unserem Princip, dem S\u00e4ugling oder gar dem F\u00f6tus den feinsten Raumsinn zuschreiben wollten. Wir w\u00fcrden dabei \u00fcbersehen, dass der bewusste Gebrauch der Sinne ein bereits h\u00f6her entwickeltes Ich, welches sein inneres Schauen in einem Sinne auf einen Punkt zu concentriren versteht, voraussetzt, dass ferner die Sinne, je mehr sie ge\u00fcbt, je besser sie erzogen wurden, auch desto feiner und brauchbarer sind.\nDie subjectiven Momente der \u00bbAufmerksamkeit\u00ab und \u00bbUebung\u00ab, deren Bedeutung f\u00fcr die Feinheit des Raumsinnes unsere weiter unten mitgetheilten Untersuchungen an Blinden aufdecken werden, konnten wir fr\u00fcher wohl unber\u00fccksichtigt lassen\u2014 da die vier Knaben, um die es sich handelte, sinnlich so weit entwickelt waren, als dies durch die nat\u00fcrliche Erziehung der Sinne \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist \u2014 k\u00f6nnen es aber nicht unter allen Umst\u00e4nden. Der oben aufgestellte Satz gilt daher nur in so weit, als wir, abgesehen von den schon Eingangs er\u00f6rterten Beschr\u00e4nkungen, die beiden subjectiven Momente f\u00fcr zwei bez\u00fcglich der Feinheit des Kaumsiuncs zu vergleichenden Individuen, von denen das eine noch nicht, das andere bereits erwachsen ist, gleich setzen k\u00f6nnen.\nAus diesem Grunde d\u00fcrften Beobachtungen an ganz kleinen Kindern, welche erst so weit entwickelt sind, dass sic die an sie gestellten Fragen eben aufzufassen und zu beantworten im Stande sind, leicht andere, als die von uns f\u00fcr entwickeltere Kinder erwarteten und gewonnenen Resultate liefern. Es m\u00f6chte uns hierbei gar nicht befremden, wenn, namentlich an den feiner f\u00fchlenden Ilautstellcn. die Abst\u00e4nde der Zirkclspitzen ebenso gross, ja selbst noch gr\u00f6sser, als bei Erwachsenen, ausfallen w\u00fcrden.\nUcbrigens ist liier noch eines Momentes und zwar eines objcctivcn zu erw\u00e4hnen, welches die Feinheit des Raumsinues der Haut wohl auch mit bedingt und namentlich hier, wo cs sicli um Kinder und Erwachsene handelt, in Betracht kommen d\u00fcrfte, \u2014 n\u00e4mlich : die Dicke und Beschaffenheit der die Nervenausbreitung deckenden, unempfindlichen Schichten, welche den objcctivcn Reiz bis zu jenen sensitiven Theilen zu leiten haben. Je d\u00fcnner und zarter diese Schichten sind, desto sch\u00e4rfer begrenzt und vollst\u00e4ndiger werden wohl die Tasteindr\u00fccke den empfindenden Theilen \u00fcbermittelt werden und umgekehrt. Die","page":316},{"file":"p0317.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n317\nFeinheit in der Auffassung r\u00e4umlicher Verh\u00e4ltnisse vermittelst des Tastsinnes muss offenbar durch ein sch\u00e4rferes Tastbild ebenso erh\u00f6ht werden, als dies bei den Wahrnehmungen vermittelst des Gesichtssinnes, durch ein optisch vollkommeneres Kctinabild der Fall ist. Daf\u00fcr spricht die Unvollkommenheit unserer Tastwahrnchmungcn, wenn unsere Hand mit einem Handschuhe bedeckt ist. In dieser Beziehung scheinen die Kinder den Erwachsenen gegen\u00fcber im Vor-tlieil zu sein.\nb) Eben so wenig gilt der obige Satz unter allen Umst\u00e4nden f\u00fcr Erwachsene. Denn es zeigt sich bei n\u00e4herer Betrachtung sogleich, dass wir einem Kiesen, blos wegen der betr\u00e4chtlicheren quadratischen Ausdehnung der Haut, welche seine gigantischen Glieder deckt, nicht so ohne weiteres Bedenken einen weniger feinen Kaumsinn zuschreiben d\u00fcrfen, als einem zwergartig gebauten Menschlein, dessen Haut nicht ansreichte Brust und K\u00fccken des Kiesen einzuh\u00fcllen. Wir w\u00fcrden hierbei den wesentlichen Einfluss des Organisationsplanes der Central-organe des Tastsinnes und der peripherischen Verbreitung der Tastnerven auf die Feinheit des Kaumsinnes der Haut \u00fcbersehen.\nUnsere Folgerung ist nur dann statthaft, wenn diese und alle \u00fcbrigen Bedingungen, von denen die Feinheit des Kaumsinncs abh\u00e4ngt, f\u00fcr beide Individuen dieselben oder nahezu dieselben w\u00e4ren. Unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden steht allerdings die Gr\u00f6sse der quadratischen Ausdehnung der Haut in irgend einem entgegengesetzten Verh\u00e4ltnisse mit der Feinheit des Kaumsinncs. Denkt man sich einen Menschen von gew\u00f6hnlicher Gr\u00f6sse, ohne sonst das Geringste an seiner Organisation zu \u00e4ndern, bedeutend vergr\u00f6ssert, so w\u00fcrden die Dimensionen der Empfindungskreise der Haut nach allen Kichtungen zunehmen, und da sich die Zahl derselben nicht vermehrt haben w\u00fcrde, so m\u00fcsste der Kaumsinn des zum Kiesen vergr\u00f6sserten Individuums offenbar bedeutend stumpfer geworden sein. Mau sieht aber leicht, dass, wenn mit der Vergr\u00f6sscrung jenes Individuums eine gewisse Ver\u00e4nderung der Ccntralorganc und eine entsprechende Vermehrung der Nervenfasern und Einpfindungskrcisc gleichen Schritt halten w\u00fcrde, der Kaumsinn der Haut nicht nur nichts an seiner Feinheit einzub\u00fcssen brauchte, sondern sogar an Feinheit zunehmen k\u00f6nnte.\nEs w\u00e4re nicht uninteressant, directe Messungen \u00fcber die Feinheit des Kaumsinnes der Haut an besonders grossen und an auffallend kleinen erwachsenen Menschen anzustellen und zu vergleichen. Denn wenn wir voraussetzen, dass es eine bestimmte. in der menschlichen Organisation begr\u00fcndete allgemein g\u00fctige Grenze der Feinheit und der","page":317},{"file":"p0318.txt","language":"de","ocr_de":"318\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie dos Tastsinnes.\nStumpfheit des Raumsinnes der Haut gibt, so liesse sich aus den Resultaten dieser Messungen entscheiden, ob die im F\u00f6tus urspr\u00fcnglich angelegten qualitativen und quantitativen Verh\u00e4ltnisse des centralen und peripherischen Tastnervensystems mit der sp\u00e4teren K\u00f6rpcrgr\u00f6ssc (Hautausdehnung) des erwachsenen Individuums in Beziehung stehen oder nicht. F\u00e4nde sich in der That eine solche Beziehung zwischen den Verh\u00e4ltnissen des Tastnervensystems und der sp\u00e4teren K\u00f6rpergr\u00f6sse des Erwachsenen, so m\u00fcssten sich Individuen, deren K\u00f6rper riesige Dimensionen, und deren Raumsinn die gew\u00f6hnlichen Feinheitsgrade zu erreichen bestimmt w\u00e4re, nach den in diesem Paragraphe mitgethciltcn Schl\u00fcssen und Beobachtungen im Kindesalter durch einen auffallend feinen Raumsinn der Haut auszeichnen und eharaktcrisircn.\nUnter diesen Voraussetzungen w\u00e4re uns dann also in dem Reinheitsgrade des Raumsinnes kindlicher Individuen eine Pr\u00e4misse zu einem Wahrscheinlichkcitsschlusse auf ihre k\u00fcnftige K\u00f6rpergr\u00f6sse als Erwachsene gegeben.\n\u00a7 2. Beobachtungen \u00fcber die Feinheit des Raumsinnes der Haut bei\nBlinden.\nDie quantitativen und qualitativen Verh\u00e4ltnisse des Tastnervensystems und des Hautorgans sind die ohjectivcn, die Concentrirung der Aufmerksamkeit und die Hebung sind hingegen die subjectiven Momente, welche die Feinheit des Raumsinnes der Haut wesentlich bedingen. Der h\u00f6chste Feinheitsgrad des Raumsiimes kann nur durch eine m\u00f6glichst g\u00fcnstige Anlage der ohjectivcn und zugleich durch eine m\u00f6glichst sorgf\u00e4ltige Ausbildung der subjectiven Momente erreicht werden. Der Mangel der subjectiven Ausbildung kann theilweise und innerhalb gewisser Grenzen durch die nat\u00fcrliche Anlage, und der Mangel der nat\u00fcrlichen Anlage durch die subjective Ausbildung ersetzt werden.\nDie t\u00e4gliche Erfahrung an Blinden lehrt, dass sie alle Verh\u00e4ltnisse der Ausscnwelt, in so weit diese mit dem Tastsinne wahrgenommen werden k\u00f6nnen, ungleich sch\u00e4rfer unterscheiden als .Sehende. Diese thats\u00e4chliehe Sch\u00e4rfung ihres Tastsinnes kann offenbar nicht in einer g\u00fcnstigeren urspr\u00fcnglichen Anlage des Organs, sondern muss in der Ausbildung der subjectiven Momente gesucht werden, in Folge deren sich dann allerdings auch die objec-tiven Verh\u00e4ltnisse des Organs ver\u00e4ndern und verbessern k\u00f6nnten. Blinde verm\u00f6gen eben mehr als Sehende auf die W ahrnehmungen des","page":318},{"file":"p0319.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n319\nTastorgans ilirc Aufmerksamkeit zu concentriren/ da dieselbe durch das Gesicht nicht abgelenkt und zerstreut wird, und sind gezwungen ihr Unterscheidungsverm\u00f6gen in dieser Richtung dermassen zu \u00fcben, dass ihnen schliesslich die leisesten Verschiedenheiten der Tastempfindungen, welche den weniger Aufmerksamen und weniger ge\u00fcbten Sehenden gar nicht zum Bewusstsein kommen, nicht entgehen k\u00f6nnen. Da es meines Wissens bisher noch Niemand unternommen hat, durch genauere Messungen an Blinden eine exactere Vorstellung \u00fcber die Zunahme der Sch\u00e4rfe des Tastsinnes zu gewinnen, so habe ich, zum Wenigsten \u00fcber den Raum sinn der Haut, bei Blinden Beobachtungen nach Weber\u2019s Methode angcstcllt. Ich habe erwachsene Blinde und blinde Kinder untersucht, um zugleich die Erfahrungen des vorigen Paragraphen in dieser Richtung zu erweitern.\nDie Gelegenheit zu meinen Messungen wurde mir mit grosser Bereitwilligkeit von dem Herrn Bezecny, Oberlehrer an der lTivat-Erzichuugs- und Heilanstalt f\u00fcr Blinde und von dem Herrn k. k. jub. Kreisrath Klar, Director und Mitbegr\u00fcnder der Versorgungs- und Besch\u00e4ftigungsanstalt f\u00fcr erwachsene Blinde geboten. Ich sage hiermit \u00f6ffentlich beiden M\u00e4nnern f\u00fcr die mir gew\u00e4hrte freundliche Unterst\u00fctzung meinen innigsten Dank.\nDie nachstehende Tabelle III enth\u00e4lt die Zusammenstellung der Resultate meiner Messungen und ist wohl ohne Weiteres verst\u00e4ndlich, indem sie genau ebenso verfasst ist wie Tab. I im vorigen Paragraph.\nDie Wcrthe der Coluinnc N. beziehen sich auf den Knaben Nejedly welcher 13 Jahre und einige Monate alt und 50 Zoll G Lin. gross ist, im Alter von drei Wochen erblindete und seit vier Jahren in der Anstalt sich befindet.\nDie Wcrthe der Columne Br. beziehen sich auf den Knaben Broeckl, welcher ungef\u00e4hr in gleichem Alter mit Nejedly stellt, aber um 1 Zoll G Linien kleiner ist als dieser, mit vier Jahren erblindete und sich bereits sechs Jahre in der Anstalt aufh\u00e4lt.\nDie letzte mit P. bczeichnetc Zahlenreihe enth\u00e4lt die Messungs-resultate an dem erwachsenen Blinden August Puiil, welcher in einem Alter von sechs Monaten erblindete, gegenw\u00e4rtig 21 Jahre z\u00e4hlt und \u00f6S Zoll hoch ist.\nNoch will ich erw\u00e4hnen, dass ich zur Untersuchung der am feinsten f\u00fchlenden Hautstellen durchgehends einen Zirkel mit ungedeckte n \u00bbS p i t z e u angewendet habe.","page":319},{"file":"p0320.txt","language":"de","ocr_de":"320\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nTabelle 1IL.\n1.1\tTheil der Haut\tAbstand der Zirkelspitzen in Wiener Linien.\t\t\n\t\tN.\tEr.\tP.\nA.\tZungenspitze\t\ti\t\t.1.\nB.\tVolarseite des letzten Fingergliedes\t\ti\t.1\t*2 3 1\n0.\tItotlier Theil der Lippen\t\ti\t1\t\nD.\tVolarscitc des zweiten Fingergliedes\t\t4\t11\t4\nE. F.\tDorsalseite des letzten Fingergliedes\t\t4\t4\tH\n\tNasenspitze\t\t2\tH\t2\nG.\tVolarscitc der capitula ossium melacarpi ....\t2\t2\t3\n11.\tR\u00fccken der Zunge, einen Zoll von der Spitze in der Mitte\t\t2\t2\t3\n1.\tEbenda am Rande\t\t2\t2\t3\nK.\tAm nicht rothen Theil der Lippen\t\t') 1\t2\t3\nL.\tAm Metacarpus des Daumens\t\t21\t2\t\u00bb1\nM.\tPlantarseite der grossen Zehe am letzten Gliede\t\t21\t3-|\nN.\tRiiekenscite des zweiten Gliedes der Finger . .\tIT\t3\"\t\u2022U\n0.\tBacken\t\t3;\t3\t\u2022t\nP.\tAeusscrc Oberfl\u00e4che des Augenlides\t\t3.1\t34\t41\nQ.\tMitte des harten Gaumens\t\t\u2014\t1\t41\nJt.\tHaut auf dem vorderen Theilc des Jochbeins\ti\t1\t5\nS.\tPlantarseite am Mittclfussknochcn der grossen Zehe\t\t\t4\t4\t5\n'1'.\tRiiekenscite des ersten Gliedes der Finger . . .\ti\t1\t5\nU.\tR\u00fcckenseite der capitula ossium melacarpi . . .\t14\t4.1\t01\nV.\tInnere Oberfl\u00e4che der Lippen nahe am Zahnfleische \t\t4?\t4.1\t0.1\nw.\tHaut am hinteren Theilc des Jochbeins ....\t5\t5\t0.1\nX.\tUnterer Theil der Stirn\t\t5\t5!\tof\nY.\tHinterer Theil der Ferse\t\t0\t15 \u2019\t7\nZ.\tBehaarter unterer Theil des Hinterhauptes. . .\t(i\t0\t7\nA\\\tR\u00fccken der Hand\t\t5\t5\t7 1\nB\\\tliais unter der Kinnlade\t\t(\u00bbi\t7\t8\n! C'.\tScheitel\t\t7\t$\t0\n1)'.\tKniescheibe und Umgegend\t\t7\t8\t1\u00bb\nK\\\tKreuz\t\t7\t\u2022 8\t11\nF'.\tAuf dem Glutaeus\t\t\t\u2014\t\u2014\nG'.\tOberer und unterer Theil des Unterarmes . . .\t0\u20140<\tH-12\t12\n11'.\tOberer und unterer Theil des Unterschenkels\t0\u201411\t11-12\t12\n1'.\tFussriicken in der N\u00e4he der Zehen\t\tII\t1 1\t121\nK'.\tHaut auf dem Brustbein\t\t111\t11.1\t13\u201411\ni L'.\tHaut am R\u00fcckgrate in der Mitte der Hals-, Brust-\t\t\t\n\tund Lendengegend \t\t\t0.1\u201410\tII\nM'.\tAn manchen Stellen in der Mitte des Oberarmes und Oberschenkels\t\t111\u201413\t13\u201415\t13\u201420\nVergleicht man die Zahlen dieser Tabelle mit jener der Tabelle I., so stellt sich heraus :\n1.\tdass die Kinder hier wie dort einen feineren Kaumsinn besitzen als die Erwachsenen ;\n2.\tdass die Feinheitsgrade des Kaumsinnes hier wie dort in \u00e4hnlicher Weise an die verschiedenen llautregioncn vertheilt sind:","page":320},{"file":"p0321.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\tH21\n3. dass die Blinden im Allgemeinen einen betr\u00e4chtlich feineren Ra um sinn besitzen als die Sehenden. Die erwachsenen Blinden scheinen an Feinheit des Raumsinnes sogar die sehenden Kinder zu \u00fcbertreffen.\nVergleicht man die Zahlen der Columne P., Tab. III mit den Zahlen der Columne W., Tab. I, so erkennt man, dass sich an vielen Stellen die ersten zu den letzteren verhalten etwa wie 1 zu 1'/2, dass somit der erwachsene Blinde einen beil\u00e4ufig t'/2mal feineren Raumsinn besitzt, als der erwachsene Sehende.\nI. Dass die Sch\u00e4rfung des Raumsinnes bei Blinden allgemein ist und nicht etwa nur auf jene Hautregionen sich beschr\u00e4nkt, welche fast ausschliesslich zum Tasten gebrauch t und i m Tasten ge\u00fc bt werden. Fs scheint dies unsere oben ausgesprochene Meinung zu best\u00e4tigen, dass der Grund der Verfeinerung des Raumsinnes bei Blinden wesentlich nur in der Ausbildung der subjectiven Momente, welche offenbar das Unterscheidungsverm\u00f6gen f\u00fcr alle Tastempfindungen, sic m\u00f6gen wo immer entstehen, sch\u00e4rfen muss, zu suchen sei.\nHiermit h\u00e4ngt ohne Zweifel auch der leicht zu constatircnde Umstand zusammen, dass die Angaben der Blinden \u00fcber die Wahrnehmungen ihres Tastsinnes ungleich sicherer und pr\u00e4ciscr ansfallen, als die Angaben der Sehenden.\nBlinde empfehlen sich daher vor Allen zu feineren Untersuchungen \u00fcber den Tastsinn.\nSo z. B. best\u00e4tigen Blinde viel leichter als Sehende folgende von Weber gemachte Beobachtung.\n\u00bb Wenn man mit den Spitzen des ge\u00f6ffneten Zirkels auf der Haut eines Anderen zwei parallele Linien zieht, und zugleich daf\u00fcr sorgt, dass beide Spitzen mit gleicher Kraft auf die Haut dr\u00fccken, so glaubt der Beobachter zu f\u00fchlen, dass die Bahnen auf manchen Theilcn der Haut sich einander n\u00e4hern, auf anderen sich von einander entfernen. Sie scheinen an den Theilcn der Haut zu divergiren, wo die Zirkel-spitzen bei ihrer Bewegung von stumpfer f\u00fchlenden Hautthcilcn an feiner f\u00fchlende \u00fcbergehen ; sic scheinen dagegen dann zu convergiren, wenn sie von feiner f\u00fchlenden Ilauttheilcn auf stumpfer f\u00fchlende \u00fcbergehen. Bei einem gewissen geringen Abstande von einander erregen die Zirkelspitzen das Gef\u00fchl, als wenn nur eine einzige Linie auf der Haut beschrieben w\u00fcrde.\u00ab1)\nSchliesslich muss ich noch eines Umstandes erw\u00e4hnen, welcher\n1 Vergl. Weber: Ueber den Umimsinn a. a. O.. S. !).'(.\nC 7. ermak, Sclirifto \u00bb.\n21","page":321},{"file":"p0322.txt","language":"de","ocr_de":"322\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nmir weitst den schon er\u00f6rterten Momenten an vielen Orten dazu beizutragen scheint, die durch Erfahrung festgcstellte Sch\u00e4rfung des Kaumsinnes bei Blinden zu erkl\u00e4ren. Ich habe n\u00e4mlich wiederholt die Beobachtung gemacht, dass sich Blinde w\u00e4hrend der Untersuchung mit dem Zirkel anders benehmen als Sehende. Sehende bleiben ganz ruhig dabei, wenn man ihnen die Zirkelspitzen auf eine beliebige Hautstelle aufsetzt, und halten still, ohne erst dazu'aufgcfordert werden zu m\u00fcssen; w\u00e4hrend Blinde jene K\u00f6rpcrtheilc, deren Haut mit dem Zirkel untersucht wird, in fortw\u00e4hrende, nur bei einiger Aufmerksamkeit von Seite des Experimentators bemerkbare, kleine und ziemlich rasche Bewegungen versetzen. Diese Bewegungen, welche man vielleicht nicht unpassend \u00bbTastzuckungen\u00ab nennen k\u00f6nnte, scheinen halb unwillk\u00fcrlich1) zu erfolgen, indem die Blinden, an denen ich meine Messungen machte, dieselben nie v\u00f6llig unterliessen, selbst wenn ich sie darum ausdr\u00fccklich gebeten hatte.\nDie Tastzuckungen, durch welche die einfachen Eindr\u00fccke der auf der Haut ruhenden Zirkelspitzen in verschiedener Weise abge\u00e4ndert werden, und welche somit offenbar zur leichteren Unterscheidung der Tasteindr\u00fccke, \u00e4hnlich wie die Bewegungen der)Tastorgane beim Tasten \u00fcberhaupt, beitragen m\u00fcssen, erfolgen nicht nur an den Gelenken, sondern auch an K\u00f6rpertheilcn, welche nicht weiter gegliedert sind, wie z. B. in der Mitte des Handr\u00fcckens, des Ober- und Unterarmes u. s. w. An solchen Orten zuckten meine Blinden mit einzelnen Sehnen und Muskelb\u00e4uchen, um die betreffenden Hautpartien zu verschieben und in verschiedener Weise gegen die Zirkel-spitzen anzudr\u00fccken \u2014 mit einem Worte, um die Objecte gewisser-massen sclbstth\u00e4tig zu betasten. Dabei glaube ich zugleich bemerkt zu haben, dass sie noch dann mit Sicherheit die beiden Zirkelspitzen zu unterscheiden behaupteten, wenn sie gleichwohl nicht mehr anzugeben vermochten, in welcher Richtung zur L\u00e4ngsaxe des Gliedes dieselben aufgesetzt waren.\u2014Weitere Untersuchungen m\u00f6gen zeigen, ob\n1 Den Blintlcn mag es mit (len Tastzuckungen \u00e4hnlich gehen, wie den Hellenden mit der Einstellung der Sehaxe. So wie n\u00e4mlich Sehende, wenn sie einen Gegenstand vermittelst des Gesichte sscharf wahrnehmen wollen, unwillk\u00fcrlich die Sehaxe auf das zu fixiremle Object richten, um das Bild desselben auf den gelben Pieck fallen zu machen, eben so und aus \u00e4hnlichen Gr\u00fcnden versetzen wahrscheinlich Blinde ihre Tastorgane in Bewegungen und Zuckungen. Sowohl die Einstellung der Sehaxe als die Tastbewegungon und Zuckungen werden durch Muskeln vermittelt, welche der Willk\u00fcr gehorchen; allein diese Bewegungen stehen auch im Dienste der Sinnesth\u00e4tigkcit und dann treten sie halb unwillk\u00fcrlich ein \u2014 ja selbst gegen den Willen, wie die Erfahrung zeigt, weiche Jeder best\u00e4tigen wird, der Unge\u00fcbte gewisse Sehversuche anstellen sah.","page":322},{"file":"p0323.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00fcge zur Physiologie des Tastsinnes.\n323\ndie beschriebenen Tastzuckungen bei allen Blinden Vorkommen und wie hoch etwa ihr Einfluss auf die Feinheit der Kaumsinuswahrnehmungen anzuschlagen w\u00e4re.\n\u00a7 3. Ueber das Verh\u00e4ltniss zwischen der Ausdehnung der Haut und dem Feinheitsgrade des Raumsinnes.\nAus dem Vorangehenden hat sich ergeben, dass unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden die Feinheit des Kaumsinncs in einem gewissen Verh\u00e4ltnisse zur linearen oder quadratischen Ausdehnung der Haut stellt. Nimmt cacteris paribus die Gr\u00f6sse der Ilautausdchnung zu, so vermindert sich die Feinheit des Raumsinnes in einem bestimmten Verh\u00e4ltnisse und umgekehrt. Dieses Verh\u00e4ltniss nun genauer zu ermitteln, soll im vorliegenden \u00a7 unsere Aufgabe sein.\nMeine begonnenen Beobachtungen an den vier Knaben w\u00fcrden unter der Voraussetzung, dass w\u00e4hrend des Wachsthumes, ausser der Vcrgr\u00f6sscrung der Haut fl\u00e4che, keine die Feinheit des Kaumsinncs beeinflussenden Ver\u00e4ndc-rungcn weder in dem Tastnervensystem (namen11 ich im centralen ' , noch sonst irgendwo vor sich gehen, zur L\u00f6sung dieser Aufgabe brauchbar sein, indem man die fr\u00fcher f\u00fcr die Knaben, sp\u00e4ter f\u00fcr die Erwachsenen gefundenen Zirkelabst\u00e4nde mit der linearen und quadratischen Ausdehnung, welche die betreffenden Hautstellen einst im Knabenalter und dann nach vollendetem Waclis-thume hatten, vergleichen k\u00f6nnte und hieraus sofort erfahren w\u00fcrde, in welchem Verh\u00e4ltnisse die Hautausdehnung zu-, die Feinheit des Kaumsinnes aber abgenommen habe.\nDa jedoch die Beobachtungen an den Knaben erst nach Jahren ihren Abschluss linden k\u00f6nnen, ferner eine Voraussetzung siche oben . welche nicht nur nicht zu erweisen, sondern, wie ich sp\u00e4ter zeigen werde, geradezu zu widerlegen ist, und genaue Messungen der durch das Wachsthum gesetzten Vcrgr\u00f6sscrung der einzelnen llaut-regioncn, welche kaum mit hinreichender Genauigkeit und Sicherheit auszuf\u00fchren sein d\u00fcrften, unumg\u00e4nglich noting machen, so eignen sic sich in der That wenig oder gar nicht zur L\u00f6sung unserer Aufgabe.\nIch habe mich daher nach anderen Objecten und einem einfacheren Verfahren umgesehen und bin auf den sehr nahe liegenden Gedanken gekommen, den Feinheitsgrad des Kaumsinnes an k\u00fcnstlich oder nat\u00fcrlich ausgedehnten und gespannten Hautst\u00fccken w\u00e4hrend und vor oder nach der Dehnung zu bestimmen und zu vergleichen, um auf diese Art ermitteln zu k\u00f6nnen, ob die durch die Vcrgr\u00f6sscrung","page":323},{"file":"p0324.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie lies Tastsinnes.\n324\noder Verkleinerung der Hautausdelinung \u2014 caeten's paribus \u2014 bedingte Ver\u00e4nderung der Feinheit des Kaumsinnes dieser Ausdehnung genau umgekehrt proportion a 1 sei oder nicht.\nGelegenheit zu solchen Beobachtungen hat man vor Allem\n1.\tauf der Bauchhaut der Schwangeren vor und nach der Entbindung ;\n2.\tauf der Haut \u00fcber pathologischen Geschw\u00fclsten (Hydroovaricn, Lipomen etc.), wenn die Haut \u00fcbrigens gesund ist und nach der Operation auf ein gewisses Maass sich wieder zusammenzieht, endlich\n3.\t\u00fcberall da, wo die Haut durch passend angebrachten Zug-k\u00fcnstlich gespannt und ausgedehnt werden kann.\nMeine Beobachtungen, welche ich sogleich mittheilen werde, habe ich an der Bauchhaut von Schwangeren und an k\u00fcnstlich ausgedehnten Hautst\u00fccken angestcllt ; pathologische Geschw\u00fclste, welche zu diesen Untersuchungen passend gewesen w\u00e4ren, sind mir nicht vorgekommen.\na) Bestimmungen an Schwangeren.\nDie Messungen, welche ich mit der g\u00fctigen Erlaubniss des Herrn Prof. Ciiiakt im Prager Geb\u00e4rhause machen durfte, sind weiter unten in der Tabelle IV zusammengestellt. Ich verfuhr folgendermasscn. Wenige Tage vor der voraus berechneten Entbindung bestimmte ich vermittelst des Zirkels, dessen Spitzen ich meist unterhalb des Nabels in querer Richtung aufsetzte, die Feinheit des Raumsinncs der durch den schwangeren Uterus ausgedehnten Bauchhaut, notirtc den gefundenen Werth und bezcichncte die beiden von den Zirkelspitzen getroffenen Hautpunkte mit Lapis. Nach erfolgter Entbindung kam ich wieder und bestimmte erstlich den nun geringer gewordenen Abstand der Lapispunktc und dann von Neuem den Abstand der Zirkclspitzcn, welcher dem nunmehrigen Feinkeitsgradc des Raumsinncs, der zur normalen Ausdehnung nahezu zur\u00fcckgekehrten Bauchhaut entsprach. Die Vergleichung der Abst\u00e4nde der Lapispunkte vor und nach der Entbindung ergiebt das Verh\u00e4ltniss der Zusammenziehung der Haut, die Vergleichung der Abst\u00e4nde der Zirkelspitzen vor und nach der Entbindung aber das Verh\u00e4ltniss der durch diese Zusammenziehung gesetzten Vergr\u00fcsscrung des Feinheitsgrades des Raumsinnes. Das Verh\u00e4ltniss zwischen der Zusammenziehung der Haut und der Verfeinerung des Raumsinnes wird dann von selbst offenbar.","page":324},{"file":"p0325.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n325\nTabelle IV.\nN a m o der Schwangeren\tZum wievielten- mal schwanger?\tAbstand der Zirkclspitzcn\t\tAbstand der Lapispunkto\t\n\t\tvor\tnach\tvor\t|\tnach\t\n\t\tder Entbindung\t\tder Entbindung\t\nElement . .\tl.\t21 W. L.\t1(5 W. L.\t21 W. L.\t15 W. L.\nDokonal . .\t2.\t18 -\t14* -\t18 -\t13\t-\nSkalda . . .\t2.\t32\t-\t1 25* -\t32\t-\t24\t-\nLoimnie . .\tl.\t\u2022m -\t2.5\t-\t29-1 -\t25\nNowak . . .\tl.\t32* -\t27\t-\t32-i\t__\t25\n\u2014\t\u2014\te'\t1 \u00ab\tV\ti\nb) Bestimmungen an k\u00fcnstlich ausgedehnten llautstttckcn.\nEhe ich diese in der Tabelle V ztisammengestellten Messungen mittheile, muss ich noch Einiges \u00fcber das dabei befolgte Verfahren bemerken. Zuerst wurde die Feinheit des Uaumsinnes der gew\u00e4hlten Mautstelle mit m\u00f6glichster Genauigkeit vermittelst des Zirkels bestimmt und notirt; sodann bczcichnctc ich zwei beliebige, der Bequemlichkeit wegen gew\u00f6hnlich die beiden von den Zirkelspitzen ber\u00fchrten llautpunktc mit Tusche oder Tinte.\nNun wurde die Dehnung des Hautst\u00fcckes vorgenommen, indem zwei Gehilfen die Haut vermittelst der fest aufgedr\u00fcckten Finger ihrer Einen 1 land nach entgegengesetzten Richtungen anzogen und l\u00e4ngere Zeit in gleicher Spannung erhielten. ') Um sicher zu sein, dass w\u00e4hrend der Messung der Spannungsgrad der Haut gewiss derselbe bleibe, liess ich einen der Gehilfen mit seiner unbesch\u00e4ftigten Hand einen entsprechend weit ge\u00f6ffneten Zirkel genau schwebend \u00fcber den Mittelpunkten der beiden Tuschpunkte halten, wodurch er in den Stand gesetzt wurde mit Sicherheit anzugeben, ob sich der Abstand der Tuschpunkte von einander ver\u00e4ndere oder nicht, und einen etwaigen Fehler sogleich durch st\u00e4rkeres Anziehen oder Nachlassen zu corrigircn.\nWaren diese Vorbereitungen getroffen, so mass ich den nunmehrigen Abstand der Tuschpunkte und bestimmte endlich die Feinheit des Kaumsinnes der ausgedehnten Haut. Das Weitere versteht sich von selbst.\nNoch muss ich erw\u00e4hnen, dass ich bei diesen Messungen von mehreren meiner Zuh\u00f6rer und zwar den Herren stud. mcd. Maier, Nemecek und Konx freundlich unterst\u00fctzt worden bin.\n1 Bei dem angewendeten Verfahren die Haut k\u00fcnstlich auszudehnen, erf\u00e4hrt dieselbe eigentlich nur eine lineare Ausdehnung in der Richtung des Zuges, w\u00e4hrend in der darauf senkrechten Richtung eine Zusannnensehrumpfung stattfindet. Die Bauchhaut der Schwangeren wird hingegen in jeder Richtung ihrer Fl\u00e4che, also quadratisch ausgedehnt.","page":325},{"file":"p0326.txt","language":"de","ocr_de":"820\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nTabelle V.\nName dos Beobachters\t\tAbstand der Zirkelspit/.en\t\tAbstand der Tuschpunkt\u00ab )\t\n\tThcil der Haut\tvor\tnach\tvor\tnach\n\t\tder Dehnung\t\tder Dehnung\t\nMaier . . . Nemecek. . CZERMAK. . BltOECKL ') .\t1 ltiicken der (\tHand\tBi W. L. 121 -12' -5\t-\tIS W. L. Hi - 14 51 -\t13 W. L. 125 -12 -5\t-\t10 W. L. IS -15\t- 7\nMaier . . . Nemecek. . CZERMAK . Koiin ....\t1 Rothcr Thcil /der Unterlippe in der Mitte\t1\tW. L. \u00abi -H - 2\t-\t14W.L. 3\t- 9 \u2022 -\u25a01 9.1.\t- \u201c\u20221\t3 3\t- n - '\u00e4 -\t51VV. L. (1 7 (if -\nMaier . . . Nemecek. . CZERMAK. . i Koiin ....\t1 Mitte des > Unterarmes (Innenfl\u00e4che,\t2S W. L. 23\t- 21 35.J -\t2!) W. L. 2li -25\t- 3\u2018).i -\t2S VV.h. 23\t- 24\t-351 -\t32 VV. L. 271\t- 20 40\nBroeckl. . Maier . . . CzERMAK. .\tI Mitte des Obcr-1 armes (Aeus-[sererRand des | il. biceps)\tK) W. L 32\t- 32\t-\tI21W. U. .31)\t- 351\t-\tio VV. L. 32 32\t-\t14 VV. L. 37.1\t- 37\n\t\u2014\tc\te'\t1\tl\u2019\nWir halten es liier mit zwei verschiedenen Ausdehnungszust\u00e4nden der Haut und mit den durch diese Zust\u00e4nde, carter is paribus, bedingten Feinheitsgraden des Kaumsinnes zu thun.\nBezeichnen wir mit / den, dem Zustande geringerer Ausdehnung der Haut entsprechenden Abstand zweier bestimmten Hautpunkte von einander, mit l' hingegen den, dem Zustande der gr\u00f6sseren Ausdehnung der Haut entsprechenden Abstand derselben Ilautpunkte: eben so den Abstand der Zirkelspitzcn im ersten Falle mit c, im zweiten Falle mit e\u2019, so ergiebt sich aus den angef\u00fchrten Tabellen, dass die vier Gr\u00f6ssen / \u00cf e und e nicht genau proportionirt\nsind, dass der Quotient ~, welchen wir den Exponenten des Feinheitsgrades nennen wollen , immer (sowohl im Falle der Ausdehnung als der Zusammenziehung der Haut) n\u00e4her der Einheit ist, als\nder Quotient |, welcher der Exponent der Ausdehnung heissen soll.\nGanz allgemein kann das von mir aufgefundene Gesetz folgcndcr-massen fonnulirt werden : W i r d u n t c r U b r i g e n s g 1 c i c h c n U m -st\u00e4nden die Ausdehnung der Haut ver\u00e4ndert, so \u00e4ndert sich in entgegengesetztem Sinne auch der F ein heit s-\n1 Derselbe blinde Knabe, dessen bereits im vorigen \u00a7 Erw\u00e4hnung geschah.","page":326},{"file":"p0327.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n327\ngmd des llaumsinnes und zwar so, dass der Exponent des F ein lie its grades n\u00e4her der Einheit steht, als der Exponent der Ausdehnung').\nAuf die in den Tabellen IV und V mitgetheilten Zahlen und die mit denselben angestellten Berechnungen lege ich \u00fcbrigens kein allzugrosses Gewicht, denn erstens sind die Unterschiede, um welche es sicli hier handelt, meist so gering, dass es \u00fcberhaupt fraglich erscheinen kann, ob solche Bestimmungen bei der Unsicherheit der Wahrnehmung, welche durch Spannung der Haut noch vergr\u00f6ssert zu werden scheint, und bei der Menge der Fehlerquellen m\u00f6glich sind? und dann ist die Anzahl der von mir gemachten Messungen noch viel zu gering, um aus derselben allgemeinere licsultatc abzuleiten.\nNichtsdestoweniger glaube ich aber durch die folgende Erw\u00e4gung berechtigt zu sein, das oben formulirte Gesetz doch schon jetzt f\u00fcr ziemlich begr\u00fcndet zu halten. Gesetzt n\u00e4mlich, cs w\u00e4re unm\u00f6glich , die absoluten Unterschiede der beiden Exponenten mit der erforderlichen Genauigkeit auszumitteln, so wird es doch keinem ciuigcr-maassen sorgf\u00e4ltigen Beobachter entgehen k\u00f6nnen, dass irgend ein\n1 Nachfolgende Berechnung verdanke icli der G\u00fcte des Herrn Prof. C. Jelinek in Prag. Versucht mau die Zahlen der Tafel IV durch eine Formel darzu-\n3\nstellen, so findet man, dass nahezu e : e' = f* : oder e~> : c\u2019r> = P : l'3. Die Zahlen\n3.\t.3\nder Tabelle V werden besser dargestellt durch die Proportion e : e' = lr : f':r\noder e* : c\"' = P : !'\u2022*.\nMinder genau \u2014 aber bei den m\u00f6glichen Bcobachtungsfehlern noch immer\n\u20222 *2\ngen\u00fcgend \u2014 findet man f\u00fcr beide Tabellen IV und V zusammen e : e's - l : !'a oder e3 : e'3 \u2014 l2 : t'-.\nDa der Feinheitsgrad offenbar den Zahlen e und e' umgekehrt proportionirt ist, so dass man hat f : f = c' : c, so wird man auch n\u00e4herungswcisc haben\nf : f = V* : 1*. Um von der Genauigkeit, welche diese Proportion gew\u00e4hrt, eine Vorstellung zu geben, folgen hier die nach derselben berechneten Wertlie f\u00fcr c' verglichen mit dem unmittelbar beobachteten der Tabelle IV und V.\nTabelle IV.\tTabelle V.\nberechnet\tbeobachtet\t\tberechnet\tbeobachtet\tberechnet\tbeobachtet\n20 \u2022 o\"'\t21'\"\t\tHi-7'\"\t18'\"\t.30 \u2022 O\t20\n18-:i\t18\t\t15-0\tHi\t25 \u2022 0\t20\nso \u2022 o\t32\t\t13.0\t11\t27 \u2022 2\t25\n20 \u2022 0\t20 \u2022 5\t\t(>\u20223\ti> \u2022 ;>\t38 . 1\t30 \u2022 25\n32 \u25a0 0\t30 \u2022 25\t\t1 \u2022 5\t1 -5\t12-5\t12-5\n\t\t\t2-7\t3\t35 \u2022 (i\t30\n\t\t\t2 .3\t2-5\t35 \u2022 3\t35 \u2022 25\n\t\t\t2-0\t2 \u2022 25\t\t","page":327},{"file":"p0328.txt","language":"de","ocr_de":":$28\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nUnterschied dieser beiden G rossen vorhanden sei. Denn hat man den kleinsten Abstand, bei welchem die Zirkelspitzen eben noch deutlich als doppelt empfunden werden, vor der Entbindung oder vor der k\u00fcnstlichen Dehnung der Haut richtig bestimmt \u2014 worauf allerdings die scrupul\u00f6seste Sorgfalt verwendet werden muss, da dieser Umstand eine conditio sine qua non ist) \u2014 und die von den Zirkelspitzen ber\u00fchrten Hautpunkte mit Lapis oder Tusche bezeichnet, so wird man im ersten Falle, d. h. nach der Entbindung finden, dass die Zirkelspitzen nicht mehr als r\u00e4umlich gesondert empfunden werden, wenn sie wieder auf die mit Lapis bczeichueten Punk te aufgesetzt werden, sondern erst bei etwas gr\u00f6sserem Abstande, w\u00e4hrend die Zirkelspitzcn im zweiten Falle, d. h. nach der k\u00fcnstlichen Ausdehnung der Haut, auch dann noch doppelt empfunden werden, wenn sie sich in einem etwas geringeren Abstande von einander befinden, als die Tuschpunkte nach der Dehnung.\nDiese leicht zu constatirenden Thatsachcn lassen, wie ich glaube, \u00fcber die Richtigkeit des aufgestellten Gesetzes keinen Zweifel, wenn es gleichwohl dahin gestellt bleiben muss, ob cs m\u00f6glich sei die absolute Gr\u00f6sse des nachweisbaren Unterschiedes genau anzugeben.\nIch lasse nun die Erkl\u00e4rung der er\u00f6rterten Erscheinungen, wie sich dieselbe aus E. 11. Weber\u2019s Theorie der festen Empfindungs-kreise ergibt, folgen, um schliesslich einige Bemerkungen von theoretischem Interesse leichter ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nnen.\nIn Figur 10 Taf. 17 versinnlichen uns die Kreise A, B und C drei Weber\u2019sehe Empfindungskreise ') eines beliebigen Hautst\u00fcckes, die kleineren schraffirten Kreise Z und Z aber die Stellen derselben, welche von den mehr oder weniger stumpfen Zirkelspitzcn ber\u00fchrt werden. Wenn wir voraussetzen, dass die durch It getrennten Empfindungskreise A und C zwei r\u00e4umlich gesonderte Eindr\u00fccke zu vermitteln im Stande sind, so wird der geringste Abstand der Zirkelspitzcn, bei welchem sic noch doppelt empfunden werden, dann erreicht sein, wenn die Ber\u00fchrungskreise Z und Z, (wie auf unserer Zeichnung) die nach B gekehrten Tlieile der Peripherien von .1 und C tangiren ohne nach B hinauszugreifen. Die L\u00e4nge der Linie ZZ, welche die Mittelpunkte der ber\u00fchrten Stellen verbindet, gibt das Maass f\u00fcr den Feinheitsgrad des Raumsinnes der betreffenden llaut-\n1 Da man \u00fcber die eigentliche Form der Empfindlingskreise nichts Bestimmtes weiss, so gab ich ihnen der Einfachheit wegen die Kreisform. Die Schemen \u00e4ndern sich wesentlich gar nicht, wenn man auch statt der Kreise Sechsecke oder sonst beliebige Formen zeichnete.","page":328},{"file":"p0329.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n329\nstelle vor der Dehnung. Die Verh\u00e4ltnisse, welche durch eine Dehnung in der Haut gesetzt werden, sind verschieden, je nachdem die Dehnung einseitig oder allseitig geschieht ; im ersten Falle werden die Empfindungskreise elliptische Formen annehmen m\u00fcssen, im zweiten Falle die Kreisform, freilich mit gr\u00f6sserem Radius, beibehalten.\nln Fig. 11 (Taf. 17; sind dieselben drei Empfindungskreise A, 1) und C dargestcllt, w\u00e4hrend das betreffende Hautst\u00fcck in querer Richtung ausgedehnt wird. Man ersieht aus diesem Schema leicht, dass der kleinste Abstand, bei welchem die Zirkelspitzen nach der Ausdehnung der Haut noch r\u00e4umlich gesondert empfunden werden k\u00f6nnen, olfen-bar = X\" X\" sein und daher geringer Ausfallen muss als '/' 71, welches der proportional der Dehnung vergr\u00fcssertc, fr\u00fchere Abstand der Zirkel-spitzen ist. Dasselbe leuchtet aus Fig. 12, welche den Fall einer allseitigen Dehnung der Haut illustrirt, deutlich ein. Die ganze Erscheinung ist also eigentlich dadurch bedingt, dass die Stellen, an welchen die Haut von den Zirkelspitzen ber\u00fchrt wird, keine mathematischen Punkte, sondern kleine Fl\u00e4chen sind.\nIn den Schemen Fig. 10, 11, 12 (Taf. 17) sind die Durchmesser der Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen Zerstreuungskreise) kleiner als die Durchmesser der Empfindungskrcise angenommen. Man erh\u00e4lt aber dieselben Resultate, wenn man die Durchmesser der Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen gleich oder gr\u00f6sser setzt., als die Durchmesser der Empfindungskrcise. Vgl. Fig. 13, I I, 15 und Fig. 16, 17, iS (Taf. 17).\nIn ganz derselben Weise erkl\u00e4rt cs sich auch, warum der Abstand der Zirkelspitzen in Folge einer Zusammenziehung der Haut nicht proportional dieser Zusammenziehung abnimmt, vgl. Fig. 19 und 20 Taf. 17). Man ersieht aus diesen beiden Schemen zugleich, dass die Zirkelspitzen, wenn man sie, wie oben erw\u00e4hnt, nach der Zusammcu-ziclnxng der Haut wieder auf die mit Tusche oder Lapis bczeichncten Punkte aufsetzt, nicht mehr r\u00e4umlich getrennt empfunden werden k\u00f6nnen, indem dann die Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen (vgl. Fig. 20 die punk-tirten Kreise /.' und /' bis in den Empfindungskreis II hineinreichen.\nW\u00e4ren die Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen zwischen der Haut und den Zirkel-spitzen keine Fl\u00e4chen, sondern mathematische Punkte, oder w\u00fcrde der Abstand der Zirkelspitzen statt von den Ber\u00fchrungsmittelpunkten XXund /\u25a0' X' u. s. w. von den Punkten a und a, wo die Ber\u00fchrungskreise die Peripherie der Empfindungskreise A und C tangireu, gemessen, dann Hesse sieh nach E. II. Webbb\u2019s Theorie durchaus nicht begreifen, warum der Abstand der Zirkelspitzen nicht genau proportional der Ausdehnung des Hautst\u00fcckes sein sollte. Da jedoch die Ber\u00fchrung der Haut, auch wenn sie mit einer sehr feinen Spitze ausge\u00fcbt wird, nie-","page":329},{"file":"p0330.txt","language":"de","ocr_de":"330\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nmais punktf\u00f6rmig, sondern stets trichterf\u00f6rmig ist und sich auf diese Art gewissermaassen mit einem \u00bbZerstreuungskreise\u00ab umgibt und da ferner die Peripherie dieses Zerstreuungskreises nie so scharf markirt ist, dass von ihr aus die Entfernung zweier solcher Zerstreuungskreise gemessen werden k\u00f6nnte, so darf man wohl die vorstehende auf Wkbeb\u2019s Hypothese gebaute Erkl\u00e4rung als gegr\u00fcndet und ausreichend anselien.\nDie (1 Wisse des Zerstreuungskreises, welcher um den Beriilmings-mittelpunkt herum entstellt, muss mit der St\u00e4rke des Druckes bei der Ber\u00fchrung und mit dem Spannungsgrad der Haut und deren Unterlage in Beziehung stehen und daher variabel sein. Den Druck und alles Ucbrige glcichgesetzt, d\u00fcrfte es wohl wahrscheinlich sein, dass die Gr\u00f6sse des Zerstreuungskreiscs bei gr\u00f6sserer Spannung der Haut abnehmen werde und umgekehrt. Tr\u00e4gt man diesem Umstande in den schematischen Zeichnungen (Figur 10 bis 20) Rechnung, dann wird die Differenz zwischen den Abst\u00e4nden der Bcriihrungsmittelpunktc vor und nach der Dehnung oder Zusammenziehung der Haut bedeutender, als sie sich bei der Annahme, dass der Zerstreuungskreis sich gleich bleibt (vgl. die Zeichnungen), herausstellt.\nSollte sich der Zerstreuungskreis in Folge der Spannung der Haut entgegen der obigen Vermuthung vergr\u00f6ssern und vice versa, so w\u00fcrde das entgegengesetzte Resultat folgen.\nUebrigens glaube ich, dass eine erhebliche, die Messung wesentlich beeinflussende Ver\u00e4nderung des Durchmessers des Zerstreuungskreises doch nur in Folge sehr betr\u00e4chtlicher Spannungsdifferenzen der Haut cintreten kann, und dass man bei geringen Spannungsgraden der Haut keinen erheblichen Fehler begehen werde, den Durchmesser des Zerstreuungskreises als constant anzunehmen.\nIst aber der Durchmesser des Zerstreuungskreises constant oder wird derselbe durch Spannung der Haut statt kleiner gr\u00f6sser, durch Erschlaffung statt gr\u00f6sser kleiner, und h\u00e4lt man Whbbr\u2019s Hypothese und die von mir gegebene Erkl\u00e4rung der Messungen des Verh\u00e4ltnisses zwischen der Ausdehnung der Haut und dem Feinheitsgrade des Raumsinnes fest, so wird man in diesen Messungen das erste und bisher einzige Verfahren begr\u00fcssen m\u00fcssen, durch welches einGrenz-wcrtli des absoluten Durchmessers der Wniircii\u2019schen Empfindungskreise n\u00e4herungsweise ausgemittelt werden k\u00f6nnte.\nUnter den gemachten Voraussetzungen kann man in der That aus den vier in den Tabellen IV und V enthaltenen Bestimmungen mit Leichtigkeit einen Theil des unbekannten Durchmessers der Empfindungskreise berechnen und von dem unbekannten Durchmesser daher","page":330},{"file":"p0331.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n331\nbehaupten, dass er keinesfalls kleiner sein kann, als die b c r c-c lm c t e Gr\u00f6sse. Damit ist nun freilich \u00fcber die absolute G r\u00f6ssc des Empfindungskreises nichts gesagt, allein unsere Vorstellung von derselben ist doch wenigstens nach einer Seite hin limitirt, und man kann sich dieselbe nicht mehr \u00bbso klein denken, als man will.\u00ab\nLegen wir die Schemen Fig. 10 bis inclusive Fig. 18 zu Grunde, so gestaltet sich die Berechnung folgendermaasscn : s' s' \u2014 s\" z\"=2m,\n\u201e\u2022_z\u201d z\"\t.\t711ZZ\nm = \u2014-\u2014da aber x : m = z z : z\u2019 z\u2019, so ist x--\u2014,- also\nJL\tZ Z\nLegt man der Berechnung hingegen Fig. 19 und 20 zn Grunde, dann entsteht zun\u00e4chst die Frage, welcher der beiden Ausdehnungszust\u00e4nde der Haut der nat\u00fcrliche oder prim\u00e4re sei. Ist der Zustand geringerer Ausdehnung Figur 20) der prim\u00e4re, so ist einfach\n\u201ew ___ \u201et \u201et\nx = -----2\u2014~ ; dies ist z. B. der Fall bei der Haut der Schwangeren.\n1st hingegen der Zustand gr\u00f6sserer Ausdehnung (Fig. 19) der natiir-\n\u201eir \u201en _ \u201et\nliehe, so gibt (da x : \u2014\u20142 \"\t= z z : z z) f\u00fcr x offenbar die\n- \u00c7T t~tf \u201en _ \u201et \u201e1\\\nFormel x = \u2014\t\"\u2014 .\nUebrigcns hat schon Weber Auskunft \u00fcber die vcrh\u00e4ltniss-m\u00e4ssige Gr\u00f6sse der Empfindungskrcisc gegeben und behauptet, \u00bbdass die Empfindungskreise in manchen Theilcn der Haut noch einmal so gross gedacht werden m\u00fcssten, als in anderen und dass sic in noch anderen Theilcn der Haut, in welchen der Kaumsinn noch stumpfer w\u00e4re. 5mal, lOmal, 20mal, 30mal, 40mal und sogar \u00f6Omal gr\u00f6sser angenommen werden m\u00fcssten, als in den Theilcn der Haut, wo der Kaumsinn am feinsten ausgebildet sei\u00ab. Diese Daten k\u00f6nnen nun manchfach ben\u00fctzt werden, um die von mir angedcuteten Berechnungen der Wahrheit mehr anzun\u00e4hern und vor groben Fehlern zu bewahren. H\u00e4tte man z. B. auf einer feiner f\u00fchlenden Hautstelle den Werth von x bestimmt, so k\u00f6nnte man bez\u00fcglich des Durchmessers der Empfindungskreise einer 30mal stumpfer f\u00fchlenden Hautstcllc behaupten, dass er mindestens 30 x betragen m\u00fcsse u. s. w. Der Werth der Gr\u00f6sse x h\u00e4ngt aber wesentlich ab von der Ausdehnung oder Zusammenziehung der Haut und dem Verh\u00e4ltnisse zwischen dem Durchmesser des Ber\u00fchrungskreises Zerstreuungskreises) und dem absoluten Durchmesser der Empfindungskreise, so zwar, dass f\u00fcr den Fall, dass der Durchmesser des Ber\u00fchrungskreises betr\u00e4chtlich gr\u00f6sser ist, als der Durchmesser des Empfindungskreises und die","page":331},{"file":"p0332.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n:i:s2\nSpannungsgr\u00f6sse der Haut zugleich ein gewisses Maass \u00fcberseli reitet, der Werth von x gr\u00f6sser ausfallen muss, als der Durchmesser der Empfindungskreise. Vgl. Fig. 21 und 22. Hiermit scheint nun das ganze Verfahren zur Bestimmung eines kleinsten Grcnzwerthes des Durchmessers der Empfindungskreise Uber den Haufen geworfen zu sein. In der That ist es nicht zu leugnen, dass dieser Umstand meinem Verfahren den gr\u00f6ssten Theil seiner ohnehin schon durch \u00e4ndert^ Momente vielfach beeintr\u00e4chtigten Sicherheit raubt. So rasch glaube ich, darf man sicli jedoch nicht entmuthigen und von dem betretenen Wege \u2014 dem einzigen, der bisher zum Ziele zu f\u00fchren schien, \u2014 weil er nicht ganz eben ist, zur\u00fcckschreckcn lassen. Ich meine, es lohne sich doch der M\u00fche, den Versuch zu wagen, den Weg zu ebnen und vor Allem praktisch zu erproben, um zu sehen, wie die gewonnenen Resultate stimmen. Dass cs wirklich zu vorschnell w\u00e4re, jeden weiteren Versuch mit dem vorgeschlagenen Verfahren aufzugeben, glaube ich durch folgende Bemerkungen begr\u00fcnden zu k\u00f6nnen.\nIch gelte zu erw\u00e4gen, dass das angef\u00fchrte Bedenken nur f\u00fcr den Fall gilt, dass 1. der Durchmesser der Empfindungskreise betr\u00e4chtlich kleiner ist, als der Durchmesser des Zerstreuung\u00bb- oder Ber\u00fchrungskreises und 2. die Ausdehnung oder Zusammenschrumpfung der Haut ein gewisses Maass \u00fcberschreitet; w\u00e4hrend das Bedenken f\u00fcr alle anderen durch die Figg. 10 bis inclus. 20 illustrirten F\u00e4lle keine Bedeutung hat. Hiernach h\u00e4tte man nur den Resultaten zu misstrauen, welche an besonders feinf\u00fchlenden Hautstellen bei betr\u00e4chtlicher Dehnung oder Schrumpfung der Haut mit stumpfen Zirkelspitzen gewonnen wurden, nicht aber jenen, welche an stumpfer f\u00fchlenden Hautstellen gewonnen wurden.\nWollte man nun auch Messungen an feiner f\u00fchlenden Hautstellcn mit feineren Zirkelspitzen bei leiserem Aufdrucken derselben und bei geringerer Ausdehnung und Schrumpfung der Haut f\u00fcr unstatthaft erkl\u00e4ren, so bliche doch noch ein Mittel diesen Ausfall zu decken. Das Mittel n\u00e4mlich aus den unbezweifelten Bestimmungen an stumpfer f\u00fchlenden Hautstellen die verh\u00e4ltnissm\u00e4ssige Gr\u00f6sse des Durchmessers der Empfindungskreise zu berechnen, um auf diese Weise zu kleinsten Grcnzwerthen zu kommen u. s. w.\nF\u00fcr jetzt will ich nicht weiterauf diesen Gegenstand, \u00fcber den sich noch Vieles sagen liesse, eingehen, und so m\u00f6gen denn die gegebenen Andeutungen gen\u00fcgen, welche noch l\u00e4nger zur\u00fcckzuhalten ich um so weniger Veranlassung finde, als ich hoffen darf, durch dieselben auch andere Forscher zu weiteren Untersuchungen in diesem Gebiete anzuregen und zu Mitarbeitern zu gewinnen. Was ich bis-","page":332},{"file":"p0333.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n333\nlier mitgetlieilt habe, sind Gedanken und Folgerungen, die sich mit Nothwcndigkeit aus Weber\u2019s Lehre \u00fcber den liaumsinn der Haut ergeben und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ausgesprochen werden mussten. Ich habe sic ausgesprochen, ohne damit f\u00fcr Weber\u2019s Lehre ganz und gar einstehen zu wollen, denn in den Grundztigcn halte ich Weber\u2019s Lehre wohl f\u00fcr vollkommen richtig und begr\u00fcndet, nicht aber in der spccicllen Ausf\u00fchrung, welche mir im Gcgentheil ungen\u00fcgend und einer Verbesserung sehr bed\u00fcrftig erscheint.\nIch schliessc diesen Paragraph mit einem Ergehniss, welches f\u00fcr die Lehre vom Kaumsinn \u00fcberhaupt und f\u00fcr die vergleichenden Beobachtungen \u00fcber die Feinheit des Kauinsinncs der Haut bei Kindern und bei Erwachsenen insbesondere von Wichtigkeit ist.\nNach den Messungen, welche im \u00a7 1 mitgetlieilt sind, muss man schliessen, dass Kinder einen nicht unbetr\u00e4chtlich feineren Kaumsinn in der Haut besitzen, als Erwachsene. Dieses Factum hatte ich a priori erschlossen, indem ich erwog, dass unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden die Feinheit des Kaumsinnes offenbar in einem entgegengesetzten Verh\u00e4ltnisse zur linearen oder quadratischen Ausdehnung der Haut stehen m\u00fcsse. Die Erfahrung hat die Richtigkeit dieses Schlusses best\u00e4tigt, indem sich die vermutheten Differenzen in der That herausgcstcllt haben.\nDiese Differenzen sind aber an vielen Stellen gr\u00f6sser ausgefallen, als sie bei den gemachten Voraussetzungen ausfallen konnten. Es l\u00e4sst sich n\u00e4mlich die Gr\u00f6sse der Abnahme der Feinheit des Kaumsinnes, w\u00e4hrend des Wachsthumes und nach vollendetem Wachsthume, um so weniger nur aus der Vergr\u00f6sserung der Hautoberfl\u00e4che erkl\u00e4ren, als nach dem oben aufgestellten Gesetze die Abnahme der Feinheit des Kauinsinncs, der Zunahme der Hautausdehnung nicht einmal proportional ist.\nIch habe versucht die Vergr\u00f6sserung der Hautausdehnung zu berechnen, welche noting w\u00e4re, um die (Tab. I f\u00fcr die Knaben angegebenen Feinheitsgrade soweit abzustumpfen, dass sic mit den Feinheitsgraden des Erwachsenen stimmen.\nIch habe hierbei an vielen Stellen, selbst unter der Voraussetzung, dass die Abnahme der Feinheit des Kaumsinnes genau proportional sei der Zunahme der Hautausdehnung, solche Werthe erhalten, dass die Knaben zum Thcil in riesigen Dimensionen auswachsen m\u00fcssten, um die gew\u00f6hnlichen Feinheitsgrade Erwachsener zu bekommen.\nHieraus ergibt sich nun mit Nothwcndigkeit der Satz: dass w\u00e4hrend des Wachsthums eine Vergr\u00f6sserung der Em-","page":333},{"file":"p0334.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n334\np find ungsk reise nie lit nur in Folge der Zu nalnnc der llautoberfliiche, sondern auch in Folge gewisser, f\u00fcr verschiedene Regionen verschieden grosser Ver\u00e4nderungen der unbekannten Einrichtungen der Central-organe stattfindet.\nAn die M\u00f6glichkeit solcher Ver\u00e4nderungen in den Central-organen, welche schon a priori mehr als wahrscheinlich erscheinen muss, habe ich von Anfang an gedacht und auf dieselbe zu wiederholten Malen in den vorhergehenden Mittheilungen hingewiesen, obschon ich geflissentlich keine weitere R\u00fccksicht darauf genommen habe, um meine Betrachtungen, welche jetzt in mehrfacher Weise zu modifi-circn und zu erg\u00e4nzen sind, unter den einmal gemachten Voraussetzungen consequent zu Ende bringen zu k\u00f6nnen.\nEine \u00e4hnliche Vergr\u00f6sscrung der Empfind ungsk reise, welche Liciitexfels ') nach der Einwirkung narcotischer Gifte auf das Hirn Atropin, Daturin, Morphin etc. auftreten sah . muss ich auf Grund der obigen Mittheilungen f\u00fcr eine normale, physiologische, das Wach st hum des Gehirns begleitende Erscheinung erkl\u00e4ren.\nDie Best\u00e4tigung dieses .Satzes durch die dircct.cn Beobachtungen an den vier Knaben erst noch abzuwarten, halte ich deshalb f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig, als dieselbe gar nicht ausblciben kann, da mit voller Sicherheit anzunchmen ist., dass weder s\u00fcmmtlichc vier Knaben zu Riesen aus-wachscn, noch auch alle vier einen ausnahmsweise und abnorm feinen Baumsinn behalten werden.\n\u00a7 4. Beobachtungen \u00fcber das Wahrnehmen gleichzeitiger, heterogener Eindr\u00fccke, welche einander so nahe ger\u00fcckt sind, dass sie nicht mehr r\u00e4umlich unterschieden werden.\nIch habe Reihen von Versuchen angcstellt, um zu erfahren, wie zwei gleichzeitige aber ungleiche Eindr\u00fccke gef\u00fchlt werden. wenn man sic innerhalb eines Hautbezirkes applicirt, dessen Durchmesser zu klein ist, als dass daselbst zwei gleichzeitig aufgesetzte Zirkel-spitzen deutlich unterschieden werden k\u00f6nnten.\nDiese Versuche wurden folgendcrmaassen angestellt. Ich bestimmte zuerst vermittelst des Zirkels in verschiedenen llautrcgionen die Gr\u00f6sse des Bezirkes, innerhalb welches die gleichzeitigen und gleichen Eindr\u00fccke der Zirkelspitzen zu einer einzigen Empfindung ver-\n1 Sitzb. (1. kais. Akademie <1. \\Vi$$cn$ch. zu Wien. 1Y, S. Xis.","page":334},{"file":"p0335.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n335\nschmolzen. Nachdem icli diesen sorgf\u00e4ltig bestimmten Bezirk mit Tusche umrissen hatte, setzte ich an zwei beliebigen Tunkten desselben statt der Zirkelspitzen zwei sehr kleine Reagensgl\u00e4schen, von denen das eine mit heissem Oel, das andere mit einer K\u00e4ltemischung gef\u00fcllt war, mit ihren abgerundeten unteren Enden auf.\nDas \u00fcbereinstimmende Resultat meiner auf diese Art an mir und Anderen auf den verschiedensten Ilautregionen ausgef\u00fchrten Versuche ist nun folgendes. Man unterscheidet unter den angegebenen Bedingungen den K\u00e4lteeindruck des einen Gl\u00e4schens deutlich von dem W\u00e4rmeeindruck des anderen, allein und dies versetzt den Beobachter in eine eigent\u00fcmliche, nicht zu beschreibende Verwirrung) man hat k c i u c A h n u n g v o n ihre m N e b e n e i n a n der; man kann durchaus nicht angeben, ob der W\u00e4rmeeindruck rechts oder links, nach vorn oder hinten von dem K\u00e4lteeindruck sicli befindet. Manchmal glaubt man zwar, die r\u00e4umliche Disposition der Eindr\u00fccke wahrzunchmen, gibt dann aber regelm\u00e4ssig das gerade Gegentb ci 1 von Dem an. was wirklich stattfindet. Ich erw\u00e4hne dieses Umstandes, weil er sich in meinen Versuchsreihen so oft wiederholt hat, dass ich ihn kaum f\u00fcr ganz zuf\u00e4llig halten kann. Erst wenn man die verschieden temperirten Gl\u00e4schen in solchem Abstande von einander mit der Haut in Ber\u00fchrung bringt, als zur r\u00e4umlichen Unterscheidung zweier Zirkelspitzen erforderlich ist, erst dann nimmt man auch die r\u00e4umliche Disposition jener heterogenen Eindr\u00fccke wahr.\nNoch muss ich folgende bei diesen Versuchen gemachte Bemerkungen mittheilen. So lange die Eindr\u00fccke innerhalb jenes Bezirkes applicirt werden, schweben die beiden gleichzeitigen aber heterogenen Empfindungen unbestimmt im Baume, etwa wie zwei Geh\u00f6rsempfin-dungen, und scheinen gar keine Neigung zu haben, sich zu einer Empfindung zu mischen, ja es scheint unter Umst\u00e4nden ein Schwanken der Wahrnehmung, \u00e4hnlich dem beim sogenannten Wettstreite der Sehfelder, Platz zu greifen.\nIndem ich die Aufmerksamkeit der Fachgenossen auf diese Erscheinungen, welche eine eingehendere Untersuchung verdienten, lenke, erlaube ich mir nur noch zu bemerken, dass dieselben kaum leichter und einfacher als durch die Annahme fester Empfindungskrcise f\u00fcr den Baumsinn zu erkl\u00e4ren sein d\u00fcrften.\n\u00a7 5. Theoretische Bemerkungen.\nMan ist von verschiedenen Principien ausgegangen um die Wahrnehmungen des Baumsinnes \u00fcberhaupt., ferner die in verschiedenen","page":335},{"file":"p0336.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n336\nRegionen des K\u00f6rpers verschiedenen Grade der Feinheit desselben, und endlich das Verschmelzen zweier gleichzeitiger, gleichartiger Eindr\u00fccke zu einer Empfindung, wenn dieselbe \u00fcber ein nach den verschiedenen Hautregionen verschiedenes Maass sich einander n\u00e4hern, zu erkl\u00e4ren. Bekanntlich stehen sich gegenw\u00e4rtig zwei differente Erkl\u00e4rungsversuche gegen\u00fcber, von denen der eine durch E. H. Wkbkr, der andere durch Lotze und Meissner vertreten wird.\nE. H. W eher ') nimmt gewisse feste geometrische Verh\u00e4ltnisse in der Anordnung der peripherischen Nerven Verbreitung an, auf denen \u00bbsich Gestillten, Entfernungen und Bewegungen der wahrzunehmenden K\u00f6rper gleichsam abbilden k\u00f6nnen\u00ab und \u00bbvon denen die Seele gewisser-maassen ein Bild im Gehirn haben w\u00fcrde, zusammengesetzt aus einer Anzahl von Raumelementen, deren jedes durch eine sensible Primitivfaser vertreten w\u00fcrde, so dass die \u00bbSeele dann im \u00bbStande w\u00e4re, verm\u00f6ge dieser b c s t c h e n d e n Einrichtung direct die die Haut treffenden Reize hinsichtlich ihres Ortes zu bestimmen, gleichsam abzulesen\u00ab. *\nLotze1 2) hingegen, welchem Meissner folgt, leugnet die Existenz der festen Empfindungskrcisc \u00fcberhaupt und die Existenz jener Anordnung, welche Weiser den festen Empfindungskreisen gibt, insbesondere, denn nach ihm schlicsst \u00bbdie regelm\u00e4ssige r\u00e4umliche Lage der einzelnen afficirtcn Nervenpunkte nicht die gleiche Nothwendigkcit ein, dass die \u00bbSeele auch in ihren Empfindungen die entsprechende Form r\u00e4umlicher Association wiederhole\u00ab, und lassen sieh die Erfahrungen mit der von Weher angenommenen Anordnung der Empfindungskreise zum grossen Thcilc nicht in Einklang bringen.\nLotze ist der Meinung, dass sich die Erfahrungen \u00bbohne die Annahme fester Empfindungskreise befriedigend nach dem Satze deuten lassen, dass zwei Empfindungen um so deutlicher geschieden werden, je differenter, um so undeutlicher, je identischer ihr qualitativer Inhalt sammt den Localgef\u00fchlen ist\u00ab.\nIch f\u00fcr meine Person bin der Meinung, dass keine der beiden Theorien vollkommcnd ausreichend und tadellos sei, dass vielmehr erst durch die Vcrschmclzung.bcidcr eine v\u00f6llig stichhaltige und befriedigende Ansicht gewonnen werden k\u00f6nne.\nEine Verschmelzung des Brauchbaren beider Theorien ist aber nicht nur w\u00fcnschcnswcrth, sondern, wie ich im Folgenden zeigen werde, in der That auch m\u00f6glich.\n1\tWaoneu\u2019s Handwiirterb. Art. \u00bbTastsinn\u00ab und Berichte der k\u00fcn. siiclis. Ges. d. W. zu Leipzig. )S-'\u00bb2, 11, S. s.>: \u00bb(Jeher den Knunisinn\u00ab.\n2\tMedicinische Psychologie 1S52.","page":336},{"file":"p0337.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n337\nDass man sich bei Weber's Hypothese nicht beruhige k\u00f6nne geht, wie mir scheint, schon daraus hervor, dass Weber eine Anordnung der Enden der sensitiven Nerven voraussetzt, welche durch den wirklichen anatomischen Befund nicht im Entferntesten gerechtfertigt oder auch nur wahrscheinlich gemacht wird : solche scharf abgegrenzt neben einander liegende Ver\u00e4stelungsgebiete der einzelnen Primitivfibrillen, oder etwas der Art, hat noch Niemand in der menschlichen Haut gesehen und vermittelst des Mikroskopes nachgewiesen1 2 .\nDie LoTZK-MEissxER'sehe Hypothese ist aber eben so wenig stichhaltig, als die Weber sehe, indem dieselbe gar nichts von festen Empfindungskreisen wissen will. \u2014 da doch ohne die Annahme einer Beziehung zwischen fixen, eorrespondirenden. geometrischen Verh\u00e4ltnissen an der Peripherie und im Centrum eine Erkl\u00e4rung gewisser Erfahrungen unm\u00f6glich ist: oder wie wollten Botze und Meissner im Sinne ihrer Ansicht die im \u00a7 3 niedergelegten Erfahrungen \u00fcber das Verh\u00e4ltniss zwischen der Ab- und Zunahme der linearen Ausdehnung der Haut und der dadurch gesetzten Ver\u00e4nderung des Feinheitsgrades des Raumsinnes, auf eine ungezwungene Weise deuten? wie die in Folge des Wachsthumes eiutretende Abstumpfung der Feinheit des Kaumsinnes ?\nIch wenigstens weiss diesen Einw\u00fcrfen im .Sinne der Auseinandersetzung Meissner's- nicht zu begegnen. Ja es will mir sogar scheinen,\n1\tVcrgl. Meissner\u2019s Beitr\u00e4ge zur Anatomie und Physiologie der Haut. Leipzig 1853.\n2\tA. a. O., S. 44: \u00bbEin jeder Reiz, welcher die Haut an irgend einer Stelle trifft, wird nothwendig, mag er noch so beschr\u00e4nkt und fein sein, mehr als einen sensiblen Punkt treffen, da einerseits an vielen Hautstellen die sensiblen Punkte so nahe an einander ger\u00fcckt sind, dass schon die Wirkung des Reizes in gerader, senkrechter Richtung ihrer mehrere treffen muss, und da andererseits neben dieser Wirkung auch eine in seitlicher Richtung, im Umkreis jener, stattfinden muss, gewissennaassen ein Zerstreuungskreis des Reizes gebildet wird. Bei der Einwirkung jedes Druckes, jedes Tastreizes also wird ein Complex von sensiblen Punkten erregt. Es ist nun kein Grund vorhanden anzunehmen, dass dies Verh\u00e4ltniss, welches immer stattfinden muss, nicht auch von Bedeutung f\u00fcr das Zustandekommen des Inhalts der entsprechenden Empfindung sein sollte; und so ist es denkbar, dass vielleicht die Erregung der Punkte, welche dem Zerstreuungsoder Irradiationskreise eines Reizes angeboren, in irgend welcher Weise f\u00fcr die Seele das Localzeichen des Reizes ausmacht, dessen eigener qualitativer Inhalt dann durch die Wirkung in gerader Richtung, durch die Erregung der Punkte, welche das Centrum des Irradiationskreises bilden, wahrgenommen w\u00fcrde. Ist es nun erlaubt anzunehmen, dass die Erregung einer bestimmten Zahl sensibler Punkte einen solchen Irradiationskreis, soferne er f\u00fcr die Seele das Localzeichen abgeben soll, bilden muss, so dass also dann wohl zu unterscheiden sein w\u00fcrde.\nCzerrnak, Sclirlften.\t22","page":337},{"file":"p0338.txt","language":"de","ocr_de":"333\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\ndass sich die Lotzk-Mexssxersehe Hypothese vergebens bem\u00fcht, die Verschiedenheiten der Genauigkeit der Ortsempfindung einfach durch die gr\u00f6ssere oder geringere Zahl der sensiblen Punkte auf einer Hautstrecke von gegebener Gr\u00f6sse zu erkl\u00e4ren. Denn wenn, wie Mkissxeu sagt, an irgend einer Hautstelle \u00bbdie Erregung von a Punkten erforderlich ist, um einen als physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreis zu bilden\u00ab, so kann die Folge einer Abnahme der relativen Zahl der sensiblen Punkte offenbar nur die sein, dass die Bildung eines solchen aus \u00ab Punkten bestehenden Irradiationskreises caeteris paribus nicht mehr m\u00f6glich ist, indem der \u00bbblos physikalische Zerstreuungskreis\u00ab, dessen Bedeutung Meissxek ganz \u00fcbersieht, nicht mehr die erforderliche Zahl von a Punkten, welche ja nun auf einer gr\u00f6sseren Fl\u00e4che zerstreut stehen, als fr\u00fcher, w\u00e4hrend der Zerstreuungskreis noch immer denselben Durchmesser hat. erregen kann. Yergl. Wiener med. Wochenschrift 1355 Nr. 30, 8. 471 .\nMan begreift durchaus nicht, was es unter diesen Umst\u00e4nden helfen soll, wenn man zwei Beize, deren Irradiationskreise zusammen eine Hautstrecke eiunelnnen. wo nur a sensible Punkte sind und deshalb nicht gesondert empfunden werden, weiter von einander r\u00fcckt, denn ihre Irradiationskreise k\u00f6nnen sich offenbar niemals aus je \u00bb\u00ab\u00ab verschiedenen Punkten zusammensetzen, somit niemals als gesonderte physiologische Einheiten functioniren, es sei denn, es vergr\u00f6sserte sich ihr Durchmesser in einem der relativen Menge der sensiblen Punkte entsprechenden Verh\u00e4ltnisse. Sieht man aber von einer im obigen Sinne erforderlichen bestimmten Anzahl \u00bb\u00ab\u00ab von sensiblen Punkten ganz ab, und betont die \u00bbVerschiedenheit\u00ab derselben, dann hat man es streng genommen schon mit \u00bbbestehenden\u00ab, \u00bbfesten\u00ab Einrich-\nzwischen einem blos physikalischen Zerstreuungskreise, welcher nicht weiter in Betracht kommt (\u2022?!. und einem physiologischen Zerstreuungskreise, so wird sich ein directer Zusammenhang zwischen der Zahl der sensiblen Punkte auf einer Hautstrecke von gegebener Gr\u00f6sse und dem Grade der Feinheit der Gliederung der Localzeichen, oder der Zahl verschiedener Localzeichen, die dort entstehen k\u00f6nnen, ergeben. Ist die Erregung von \u00ab sensiblen Punkten erforderlich, um einen in obigem Sinne als physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreis zu bilden, so werden die Irradiationskreise zweier Heize, welche innerhalb einer Ilautstrecke erfolgen, wo nur <i sensible Punkte sind, aus denselben sensiblen Punkten sich zusammensetzen und somit ein und dasselbe Localzeichen f\u00fcr beide Reize vermitteln, welche also nicht gesondert empfunden werden; sic werden erst gesondert wahrgenommen werden, wenn sie so weit von einander ger\u00fcckt sind, dass ihre Irradiationskreise sich jeder aus a verschiedenen Punkten zusammensetzt, oder vielleicht wenigstens einen Theil der sic bildenden sensiblen Punkte verschieden haben\u00ab.","page":338},{"file":"p0339.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n330\ntungeil zu thun. durch welche die .Seele in den Stand gesetzt wird, die die Haut treffenden Reize hinsichtlich ihres Ortes zu bestimmen.\nUnd in der That, ich sehe nicht ein, was uns hindern sollte, feste Empfindungskreise, d. h. gewisse fixe Bezirke in der Haut anzunehmen, welche im Seusorium Raumeinheiten repr\u00e4sentiren, so richtig es auch sein mag, wenn Lotze lehrt : \u00bbWas f\u00fcr die Seele da sein soll, muss auf sie wirken: so wie nicht das Dasein eines Objectes, sondern nur der Druck oder Stoss, den es aus\u00fcbt, eine Empfindung motivirt, so motivirt alle r\u00e4umliche Lagerung und Nachbarschaft erregter Nervenenden nicht im aller Mindesten eine \u00e4hnliche Lagerung und Nachbarschaft der von ihnen erregten Empfindungen\u00ab.\n\u00bbAlle diese r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse zwischen den verschiedenen Erregungen des K\u00f6rpers sind nur ein Material, das wahrgenommen werden kann, und dann wahrgenommen wird, wenn es einen Eindruck zu machen versteht, das jedoch so lange wie nicht vorhanden ist. als cs nur vorhanden ist und jenen Eindruck nicht macht. \u2014 F\u00fcr die Be-urtheilung des anatomischen Baues der Sinnesorgane geht nun hieraus eine allgemeine Maxime hervor : finden wir irgendwo Veranstaltungen getroffen, um eine Vielheit \u00e4usserer Reize in geordneten geometrischen Verh\u00e4ltnissen auf das Nervensystem wirken zu lassen, so sind uns solche Einrichtungen als Andeutungen wichtig, dass die Natur aus jenen r\u00e4umlichen Beziehungen etwas f\u00fcr das Bewusstsein zu machen beabsichtigt, an sich jedoch erkl\u00e4ren sie Nichts, und es ist nothwen-dig, \u00fcberall in den Sinnesorganen zugleich jene anderen Mittel aufzusuchen, durch welche die Lage der erregten Punkte noch neben ihrer qualitativen Erregung auf die Seele zu wirken vermag\u00ab.\nHiernach wird man zwar zugeben m\u00fcssen, dass die festen Empfindungskreise \u00bban sich Nichts erkl\u00e4ren\u00ab, allein man ist weder berechtigt noch gen\u00f6thigt, dieselben zu leugnen. Lotze hat durch die aus seinen Grundanschauuugen mit Nothwendigkeit sich ergebenden Folgerungen \u2014 das Princip der festen Empfindungskreise keineswegs widerlegt, sondern nur gezeigt, dass dieses Princip einer h\u00f6heren Begr\u00fcndung bedarf. Statt nun zu versuchen, diese h\u00f6here Begr\u00fcndung zu geben und die willk\u00fcrlichen und ungen\u00fcgenden Annahmen Weber\u2019s zu modificiren. hat Lotze die ganz neue Theorie eines \u00bbabgestuften Systems von Loealzeichen\u00ab in der Meinung aufgestellt, \u00bbdie Localisation der Empfindungselemente in der r\u00e4umlichen Anschauung\u00ab nun besser, d. h. wirklich erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Allein bei Lichte besehen . ist es nicht zu leugnen, dass Lotze mit seiner Theorie der Loealzeichen im Grunde eben so wenig oder eben so*viel erkl\u00e4rt wie\n22*","page":339},{"file":"p0340.txt","language":"de","ocr_de":"340\nBeitr\u00fcge zur Physiologie des Tastsinnes.\nWeber, wenn er sagt, (lass \u00bbdie Empfindung, die ein jeder Empfin-dungskreis hervorbringt, in uns die Vorstellung von einem liaum-elemente erweckt\u00ab, und dass \u00bbdie dunkle Erinnerung, wie viel unber\u00fchrte Empfindungskreise auf welchen wir schon oft Empfindungen gehabt haben , zwischen den ber\u00fchrten Empfindungskreisen der Haut liegen, in uns die Vorstellung von einem Zwischenraum erweckt, der um so gr\u00f6sser zu sein scheint, je mehr unber\u00fchrte Empfindungskreise von dem Zirkel \u00fcberspannt werden\u00ab; \u2014 denn \u00bbgesetzt auch, der Seele werde mit jeder qualitativen Empfindung zugleich jenes Localzeichen zugef\u00fchrt, das nun bestehen m\u00f6ge, worin es wolle, ist es nicht dennoch eine Erschleichung\u00ab, wenn Lotze behauptet, \u00bbdass sie hierdurch allein bef\u00e4higt und gen\u00f6thigt w\u00fcrde, ihre Empfindungen nicht nur \u00fcberhaupt auseinander zu halten, sondern sie auch r\u00e4umlich von einander zu scheiden ?\u00ab\nDiese Frage muss man meiner Ansicht nach ohne R\u00fcckhalt vollst\u00e4ndig nicht nur zum Th eil, wie Lotze will bejahen. \u00bbZwar, dass das Bewusstsein jene Empfindungen, welche sich mit verschiedenen Localzeichen assoeiirt haben, \u00fcberhaupt aus einander halten m\u00fcsse, d\u00fcrfen wir als gewiss ansehen : aber allerdings w\u00fcrde ihre Unterscheidung ja noch immer in jener intensiven Weise erfolgen k\u00f6nnen, in welcher wir die gleichen T\u00f6ne von verschiedenem Timbre wahrnehmen. sie aus einander haltend zwar, aber doch nicht so, dass ihre Unterschiede als r\u00e4umliche Distanzen erschienen\u00ab.\nEs ist vergebens, wenn Lotze diesem vernichtenden Einwurf, welchen er sich \u00fcbrigens selbst macht, durch Folgendes begegnen will : \u00bbBind einmal alle geometrischen Verh\u00e4ltnisse, welche zwischen den Theilen der \u00e4usseren Reize und noch zwischen den ihnen entsprechenden Eindr\u00fccken im Nerven bestanden, in dem blos intensiven Dasein verschwunden, welches den Vorstellungen in der Beele allein zukommt, und sollen sie aus diesem reconstruirt werden, so m\u00fcssen an den einzelnen Empfindungen intensive Merkzeichen angebracht sein, welche die Lage ihrer Objecte im Raume vertreten, und aus welchen die Beele die r\u00e4umliche Ordnung wieder herstellen kann. H icrznallei n sollen jene Localzeichen dienen\u00ab. Denn hat Lotze durch seine Theorie der Localzeichen nicht m e h r tlnm wollen und zu thun geglaubt, als \u00fcberhaupt die Noth wendigkeit intensiver Erregungen bei derUcber-leitung geometrischer Verh\u00e4ltnisse zur Beele behufs r\u00e4umlicher Anschauungen zu urgiren; so h\u00e4tte er sich begn\u00fcgen k\u00f6nnen, einfach darauf hinzuweisen, dass eine Anschauung der wirklichen Lage \u00e4usserer Objecte nicht auf dem Wege der \u00bbAuffassung\u00ab, sondern nur auf dem der \u00bbWiedererzeugung der R\u00e4umlichkeit\u00ab vermittelt","page":340},{"file":"p0341.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n341\nwerden k\u00f6nne, und dass die r\u00e4umliche Lagerung und Nachbarschaft der durch die festen, in bestimmter Weise angeordneten Empfindungskreise vermittelten Erregungen. einen Eindruck auf die Seele zu machen versteht, und so auf eine freilich bisher u n e r k 1 \u00e4 r b a r e Art eine \u00e4hnliche Lagerung und Nachbarschaft der von ihnen gesetzten Empfindungen motivirt.\nIch halte mich nach den vorausgeschickten Bemerkungen f\u00fcr berechtigt. in einer neu zu formulirenden Theorie des Kaumsinnes der Haut, einerseits an der Existenz der fixen Empfindungskreise, welche ich freilich anders definire als Weber, nach welchem Empfindungskreis und Ver\u00e4stelungsbezirk einer Primitivfibrille identisch sind, festzuhalten, 'andererseits aber auch die aus Lotze\u2019s Grundanschauungen nothwendig sich ergebende Forderung intensiver Loca 1 zeich eu aufzunehmen und zu ber\u00fccksichtigen.\nMeine, die Ansichten Lotzes und Weber\u2019s vermittelnde Hypothese w\u00fcrde sich folgeudcrmaassen gestalten.\nJede einzelne Nervenfibrille hat ein gewisses Ver\u00e4stelungsgebiet in der Haut, und es liegen diese zahllosen Ver\u00e4steluugsgebiete nicht scharf begrenzt neben einander, wie Weber meint, sondern greifen vielfach in einander ein, d.h. sie decken sich zumTheil. so zwar, dass es fast keine Bezirke in der Haut gibt, welche nur von einer einzigen Primitivfibrille versorgt w\u00fcrden, und dass die Haut nirgends von einem Beize getroffen werden kann, er sei noch so fein und beschr\u00e4nkt, ohne dass hierdurch eine Summe von Nervenfibrillen erregt w\u00fcrde.\nTrotz der Erregung mehrerer Nervenfibrillen durch einen einfachen und beschr\u00e4nkten Beiz entsteht aber, wie die Erfahrung lehrt, doch auf keiner Hautstelle eine vielfache Empfindung, selbst mehrere gleichzeitige und gleiche Beize, ja sogar heterogene Beize (vergl. \u00a7 4 verschmelzen zu einer r\u00e4umlich untrennbaren Wahrnehmung. wenn dieselben \u00fcber ein nach den verschiedenen Hautregionen verschiedenes Maass einander gen\u00e4hert sind. Man kann also \u00fcberall in der Haut Bezirke von bestimmter Gr\u00f6sse und Gestalt nachweiseu und vermittelst eines Zirkels messen und umschreiben, innerhalb welcher eine r\u00e4umliche Trennung und Unterscheidung zweier oder mehrerer Eindr\u00fccke nicht mehr m\u00f6glich ist. Diese Bezirke nun nenne ich Empfindungskreise. Jede Nervenfibrille gibt n\u00e4mlich der durch sie vermittelten Empfindung ein besonderes Localzeichen mit. das ein Glied eines stetig abgestuften Systems ist, welches System in direct er. vorl\u00e4ufig nicht n\u00e4her erkl\u00e4rbarer Be-","page":341},{"file":"p0342.txt","language":"de","ocr_de":"342\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nziehung steht zu den fixen, correspondirenden, geometrischen Verh\u00e4ltnissen der centralen und der peripherischen Nervenenden.\nJe weiter im Allgemeinen die Ver\u00e4stelungsgebiete zweier Fibrillen aus einander liegen, desto differenter sind die ihnen eigenth\u00fcmlichen Localzeichen, w\u00e4hrend Fibrillen, deren Ver\u00e4stelungsgebiete hart an einander stossen oder gar in einander \u00fcbergreifen, fast gleiche oder nur sehr wenig differente Localzeichen vermitteln. Doch h\u00e4ngt der Unterschied der Localzeichen verschiedener Fibrillen nicht etwa lediglich von dem Verh\u00e4ltnisse ihrer peripherischen Ver\u00e4stelungsgebiete ab, sondern auch und zwar wesentlich von gewissen bisher noch unbekannten Anordnungen in den Centralorganen. Jede einzelne jener Primitivfibrillen, welche sich innerhalb eines Empfindungskreises ver\u00e4steln, gibt zwar der durch sie vermittelten Empfindung ein ihr eigenes Localzeichen mit, allein dieses unterscheidet sich so wenig von den Localzeichen jeder anderen zu demselben Empfindungskreise geh\u00f6rigen Fibrille, dass die in Folge eines oder mehrerer innerhalb der Grenzen eines Empfindungskreises applieirten Reize erregten Empfindungen unaufhaltsam in eine r\u00e4umlich einheitliche Wahrnehmung zusammenfliessen m\u00fcssen. Jeder Empfindungskreis repr\u00e4sentirt daher im Sensorium eine zusammengesetzte R a u m e i n h e i t \u2014 ein Ra um eie ment h\u00f6herer Ordnung. Das, was ich die den einzelnen Fibrillen eigenth\u00fcmlichen Localzeichen genannt habe, entspricht gewissermaassen dem WEijER\u2019schen Begriff eines Empfindungskreises ; w\u00e4hrend Das, was ich unter \u00bbEmpfindungskreis\u00ab verstehe, insofern mit Meissner's \u00bbphysiologischen Zerstreuungs- oder Irradiationskreis\u00ab zusammenf\u00e4llt, als beide in unserer Vorstellung eine. Rau mein h eit repr\u00e4sentiren. darin aber wesentlich sieh unterscheidet, dass jeder meiner Empfindungskreise einen fixen Complex von sensiblen Punkten, welche in unbestimmter beliebiger Anzahl erregt, immer ein gewisses Raumelement repr\u00e4sentiren, umfasst, w\u00e4hrend die Erregung einer \u00bbbestimmten Zahl sensitiver Punkte\u00ab einen Meissner\u2019sehen Irradiationskreis \u00bbso fern er f\u00fcr die Seele das Localzeichen abgeben soll, erst bilden muss\u00ab.\nWas die Anordnung der Empfindungskreise in der Haut betrifft, so muss man sich dieselbe erfahrungsgem\u00e4ss unter dem Bilde von unendlich vielen Kreisen oder Ellipsen denken, welche bestimmte Durchmesser haben und sich interferiren, d. h. sich zum Theile (und zwar zum gr\u00f6ssten decken vergl. Taf. IS. Fig. 23 , denn versucht man die Empfindungskreise vermittelst des Zirkels in bekannter Weise zu bestimmen und mit Tusche graphisch auf der Haut darzustellen , so findet man leicht, dass die Mittelpunkte derselben die","page":342},{"file":"p0343.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n\nganze Hautfl\u00e4che stetig erf\u00fcllen* 1). Jeder sensible Hautpunkt geh\u00f6rt daher vielen Empfindungskreisen an, nimmt aber in jedem derselben eine andere relative Lage zum Mittelpunkte\u2019ein. In so weit die Empfindungskreise dieselben sensiblen Punkte gemeinschaftlich umfassen \u2014 sich decken, in so weit fallen auch die durch diese Empfindungskreise repr\u00e4sentirten Raumeinheiten zusammen, so dass in uns die Vorstellung eines nach zwei Dimensionen des Raumes ausgedehnten Continuums erweckt wird.\n1 Ich habe schon vor mehr als ti Jahren den Gedanken an eine Interferenz der Empfindungskreise ausgesprochen und f\u00fcr die Theorie des Raumsinnes zu ver-verthen gesucht (\u00bblieber die Hautnerven des Frosches\u00ab, M\u00fcll. Arch. 1S41\u00bb, S. 252). Damals hielt ich mich noch ganz an die WEBEKschen Begriffsbestimmungen, und meine Bemerkungen sollten nur ein Amendement der Weber'schon und keine neue Hypothese sein. Weber aber hat sich nicht die M\u00fche genommen, das Wort \u2022interferiren\u00ab in dem von mir gebrauchten Sinne zu verstehen und geglaubt, durch folgende Verdrehung des Sinnes meiner Worte das unbequeme Amendement mit einem, auf eine nichtssagende Phrase gest\u00fctzten Machtspruch zu vernichten. Weber sagt 1. c. \u00bbUeber den Raumsinn\u00ab Seite IIS; : \u00bbVerstehe ich dieses Wort (das sich Interferiren der Empfindungskreise; richtig, so meint er (ich, die Empfindungskreise grenzten nicht Idos an einander, sondern sie deckten sich zum Tlieil und an den Orten, wo sie sich deckten, st\u00f6rten (?!) sich die daselbst ausgebreiteten Nerven einander in ihrer Function, so dass man dort keine scharfen r\u00e4umlich unterscheidbaren Eindr\u00fccke erhalten k\u00f6nnte. Allein es ist nicht anzunehmen, dass die Nerven sich so verbreiten, dass sie sich gegenseitig st\u00f6ren ,!. und in ihren Wirkungen vernichten ! \u00ab\nIch halte jede Erwiederung hierauf nunmehr f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig, da ich \u00fcberzeugt bin. dass Weber bei genauerer Ucberleguugdas Missverst\u00e4ndnis, das seinen sonst so klaren Blick nur in einem Moment einer \u00fcbrigens unerkl\u00e4rbaren Gereiztheit tr\u00fcben konnte, l\u00e4ngst selbst erkannt und bei sich berichtigt habe und ferner, dass er nicht mehr geneigt sein kann , einerseits die durch keine anatomische That-saclie gest\u00fctzte Annahme scharf begrenzt neben einander liegender Ver\u00e4stelungsgebiete der Primitivfibrillen noch festhalten, andererseits das factische Zu-sammenfliessen seiner Empfindungskreise zu h\u00f6heren Raumeinheiten,\u2014 den von mir so genannten Empfindungskreisen, und deren auf dem Wege des Experimentes exact nachweisbaren Interfere n z leugnen zu wollen.\nSchliesslich bemerke ich, dass nur K\u00f6lliker Mikr. Anatomie. 1S50, Bd. II,\nI. H\u00e4lfte, Seite 30\u201443; den von mir zuerst ausgesprochenen Gedanken an eine Interferenz der Empfindungskreise richtig gew\u00fcrdigt und verwerthet hat, obschon er eine meiner damaligen Voraussetzungen, welche ich jetzt nicht mehr festhalte, missverstanden, aber nicht wie Meissner zu glauben scheint (1. c. Seitell widerlegt hat. Wenn K\u00f6lliker \u00fcbrigens sagt 1. c. Seite 40 : \u00bbman m\u00fcsste die Empfindungskreise Weber s gewissermaassen ins R\u00fcckenmark an die Enden der eigentlichen R\u00fcckenmarksfasern von Volkmann verlegen, dieselben ebenfalls verschieden gross annehmen und mit Czermak sich interferiren lassen\u00ab, so hatte er offenbar eine Ahnung von den von mir charakterisirten Empfindungskreisen und ich kann daher nicht zweifeln , dass sich K\u00f6lliker meiner vermittelnden Hypothese v\u00f6llig ansehliesscn wird.","page":343},{"file":"p0344.txt","language":"de","ocr_de":"314\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nEs sind hiermit die bestimmten Zahlen- und Raumverh\u00e4ltnisse in der Anordnung des Nervensystems zu \u00bbQualit\u00e4ten der Reize\u00ab geworden, deren Loealit\u00e4ten sie zur Wahrnehmung bringen, und so wird denn unser intensives Raumbild mit den verschiedenen Tust-, Druck- und Temperatur-Empfindungen gef\u00fcllt, womit jedoch nicht gesagt sein soll, dass wir unsere Empfindungen in ein uns schon von vornherein bekanntes, a priori gegebenes Raumschema eintragen.\nJede durch die Reizung eines einzigen oder beliebig vieler sensiblen Punkte erregte Empfindung nimmt eine bestimmte Stelle unseres Raumbildes ein. Die v\u00f6llige r\u00e4umliche Trennung und Unterscheidung zweier gleichzeitiger Empfindungen, welche durch zwei benachbarte Reize erweckt werden, kann aber erst dann stattfinden, wenn in uns die Vorstellung eines Zwischenraumes zwischen den Loealit\u00e4ten jener beiden Empfindungen entsteht. Dieser Zwischenraum kann uns leer oder gef\u00fcllt, gross oder klein, verschwindend klein erscheinen. wir m\u00fcssen aber eine Vorstellung von ihm haben. wenn wir zwei Empfindungen r\u00e4umlich getrennt wahrnehmen wollen. Der hierzu n\u00f6thige Abstand der Reize von einander auf der Haut muss daher wenigstens so viel betragen, dass jeder von ihnen solche sensible Punkte erregt, welche nicht zu demselben Empfindungskreise oder zu. in gr\u00f6sster Ausdehnung sich iuterferireuden Empfindungskreisen geh\u00f6ren.\nNach meiner Ansicht gen\u00fcgt es also nicht, dass, wie Meissneu sagt, \u00bbdie beiden Reize so weit aus einander ger\u00fcckt werden. dass ihre physiologischen Irradiationskreise sich jeder aus a verschiedenen Punkten zusammengesetzt oder vielleicht wenigstens einen Theil der sie bildenden sensiblen Punkte verschieden haben\u00ab, sondern diese verschiedenen Punkte d\u00fcrfen \u00fcberdies auch nicht innerhalb eines und desselben Empfindungskreises liegen. \u2014 denn es existirt ein director Zusammenhang zwischen der Zahl der sensiblen Punkte auf einer Hautstrecke von gegebener Gr\u00f6sse und dem Grade der Feinheit der Gliederung der Localzeichen oder der Zahl verschiedener Localzeichen, die dort erstehen k\u00f6nnen\u00ab, nicht in der Weise, wie Meissxek will, dass \u00bbdie Erregung einer bestimmten Zahl sensibler Punkte einen Irradiationskreis, sofern er f\u00fcr die Seele das Localzeichen abgeben soll, bilden muss\u00ab, sondern in der Art, dass an Orten, wo die relative Menge der sensiblen Punkte gr\u00f6sser ist, zugleich in Folge gewisser fixer, correspondirender. geometrischer Verh\u00e4ltnisse in der Peripherie und im Centrum auch die Empfindungskreise-kleinere Durchmesser haben, und vice versa.\nF\u00fcr die Bildung des aus den Localzeichen der einzelnen erregten","page":344},{"file":"p0345.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n345\nNervenfibvillcn rcsultirendeu Localzeichens h\u00f6herer Ordnung \u2014 des \u00bbals physiologische Einheit functionirenden Irradiationskreises\u00ab Meissner's ist eben nicht die Zahl der gereizten sensiblen Punkte, welche ja auch in so ferne zuf\u00e4llig ist, als sie von dem Durchmesser des physikalischen Zerstreuungskreises abh\u00e4ngt, das Wesentliche, sondern die Stellung der den einzelnen Nervenfibrillen. welche durch den Reiz \u00bbgetroffen. sind, eigent\u00fcmlichen Localzeichen in dem st\u00e4tig \u00bbabgestuften System der Localzeichen\u00ab, welches, den Ausdruck der Feinheit seiner Gliederung in dem Durchmesser der fixen, von mir so genannten Empfindungskreise findend, auf eine freilich bisher unerkl\u00e4rbare Weise durch gewisse correspondirende Anordnungen in dem peripherischen und centralen Nervensysteme bedingt ist1 . Die erforderliche Gr\u00f6sse des Abstandes zweier benachbarter Reize von einander auf der Haut, wenn sie r\u00e4umlich getrennt empfunden werden sollen, h\u00e4ngt also wesentlich ab :\n1.\tvon der Gr\u00f6sse des Durchmessers der Empfindungskreise der betreffenden Hautstelle, denn der Abstand kann unter gew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden nicht kleiner sein als der Durchmesser eines Empfmdungs-kreises :\n2.\tvon der Gr\u00f6sse der \u00bbphysikalischen Zerstreuungskreise\u00ab der Reize, denn je gr\u00f6sser der Durchmesser derselben ist, desto weiter muss man die Reize von einander entfernen, soll ein ganzer Empfindungskreis oder mehr zwischen beiden v\u00f6llig unber\u00fchrt bleiben : und\n3.\tvon der Uebung und Aufmerksamkeit des Individuums. denn nach diesen subjectiven Momenten richtet sich die Gr\u00f6sse des die Empfindungen trennenden Zwischenraumes, welche erforderlich ist, damit das Individuum denselben wahrzunehmen im Staude sei : hierin liegt zugleich die M\u00f6glichkeit einer Ausbildung und Verfeinerung des Raumsinnes.\nDie bisher mitgetheilten Er\u00f6rterungen haben wohl meine die\n1 Hiermit werden sich Lotze und Meissner schliesslich einverstanden erkl\u00e4ren k\u00f6nnen und m\u00fcssen, du einerseits ihrer Forderung \u00bbiutensiver Localzeichen \u00ab Gen\u00fcge geschieht und da sie andererseits gegen meine Hypothese und zu Gunsten ihrer Anschauungsweise nicht geltend machen d\u00fcrfen, dass die erstere ein Erkl\u00e4rungsversuch sei, der eigentlich Nichts erkl\u00e4re, und zwar aus dem einfachen Grunde nicht, weil ihre Anschauungsweise, wie oben nachgewiesen wurde, ebenso wenig erkl\u00e4rt als die meine \u2014 mit dem Unterschiede jedoch , dass i eh die Erkl\u00e4rung gewisser Grundverh\u00e4ltnisse offen als (f\u00fcr jetzt und vielleicht f\u00fcr immer) u n m \u00f6 g 1 i c h bezeichne, w\u00e4hrend sie dieselben zwar ebenso wenig geben, sondern durch eine Erschleichung h\u00f6chstens Vort\u00e4uschen k\u00f6nnen, und ferner, dass sich wohl mit meiner, aber nicht mit ihrer Hypothese die Resultate aller Experimente etc. auf die ungezwungenste Weise in Einklang bringen lassen.","page":345},{"file":"p0346.txt","language":"de","ocr_de":"346\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nbeiden Eingangs eliarakterisirten Anschauungen vermittelnde, so zu sagen eklektische Theorie des Raumsinnes der Haut \u00fcberhaupt und ihr Verh\u00e4ltnis\u00bb zu den beiden anderen Theorien klar genug auseinandergesetzt, so dass ich, ohne Missverst\u00e4ndnisse bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, mich der M\u00fche \u00fcberheben darf, auf weiteres Detail, welches mit Nottf-wendigkeit aus den gegebenen Pr\u00e4missen fliesst, einzugehen.\nIch erlaube mir nur noch hervorzuheben, dass sich im Sinne meiner Hypothese die Resultate aller bisher bekannten Experimente so weit, als sie \u00fcberhaupt erkl\u00e4rbar sind, auf die einfachste Weise erkl\u00e4ren lassen, und dass meine Hypothese mit keiner der anatomischen Thatsachen, welche die neuesten mikroskopischen Untersuchungen der Tastorgane festgestellt haben, im Widerspruche steht.\nAus diesen Gr\u00fcnden schmeichle ich mir mit der Hoffnung, dass es meinen Bem\u00fchungen gelungen sein d\u00fcrfte, die unserem gegenw\u00e4rtigen Wissen allein entsprechende Theorie des Raumsinnes der Haut angebahnt zu haben, mit welcher auch Lotze, Meissner und Wehek um so eher \u00fcbereinstimmen k\u00f6nnen, als sie so viel von ihren eigenen Gedanken in derselben finden werden, dass sie gerade nur das absolut Unhaltbare ihrer fr\u00fcheren Ansichten aufzugeben brauchen.\nEs ist wohl beinahe \u00fcberfl\u00fcssig, ausdr\u00fccklich daran zu erinnern, dass nach der von mir entwickelten Theorie so manches des in den fr\u00fcheren \u00a7\u00a7 Mitgetheilten eine Modification erleiden und in anderem Eichte erscheinen m\u00fcsse, allein ich time es doch, um mich nicht dem Vorwurfe auszusetzen, selbst etwa diesen Umstand \u00fcbersehen zu haben.\nUm nur Eins speciell anzuf\u00fchren, weise ich daraufhin, dass durch die in \u00a7 3 vorgeschlagenen Messungen nicht ein Theil des Durchmessers der Weber sehen Empfindungskreise gemessen wird, sondern di a tat is mutandis eigentlich ein Theil des Halbmessers des \u00bbblos physikalischen Zerstreuungskreises\u00ab, wobei es offenbar keinen Fehler, wohl aber eine verschiedene Ann\u00e4herung an die Wirklichkeit verursachen w\u00fcrde, wenn die Gr\u00f6sse dieses Halbmessers caeteris paribus von den Spannungs- und Erschlaffungszust\u00e4nden der Haut ge\u00e4ndert wird oder nicht.\n\u00a7 6. Ueber das \u00bbVerkehrtf\u00fchlen\u00ab.\nBei der Er\u00f6rterung des bekannten Versuches, wo'man mit gekreuzten Fingern zwei K\u00fcgelchen statt Eines zu f\u00fchlen glaubt, hat man. so weit mir bekannt ist. immer nur diese T\u00e4uschung des Doppeltfuhlens eines in der That nur einfachen Tastobjectes hervorgehoben,","page":346},{"file":"p0347.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n3-17\neine andere, nicht minder interessante Seite des Versuches jedoch fast ganz \u00fcbergangen. Ich meine eine schon bei geringer Aufmerksamkeit leicht zu constatirende Erscheinung, welche ich das \u00bb Verkeil rt-f \u00fc h 1 e n\u00ab nennen m\u00f6chte.\nStellt man n\u00e4mlich den Versuch mit den gekreuzten Fingern der rechten Hand an, und hat das vermeintliche Doppeltf\u00fchlen des einfachen Tastobjectes einen hinreichend hohen Grad von Illusion erreicht die T\u00e4uschung tritt bekanntlich mit wechselndem Deutlichkeitsgrade auf, ja sie kann sogar ganz verschwinden, wenn man sich die ungew\u00f6hnliche Lage der Finger vergegenw\u00e4rtigt und in Rechnung bringt, so wird man finden, dass das rechts erscheinende Tastbild von dem Eindr\u00fccke der linken Seite des Tastobjectes auf den links liegenden Ulnarrand des Mittelfingers, das links erscheinende Tastbild hingegen von dem Eindr\u00fccke der rechten Seite des Tastobjectes auf den rechts liegenden Radialrand des Zeigefingers bedingt ist. Denken wir uns das einfache K\u00fcgelchen in zwei neben einander liegende, ein rechtes und ein linkes zerschnitten, so ist es hiernach selbstverst\u00e4ndlich, dass im Tastbilde das rechte K\u00fcgelchen links, das linke rechts erscheinen m\u00fcsse, dass wir somit das Nebeneinander der Tastobjecte in verkehrter Ordnung wahrnehmen, dass wir mit einem Worte \u00bbverkehrt f\u00fchlen\u00ab.\nDa es immerhin einige Schwierigkeiten \u2014 wenigstens Unbequemlichkeiten hat, die von mir hervorgehobenen Erscheinungen, beider Kreuzung zweier Finger hervorzurufen und genau zu beobachten, so habe ich nach anderen Organen gesucht, an welchen sich mit gr\u00f6sserer Leichtigkeit die zu dem Versuche erforderliche Verschiebung der Anordnung der peripherischen Tastnerven bewerkstelligen Hesse, und bin auf den Gedanken verfallen, mit den leicht verschiebbaren und durch einen sehr feinen Ortssinn ausgezeichneten Lippen zu experi-mentiren. An den Lippen gelingen die Versuche in der That mit gr\u00f6sster Leichtigkeit und \u00fcberraschendster Klarheit. Die R\u00e4nder der Lippen verhalten sich auf \u00e4hnliche Weise, wie die in der gew\u00f6hnlichen Fingerstellung einander zugekehrten R\u00e4nder der Finger. Schliesst man unbefangen den Mund, so ber\u00fchren sich die rotlien R\u00e4nder der Lippen ihrer ganzen L\u00e4nge nach mit gleichnamigen, correspoudirenden Punkten vgl. Taf. 18, Fig. 24) und bilden ein sensibles Continuum, wie wenn die Mundspalte gar nicht vorhanden w\u00e4re. Die Form, Lage und Entfernung der Tastobjecte, welche die Lippen ber\u00fchren, werden den objectiven Verh\u00e4ltnissen vollkommen entsprechend wahrgenommen. Dr\u00fcckt man ein Wachsk\u00fcgelchen oder das abgerundete Ende eines Federhalters in die Mundspalte, so dass die Lippen an correspondiren-","page":347},{"file":"p0348.txt","language":"de","ocr_de":"348\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n(len Punkten ber\u00fchrt werden, so bezieht man die beiden Eindr\u00fccke \u2014 \u2014 je nachdem das Object tiefer oder weniger tief in die Mundspalte eingedrungen ist \u2014 entweder auf ein einziges Tastobject oder man nimmt zwei getrennte, senkrecht zur Mundspalte \u00fcber einander liegende Eindr\u00fccke wahr.\nWerden aber die Lippen an einander verschoben, indem man die eine derselben nach rechts, die andere nach links zieht, oder indem man nur die Eine der Lippen auf diese Art dislocirt, \u2014 so dass sieh nun solche Punkte der Lippen ber\u00fchren und einander gegen\u00fcber liegen, welche bei nat\u00fcrlicher Lippenhaltung nicht correspondircn vgl. Taf. 18, Fig. 25), dann entspricht auch die Auffassung der Gegenst\u00e4nde, welche sich auf den Lippen gleichsam abbildeu, den ob-jectiven Verh\u00e4ltnissen nicht mehr.\nZwei in senkrechter Richtung zur Mundspalte auf die nun einander gegen\u00fcberliegenden Punkte der Lippen angebrachten Eindr\u00fccke erscheinen im entgegengesetzten \u00bbSinne zur Verschiebung der Lippen gegen einander seitlich verschoben.\nHat man die Oberlippe nach rechts, die Unterlippe nach links verschoben, so scheint uns der obere der beiden, objectiv senkrecht \u00fcber einander stellenden Eindr\u00fccke links, der untere aber rechts zu liegen. Der Zwischenraum. welcher diese beiden Eindr\u00fccke in der Vorstellung trennt, kommt uns. caeten's paribus um so gr\u00f6sser vor, je weiter die getroffenen Punkte der Lippen bei der nat\u00fcrlichen Lage derselben in querer Richtung aus einander liegen.\nBer\u00fchrt mau hingegen zwei sogenannte correspondirende Punkte der nach rechts dislocirten Ober- und der nach links dislocirten Unterlippe, so nimmt man die beiden Eindr\u00fccke als senkrecht zur Mundspalte \u00fcbereinanderstehend wahr, obschon die die beiden Ber\u00fchrungspunkte verbindende Gerade nicht senkrecht zur Mundspalte steht, sondern eine der Gr\u00f6sse der Dislocation entsprechende Neigung von oben und rechts nach unten und links besitzt.\nWerden endlich die Eindr\u00fccke so angebracht, dass die Neigung der die Ber\u00fchrungspunkte verbindenden geraden Linie, zwischen der Neigung, welche erforderlich ist, damit die Eindr\u00fccke sogenannte correspondirende Lippenpunkte treffen, und der zur Mundspalte Senkrechten steht \u2014so muss das \u00bb Verkehrtf\u00fchlen \u00ab eintreten. indem dann der rechts liegende obere Eindruck in der Vorstellung links liegend, und der links angebrachte untere Eindruck rechts liegend erscheint. Man bedient sich zu diesen Versuchen am Besten eines Zirkels mit gedeckten Spitzen, nachdem man mehrere der bei nat\u00fcrlicher Stellung","page":348},{"file":"p0349.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n349\nder Lippen einander gegen\u00fcberliegenden; sogenannten correspondiren-den Punkte mit Tusche oder Tinte bezeichnet hat.\nHat man die Lippen in der angegebenen Weise dislocirt und dr\u00fcckt man nun wie fr\u00fcher ein Wachsk\u00fcgelchen oder das abgerundete Ende eines Federhalters in die Mundspalte, so beobachtet man nat\u00fcrlich auch hier \u2014 wie hei dem Versuche mit. gekreuzten Fingern \u2014 das sogenannte \u00bbDoppeltf\u00fchlen\u00ab, indem das einfache Tastobject deutlich doppelt vorhanden zu sein scheint. Bemerkenswerth ist dabei aber der Umstand, dass diese T\u00e4uschung ganz verschwindet, wenn man das Tastobject so weit zwischen die Lippenr\u00e4nder versenkt, dass es dieselben ganz umgreifen. Unter diesen Bedingungen werden wir uns n\u00e4mlich der ungew\u00f6hnlichen Lage und Stellung der Lippenr\u00e4nder bewusst und bringen die Verschiebung derselben in Rechnung, wodurch offenbar jede Veranlassung zu einer T\u00e4uschung wegfallen muss.\nIch kann diesen Gegenstand unm\u00f6glich verlassen, ohne seine Bedeutung f\u00fcr das Problem des \u00bbAufrechtsehens\u00ab hervorgehoben zu haben. In der er\u00f6rterten Erscheinung des k\u00fcnstlich herbeigef\u00fchrten \u00bbVerkehrtf\u00fchlens\u00ab der Haut findet n\u00e4mlich die nat\u00fcrlich bedingte Beziehung, welche zwischen der Lage der erregten Netzhautpunkte und der scheinbaren Lage der Bilder im Baume besteht, in gewisser Hinsicht ihr Analog o n.\nSollte es nun nicht nahe liegen und zu rechtfertigen sein, diese analogen Erscheinungen auch von analogen Einrichtungen und Verh\u00e4ltnissen des Nervensystems bedingt und abh\u00e4ngig zu denken ?\nIch behalte es mir vor, auf die Beantwortung dieser Frage sp\u00e4ter einmal n\u00e4her einzugehen.\n\u00a7 7. Ein Phorolyt f\u00fcr den Tastsinn.\nIch bin auf den, meines Wissens bisher noch nirgends ausgesprochenen und ausgef\u00fchrten Gedanken verfallen, ein Phorolyt zu con-struiren, welches dem Tastsinne in \u00e4hnlicher Weise Bewegungen Vort\u00e4uschen soll, wie die bekannte \u00bbWunderscheibe\u00ab dem Gesichtssinne. Ein Tastphorolyt \u2014 {sit venia verbo!) \u2014 kann von doppelter Art sein, da n\u00e4mlich die M\u00f6glichkeit vorhanden ist, entweder durch Ber\u00fchrung oder durch eine bestimmte Temperatur auf die Haut einzuwirken. Einen Apparat der ersten Art habe ich durch den Mechaniker des physiologischen Institutes, Herrn Durst, folgendermaassen construiren lassen :\nAuf einer grossen um eine vertikale Axe drehbaren h\u00f6lzernen","page":349},{"file":"p0350.txt","language":"de","ocr_de":"350\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nScheibe, nahe am Kunde derselben wurden in gleichen Abst\u00e4nden 12 kleine St\u00e4bchen befestigt, von denen das erste mit der Richtung des ihm entsprechenden Radius der Scheibe zusammenfiel. w\u00e4hrend .jedes der \u00fcbrigen St\u00e4bchen eine solche Stellung zu dem betreffenden Radius einnahm, als ob es immer um '/,eines Kreises um seinen im Radius liegenden Halbirungs- oder Mittelpunkt in diesem oder jenem Sinne weiter gedreht worden w\u00e4re, als sein unmittelbarer Vorg\u00e4nger (vergl. Taf. 16, Fig. 27, B, B, B ... B . In der N\u00e4he des Randes dieser die Tastobjecte tragenden Scheibe war eine grosse, in verticaler Richtung bewegliche Klemme (Taf. 16, Fig. 2$, a b c <1 angebracht, durch welche die flache Hand ganz hindurch geschoben und in einer solchen Lage eingespannt werden konnte, dass sie \u00fcber den Tastobjecten schwebte und, je nachdem sich der Vorderarm hob oder senkte, die oben erw\u00e4hnten St\u00e4bchen ber\u00fchrte oder nicht. Diesen Hebelbewegungen des Vorderarmes folgt nat\u00fcrlich jene Klemme, in der die Handwurzel' eingespaimt ist. Nun verbindet aber die Klemme und die verticale Axe der Tastscheibe ein einfacher Mechanismus (s. die Erkl\u00e4rung der Fig. 27\u201428 in der Art, dass bei jeder Hebung des Armes die Tastscheibe genau um 1 j2 eines Kreises in bestimmter Richtung weiter gedreht wird, w\u00e4hrend dieselbe bei jeder Senkung des Armes ruhig stehen bleibt. Es ist nun leicht einzusehen, dass, wenn alles so gestellt ist, dass die flache Hand gerade eines der St\u00e4bchen ber\u00fchrt, nach 12 Hebungen und Senkungen des Armes s\u00e4mmt-liclie St\u00e4bchen der Reihe nach von der tastenden Hand ber\u00fchrt worden sein m\u00fcssen und endlich dieselben Verh\u00e4ltnisse, welche vor aller Bewegung bestanden haben, sich wieder hersteilen. Auf der tastenden Handfl\u00e4che aber haben sich hierbei in mehr oder weniger rascher Aufeinanderfolge die St\u00e4bchen in ihrer relativen Lage und Stellung gleichsam abgebildet, und der Beobachter, welcher immer ein und dasselbe St\u00e4bchen betastet zu haben glaubt, ist der Meinung, dass sich ihm dieses St\u00e4bchen unter der Hand in bestimmter Richtung um seinen Halbirungs- oder Mittelpunkt ein Malherum-g e d r e h t h a b e, indem er die wahrgenommenen Stellungen der St\u00e4bchen als Phasen einer Kreisbewegung an einander reiht und auf ein und dasselbe Object bezieht.\nEs versteht sich von selbst, dass man mit dem beschriebenen Apparate die verschiedenartigsten Pendel-, Kreis- etc. Bewegungen zur Darstellung bringen k\u00f6nnte. Das gew\u00e4hlte Beispiel reicht jedoch in wissenschaftlicher Beziehung vollkommen hin.\nIch habe mit meinem Apparate, welcher sich gegenw\u00e4rtig im Besitze des physiologischen Institutes befindet, in der hiesigen Blinden-","page":350},{"file":"p0351.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\n351\nanstatt Versuche angestellt und zu meiner nicht geringen Genugthu-nug bemerkt, dass die herangezogenen Blinden, welche doch gewiss ganz unbefangene Beobachter waren, eine Bewegung, und bei n\u00e4herem Befragen richtig die von mir beabsichtigte und erwartete Bewegung des St\u00e4bchens wahrgenommen zu haben einstimmig behaupteten. Doch darf man die durch diesen Apparat hervorzubringende T\u00e4uschung nicht etwa f\u00fcr so zwingend und \u00fcberw\u00e4ltigend halten wie jene, welche das Phoroskop veranlasst, denn die wahrgenommene scheinbare Bewegung des St\u00e4bchens kann keine continuirliehe sein und muss sich in der Empfindung sehr wesentlich von einer Drehbewegung unterscheiden. welche dadurch hervorgebracht w\u00fcrde, dass man ein St\u00e4bchen. das die Hohlhand ununterbrochen ber\u00fchrte, um seinen Halbirungspunkt rotiren liesse.\nEine der Wirkung des Phoroskops vollkommen analoge T\u00e4uschung k\u00f6nnte f\u00fcr den Tastsinn nur durch einen Apparat der zweiten oben erw\u00e4hnten Art bewerkstelligt werden, vermittelst welches n\u00e4mlich statt des Drucksiunes, der unmittelbare Ber\u00fchrung verlangt , der T e m p c r a t u r s i n n, auf welchen man, durch strahlende W\u00e4rme z. B.. aus der Entfernung einwirken kann, erregt w\u00fcrde.\nDie strahlende W\u00e4rme verh\u00e4lt sich zur Haut in \u00e4hnlicher Weise wie das Licht zur Retina. Es l\u00e4sst sich daher ohne Zweifel eine Art Camera obscura mit Steinsalzlinsen construiren und vor der Haut anbringen, vermittelst welcher durch die W\u00e4rmestrahlen Punkte, Linien, Figuren und Bewegungen ganz in derselben Weise auf der Haut dargestellt werden k\u00f6nnten, wie dies vermittelst des optischen Apparates des Auges auf der Retina durch Lichtstrahlen geschieht.\nDies zugegeben, wird man auch die M\u00f6glichkeit eines dem P h o -roskop vollkommen analogen Apparates f\u00fcr den Tastsinn nicht leugnen d\u00fcrfen.","page":351},{"file":"p0352.txt","language":"de","ocr_de":"352\nBeitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes.\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\n\u00bb\nTafel 14\u201418.\nFig. 1 und2. Diese beiden Constructionen erl\u00e4utern, warum die Zerstreuungskreise, welche ein in der vorderen Focalebene /\u2022' oder diesseits dieser Focal-ebene, in der Verl\u00e4ngerung der Sehaxc liegender leuchtender Punkt c auf die Retina wirft, an Gr\u00f6sse zun eh men, wenn das Diaphragma von dem f\u00fcr die Ferne accommodirten Auge entfernt wird D , dagegen abnehmen, wenn das Diaphragma dem Auge n\u00e4her steht (DDieses Verh\u00e4ltnis gilt jedoch nur f\u00fcr c und die in bestimmtem Umkreise um die Sehaxc gelegenen Leuchtpunkte.\nFig. 3 ist bereits im Texte weitl\u00e4ufig besprochen.\nFig. 4 versinnlicht, wie sich beim Stereoskopiren und zwar beim Stereoskopi-ren mit einem Wheatstone sehen Spiegelstereoskop der Convergenzwinkel der Augenaxe in gr\u00f6sserem Verh\u00e4ltnisse \u00e4ndert, als der Accommodationszustand der Augen, mn und no sind die unter einem rechten Winkel zusammenstossenden Planspiegel; op und mg sind die die stereoskopischen Bilder ABC und A'B'C') tragenden Seitenw\u00e4nde des Stereoskops. A\"It\"C\" und\tgeben die schein-\nbare Lage der Spiegelbilder an. Wird der Punkt li\" und B'\" fixirt, so schneiden sich die Sehaxen unter dem gr\u00f6sseren Winkel x, werden die Punkte A\" und A'\" oder C\" und C\" fixirt, so schneiden sich die Sehaxen unter dem kleineren Winkel ;/, w\u00e4hrend die Augen l und H in beiden F\u00e4llen f\u00fcr die Entfernung der Ebene A\"'C\" accommodirt bleiben.\nFig. 3, if und 7 sind von Cramer entlehnt und stellen die Projection eines gl\u00e4sernen Cylinders dar. In Fig. 5 sind alle Linien von gleicher St\u00e4rke, in Fig. 0 ist der rechte b , in Fig. 7 der linke a Kreis lichtschw\u00e4cher gezeichnet. Fig. 5 erscheint am nat\u00fcrlichsten als plane Zeichnung, w\u00e4hrend in Fig. 6 bei unbefangener Betrachtung der linke, in Fig. 7 der rechte Kreis als der n\u00e4here imponirt.\nFig. b stellt einen kleinen Apparat vor, welcher zur Beobachtung der Farbenmischung in Einem Auge dient. An dem Stiele [S> ist eine achteckige Platte befestigt, die in ihrer Mitte eine qucrovale Oeffnung hat; sie ist so: \u2014. \u2014 . \u2014 skizzirt. An dieser Platte sind zwei um A und B drehbare Scheiben angebracht, welche an ihrer Peripherie je ein leeres o und sechs 1\u2014(>. mit farbigen Gl\u00e4schen gedeckte Oeifnungen tragen. DD ist eine messingene Klemme, welche bei a durch ein Schr\u00e4ubchen von hinten her in der abgebildeten Lage befestigt wird und in dem ringf\u00f6rmigen Raume zwischen ihren beiden Bl\u00e4ttern, die wieder durch das Schr\u00e4ubchen b zusammengepresst werden, ein St\u00fcck Zinnfolie tr\u00e4gt, in welches ein ScHEixEu sches Doppelloch in der Weise eingestochen ist, dass je nach der Stellung der Scheiben A und B Licht von beliebiger Farbe hindurch geht.\nFig. !> ist das Spectrum, welches durch das eben beschriebene Instrument gesehen wird, wenn vor das linke Loch das blaue Gl\u00e4schen 5;, vor das rechte aber die leere Oeffnung o gestellt ist. Das weisse Licht erscheint dann in der Contrastfarbe zu dem angewendeten Blau. Das im Interferenzfeld vorhandene Doppelbild einer diesseits des Accommodationspunktes gehaltenen Nadel ist auch gef\u00e4rbt, das linke gelblich, das rechte blau.","page":352},{"file":"p0353.txt","language":"de","ocr_de":"Beitr\u00fcge zur Physiologie des Tastsinnes.\n353\nFig. K* his inclus. 22 sind schematische Zeichnungen Weber\u2019scher Empfindungskreise. welche erkl\u00e4ren sollen, warum die Ver\u00e4nderung des Feinheitsgrades einer Hautstelle durch Dehnung (oder Schrumpfung , dieser Dehnung oder Schrumpfung) nicht genau proportional sein kann.\nFig. 23 gibt n\u00e4herungsweise ein Bild von der Anordnung der von mir sogenannten \"Empfindungskreise\" in der Haut. Die wahre Anordnung derselben kann durch Zeichnung niemals vollst\u00e4ndig wiedergegeben werden, da die Mittelpunkte der Empfindungskreise stetig die Hautfl\u00e4che erf\u00fcllen.\nFig. 24 zeigt die mit einander correspondirenden Punkte der Ober-(0 und der Unter- (t/j lippe bei nat\u00fcrlicher ungezwungener Schliessung des Mundes. Die st\u00e4rkere Linie bei o, o deutet die Medianlinie an.\nFig. 25 zeigt die Lagerung der correspondirenden Punkte der Lippen, wenn die Oberlippe nach rechts, die Unterlippe nach links verschoben ist. Bei dieser Dislocation geht der o Punkt der Oberlippe senkrecht \u00fcber Punkt 2 der Unterlippe, 10 \u00fcber \u2018\u25a0IV, PO \u00fcber l'l u. s. w. Zwei Eindr\u00fccke, von denen der eine zwischen \u00abPO, der andere zwischen olU auftrifft, werden \u00bbverkehrt\u00ab gef\u00fchlt u. s. w.\nFig. 2\u00fc ist das \u00bbStereophoroskop\u00ab.\nFig. 27 und 2% stellt das \u00bbPhorolyt f\u00fcr den Tastsinn\u00bb vor. Fig. 27 gibt die Ansicht von oben, Fig. 28 die von der Seite. Um die im Texte gegebene Beschreibung des Instrumentes zu vollenden, habe ich nur noch des Mechanismus mit einigen Worten zu gedenken, welcher die Klemme [abvd, mit der um A drehbaren Tastscheibe in der Weise verbindet, dass bei jeder gen\u00fcgenden Hebung derselben die Tastscheibe um 1 j\u00e4 eines Kreises, in der Richtung der Pfeile weiter geht. An der Axe i.f ist ein kleines mit 12 Z\u00e4hnen versehenes, horizontales R\u00e4dchen ir; angebracht; dieses greift in die archimedische Schraube {:) ein, deren Axe durch die Kl\u00f6tzchen m und \u00ab fixirt ist und das R\u00e4dchen (o) tr\u00e4gt, das durch die an der Klemme befestigte Zahnstange t. in Bewegung gesetzt wird. Die Verh\u00e4ltnisse der einzelnen Theile dieses Mechanismus sind nun so getroffen, dass, wenn man die Klemme so hoch als m\u00f6glich gehoben hat, \u2014 welche Bewegung durch die St\u00e4be F und F' gesichert und geleitet wird \u2014 die Zahnstange l, das R\u00e4dchen o und damit die Schraube s so oft umdreht, als erforderlich ist, um das R\u00e4dchen r um Einen Zahn und damit die Tastscheibe um '/]\u2022> eines Kreises in der Richtung der Pfeile weiter zu schieben. Bei Senkung der Klemme \u2014 (wobei durch die Zahnstange nur der die Z\u00e4hne tragende Rand des R\u00e4dchens (o) in Bewegung gesetzt wird, w\u00e4hrend der centrale Theil desselben nebst der Axe der archimedischen Schraube und somit die ganzen Tastscheiben ruhig stehen bleiben. \u2014 trifft die tastende Hand jedesmal ein anderes und zwar das links vorhergehende St\u00e4b-cli\u00e7n. Wird der Mechanismus stetig in Bewegung gesetzt, so bieten sich die St\u00e4bchen der tastenden Hand in der Reihenfolge (1 . .. . 12; dar und es entsteht f\u00fcr den Beobachter die T\u00e4uschung, als ob sich das st\u00e4bchenf\u00f6rmige Tastobject in der Richtung der kleinen Pfeile (bei II1) um seinen Halbirungspuukt herumdrehte.\nCzermak, Schriften.\n23","page":353}],"identifier":"lit16172","issued":"1879","language":"de","pages":"303-353","startpages":"303","title":"Beitr\u00e4ge zur Physiologie des Tastsinnes","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:17:56.881773+00:00"}
