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Zu Volkmann's Lehre von der "Richtung der Gesichtsobjecte"

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{"created":"2022-01-31T13:24:59.395138+00:00","id":"lit16176","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 367-369. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0367.txt","language":"de","ocr_de":"XXIX.\nZu Volkmann\u2019s Lehre von der \u201eRichtung der G-esichtsobjecte\u201c,\n[Wiener akademische Sitzungsberichte ik\u00f6i Physiologische Studien .]\n1. A olkmaxx 1 nennt die an dem von Fkaxz operirten Blinden gewonnene Erfahrung, dass der Blinde, der mit schielendem linken Auge sclicn gelernt hatte, nachdem er durch eine zweite gl\u00fcckliche Operation von Strabismus befreit worden war. Alles zu weit nach rechts sah1 2 , eine kostbare. Die ausdr\u00fcckliche Anerkennung des Werthcs dieser Erfahrung hat mich endlich bestimmt einen l\u00e4ngst (154$ von mir ersonnenen Versuch zu ver\u00f6ffentlichen, der Jeden in den Stand setzt, jene \u00bbkostbare\u00ab Erfahrung an sich selbst zu machen.\nDer Versuch ist so \u00fcberaus einfach, dass ich nur desshalb und weil man in der Ophthalmiatrik seit Jahren prismatische Brillen verwendet und das Folgende ohne Zweifel schon bemerkt; wenn auch vielleicht nicht physiologisch gew\u00fcrdiget hat, mit der Publication gez\u00f6gert habe: und besteht darin, dass man ein Prisma. am besten ein achromatisches, vor das eine ge\u00f6ffnete Auge nimmt und durch dieses hindurch die Objecte betrachtet, w\u00e4hrend man mit der Hand nach ihnen langt.\nDie Wirkung des Prisma ist nun genau dieselbe, welche bei dem Blinden die gl\u00fccklich ausgef\u00fchrte Schieioperation hervorbrachte, in-\n1 Handw\u00f6rterbuch d. Pliys. Art. \u00bbSclicn\u00ab S. 342.\n\u00bbVielleicht k\u00f6nnte man fragen, was das heissen solle? Offenbar dies: Der Operirte suchte die Gegenst\u00e4nde, welche er bei ruhendem Auge am deutlichsten sah, statt gerade vor sich, rechts neben sich. Nat\u00fcrlich fand er sie nun nicht, und es bestand also eine Zeit lang ein Widerspruch zwischen den Kaumvorstellungen nicht Anschauungen!) des Auges und des Getagtes\u00ab.","page":367},{"file":"p0368.txt","language":"de","ocr_de":"3GS\tZu Volkmann's Lehre von der Richtung der Gesichtsobjecte.\nclem die Gesichtsobjecte, je nach der Lage des berechnenden \u2018Winkels des Prisma, weiter nach rechts, links, oben oder unten gesehen werden. als ohne Prisma und vor der Schieioperation.\nDer hierbei eintretende Widerspruch zwischen der Localisation durch den Gesichtssinn und der durch Tust- und Muskelgef\u00fchl versetzt den Beobachter in eine eigent\u00fcmliche Verwirrung, welche sielt nicht beschreiben, sondern nur erfahren l\u00e4sst, und welche namentlich dem Anf\u00e4nger gewissermaassen als ein argumentum ad hominem, besser zum Verst\u00e4ndniss dessen verhilft, um was es sich hier handelt, als die klarsten theoretischen Auseinandersetzungen; wesshalb ich denn auch den simplen Versuch mit dem Prisma den Lehrern der Physiologie nicht dringend genug empfehlen kann.\nDie Erkl\u00e4rungen der beiden Erfahrungen, der mit dem Prisma und der an dem operirten Blinden, stimmen mututis mutandis vollkommen \u00fcberein. Eine Disharmonie der Raumvorstellungen muss n\u00e4mlich eintreten, sobald aus irgend einem Grunde die Lage der Bilder auf der Netzhaut eine andere ist, als sie sei n w \u00fc r d e, wenn unser Auge wirklich auf jenen Raumpunkt gerichtet w\u00e4re, auf welchen wir es erfahrungsgem\u00e4ss gerichtet meinen, da das Muskelgef\u00fchl, welches die Vorstellung von der Richtung der Gestchtsobjecte bedingt, nach wie vor dasselbe bleibt. Die Wirkung ist daher auch ganz gleich, mag man nun durch das Prisma oder, wie bei der Schicloperation , durch eine unbewusste Ver\u00e4nderung der Stellung des Auges bewerkstelligen, dass das Bild eines Objectes auf die Netzhautstelle f\u00e4llt, auf welche bei der zum Bewusstsein kommenden Stellung des Auges erfahrungsgem\u00e4ss das Bild eines in bestimmter Entfernung neben, unter oder \u00fcber jenem liegendes Object fallen m\u00fcsste; denn in beiden F\u00e4llen werden die durch die Erregung derselben Netzhautpunkte vermittelten Bilder, m\u00f6gen sie auch ganz verschieden gelegenen Objecten entsprechen, an demselben Punkte im Raume gesehen, weil eben das Muskelgef\u00fchl wesentlich die Vorstellung der Richtung bedingt und nach wie vor dasselbe bleibt.\n2. Die Harmonie unseres Urtheils \u00fcber die Richtung der Gesichtsund der Tastobjecte kann nicht wohl eine absolute, unbegrenzte, ich m\u00f6chte sagen a tom i s tische sein. Und in der That wird diese Ver-muthung unter anderm auch durch die folgende Erfahrung beim Sticken Tapisseriearbeit best\u00e4tigt. Es ist leicht, an sich und an anderen die Beobachtung zu machen, dass die Nadel beim Zur\u00fcckstechen des Fadens unter 100 F\u00e4llen 99 Mal den gew\u00fcnschten, vom Auge fixirten Punkt verfehlt; doch irrt die unter dem Canevas befindliche Hand, welche die Nadel f\u00fchrt, nie um mehr als ein bestimmtes Maximum","page":368},{"file":"p0369.txt","language":"de","ocr_de":"Zu Volkmann\u2019s Lehre von der Richtung der Gesichtsobjeete. 369\nund trifft auch sicher den einmal getroffenen Punkt m e li r m a 1 hinter einander, wenn sie dazwischen nicht etwa durch andere Bewegungen wieder desorientirt wurde. Ebenso verh\u00e4lt es sich nat\u00fcrlich auch, wenn wir versuchen die Augenaxen auf einen ungesehenen, nur durch die stickende Hand von unten fixirteu Punkt einzustellen.\nAuf diese Erfahrungen liesse sich ein Verfahren gr\u00fcnden, die Breite der m\u00f6glichen Schwankungen der Localisation durch das Muskelgef\u00fchl zu messen.\nCzermak, Schriften.\n24","page":369}],"identifier":"lit16176","issued":"1879","language":"de","pages":"367-369","startpages":"367","title":"Zu Volkmann's Lehre von der \"Richtung der Gesichtsobjecte\"","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:24:59.395143+00:00"}

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