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Ueber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus

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{"created":"2022-01-31T17:02:25.698926+00:00","id":"lit16180","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 408-416. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0408.txt","language":"de","ocr_de":"XXXIII.\n\u00ab\nlieber den schallerzeugenden Apparat von Orotalus.\n[Zeitschr. f. wissensch. Zoologie etc. IS\u00f6C. Bd. till S. 294.]\n(Hierzu Taf. 20).\nAis Material zur vorliegenden Untersuchung dienten mir zwei wohlerhaltene (circa 3 Wiener Fnss lange Spiritusexemplare von Cro-tahis durissus L. aus Brasilien, welche ich im k. k. Universit\u00e4tsmuseum in Graz vorfand, und das Endst\u00fcck einer Schwanzwirbels\u00e4ule sammt Klapper. welches mir der verstorbene Gustos Dormitzer in Prag vor mehreren Jahren \u00fcberlassen hatte.\nAlles, was ich in der Literatur \u00fcber den Gegenstand meiner Untersuchung anffindeu konnte, reducirt sich auf ein ins Englische \u00fcbersetztes Cit\u00e2t aus Lacep\u00e8de's Hist. nat. des Serpens 1 in Todd s Cyclopaedia Part. XXXII, art. \u00bbKeptilia\u00ab by K. Jones S. 324(, auf eine sehr mangelhafte Beschreibung von C. G. Caeus Erl\u00e4uterungstafeln zur vergleichenden Anatomie, Heft II, S. 11 und auf einige weder ausreichende, noch durchgehends richtige Bemerkungen von Leuckart siehe dessen Anatom.-physiolog. Uebersicht des Thierreichs, 1855, S. 429 .\nIch glaube daher nicht, dass die folgenden Mittheilungen \u00fcberfl\u00fcssig oder unwillkommen sein werden.2\nDas seltsame Instrument, vermittelst welches die Klapperschlangen jenes eigenth\u00fcmliche, ihre gef\u00e4hrliche Gegenwart schon von weitem verrathende Ger\u00e4usch hervorbringen, ist bekanntlich ein aus meh-\n1\tLacep\u00e8de\u2019s Original, sowie Vosmaer\u2019s: \u00bbBeschrijv. van eene Surinaamsclie ratelslang\u00ab, 1768, konnte ich mir nicht verschaffen.\n2\tEine kurze vorl\u00e4ufige Notiz \u00fcber denselben Gegenstand habe ich fr\u00fcher in der cechischen, von Purkixe redigirten Zeitschrift \u00bbZiva\u00ab, 1852, Jahrg. I. Kr. 1, S. 29 gegeben.","page":408},{"file":"p0409.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den sehallerzeugenden Apparat von Orotalus.\n409\nreren hohlen, lose iu einander gef\u00fcgten Gliedern zusammengesetztes Epidermoidalgebilde, welches von der die Schwanzspitze \u00fcberkleidenden Haut abgesondert und durch die Muskulatur des Schwanzes mittelbar in Vibrationen versetzt wird.\nIch werde der Reihe nach 1 die Schwanzwirbels\u00e4ule, 2 die Muskulatur derselben, 3) die Cutis. und endlich 4 die Klapper selbst betrachten, \u00fcber deren Entwickelung sich aus den anatomischen Daten einige Schl\u00fcsse ergeben, die mir f\u00fcr Morphologen und Physiologen von gleich grossem Interesse zu sein scheinen.\n1) Von der Schwanzwirbels\u00e4ule.\nDie Schwanzwirbel besitzen vorn eine sph\u00e4risch concave Pfanne, hinten einen kugeligen Gelenkskopf, ferner zwei vordere nach oben gerichtete und zwei hintere nach abw\u00e4rts gekehrte Gelenkforts\u00e4tze. Seitlich tragen sie ansehnliche Querforts\u00e4tze , welche ich an den f\u00fcnf ersten Wirbeln jederseits doppelt, vom sechsten an, wiewohl anfangs noch mit deutlichen Spuren der Verwachsung, einfach fand.\nIn Bezug auf die Deutung dieser Forts\u00e4tze ist es bemerkenswerth, dass die letzte Rippe aus zwei \u00fcber einander liegenden St\u00fccken, einem l\u00e4ngeren untern und einem k\u00fcrzeren obern, wie zusammengewachsen erschien. Es ist \u00fcbrigens bekannt, dass bei vielen Schlangen die letzte oder die letzten Rippen sogar gabelf\u00f6rmig gespalten Vorkommen.\nDie oberen Bogenschenkel und Dornen sind, wie gew\u00f6hnlich . in der Richtung von vorn nach hinten etwas verbreitert.\nDie sogenannten unteren Dornen, welche an den \u00fcbrigen Wirbeln einfach sind, spalten sich hier allm\u00e4hlich in zwei platte Forts\u00e4tze ungeschlossene untere Bogenschenkel , die bis zu ihrer v\u00f6lligen Trennung immer weiter aus einander r\u00fccken. Schon an den letzten Brustwirbeln erkannte ich deutlich die Tendenz zu dieser Spaltung.\nDie letzten Sch wanzwirbel erscheinen zu einem conischen, von beiden Seiten zusammengedr\u00fcckten, in zwei abgerundete, mehr oder weniger getrennte Spitzen \u2014 eine obere und eine untere \u2014 ausgezogenen Knochenst\u00fcck Fig. 1) verschmolzen, welches ich den \u00bbEndk\u00f6rper der Wirbels\u00e4ule\u00ab nennen will. An diesem Endk\u00f6rper, der beinahe wie eine einfache Exostose aussieht, bemerkt man doch noch so deutliche Spuren jener einzelnen Wirbel, aus deren Verschmelzung er hervorgegangen ist, dass man die Zahl derselben mit ziemlicher Sicherheit ermitteln kann. Nach Leuckart 1. c. besteht der Endk\u00f6rper aus den drei letzten Schwanzwirbeln : ich z\u00e4hlte aber an meinen Exemplaren 7\u2014S verwachsene Elemente. Diese Differenz, welche sehrauf-","page":409},{"file":"p0410.txt","language":"de","ocr_de":"410\nUeber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus.\nfallend ist, erkl\u00e4rt sieh vielleicht ganz einfach aus der Verschiedenheit entweder des Alters oder der Species der von uns untersuchten Thiere.\nDer von den oberen Bogen gebildete Wirbelkanal f\u00fcr das R\u00fcckenmark setzt sich weit in den Endk\u00f6rper hinein fort und l\u00e4sst daselbst nach seiner Er\u00f6ffnung von innen betrachtet Fig. 1 E Rudimente von Intervertebrall\u00f6chern deutlich erkennen, so dass sich das R\u00fcckenmark ohne Zweifel bis in den Endk\u00f6rper erstrecken wird.\nUnterhalb des Wirbelkanals findet man im Endk\u00f6rper einen weiten Kanal, welcher durch die von unten her mit wuchernder Knochenmasse geschlossenen Querforts\u00e4tze und unteren Bogenschenkel der verschmolzenen Wirbel gebildet wird und wahrscheinlich zur Aufnahme von Blutgef\u00e4ssen bestimmt ist Fig. 1 E. D .\nBetrachtet man die nach vorn gerichtete Basis des Endk\u00f6rpers Fig. 1 D , so sieht man in der Mitte eine kleine sph\u00e4risch concave Gelenkfl\u00e4che, \u00fcber derselben die Oeffinmg des Wirbelkanals, unter derselben die des Gef\u00e4sskanals ? .\nNebst dem Endk\u00f6rper z\u00e4hlte ich an einem Exemplar 28 freie Schwanz wirbel.\n2) Von den Muskeln.\nDie Muskulatur des Schwanzes, welche aus drei in mehrere Z\u00fcge und Schichten zerfallenden Hauptmassen \u2014 zwei seitlichen oberen zwischen den Dorn- und Querforts\u00e4tzen gelegenen. und einer unteren, den Raum zwischen den Querforts\u00e4tzen beider Seiten einnehmenden \u2014 besteht, zeigt nichts Abweichendes in ihrer Faserung und Anordnung. Hervorzuheben ist nur, dass sie verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig sehr kr\u00e4ftig entwickelt erscheint, aber nicht weiter als bis an den Endk\u00f6rper der Wirbels\u00e4ule, an welchen die Cutis unmittelbar festgewachsen ist, reicht. Die Muskeln versetzen daher eigentlich nur die Schwanzwirbels\u00e4ule sammt dem Endk\u00f6rper in \u00fcberaus rasche zitternde Be-* wegungen ; allein diese theilen sich der am Endk\u00f6rper befestigten Klapper mit, deren einzelne Glieder sich dann gegenseitig ersch\u00fcttern und an einander reiben, wodurch ein ganz eigenth\u00fcmliclies Ger\u00e4usch besteht ; und so bilden denn die Schwanzmuskeln den activen Tlieil des Schall erzeugenden Apparates, ohne doch mit dem passiven Tlieil desselben, der Klapper, in unmittelbarem Zusammenhang zu stehen.","page":410},{"file":"p0411.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den schallerzeugeuden Apparat von Crotalus.\n411\n3) Von der Cutis.\nDie Cutis, welche die Epidermis absondert, \u00fcberzieht die Muskulatur des Schwanzes und den Endk\u00f6rper der Wirbels\u00e4ule. An letzterem w\u00e4chst sie, wie erw\u00e4hnt, unmittelbar fest, indem sie sich zugleich betr\u00e4chtlich verdickt. Diesen verdickten Haut\u00fcberzug des Endk\u00f6rpers m\u00fcssen wir genauer betrachten, weil er die ganze Klapper tr\u00e4gt und die einzelnen Glieder derselben absondert. Er ist kegelf\u00f6rmig und seitlich zusammengedr\u00fcckt, wie der von ihm eingeschlossene Knochenkern. Ihn theilen zwei tiefe ringf\u00f6rmige Furchen in drei quere Anschwellungen, welche, von vorn nach hinten an Gr\u00f6sse abnehmend, durch seitliche L\u00e4ngsfurchen in je zwei unsymmetrische H\u00e4lften, eine obere und eine untere, zerfallen.\nDas etwas schwammige, aber docli ziemlich dichte Gewebe *) dieser Hautverdickung besteht einfach aus d\u00fcnnen verfilzten Bindegewebsfasern und erscheint auf dem Durchschnitt fast rein weiss, obschon die mikroskopische Untersuchung einzelne ramificirte Pigment-zellen \u00fcberall nachweist, die sich freilich erst gegen die Oberfl\u00e4che hin so sehr anh\u00e4ufen und mit compacten rundlichen Zellenformen untermischen, dass die \u00e4usserste Schicht der Cutis ganz dunkel gef\u00e4rbt wird. Ausser den Pigmentzellen habe ich daselbst in dem Stroma der Bindegewebsfasern noch recht zahlreiche mikroskopische Nerven- und Gef\u00e4ssst\u00e4mmchen eingebettet gefunden; elastische Elemente wurden dagegen g\u00e4nzlich vermisst.\nNoch bemerke ich, dass die Cutis, ehe sie sich zum Ueberzug des Endk\u00f6rpers verdickt, einen tiefen Falz bildet, der von den letzten Hautschuppen \u00fcberragt und bedeckt wird (s. Fig. 3, in welcher die zwei letzten Schwanzschienen in einzelne Schuppen zerfallen erscheinen, und Figg. 2 und 8 a a).\n4) Von der Klapper.\nLeuckart hat offenbar Recht, wenn er 1. c. sagt: \u00bbDen neugeborenen Individuen wird die Klapper ohne Zweifel fehlen. Statt der\n1 Carus sagt (a. a. 0.): \u00bbAnstatt n\u00e4mlich, dass an den \u00fcbrigen Theilen des Rumpfes die Hornringe des Hautskelets auf gew\u00f6hnliche Weise um das mit Muskelfleisch umgebene Nervenskelet und die von ihm umschlossenen Eingeweide entstehen, findet sich um den letzten Schwanzwirbel (?) bloss eine Anh\u00e4ufung einer wallrath\u00e4hnlichen (?!) weisslichen Masse, und diese, in ihrer Mitte eingekerbte Substanz ist nun gleichsam der Kern, um welchen die Schale des Hautskelets dergestalt sich bildet, dass ...\"","page":411},{"file":"p0412.txt","language":"de","ocr_de":"412\nUeber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus.\nKlapper besitzen diese am hintern Schwanzende gewiss nur einen ein-faclien hornigen Ueberzug, der nach vom unmittelbar in die Schuppenbaut \u00fcbergeht, selbst aber der Schuppen entbehrt und wie eine tubenf\u00f6rmige Kappe die Spitze des Schwanzes bekleidet.\u00ab\nBei ausgebildeten Thieren besteht jedoch die Klapper aus mehreren bis 20 ja 40 [?]) hohlen, hornigen Gliedern, welche auf eine eigenth\u00fcmliche \\\\ eise lose, aber sicher an einander h\u00e4ngen, \u2014 und hat eine pyramidale, von beiden Seiten zusammengedruckte Gestalt, so dass man an ihr eine rechte und eine linke, je mit einer L\u00e4ngsfurche versehene Seitenfl\u00e4che; einen obern, dem B\u00fccken des Thieres, und einen untern, dem Bauche des Thieres entsprechenden Band, eine nach hinten gerichtete Spitze und eine nach vorn gekehrte \u00fcber das Schwanzende gest\u00fclpte Basis unterscheiden kann (Fig. 2 .\nDie einzelnen Glieder nehmen gegen die Spitze der Klapper an Gr\u00f6sse ab und sind im Allgemeinen d\u00fcnnwandige, aus einer trocknen, scheinbar homogenen, manchmal von nat\u00fcrlichen L\u00fccken durchbrochenen Hornmasse bestehende St\u00fccke von seitlich abgeplatteter, conisch-m\u00fctzenf\u00f6rmiger Gestalt und verengter Basal\u00f6fthung. welche als genaue Abdr\u00fccke der jeweiligen Form der Hautverdickung des Endk\u00f6rpers durch zwei quere ringf\u00f6rmige Einschn\u00fcrungen \u2014 eine obere hintere , breitere, und eine untere vordere , schmalere \u2014 in drei Ausbuchtungen zerfallen, die nach oben hinten) an Gr\u00f6sse abnehmen und durch eine auf jeder der beiden Seitenfl\u00e4chen befindliche L\u00e4ngsfurche in je zwei nicht ganz congruente H\u00e4lften getheilt werden Fig. 4 .1 \u2014 7/ . Diese Asymmetrie der H\u00e4lften, auf deren Folgen ich noch zur\u00fcckkomme, ist jedoch weniger durch die Lage der L\u00e4ngs-turchen, als vielmehr durch die Form der Ausbuchtungen selbst bedingt, indem dieselben au der. dem Dorsalrande der Klapper entsprechenden schmalen Seite der Glieder n\u00e4her an einander r\u00fccken und niedriger sind, als an der entgegengesetzten.\nDie beschriebenen Glieder sind nun so in einander gef\u00fcgt, dass jedes folgende Glied die mittlere und die obere (hintere Ausbuchtung des vorhergehenden Gliedes in seine untere (vordere und mittlere Ausbuchtung aufnimmt Fig. 7 , und dass somit an der unverletzten Klapper nur die untersten vordersten Ausbuchtungen der Glieder frei zu Tage liegen.1\nOeflmet man daher an einer Klapper eine der frei zu Tage liegen-\n1 Beil\u00e4ufig bemerke ich, dass die unbedeckten Tlieile der Glieder an den von mir untersuchten Klappern eine glatte gl\u00e4nzende Oberfl\u00e4che batten, w\u00e4hrend die bedeckten meist wie mattgeschliffenes Glas aussaben. Erstere waren zugleich an einem Exemplar weit dunkler gef\u00e4rbt als letztere.","page":412},{"file":"p0413.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus.\t4 I 3\nden Ausbuchtungen, so findet man darin die zweite oder mittlere Ausbuchtung des vorhergehenden Gliedes eingeschlossen, und \u00f6ffnet man diese, so sieht man die dritte oder Endausbuchtung des zweitn\u00e4chsten Gliedes hereinragen Fig. 7 bei 3 und 4).\nTrotz dieser dreifachen Ineinanderschachtelung behalten aber die verbundenen Glieder Spielraum genug, um sich innerhalb gewisser Grenzen nach allen Richtungen gegen einander zu verschieben ; auch kann eine Fl\u00fcssigkeit leicht zwischen und in die Glieder eindringen, wodurch dann nat\u00fcrlich die Vibrationen derselben so behindert sind, dass die Schlangen fast gar kein Ger\u00e4usch mehr hervorbringen k\u00f6nnen und bei feuchter Witterung besonders gef\u00e4hrlich sein werden.\nDass die verbundenen Glieder nicht aus einander fallen k\u00f6nnen, liegt haupts\u00e4chlich an ihrer verengten Basal\u00f6ffnung, deren etwas aufgebogener Rand tief in die kreisf\u00f6rmige Einschn\u00fcrung zwischen der ersten und zweiten Ausbuchtung des vorhergehenden Gliedes eingreift und vorspringt. Fasst man eine Klapper an ihrer Basis und h\u00e4lt sic horizontal, indem man zuerst einen und dann den andern schmalen Rand nach oben kehrt, so macht sich eine auffallende Verschiedenheit des Grades der Verschiebbarkeit der Glieder bemerkbar, welche, von jener \u00f6lten erw\u00e4hnten Asymmetrie der Ausbuchtungen herr\u00fchrend, leicht dazu benutzt werden kann zu bestimmen, welcher der dorsale, welcher der ventrale Rand einer vom Thiere abgel\u00f6sten Klapper sei obwohl man dies auch schon an jedem einzelnen Gliede leicht erkennen kann).\nKehrt man n\u00e4mlich den Dorsalrand nach oben, so ist die Axe der Klapper nahezu eine gerade Linie (Fig. 5), sieht aber der Ventralrand nach oben, dann kr\u00fcmmt sich die Axe betr\u00e4chtlich nach abw\u00e4rts, weil eben die Glieder an diesem Rande aus den angegebenen Gr\u00fcnden in ihrer Verschiebbarkeit weniger limitirt sind (Fig. 6).\nAlle von mir untersuchten Klappern Hessen deutlich erkennen Fig. 2), dass ihre eigentlichen Endglieder verloren gegangen waren \u2014 bis auf eine, die mit einem Gliede endete, welches nur eine, und zwar seichte quere Ringfurche zeigte (Fig. 4 A). Ich glaube dieses f\u00fcr ein richtiges Endglied halten zu d\u00fcrfen, weil es eine durchaus glatte gl\u00e4nzende Oberfl\u00e4che und dunklere F\u00e4rbung hat, wie die zu Tage liegenden Th eile der \u00fcbrigen Glieder, welche Beschaffenheit die zuf\u00e4llig entbl\u00f6ssten versteckten Theile derselben wohl niemals erhalten m\u00f6gen, und weil cs so gestaltet ist, dass es scheint, als ob es immer untauglich gewiesen sein m\u00fcsste, einem weiteren Gliede sichern Halt zu gew\u00e4hren. Damit soll aber nicht etwa gesagt sein, dass ich jenes Glied f\u00fcr den embryonalen, aus dem Ei mitgebrachten Ueberzug der","page":413},{"file":"p0414.txt","language":"de","ocr_de":"414\nUeber den sehallerzeugenden Apparat von Crotalus.\nSchwanzspitze halte, denn es ist recht gut m\u00f6glich und sogar wahrscheinlich , dass die Hautverdickung des Endk\u00f6rpers ihren epidermoi-dalen Ueberzug erst einige Mal (wie die \u00fcbrige Haut durchs ganze Leben) spurlos verliert, ehe es zur Bildung von eigentlichen, bitzen-bleibenden Klappergliedern kommt.\nHinsichtlich der Bildungsweise der Klapper kann man nun aus den mitgetheilten anatomischen Thatsachen, welche in der halbschematischen Zeichnung (Fig. 8) gewissermaassen resumirt sind. Folgendes zum Theil mit Sicherheit, zum Theil mit Wahrscheinlichkeit schliessen :\n1 Jedes einzelne Glied bildet sich als h\u00e4rterer, epidermoidaler Ueberzug auf der Hautverdickung des Endk\u00f6rpers und trennt sich sp\u00e4ter, gleich der \u00fcbrigen Epidermis, von der secernirenaen Unterlage ab. Es ist klar, dass, da jedes Glied der genaue Abdruck der Form jener Hautverdickung sein muss, aus der Form und Gr\u00f6sse der Glieder auf die verschiedenen Gestalten, welche diese letztere, w\u00e4hrend des Wachsthums des Thieres und der Bildung der Klapper, successive angenommen hat, zur\u00fcckgeschlossen werden darf.\nDieser successive Gestalt- und Gr\u00f6ssenwechsel der Hautverdickung kann nun offenbar nicht bloss darin bestehen, dass nach vollendeter Absonderung eines Gliedes die ihm entsprechenden drei Anschwellungen der Hautverdickung einfach jene Formen annehmen, welche dem neu abzusondernden Gliede entsprechen, denn dann m\u00fcssten die j\u00fcngeren gr\u00f6sseren Glieder die-\u00e4lteren, kleineren zersprengen, und w\u00fcrde es niemals zur Herstellung einer Reihe in der Art an einander h\u00e4ngender m\u00fctzenf\u00f6rmiger St\u00fccke kommen, wie wir sie an der Klapper wirklich gesehen haben.\n2) Es ist daher vielmehr anzunehmen, dass der successive Gestalt-und Gr\u00f6ssenwechsel der Hautverdickung in der Weise vor sich geht, dass die erste (vorderste) Anschwellung derselben, welche die erste Ausbuchtung des eben fertig gewordenen Gliedes absonderte, in jene Form und Gr\u00f6sse sich hineinbildet, welche der Form und Gr\u00f6sse der zweiten mittlern Ausbuchtung des neu abzusondernden, n\u00e4chst j\u00fcngem Gliedes entspricht, w\u00e4hrend die zweite mittlere Anschwellung, welche die zweite mittlere Ausbuchtung des eben vollendeten Gliedes absonderte, jene Form- und Gr\u00f6ssenverh\u00e4ltnisse erh\u00e4lt, die der dritten oder Endausbuchtung des neuanzusetzenden Gliedes entsprechen.\n3 Allein auch dies w\u00fcrde begreiflicher Weise noch nicht ganz zum Ziele fuhren : und wir sind \u2014 so seltsam der einer fortschreitenden Wellenbewegung vergleichbare Vorgang auch erscheinen mag \u2014 gezwungen als ein weiteres Postulat hinzuzusetzen, dass w\u00e4hrend der","page":414},{"file":"p0415.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus.\n415\nsul) 2 angedeuteten Ver\u00e4nderungen, die zweite Anschwellung der Hautverdickung zugleich allm\u00e4hlich an die Stelle der dritten (hintersten), die erste hingegen an die Stelle der zweiten r\u00fccken m\u00fcsse, und dass sich in dem oben erw\u00e4hnten, von den letzten Hautschuppen verdeckten Falz eine neue Anschwellung erheben m\u00fcsse, welche die erste Ausbuchtung des neuen Gliedes absondern wird.\nFassen wir dabei nun auch die zwischen den Anschwellungen des Haut\u00fcberzuges des Endk\u00f6rpers befindlichen queren Einschn\u00fcrungen ins Auge, so werden sie offenbar den Th\u00e4lern zu vergleichen sein, welche die fortschreitenden Wellenberge (hier Hautanschwellungen) trennen !\nHiermit glaube icli die Bildungsweise der Klapper von Crotalus im Allgemeinen richtig skizzirt und einen ebenso neuen als interessanten Entwickelungsvorgang aufgedeckt zu haben.\nSchliesslich bemerke ich nur noch, dass die Auffindung und genauere Ermittlung der einzelnen angedeuteten Stadien der Bildungsgeschichte der Klapper von Crotalus \u2014 (namentlich hinsichtlich des Verhornungsprocesses) \u2014, sowie die Entscheidung der Frage, ob bei jeder H\u00e4utung immer ein neues Glied angesetzt wird, sp\u00e4teren, ausgedehnteren Untersuchungen \u00fcberlassen bleibt, denn beide von mir untersuchten Thiere befanden sich gerade in der Periode, wo das j\u00fcngste oder Basalglied der Klapper, eben erst vollst\u00e4ndig entwickelt, noch als genau anliegender, kappenf\u00f6rmiger Ueberzug auf der Hautverdickung des Endk\u00f6rpers der Wirbels\u00e4ule aufsitzt.\nGraz, im April 1856.","page":415},{"file":"p0416.txt","language":"de","ocr_de":"416\nUeber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus.\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\nTafel 20.\nDie Abbildungen sind in nat\u00fcrlicher Gr\u00f6sse von einem meiner Zuh\u00f6rer, Herrn stud, pharm. Jon. Tschopp, dem icli hiermit f\u00fcr seine freundliche Unterst\u00fctzung \u00f6ffentlich Dank sage, ausgef\u00fchrt ; nur die halbschematische Darstellung Fig. 8 habe ich selbst entworfen.\nFig. 1. A die letzten freien Schwanzwirbel mit dem \u00bbEndk\u00f6rper der Wirbels\u00e4ule\u00ab, von der rechten Seite; II der \u00bbEndk\u00f6rper\u00ab von oben; C der \u00bbEndk\u00f6rper\u00ab von unten ; D nach vorn gekehrte Basis des \u00bbEndk\u00f6rpers\u00ab; E senkrechter Durchschnitt des \u00bbEndk\u00f6rpers\u00ab in der Mittelebene.\nFig. 2. Schwanzende eines Crotalus, sammt Klapper, an der das letzte Glied zerbrochen ist, von der rechten Seite gesehen.\nFig. 3. Schw\u00e4nzende eines Crotalus nacli Entfernung der Klapper, von unten. Man sieht die den \u00bbEndk\u00f6rper\u00ab \u00fcberkleidende Hautverdickung, an welcher die Klapper durch das j\u00fcngste Glied befestigt war. Die beiden (drei?) letzten Schwanzschienen sind in einzelne Schuppen zerfallen.\nFig. 4. A \u2014 II die einzelnen Glieder einer zerlegten Klapper, von der linken Seite gesehen. A \u00e4ltestes oder Endglied u. s. w. . . . F' und F\" stellen das Glied F von den schmalen Seiten dar, F' von der Bauch-, I\" von der K\u00fcckenseite.\nFig. 5 und \u00fc. Nat\u00fcrliche Lagerung der Glieder einer am Basalgliede gefassten frei in horizontaler Richtung gehaltenen Klapper \u2014 wenn der Dorsalrand nach aufw\u00e4rts gekehrt wird (Fig. 5), und wenn der Bauchrand nach oben sieht Fig. 6).\nFig. T. Ein St\u00fcck einer von der linken Seite aufgebrochenen Klapper, um die dreifache Ineinanderschaclitelung der Glieder zu zeigen.\nMan sieht deutlich, wie die erste Ausbuchtung des Gliedes (3) die zweite Ausbuchtung des Gliedes (2) umschliesst, und dass in diese letztere noch das Ende des Gliedes (1) hineinragt. In gleicher Weise sieht man die Glieder 2, 3 und 4 in einander gef\u00fcgt.\nFig. 8. Schematische Darstellung des Schwanzendes sammt Klapper. Man sieht das letzte St\u00fcck der Schwanzwirbels\u00e4ule und den Endk\u00f6rper. Die Muskulatur, welche nur bis an den Endk\u00f6rper reicht und somit nur den weiss gelassenen Kaum auf der Wirbels\u00e4ule und zwischen dieser und der schattirten Haut einnimmt, ist weggelassen. Die Haut, an der Schattirung und ihren s\u00e4gef\u00f6rmigen Schuppen kenntlich, bildet, ehe sie an den Endk\u00f6rper als stark verdickter Ueber-zug unmittelbar festw\u00e4chst, einen tiefen ringf\u00f6rmigen Falz (a, a , der von den letzten Schuppen bedeckt ist. Die Klapper besteht aus 10 Gliedern, deren erstes und j\u00fcngstes als kappenf\u00f6rmiger, in diesem Falle genau anliegender Ueberzug auf der Hautanschwellung des Endk\u00f6rpers aufsitzt und die ganze Klapper tr\u00e4gt und an das Schwanzende befestigt. Die dreifache Ineinanderschaclitelung der Glieder der Klapper ist klar.","page":416}],"identifier":"lit16180","issued":"1879","language":"de","pages":"408-416","startpages":"408","title":"Ueber den schallerzeugenden Apparat von Crotalus","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T17:02:25.698931+00:00"}

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