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{"created":"2022-01-31T15:52:38.720157+00:00","id":"lit16183","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band: Wissenschaftliche Abhandlungen, 429-432. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0429.txt","language":"de","ocr_de":"XXXVI.\nUeber\nsecund\u00e4re Zuckung vom theilweise gereizten Muskel aus\n(sammt Nachtrag).\n[Wiener akademische Sitzungsberichte 1857; der Nachtrag: allg. Medicin. Central-\nZeitung 5. Juni 1861.]\nuo m\u00f6chte ich der K\u00fcrze halber einen besonderen, meines Wissens bisher noch nicht beschriebenen Fall von \u00bbZuckung ohne Metalle \u00ab nennen, welcher in mehrfacher Hinsicht nicht ganz ohne Interesse sein d\u00fcrfte.\nIch habe n\u00e4mlich am 7. Mai 1. J. die Beobachtung gemacht (und seither sehr h\u00e4ufig wiederholt) , dass ein nach Du Bois\u2019 Vorschrift sorgf\u00e4ltig isolirter strompr\u00fcfender Froschschenkel eine Schliessungszuckung zeigt, wenn man seinen mit einem Glasstabe aufgenommenen Nerven pl\u00f6tzlich auf den nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnitt eines in partieller idiomuscul\u00e4rerContraction befindlichen Kaninchen- oder Taubenmuskels 1 2) in der Art fallen l\u00e4sst, dass er den contrahirten und den nicht contrahirten Tlieil der gereizten Fasern gleichzeitig ber\u00fchrt.\nEine Oeffnungszuckung konnte ich niemals ganz unzweideutig wahrnehmen.\nFiel der Nerv auf den unver\u00e4nderten, nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnitt des Muskels oder auf den nicht contrahirten Tlieil der Fasern allein, wenn auch ganz nahe an den idiomuseul\u00e4ren Wulst, oder gegen indifferente feste K\u00f6rper, so zeigte sich keine Zuckung \u2014 wodurch einerseits der Verdacht einer mechanischen Reizung des Nerven beseitigt ist, andererseits erwiesen scheint, dass die Verh\u00e4ltnisse der elektromotorischen Wirksamkeit des nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnittes an der\n1\tF\u00e4hrt man sanft dr\u00fcckend mit einem stumpfen Instrument quer \u00fcber eine Strecke irgend eines animalischen Muskels hin, so erhebt sich bekanntlich die unmittelbar ber\u00fchrte Stelle langsam zu einem Wulste auf dem ruhigen Muskel. Schiff hat diese Art der partiellen Verk\u00fcrzung der animalischen Muskelfaser die idiomuskul\u00e4re genannt. \u2014 Vgl. Froriep's Tagesberichte 1S51, Nr. 300, S. 103.\n2\tDie meisten Versuche machte ich an der inneren Oberfl\u00e4che der Bauchmuskeln lebender oder eben get\u00fcdteter Kaninchen.","page":429},{"file":"p0430.txt","language":"de","ocr_de":"430 Ueber secund\u00e4re Zuckung vom theihveise gereizten Muskel aus.\nidiomuscul\u00e4r contrakirten', sonst aber unverletzten Stelle eine Aentle-rung erlitten haben.\nF\u00fcr jene, welche diese Versuche wiederholen wollen, muss ich bemerken, dass sehr reizbare Froschschenkel1) zwar auch zucken, wenn ihre Nerven auf den unver\u00e4nderten nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnitt des Muskels oder auf den nicht contrahirten Theil der local gereizten Fasern allein, ohne zugleich den idiomuscul\u00e4ren Wulst zu ber\u00fchren, herabfallen, dass dann aber die Zuckung immer merklich schw\u00e4cher ist. als bei der oben angegebenen Anordnung der Ber\u00fchrungspunkte zwischen Nerv und Muskel.\nWill man daher die beschriebene Erscheinung sicher und ganz unzweideutig sehen, so muss man gerade jenes Stadium der mittleren Erregbarkeit des physiologischen Rheoskops abwarten und treffen, in welchem die schwachen elektrischen Str\u00f6me des unver\u00e4nderten nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnittes der Muskeln so eben erst aufgeh\u00f6rt haben, Zuckungen hervorrufen zu k\u00f6nnen.\nVerschwindet der idiomuscul\u00e4re Wulst nach einiger Zeit wieder, so wird die betreffende Stelle des nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnittes in der Regel auch wieder unwirksam, doch scheint sich manchmal die St\u00f6rung der elektrischen Verh\u00e4ltnisse daselbst l\u00e4nger, als die von blossem Auge sichtbare Wulstung zu erhalten \u2014 sogar unter Umst\u00e4nden, welche an eine Zerreissung der Fasern innerhalb ihrer unverletzten Scheiden in Folge des Druckstriches nicht wohl denken lassen.\nIch will nun versuchen die mitgetheilten Thatsachen aus den bekannten Gesetzen des Muskelstromes zu erkl\u00e4ren und ihren etwaigen physiologischen Werth zu beleuchten.\nZun\u00e4chst d\u00fcrfte vorauszusetzen sein, dass die elektrischen Str\u00f6me der idiomuscul\u00e4r contrahirten Stelle in die negative Schwankung ge-rathen. und wir wollen f\u00fcr die vorliegende Betrachtung, mit A. Fick2 , von der unterbrochenen oder periodischen Natur dieser Ver\u00e4nderung absehend, unterstellen, w\u00e4hrend der ganzen Dauer der Zusammenziehung sei die elektromotorische Kraft der Molekel anhaltend vermindert , oder, um die Vorstellung zu vereinfachen, wollen wir sie geradezu vernichtet denken. Dann w\u00e4re das ganze idiomuscul\u00e4r con-\n1\tBeil\u00e4ufig bemerkt, habe ich an diesen Froschschenkeln von h\u00f6chster Erregbarkeit deutliche, mitunter sogar sehr heftige Zuckungen eintreten sehen, wenn ich ihren Nerv auf ruhende oder in peristaltischen Bewegungen begriffene Theile des Darmes von Kaninchen oder auf die Nieren oder die Leber dieser Thiere herabfallen liess.\n2\tS. \u00fcber theihveise Reizung der Muskelfaser v. A. Fick. In dem I. Hefte des zweiten Bandes der MoLESCHoTT'schen \u00bbUntersuchungen\u00ab etc.","page":430},{"file":"p0431.txt","language":"de","ocr_de":"lieber secund\u00e4re Zuckung vom theilweise gereizten Muskel aus. 431\ntrahirte St\u00fcck der Fasern wie ein unwirksames Leiterst\u00fcck anzuseken, welches den L\u00e4ngsschnitt und den Querschnitt leitend verbindet und von Str\u00f6men der starken Anordnung durchflossen, erregende Schleifen des ruhenden Muskelstromes der nicht contrahirten Fasertheile in den pl\u00f6tzlich (als Nebenschliessung anfallenden Nerven entsenden muss. Der Froschschenkel zuckt.\nDass nur eine einfache Zuckung, nicht aber Tetanus entsteht, findet zum Tlieile vielleicht darin eine Erkl\u00e4rung, dass jene den Nerven erregenden Stromschleifen, welche wegen des vorhin nur behufs der Vereinfachung der Vorstellung als v\u00f6llig unwirksam angenommen , in der That aber in der negativen Schwankung begriffenen contrahirten Faserst\u00fcckes offenbar von schwankender Dichtigkeit sein m\u00fcssen, wahrscheinlich eine zu geringe absolute Stromst\u00e4rke besitzen werden, als dass sie eine tetanische secund\u00e4re Zuckung veranlassen k\u00f6nnten.\nIst die entwickelte Vorstellung im Allgemeinen richtig, so d\u00fcrften die von mir beobachteten Erscheinungen eine neue St\u00fctze f\u00fcr die Existenz des von A. Fick (a. a. 0. k\u00fcrzlich aufgedeckten oder doch mehr als wahrscheinlich gemachten Unterschiedes zwischen Muskel und Nervenfaser abgeben, dass sich n\u00e4mlich die an einer Stelle der Muskelfaser durch partielle Contraction hervorgebrachte Aenderung der elektromotorischen Wirksamkeit, welche in der negativen Schwankung ihren Ausdruck findet, nicht \u2014 wie dies unter allen Umst\u00e4nden in der local gereizten Nervenfaser der Fall ist \u2014 von einem Ende zum andern fortpflanze.\nEntspricht aber dieser Erkl\u00e4rungsversuch nicht der Wirklichkeit, dann scheint in den mitgetheilten Thatsachen entweder eine bisher unbekannte Ver\u00e4nderung der elektromotorischen Wirksamkeit des idiomuscul\u00e4ren Verk\u00fcrzungszustandes verborgen zu sein : oder \u2014 (falls die idiomuscul\u00e4r contraliirte Stelle nur dann ( '? ) eine Aenderung der elektromotorischen Wirksamkeit des nat\u00fcrlichen L\u00e4ngsschnittes veranlassen sollte, wenn sich zerrissene Fasern innerhalb des Wulstes befinden \u2014 gar nur eine untergeordnete Ab\u00e4nderung der \u00bb Zuckung ohne Metalle\u00ab vorzuliegen.\nNachtrag.\nIch habe bekanntlich schon vor vier Jahren vermittelst des strompr\u00fcfenden Froschschenkels den ersten Nachweis geliefert, dass der in sogenannter idiomuscul\u00e4rer Contraction begriffene Muskel sein elektromotorisches Verhalten \u00e4ndert. Es ist mir vor Kurzem gelungen, diesen Nachweis auch vermittelst des Multiplicators zu fuhren. Zu diesem","page":431},{"file":"p0432.txt","language":"de","ocr_de":"432\nUelier secund\u00e4re Zuckung vom theilwcise gereizten Muskel aus.\nEnde habe ich Zuleitungsgef\u00e4sse von besonderer Form construirt, deren Anwendung sicli \u00fcberall empfiehlt, wo es sich darum handelt, genau bestimmte und sehr beschr\u00e4nkte Stellen ableitend zu ber\u00fchren. \u2014 Meine Zuleitungsgef\u00e4sse werden durch zwei Glasspritzen dargestellt , wie man sie zu medicinischen Zwecken gebraucht, nur wird der Stempel durch eine Glasr\u00f6hre ersetzt, welche vorn mit einem Fliesspapierpfropf oder einem Goldschl\u00e4gerh\u00e4utchen, hinten mit einem Kork verschlossen ist. Im Innern der R\u00f6hre befindet sich concentrirte Zinkvitrioll\u00f6sung , durch den Kork geht ein amalgamirter Zinkdraht, der sich zu einer langen Spirale aufrollt, und aussen ist die R\u00f6hre mit Baumwollenf\u00e4den umwickelt, so dass sie als Stempel wirken kann. Die Spitze der Spritze wird durch Zur\u00fcckziehen des R\u00f6hrenstempels mit frischem Il\u00fchnereiweiss gef\u00fcllt, jede Luftblase sorgf\u00e4ltig entfernt, und auf diese Weise eine ableitende Vorrichtung hergestellt , welche gleichartig und unpolarisirbar ist und mit freier Hand, oder in ein nach allen Richtungen bewegliches Stativ eingespannt, ganz genau bestimmten Punkten angelegt werden kann.\nBer\u00fchrte ich nun vermittelst dieser Zuleitungsgef\u00e4sse zwei in derselben Faserrichtung gelegene Punkte des innern schiefen Bauclimus-kels eines Kaninchens, so erhielt ich einen Strom der \u00bbschwachen Anordnung\u00ab, welcher im Kreis des Multiplicators, z. B. von dem von der Linea alba entferntem gegen den der Linea albu n\u00e4hern Punkt floss.\nLie Existenz dieses schwachen Muskelstromes zeigen sehr empfindliche Froschschenkel auch an , wenn man ihren Nerv auf den Kaninchenmuskel herabfallen l\u00e4sst. Wie ich a. a. 0. mittheilte, verlieren aber die Nerven sehr bald den hierzu n\u00f6thigen Grad der Erregbarkeit). Wurde nun an einem der ableitend ber\u00fchrten Punkte vermittelst eines Druckstriches ein idiomuscul\u00e4rer Wulst erzeugt und dieser ableitend ber\u00fchrt, w\u00e4hrend das andere Zuleitungsgef\u00e4ss seine fr\u00fchere Stelle einnahm oder einen andern, diesseits oder jenseits des Wulstes in der Faserrichtung gelegenen Punkt ber\u00fchrte, so zeigte der Multiplicator sofort einen bedeutend s t \u00e4 r k e r n Strom an, welcher durch die Drahtleitung constant in der Richtung vom nicht contrahirten Muskel zum idiomuscul\u00e4reu Wulst ging. Der letztere verh\u00e4lt sich also negativ zum erstem. \u2014 Die Discussion dieser neuen, wiewohl, in Ber\u00fccksichtigung meiner Versuche mit dem Froschschenkel, schon a priori zu erwartenden Thatsache und ihre Verwerthung zur Unterst\u00fctzung der durch K\u00fciixe M\u00fcll er\u2019s Archiv, 1859) aufgestellten Ansichten \u00fcber die sogenannte idiomuscul\u00e4re Zuckung behalte ich mir f\u00fcr sp\u00e4ter vor.","page":432}],"identifier":"lit16183","issued":"1879","language":"de","pages":"429-432","startpages":"429","title":"Ueber secund\u00e4re Zuckung vom theilweise gereizten Muskel aus (sammt Nachtrag)","type":"Book Section","volume":"1.1"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:52:38.720163+00:00"}
