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{"created":"2022-01-31T14:47:58.904409+00:00","id":"lit16189","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 471-597. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0471.txt","language":"de","ocr_de":"XL1L\nDer Kehlkopfspiegel,\n(Hierzu Taf. 22, 23 u. 21; .\ni Der Kehlkopfspiegel und seine Verwerthung fur Physiologie und Mediein, eine Monographie ron Dr. Johann Y. Czcrmak in Prag, vormals ord. Professor der Physiologie an der k. k. Universit\u00e4t in Pest, '/.weile, theilweise umgearhcilele und vermehrte Auflage. Mil 3 Tafeln und 36 Holzschnitten. Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann IS63. \u2014\nDie ersten Publicalioncn Czcrmak s \u00fcber den Kehlkopfspiegel fallen in das Jahr fSiiS , siehe den Literaturnachweis in d. folg. Abhandlung . J)a er selbst seine auf diesen Gegenstand bez\u00fcglichen Schriften gr\u00f6sslenlhcits in Form einer Monographie zusammcn-gefassl hat, so erscheint an dieser Stelle ein Abdruck dieser Monographie und zwar nach der zweiten Auflage.\nEin \u00bbwegen seiner geringen praktischen Bedeutung\u00ab von Czcrmak bei Veranstaltung dieser zweiten Auflage weggelassener Abschnitt \u00fcber die Kehlkopflaute (gutturales veraej wurde hier wieder eingef\u00fcgt. ( Siehe die Anm. am Anfang von VIII.\nEbenso wurden die zwei allerfr\u00fchesten Ver\u00f6ffentlichungen Wiener medicinische Wochenschrift 1858) als historisch interessant wieder abgedruckt und finden sich als Anhang am Schluss des Bandes /\nCzermak, Schriften.\n30**","page":471},{"file":"p0472.txt","language":"de","ocr_de":"Vorrede zur ersten Auflage.\nDie vorliegende kleine Schrift ist so zu sagen eine zweite vermehrte Auflage meiner in Journalen zerstreuten Aufs\u00e4tze \u00fcber Laryngoskopie, in welchen ich nicht nur bem\u00fcht war der Speculirung des Kehlkopfes Eingang zu verschaffen, sondern auch die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Anwendbarkeit des Princips der Liston-GARCiA\u2019schen Untersuchungsmethode zu lenken.\nSie ist bestimmt, den ersten \u00f6ffentlichen Impuls, welchen ich zur Verwerthung und Ausbildung dieser Methode in verschiedenen Richtungen gegeben habe, bleibend wirksam zu erhalten, und dieser noch immer nicht genug ausgebeuteten werthvollen Bereicherung der exacten Beobachtungsmittel Freunde und Bearbeiter zu gewinnen.\nIhr Zweck wird erreicht sein, wenn der Kehlkopfspiegel in der Reihe der t\u00e4glich gebrauchten Instrumente ebenso wenig irgendwo wird fehlen d\u00fcrfen, als gegenw\u00e4rtig der Augenspiegel und l\u00e4ngst schon der Mutterspiegel, das Stethoskop etc.; \u2014 wenn sich \u00fcberall wenigstens einzelne Aerzte finden werden, die dieses einfache Instrument geschickt und erfolgreich zu handhaben verstehen ; \u2014 und endlich, wenn sich Andere\u2014 wie es zum Theil bereits geschehen ist\u2014 durch meine Bem\u00fchungen angeregt f\u00fchlen sollten. das Princip der LiSTON - Garcia\u2019sehen Methode in den verschiedenartigsten Richtungen durch Verbesserung und Auffindung instrumentaler Hilfsmittel und neuer Technicismen auszubeuten und nutzbar zu machen.\nEine Priorit\u00e4tsfrage kann hierbei, den literarischen That-sachen gegen\u00fcber, gar nicht in Betracht kommen; da sie aber von gewisser Seite dennoch geltend gemacht worden ist, so erinnere ich einfach an Das, was Dr. Locher Die Erkenntniss der Lungenkrankheiten vermittelst Percussion und Auscultation. Z\u00fcrich 1853. 8. 52 sagt, n\u00e4mlich: \u00abDass wir nicht denjenigen als Erfinder im wahren","page":472},{"file":"p0473.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n473\nund sch\u00f6nen Sinne des Wortes betrachten, welcher eine neue Idee zuerst lasst und theilweise ausf\u00fchrt, allein dieselbe ohne Ahnung von ihrer Tragweite auf sieli beruhen l\u00e4sst, sondern vielmehr denjenigen, welcher einer neuen Idee, mag solche vielleicht urspr\u00fcnglich bereits anderswo ausgesprochen worden sein. zur Geltung. zur allgemeinen Anerkennung und zur eingreifenden praktischen Verwerthung ver-liilft. \u00ab\nSchliesslich spreche ich allen denen, welche mich bei dieser Arbeit freundschaftlich unterst\u00fctzt haben, meinen innigsten Dank aus.\nPest, den 27. November 1859.\nDer Verfasser.\nVorrede zur zweiten Auflage.\nAlles Das, was ich in der Vorrede zur ersten Auflage als den Zweck meines Schriftehens bezeichnet hatte, ist durch die erfolgreich wachgerufene Betheiligung einer gr\u00f6sseren Reihe von Aerzten des In und Auslandes, in \u00fcberraschend kurzer Zeit fast vollst\u00e4ndig erreicht worden.\nDie vorliegende zweite Auflage, deren Zweck derselbe geblieben ist, glaubte ich daher nicht wesentlich ver\u00e4ndern zu sollen.\nDie vorgenommenen Ver\u00e4nderungen beziehen sich fast nur auf eine genauere formelle .Sonderung des Inhalts der ersten die mannich-faltige Verwerthung des Kehlkopfspiegels f\u00fcr Physiologie und Mediein behandelnden Schrift, damit derselbe ganz und [\u00fcbersichtlich vor die Augen trete.\nMan wird daher unter den scheinbar neuen Abschnitten und Paragraphen Gegenst\u00e4nde behandelt linden, welche in der fr\u00fcheren Auflage bereits enthalten, aber an verschiedenen Orten im Texte zerstreut waren und keine besonderen Ueberschriften hatten : soz. B. III. Absehn. \u00a73 \u00bbDurchleuchtung\u00ab, IV. Absehn. \u00bbSpeoulirung durch den Wundcanal nach Er\u00f6ffnung der Luftwege\u00ab, VI, Abschn. \u00bbLocale Behandlung unter Beihilfe des Spiegels\u00ab.","page":473},{"file":"p0474.txt","language":"de","ocr_de":"474\nDer Kehlkopfspiegel.\nDie in der ersten Auflage mitgeth eilten pathologischen Beobachtungen. welche in ihrer aphoristischen K\u00fcrze und zuf\u00e4lligen Zusammenstellung das Bed\u00fcrfnis\u00bb nach einer systematischen und umfassenden Bearbeitung jener Krankheiten, f\u00fcr welche die Einf\u00fchrung des Kehlkopfspiegels in seinen verschiedenen Anwendungen von epochemachender Bedeutung ist, recht f\u00fchlbar machen, zugleich aber auch die M\u00f6glichkeit einer solchen Bearbeitung erkennen lassen sollten, sind unver\u00e4ndert beibehalten und durch einen Anhang \u00fcber Polypen und Epithelialwucherungen im Larynx so wie durch einige rhinoskopische F\u00e4lle IX. Absolut. \u00a7 2) vermehrt worden. Eine Zusammenstellung aller bisher vorliegenden wichtigeren Beobachtungen konnte um so weniger in meiner Absicht liegen, als sich mein Freund H. Dr. Sembledeb der L\u00f6sung dieser Aufgabe in einer demn\u00e4chst erscheinenden Schrift : Die Laryngoskopie und ihre Vcrwerthnng f. d. \u00e4rztl. Praxis. Wien, Braum\u00fcller, unterzog.\nF\u00fcr jene Leser, welche der Geschichte des Kehlkopfspiegels nicht genauer gefolgt sind, habe ich die bekannten Daten im 1. Abschn. \u00bb Historisches \u00ab zusammengestellt.\nSchliesslich kann icli nur den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, dass mein Schriftchen in seiner neuen Form den in der Vorrede zur ersten Auflage bezeichneten Zweck zu f\u00f6rdern nicht minder beitragen m\u00f6ge, als fr\u00fcher in seiner alten.\nPrag, im Februar I863.\nDer Verfasser.","page":474},{"file":"p0475.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n475\nI.\nHistorisches.\nDie naheliegende Idee, den Kehlkopf lebender Menschen vermittelst eines langgestielten, in den Schlund eingebraehten Spiegelchens in physiologischer und pathologischer Beziehung zu untersuchen, ist nicht neu.\nSchon in den dreissiger Jahren des Jahrhunderts scheint man in Frankreich verschiedene vergebliche Versuche zur Realisirung dieser Idee angestellt zu haben: doch ist es erst der Engl\u00e4nder List\u00f6n 1 , der, 1S40 einer wirklichen, erfolgreichen Anwendung des Kehlkopfspiegels zu me dicini sch en Zwecken Erw\u00e4hnung thut. Die unten eitirte Stelle l\u00e4sst dar\u00fcber wenigstens keinen Zweifel, dass in England schon vpr mehr als 20 Jahren ein lauggestieltes, vorher erw\u00e4rmtes Spiegclchen angewendet wurde, um gewisse pathologische Ver\u00e4nderungen im Larynx zu sehen und dass dies zuweilen wirklich gelungen sei.\nIm Jahre IS55 hat der Spanier Manuel Gakcia 1 2 3 seine sch\u00f6nen mit dem Kehlkopfspiegel angestellten Beobachtungen \u00fcber Stimmbildung publicirt. Garcia ist der Erste, welcher das Instrument mit gl\u00e4nzendem Erfolg zu physiologischen Zwecken benutzt und eine genaue Beschreibung der vermittelst desselben sichtbaren Theile und ihrer Bewegungen geliefert hat.\nVor und nach Garcia hat man an verschiedenen Orten die Speeu-lirung des Kehlkopfs versucht \u2014 aber immer wieder entmuthigt, auf sieh beruhen lassen, ohne die Tragweite dieser Explorationsmethode gen\u00fcgend gew\u00fcrdigt und die allgemeine Aufmerksamkeit energisch und \u00f6ffentlich auf dieselbe gelenkt zu haben.\nSo der 1S54 verstorbene Dr. Avery in London, welcher sich jahrelang mit Versuchen, den Kehlkopf und andere verborgene K\u00f6rpertlieile dem Auge des Arztes zug\u00e4nglich zu machen, besch\u00e4ftigte.\n1\tPractical Surgery with 50 engravings on wood by R. Liston, Esq. London I Sin, p. 417; \u00bb Vicerated glottis. \u2014 The existence of this swelling may often he ascertained by a careful examination with the finger ; and a view of the parts may be some times obtained by means of a speculum \u2014 such a glass as is used by dentists on a long stall;, previously dipped in hot water, introduced with its reflecting surface downwards, and carried we/l into the fauces\u00ab.\n2\t^Observations on human voice\u00ab. Philosoph. Magazine and Journal of Science. Vol. X p. 218 und Gazette hebdom. de m\u00e9d. et de chir. 10. Nov. 1855. X. 40.\n3\tDiese Xotiz verdanke ich seit Herbst 1800 der gef\u00e4lligen Mittheilung der Herren Weiss & Son in London ; dieselbe wurde mir 1 S(i2 von einem Freunde und","page":475},{"file":"p0476.txt","language":"de","ocr_de":"476\nUlt Kehlkopfspiegel.\nSo L. T\u00fcrck in Wien, der den Kehlkopfspiegel w\u00e4hrend des Sommers IS37 (genau so wie Garcia, bei Sonnenlicht . an einigen Individuen seiner Spitals-Abtheilung f\u00fcr Nervenkranke; zu applieiren versuchte.\nListon\u2019s Angabe war l\u00e4ngst vergessen, Garcia\u2019s gl\u00e4nzende Erfolge waren mit Misstrauen aufgenommen, ja sogar geradezu bezweifelt worden und T\u00fcrck hatte , gleich Manchem vor ihm die Versuche mit dem Kehlkopfspiegel wie ich durch die Illlrn. Prof\u00ab Br\u00fccke und Ludwig wusste ( trot z der Aufm nuterung, welche ihm von com-petenter Seite ward. auch wieder r e s u 11 a 11 o s liegen lassen1.\nSo standen die Dinge, als ich mich im Winter von 1S57 auf 1S5S behufs der L\u00f6sung einiger physiologischen Fragen mit dem Kehlkopfspiegel zu besch\u00e4ftigen anting. Ich kam aber sofort auf den Gedanken, die einfache Garcia'scIic Methode dadurch wesentlich zu vervollkommnen, dass ich den Augenspiegel als Kclleetor benutzte, wodurch\nVerwandten Avery's Mr. Yeausley nicht nur best\u00e4tigt, sondern Mr. Yearnley zeigte mir auch das in seinem Besitz befindliche Originalinstriunent Avery\u2019s : ein l\u00e4ngliches wohl abgerundetes Planspiegelchen mit einer mehre Zoll langen, unter einem stumpfen, durch die Weichheit des Motalles ver\u00e4nderlichen Winkel, ange-setzten Handhabe,\nAuch soll sich Aveby einer besonderen Beleuchtungslampe mit einem conca-ven in der Mitte durchbohrten Iieverber bedient haben.\n1 Der folgende Brief l\u2019rof. Br\u00fccke\u2019s an mich enthebt mich jedes weiteren Commentars. Hass ich denselben nicht schon in der ersten Auflage habe abdrucken lassen, hat seinen Grund darin, dass ich keiner solchen Itechtfertigung vor dem wissenschaftlichen Publicum Deutschlands zu bed\u00fcrfen glaubte, nach den Aufkl\u00e4rungen, welche ich bereits in Nr. 17 und Nr. -'12 der wiener mcd. Wochenschrift l'-.V.i gegeben hatte. Der Brief lautet : (vgl. Virchows Arch. Bd. 22. \u00bb Zur Abwehr \u00ab].\n\u00bbGeehrter Freund !\nIch best\u00e4tige Ihnen, dass ich mich allerdings bei Hrn, Dr.T\u00fcrck, nachdem er mir seine ersten Versuche mit dem Kehlkopfspiegel mitgetheilt hat, sp\u00e4ter nach dem P or tgang d e r s e lb en erkundigt und ihn aufgefordert habe, sie nie lit ruhen zu lassen. Ob dies ein- oder zweimal geschehen sei, erinnere ich mich jetzt nach so langer Zeit nicht mehr. Ich kann auch lim. Dr. T\u00fcrck\u2019s Antwort nicht mehr genau citiren, aber das weiss ich, dass sie auf mich den Eindruck machte, er habe die Sache liegen lassen; sicher hat er mir keine weiteren Bests ! t a f e mitgetheilt. So sehr ich bedauere, dass ein Streit zwischen zwei von mir gleich hochgesch\u00e4tzten M\u00e4nnern fortw\u00e4lirt, so muss ich doch Ihnen als dem angegriffenen Theile anheimstellen von diesem Schreiben jeden Ihnen gef\u00e4lligen Gebrauch zu machen, wenn Sie seiner zu Ihrer liecht-fgrt igung bed\u00fcrfen sollten.\nWien am 1h. November 1 S\u00f69.\nMit besonderer Hochachtung Ihr\nE. Br\u00fccke\u00ab.","page":476},{"file":"p0477.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n477\nes mir gelang, ancli k\u00fcnstliche Beleuchtung mit Erfolg anzuwenden und die Kehlkopfspiegelversuche von Tageszeit und Witterung unabh\u00e4ngig zu machen. Vermittelst dieser meiner Methode, welche jetzt allgemein auch von Herrn T\u00fckck selbst) in Gebrauch gezogen wird, und ohne welche die Laryngoskopie ein \u00bbtodtgebornes Kind\u00ab geblieben w\u00e4re, gewann ich alsbald die feste Ueberzeugung von der grossen Leistungsf\u00e4higkeit des Kehlkopfspiegels als Exploration \u00bbinstrument.\nUnd wenn ich diese Ueberzeugung, trotz der mir wohlbekannten entmnthigenden Anl\u00e4ufe der Nachfolger Garcia\u2019s, schon d a m als \u00f6ffentlich aussprach, und den Kehlkopfspiegel den Aerzten zur \u00bballgemeinsten und ausgedehntesten Ben\u00fctzung\u00ab dringend empfahl s. Wien. med. Wochenschrift vom 27. M\u00e4rz 1858;, so hat Hr. T\u00fcrck selbstverst\u00e4ndlich nicht den mindesten Antheil an Dem, was ich hier du r c h f\u00fcr diese zu jener Zeit noch v\u00f6llig c r e d i 11 o s e Sache geleistet habe.\nEs ist eine feststehende Thatsache, dass Herr T\u00fcrck seine Kehlkopfspiegel sp\u00e4testens schon mit Beginn des Winters 1SA7 auf IS5S, ohne irgend ein erhebliches Kesultat erhalten und mitgetlieilt, oder auch nur eine Ahnung von der wirklichen Tragweite des Kehlkopfspiegels gewonnen zu haben, bei Seite gelegt hatte, und dass nicht ich von ihm, sondern er von mir den Impuls empfangen hat, sich endlich erfolgreich mit dem Kehlkopfspiegel zu besch\u00e4ftigen. Ebenso ist dies auch sp\u00e4terhin der Fall gewesen. Herr T\u00fcrck kam eben immer zu sp\u00e4t.\nDass mir Herr T\u00fcrck zu meinen ersten Versuchen einige lang-gestielte Glasspiegelehen auf mein Ersuchen und ohne irgend einen Vorbehalt hinsichtlich ihrer Verwendung lieh, was ich mit Dank selbst erw\u00e4hnte, berechtigte ihn doch nicht entfernt irgend welche Anspr\u00fcche auf die Miturheberschaft meiner Leistungen und Ideen hinsichtlich der allseitigen praktischen Verwendung des Kehlkopfspiegels zu machen, und zwar um so weniger, als er noch in der Sitzung der Gesellschaft der Aerzte vom 9. April s.Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte 1858, No. 17 im Gegens\u00e4tze zu meinen damaligen Mittheilungen \u00f6ffentlich erkl\u00e4rte: \u00bbEr sei weit entfernt, allzu sanguinische Hoffnungen von den Leistungen des Kehlkopfspiegels in der Praxis zu liegen\u00ab,'\u2014 und erst volle 3 Monate nach meinem Artikel vom 27. M\u00e4rz 1S5S seine erste Arbeit zu Stande bringen konnte (s. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu ^ ien vom 28. Juni 1858;, als bereits meine ausf\u00fchrliche Abhaud-lung mit Abbildungen l\u00e4ngst vorlag (s. \u00abSitzungsber. d. wiener Aka-","page":477},{"file":"p0478.txt","language":"de","ocr_de":"47 S\nDer Kehlkopfspiegel.\ndemie vom 29. April IS5S . und Semeledek in Folge meiner Anregung sogar schon eine werthvolle praktische Anwendung des Kehlkopfspiegels hei einer Affection des Zungengrundes gemacht hatte s. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien. Ko. 2s. 1555, Sitzung v. 2s. Mai .\nWas aber die nach Herrn T\u00fckok\u2019s Angabe construirten Spiegel betrifft, deren ich mich zu meinen allerersten Versuchen bediente, so waren dieselben keineswegs von der Form derjenigen, welche Herr T\u00fckck sp\u00e4ter als die allein ! brauchbaren genauer angab (s. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte vom 25. Juni 1S5S'. Es waren l\u00e4nglich 4eckige Glasspiegelchen in einer Metalleinfassung, an welcher in der Mitte der schmalen Seite der Stiel vermittelst eines Charnier-gelcnkes befestigt war. Ich erw\u00e4hne diese l\u00e4cherlichen Kleinigkeiten . um daran zu erinnern. dass ich Herrn T\u00fckck auch bei der Construction meiner eigenen Spiegel, deren Beschreibung und verschiedenen Maasse ich schon in der Sitzung vom 9. April 1555 ausdr\u00fccklich angab s. Wiener med. Wochenschrift vom 17. April 1555. vgl. auch die Abbildung meines Selbstbeobachtungsapparates auf Taf. I. meiner Abhandlung in den Sitzungsber. der Wiener Akademie vom 29. April oder die Copie dieser Tafel in meiner Brochure , nichts abgeguckt habe, sondern meinen eigenen Weg gegangen bin.\nHie Berechtigung zu einem Streit um die Priorit\u00e4t, wie ihn Herr T\u00fckck nach meinem Vortrage in der Sitzung der Ges. der Aerzte am 9. April anting; kann wohl Niemand, der die mitgetheilten That-s ach en kennt, zugestehen und selbst jene r\u00fccksichtsvolle Erkl\u00e4rung. welche ich, um jede weitere Polemik abzuschneiden und im Vertrauen auf die Ehrenhaftigkeit meines Gegners nach jener Sitzung zu unterschreiben mich herbeiliess, kann keinen Unparteiischen in seinem Urtheil beirren ! Jene Erkl\u00e4rung, welche Herr T\u00fckck. un-eingedenk der ihm dadurch bewiesenen Freundlichkeit und H\u00fceksicht. so oft gegen mich missbraucht hat, lautete Wiener med. Wochenschrift No. 16 Beilage; ; \u00bbAls ich in Ko. B> dieser Wochenschrift einen Artikel einr\u00fccken liess. in welchem ich die praktischen Aerzte auf die Verwerthung des G.vU( ia scIicu Kehlkopfspiegels aufmerksam machte, war ich der Meinung, Herr Prim. Dr. T\u00fckck, dessen nach seiner Angabe construirten Spiegel ich mich zu meinen ersten physiologischen Beobachtungen bediente, h\u00e4tte die, wie mir bekannt war, und ich auch in jenem Artikel andeutete, im abgelaufenen Sommer an den Kranken seiner Abtheilung vorgenommenen Versuche einer Verwendung dieses Spiegels zu diagnostischen Zwecken g\u00e4nzlich fallen lassen.\nH\u00e4tte ich gewusst, dass, wie ich erst jetzt erfuhr, derselbe","page":478},{"file":"p0479.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n479\nseine Untersuchungen tien Winter hindurch wegen mangelnden direeten Sonnenlichts in seinen Krankens\u00e4len nur unterbrach, so w\u00fcrde ich den in Ko. 13 enthaltenen Aufsatz unterdr\u00fcckt haben, uni meiner wesentlich auf Beobachtungen an mir selbst gest\u00fctzten Anempfehlung des Kehlkopfspiegels zu praktischenZwecken nicht den Anschein zu geben, als w\u00e4re sie geschehen, um dem Prim. Dr. T\u00fcbck die Priorit\u00e4t, auf welche ich \u00fcbrigens nirgendsAns p r u c h ge m a e h t h a b e. zu entziehen, denn diese geb\u00fchrt ihm jedenfalls ganz unbestreitbar.\u00ab\nWien, den 11. April 1858.\nMan sieht, Herr T\u00fckck hat damals mir gegen\u00fcber behauptet, er habe seine ersten Versuche behufs einer Verwendung des Kehlkopfspiegels, zu diagnostischen Zwecken vorgenommen, auch habe er dieselben \u00bbaus Mangel an directe in So inten licht\u00ab den Winter \u00fcber nur unterbrochen, nicht aufgegeben; \u2014 und ich habe die Gef\u00e4lligkeit gehabt, diese Behauptungen welche f\u00fcr Herrn T\u00fckck das bedenkliche Dilemma einscliliessen, entweder eine unwahre Ausflucht gebraucht oder ein gl\u00e4nzendes Testimonium puuperlatis sicli ausgestellt zu haben, s. den Brief v. Prof. Br\u00fccke, gelten zu lassen. Ich habe ferner Herrn T\u00fckck die Priorit\u00e4t zugestanden, \u2014 aber wohl gemerkt jene, \u00bb a u f w eiche ich ni r g ends An s p r u c h g e ni acht habe\u00ab, n\u00e4mlich: dass er wie viele Andere auch sich vor mir mit dem Kehlkopfspiegel befasst habe. Dass obige Erkl\u00e4rung nur in diesem Sinne gegeben und verstanden werden konnte, musste Jedermann klar sein, der meine Aufs\u00e4tze in der Wiener med. Wochenschrift No. 13, IS5S und die nachtr\u00e4glichen Bemerkungen in No. 17 und No. 32. 1S59 nicht gedankenlos gelesen hat.\nUcbrigcns gesetzt, ich h\u00e4tte meine damaligen Versuche statt \u00bbwesentlich\u00ab, ausschliesslich an mir selbst angestellt, was selbstverst\u00e4ndlich nicht der Fall war s. unten . und h\u00e4tte nicht auch die erste Reihe von pathologischen F\u00e4llen, durch welche die Leistungsf\u00e4higkeit des Kehlkopfspiegels in pnuci bleibend dargethan wurde, mitgetheilt (2b. Februar 1859 ' , (als ausser Semeleder's Beobachtung, St\u00f6rk's 2 F\u00e4llen und meiner Diagnose eines Larynx-polypen Wiener med. Wochenschrift 8. Januar 1859 noch gar keine praktischen Erfolge Vorlagen : und gesetzt Herr T\u00fckck h\u00e4tte wirklich bereits im Sommer 1857 und vor dem Bekanntwerden meiner von \u00fcberraschendem Erfolge gekr\u00f6nten Versuche speciell die Verwertliung des Kehlkopfspiegels zu diagnostischen Zwecken angestrebt, und seine Bem\u00fchungen nicht fallen lassen, sondern \u00bb a u s M a n g e 1 a n d i r e c t e m S'o n n e n 1 i c h t \u00ab ( ! ( j enen von mir benutzten Winter hindurch nur unterbrochen, ohne jedoch ein","page":479},{"file":"p0480.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n4 SO\nn n de ros K es ul tat., o h u e eine andere U e b e r z e u g u n g von der Bedeutung und Anwendbarkeit des Kehlkopfspiegels gewonnen zu haben, als er selbst in der Sitzung der Ges. d. Aerzte am 9. April 1S5S factisch mitzutheilen vermochte1! \u2014\n1 S. die Zeitschrift der Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. 17, 26. April 1858. Sitzungsbericht : \u00bbHerr Prof. Czermak hielt einen freien Vortrag \u00fcber den Kehlkopfspiegel mit Demonstration. Der Vortrag ist bereits (fl. April ver\u00f6ffentlicht worden\u00ab. \u2014 \u00bbDer Prim. llr. Dr. T\u00fcrck, welcher sich schon im abgelaufenen Sommer mit Versuchen \u00fcber die Verwendung des Kehlkopfspiegels zu diagnostischen Zwecken an Individuen seiner Abtheilung des allgem. Krankenhauses befasst hat, wahrt sich mit Bezugnahme auf einen in Nr. 13 der Wiener mod. Wochenschrift vom 27. M\u00e4rz 1. J. enthaltenen Aufsatz: die Priorit\u00e4t der Anwendung des Kehlkopfs zu diagnostischen Zwecken, und gibt als ersten Schritt zu dieser Anwendung eine Methode an, durch welche es erst (! !; m\u00f6glich wird, bei einer gr\u00f6sseren Anzahl von Individuen den Kehlkopf und die umgebenden Theile zu untersuchen. Da sehr viele Individuen das st\u00e4rkere Andr\u00fccken des Kehlkopfspiegels an den weichen Gaumen nicht vertragen, so schont er diesen letzten m\u00f6glichst, nachdem er durch vorl\u00e4ufiges starkes Hervorstrecken der Zunge bis zur Bildung einer nach oben concaven Rinne Raum f\u00fcr den Spiegel gewonnen hat, wobei das Atlimen nicht unterbrochen werden darf. Durch das Hervorstrecken der Zunge wird zugleich der Kehlkopf gehoben und so der Untersuchung n\u00e4her gebracht. Oefters ist es gut, den Spiegel schief zu stellen.\nDie Spiegel, deren er sich bedient, bestehen aus dem eigentlichen l\u00e4nglichen gut abgerundeten, kleinen Spiegel, aus einem unter einem stumpfen, durch die Weichheit des Metalls ver\u00e4nderlichen Winkel angesetzten geraden Stiele und einem die Verl\u00e4ngerung des letzteren vorstellenden geraden Griffe. Er schliesst mit der Bemerkung, dass er weit entfernt sei, allzu sanguinische Hoffnungen von den Leistungen des Kehlkopfspiegels in der Praxi s-zit h egen. Von der hier nur angedeuteten Methode (sic !) des Dr. T\u00fcrck wird in dieser Zeitschrift eine ausf\u00fchrliche Beschreibung erscheinen\u00ab.\nUnd dies war Alles, was Herr T\u00fcrck zu sagen wusste \u2014 zu einer Zeit, wo ich durch meine Versuche die Ueberzeugung von der grossen praktischen Bedeutung des Kehlkopfspiegels gewonnen, und mit aller Entschiedenheit \u00f6ffentlich ausgesprochen hatte \u2014 zu einer Zeit, wo ich bereits unter Anderem mitgetheilt batte, dass es mir nebst den von Garcia erw\u00e4hnten Tlreilen sogar gelungen sei, an mir selbst \u00bbdie Theilungsstelle der Trachea und die Anf\u00e4nge der Bronchien zur Anschauung zu bringen\u00ab, wof\u00fcr ich Prof. Br\u00fccke und Dr, Elfinger als Augenzeugen anf\u00fchrte; zu einer Zeit endlich, wo ich die k\u00fcnstliche Beleuchtung, den Augenspiegel als Reflector, und Kehlkopfspiegel aus Glas oder Metall von rundlich quadratischer Gestalt und 6\u201414 W. L. Durchmesser mit langer an einer der abgerundeten Ecken angel\u00f6tbeten Handhabe empfohlen hatte. Ja ich hatte damals bereits auf die Speculirung des Carum pfia-riingo-nasale und der Tubenm\u00fcndungen, und auf die M\u00f6glichkeit der localen Behandlung unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels ausdr\u00fccklich hingewiesen (vgl. Nr. 13 und Nr. 16 der Wiener med. Wochenschrift 1856). H\u00e4tte sich Herr T\u00fcrck damals im Besitze einer besonderen, die praktische Verwertlmng erst erm\u00f6glichenden, auf ausgedehnte erfolgreiche Erfahrungen gest\u00fctzten Explorations-","page":480},{"file":"p0481.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n4SI\nh\u00e4tte er etwa dann einen Anspruch auf Priorit\u00e4t im wahren und sch\u00f6ne n Sinne des Wortes gehabt?! Gewiss nicht s. die Vorrede zur ersten Auflage d. Schritt .\nmethode wirklich befunden oder \u00fcberhaupt damals schon irgend etwas Erhebliches mit dem Spiegel geleistet gehabt, so h\u00e4tte er es der Ges. d. Aerate wohl kaum vorenthalten und h\u00e4tte nicht seine ausf\u00fchrlichere Mittheilung (wo das im Sitzungsbericht \u00bbAngedeutete\u00ab der eigenen \u00bbMethode des Hm. Du. T\u00fcrck\u00ab etwas stark in den Hintergrund tritt erst [mehrere Monate sp\u00e4ter (28, Juni 1858) erscheinen lassen.\nHerr T\u00fcrok hat also erst im Verlaufe jencrMonate in Folge des von mir ausgegangenen Impulses sich wieder und zwar mit etwas mehr Erfolg und Energie als fr\u00fcher [auf den Kehlkopfspiegel geworfen und die aufgegebenen Versuche auf seiner Abtheilung fortgesetzt.\nNachdem Herr Dr. Semeeeder , den ich zur praktischen Verwerthung des Spiegels dringend aufgefordert und dabei mit Hath und That unterst\u00fctzt hatte, die erste erfolgreiche Anwendung dieses Instrumentes bei einem Leiden des Zungengrundes gemacht und in dev Zeitschrift der Ges. d. Aerate zu Wien Nr. 28 mitgetheilt hatte, wurden nun auch wie verlautete auf T\u00fcrck\u2019s Abtheilung von Herrn Dr. St\u00f6rk erfolgreiche Untersuchungen pathologischer F\u00e4lle mit dem Spiegel angestellt.\nDa aber Monate lang gar keine Leistungen in der praktischen Laryngoskopie \u2014 (Stork's zwei Beobachtungen erschienen erst am 20. December 1858; \u2014 ver\u00f6ffentlicht wurden, so f\u00fcrchtete ich. Herr T\u00fcrok. welchem vor Allen die weitere Ausbildung und Begr\u00fcndung derselben obgelegen h\u00e4tte, k\u00f6nnte die Sache wieder ganz einsehlafen lassen, und sah die Nothwendigkeit ein, dass ich selbst \u2014 ob-sehon der Praxis fernstehend \u2014 durch die Publication einer gr\u00f6sseren Reihe von F\u00e4llen, zu deren Untersuchung mir meine freundlichen Collegen in Pest immer reichlichere Gelegenheit boten, die M\u00f6glichkeit und Wichtigkeit der Anwendung des Kehlkopfspiegels darthun und weiter begr\u00fcnden helfen m\u00fcsse, wenn ich nicht Gefahr laufen wollte, dass meine wiederholten Aufforderungen als sanguinische Theorien am Ende gar spurlos verhallen sollten.\nNachdem ich zun\u00e4chst das \u00e9clatante Resultat der laryng. Untersuchung eines mir am 2. Januar 1851) von Dr. IIirschlek vorgestellten Patienten am S. Januar in Nr. 2, 185!\u00bb der Wien. med. Wochenschrift mitgetheilt hatte, liess ich meine mit Holzschnitten illustrirtcn \u00bbBeitr\u00e4ge zur Laryngoskopie \u00ab aus Dankbarkeit gegen die pester Collegen zuerst in ungarischer Uebersetzung: am 20. Februar im pester \u00bbOrvosi Hetilap\u00ab, dann am 5. M\u00e4rz in der Wiener med. Wochenschrift Nr. 10 u. f. erscheinen.\nDass die Mittheilung jenes Falles vom 2. Januar und der anderen in den \u00bbBeitr\u00e4gen\u00ab enthaltenen F\u00e4lle ihre beabsichtigte Wirkung nicht verfehlte, ersieht man daraus , dass Herr T\u00fcrck in der Sitzung der Ges. d. Aerzte zu Wien vom II. M\u00e4rz s. Zeitsch. d. G. d. A. Nr. 11, 11 M\u00e4rz 1859) gleichfalls 7 F\u00e4lle mit-tlieilto, von denen vier, bei welchen das Datum der ersten Untersuchung ersichtlich ist, sp\u00e4teren Datums sind, als meine Mittheilung vom 8. Januar.\nIch \u00fcberlasse cs dem unpartheiischerx Leser zu beurtheilen, ob es purer Zufall sein sollte, dass Herr T\u00fcrck bei dem ungeheueren Material des wiener \u00bb11-gem. Krankenhauses gerade auch nur 7 F\u00e4lle mittheilte, von denen wenigstens Czennak, Schriften.\t31","page":481},{"file":"p0482.txt","language":"de","ocr_de":"482\nDer Kehlkopfspiegel.\nUnter Priorit\u00e4t im wahren und sch\u00f6nen Sinne des Wortes kann man hier aber nur den ersten A nstoss durch W o r t und T h a t verstehen . welcher dem LiSTox-G-AKCiA'sclien Kehlkopfspiegel und dem Princip. auf welchem seine Anwendung beruht, zur Geltung, zur allgemeinen Anerkennung und zur eingreifenden praktischen Yerwerthung in verschiedenen Richtungen (Laryngoskopie. Rhinoskopic. locale lle-handlung etc. verhelfen hat. Diese Priorit\u00e4t ausschliesslich f\u00fcr mich in Anspruch zu nehmen, habe ich ein unver\u00e4usserliches Recht und werde es stets zu wahren wissen. ohne den verdienstlichen Arbeiten Anderer auf diesen Gebieten, welche mittelbar oder unmittelbar meinen Impulsen gefolgt sind, irgendwie nahe zu treten (vgl. Inhalt und Datum s\u00e4mmtlicher Publicationen aus den Jahren 1858, 1859.)1\ndie Mehrzahl erst nach dem 8. Januar beobachtet ist, oder ob dies nicht vielmehr ein Beweis ist, dass Herr T\u00fcuck bis dahin l\u00e4ssig oder erfolglos arbeitete, und dass er mir abermals die Anregung zu intensiveren laryngoskopi-schen Studien verdankte, welche er schon einmal factisch ganz fallen gelassen hatte?!\n1 Literatur.\n1858.\n1.\tCzermak: Ueber den Kehlkopfspiegel. Wiener med. Wochenschrift Nr. 13 vom 27. M\u00e4rz.\n2.\tCzermak : Ueber Garcia s Kehlkopfspiegel. Wiener med. Wochenschrift Nr. 10 vom 17. April.\n3.\tSitzungsbericht der Section f\u00fcr Uhys. und Path, vom i). April. Zeitschrift der Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. 17 vom 26. April.\n4.\tCzermak: Physiolog. Unters, mit Garcias Kehlkopfspiegel. Mit 3 Tafeln. Sitzber. d. k. k. Akademie d.Wiss. in Wien vom 2<J. April, Bd. XXIX. 8.557.\n5.\tSemeleder: Ueber die Yerwerthung des Kehlkopfspiegels zur Diagnostik und Therapeutik der Krankheiten d. Zunge. Sitzung d. Ges. d. Aerzte zu Wien vom 28. Mai ; Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. 28.\n6.\tT\u00fckok: Der Kehlkopfspiegel und die Methode seines Gebrauchs. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. 26 vom 28. Juni.\n7.\tNeud\u00f6rfer: Zeitschrift f. prakt. Heilkunde Nr. 46 vom 12. Nov.\n8.\tStork : Zur Yerwerthung des Kehlkopfrachenspiegels. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. \u00f6l vom 2o. Dec. Mittheilung zweier patholog. F\u00e4lle..\n185\u2018J.\n!). Czermak : Ein Beitrag zur Laryngoskopie. Wiener med. Wochenschrift Nr. 2 vom 8. Januar, betreffend die laryngoskopische Diagnose eines kleinen Polypen auf dem rechten wahren Stimmband eines angeblich an \u00bbnerv\u00f6ser\u00ab Heiserkeit leidenden Mannes.\n10.\tCzermak: \u00bbAdal\u00e9k a g\u00f6gvizsgalatahoz\u00ab Beitr\u00e4ge zur Laryngoskopie , mit Holzschnitten, in ungarischer Uebersetzung im \u00bbOrvosi Hetilap\u00ab vom 2n.Febr. (Ungarische med. Wochenschrift. Pest,.\n11.\tT\u00fcrck: Ueber einen Kunstgriff bei der Untersuchung des Kehlkopfs. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien vom 21. Febr.","page":482},{"file":"p0483.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n4S3\nAls ich vor nunmehr 5 Jahren in Nr. 13 der Wiener med. Wochenschrift vom 27. M\u00e4rz 1S5S auf Grundlage meiner w\u00e4hrend des Winters\n12. Czekmak : Beitr\u00e4ge zur Laryngoskopie. Wien. med. Wochenschrift Kr. 10 vom 5. M\u00e4rz; das deutsche Original der fr\u00fcher in ungarischer Uebersetzung erschienenen Mittheilung von 7 patholog. laryngoskopischen F\u00e4llen.\nLi. T\u00fcrck : Zeitschrift d. Cfes. d. Aerzte zu Wien vom 14. M\u00e4rz, Mittheilung von gleichfalls 7 patholog. F\u00e4llen.\nLJ. Ti RCK: Der Kehlkoptraehenspiegel und seine Anwendung bei Krankheiten des Kehlkopfs und seiner Umgebung. Aligem. wiener med. Zeitung Nr. 16\u201426.\n15. Czermak : Beitr\u00e4ge zur Laryngoskopie. Wiener med. Wochenschrift Nr. 11> u. f. Ui. Gerhardt: Zur Anwendung des Kehlkopfspiegels. Arch. f. phys. Ileilk. Bil. 111. S. 120.\n17. Czermak: Leber die Inspection des Oav pharyngo-nasale u. d. Nasenh\u00f6hle vermittelst kleiner Spiegel. Wiener med. Wochenschrift Nr. 32, (i. August, ls. Sf.meleder: Leber Beleuchtung des Kehlkopfs. Aligem. wiener med. Zeitung Nr. 40. ). Oct. S. \u00fcu \u25a0.\n10. Stork: Zur Laryngoskopie. Zeitschrift d. Ges. d. Aerzte zu Wien Nr. 4tf, 14. Nov.\n20.\tTrrck : Leber einen Apparat zur kiinstl. Beleuchtung und \u00fcber Unters, der hinteren Kehlkopfwand. Aligem. Wien. mod. Zeitung Nr. 4S, 20. Nov.\nW\u00e4hrend des Druckes meiner im Januar tMiil ausgegebenen Broch\u00fcre erschienen noch die Mittheilungen:\n21.\tT\u00fcrok: Sitzber. d. math.-nat. Classe d. wiener Akad. XXXVIII. Bd. Leber eine Verbesserung des laryngosk. Verfahrens.\n22.\tT\u00fcrck: Zeitschrift d. G. d. Aerzte zu Wien Nr. 52, 20. Dec. Leber Gewinnung vergr\u00f6sserter Kehlkopfspiegelbilder etc.\n-A Stork : Zeitschrift d. G. d. Aerzte zu Wien Nr. 52, 20. Dec. Zur Laryngoskopie.\n1860.\n21. Czermak: Der Kehlkopfspiegel und seine Verwertlmng f\u00fcr Physiologie und Medicin. Leipzig, Engelmann.\n-\u2022>. Lewix: Die Laryngoskopie, Beitr\u00e4ge zu ihrer Verwertlmng f\u00fcr praktische Medicin. Berlin, ilirschwald.\n20. Czermak : Du laryngoscope etc. Edition fran\u00e7aise, publi\u00e9e avec le concours de fauteur. Baris. J. B. Bail 1\u00e8re.\nT\u00fcrck: Praktische Anleitung zur Laryngoskopie. Wien, Braumiiller.\n1861.\n-8. P. Richard : Notice sur l'invention du Laryngoscope servant d'introduction \u00e0 la seconde \u00e9dition des observations physiologiques sur la voix humaine par Manuel Garcia. Paris, P. Asselin.\nBattaille : Nouvelles Recherches sur la phonation. Paris, Victor Masson. ,l\u00fc- T\u00fcrck : Methode pratique de Laryngoscopie, \u00c9dition fran\u00e7aise publi\u00e9e avec le concours de fauteur. Paris, J. B. Baill\u00e8re.\n4 OLTOEixi : die lihinoscopic und Pharyngoscopie. Festschrift. Breslau.\n\u2022*2. Moura-Bourouillou : Cours complet de laryngoscopie. Paris. Delahaye.\n\u2019*\u2019*\u2022 Falvel: Du Laryngoscope au point de vue pratique. Paris. Delahaye.\n\u25a0*4. Czermak: On the Laryngoscope etc in the \u00bbSelected Monographs\u00ab of the New-Sydenliam Society. London.\n31 *","page":483},{"file":"p0484.txt","language":"de","ocr_de":"484\nDer Kehlkopfspiegel.\nvon 1857 auf 1S5S begonnenen Versuche den ersten Impuls zur \u00bballgemeinsten und ausgedehntesten\u00ab Ben\u00fctzung des Kehlkopfspiegels gegeben habe; existirte also, abgesehn von Garcia\u2019s epochemachenden Versuchen, die Laryngoskopie thats\u00e4chlich w e d e r der Sache noch dem Namen nach.\nIn jenem ersten Artikel aber verfehlte ich nicht auch darauf aufmerksam zu machen, dass man \u00abdie hintere Flache des weichen Gaumens, die Clioanen und den oberen Theil des Rachens\u00ab in \u00e4hnlicher Weise wie den Larynx werde besichtigen k\u00f6nnen, wenn man das Spiegelehen nach aufw\u00e4rts kehrt und das Velum nach vorn und oben zieht.\nHat man auch Anfangs meiner mit aller Entschiedenheit ausgesprochenen Ueberzeugung von der Tragweite und Ausf\u00fchrbarkeit der Speculirung des Kehlkopfs die Meinung \u2014 als das Endresultat fr\u00fcherer allzubald aufgegebener Versuche \u2014 entgegengestellt, dass man \u00bbweit entfernt sei, allzu sanguinische Hoffnungen von den Leistungen des Kehlkopfspiegels in der Praxis zu hegen ;\u00ab so ist man doch bekanntlich sehr bald, nachdem ich eine Reihe von physiologischen April 1858) und sp\u00e4ter auch von pathologischen und (chirurgischen Januar und Februar 1859 Erfahrungen publicirt hatte, den laryngoskopischen Studien mit wachsendem Eifer und Erfolg obgelegen und von jener Meinung immer mehr zur\u00fcckgekommen.\nDagegen hat mein Vorschlag das Cnvum pharyntjo-nasale zu spe-euliren, zuerst gar keine Beachtung gefunden, dann aber wurde derselbe geradezu f\u00fcr \u00bbabsolut unausf\u00fchrbar\u00ab ja nebenbei aus anatomischen Gr\u00fcnden ( ! ) f\u00fcr \u00bbv\u00f6llig widersinnig\u00ab 's. T\u00fcrck in der Allgem. Wiener med. Zeit. Nr. 26, 1S59, S. 196 erkl\u00e4rt.\nIn der Wiener med. Wochenschrift Nr. 32, 1859 und in meiner 1860 erschienenen Broch\u00fcre, ver\u00f6ffentlichte ich jedoch meine \u00e4lteren\n1862.\nHl v. BituxS: Die erste Ausrottung eines Polypen in der Kehlkopfsh\u00f6hle durch Zerschneiden. T\u00fcbingen. Lanpp.\n36.\tBenxett: An introduction to clinical Medicine. Lecture IV, Edinbourgh, Adam & Ch. Black.\n37.\tMerkel: Die Functionen des menschl. Kehlkopfs etc. Leipzig, 0. Wigand.\n38.\tSemeleder: Die Rhinoscopie etc. Leipzig, Engelmann.\n311. T\u00dcRCK : Englische Ausgabe seiner Arbeiten und \u00bbBecberches cliniques\u00ab etc. Paris, J. B. Baillcre.\n10. Yearsley: Introduction to the Art of Laryngoscopy. London, J. Churchill. Hinsichtlich der zahlreichen Journal-Aufs\u00e4tze und Dissertationen der letzten Jahre \u00fcber unseren Gegenstand verweise ich auf die verschiedenen\nJahresberichte.","page":484},{"file":"p0485.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel\n485\nvmd neueren Versuche \u00fcber die \u00abInspection des Cavum pharyngo-nasale und der Nasenh\u00f6hle vermittelst kleiner Spiegelchen\u00ab und nannte meine neue l'ntersuchungsmethode : \u00bbRli inoskopie\u00ab.\nNun begann man auch mit rhinoskopischen Studien sich zu besch\u00e4ftigen und meine Angaben wurden von verschiedenen Seiten durch Semeledek . Voltolim. Lewix. Gebhardt . St\u00f6rk u. A.) best\u00e4tigt und erweitert.\nIm Februar 1860 hatte ich Gelegenheit die erste pathologische rhiuoskopische Beobachtung zu machen Wiener med. Wochenschrift Nr. 17. I860, und seither ist es namentlich den erfolgreichen Bem\u00fchungen meines Freundes Sejieledek gelungen eine Reihe von einschl\u00e4gigen pathologischen Beobachtungen zusammen zu bringen, (s. Seme-ledek's Brochure \u00fcber Rhinoskopie. Leipzig. Engelmann 1862 .\nIn jenem ersten Artikel vom 27. M\u00e4rz 1S5S wies ich fernerdarauf hin. dass das Auge durch den Kehlkopfspiegel \u00bbzum sicheren F\u00fchrer der Hand\u00ab werden k\u00f6nne.\nAuch in dieser Beziehung bin ich nicht bei der blossen Idee stehen geblieben, sondern es ist mir bekanntlich schon im Februar 1859 gelungen die praktische Ausf\u00fchrbarkeit derselben beim Sondiren und Kauterisiren des kranken Kehlkopfs wirklich darzutlmn. Ich habe wiederholt und ausdr\u00fccklich betont, dass hiermit ein neues, weites Feld\n\u2014\t\u00bbdie locale Behandlung unter B ei h \u00fc 1 fe des 8p i ege 1 s\u00ab\n\u2014\tgewonnen wurde und dass sich die F\u00fchrung der Hand durch das \u00c4uge \u00fcberall da verwertlien lasse, wo es sich um Operationen oder die locale Anwendung von Medieamenten in den betreffenden Regionen handelt.\nDie ersten Anf\u00e4nge, welche ich auch in dieser Richtung gemacht habe, sind nicht vereinzelt geblieben, ja sie haben durch die neueren Fortschritte auf diesem Gebiet bis zu der auch schon von mir vorgeschlagenen operativen Entfernung von Kehlkopfpolypen \u00bbvon oben\u00ab d. h. ohne blutige Er\u00f6ffnung der Luftwege s. die erste Auflage 8. 97) wirklich gef\u00fchrt, und es ist mir daher, begreiflicher Weise eine grosse Geuugtlmung daraufhinweisen zu k\u00f6nnen, dass alle die, vor mir von N i em a nd e m gehegten, \u00bballzu sanguinischen\u00ab Erwartungen gerechtfertigt wurden, zu welchen ich mich bereits durch die Resultate meiner ersten Kehlkopfspiegel versuche angeregt und berechtigt f\u00fchlte, und welche ich in jenem ersten Artikel vom 27. M\u00e4rz 1858 \u00f6ffentlich und eindringlich aussprach \u2014 trotzdem oder eigentlich weil mir die Thatsache keineswegs unbekannt war. dass man alle \u00e4hnlichen fr\u00fcheren V e r s u che i m m e r w i e d e r e u t m u t h i g t. u u d o h n e","page":485},{"file":"p0486.txt","language":"de","ocr_de":"486\nDer Kehlkopfspiegel.\neine Ahnung von ihrer wahren Tragweite liegen gelassen hatte 's. Wiener mecl. Wucherisch. 1861, S. 83).\nSchliesslich darf ich es wohl erw\u00e4hnen \u2014 als eine Thatsache welche die verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig rasche Anerkennung und Einb\u00fcrgerung des Kehlkopfspiegels bei jenem gr\u00f6sseren Th eile der \u00e4rztlichen Welt, erkl\u00e4rt, welcher sich nicht gedankenlos, tr\u00e4ge oder vornehm dem Fortschritt verschliesst), \u2014 dass ich mich nicht darauf beschr\u00e4nkt habe blos literarisch f\u00fcr die Verbreitung und Aufnahme der verschiedenen Anwendungen des Kehlkopfspiegels f\u00fcr Physiologie und Medicin zu wirken, sondern, dass ich auch durch pers\u00f6nliche Demonstrationen an Gesunden und Kranken unter einheimischen und fremden Coll\u00e9gien selbstst\u00e4ndige Mitarbeiter auf den neuen Gebieten zu gewinnen und etwaige Bedenken und Zweifel zu beseitigen, bestrebt war.\nIm Herbst 1859 besuchte ich in dieser Absicht Leipzig, Berlin und Breslau und hatte die Freude die Herren Ruhte, Merkel, Traube, Reichert, Remak, Lewin, Middeldorpf, R\u00fchle, Heidexhain, Volto-lini ii. A. mit meinen Bestrebungen pers\u00f6nlich bekannt zu machen.\nIm Fr\u00fchjahr und Herbst 1860 begab ich mich nach Paris, um den Gebrauch des Kehlkopfspiegels in Frankreich einzuf\u00fchren. Dass es mir gelang, durch meine zahlreichen Demonstrationen die Aufmerksamkeit der \u00e4rztlichen und selbst weiterer Kreise in nicht gew\u00f6hnlichem Grade zu fesseln, daf\u00fcr sprechen die Berichte der verschiedensten Journale jener Zeit und die sp\u00e4teren Publikationen der Herren Mandl, Moura-Boukouillou, Bataille, Cusco und Cii. Fauvel, von welchen ich die beiden Ersten direct zur selbstst\u00e4ndigen Verfolgung des Gegenstandes aufgefordert und angeleitet babe.\nDamals \u00fcbergab ich auch der Acad\u00e9mie des sciences die erste Auflage meiner vorliegenden Brochiire f\u00fcr den Concours de M\u00e9decine et Chirurgie, Prix Monty on.\nHerr T\u00fcrck, dem meine Erfolge in Paris nicht unbekannt geblieben waren, hatte nun nichts eiligeres zu thun als seine alten Priorit\u00e4ts-reclamationen zu erneuern und bei der franz\u00f6sischen Academie einzubringen. Er erreichte damit nat\u00fcrlich, dass die Commission zu dem in \u00e4hnlichen F\u00e4llen gew\u00f6hnlichen Auskunftsmittel griff, der eigentlichen Streitfrage auszuweichen und die Recompense zwischen den Compe-tenten zu theilen.\nDer Commissionsberieht lautet :\nINSTITUT IMP\u00c9RIAL DE FRANCE.\nAcademie des sciences. S\u00e9ance publique du lundi 23. mars I8(il. Rapport sur les prix de m\u00e9decine et de. chirurgie, ann\u00e9e IS6I.","page":486},{"file":"p0487.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n487\n47. M. T\u00fcrck et, Czermak. Depuis le commence ment \u00eele ce si\u00e8cle, les efforts des m\u00e9decins se sont sp\u00e9cialement dirig\u00e9s vers le perfectionnement du diagnostic des maladies.\nPour reconna\u00eetre les alt\u00e9rations du pharynx, du larynx et de la partie post\u00e9rieure des fosses nasales , le proc\u00e9d\u00e9 le plus ordinaire \u00e9tait de faire ouvrir la bouche au malade et d\u2019abaisser, en m\u00eame temps, la base de la langue avec une sorte de spatule appel\u00e9e ab a is s eu r de la langue. De cette mani\u00e8re , on peut examiner le voile du palais et ses piliers, apercevoir le fond du pharynx et parfois m\u00eame \u00ef\u00e9piglotte; mais ce mode d\u2019exploration est insuffisant pour le larynx.\nDans ces derni\u00e8res ann\u00e9es on a cherch\u00e9 \u00e0 imaginer des instruments qui permissent \u00e0 l\u2019oeil du m\u00e9decin de voir plus profond\u00e9ment. A l\u2019aide d'un sp\u00e9culum laryngien invent\u00e9 par Selligue, Bennati annon\u00e7a qu'il axait explor\u00e9 la glotte. Cet instrument trop imparfait fut bient\u00f4t abandonn\u00e9 et ne se r\u00e9pandit pas dans la pratique.\nEn 1840, Liston indiqua, dans sa chirurgie, qu\u2019il avait pu examiner la base du larynx, \u00e0 l\u2019aide d\u2019un petit miroir analogue \u00e0 celui dont se servent les dentistes, et qu'il introduisait profond\u00e9ment dans la gorge, apr\u00e8s l\u2019avoir fait chauffer.\nEn 1833. publiant des observations tr\u00e8s int\u00e9ressantes qu'il avait faites sur lui-m\u00e9me, dans le but d'\u00e9tudier le m\u00e9canisme de la voix, M. G a rcia s'exprime ainsi : \u00bbMa m\u00e9thode consiste \u00e0 placer un petit miroir fix\u00e9 \u00e0 un long manche convenablement recourb\u00e9, au sommet du pharynx. On doit se tourner vers le soleil, de fa\u00e7on \u00e0 ce que les rayons lumineux tombant sur le petit miroir puissent \u00eatre refl\u00e9t\u00e9s sur le larynx. Si l'observateur exp\u00e9rimente sur lui-m\u00e9me, il doit, au moyen d'un second miroir qu\u2019il tient \u00e0 sa main, recevoir les rayons du soleil et. les diriger sur le miroir qui est plac\u00e9 contre la luette. \u00ab\nLes choses en \u00e9taient la, lorsque dans l'\u00e9te de IS37 47. de docteur T\u00fcrck m\u00e9decin en chef de l\u2019H\u00f4pital g\u00e9n\u00e9ral de Vienne, se livra \u00f9 des recherches de laryngoscopie, dans le but de trouver une nouvelle m\u00e9thode <le diagnostic pour les maladies du larynx. La m\u00e9thode de M. T\u00fcrck, comme celle de 47. Gard a , est fond\u00e9e sur l\u2019emploi d'un miroir laryngien. 4/. T\u00fcrck apporta \u00e0 ce miroir des modifications et lui fit subir des changements de forme, dans le but de rendre T instrument plus facile \u00f9 supporter par les malades, sur lesquels ce mode d'exploration produit souvent des efforts de vomissement ou des sensations d\u00e9sagr\u00e9ables qui peuvent rendre tr\u00e8s difficile son usage. Comme M. Garcia, 47. T\u00fc rck se servait, dans ses premi\u00e8res recherches, de la lumi\u00e8re du soleil pour \u00e9clairer le miroir.\nTr\u00e8s peu du temps apr\u00e8s, dans l'hiver 1837\u2014I83S 47. Czermak se servit, des miroirs laryngiens que lui avait pr\u00eates 47. T\u00fcrck pour","page":487},{"file":"p0488.txt","language":"de","ocr_de":"48$\nDer Kehlkopfspiegel.\ncompl\u00e9ter les \u00e9tudes physiologiques de M. Garcia, et pour observer le larynx dans la formation de certains sons, ceux des voyelles dites gutturales. Dans ses exp\u00e9riences . M. Cz e r ma k trouva le moyen de beaucoup perfectionner le laryngoscope. en apportant des modifications tr\u00e8s importantes dans la forme des miroirs . dans la manipulation , et surtout en se servant de l\u2019eclairage artificiel, comme on le fait pour /'ophthalmoscope, ce qui rend l'emploi de sa m\u00e9thode beaucoup plus usuel. Au mois de mars IS\u00fcS M. Czermal; fit conna\u00eetre de nouvelles recherches, en insistant sur Vavantage que la m\u00e9decine pratique pourrait tirer de la lunyngoscopie.\nM. Czermuk a remis \u00e0 l\u2019Acad\u00e9mie son M\u00e9moire sur le laryngoscope en mars I860, et il a d\u00e9montr\u00e9 ses exp\u00e9riences devant la Commission, M. Tiirck a envoy\u00e9 comme r\u00e9clamation de priorit\u00e9 plusieurs publications, et plus tard un dernier M\u00e9moire sur l'emploi du laryngoscope dans les maladies du larynx et du pharynx.\nLa Commission n\u2019a pas voulu entrer dans les discussions de priorit\u00e9 soulev\u00e9es par MM. Tiirck et Czermuk. L\u2019esquisse historique que nous venons de tracer \u00eele la luryngoscopie montre que cette m\u00e9thode a subi des perfectionnements successifs. La m\u00e9thode de M. C z e r m a I; est certainement de beaucoup pr\u00e9f\u00e9rable \u00e0 celle de ses pr\u00e9d\u00e9cesseurs, mais il serait injuste de ne pas tenir compte \u00eele leurs tentatives et des r\u00e9sultats qu'ils avaient obtenus.\nLa Commission a pens\u00e9 que les recherches de M. T \u00fc r c k et celles de M. Czermuk \u00e9taient celles qui avaient le plus contribu\u00e9 \u00e0 faire de la luryngoscopie une m\u00e9thode usuelle et susceptible de rendre des services dans le diagnostic des maladies du pharynx et du larynx: elle propose d\u2019accorder \u00e0 chacun de ces ing\u00e9nieux observateurs une mention honorable, [affect\u00e9e d'une somme de f\u00eaOO fes). \u2014\nIm Juni I860 erschien unter meiner Mitwirkung- eine franz\u00f6sische Uehersetzung meiner Brochure \u00fcber den Kehlkopfspiegel bei J-B. Bail-l\u00e8ke in Paris.\nDer Vollst\u00e4ndigkeit wegen muss ich hier anf\u00fchren, dass Herr T\u00fci\u00eeck, 1 b61, nach dem Muster der mehligen ebenfalls bei J-B. Bailler e, in demselben Format, in derselben Ausstattung, mit derselben Bemerkung auf dem Titelblatte: \u00bb publi\u00e9e avec le concours de l'auteur\u00ab eine Edition fran\u00e7aise seiner \u00bbpraktischen Anleitung- zur Laryngoskopie\u00ab Braum\u00fcller, Wien. die selbst 8\u201410 Monate nach meiner Brochure, Engelmann. Leipzig, das Licht der Welt erblickt hatte \u2014 erscheinen lies\u00a7.\nEin Jahr nach meinem ersten Besuch in Paris kam endlich Herr T\u00fcrck auch pers\u00f6nlich nach Paris, um daselbst in der von mir begon-","page":488},{"file":"p0489.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n4S9\niieneu und von Dr. Semeeedek im Herbst I860 fortgesetzten AVeise. gleichfalls laryngoSkopische Demonstrationen zu geben.\nln England habe ich mich auch bem\u00fcht den Gebrauch des Kehlkopfspiegels bekannt zu machen und einzuf\u00fchren.\nNach einem fl\u00fcchtigen Besuch in London im Herbst 1860, welcher zur Folge hatte. dass die New Sydenham Society meine Broch\u00fcre in s Englische \u00fcbersetzen liess vgl. Selected Memoirs. 1861), hielt ich mich vom Fr\u00fchjahr bis in den Sommer 1862 in England auf. um diesen Zweck durch praktische Curse und durch zahlreiche Demonstrationen an mir selbst, an Gesunden und an Kranken in Spit\u00e4lern, in \u00f6ffentlichen. gelehrten Gesellschaften und in Privatcirkeln zu erreichen.\nWie fr\u00fcher in Baris, so gelang es mir auch in London Hunderte von Aerzten von der Anwendbarkeit und Bedeutung des Kehlkopfspiegels in praxi zu \u00fcberzeugen. und mehrere derselben genauer mit meinen Manipulationen vertraut zu machen. Die Bublicationen der Herren Mouell Mackenzie, der mich schon 1859 in Best besucht hatte . Ginn, der Febersetzer meiner Broch\u00fcre ins Englische, Sieve-king, Johnson. Durham u. A. beweisen, dass ich nicht erfolglos gewirkt habe.\nIch f\u00fchle mich verpflichtet bei dieser Gelegenheit des freundlichen Entgegenkommens und der gef\u00e4lligen Unterst\u00fctzung meiner Bestrebungen von Seite der englischen Collegen \u2014 wie fr\u00fcher der franz\u00f6sischen \u2014 mit dankbarer Anerkennung zu erw\u00e4hnen.\nOb mir Herr T\u00fckck \u2014 wie Wiener Bl\u00e4tter meldeten \u2014 wie in allen Dingen. auch nach England wirklich nachgefolgt ist, davon hat von dorther nichts verlautet : dagegen ist es sicher, dass man Herrn T\u00fckck's Instrumente etc. auf der Londoner Welt-Ausstellung neben den meinigen aufgestellt hatte und dass Herr T\u00fckck 1862 auch eine englische Publication seiner laryngoskopischen Arbeiten veranstalten liess. die mir jedoch nicht zu Gesicht gekommen ist.\nAus diesen einleitenden historischen Bemerkungen, welche ich aus meinen fr\u00fcheren Artikeln in der fViener med. Wochenschrift 1858 bis 1862 und in Yirchow's Arch. Bd. 22 nur zusammcngestcllt und meist w\u00f6rtlich eitirt habe, ersieht man wie die neuen Gebiete der Laryngoskopie, der Rhinoskopie und der localen Behandlung unter Beihilfe des Spiegels geschaffen und begr\u00fcndet worden sind. \u2014 Ich war gezwungen obige Zusammenstellung zu geben um dem uneingeweihten Leser jene bekannten Thatsachen unverf\u00e4lscht vorzuf\u00fchren . welche sein Urtheil in dieser l\u00e4ngst erledigten Priorit\u00e4tsfrag\u00ab bestimmen m\u00fcssen. Die sp\u00e4teren verdienstlichen Leistungen des","page":489},{"file":"p0490.txt","language":"de","ocr_de":"490\nDer Kehlkopfspiegel.\nHerrn T\u00fcrck und anderer Forscher auf den durch mich ins Leben gerufenen Gebieten, erkennt nat\u00fcrlich jeder Sachverst\u00e4ndige in geb\u00fchrender Weise an: der fr\u00fchere Besitz von langgestielten Glasspiegeln und die fr\u00fcheren resultatlos 1 aufgegebenen Vorversuche mit denselben , behufs der Inspection des Larynx aber geben Herrn T\u00fcrck nicht das mindeste Anrecht auf die Priorit\u00e4t, um welche es sich allein noch handeln konnte, denn durch mangelnde Ausdauer und \u00bbschw\u00e4chliche Verzagtheit, welche jede berechtigte und besonnene Erwartung als allzusanguinische Hoffnung aufgiebt, \u2014 durch kurzsichtige Bequemlichkeit, welche Alles, was Uber das Hergebrachte hinausgeht, als widersinnig und absolut unausf\u00fchrbar ansieht, \u2014 werden keine neuen Bahnen gebrochen ! \u00ab\nII.\nErkl\u00e4rung der Li ston-G a rc i a\u2019sclien Beobaclitimgsmetliode.\nDas Princip, auf welchem die Listox-Garcia'scIic Methode 2) beruht, den Kehlkopf und seine Umgebung bei lebenden Menschen dem Auge zug\u00e4nglich zu machen, ist h\u00f6chst einfach.\nEin kleiner, langgestielter Planspiegel, den man vorher etwas erw\u00e4rmt hat, um ihn vor dem Anlaufen durch pr\u00e4eipitirten Wasserdampf zu bewahren, wird n\u00e4mlich mit nach unten sehender Spiegelfl\u00e4che durch den weitge\u00f6ffneten Mund in den Pharynx eingebracht und daselbst an einer solchen Stelle und unter einem solchen Winkel fixirt, dass er einerseits das einfallende Licht auf die zu untersuchenden Tlieilc wirft und dieselben beleuchtet, andererseits Bilder der beleueh-\n1\t8. den S. 4S0 w\u00f6rtlich citirten Sitzungsbericht, durch welchen sich \u00fcbrigens Herr T\u00fcrck nur eine Handhabe zu sp\u00e4teren Priorit\u00e4tsreclamationen zu sichern vermeinte, falls ich denn doch etwa Recht behalten und mit meinen Ideen und Bestrebungen, deren Bekanntwerden ihm erst den Impuls zur ernstlichen Besehiit-tigung mit dem Spiegel gab, durchdringen sollte!\n2\tGarcia 1. c. : The method which 1 hare adopted is very simple, it consists in placing a little mirror, fixed on a long handle suitably bent, in the throat of the person experimented on, against the soft palate and uvula, the party ought to turn himself towards the sun, so that the luminous rays falling on the little mirror, may be reflected on the larynx. If the observer experiments on himself he ought by means of a second mirror, to receive the rays of the sun and direct them on the mirror, which is placed against the uvula.","page":490},{"file":"p0491.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\n491\nteten Theile in das Auge des Beobachters reflcctirt. Diese Bilder sind nat\u00fcrlich verkehrt1 *): das rechte Stimmband des Beobachteten erscheint im Bilde als das linke etc.\nWill man sich selbst beobachten, so hat man nach Garcia einen /weiten Planspiegel vorzuhalten, in welchem der eingefiihrte Kehlkopfspiegel sannnt dem Bilde der durch ihn wiedergespiegelten Theile gesehen werden kann :\t.\nDieses zweimal reflectirte Bild congruirt mit seinem Gegenst\u00e4nde vollkommen. Das rechte Stimmband z. B. erscheint dann auch im Bilde als das rechte ctc.\nStatt eines Kehlkopfspiegels wird man, wie ich 1. c. Nr. I und 1. c. Nr. 17 vorschlug. zwei unter bestimmten Winkeln an- oder gegeneinandergestellte Spiegel benutzen, wenn man die Bahn f\u00fcr Beleuchtung und Bild zu besonderen Zwecken mehrfach zu knicken beabsichtigt. ' Princip der D opp eispiegel .\nEs versteht sich von selbst, dass nur jene Theile im Spiegelbilde sichtbar werden k\u00f6nnen, welche frei und unverdeekt in der gegebenen Seh- und Belcuchtungsrichtung liegen.\nDesshalb kommt im Allgemeinen Alles darauf an :\n1 den Mund- und Schlundtheilen des zu Beobachtenden die dem Zwecke entsprechende Anordnung und Lagerung zu geben, was bekanntlich je nach Umst\u00e4nden durch verschiedene Stellung des Halses und Kopfes, durch gewisse freiwillige Bewegungen von Seite des zu Beobachtenden wie pl\u00f6tzliches tiefes Inspiriren, Intoniren von Vo-calen. besonders des ae. Singen. Lachen etc.), oder durch mechanische Mittel wie die Anwendung der Zungenspatel, die Fixirung der Zunge mit der von einem Tuche bedeckten Hand, die Verschiebung und Fixi-rnng der Theile durch einen Gehilfen3) u. dgl. mehr oder weniger vollkommen erreicht wird:\n1 Im Sinne Listixo's vgl. dessen Vorstudien zur Topologie. G\u00f6ttingen ISIS S. Iund S. 22: \u00bbder Planspiegel kehrt bei der Zusammensetzung' seiner Bilder aus den Bestandtheilen des zu eopirenden Gegenstandes jederzeit diejenige Dimension um, welche zur Spiegelfl\u00e4che normal gerichtet ist. Es entsteht dadurch ein Bildk\u00f6rper, der mit dem Originalk\u00f6rper wegen der lieterologen Axenstellung trotz der geometrischen Uebereinstimmung nicht positioneil orientirt oder zur Oongruenz gebracht werden kann\u00ab.\n.....\u00bbes d\u00fcrfte zweckm\u00e4ssig sein . . . den Fall einer einzigen Dimensions-\numkehrung eine Perversion oder Verkehrung zu nennen\u00ab.\n- Alle auf diese Weise angef\u00fchrten Nummern beziehen sich auf die im Lite-raturverzeichniss S. 412\u2014Is i citirtea Arbeiten.\n3 Fs sollte auch versucht werden, ob es nicht thunlieh w\u00e4re, die von Duciiexne mit so grosser Virtuosit\u00e4t an anderen Tlieilen ge\u00fcbte locale elektrische Beizung","page":491},{"file":"p0492.txt","language":"de","ocr_de":"492\nDer Kehlkopfspiegel.\n2)\tden Spiegel vermittelst seines langen Stiels in der passenden Neigung an dem geeigneten Orte im Schlunde zu fixiren, wobei nat\u00fcrlich die Hegel gilt. dass die Spiegelfl\u00e4che dem zu besehenden Theile und dem Auge des Beobachters unter gleichem Winkel zugekehrt sein muss ;\n3)\tseine Sehaxe m\u00f6glichst in jene Richtung zu bringen, in welcher die hinreichend intensive Beleuchtung einf\u00e4llt.\nAuf diesem Wege gelingt es in der That, bei lebenden Menschen in die Tiefe des Pharynx zu sehen, die einzelnen Theile des Kehlkopfes und seine Umgebung deutlich wahrzunehmen und durch die weitge\u00f6ffnete Stimmritze sogar die Th eil ungis teile der Trachea und die Anf\u00e4nge der Bronchien zur Anschauung zu bringen.1.\nEs braucht wohl kaum hervorgehoben zu werden, dass das angegebene Terrain in concreten F\u00e4llen weder mit gleicher Leichtigkeit, noch in gleicher Ausdehnung zu \u00fcbersehen ist, ja, dass gewisse Par-tliien der aufgez\u00e4hlten Beginnen \u00fcberhaupt schwerer und sp\u00e4ter als andere2) zur Anschauung gebracht wurden. Oie Theile jedoch, welche\neinzelner Muskeln auf die Zungen-Schluud-Kehlkopfmuskulatur auzuw'enden, uni unabh\u00e4ngig von dein Willen des Kranken die passende Stellung der Theile zu erzwingen. Wer jemals das lehrreiche Vergn\u00fcgen hatte, Duchexxe, namentlich an der Muskulatur des Gesichts expei'imentiren zu sehen , wird diesen Vorschlag f\u00fcr manche F\u00e4lle vielleicht ber\u00fccksichtigungswerth finden. \u2014 In der tiefen Narcose 1. c. Nr. 2) w\u00fcrde die Anwendung mechanischer Hilfsmittel eine breitere sein k\u00f6nnen.\n1 Diese letztere \u00fcberraschende Thatsache, welche Vielen lange Zeit fast unglaublich erschienen war und nicht wenig dazu beigetragen hat, die allgemeine Aufmerksamkeit auf den bis dahin missachteten Kehlkopfspiegel zu ziehen, habe ich zuerst am 1). April JUS auf Grundlage meiner autolaryngoskopischen Demonstrationen, in der Sitzung der Ges. d. Aerzte zu Wien ver\u00f6ffentlicht. Am 25. Januar lS\u00f6i) habe ich die Bifurcation der Trachea an einem Patienten (s. unten Fall (i; gesehen. Ein Jahr sp\u00e4ter hat endlich auch Herr T\u00fckck meine Angabe best\u00e4tigt und dahin erweitert, dass die hintere Innenwand der Trachea und die ti Knorpelringe des rechten Bronchus im Spiegel sichtbar werden k\u00f6nnen.\n- Garcia hatte mir die hinteren ~/g der Stimmb\u00e4nder gesehen ; ich war zwar einen ziemlichen Schritt weiter gekommen, glaubte jedoch anfangs, dass zur Besichtigung des vorderen Insertionswinkels der Stimmb\u00e4nder zwei gegeneinander geneigte Spiegel oder ein Convexspiegel von kleinem Eadius erforderlich sein d\u00fcrften. T\u00fcrck gab 1. c. Nr. ti) richtig an, dass man die ganze hintere Fl\u00e4che der Epiglottis und den vorderen Insertionswinkel der Stimmb\u00e4nder schon mit dem einfachen Kehlkopfspiegel sehen k\u00f6nne, dagegen hat er 1. c. Nr. 20.) das von mir vorgeschlagene Princip der Doppelspiegel ben\u00fctzend, eine Anordnung zweier Spiegel beschrieben, bei welcher man die hintere Innenw and des Larynx leichter und in gr\u00f6sserer Ausdehnung \u00fcbersehen kann als mit dem einfachen Spiegel.","page":492},{"file":"p0493.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n493\nman in den meisten F\u00e4llen bei geh\u00f6riger Geschicklichkeit und Ausdauer zu sehen bekommt, und die ohne Anwendung des Laryngoskops schwerer, selten. oder gar nicht gesehen werden k\u00f6nnten, sind : der Zungengrund, die Lig. glossoepiglottiea und die zwischen denselben liegenden Gruben, die Wandungen des Pharynx, die Sinus pyriformes, die Epiglottis, die Jdg. aryepiglottica. die Arytaenoidknorpel. die wahren und die falschen Stimmb\u00e4nder, die Ventriculi Morgagni, die vorderen Wandungen des Kehlkopfes, und endlich ein mehr oder weniger betr\u00e4chtlicher Theil hier vorderen Innenwand der Trachea, deren Knorpelringe durch den d\u00fcnnen Schleimhautliberzug hindurchschimmern.\nDies reicht nun gewiss vollst\u00e4ndig hin, die Liston-Garcia\u2019scIic Untersuchungsmethode in physiologischer und in diagnostischer Beziehung als eine sehr werthvolle Bereicherung der cxacten Beobachtungsmittel erscheinen zu lassen.\nDer Werth dieses Verfahrens wird aber dadurch noch erh\u00f6ht, einerseits, dass durch dasselbe da s Angezum F\u00fchr er der op e-rir enden Hand gemacht werden kann in jenen dem Blicke f\u00fcr gew\u00f6hnlich entzogenen Regionen 's. unten VI. Abschnitt , andererseits aber, dass das Princip desselben eine viel ausgedehntere Anwendung' zu genauerer Untersuchung mancher sonst unzug\u00e4nglicher Tlieile gestattet (s. unten : Speculirung durch die laryngotomische Wund\u00f6ffnung und Rhinoskopie : hierher geh\u00f6ren auch die durch Lewin gemachten Anf\u00e4nge der Speculirung des Oesophagus.\nTrotz der Einfachheit des Princip s stehen der erfolgreichen Anwendung der laryngoskopischen Untersuchungsmethode Schwierigkeiten und Hindernisse entgegen, welche wohl allein Schuld tragen, dass dieselben nicht schon l\u00e4ngst jene W\u00fcrdigung von Seite der Aerzte und Physiologen erfahren hat, welche sie verdient, und dass selbst jetzt noch, wo doch schon so viele Beweise ihrer Brauchbarkeit vorliegen, sich so Mancher nach den ersten Versuchen von der Aneignung und Aus\u00fcbung derselben wird abschrecken lassen.\nDiese Schwierigkeiten und Hindernisse liegen theils in der zuweilen bedeutenden Erregbarkeit der Schlundthcile durch die Ber\u00fchrung mit einem fremden K\u00f6rper, in der Unf\u00e4higkeit vieler Menschen, den Mund weit offen zu halten und die Stellung der Zunge zu beherrschen, endlich auch manchmal in den an und f\u00fcr sich ung\u00fcnstigen r\u00e4umlichen Gestaltungs- .und Lagerungsverh\u00e4ltnissen der betreffenden Organe ; \u2014 theils aber und zwar ganz besonders in der Unge\u00fcbtheit und Ungeschicklichkeit des Beobachters.\nDie leichte, sichere und desshalb weniger reizende Einf\u00fchrung des Spiegels, das rasche Auffinden der richtigen Spiegelstellung an den","page":493},{"file":"p0494.txt","language":"de","ocr_de":"491\nDer Kehlkopfspiegel.\ngeeigneten und am wenigsten empfindlichen Funkten. das sich Orfen-tiren vermittelst gespiegelter Bilder \u00fcberhaupt \u2014 in obendrein ungen\u00fcgend gekannten Regionen beweglicher K\u00f6rpertheile . die Angabe der von Seite des Beobachteten erforderlichen Stellungen und Bewegungen zur Erzielung der geeignetsten Disposition der Mund-und Schlundtheile, endlich die Regulirung der Beleuchtung und Schlichtung \u2014 erfordern in der That einen Grad von Dexterit\u00e4t und Uebung. der nur durch grosse Ausdauer, verbunden mit gewissen Vorkenntnissen und einiger urspr\u00fcnglicher Geschicklichkeit. f\u00fcr derartige Manipulationen erreicht werden kann.\nDieser Umstand wird f\u00fcr den Anf\u00e4nger immer ein Stein des Anstosses bleiben, und wird der Mehrzahl der Aerzte, welche aus der laryngoskopischen Untersuchungsmethode keine S p e ci a 1 i t \u00e4 t machen wollen oder k\u00f6nnen, die Anwendung des Kehlkopfspiegels leicht ganz verleiden.\nMit mancher anderen Untersuchungsmethode ist es jedoch ebenso, ohne dass sie desshalb an sich an Bedeutung verl\u00f6re : ich erinnere hier an den Augenspiegel, den auch immer nur einzelne Aerzte mit sicherem Erfolge zu handhaben wissen werden.\nVichts destoweniger bin ich aber doch der Meinung, dass der Kehlkopfspiegel gegenw\u00e4rtig in der Reihe der t\u00e4glich gebrauchten Instrumente eben sowenig irgendwo fehlen darf, als der Augenspiegel und l\u00e4ngst schon der Mutterspiegel, der Ohrenspiegel, das Stethoskop etc.: indem \u2014 wie ich bereits in meinem ersten Artikel \u00fcber den Kehlkopfspiegel hervorhob (1. c. Kr. 1, 8. 197 \u2014die Schwierigkeiten seiner Anwendung \u00bbzu beseitigen sind und. wenn erst die Ueberzeu-gung von der M\u00f6glichkeit und Wichtigkeit der Anwendung des Kehlkopfspiegels durchgegriffen hat und die Anwendung vielfach versucht worden sein wird. k a u m m ehr in Bet ra e h t ko m m e u w erden\u00ab.","page":494},{"file":"p0495.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n495\nIII.\nDie laryngoskopiselien Instrumente und ihre Anwendung.\n1. Der Kehlkopfspiegel.\nDer LrsToN-Gai;<\u25a0 i.vsehe Kehlkopfspiegel ist eiu Planspiegel, welcher an einem steifen, mehrere Zoll langen Stiel befestigt ist.\nIch habe dem Spiegel eine rundlich quadratische Form Fig. 1 gegeben und den Stiel an einer der vier abgerundeten Ecken \u00e4nl\u00f6then lassen :1. c. Kr. 2 ; T\u00fcec-k hat sp\u00e4ter kreisrunde und eif\u00f6rmige Spiegel in Anwendung gezogen 1. c. Nr. 6).\nWichtiger als die F o r m ist die Gr\u00f6sse der Spiegel, da die Reizbarkeit und die r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnisse der Mund- und Schlundh\u00f6hle bei verschiedenen Individuen verschieden sind.\nIm Allgemeinen gilt selbstverst\u00e4ndlich der\tFi ,\nSatz, dass unter \u00fcbrigens gleichen \u00dcm-\nst\u00e4nde n der gr\u00f6ssere Spiegel dem kleineren vorzuziehen sei, da mit der Gr\u00f6sse der reflectirenden Oberfl\u00e4che sowohl die Intensit\u00e4t der Beleuchtung. als die Ausdehnung des Gesichtsfeldes w\u00e4chst.\nIch habe Spiegel von 6\u201414 W. L. Durchmesser (1. c. Nr. 2 angegeben. Zu Beobachtungen und Demonstrationen an mir selbst benutze ich seit Anfang April 1858 einen Glasspiegel von der Fig. 1,1. abgebildcten colossalen Gr\u00f6sse.\nDie mittelgrossen Spiegelformen von 7\u20149 W. L. Durchmesser sind f\u00fcr den vielseitigen praktischen Gebrauch nat\u00fcrlich am geeignetsten, doch finden sich F\u00e4lle genug, wo man mit Vortheil gr\u00f6ssere Formen, andere wieder wo man kleinere Formen anwenden wird.\nDie Dicke der Spiegel betr\u00e4gt jiiclit ganz 1 W. L.\nDie M a s s e des Spiegels ist in sofern von Bedeutung, als es zum Theil von ihr abh\u00e4ngt, wie lange die reflectircnde Fl\u00e4che jenen Temperaturgrad beh\u00e4lt. welcher dieselbe vor dem Beschlagen mit pr\u00e4cipi-tirtem Wasserdampf sch\u00fctzt.\nNamentlich im Anf\u00e4nge der laryngoskopiselien Studien, wo man weniger rasch die passende Spiegelstellung findet, ist es st\u00f6rend, wenn der Spiegel schneller erkaltet und tr\u00fcb wird.","page":495},{"file":"p0496.txt","language":"de","ocr_de":"496\nDer Kehlkopfspiegel.\nUm dies m\u00f6glichst lauge zu verh\u00fcten muss man darauf achten, dem Spiegel \u00fcberhaupt deu h\u00f6chsten Temperaturgrad zu gehen, welchen der zu Beobachtende ohne Bese li w e r d e vertr\u00e4gt.\nHat der Spiegel viel Masse, so gen\u00fcgt scho\u00bb ein niederer Temperaturgrad, um das Beschlagen hinreichend lange Zeit zu verhindern.\nSo wie der Spiegel anf\u00e4ngt nicht mehr gen\u00fcgend warm zu sein, so erscheint zuerst hei der Exspiration ein Niederschlag von AYasser-dampfen, welcher sich anfangs jedoch noch bei jeder Inspiration mehr oder weniger vollst\u00e4ndig l\u00f6st.\nDas Erw\u00e4rmen des Spiegels geschieht entweder durch Eintauchen desselben in heisses Wasser oder indem man die refleetirende Fl\u00e4che, nicht den Spiegelr\u00fccken, \u00fcber eine nicht russende Flamme h\u00e4lt, was bei Weitem einfacher und besser ist.\nDas Material, aus welchem der Spiegel selbst gemacht wird, ist Glas oder Metall, bes. Stahl. Metallspiegel, besonders von Stahl, haben anerkannte physikalische Vorz\u00fcge vor den Glasspiegeln voraus, dagegen werden sie allerdings bei wenig sorgf\u00e4ltiger Behandlung leichter ruinirt und sind kostbarer. Die Glasspiegel m\u00fcssen in eine m\u00f6glichst Sehmale metallne Fassung, welche jedoch mit Vortheil aus einem schlechten W\u00e4rmeleiter hergestellt w\u00fcrde, eingelassen sein. Metallspiegel ben\u00f6thigen dieselbe nicht, doch w\u00fcrde es gewiss gut sein den B\u00fccken derselben mit einer H\u00fclle von schlechtem W\u00e4rmeleiter zu belegen, wodurch nicht nur der W\u00e4rmeverlust verz\u00f6gert w\u00fcrde, sondern dem Spiegel von vornherein ein weit h\u00f6herer Temperaturgrad gegeben werden k\u00f6nnte, ohne den zu Beobachtenden irgend zu bel\u00e4stigen.\nDer Stiel, welcher an den Spiegel selbst oder an dessen Fassung angel\u00f6thet ist, muss einen ziemlich bedeutenden Grad von Steifheit besitzen und bis zum Heft oder Griff etwa 3 Zoll lang sein. Wegen der leichteren Verpackung einer gr\u00f6sseren Anzahl von Spiegeln in ein m\u00f6glichst kleines, compendi\u00f6ses Etui habe ich an einigen den Stiel knapp am Spiegel zum Abschrauben einrichten lassen.\nDer stumpfe Winkel, unter welchem der Spiegel gegen den Stiel geneigt ist, liegt in einer Ebene, welche man sich senkrecht auf die Spiegelfl\u00e4che durch jene Diagonale, die durch die Anl\u00f6thungsecke geht, und den Stiel selbst gelegt denkt, so dass der Spiegel in ganz gleicher Weise mit der rechten oder linken Hand gebraucht werden kann.\nDa der Stiel trotz der n\u00f6thigen Steifheit biegsam ist, so h\u00e4lt es nicht schwer den Winkel, welchen der Spiegel mit dem Stiel macht nach Bed\u00fcrfniss zu \u00e4ndern und dem Stiel \u00fcberdies noch eine leichte","page":496},{"file":"p0497.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n497\nKr\u00fcmmung in der Winkelebene Fig. 2) zu geben, wo dies etwa zur\nBequemlichkeit der Einf\u00fchrung und Fixirung des Spiegels beitr\u00fcgt.\nSchliesslich sei \u00fcbrigens bemerkt, dass es weit weniger anf die Detailbeschatfenheit des Kehlkopfspiegels, als anf die (4 e sch ick lie bk eit und U ebung des Beobachters ankommt, ob bei einer Untersuchung ein Erfolg erzielt wird oder nicht.\nMan kann sich deshalb nach den obigen Angaben ganz brauchbare gl\u00e4serne Kehlkopfspiegel um einen sehr billigen Preis \u00fcberall herstcllen lassen.\n2. Beleuchtung.\nNach Harcia l\u00e4sst der Beobachter zur Erleuchtung der Tlieile Sonnenlicht neben seinem Kopfe direct auf den eingebrachten Kehlkopfspiegel einfallen und bringt seine Sehaxe m\u00f6glichst in die Eichtling der einfallenden Strahlen.\nHierbei kann es jedoch leicht geschehen, dass der Beobachter den Kehlkopfspiegel beschattet, oder in einer Richtung sieht, welche sp\u00e4rlich oder gar nicht erleuchtet ist.\nEs sei beispielsweise in Fig. \u00f6 k der Kehlkopfspiegel . ilku ein B\u00fcndel von Sonnenstrahlen, ckb die Sehrichtung des Beobachters, so wird die dem Beobachter unsichtbare Stelle u erleuchtet sein, w\u00e4hrend die Stelle h. nach welcher der Beobachter sieht, dunkel bleibt.\nFerner muss die Stellung des zu Beobachtenden nach dem jeweiligen Stande der Sonne wechseln, wodurch die Freiheit der Untersuchung, zuweilen zum Nachtheile des Erfolges, sehr wesentlich beeintr\u00e4chtigt wird. Diesem l ebelstande kann \u00fcbrigens durch einen Heliostat oder den ersten besten an einem Stativ befestigten Plan-\nFiR- 2.\noder Foneavspiegcl abgeholfen werden':.\nEndlich h\u00e4ngt man von der Laune des Wetters mul von der Lage des Untersuchungslocales in sehr st\u00f6render Weise ab.\nIch war nat\u00fcrlich gleich im ersten Anf\u00e4nge meiner hirvugoskopisehcn Studien auf den naheliegenden Bedanken gekommen dem oft mangelnden Sonnen-\nC z er in ;l ];t \u00f6ehrit'Ou.\nrife'. :i.\n32","page":497},{"file":"p0498.txt","language":"de","ocr_de":"198\nDer Kehlkopfspiegel.\nlichte irgend ein k\u00fcnstliches Lieht zu substitniren, um ungest\u00f6rt arbeiten zu k\u00f6nnen. Es gelang mir auch alsbald zu zeigen, dass das Sonnenlicht. wenn es auch an und f\u00fcr sich niemals zn ersetzen ist, doch f\u00fcr laryngoskopische Zwecke entbehrlich gemacht werden kann, durch k\u00fcnstliches Licht in einem m\u00f6glichst verdunkelten Kaum.\nWird dem ge\u00f6ffneten Munde des zu Beobachtenden eine intensive Flamme nahe gebracht, so kann der Beobachter knapp an dem Bande der, f\u00fcr ihn wie bei Helmholtz\u2019s einfachstem Augenspiegel durch einen Schirm oder Beverber verdeckten Flamme vorbei in den erleuchteten Schlundraum sehen und laryngoskopiren. Um beide H\u00e4nde frei zu haben, fixirte ich die Flamme und den Schirm mit einem zwischen den Z\u00e4hnen gehaltenen Stiel vor den Augen 1. c. Nr. 2).\nViel besser und mit gr\u00f6sserer Bequemlichkeit erreichte ich mein Ziel, als ich den grossen B\u00fcETE\u2019schen Augenspiegel in Verbindung mit einer guten Moderateurlampe 1 in Anwendung brachte 1. c. Nr. I).\nDurch die Einf\u00fchrung des Augenspiegel\u00ae in die Laryngoskopie habe ich jedoch nicht blos die erforderliche Concentration der k\u00fcnstlichen Lichtstrahlen, und damit zuerst eine bis zu einem gewissen Grade gehende Unabh\u00e4ngigkeit vom Sonnenschein erm\u00f6glicht, sondern zugleich eine lieihe von andern Vortheilen erzielt. welche mich bestimmten, stets \u2014 auch bei disponiblem Sonnenlicht durchbohrte Beleuchtungsspiegel < 'ouvavspiegel oder Planspiegel: anzuwenden. Diese Vortheile sind :\nI Dass das Auge des Beobachters stets mit Leichtigkeit durch da\u00ab Loch oder knapp am Bande des Spiegels vorbei, in jener Lichtung sehen kann, in welcher der durchbohrte Beleuchtungsspiegel die aufgefangenen Lichtstrahlen refleetirt (vgl. Fig. 4), wodurch die Bedingung erf\u00fcllt wird, immer jene Thcile am intensivsten zu erleuchten, deren Bilder der Kehlkopfspiegel gerade verm\u00f6ge seiner Stellung zur\u00fcckwerfen muss :\n2) Dass man nie Gefahr l\u00e4uft sich einen Theil der Beleuchtung selbst abzublenden :\n\u00f6) endlich, dass der zu Beobachtende in jeder dem Bed\u00fcrfnis\u00ae entsprechenden Stellung und Lage untersucht werden kann.\nDer plane oder concave Beleuchtungsspiegel hat eine kreisrunde\n1 Ich habe sp\u00e4ter auch andere mit weisserem und hellerem Lichte brennende Flammen n ie Gas, Camphin etc. und elektrisches Licht benutzt. Physik und Chemie geben die verschiedensten Mittel an die Hand, die Lichtquellen f\u00fcr unseren Zweck zu verst\u00e4rken und zu verbessern.\nFis- I.","page":498},{"file":"p0499.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n19'.)\nGestalt von 3\u20141 Wiener Zoll Durchmesser, resp. 7\u201412 Wiener Zoll Brennweite und ist in einer gestielten Dabei um seine horizontale Axe drehbar befestigt : durch ein Schr\u00e4ubchen an dem l\u00e4ngeren Axeuzapfeu kann er in jeder Neigung festgestellt werden. Die durchbohrte oder der Verquickung beraubte Stelle zum Durchsehen. hat einen Durchmesser von mindestens 3 Wiener Linien und befindet sich im Centrum des Spiegels oder nach v. Steulwao etwas excentrisch in der horizontalen Drelmngsaxe.\nDer Beleuchtungsspiegel wird wie beim Ophthalmoskopiren mit der durchbohrten Stelle in passender Neigung vor das Auge gebracht und daselbst tixirt\nDies geschieht entweder mit der einen Hand, welche den Stiel der Gabel h\u00e4lt, oder wie ich angegeben habe, um beide H\u00e4nde frei zu haben, durch Befestigung des Spiegels an einem zwischen den Backenz\u00e4hnen gehaltenen Mundstiel, oder vermittelst Nussgelenk an der l\u2019elotte des um den Kopf zu schnallenden moditicirfen Kn amer schon Stirnbandes (Fig. 5; oder endlich nach Dr. Skmeeeokk 1. c. Nr. 5 und 18) an dem Steg eines Brillengestelles.\nDer Mundstiel ist eine bis 3 Wiener Zoll lange, 6 Wiener Linien breite. 21 /2 Wiener Linien dicke Blatte von Holz oder Itml. Iridis florPtii.. die seitlich an ihrem vorderen mit Messing beschlagenen Ende, ein messingenes Kn\u00f6pfehen tr\u00e4gt, das eine horizontale und eine verticale Bohrung hat. durch die der Stiel der den Spiegel tragenden Gabel gesteckt und mit einem Schr\u00e4ubchen festgestellt werden kann. Wird die verticale Bohrung ben\u00fctzt, so steht der Mundstiel unter einem rechten Winkel zum Stiel der Gabel und der Spiegel kommt gerade vor das Auge zu stoben, wenn man den Mundstiel mit dem Kn\u00fcpfehen nach aussen, vom Mundwinkel aus, der L\u00e4nge nach zwischen die Leihe der oberen und unteren Backz\u00e4hne schiebt vgl. Fig. 9. S. fuis : steckt der Gabelstiel in der horizontalen Bohrung, so kann der Muiulstiel als einfaches Heft der Gabel benutzt werden, um mit der Hand erfasst und\n1 Unge\u00fcbte klagen \u00fcber die Schwierigkeit mit beiden Augen zu schauen, \"enn das eine derselben durch die centrale Oeffnung im Reflector blicken muss. Wenn man den Reflector in der Medianlinie knapp unter oder \u00fcber den Augen fixirt von Bruns, Johnson), so f\u00e4llt zwar diese (\u00fcbrigens durch einige Uebung leicht \u00fcberw indbare) Unbequemlichkeit weg, allein es geht dann auch der oft wesentliche Vortheil verloren, dass die Sehrichtung wenigstens eines Anges mit, der Axe des beleuchtenden Strahlenkegels zusammenf\u00e4llt.\n\n32*","page":499},{"file":"p0500.txt","language":"de","ocr_de":"500\nDer Kehl kopfsp\u00eeegel.\ndirigirt zu werden. Um den Mundstiel bequem zwischen den Z\u00e4hnen festhalten zu k\u00f6nnen ist es vortheilhaft die Holzplatte keilf\u00f6rmig zuhobeln zu lassen, so dass sich dieselbe gegen ihr hinteres Ende hin betr\u00e4chtlich verj\u00fcngt.\nWer die durchbohrten Beleuchtungsspiegel durchs Ophthalmosko-piren zu handhaben gelernt hat, wird keine Schwierigkeiten finden eine oder die andere dieser Vorrichtungen zu benutzen. F\u00fcr Kurzsichtige empfiehlt sich die Beleuchtungsbrille von Se.meleder. da in die leere Fassung gleich das passende Augenglas eingesetzt werden kann.\nIch selbst gebe jedoch meinem Mundstiel \u2014 vorausgesetzt es ist Alles m\u00f6glichst leicht gearbeitet, schon aus dem Grunde den Vorzug, weil der Beleuchtungsspiegel mit dieser einfachsten und compendi\u00f6-sesten Vorrichtung am sichersten einzustellen und zu fixiren ist. wenn die Z\u00e4hne fest gegen einander gedr\u00fcckt und die Schr\u00e4ubchen an der Bohrung des Kn\u00f6pfchens und an der Spiegelaxe geh\u00f6rig angezogen werden.\nIst der Spiegel auf die eine oder die andere Art vor den Augen fixirt, so l\u00e4sst sich die Beleuchtung durch kleine Bewegungen mit dem Kopfe vollkommen beherrschen.\nUm eine m\u00f6glichst intensive Beleuchtung zu bezwecken, muss man die Spitze oder die derselben nahen Theile des reflectirten Strahlenkegels auf die zu untersuchenden Gebilde zu bringen suchen, was durch die entsprechende Entfernung des Spiegels von der Lichtquelle und vom Kehlkopfspiegel, die man sehr bald finden lernt, erreicht wird. Die Reflexionsgesetze an concaven Spiegelfl\u00e4chen lehrt jedes Compendium der Physik.\nArbeitet man mit concentrirtem Sonnenlicht, so muss man selbstverst\u00e4ndlich darauf achten, dass man die Mundtheile des zu Beobachtenden mit dem Focus nicht verbrenne.\nT\u00fcrck hat einige Monate sp\u00e4ter, als er nach meinem Vorg\u00e4nge auch zur k\u00fcnstlichen Beleuchtung griff, die sogenannten \u00bbSchusterkugeln\u00ab zur Herstellung einer k\u00fcnstlichen Beleuchtung in Anwendung gezogen 1. c. Nr. 11. Storr 1. c. Nr. 19), er ist aber endlich doch zu meiner Beleuchtungsmethode mit den dem RuETEsehen Augenspiegel nachgebildeten Concav-Spiegeln zur\u00fcckgekommen und beschrieb l. c. Nr. 20) einen \u00bbder oberen Extremit\u00e4t des Menschen nach gebildeten\u00ab Spiegelhalter, welcher an einem mit Blei ausgegossenen Dreifuss oder an einer Stuhllehne befestigt wird. Moura-Boi -rouillgu wendet statt der Hohlspiegel zur Concentration der Lichtstrahlen,, die schon fr\u00fcher von St\u00f6rk versuchten. aber mit Recht als","page":500},{"file":"p0501.txt","language":"de","ocr_de":"D c r Re 111 k op t'sp iegel.\n501\nwenig zweckentsprechend wieder bei Seite gelegten biemivexen < 1 Ins\u2014 linsen an.\n3. Durchleuchtung.\nIm Fr\u00fchjahr libs habe ich eine neue von dem Princip der Listok-(IAi;ci.\\'s(dien wesentlich abweichende Explorationsmethoile f\u00fcr den l.annx beschrieben, welche ich I. e. Nr. 2 als Durchleuchtung \" be/.eichuete. W\u00e4hrend das List*>N-(t aKCiA'sche Princip darin besteht. dass der Kehlkopfspiegel einerseits das durch die Mundh\u00f6hle\nFiv r, |\t7 Halswirbel s\u00e4nlo , pn Oavum phavyngo-uasale. n p TTvula und weicher Gaumen, mp Zalm-\nf\"it-at/. (les Oberkiefers und harter Gaumen, / Zunge, /Unterkiefer. h Zungenbein, /, Kehlkopfspiegel, ( Kpi irlf.lt is, /-Kehlkopf, fr Trachea. T Schilddr\u00fcse, U der concave Beleuchtungs-Spiegel oder eine biconvexe Linse, welche die Lichtstrahlen aussen auf dem Halse coneentrirt. Der weis\u00ab markivte St rab b'nkegd dringt mit seiner Spitze in den Hals ein und durchleuchte! den Kehlkopf und die Trachea, wa< durch den weis sen Fleck im Halse schematisch angedeutet ist. Die Bilder der auf diese Weise erl.'iirlitelen Tlieile spiegeln sich in der geknickten Wichtung Ir, k, A in das Auge des Beobachters (dl, welcher durch die dunkle Mundh\u00f6hle auf den Kehlkopfspiegel (/>) blickt.\nei h fa 11 ende Licht auf die zu untersuchenden Tlieile re\u00fcectirt und dieselben beleuchtet, andererseits die Wilder der beleuchteten I heile auf demselben Weite wieder z u r ii ek w i r l\u2019t. wird bei meiner Durcli-h'Uchtunii'smethdde der Kehlkopfspiegel nur zum /uriiekwerlen der","page":501},{"file":"p0502.txt","language":"de","ocr_de":"502\nDer Kehlkopfspiegel.\nBilder, nicht aber zugleich zur Beleuchtung der Th eile verwendet, indem diese letzteren direct durch die Haut des Halses hindurch erleuchtet werden.\nHer Kehlkopf, die Trachea und die dieselben bedeckenden Tlieile sind n\u00e4mlich, auch beim Menschen an manchen Stellen ziemlich durchscheinend, so dass, wie ich, unter den ersten damals laryngoskopisch untersuchten Personen, an einem jungen M\u00e4dchen fand, \u00bbbei zarteren Individuen schon, wenn die Sonne von aussen auf den Kehlkopf scheint die Glottis in r\u00f6thlichem Schimmer ergl\u00fcht. \u00ab\nConcentrirt man vermittelst eines Hohlspiegels oder einer Linse Sonnenlicht auf jenen Stellen der Haut des entbl\u00f6ssten Halses, so werden nach meinen Angaben selbst bei robusten M\u00e4nnern die einzelnen Tlieile des Kehlkopfs und der Trachea (wie die vor ein Licht gehaltenen Finger der Hand) so prachtvoll gl\u00fchend rotli durchleuchtet. dass man sie vermittelst des in den dunklen Pharynxraum eingef\u00fchrten Kehlkopfspiegels vollkommen deutlich untersuchen kann.\nSp\u00e4ter ist mir die Durchleuchtung \u2014 obschon nat\u00fcrlich in weit weniger vollkommener Weise \u2014 auch bei Anwendung starker, k\u00fcnstlicher Lichtquellen gelungen.\nFig. 6 iS. 501) erl\u00e4utert mein Durchleuchtungsverfahren, welches von Gerhardt und St\u00f6re mit Erfolg wiederholt worden ist.\nAm besten gelingt die Durchleuchtung in einem dunklen Baume, in welchen man, vermittelst eines heliosta tisch en Spiegels durch eine beschr\u00e4nkte Hoffnung ein B\u00fcndel Sonnenstrahlen leitet und dann concentrirt.\nIch glaube in dieser Durchleuchtungsmethode ein Mittel entdeckt zu haben, vermittelst welches es m\u00f6glich werden k\u00f6nnte, die in physiologischen (Register) und pathologischen Zust\u00e4nden wechselnden Dicken (verticale Durchmesser der Stimmb\u00e4nder, etwa auch gewisse Ern\u00e4hrungsst\u00f6rungen genauer zu bestimmen und endlich die Tiefe, in welcher sich etwaige Ver\u00e4nderungen in der Trachea befinden, unmittelbar zu constatiren.\nF\u00fcr die Bhinoskopie l\u00e4sst sich die Durchleuchtung nur in sehr beschr\u00e4nkter W eise verwertheu.\n4. Selbstbeobachtung (Autolaryngoskopie).\nGarcia sagt 1. c. : \u00abif the observer experiments on himself he ought, by menus of a second mirror, to receive the rays of the sun . and direct them on the mirror, which is placed against the uvula.\u00ab","page":502},{"file":"p0503.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n503\nIch habe sclum bei meinen ersten Versuchen bei k\u00fcnstlicher Beleuchtung zu laryngoskopiren eine etwas andere Anordnung getroffen.\nDieselbe bestand einfach darin. dass icli die Flamme meiner an einem verticalen Stabe verstellbaren Studirlampe, nachdem die Milchglasglocke sammt dem Binge abgenommen war. m\u00f6glichst nahe vor dem weitge\u00f6ffheten Munde tixirte und hierdurch den Schlund erleuchtete.\nSodann hielt ich zwischen die Flamme und die Augen mit der einen Hand ein der Quere nach l\u00e4nglich viereckiges St\u00fcck eines Planspiegels : Gegenspiegel;, gross genug um die Augen zu beschatten und den erleuchteten Schlund abzuspiegeln, w\u00e4hrend die andere Hand den Kehlkopfspiegel regierte. Das etwaige sich Beschlagen des Gegenspiegels durchs Anhauchen wurde wie das des Kehlkopfspiegels selbst, durch Erw\u00e4rmen desselben \u00fcber der Lampenflamme verhindert: Fig. 7 erl\u00e4utert meine erste h\u00f6chst simple Anordnung, welche sich deshalb zu vorl\u00e4ufigen autosko] fischen Versuchen, aber nicht zu Demonstrationen empfiehlt, und dadurch vervollkommnet werden kann, dass man hinter der Flamme einen eoncaven Be-\\ erber oder vor derselben eine biconvexe Linse an bringt. Der mit der linken Hand gehaltene Gegenspiegel erscheint zu einem St\u00e4bchen verk\u00fcrzt. Unterhalb seines unteren Bandes f\u00e4llt das Lampenlicht zwischen beiden H\u00e4nden in den ge\u00f6ffneten Mund und auf den Kehlkopfspiegel.\nNachdem ich den B\u00fcETE\u2019scheu Beleuchtungsspiegel in Anwendung gezogen hatte, verfiel ich darauf, das ganze BrEiK'sche Augenspiegelstativ in einen bequemen Apparat zur laryngoskopisclieu Selbstbeobachtung und Demonstration umzuwandeln. Auf Tafel 22 erkennt man den Boei'k scheu Augenspiegel summt Stativ. welcher das von einer guten Mod\u00e9rateur - Lampe oder der Sonne selbst kommende Licht auf dem im Schlunde des Beobachteten fixirten Kehlkopf-","page":503},{"file":"p0504.txt","language":"de","ocr_de":"504\nDer Kehlkopfspiegel.\nSpiegel eoncentrirt, von wo es auf die zu beleuchtenden Organe geworfen wird. Die einfallenden Beleuchtungsstrahlen sind in der Zeichnung als ausgezogene Linien markirt. Die punktirten Linien gehen beispielsweise die Richtung zweier Bildstrahlen an.\nDas auf dem horizontalen prismatischen Arme des \u00dcUETE\u2019schen Stativs verschiebbare S\u00e4ulchen tr\u00e4gt einen kleinen in allen Richtungen beweglichen Planspiegel, in welchem sich der Beobachtete gleichzeitig selbst beobachten kann, w\u00e4hrend der fremde Beobachter durch die centrale Dehnung des Beleuchtungsspiegels blickt. Verfolgt man in der Zeichnung die punktirten Strahlen, so erkennt man auf den ersten Blick, dass beide Beobachter niemals genau dasselbe Gesammthild im Kehlkopfspiegel sehen k\u00f6nnen. weil ihre Sehrichtungen verschiedene Winkel mit der Reflexionsebene des Kehlkopfspiegels machen.\nDer Selbstbeobachter sicht unter einem stumpferen, der fremde Beobachter unter einem spitzeren Reflexions-Winkel nach dem Kehlkopfspiegel. Ersterer wird daher stets die mehr nach hinten, der Letztere die mehr nach vorn gelegenen Tlieilc zu sehen bekommen m\u00fcssen. Man vergleiche die beispielsweise gew\u00e4hlten punktirten Bildstrahlen, Der einfach punktirte Strahl kommt aus der Trachea und geht nach einmaliger Reflexion am Kehlkopfspiegel durch die centrale < \u00d6ffnung des Beleuchtungsspiegels in das Auge des fremden Beobachters. Der \u00abo . \u2014 . \u2014 . \u2014 . \u2014 punktirte Strahl hingegen kommt von den hinteren Larvnxparthien und gelangt nach doppelter Reflexion am Kehlkopf- und am Gegenspiegel in das Auge des Selbstbeobachters. Trotz dieses Verh\u00e4ltnisses gibt es nat\u00fcrlich zahlreiche Punkte, welche f\u00fcr bestimmte Spiegelstellungen beide Beobachter gleichzeitig sehen k\u00f6nnen.\nEin dritter und ein vierter Beobachter etc. k\u00f6nnen sich so postiren. dass sie entweder an dem Rande des Hohlspiegels vorbei, oder mit dem Selbstbeobachter in den kleinen Gegenspiegel hineinsehen. Die von mir ersonnene Anordnung des Versuches erlaubt daher einem beschr\u00e4nkten Auditorium irgend einen passenden Gegenstand mit dem Kehlkopfs] iegel gleichzeitig zu demonstriren. Dasselbe Ziel liesse sieh in noch viel gr\u00f6sserem Massstabc erreichen. wenn cs bei recht intensiver Beleuchtung gel\u00e4nge, das Bild, welches der Kehlkopfspiegel refleetirt, durch eine Art Camera nbsaim auf einen Schirm zu werfen 1 .\n1 W\u00e4hrend meines Aufenthaltes in London I sr,2 ist es mir unter dem freundlichen Beistand\u00ab des Herrn Prof. Fhaxki.and gelungen. im chemischen HOrsaal des St. Bartholomew''s-IIospitills, die bei prachtvoller elektrischer Beleuchtung erhaltenen laryngo&feopi'S'Chen Bilder in betr\u00e4chtlich vergr\u00f6sserten Dimensionen vermittelst einer Linse auf einen Schirm zu projiciren.","page":504},{"file":"p0505.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n505\nSeit October 1850 verfertigt Mechanikus \\Y. IIa\u00fcck in Wien i Wieden, Kettenbriiekengasse 820. solche Apparate zur Selbstbeobachtung nach meiner Angabe aus Metall, verpackt in ein elegantes Malia-gonvk\u00e4stelien, auf dessen Deckel das ganze Stativ aufgeschraubt wird. In diesem Etui befinden sieh auch zwei gr\u00f6ssere gl\u00e4serne Kehlkopfspiegel der eine von lo W. L.. der andere von 1H W. L. Durchmesser, wie sie sich zur Selbstbeobachtung- am besten eignen.\nDiesen Apparat zur Selbstbeobachtung kann ich nach vielf\u00e4ltigster Erfahrung allen Jenen empfehlen. welche ohne irgend eine Assistenz an sich selbst larvngoskopische Beobachtungen anstellen oder Anderen die Theile des Larynx und ihre Bewegungen demonstriren wollen.\nFig\u2018. S. Der autoskopiseho Apparat, zur laryngo- und rliinoskopischen Selbstbeobachtung und Demonstration.\nIn Wien, Pest. Leipzig, Berlin. Breslan, Paris, London u. s. w. werden sieh viele ans meinen Demonstrationen erinnern, welche \u00fcberraschend sch\u00f6ne und deutliche Bilder vom Kehlkopf .etc. man hei geh\u00f6riger Dexterit\u00e4t mit diesem Apparat gewinnen kann.\nZum Gebrauche ist der Apparat so zusammenzustellen. wie er","page":505},{"file":"p0506.txt","language":"de","ocr_de":"506\nDei Kehlkopfspiegel.\nFig. 8 nach einer photographischen Aufnahme abgebildet ist. Anf dem K\u00e4stchen, das als tuss des Stativs dient, sieht man die beiden gl\u00e4sernen Kehlkopfspiegel liegen, deren Fassung jedoch viel zu breit gezeichnet ist. Hat man Sonnenlicht zur Disposition, so setzt man sich etwas schr\u00e4g mit dem Klicken gegen die Sonne. Arbeitet man bei Lampenlicht, so setzt man die Lampe neben sich so, dass die Flamme sich etwa in der H\u00f6he des Munies befindet auf Tafel 22 ist die Lampe der Deutlichkeit wegen etwas zu weit vom Gesichte abgeriickt gezeichnet , blendet dieselbe durch einen Schirm von seinen Augen ab und leitet den Strahlenkegel unter' dem Gegenspiegel in den Schlund. Es wird in der Kegel ein kleiner Theil des Kegels von dem K\u00fccken des Gegenspiegels abgefangen-\nBei Demonstrationen liai man hinsichtlich der Stellung des eingef\u00fchrten Kehlkopfspiegels bis \u00fcber das Verh\u00e4ltnis*\u00bb der Gesichtsfelder des Selbstbeobachters und les fremden Beobachters Gesagte zu ber\u00fccksichtigen.\nDen Kehlkopfspiegel f\u00fchrt man sich selbst ein, wobei man langsam von vorne nach hinten tortsehreitet und unter dem gehobenen Gaumensegel durchzukommeii trachtet. Dann hebt man mit dem Spiegelr\u00fccken die Uvula und das Velum etwas empor, und hat man die Ber\u00fchrung der Rachenwand ertragen gelernt so dr\u00fcckt man was aber nicht immer n\u00f6tliig ist den einen Hand des Spiegels schr\u00e4g oder horizontal an dieselbe an. Der grade, noch nicht gebogene Stiel kommt dann ganz in den einen Munih'inkel zu stellen.\nAus dem gesehenen Bilde hat man zu entnehmen, welche Neigung und Stellung der Spiegelfl\u00e4che, welche Anordnung und Lagerung den Mund- und Kehlkopftheilen weiter gegeben werden muss.\n5. Beobachtung Anderer.\nWeitl\u00e4ufige Angaben \u00fcber die bei verschiedenen Individuen sich ergebenden Schwierigkeiten und deren Beseitigung, minuti\u00f6se Anleitungen zur Untersuchung bestimmter Kehlkopftheile. halte ich . insofern sie sich nicht auf ganz besondere Kunstgriffe beziehen und nicht \u00fcber das, was zum allseuieinen Verst\u00e4ndniss des Liston-GAKOiA\u2019schen Verfahrens gekt. hinausgehen, f\u00fcr v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig und ungen\u00fcgend. da diesel' n -ledern, der das Princip der Methode\n1 Selbstverst\u00e4ndlich kann man die Strahlen auch \u00fcber oder neben dem Gegenspiegel in den Schlund leiten \u00ab1er endlich auch aus dem Gegenspiegel ein hinreichend grosses kreisrundes Ui zum Durchtritt des Strahlenkegels herajis-selmeiden. wie Moura-Bouroitl, -u gethan.","page":506},{"file":"p0507.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n507\nerfasst hat und mit den Gesetzen der Katoptrik, so wie mit der Topographie der zu untersuchenden Theile gen\u00fcgend vertraut ist. als etwas Selbstverst\u00e4ndliches erscheinen m\u00fcssen, w\u00e4hrend sie Niemanden zum Laryngoskopiker machen k\u00f6nnen, der sie nicht praktisch auszuf\u00fchren und zu befolgen versteht.\nDie hier erforderlichen Fertigkeiten lassen sich eben nicht aus stets mangelhaften und, der unendlichen F\u00fclle der concreten M\u00f6glichkeiten gegen\u00fcber, unvollst\u00e4ndigen Beschreibungen, sondern nur durch eigene autodidaktische Hebung oder durch\u2019s Absehen erlernen.\nDesshalb werde ich mich auch nur auf einige wenige Erl\u00e4uterungen zu den von Liston und Garcia mit den Worten : %The method.... consists in placing a little mirror, fixed on a long handle suitably bent (previously dipped in hot water, Liston in the throat of the person experimented on. against the soft palate and aval am gegebenen Andeutungen und \u00fcber die Anwendung der Beleuchtungsmethode mit durchbohrten Spiegeln beschr\u00e4nken, obwohl ich die wirklichen Verdienste, welche sieh Andere vgl. Historisches 1. um die Liston-Garcta'scIic Untersuehungsmethode erworben haben, gern anerkenne und jeden ferneren, wahren Fortschritt auf diesem Gebiete gewiss freudig begr\u00fcssen werde. Zu diesem Ende habe ich statt der plioto-graphirten Gruppe auf Tuf. II. der ersten Auflage. die Fig. Il S. 50s skizzirt. welche mein, jetzt allgemein verbreitetes Verfahren, das Liston - Garcia'scIic IVincip praktisch zu verwerthen, vollst\u00e4ndig erl\u00e4utert.\nDie Linie Ir. /,. 11 gibt beispielsweise den geknickten Gang eines Bildstrahles und der Sehrichtung an. Der Strahlenkegel, welcher von der Lichtquelle Sonne, Lampe auf den Reflector H fallt und von diesem auf den Kehlkopfspiegel /, und von dem Kehlkopfspiegel auf die zu untersuchenden Theile reflectirt wird, ist. um die Zeichnung nicht ohne Noth zu eompliciren, weggelassen worden. Wird mit Lampenlicht operirt. so steht die Lampe am einfachsten auf einer gegen den rechten Arm des Beobachteten angeschobenen Tischecke, so dass sich die Flamme etwa in der Mundh\u00f6he und etwas hinter der rechten Gesichtsh\u00e4lfte befindet.\nDer Beobachtete st\u00fctzt die H\u00e4nde auf seine Kniee, sein Oberk\u00f6rper ist etwas vorgeneigt, der Hals vorgestreckt und im Nacken leicht eingebogen. Sein Mund ist weit ge\u00f6ffnet, die Zunge m\u00f6glichst flach gelegt und etwas vorgeschoben.\nDer Beobachter sitzt dem Beobachteten gegen\u00fcber und wirft das aufgefangene Licht vermittelst des gleichg\u00fcltig wie vor dem Auge befestigten Beleuchtungsspiegels, durch dessen Oetfnung sehend, auf den","page":507},{"file":"p0508.txt","language":"de","ocr_de":"508\nDer Kehlkopfspiegel.\nmit der rechten Hand eingef\u00fchrten Kehlkopfspiegel, w\u00e4hrend die linke freie Hand oberhalb der Schulter des Beobachteten ruht, und mit zwei\nFig. 9. 1\u20147 K\u00f6rper der Halswirbel, L Larynx, e Epiglottis, h Zungenbein, tr Trachea, T Schilddr\u00fcse, j Unterkiefer, t Zunge, m Zahnfortsatz des Oberkiefers, mp harter Gaumen, pn weicher Gaumen und Uvula, pn C\u2019avuin pharyngo-nasale, k Kehlkopfspiegel, welchen die rechte Hand des Beobachters, die sich mit zwei Fingern auf den Kiefer st\u00fctzt, einf\u00fchrt.\nH der concave Beleuchtungsspiegel, welcher vermittelst des Mundstiels von dem rechten durch die centrale Oetfnung sehenden Auge tixirt wird, r Stellschr\u00e4ubchen an der Axe des Spiegels.\nFingern als St\u00fctze f\u00fcr Kinn und Hinterhaupt dient, oder in einer anderen zweckdienlichen Weise besch\u00e4ftigt wird.","page":508},{"file":"p0509.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n509\nBevor mau den \u00fcber der Lampe erw\u00e4rmten und auf seinen Tem-peraturgrad an der eigenen Hand oder Wange gepr\u00fcften Kehlkopfspiegel einf\u00fchrt, regulirt man die Beleuchtung und die gegenseitige Stellung. Ist Alles vorbereitet, dann sucht man, w\u00e4hrend der Beobachtete abwechselnd ne intonirt und tief inspirirt unter das gehobene Velum und die Uvula zu gelangen, den Spiegelr\u00fccken, wie Gakcia angibt. gegen dieselben anzulegen und dem Spiegel die passende Neigung zu geben, wobei man durch die gesehenen Bilder selbst geleitet wird.\nAuf diese Weise kann man jede laryngoskopische Untersuchung beginnen und anordnen. Was nun in dem einzelnen Falle weiter zu thun ist, um zum Ziele zu gelangen, ob man den Spiegel sammt der auf ihm ruhenden Uvula h\u00f6her empordr\u00fccken oder tiefer einsetzen, weiter in den Bachen hineinschiebeii oder weiter hervorziehen m\u00fcsse, unter welchem Winkel man in den Spiegel hineinzusehen hat, wie der Beobachter oder der Beobachtete seine Stellung zu ver\u00e4ndern hat, ob die Zunge besser mit einer Knie-Spatel oder durch die mit einem Tuche bedeckte Hand aus dem Wege zu dr\u00e4ngen ist ein Gesch\u00e4ft, das die meisten Patienten willig und oft mit Geschick selbst \u00fcbernehmen, etc. etc. \u2014 das sind lauter Hinge, welche man durch eigene Hebung und Ueberlegung unter Ber\u00fccksichtigung der jeweiligen speziellen Umst\u00e4nde dem Zwecke entsprechend wird bcurtheilen und ausf\u00fchren lernen.\nAbgesehen von den n\u00f6thigen topographisch anatomischen und physikalischen Vorkenntnissen kann Jedem, der sich das laryngoskopische Untersuchungsverfahren aneignen will, mit T\u00fckck fl. c. No. (3) gera-then werden, an der Leiche und an ausgeschnittenen Kehlk\u00f6pfen mit dem S]Hegel zu experimentiren 1 . F\u00fcr Aerzte, welche nicht in der Lage sein sollten, sich menschliche Leichentheile zu verschaffen, hat St\u00f6rk 1. c. No. 19 Vorstudien an Kehlk\u00f6pfen von Hunden, Schweinen und Schafen empfohlen. Endlich ist das sich selbst Beobachten is. oben S. 502 die beste Vorschule'2 .\n1\tIn meinen Cursen benutze ich zur ersten Ein\u00fcbung der Sch\u00fcler ein sehr einfaches \u00bblaryngoskopisches Phantom\u00ab. Es ist dies ein schmales und hohes Holzk\u00e4stchen, dessen Hinterwand ge\u00f6ffnet werden kann und dessen Vorderwand oben ein Loch, von der Gr\u00f6sse einer weiten Mund\u00f6ffnung li\u00e2t. Unterhalb dieses Loches ist \u00e4usserlieh ein horizontaler Vorsprung angebracht, an welchen die Spitze einer aus der Leiche sammt Luftr\u00f6hre und Kehlkopf frisch ausgeschnittenen Zunge angenagelt wird, so dass das Uebrige in ann\u00e4hernd nat\u00fcrlicher Lage in das K\u00e4stchen hineinh\u00e4ngt und durch das Loch lege urlis speculirt werden kann.\n2\tK\u00fcrzlich li\u00e2t mein Freund Dr. Johnson in London (Medical Times & Gazette 11. Febr. 1863) ein neues autolaryngoskopisches Verfahren angegeben, welches sich zu diesem Zwecke am vollkommensten eignet, weil der Selbstbeobach-","page":509},{"file":"p0510.txt","language":"de","ocr_de":"510\nDer Kehlkopfspiegel.\nHat man sieh einen gewissen Grad von Fertigkeit im Laryngosko-piren erworben, so gelangt man in den meisten,F\u00e4llen sogleich und \u00fcberraschend leicht zum Ziele.\nIn vielen anderen F\u00e4llen gelingt dies mehr oder weniger vollst\u00e4ndig erst nach mancherlei Anstrengungen.\nBei manchen Individuen jedoch, welche entweder besonders reizbar, ungeschickt, ung\u00fcnstig gebaut oder widerwillig u. dgl. sind, ist in der ersten Sitzung wenig oder gar nichts zu erreichen. Es bleibt dann, wenn man nicht etwa zur Narkose greifen wollte, nichts anderes \u00fcbrig, als durch methodische l.'ebilligen wie weitesOeffnen und Offenhalten des Mundes, Flachlegen und Vorstrecken der Zunge, Abstumpfen der Empfindlichkeit durch h\u00e4ufiges und l\u00e4ngeres Ber\u00fchren der Schliindtheile etc.}, welche, wie ich mich \u00fcberzeugte, oft schon nach wenigen Tagen die g\u00fcnstigsten Erfolge haben, eine Schwierigkeit nach der anderen zu beseitigen. In chronischen F\u00e4llen hat eine solche Verz\u00f6gerung meist nichts auf sich und d\u00fcrften solche Hebungen behufs noch genauerer und bequemerer Beobachtung oder etwaiger localer Eingriffe zu operativen oder therapeutischen Zwecken auch dann ganz am Platze sein,, wenn auch die erste Untersuchung schon leicht war : ja intelligente Patienten wird man mit Erfolg und Nutzen zur Selbstbeobachtung anhalten k\u00f6nnen.\nIn acuten F\u00e4llen, wo keine Zeit verloren werden darf, l\u00e4sst unter so he wandten Umst\u00e4nden die ganze Explorationsmethode, im Stich.\nDcsshalb wird ihr aber wohl Niemand, der sie genauer kennt und w\u00fcrdigt, ihren hohen Werth absprechen, ihre Bedeutung verkleinern wollen. \u2014 Jedes Verfahren hat seine Grenze.\nter die Beleuchtung nicht von einem feststehenden Concavspiegel erh\u00e4lt, sondern genau so wie bei der Untersuchung eines Patienten bewerkstelligen muss. Johnson\u2019s ingeni\u00f6se Anordnung besteht n\u00e4mlich darin, dass sieh der Beobachter vor einen gew\u00f6hnlichen grossen Tnilct.tespiegel setzt, den Beleuchtungsspiegel mit dem Stirnband um den Kopf schnallt und sich das eoncentrirt.e Licht nach der Reflexion am Toilettespiegel, hinter welchem, etwas zur Seite, die Lampe steht, selbst in denMund und Rachen leitet, worauf der Kehlkopfspiegel eingef\u00fchrt wird. Der Selbstbeobachter verh\u00e4lt sich seinem eigenen Spiegelbilde gegen\u00fcber genau so, wie der Arzt gegen den Patienten.","page":510},{"file":"p0511.txt","language":"de","ocr_de":"I >or Kehlkopfspiegel.\n51 1\nIV.\nSpeon lining durch den W iimlkamil nach Er\u00f6ffnung der\nLuftwege.\nDr. Nkt d\u00f6kfkr war der Erste 1. c. Nr. 7 . welcher am Cadaver einen kleinen Spiegel durch den Wundkanal nach k\u00fcnstlicher Er\u00f6ffnung der Luftwege Laryngotomie., Tracheotomie: einfiihrte, um so einen Einblick in den Kehlkopf von unten her und in die tieferen Abschnitte der Trachea zu gewinnen.\nIch hin bekanntlich 1. o. Nr. 10 und Nr. 12 unabh\u00e4ngig von Dr. Nki'd\u00f6ukkk auf dieselbe Idee v erfallen und habe zuerst Gelegen-\nheit gehabt das neue Verfahren an lebenden Menschen mit Erfolg praktisch zu verwerthen s. unten Lall 1 und Lall '\u25a0'< .\nZur Erl\u00e4uterung desselben habe ich schon a. a. <). die Zeichnung big. 10 entworfen.\nMan erkennt in der Zeich nung den Durchschnitt der Mundh\u00f6hle, des Pharynx, des Kehlkopfs und der Trachea.\nZwischen dem Durchschnitt des Schildknorpels und des \\ orderen Th cils des Kingknorpels steckt eine kurze conischc < a-niile deren obere Wand tief ausgeschnitten ist und deren \u00e4usseres Ende eine Scheibe tr\u00e4gt zur Befestigung der Ilalteh\u00e4n-der. In dem Ausschnitt der banale, unmittelbar unter der unteren Apertur des Kehlkopfs sicht man den kleinen schr\u00e4g nach oben gerichteten Kehlkopfspiegel, dessen d\u00fcnner gebogener Stiel aus der \u00e4usseren mit der Scheibe versehenen Can\u00fclen\u00f6ftnung hervorragt,\nSchematische Darstellung der Speculating ; Kehlkopfs von unten, durch den 1 a r y n g o t o m i-s e h e n Wundkanal.\num von der Hand des Beobachters erfasst und dirigirt zu werden. Nor der \u00e4usseren M\u00fcndung der Can\u00e4le befindet sich der Augenspiegel, welcher k\u00fcnstliches oder Sonnenlicht auf das Kehlkopfspiegelchen wirft, von dem dasselbe nach oben auf die zu untersuchenden Theile","page":511},{"file":"p0512.txt","language":"de","ocr_de":"512\nDer Kehlkopfspiegel.\nrcflectirt wird. Die punktirte Linie gibt beispielsweise den geknickten Gang eines Bildstraldes und der Schlichtung des Beobachters an, dessen Auge sich hinter der centralen Oeffnung des Augenspiegels befindet.\nAuf diese Weise gelang es mir die Region des Conus dastims, die untere Fl\u00e4che der wahren Stimmb\u00e4nder (und ihre Bewegungen), die hintere Innenwand des Kehlkopfs, die untere oder hintere Fl\u00e4che der Epiglottis (von dem Insertionspunkte bis zum freien oberen Rande so wie die Vorderfl\u00e4che der Arytaenoidknorpel am lebenden Menschen zu sehen und Lichtstrahlen von unten durch den Kehlkopf und den Pharynx bis auf das Velum hinauf zu werfen s. unten Fall 3).\nUm das sich Beschlagen des Spiegelchens zu verh\u00fcten, wird dasselbe in gewohnter Weise erw\u00e4rmt oder, wie ich angab, mit einer sehr d\u00fcnnen g 1 e i c h m \u00e4 s s i g e n Schicht von Gummi \u2014 oder Zuckerwasser bestrichen, welche die Deutlichkeit der Bilder fast gar nicht beeintr\u00e4chtigt und die Tr\u00fcbung durch pr\u00e4cipitirten Wasserdampf dauernd und vollst\u00e4ndig hindert. Je n\u00e4her sich das Auge an dem eingef\u00fchrten Spiegelclien befindet, desto gr\u00f6sser wird nat\u00fcrlich das auf einmal \u00fcbersehbare Gesichtsfeld.\nStatt der gefensterten Cantile kann man sich mit Vortheil eines kleinen dem zweibl\u00e4tterigen Ohrenspiegel nachgebildeten Dilatato-riums f\u00fcr den Wundkanal bedienen.\nV.\nRhinoskopie.\nIch habe schon 1858 in meiner ersten Notiz \u00fcber den Kehlkopfspiegel (1. e. Nr. 1 und Nr. 2 darauf hingewiesen, dass das Princip, welches der laryngoskopischen Untersuchungsmethode zu Grunde liegt, auch zur Inspection der \u00bbhinteren Fl\u00e4che des weichen Gaumens\u00ab, des \u00bboberen Theiles der Rachenh\u00f6hle \u00bb (Cavum phnryngo-namle), der \u00bbChoa-nen\u00ab und der \u00bbM\u00fcndungen der Tuben\u00ab wird benutzt werden k\u00f6nnen.\nDie Erw\u00e4gung der bekannten anatomischen Verh\u00e4ltnisse der vor und hinter den Clioanen gelegenen H\u00f6hlen zum Cavum bucco-pharifn-(jeum, so wie einige vorl\u00e4ufige Versuche an mir selbst hatten mir schon damals die Feberzeugung von der M\u00f6glichkeit der Inspection dieser","page":512},{"file":"p0513.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n513\nverborgenen Regionen des menschlichen K\u00f6rpers aufgedr\u00e4ngt ; und es gelang mir endlich wirklich auf diese Weise eine neue1 2) Explorationsmethode zu begr\u00fcnden, f\u00fcr welche ich den Samen: Rhino-skopie einf\u00fchrte.\nMein Verfahren das 1 Vincip der Liston-GARCiA\u2019sehcn Unter-suehungsnicthode in dieser Richtung zu vervverthen erl\u00e4utert der Holzschnitt Fig. 11, S. 514.\nEs muss vor Allem hervorgehoben werden, dass das Gelingen einer rhinoskopisclien Untersuchung wesentlich davon abh\u00e4ngt, dass der weiche Gaumen hinreichend von der hinteren Rachenwand entfernt sei : die Rhinoskopie beruht ja darauf, dass der Nasenthcil des Pharynx und die Nasenh\u00f6hle durch den weit ge\u00f6ffneten Mund und Rachen von unten und hinten her speculirt werden ; es darf also der Kanal, durch welchen man blickt, weder durch die Zunge noch durch das Velum verlegt sein, sondern er muss m\u00f6glichst weit offen stellen.\nZuweilen ist der weiche Gaumen gespalten und defect oder er h\u00e4ngt, w\u00e4hrend die Zunge tief genug steht oder n\u00f6thigenfalls mit einer Spatel, die der zu Untersuchende selbst halten kann, niedergedruckt wird, in der Art frei herab, dass die Untersuchung, insehr vielen F\u00e4llen selbstverst\u00e4ndlich schon ohne weiteres m\u00f6glich ist.\nWen n dies aber nicht der Fall ist oder wenn ein m\u00f6glichst unbeengter Einblick erfordert oder gew\u00fcnscht wird, dann muss der\n1 Rieht\u00bb destoweniger li\u00e2t Herr Tluick in seiner blinden Polemik gegen mich meinen Vorschlag zur Besichtigung dieser Theile als \"absolut-unausf\u00fchrbar\u00ab und \u00bbv\u00f6llig widersinnig\u00ab erkl\u00e4rt. Er sagt in Nr. 2(1 der Allgem. Wiener med. Zeitung S. 196 w\u00f6rtlich : \u00bbJeder, den nicht ein B lick auf die betreffenden Theile an einem in der Medianlinie durchschnittenen Kopf ii her das v\u00f6lli g W i der si n nige dies o r V erschl\u00fcge bele h r t h a t, w i r d sicher nach dem ersten Versuch an Lebenden zu dieser Einsicht gel an gen\u00ab. Diesen unglaublichen Passus hatte ich in der ersten Auflage meiner Schrift aus Schonung f\u00fcr Ilrn. TOrck unterdr\u00fcckt.\n- Die Rhinoskopie hat \u2014 wie die Laryngoskopie \u2014 vor meinen Bestrebungen weder der Sache noch dem Namen nach existirt.\nAlles Einschl\u00e4gige, was ich nachtr\u00e4glich in der Literatur auftinden konnte, beschr\u00e4nkt sich auf die Andeutung Bozzixi\u2019s in seinem \u00bbLichtleiter\u00ab, Weimar 1S07 S. !), dass \u00bbum das Auge auf Gegenst\u00e4nde zu f\u00fchren, welche von der geraden Richtung abweichen (z. B. hinter dem h\u00e4ngenden Gaumen, bei Fussgeburten.. . u. s. w3 eine Leitung erfordert wird, welche durch Spiegel die Strahlen bricht\u00ab; \u2014 und auf die Angabe Wilde\u2019s : (PraktischeBemerkungen \u00fcber Ohrenheilkunde, a. d. Engl, von Haselberg, G\u00f6ttingen 1835, S. 41 !l) in einem Falle den (vergeblichen) Versuch gemacht zu haben, die Tubenm\u00fcndung vermittelst eines Spiegelchens zu besichtigen.\nCzermak, Schriften.","page":513},{"file":"p0514.txt","language":"de","ocr_de":"514\tDe* Kehlkopfspiegel.\nweiche Gaumen von der hinteren Kachemvaud k\u00fcnstlich entfernt und emporgehoben werden.\ny \u00cf...J\nFig. 11. 1\t7 die K\u00f6rper der 7 liaUwitbel; /., f der lehlkopf mit der Epiglottis : t r die Luftr\u00f6hre;\nr die Schilddr\u00fcse ; U Durchschnitt dos Zungenbein-: / die Zunge ; j lJurclisehnitt des Unterkiefers ; m Zahnfortsatz. des Unterkiefers; tup harter Uauniei: /'1 Vomer; \u00ab Nasenbein; a, b. r, untere, mittlere, uliere Nasenmusebel, zwischen m ]i und u der untere, zwischen\u00ab und b der mittlere, zwischen b und r der obere Nasengang; //\u00ab der weiche Gaumen uni die Uvula; d die M\u00fcndung der linken Tuba Eustachi i im Uavum pharyngo-nasale ; er der Gaumetuken; k der kleine Ainoskopisclie Spiegel, wel-eben die rechte Hand des Beobachters einf\u00fchrt, die linke Hand desselben, w elche den Uaunienliaken tei l halt, ist weggelassen. H der concave in der Mitte dunltbohrte Belenehtungsspiegrl. den der Beobachter vermittelst des Mundstiels vor seinem rechten Auge tart; r Stellschraube au der Axe des Spiegels. Die Linie nk 11 gibt beispielsweise, den Gang eines in Ange des lieobaehters reflectirten Liclitstrabls. Iler Strahlenkegel, der von der Lichtquelle auf den Bltector f\u00fcllt, von diesem aut den Spiegel k und von diesem in der Richtung kn auf die Innern Tlieile refleuri wird, um sie zu beleuchten, ist weggelassen.","page":514},{"file":"p0515.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n5 15\nEs gelingt dies nach meinen Mittheilungen bekanntlich, wenn mau die willk\u00fcrlich erschlaffte oder durch das Intoniren von Nasent\u00f6nen ge\u00f6ffnete Gaumenklappe vermittelst eines platten Hakens, dessen Gr\u00f6sse und Kr\u00fcmmung je nach den Verh\u00e4ltnissen passend gew\u00e4hlt sein muss1), sanft nach vorn und oben zieht oder auch nur l\u00fcftet.\nDie Schwierigkeiten dieser und aller anderen zu diesem Zwecke etwa noch anwendbaren Manipulationen2) m\u00fcssen nothwendigerweise zuweilen sehr gross sein, namentlich wenn man es mit ung\u00fcnstig gebauten , reizbaren, ungeschickten oder widerstrebenden Individuen zu thun hat.\nDer u n ge\u00fcbte Beobachter findet diese Schwierigkeiten beinahe immer unlibersteiglich. Nicht so der Ge\u00fcbte. Es ist geradezu unglaublich und kann desshalb nicht eindringlich genug wiederholt werden. obschon man bei der Laryngoskopie ganz dieselbe Erfahrung gemacht hat, was einerseits die sichere, ruhige Hand des umsichtigen und ge\u00fcbten Beobachters den in Betracht kommenden Organen zu-muthen darf und was andererseits diese Organe, oft wunderbar rasch, ertragen lernen. Viele Individuen leiden \u00fcbrigens nach Traube's treffendem Ausdruck nur \u2014 an \u00bbnausea mentalis\u00ab.\nIm Anf\u00e4nge sind die rhiuoskopischen \u2014 ebenso wie die laryngo-skopischen \u2014 Versuche, welche man an Lebenden vornimmt, wie gesagt, in der Kegel v\u00f6llig erfolglos und entmuthigend, und wer nicht so viel Ernst, IJeberlegung und Unbefangenheit besitzt, um in seiner eigenen Ungeschicklichkeit und in dem Mangel an llebnng einen Hauptgrund des wiederholten Misslingens zu erkennen und durch ausdauernde Bem\u00fchungen die u\u00f6thige Dexterit\u00e4t zu erwerben und dieselbe zur Virtuosit\u00e4t zu steigern, der wird unzweifelhaft die ganze Sache bald bei Seite werfen und vielleicht \u2014 um sich selbst nicht zu nahe zu treten \u2014 die Laryngo- und Rhinoskopie f\u00fcr ganz werthlos oder \u00bbunpraktisch\u00ab erkl\u00e4ren.\nHat man sich erst vorl\u00e4ufig an Zeichnungen und dann am Cadaver praktisch orientirt, erst dann schreite man zu Versuchen an Lebenden\n1\tIch bediente mich urspr\u00fcnglich eines steifen Drahtes, dessen Ende eine Oese bildete, welche hakenf\u00f6rmig aufgebogen war. Dieses einfache Instrument, das ich auch jetzt noch ausser meinen grossen und kleinern Gaumenhaken oder Gaumenspateln anwende, empfiehlt sich besonders dadurch, dass man es durch Aenderung der Kr\u00fcmmung allen Verh\u00e4ltnissen anpassen kann. Es ist gut, den Theil des Drahtes, welcher die Oese bildet, m\u00f6glichst platt h\u00e4mmern zu lassen.\n2\tStatt das Velum von unten her aufzugreifen, habe ich auch mit Erfolg versucht, demselben von oben durch die Nasenh\u00f6hle vermittelst einer Art Belloc-scher R\u00f6hre mit verschiebbarem Axentheil beizukommen und es nach vorn und oben zu dr\u00e4ngen.\n3h*","page":515},{"file":"p0516.txt","language":"de","ocr_de":"516\nDer Kehlkopfspiegel-\noder trachte doch zun\u00e4chst Individuen 211 finden, welche sich durch einen unempfindlichen und weiten Nasenrachenraum zu Erstlingsversuchen besonders eignen.\nEin sicheres und unsch\u00e4dliches Mittel zur k\u00fcnstlichen Au\u00e4sthcsi-rung des Gaumens und Hachens d\u00fcrfte selbst f\u00fcr den Ge\u00fcbten in einzelnen besonders schwierigen F\u00e4llen eine sch\u00e4tzbare Erleichterung der rhino-, zum Th eil auch der laryngoskojiischen Untersuchungen und Operationen und besonders der Er\u00f6ffnung der Nasenklappc bedingen, und ich will hei dieser Gelegenheit nicht zu erw\u00e4hnen vergessen, dass man mich im Fr\u00fchjahr I860 in Paris auf das \u00bbbromure de potassium, qui aurait rendu \u00e0 Mr. le prof. Gosselin des services dans la stu-phyloraphie, connue, aneslh\u00eatique special de la r\u00e9gion pharyngienne \u00ab (s. Gazette m\u00e9d. de Paris, 14. Avril ls\u00dfO, p. 225 aufmerksam gemacht hat, und dass ich selbst bereits 1858 1. c. Nr. 2. S. 268. auf die Narkose vermittelst Zahnarzt Weiqeii'\u00e4 Mischung von Aether und Chloroform hingewiesen habe.\nWas immer die Zukunft in dieser beziehung bringen mag, man wird stets noch Individuen finden, hei wichen die rhinoskopischc \u2014 wie die laryngoskopische \u2014 Methode mit befriedigendem Erfolg nicht sogleich oder selbst \u00fcberhaupt gar nicht angewendet werden kann, z. P. wegen extremer Rachenengc. Verwachsungen oder anderen ung\u00fcnstigen Vorkommnissen.\nDiese Beschr\u00e4nkung gilt mehr oder wenigen- von jeder Explorationsmethode.\n1st es aber gelungen den Schlundkaiial. durch welchen speculirt werden soll, hinreichend wegsam zu madien, und ist die Beleuchtung in bekannter Weise regulirt, so kann die Einf\u00fchrung des Spiegels und die Inspection der einzelnen Tlieile hingegen verh\u00e4ltnissmiissig sehr leicht bewerkstelligt werden.\nIn dieser Beziehung gelten hier nat\u00fcrlich dieselben allgemeinen Regeln wie in der Laryngoskopie.\nHier wie dort wird sich Derjenige, welcher mit den Gesetzen der Katoptrik und der Topographie der Th# vertraut ist und nicht geradezu gedankenlos verf\u00e4hrt, hinsichtlicli der F\u00fchrung des Spiegels und der speziellen Anordnung des Versuch - sehr bald zurecht finden.\nVielleicht ist es Manchem Willkomm\u00ae, sich durch einen Blick auf den beigedruckten Holzschnitt vorl\u00e4ufig zu orientiren.\nDie Skizze stellt die linke H\u00e4lfte eines halbirten Sch\u00e4dels und Halses von innen dar. Der Sch\u00e4del ist stark gegen den Hals zur\u00fcck-geneigt. Auf dem Septum nur hm sind die Einzelnheiten der \u00e4usseren Nasenli\u00f6ldenwand, die Nasenmuscheln tiud G\u00e4nge und vorn, unten","page":516},{"file":"p0517.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n517\ndns Nasenloch, durcit puuktirte Linien angedentet. Da\u00ab Velum und die Uvula sind uns ihrer nat\u00fcrlichen, durch eine feine, zum Theil puuktirte Linie: antjedeuteten Ruhelage />\u00ab' durch den Gaumenhaken nach vorn und oben geschlagen, die Zunge steht hinreichend tief: Mund-. Rachen- und Nasenh\u00f6hle communiciren also ganz frei.\nBefindet sieh unter diesen entst\u00e4nden das Spiegelehen etwa bei .r und ist i/.r die Sch- und Beleuchtungsrichtung, so muss der Beobachter durch die bei g\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnissen in ihrem g a n z c n l'nifang sichtbaren (dtoa-nen in der Richtung tru in die Nasenh\u00f6hle blicken.\nBei hinreichender Weite des Xasenraumes kann der Blick l\u00e4ngs des Sep-tunisbiszum Schleim liant-iiberzug der Nasenbeine und der l.miiiim rriln'oxti dringen. Der Boden der Nasenh\u00f6hle und der gr\u00f6sste l\u2019lieil des unteren Nasenganges bleibt um-sichtbar, w\u00e4hrend alle drei .Muscheln und die b cid e n o b c r e n (t\u00e4tige in mehr oder weniger bedeutender Ausdehnung zug\u00e4nglich sind.\nEine mehr seitliche Neigung des Spiegelcheus bringt die Seitenw\u00e4nde der Nasenrachenh\u00f6hle, die Tubenmiindungen und Rose.v-Mfiu.Kii'schen (tr\u00fcben zur Anschauung.\nBefindet sich das Spiegclchcn in der tieferen, mehr horizontalen Stellung etwa bei ./\u2022' und ist die Seit- und Beleuchtungsrichtung //' x. so wird die hintere und obere Rachenwand beleuchtet und gespiegelt: die hintere convexe Fl\u00e4che des weichen Daumens verdeckt dann aber last die ganzen Choanen, und beschr\u00e4nkt bedeutend den Einblick in die Nasenh\u00f6hle.\n1 B iMireh:-ehniti der B oheren Halswirbelk\u00f6rper. \u2014 ipitis. S Os sphenoidale. \u2014 // Crista p\u00e7alli. - / Os fronttile. - v Os unsi. r hinterer l\u00eeaud dns Vumer. \u2014 in Processus nlveoliiris. mirli hinten in den Processus palatinus \u00fcber-- ./ liiirehschnitt des Unterkiefers. / Zunge. h Zungenbein. < Kpighritis. /, Larynx. \u2014h Trarliea. - ph t\\. p I\u2019iilitlnm nudle. n' u Uvula: pu' nat\u00fcrliche 1 eherabhfuigeiiden weichen (launions, pu zeigt die durch lunienliakon, h\\ behufs der Ixliinoskopio ver\u00e4nderte Lage ben. il Kachenmiindung der Tnha Kustachii im Ciivuni igo na \"a U1. n. h. r die unlere, mill lore und obere Nasen-luu.-chei. Zwischen u und dem (punktirten) Hoden der Nasenh\u00f6hle isl tier untere, zwischen lj und n der initiiere, zwischen r und b der obere Xasengaiig. \u2014 .\u00bb\u25a0, V Spiogelchen mit nach oben gekehrter Spiegelfl\u00e4che. - .>']), a'//' die Seil- und lieleiichlungs-riehtung, welche au dem Spiegelehen unter deinselhen Winkel\ni*o II no 1 l rt n ml <t/i1.* ii i i-1.-1 wi.i*ili**\\","page":517},{"file":"p0518.txt","language":"de","ocr_de":"518\nDer Kehlkopfspiegel.\nWenn nun das Spiegelchen in der Medianebene oder rechts oder links von derselben, unter gleichzeitiger .Neigungs\u00e4nderung und seitlichem Hin- und Her-Rotiren, aus der Tiefstellung wie bei x' allm\u00e4hlich in die Hochstellung (wie bei ./\u25a0 \u00fcbergefiihrt wird, und wenn \u00fcberdies f\u00fcr jede Spiegelstellung und Neigung jede m\u00f6gliche, durch den Spielraum gestattete Seh- und Beleuchtungsrichtung bewerkstelligt wird, so muss begreiflicher Weise der ganze zug\u00e4ngliche Raum mit seinen Wandungen in den verschiedensten Richtungen am Auge des Beobachters gleichsam vor\u00fcberziehn.\nEs versteht sich endlich von selbst, dass bei verschiedenen Menschen. ja selbst bei einem und demselben Individuum die Ausdehnung des Spielraumes f\u00fcr die Inspection wesentlich von der wechselnden Er\u00f6ffnung des Mundes, des Isthmus ftmchim, der Nasenklappe, ferner von der Wendung und Neigung, die man der Sch\u00e4delbasis gegen die Axe der Halswirbels\u00e4ule geben l\u00e4sst, und von der daraus folgenden Stellung der Nasenh\u00f6hle zu dem Rachenraume, abh\u00e4ngt. Die Tlieile, welche man nach meinen Erfahrungen, bei geh\u00f6riger Geschicklichkeit und Ausdauer in den meisten F\u00e4llen zu sehen bekommt sind : die Tubenm\u00fcndungen und ihre Umgebung, die Wandungen des Carum phurijn\u00ffo-numte, der obere Abschnitt der Choanen und des Septums w\u00e4hrend ein gr\u00f6sserer oder kleinerer Th eil des unteren Abschnittes derselben durch die hintere in ihrer ganzen Ausdehnung sichtbare convexe Fl\u00e4che des V\u00e9lums verdeckt wird . und endlich die hinteren oberen und mittleren Parthien der Nasenh\u00f6hle mit ihren Muscheln und G\u00e4ngen.\nIch erlaube mir liier zur Unterst\u00fctzung der Vorstellung Fig. I \u00f6 ein-zuschalten, die erste allerdings noch etwas rohe und fl\u00fcchtige Skizze der rliinoskopisch gew\u00f6hnlich sichtbaren Tlieile, welche ich schon im Sommer 1859 entworfen und in der ersten Auflage dieser Schrift mitgetheilt habe ; zugleich verweise ich den Eeser auf die sch\u00f6nen colorirten \u2014 und beil\u00e4ufig gesagt bisher einzigen correcten und naturgetreuen Abbildungen in Semeeeder\u2019s Broch\u00fcre \u00bbDie Rhinoskopie\u00ab Leipzig, Engelmann 1862.\nEine wortreiche Anleitung zur speciellen Untersuchung der Einzelheiten des Nasen- und Rachenraumes halte ich, insofern es sich nicht\nFig. IR. Rhinoskopisches Bild der Choanen und Tuhenm\u00fcndungen. Die gew\u00f6lbte hintere Fl\u00e4che des Volums verdeckt den unteren Abschnitt der Choanen und des Septums. Von dem Septum sieht man den hinteren freien Band und (links im Bilde) perspectivisch verk\u00fcrzt die rechte Seitenfl\u00e4che. Die durch die rechte (iin Bilde linke) Choane hindurch sichtbaren Nasenmuscheln und G\u00e4nge sind leider etwas stark verzeichnet, linkerseits (im Bilde rechts) dagegen ziemlich richtig angedeutet. Man sieht daselbst die obere und mittlere Nasenmusebel, den oberen und initiieren Nasengang und eine Spur des hintersten Endes der unteren Nasenmusebel.","page":518},{"file":"p0519.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n519\nnin ganz besondere und neue Kunstgriffe handelt, dem denkenden Beobachter gegen\u00fcber f\u00fcr ebenso \u00fcberfl\u00fcssig und, der unendlichen F\u00fclle der concreten M\u00f6glichkeiten gegen\u00fcber, f\u00fcr ebenso ungen\u00fcgend, wie in der Laryngoskopie.\nBei den ersten im M\u00e4rz 1858 an mir selbst angestellten rhinosko-pischen Versuchen bediente ich mich meines autoskopischen Apparats \u2014 jenes Stativs mit Beleuchtungs- und Gegenspiegel, welches icli bei den Beobachtungen am eigenen Kehlkopf ben\u00fctzte. Ich richtete Alles so lier wie zur Besichtigung des Larynx, sodann aber zog ich das rvill-k\u00fcrlieh erschlaffte Velum vermittelst eines steifen Drahtes, dessen Lik le eine Oese bildete, welche hakenf\u00f6rmig aufgebogen war, nach vorn und oben und f\u00fchrte einen kleinen nat\u00fcrlich erw\u00e4rmten Kehlkopfspiegel mit schr\u00e4g nach aufw\u00e4rts gekehrter Fl\u00e4che so unter dem gehobenen A elum durch, dass derselbe die vom coneaven Beleuchtungs-spiegcl kommenden Strahlen in das Cavum pharynyo-nasalc und Bilder der erleuchteten Tlieile reflectiren musste. Dieses autorhinosko-pisehe Verfahren eignet sich wie ich gezeigt habe ganz besonders zu didaktischen Demonstrationen.\nI m nicht beide H\u00e4nde, von denen eine den Daumenhaken die andere den Spiegel regierte, verwenden zu m\u00fcssen und die Aufmerksamkeit zu theilen hatte ich mir bald nach den ersten Versuchen vom Diener des physiolog. Laboratoriums der k. k. Josephs-Akademie in A Vien eine rechtwinkelig gebrochene Metallr\u00f6hre machen lassen, in welcher an der Knickung ein ovaler Spiegel unter einem Winkel von 45\u00b0 eingesetzt war.\nDer k\u00fcrzere nur wenige Linien lange schr\u00e4g abgestutzte Schenkel der R\u00f6hre wurde hinter das Velum, in das Cavum yliurynyo-nasale eingef\u00fchrt, durch den langen Schenkel fiel das Licht ein.\nBald zeigte sich jedoch die Nothwendigkeit den langen Schenkel der R\u00f6hre zum gr\u00f6ssten Theil in eine Halbr\u00f6hre zu verwandeln, um mehr Licht und freiere Aussicht auf das ovale Spiegelchen zu erhalten, ferner erschien es vortheilhaft, den kurzen Schenkel der R\u00f6hre ganz abzutragen und durch eine auf einem verschiebbaren Ringe befestigte verticale Platte zu ersetzen, um die Einf\u00fchrung des Instrumentes hinter das Velum zu erleichtern.\nSo entstand das provisorische Modell eines Apparates, welchem die Idee zu Grunde liegt, den Gaumenhaken und das Spiegelchen in Eins zu vereinigen, um beide Instrumente in einer Hand sicher zu regieren s. Fig. 14 .\nDer Holzschnitt S. 520) skizzirt, verkleinert, den Apparat Rhinoskop in jener primitiven Form, in welcher icli ihn zu meinen","page":519},{"file":"p0520.txt","language":"de","ocr_de":"520\nDer Kehlkopfspiegel.\nvorl\u00e4ufigen Versuchen durch Hrn. Meclianikus W. Hauck in Wien im Mai 1858 unfertigen liess. Ich f\u00fchre denselben, obschon ich ihn sp\u00e4ter auch an Anderen erfolgreich anwendete hier nur desshalb auf, weil dies der erste Versuch war obige Idee zu realisiren.\nFig. t-4. A stellt den Apparat (v or der Einf\u00fchrung) mit gedecktem Spiegelclien (,s) vor ; B nach der Einf\u00fchrung, wenn der verschiebbare Ring mit der verticalen Platte, vermittelst des am Ende umgeho-genen Drahtes zur\u00fcckgezogen ist. Die 2 parallelen punktirten Linien gehen den Gang der Lichtstrahlen an.\nIm Sommer 1859 publicirte ich 1. c. Nr. 17 die Resultate meiner \u00e4lteren und neueren Versuche \u00fcber die Inspection der Nasenh\u00f6hle durch die Choanen und das Cnviun pkarynyo-n\u00e4suie mit den Tubenm\u00fcndungen und empfahl den \u00e4rztlichen Collegen angelegentlich die Anwendung und 'Ausbildung dieser thats\u00e4ehlich m\u00f6glichen Explorationsmethode.\nIch habe nicht vers\u00e4umt diese wiederholte Empfehlung durch rhinoskopische Demonstrationen zu unterst\u00fctzen.\nAm 29. Juli 1859 demonstrirte ich in Rest einer Anzahl Collegen den Herren Dr. Dr. B\u00f4kai, Hirschler, Kaufmann, Koi.i.ki;.. Lum-niczer und Markusovszky) die oben genannten Theile und das hintere Ende einer durch die Nase in die Tuba eingef\u00fchrten Sonde an einem Individuum, welches ein von Natur der L\u00e4nge nach gespaltenes Velum hatte.\nIm Herbst 1859 habe ich zuerst in Leipzig ' ), dann in Berlin und\n1 Ilofrath Prof. Kuete schreibt mir:\n\u00bbHochgeehrter Freund !\nIhrer Aufforderung gem\u00e4ss bezeuge ich Ihnen sehr gern, dass Sie mir am 15. September 1859 in Gegenwart mehrerer Collegen nicht nur Ihre l\u00e4ryngoskopisehen Instrumente, sondern mit denselben auch Ihren Larynx und Ihr Ca vu m plni-ryngo-nasale mit den M\u00fcndungen d e r En stach' se h on Tuben auf dais deutlichste gezeigt haben. Dabei autorisire ich Sie auch von diesem meinem Zeugnisse jeden beliebigen Gebrauch zu machen.\nLeipzig, den 29. Nov. 1861.\nIhr ergebenster Ruete\u00bb.","page":520},{"file":"p0521.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n521\nendlich in Breslau neben dem laryngoskopischen stets auch mein rhi-noskopisches Verfahren demoustrirt.\nDiese Bem\u00fchungen blieben niclit erfolglos. Mein Freund Dr. Se-meeedeb in Wien war der Erste, welcher sich nacli meinem Vorg\u00e4nge mit erfolgreichen rhinoskopischen Studien befasste. Der Zweite, welcher mit anerkennenswerthem Eifer der Rhinoskopie oblag, war Herr Dr. Voetoi.ini, den ich bei meinem Besuche in Breslau kennen gelernt und zur ernstlichen Besch\u00e4ftigung mit der Rhinoskopie aufgefordert hatte.\nSeit dem Erscheinen der ersten Auflage dieser Schrift und der Ver\u00f6ffentlichung des ersten pathologischen Falles, in welchem von der Rhinoskopie eine praktische Anwendung gemacht wurde (s. meine Mittheilung in der Wiener med. Wochenschrift Nr. 17, I860., haben sich mehrere Bearbeiter dieses neuen Gebietes gefunden (unter denen ich Herrn T\u00fcrck als Neophyten und wegen seiner ingeni\u00f6sen Eang-nnd Halteapparate f\u00fcr die Uvula und den weichen Gaumen besonders hervorheben muss).\nAudi hat sich bereits allm\u00e4hlich eine kleine rhinoskopische Literatur gebildet, auf deren umfassendste Schrift, Dr. Skmeleoer\u2019s \u00abDie Rhinoskopie\u00ab mit Farbendrucktafeln. Leipzig, Engelmann 1862, um so eindringlicher aufmerksam zu machen ist, als trotz aller Bem\u00fchungen die Rhinoskopie, wegen der dem Anf\u00e4nger un\u00fcbersteiglieh scheinenden Schwierigkeiten, im Ganzen bisher weit weniger Verbreitung gefunden hat, als die Laryngoskopie.\nBei dem realen Nutzen, welchen meine Explorationsmethode a priori und nach den bisherigen Erfahrungen in vielen F\u00e4llen von Erkrankung der dem Blicke neu erschlossenen K\u00f6rperregion hinsichtlich der Diagnose und m annick fach en Operationen und localen Application von Heilmitteln verspricht, ist \u00fcbrigens die allgemeinere Verbreitung und Anwendung derselben nur eine Frage der Zeit, da sich der wahre Fortschritt endlich stets Bahn bricht.\nZum Schluss noch das Ende meines Artikels in Nr. 17, I860 der Wiener med. Wochenschrift: \u00bbHinsichtlich der Untersuchung der Nasenh\u00f6hle durch die \u00e4usseren Nasenl\u00f6cher, welche der Rhinoskopie einen zweiten Weg darbieten, will ich hier schliesslich noch eines Instruments erw\u00e4hnen, welches sich mein Freund Dr. Markusovszky in Rest vor einigen Jahren nach eigener Angabe anfertigen liess, und welches um so mehr v erdient in weiteren Kreisen bekannt und \u00fcberall angewendet zu werden, als meines Wissens nichts Sehnliches allgemci n Eingang gefunden hat.\nDas Instrument hat den Zweck , das Nasenloch zu dilatiren und","page":521},{"file":"p0522.txt","language":"de","ocr_de":"522\nv Der Kehlkopfspiegel.\ngerad zu strecken und ist so wie ein zweibl\u00e4tteriger Ohrcnspiegel con-struirt \u2014 nur im Ganzen entspreelrend gr\u00f6sser und mit breiteren und (l\u00e4dieren Bl\u00e4ttern vergehn.\nleb habe den ausserordentlich leicht zu handhabenden Marku-s\u00fcvszKY\u2019schen Dilidator wiederholt angewendet und, indem ich Sonnenoder Lampenlicht in gewohnter Weise mit durchbohrten Concavspiegeln einfallen licss sein' bequem den sch\u00f6nsten Einblick in die Nasenh\u00f6hle gewonnen. Namentlich \u00fcbersieht man auf diese Art ganz pr\u00e4chtig die untere Nasenmusthel und ihren freien einige Millimeter \u00fcber dem Boden der Nasenh\u00f6hle hinziehenden Band.\nIn einem Falle \u2014 bei sehr ger\u00e4umiger Nasenh\u00f6hle \u2014 habe ich bis auf die hintere Wand des Gummi pharyntp-nemde hineingesehen.\nBeil\u00e4ufig f\u00fchre ich noch an, dass es mir am Cadaver gelungen ist, bei dilatirtem Nasenloch ein kleines Spiegelehen mit seiner retleetiren-den Fl\u00e4che nach vom und oben gekehrt so in den Baum unter die Concha inferior zu schieben, dass ich die durch eine eingef\u00fchrte Borste markirte Nasen\u00f6ffnung des Thr\u00e4nenkanals deutlich sehen konnte.\u00ab\nVI.\nLocale Behandlung unter Beihilfe des Spiegels\u00bb\nUnter dieser allgemeinen Bezeichnung habe ich ein neues 1 Gebiet des \u00e4rztlichen K\u00f6nnens angebahnt, auf welchem bereits einzelne Erfolge erzielt worden sind, welche die k\u00fchnsten Erwartungen von den Leistungen des Kehlkopfspiegels in der Praxis gerechtfertigt haben.\n1. Laryngoskopische Operationen.\nDie erste Idee, welche der praktischen Verwertlumg des Kehlkopfspiegels in dieser neuen Bichtung zu Grunde liegt, habe ich bereits am 27. M\u00e4rz 1858 1- c. Nr. 1 ausgesprochen. Es heisst dort 8. 197 : \u00bbMan wird es woil gerechtfertigt finden, wenn ich \u2014 obschon selbst dem praktischen Berufe fernstehend \u2014 die Aufmerksamkeit der Praktiker durch vorliegende Zeilen auf Garcia\u2019s Spiegel lenke und damit\n1 Man hat zwar \u00abIwn l\u00e4ngst Instrumente in den Larynx und in die Trachea eingebracht, allein eiA erfahren zur sicheren F\u00fchrung der operiren-den Hand behufs l'icalisirter Manipulationen in jenen Kegionen durch das Auge hat bekanntlin vor meinen Bem\u00fchungen nicht existirt.","page":522},{"file":"p0523.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n523\ndas von Einzelnen vielleicht schon l\u00e4ngst hie nnd da angewendetc Instrument zur allgemeinsten und ausgedehntesten Benutzung empfehle, da es bisher Niemandem eiufiel diess zu thun..........Wenn man be-\ndenkt, dass man bisher so k\u00fchn war aufs Geradewohl den Aetzmittel-triiger bis an diese Th eile zu bringen, w\u00e4hrend vermittelst eines passend angebrachten Spiegels das Auge der sichere F\u00fchrir der 11 a n d werden k o n n t e, so muss man sich billig verwundern, dass Gakcia\u2019s naheliegende Idee nicht schon l\u00e4ngst und allgemein von den Aerzten praktisch verwerthet worden ist. Hat doch jeder wohleinge-richtete Zahnarzt seine Mundspiegelehen \u2014 und um wie viel wichtiger ist nicht wegen der Dignit\u00e4t der betreffenden Organe, Gakcia\u2019s Kehlkopfspiegel \u2019! ! \u00ab\nFerner habe ich 1) diese Idee zuerst auch wirk lieh aus g e-fiihrt (Februar 1859) und mein dabei befolgtes Verfahren ver\u00f6ffentlicht: 2, wiederholt und ausdr\u00fccklich hervorgehoben, dass die Laryngoskopie \u00bbhiermit ein neues weites Feld\u00ab \u00bbin operativer Beziehung\u00ab gewonnen habe. \u2014 und 3 die weitere Bearbeitung und Ausbildung des von mir angegebenen thats\u00e4chlieh m\u00f6glichen Verfahrens der F\u00fchrung der Hand vermittelst des Spiegels in jenen tiefverborgenen Regionen empfohlen ')\u2022\n1 Vgl. 1. c. Nr. 12 8.183: \u00bb. . . Als ich den Patienten am 10. Februar (1850) wieder untersuchte, war der Zustand seines Kehlkopfs fast unver\u00e4ndert,; nur war die entz\u00fcndliche R\u00f6the der die Arytcnoidknorpel einsehlies,senden Schleimhaut falte ganz gewichen und hatte einer blassen F\u00e4rbung Platz gemacht, zugleich war die pralle Spannung verschwunden und es hatte den Anschein, als ob dieselbe \u00f6demat\u00f6s infiltrirt w\u00e4re. . . . Bei so bewand ton Umst\u00e4nden war eine Aetzung der Thetle mit lapis infcrnalis indieirt und ich f\u00fchrte dieselbe am folgenden Tage im Beisein des Herrn Prof. v. Balassa vermittelst eines langen, passend gebogenen Aetzmitteltr\u00e4gers und unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels aus. Bei der ruhigen, geschickten Haltung des Patienten war es mir m\u00f6glich, die Anschwellungen \u00fcber den Arytcnoidknorpeln mit dem Aetzmittel genau zu treffen, indem ich zuerst den Kehlkopfspiegel mit der linken Hand einfiihrte und so fixii'te, dass ich nicht nur die Kehlkopftheile, sondern auch den mit der rechten Hand eingeb r\u00e4chten Ae tz m i tt e 1 tr\u00e4ger sehen und auf die bezeichneten Stellen leiten konnte. . . . Nachdem der Patient den verhiiltnissm\u00e4ssig geringen llustenanfail in Folge des Reizes \u00fcberwunden hatte, \u00fcberzeugte ich mich nach abermaliger Inspection mit dem Kehlkopfspiegel, dass sieh auf den bezeichneten Stellen zwei ausgiebige, scharf-umschriebene, kreide weisse Schorfe gebildet hatten. Die beabsichtigte Aetzung war somit als vollkommen gelungen zu betrachten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Sicherheit, mit welcher dieselbe ausgefiihrt werden konnte, milder Anwendung des Kehlkopfspiegels zu verdanken ist, indem nur durch diesen bei derartigen operativen Eingriffen, . . \u2022 > das Auge zum F\u00fchrer der Hand\u00ab gemacht und jene Sicherheit im Operircn erm\u00f6glicht wird, welche bisher nur einem","page":523},{"file":"p0524.txt","language":"de","ocr_de":"524\nDer Kehlkopfspiegel.\nEndlich habe ich specie 11 mit R\u00fccksicht auf die seit der Einf\u00fchrung der Laryngoskopie in so grosser Zahl entdeckten Neubildungen am Kehlkopf mein Verfahren zur operativen Entfernung der Polypen u. s. w. vorgescldagen.\nH. 97 der ersten Auflage heisst es: \u00bbZugleich liegt es auf der Hand, dass durch die jetzt so erleichterte pr\u00e4eise Diagnose in vielen F\u00e4llen eine rationelle operative K u n s t h i 1 f e wird geleistet werden k\u00f6nnen.\u00ab\n\u00bbHelion Middeldokpf Sagt (Galvanokaustik H. 206) \u00bb \u00bbDie intrala-ryiigealen Geschw\u00fclste eignen sich zur Laryngotomie, die aus demselben hervorragenden oder ihm aufsitzenden zur Laryngotomie sous-hyo\u00efdienne oder zur Galvanokaustik.\u00ab\u00ab Zu erinnern w\u00e4re hier noch an das LiikmanxscIic Verfahren, an meinen Vorschlag unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels v o n o b e n o d c r d u r c h die 1 a r y n g o t o mische W u n d \u00f6 f f n u n g hi n durch z u o p er i r e u, und endlich ganz allgemein an die Vortheile der zu diesem Zwecke von Mipdeldorpf zuerst mit so gl\u00e4nzendem Erfolge in Anwendung gezogene Galvanokaustik (vgl. den Fall: Pastor M\u00f6se a. a. O. S. 212.\u00ab\nVon v. Bruns, Lewin, Lindwurm und mir (H. 587) sind Larynx-polvpen unter Beihilfe des Spiegels von oben (durcit den Mund auf verschiedene Weise operirt worden. Bruns hat die erste Ausrottung eines Polypen in der Kehlkopfsh\u00f6hle durch Zerschneiden bewerk-\ngliicklichen Zufall anheimgestellt blieb\u00ab, ln anderen F\u00e4llen war es mir gelungen, genau localisirte Aetzungen der Taschenb\u00e4nder auszuf\u00fchren (g. unter Patliolog. Beobachtungen, Fall l>, Fall 10) und Sonden von oben auf Geschw\u00fclste zu leiten und dieselben auf ihre Resistenz zu pr\u00fcfen , welche theils oberhalb (g. unten Fall l'f) theils sogar unterhalb der wahren Stimmritze (s. unten Fall 1) ihren Sitz hatten. In letzterem Falle, wo eine laryngotomische Wund\u00f6ffnung bestand , wurde die Bef\u00fchlung derGeschwiilsto unter Beihilfe des kleinen Spiegels fs. Abschnitt IV) auch von unten vorgenommen. Ferner vgl. 1. c. Nr. 15 S. 272: \u00bbSchliesslich hebe ich nochmals im Allgemeinen hervor, dass der Kehlkopfspiegel . . ..nicht nur in diagnostischer Beziehung ein h\u00f6chst wertlivolies Instrument ist, sondern dass er auch in operativer Beziehung eine Zukunft hat, indem er geeignet ist, mag er von oben oder von unten angewendet werden, das Auge zum F\u00fchrer der Hand zu machen\u00ab. Semeleder, der schon in Folge meiner ersten Anregung unter Beihilfe des Spiegels tief am Zungengrunde ge\u00e4tzt hatte :1. e. Nr. 5), Lewin, Stork u. A. haben bald nach diesen Publieationen mein Verfahren der F\u00fchrung der operirenden Hand vermittelst des Spiegels in vielen F\u00e4llen ausgef\u00fchrt, und hierzu auch lange Aetzmitteltr\u00e4ger, gestielte Schw\u00e4mmchen und Pinsel etc. angewendet. Besondere Erw\u00e4hnung verdient die Benutzung eines steifen gebogenen Drahtes, dessen aus Platin bestehendes Ende in geschmolzenen H\u00f6llenstein getaucht und so incrustirt wird (Lewin, Ra\u00fcchfuss). Mackenzie hat neu-i'ch der Leichtigkeit wegen Aluminiumdraht hierzu empfohlen.","page":524},{"file":"p0525.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n525\nstelligt und in seiner oben eitirten Brochure ausf\u00fchrlich beschrieben. Lkwln hat solche Neubildungen durch Ausreisgen uud Ab\u00e4tzen entfernt.\nDie ganze Sache ist nat\u00fcrlich noch in ihrer Kindheit, allein sie existirt bereits factiscli und geh\u00f6rt schon lange nicht mehr unter die \u00bballzusanguinischen Hoffnungen. \u00ab Der Zukunft ist hier noch mancher Fortschritt Vorbehalten, namentlich in Beziehung auf die Erfindung neuer zweckm\u00e4ssiger Instrumente, welche eine sichere F\u00fchrung und Handhabung in jenen tiefgelegenen Kegionen zulassen. Dass der Patient durch Ausdauer und Willenskraft, dort wo es sich um feinere Manipulationen handelt, den Operateur wesentlich unterst\u00fctzen muss, versteht sich von selbst. Ich kann f\u00fcr intelligente Patienten fortgesetzte autolaryngoskopisehe Uebungen um so mehr empfehlen, als man dann, wie ich getlian, dem Patienten selbst die F\u00fchrung des Kehlkopfspiegels \u00fcberlassen kann und beide H\u00e4nde frei beh\u00e4lt. Eine geschickte menschliche Hand ist immer besser als ein mechanischer Kehlkopfspiegelhalter oder Fixateur.\nAuf der anderen Beite wird cs nach meinen Erfahrungen be-achtenswerth sein, die allgemeine Narkose oder locale Anaesthetica <) herbeizuziehen, um die Manipulationen f\u00fcr den Patienten und den Operateur zu erleichtern.\nJeder der es versucht hat die Bewegungen seiner operirenden Hand durch den Kehlkopfspiegel zu leiten, wird abgesehen von der allgemeinen Schwierigkeit sieh nach einem verkehrten Spiegelbilde zu richten noch die sp e ci eile empfunden haben, welche die Heschaffenheit des winklig-gebrochenen, verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig engen, langen und gegen Ber\u00fchrung \u00e4usserst empfindlichen Kanals mit sich bringt, durch welchen hindurch die Einf\u00fchrung der Instrumente, die Beleuchtung und das Sehen geschieht.\nDie Instrumente m\u00fcssen daher m\u00f6glichst schlank sein, ohne dess-halb an Sicherheit und Festigkeit zu verlieren. Eine Bedingung, die um so schwieriger zu erf\u00fcllen ist, als die Instrumente lang und stark gekr\u00fcmmt sein m\u00fcssen.\nDie gr\u00f6sste wiewohl \u00fcberwindbare Schwierigkeit beim Einf\u00fchren findet man, ehe die Kr\u00fcmmung des instrumentes mit der Kr\u00fcmmung des Mundschlundkanals in Febereinstimmung gebracht ist. K\u00f6nnte man vender Stelle, wo sich der Spiegel befindet, in gerader Kichtung\n1 So soll z. B. Hp Bromur. potass, dravhmam, Aqu. desl. unchm, S. s. ad gar-ffurism. oder selbst 1 G ramm auf J00 Gramm Aq. sehr wirksam sein. Diese Formeln verdanke ich der g\u00fctigen Mittheilung des Herrn Dr. Kommel\u00e4re aus Gent.","page":525},{"file":"p0526.txt","language":"de","ocr_de":"520\nDer Kehlkopfspiegel.\ndas Instrument nach abw\u00e4rts leiten, so w\u00e4re diu Sache ungleich leichter1 .\nHinsichtlich der topischen Application von medieament\u00f6sen Stoffen in fl\u00fcssiger oder l'ulverform l\u00e4sst sich die angedeutete Schwierigkeit, wie ich zeigte, durch folgendes schon in der ersten Auflage S. S'l angedeutete Verfahren beseitigen s. W iener ined. W'ochenschr. No. I, IS02 .\nNachdem der Kehlkopfspiegel plaeirt und tixirt ist. fasst man statt des Aetzmitteltr\u00e4gers oder gestielten Schw\u00e4mmchens etc. eine d\u00fcnne rechtwinkelig gebogene (\u00ablas- oder Metallr\u00f6hre, deren langer Schenkel\nFig. 15. in o hi ist der Kehlkopfspiegel, dessen reflectirende Fl\u00e4che nach vorn (rechts) und unten sieht so, dass das Auge des Beobachters (</) den kranken Punkt b in der verl\u00e4ngerten Sehrichtung a ob' bei b' hinter dem Spiegel sieht. T ist die rechtwinklig gebogene R\u00f6hre, welche die Ladung an Uiissigen oder pulverisir-ten Medicamenten enth\u00e4lt. Wenn der kurze Schenkel (i) der R\u00f6hre V, wie in unserer Zeichnung vor dem Spiegel steht und genau auf den Punkt b gerichtet ist, so dass der aus dem R\u00f6hrenende hervorgetriebene Luftstrom den Punkt treffen muss, so siebt das Auge des Beobachters a das Bild der R\u00f6hre im Spiegel bei TV gerade auch in einer solchen Stellung, dass der kurze Schenkel V ebenso genau nach dem Bildpunkte bl zielt <t rice versa. Man kann also der R\u00f6hre TI die passende Richtung gehen, um einen Punkt b des Larynx oder der Trachea zu treffen, indem man mit dem Bilde des kurzen R\u00f6hrenschenkels V nach dein Punkte V im Spiegel zielt. Denkt man sich, dass die Linie tb nicht blos eine Richtung anzeigt, sondern etwa das feste Ende eines bis b hinabreichenden (schneidenden, fassenden, kauterisirenden) Instrumentes T. so gilt unser Schema ganz allgemein f\u00fcr das neue ( \u00bbperationsve : fahren.\nbilde des zu treffenden Kehlkopftheiles.\n12 his 16 cm, deren kurzer Schenkel I bis 3 cm hat und am Ende eine feine Oeff\u00fcung besitzt : f\u00fchrt dieselbe ein und n\u00e4hert sie mit dem Knie der Spiegelfl\u00e4che oder st\u00fctzt das Knie wohl geradezu an die Spiegelfl\u00e4che an \u2014 so dass der ganze kurze Schenkel summt einem St\u00fcck des l\u00e4ngeren nebst den Kehl-kopftheileu im Spiegelbilde erscheint.\nIst dies geschehen, so zielt man mit dem Spie-gel bilde des kurzen Schenkels wie wenn es das w i r k I i eh e liiili-\nreuende w\u00e4re ... genau\nnach dem Spiegel-Lias wirkliche K\u00f6liren-\n1 F\u00fcr die weitere Vervollkommnung der Instrumente ergibt sieb hieraus, was ich nur beil\u00e4ufig bemerken will, der Fingerzeig an einen Mechanismus zu denken, durch welchen sich das Ende des eingebrachten Instrumentes in gebrochener Richtung verschieben w\u00fcrde;, wie etwa die Feder der Bioli.oo sehen R\u00fchre.\nfliese Aufgabe f\u00fcr den Mechaniker erscheint mir ebenso wenig absolut unl\u00f6sbar als die andere, n\u00e4mlich den Kehlkopfspiegel mit seinem Stiele selbst so eiu-zurichten , dass sich aus seinem Inneren das wirksame Ende des Instruments in bestimmter Richtung herv\u00f6rsehiebeu Hesse \u2014 wodurch Spiegel und Instrument in eine Hand k\u00e4men.","page":526},{"file":"p0527.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n527\nende mit der feinen Oeffnung li\u00e2t sich dann ebenso genau auf den wirklichen Kehlkopftheil gerichtet, den man treffen will, und l\u00e4sst man nun pl\u00f6tzlich einen Luftstrom durch die R\u00f6hre streichen, so wird derselbe die in der R\u00f6hre enthaltenen Fl\u00fcssigkeitstropfen oder pulverisirten Theilchen mit sieh reissen und in gerader Richtung an den gew\u00fcnschten Ort im Kehlkopf oder in der Trachea bringen, wenn die Athemhewegungen des Patienten nicht zu heftig sind. Der Holzschnitt Fig. 15, S. 52(3 erl\u00e4utert den Sinn dieser Anordnung und zugleich, mut\u00e2t is mutandis, im Allgemeinen das Princip der F\u00fchrung der operirenden Hand durch das Auge vermittelst des Spiegels.\nDas Zielen mit dem k\u00fcrzeren R\u00f6hrenschenkel im Spiegelhilde geschieht ganz in derselben Weise wie das Zielen mit einem Schiessgewehr \u2014 und man kann an jenem ebenso wie hei diesem eine Art \u00bbM\u00fccke\u00ab anbringen, um sich das sichere Zielen zu erleichtern. Je l\u00e4nger \u00fcbrigens der k\u00fcrzere R\u00f6hrenschenkel ist, desto leichter kann man ohne weiteres richtig zielen.\nWie die Stellung und Neigung der winkelig gebogenen R\u00f6hre oder des Spiegels ver\u00e4ndert werden m\u00fcsse, damit das gespiegelte k\u00fcrzere R\u00f6hrenende die erforderliche Richtung heim Zielen bekomme, dar\u00fcber wird der Beobachter nat\u00fcrlich sofort durch das Spiegelbild selbst belehrt.\nMan kann oft mit grossem Vortheil die R\u00f6hre von der Spiegelfl\u00e4che weit entfernen und den Kehlkopftheilen beim Zielen bedeutend ann\u00e4hern.\nUm die im vorderen verengten R\u00f6hrenende enthaltenen Fl\u00fcssigkeitstropfen oder das in einer aufschraubbaren Erweiterung befindliche Pulver hervorzutreiben, wird, wie bei den vielen \u00e4hnlichen lujections-vorrichtungen, welche existiren, comprimirte Luft ben\u00fctzt.\nMan kann zu diesem Ende durch einen an die R\u00f6hre angesteckten Kautschukschlauch nach dem Vorg\u00e4nge von St\u00f6kk oder Semeledek einen Luftstrom aus seinem eigenen Munde einblasen.\nNoch besser ist es jedoch, den Kautschukschlauch l\u00e4nger zu nehmen und in einen Ballon mit Ventilen enden zu lassen, den man zwischen den Knieen oder durch einen Tritt mit dem Fuss comprimirt, weil die Luft dann nicht feucht ist, wie die aus dem Munde kommende.\nDen Kautschukhaiion unmittelbar an die R\u00f6hre anzubringeu und mit dem Daumen zu eomprimiren, ist liier weniger angezeigt, da sich durch diese Bewegung die Zielrichtung gerade im entscheidenden Moment leicht verr\u00fcckt.\n.Sehr vorteilhaft m\u00fcsste es sein, die Ausstr\u00fcmungs\u00f6ffnung von","page":527},{"file":"p0528.txt","language":"de","ocr_de":"528\nDer Kehlkopfspiegel.\nMatiiieu\u2019s \u00bbpulv\u00e9risateur\u00ab (f\u00fcr Fl\u00fcssigkeiten:, iu der beschriebenen Art direct auf das Orificium laryngis zu richten.\nWill man die R\u00f6hre und den Spiegel mit einer einzigen Hand regieren, so braucht man nur beide Bestandtlieile in passender Weise fest mit einander zu verbinden. Ich habe schon im Herbst I860, w\u00e4hrend meines Aufenthaltes in London den bekannten Instrumentenmachern Weiss und Sohn die genaueren Angaben zu einer solchen Vorrichtung gemacht1} und sie haben dieselben in einem vorl\u00e4ufigen Modell auch ausgef\u00fchrt.\nMan h\u00e4tte dann den Spiegel so einzustellen, dass das Bild des zu treffenden Objectes an einem Punkt erscheint, auf den das Spiegelbild des k\u00fcrzeren B\u00f6hrenendes hinzielt, oder mit anderen Worten, dass das verk\u00fcrzte Bild des k\u00fcrzeren B\u00f6hrenendes das Bild der zu treffenden Stelle deckt. Denn unter diesen Umst\u00e4nden f\u00e4llt die Bichtung, in welcher der Luft- oder Fl\u00fcssigkeitsstrom aus der \u00dc\u00f6lire hervorgetrieben wird, genau mit der an der Spiegelfl\u00e4che so zu sagen gebrochenen Sehrichtung zusammen und muss noth wendig das wirkliche Object jener Stelle des Spiegelbildes treffen.\nLiesse man die Bohre von hinten her durch eine Bohrung im Spiegel an der reflectirenden Fl\u00e4che m\u00fcnden und im Niveau derselben enden, wie ich dies bei dem Londoner Modell ausf\u00fchren liess, so m\u00fcsste behufs des Zielens \u2014 etwa am Spiegelstiel ein Zeiger angebracht werden, dessen Spitze mit der B\u00f6hren\u00f6ffnung und dem Spiegelbilde des zu treffenden Objectes in die gerade Sehrichtung zu bringen w\u00e4re.\nLs versteht sich, dass nur ausdauernde Febuugen Sicherheit im Zielen und Treffen gewinnen lassen, so wie dass jede einzelne Bohre, mag sie nun isolirt oder in fester Verbindung mit dein Spiegel verwendet werden, vorher zu pr\u00fcfen ist, wie mit derselben gezielt werden m\u00fcsse.\nAls Scheiben zu diesen Ziel\u00fcbungen und Proben dienen mir lebensgrosse laryngoskopische Zeichnungen, welche ich auf den Boden eines verschlossenen K\u00e4stchens lege und durch eine Oeffnung in der vorderen Wand des K\u00e4stchens vermittelst des Kehlkopfspiegels beleuchte und speculire, oder das laryngoskopische Phantom (s. obenS. 509, Amn. I ;.\nDie benetzten Stellen der Zeichnung lassen dann erkennen, ob richtig gezielt und getroffen wurde und zuletzt ergibt die Ausdehnung der benetzten Stellen, in welchem Grade die Oeffnung der Bohre die Ladung zerstreut oder concentrirt li\u00e2t, welche Genauigkeit der\n1 8. die englische Ueber,Setzung meiner Brochfite von Dr. Gum, the New Sydenham Society, London IStil, Section VI: \u00bbOf the local treatment of the larynx\u00ab,","page":528},{"file":"p0529.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n529\nLoc ali si run g somit \u2014 das exacteste Zielen vorausgesetzt \u2014mit der probirten R\u00f6hre und Ladungsmenge erreicht werden k\u00f6nne.\nBesteht die Ladung aus pulverisirten Substanzen, so wird die als Scheibe dienende laryngoskopische Zeichnung befeuchtet, damit das Pulver an den getroffenen Stellen haften bleibe.\nF\u00fcr Jene, die eine stetige Hand und ein sicheres Auge haben und etwa \u00fcberdies ge\u00fcbte Sch\u00fctzen sind, kann es \u2014 wie ich mich durch eigeue Erfahrung \u00fcberzeugte \u2014 nicht die geringste Schwierigkeit haben, dieses neue Verfahren der localen Behandlung zu erlernen und mit Erfolg anzuwenden.\nGegen die bisher gebr\u00e4uchlichen Methoden feste oder fl\u00fcssige Me-dicamente in deu Larynx zu bringen, ist das eben auseinandergesetzte Verfahren in allen F\u00e4llen, welche eine bequeme Application des Kehlkopfspiegels erlauben, als ein in die Augen springender Fortschritt zu bezeichnen.\nJa selbst im Vergleiche mit den zuerst von mir unter Beihilfe des Spiegels ausgef\u00fchrten localen Touehirungen und Sondirungen des Larynx vermittelst langer passend gebogener Instrumente bietet dasselbe manche entschiedene Vortlieile, obschon es meine urspr\u00fcngliche Methode nat\u00fcrlich nicht in deu F\u00e4llen ersetzen kann, wo sich\u2019s darum handelt, erkrankte Theile mit Instrumenten in unmittelbare Ber\u00fchrung zu bringen.\nIch habe das Verfahren bereits mehrfach ausgef\u00fchrt und kann es allen praktischen Aerzten, welche sich die n\u00f6thige Hebung im Laryn-goskopiren erworben haben, umso eher empfehlen, als es weiterer \\ ervollkommnung f\u00e4hig ist, und zur Erlernung und Anwendung desselben nur einige winkelig gebogene Glas- oder Metallr\u00f6hren mit verschieden feiner eapillarer End\u00f6ffnung und ein Kautschukschlauch mit comprimirbarem Ballon nothwendig sind.\nSchliesslich m\u00f6chte ich nur noch daran erinnern, dass man jetzt auch daran denken m\u00fcsse, eine gr\u00f6ssere Reihe von Medicamenten hinsichtlich ihrer therapeutischen Wirkungen bei localer Anwendung auf die Kehlkopfschleimhaut zu pr\u00fcfen , wobei die an anderen Schleimh\u00e4uten Rachen-, Mund-, Nasenschleimhaut, Conjunctiva gewonnenen Erfahrungen manchen werthvollen Fingerzeig geben d\u00fcrften.\n2. Rhinoskopische Operationen.\nDas Princip der F\u00fchrung der operirenden Hand durch das Auge unter Beihilfe des Spiegels kann selbstverst\u00e4ndlich auch in der Rhino-skopie bei den verschiedensten Operationen Sondirungen, Touchirun-gen, Entfernung von Polypen Anwendung finden, und das um so\nCzermak, Schriften.","page":529},{"file":"p0530.txt","language":"de","ocr_de":"Ber Kehlkopfspiegel.\n51} 0\nleichter, als auch die \u00e4usseren Nasenl\u00f6cher der bequemen Einf\u00fchrung von Instrumenten offen stehen.\nIch habe gleich bei dem ersten pathologischen rhiuoskopischen Falle eine auf diese Weise bewerkstelligte Sondirung von Wulstungen in der Umgebung der Tubenm\u00fcndung vorgenommen (s. unten Bhino-skopisehe F\u00e4lle, und Semeleder hat einen ganzen Paragraph seiner oben citirten Brochttre dem Katheterismus der Bestach sehen Tuba unter Beihilfe des Spiegels gewidmet.\nVII.\nYerwertlnmg der Photographie f\u00fcr Laryngoskopie und\nEhinoskopie.\nIn der Sitzung der math. nat. Klasse der k. Akademie der Wissenschaften zu Wien vom 7. November 1861 machte ich folgende Mittheilung : \u00bb Bei der grossen Sch\u00e4rfe. Lichtst\u00e4rke und Fl\u00e4chenausdehnung der Bilder des Kehlkopfes, wie ich sie seit IS\u00d68 vermittelst meines bekannten Selbstbeobachtungsapparates zu demonstrireu vermochte, war es ganz nat\u00fcrlich. dass ich l\u00e4ngst auf die Idee gekommen bin. dieselben photographisch tixiren zu lassen.\nIch habe bereits in der ersten Auflage meiner Brochttre \u00fcber den Kehlkopfspiegel S. 24 mitgetheilt. dass der Photograph Simoxyi in Pest. mit welchem ich die Ausf\u00fchrung meiner Idee besprach. es t on seinem Standpunkte aus f\u00fcr m\u00f6glich erkl\u00e4rte, die ihm gezeigten Kehlkopfspiegelbilder zu photographiren.\nIm August und September I860, w\u00e4hrend meines zweiten vorj\u00e4hrigen Aufenthaltes in Paris. halte ich aber die ersten derartigen Versuche im Vereine mit dem ausgezeichneten naturhistorischen Zeichner und Photographen H. Lackerbauer wirklich angestellt.\nWir verwendeten nat\u00fcrlich Sonnenheleuchtung und einen meiner Kehlkopfspiegel, welchen ich mir eigens zu diesem Zwecke in der kolossalen Gr\u00f6sse von 38 Millim. H\u00f6he und Breite durch Mathieu in Paris hatte anfertigen lassen.\nWir erhielten in der That unverkennbare photographische Bildspuren vom Kehlkopf, aliein w\u00e4hrend die t\u00f6nende Stimmritze, die Stimmb\u00e4nder und die Yentr. Morgagni recht h\u00fcbsch gekommen waren, hatte sich von der Epiglottis, den Arytaemidknorpeln und den ary-","page":530},{"file":"p0531.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n531\nepiglottischen Falten, welche das Bild erst anschaulich begrenzen sollten, gar nichts Erkennbares abgebildet.\nMeine unerwartet pl\u00f6tzliche Abreise von Paris zwang mich, diese Versuche, welche wenigstens alle Zweifel \u00fcber die M\u00f6glichkeit derartiger photographischer Aufnahmen beseitigt hatten, vor ihrer g\u00e4nzlichen Vollendung zu unterbrechen.\nSeither habe ich mich lange vergeblich um eine Gelegenheit umgesehen , meine Versuche wieder aufnehmen und zu einem vollst\u00e4ndigen Abschluss bringen zu k\u00f6nnen, bis ich endlich vor Kurzem in dem Prager Photographen und Maler J. Brandeis einen Mann fand, der neben seiner Kunstfertigkeit genug wissenschaftliches Interesse besass, um meinen Zwecken Zeit und M\u00fche bereitwilligst zu opfern. Der ungew\u00f6hnlich klare Oetoberhimmel dieses Jahres beg\u00fcnstigte das Unternehmen so ausserordentlich, dass es in wenigen Tagen vollst\u00e4ndig gelang und ich die ersten Probebilder Bereits in der Sitzung des k\u00fcrzlich ins Leben getretenen Vereines der Aerzte in Prag vom 16. October und in der Sitzung der k. b\u00fchm. Gesellschaft der Wissenschaften vom \"21. October vorlegen konnte.\nIch liess nicht nur mehrere Ansichten vom Kehlkopf, sondern auch Bilder von einigen jener Tlieile, welche durch meine rhinosko-pische Methode dem Auge des Arztes zug\u00e4nglich geworden sind, durch Herrn Brandeis photographisch fixiren. Ja es wurden sogar lebensgrosse , stereoskopische Photographien vom Kehlkopf hergestellt, welche die \u00fcberraschendsten plastischen Effecte zeigen: und ich beabsichtige. \u2014 sobald ich Zeit und Gelegenheit hierzu finde \u2014 in dieser anschaulichen Weise, wo m\u00f6glich die ganze Keihe der wichtigsten und lehrreichsten laryngoskopischcn Ansichten photograpliiren zu lassen.\nOb es sich verlohnen d\u00fcrfte, zu versuchen behufs fortgesetzter photographischer Aufnahmen den Mangel an directem Sonnenlicht in der eingetretenen Jahreszeit und im Winter, durch elektrisches oder DRomoND sches Licht zu ersetzen, werde ich demn\u00e4chst ermitteln.\nHinsichtlich des Verfahrens, welches ich zur Herstellung der beiliegenden Photographien ') einschlug, bemerke ich Folgendes :\n1 Die drei mit Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3 bezcichneten Photographien sind im Archiv der k. Akademie der Wissenschaften zu Wien hinterlegt; andere Exemplare derselben Photographien habe ich der pariser Akademie eingeschickt 's. Compt. rendus, Nr. 22, (25. Novembre 1801 ;. \u2014 Nr. 1 und Nr. 2 sind stereoskopische Hoppelbilder auf Glas photographirt. Jedes derselben gibt im Stereoskop ein lebensgrosses Bild meines Kehlkopfes, w\u00e4hrend des Hervorbringens eines mittelhohen Tones der Bruststimme. Man \u00fcbersieht in der Tiefe die 4 Stimmb\u00e4nder, die Glottis roralis und die Venir. Morgagni, rings begrenzt durch das kurze pla-","page":531},{"file":"p0532.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n532\nIch erzeugte zun\u00e4chst vermittelst meines Selbstbeobachtungsapparates bei concentrirter Sonnenbeleuchtung in bekannter Weise m\u00f6glichst lichtstarke laryngo- und rhinoskopische Spiegelbilder, welche statt wie bei meinen gew\u00f6hnlichen Demonstrationen, direct in das Auge des fremden Beobachters zu fallen, von dem hinter und \u00fcber dem grossen Beleuchtungsspiegel aufgestellten, photographischen Apparat aufgefangen und auf die matte Glastafcl desselben projicirt wurden.\nMein Freund Herr D. Bkeisky, dem ich hiermit f\u00fcr seine gef\u00e4llige Mitwirkung \u00f6ffentlich danke, \u00fcberwachte die richtige und scharfe Einstellung der Bilder in der Camera ; und Herr Brandeis besorgte hierauf den photographischen Tlieil der Aufnahme.\nIch liess die laryngoskopischen Spiegelbilder aus naheliegenden optischen Gr\u00fcnden in sehr verkleinertem Maassstab, aber m\u00f6glichst scharf aufnehmen. Die erhaltenen negativen Bilder wurden dann in bekannter Weise vergr\u00f6ssert, um lebensgrosse, positive Matritzen zu geben, die entweder gegen das Licht gehalten. unmittelbar ben\u00fctzt wurden oder durch abermalige Aufnahme in negative verwandelt, endlich auf Papier copirt wurden.\nAls photographischer Apparat diente ein gew\u00f6hnlicher sogenannter \u00bbMultiplicator\u00ab Berliner Fabrikation, d. i. eine Camera mit 4 Objecti-ven. in welcher gleichzeitig 4 Bilder entstehen, von denen immer je zwei, n\u00e4mlich die beiden oberen zusammen und die beiden unteren zusammen, im Stereoskop combinirbar sind.\nDa es sich beim Photographiren des Kehlkopfes um eine m\u00f6glichst rasche Aufnahme beweglicher Theile handelt, so wurde die Expositionszeit zwar m\u00f6glichst abgek\u00fcrzt, doch muss ich bemerken, dass sich Herr\nstisch emporsteigende Ansatzrohr, welches durch die Epiglottis, die Arytaenoid-knorpel und die ary-epiglottischen Falten gebildet wird, seitlich davon dringt der Blick in die tiefe mit Schleimhaut ausgekleidete Grube, welche bekanntlich jeder-seits zwischen der Innenfl\u00e4che des Schildknorpels und der Aussenfl\u00e4clie des Ringknorpels und des Lkj. ary-epiglottieum \u00fcbrig bleibt. Sinus pyriformis (Turtual). Beide Ansichten sind nicht genau in der Medianlinie aufgenommen, wodurch die asymmetrische Aneinanderlagerung meiner Arytaenoidknorpel (die Cornua Santorini kreuzen sich, das der rechten Seite greift n\u00e4mlich vollst\u00e4ndig \u00fcber das der linken Seite her\u00fcber, vgl. \u00fcber diese Asymmetrie Garcia\u2019s und meine fr\u00fcheren Angaben 1. c. Taf. II, Fig. 5; noch auffallender hervortritt. Die Ansicht Nr. 2 ist zugleich mehr von hinten, die Ansicht Nr. 1 mehr von oben aufgenommen, weshalb in Nr. 1 von den Arytaenoidknorpeln weniger, vom Zungengrunde mehr im Spiegelbilde erscheint, als bei Nr. 2. \u2014 Nr. 3 ist eine rhinoskopische Photographie auf Glas und gibt ein verkleinertes Bild des Septums, der rechten Choane, der mittleren und oberen Nasenmuschel, und eines Theiles der Hinterfl\u00e4che des Gaumensegels ; die linke Choane liegt im Schatten.","page":532},{"file":"p0533.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n533\nBk ax dels das zu den sog. instantanen Photographien dienende Collo-diumpr\u00e4parat noch nicht zu verschaffen wusste.\nUm \u00fcbrigens wenigstens keine Zeit zwischen dem Aufsuchen und Einstellen des Bildes auf der matten Glastafel der Camera, und dem Einschieben und Exponiren der empfindlichen Platte verlieren zu m\u00fcssen. habe ich eine Einrichtung ausgedacht, und an dem \u00bbMultiplicator\u00ab des Herrn Brandeis anbringen lassen, welche meines Wissens von den Photographen noch nicht in Anwendung gezogen worden ist.\nIch habe n\u00e4mlich in der R\u00fcckseite des Schiebers, welcher die pr\u00e4-parirte Platte einschliesst, gerade an der Stelle, wo eines jener 4 gleichzeitig entworfenen Bilder projicirt wird, ein kleines Thtirchen aus-schneiden und daselbst statt der mit Collodium \u00fcberzogenen Glastafel eine mattgeschliffene einsetzen lassen.\nEs ist leicht zu verstehen, wie man durch diese Einrichtung in den Stand gesetzt wird, die richtige und scharfe Einstellung des Apparates nach dem einen auf der matten Glastafel projicirten und durch das Th\u00fcrehen in der Wand des Schiebers fortw\u00e4hrend sichtbaren Bildchens zu fiuden und in dem g\u00fcnstigsten Momente sofort durch Abheben des Deckels der 3 \u00fcbrigen. Ins dahin verschlossenen Objectivlinsen. die photographische Aufnahme dreier Bilder zu bewerkstelligen, von denen die beiden unteren stereoskopisch combinirbar sind.\nIch brauche kaum zu erw\u00e4hnen, dass die 4 im Multiplicator entstehenden Bilder niemals congruent sind, sondern constante parallaktische Differenzen zeigen und dass diesem Umstande nat\u00fcrlich Rechnung getragen werden m\u00fcsse, wenn man in der angedeuteten Art die gemeinschaftliche Einstellung und Aufstellung des Apparates nach den Conturen des einen sichtbaren Bildchens besorgen will.\nMit dieser erprobten Verbesserung, welche ich am Multiplicator anbrachte, mache ich mich anheischig \u2014 vorausgesetzt, dass momentan arbeitendes Collodium angewendet wird \u2014 auch die schwierigsten, so zu sagen nur im Fluge zu erhaschenden Anordnungen meiner Kelil-kopftheile, ja selbst pathologische Befunde bei sonst unge\u00fcbten Individuen , sobald sie der laryngoskopischen Untersuchung nur einiger-maassen bequem zug\u00e4nglich sind, photographisch fixiren zu lassen, wobei der von Dr. Lewin1; zuerst angegebene \u00bbFixateur\u00ab des Kehlkopfspiegels gute Dienste leisten d\u00fcrfte. \u00ab\nDie obige Mittheilung erg\u00e4nzte ich in der Sitzung vom 3. April 1S62 durch folgende Notiz \u00bb\u00fcber die laryngoskopischen Photographien und \u00fcber das Mikrostereoskop.\u00ab\n1 Die Laryngoskopie, Berlin Hirschwald, 1860, S. 4.","page":533},{"file":"p0534.txt","language":"de","ocr_de":"534\nDer Kehlkopfspiegel.\n\u00bbDie lebensgro\u00dfen stereoskopischen Photographien des Kehlkopfes, welche ich, als die ersten Proben einer neuen Verwerthnng der Photographie f\u00fcr wissenschaftliche Zwecke, der geehrten Classe schon im vorigen Jahre vgl. die Sitzungsber. der k. Akademie zu Wien vom 7. November 1861) eingesendet hatte, waren in der Art hergestellt worden, dass von den urspr\u00fcnglichen, in verkleinertem Maassstab aufgenommenen negativen Matrizen , durch eine abermalige photographische Aufnahme vergr\u00f6\u00dferte positive Lichtbilder erzeugt wurden.\nBei dieser Vergr\u00f6sserung, welche mit einer ziemlich umst\u00e4ndlichen Manipulation verbunden war, da immer eine besondere Camera zusammengesetzt werden musste, ging oft ein merklicher Th eil der \u00fcberraschenden Sch\u00e4rfe der urspr\u00fcnglichen Aufnahmen verloren. Ich kam daher auf den Gedanken, die positiven Bilder in verkleinertem, fast mikroskopischem Maassstabe aufnehmen zu lassen, damit an Sch\u00e4rfe des Details eher noch gewonnen werde und das gew\u00f6hnliche einfache photographische Ger\u00e4tlie und Verfahren in Anwendung kommen k\u00f6nne.\nAuf diese Weise entstanden sehr kleine, aber \u00fcberaus scharfe und zierliche transparente Photographien des Kehlkopfes, welche mit einer stark vergr\u00f6ssernden Loupe betrachtet, das Detail der Zeichnung vollkommen deutlich erkennen Hessen.\nDer Bequemlichkeit wegen wurde die Linse oder Loupe in eine r\u00f6hrenf\u00f6rmige H\u00fclse gefasst, an deren Ende die zu betrachtende Photographie befestigt werden konnte.\nUm nun aber auch den stereoskopischen Effect zweier zusammengeh\u00f6rigen Kehlkopfphotographien beobachten zu k\u00f6nnen, Hess ich zwei solche r\u00f6hrenf\u00f6rmige H\u00fclsen unfertigen und mit gleich starken Linsen versehen. Das eine der beiden Bilder wurde in die erste. das andere in die zweite H\u00fclse gesteckt. Da die Linsen dieselbe Brennweite haben, so erschienen beide Bilder in gleichem Muasse vergr\u00f6ssert.\nIch hielt nun die erste H\u00fclse vor das eine, die zweite vor das andere Auge und bot auf diese Weise jedem Auge das entsprechende Bild dar .\nBei der richtigen Stellung und Neigung der beiden H\u00fclsen kamen die Bilder zur Deckung und erzeugten eine lebensgrosse vollkommen plastische Ansicht des Kehlkopfes, welche an Naturwahrheit kaum noch etwas andere* als allenfalls die nat\u00fcrliche Farbe und Beweglichkeit der Theile vermissen Hess.\nUm die H\u00fclsen nicht mit den Fingern vor den Augen tixiren zu m\u00fcssen, befestige ich dieselben an eine Handhabe mit zwei Armen, welche wie Branchen eines Zirkels articulirten.\nHo entstand f\u00fcr meine verkleinerten Larynxphotographien ein","page":534},{"file":"p0535.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n0\u00a3>r>\neigener, sehr compendi\u00f6ser stereoskopischer Apparat, welcher von den gew\u00f6hnlichen Stereoskopen darin wesentlich abweicht, dass bei demselben die Deckung der Bilder weder durch Prismen oder prismatische Linsen, noch durch Spiegel u. dgl. bewerkstelligt wird, sondern, wie beim freien stereoskopischen Sehen, durch unmittelbare Einstellung der Augenaxen auf die einzelnen Bilder, aber unter k\u00fcnstlicher Correction des Aecommodationszustandes der Augen vermittelst Lonpen oder einfacher Mikroskope.\nIch nenne desshalb den Apparat das \u00bb Mikrostereoskop. \u00ab Zur Erl\u00e4uterung desselben erlaube ich mir noch folgende beil\u00e4ufige Bemerkungen hinzuzuf\u00fcgen.\nBekanntlich ist jeder Ge\u00fcbte imStande, ohne irgend eine Vorrichtung die stereoskopischen Doppelbilder in der Art zu fixiren, dass sie sich decken und dass sie \u2014 wie bei der Betrachtung durch ein Stereoskop \u2014 den vollen plastischen Effect erzeugen.\nDies geschieht in der Weise, dass man den Dnrchkreuzungspunkt der Augenaxen in eine entsprechende Entfernung vor oder hinter die Bildebene verlegt.\nDabei kann man aber \u2014 da sich der Accommodationsapparat der Augen unwillk\u00fcrlich f\u00fcr jene Entfernung einstellt, in welcher sich der Durchkreuzungspunkt der Sehaxen befindet \u2014 die Bilder nicht eher ganz deutlich sehen, als bis es gelingt, den gesetzm\u00e4ssigen, gewohnten Zusammenhang zwischen Accommodation und Convergenz-winkel der Sehaxen1} zu zerreissen und in dem ersten Fall f\u00fcr eine gr\u00f6ssere, in dem zweiten f\u00fcr eine kleinere Distanz zu accommodiren als jene ist, f\u00fcr welche sich die Augen bei dem gegebenen Convergenz-winkel unwillk\u00fcrlich einstellen w\u00fcrden.\nDie Hauptschwierigkeit dieses freien stereoskopischen Sehens liegt eben in der willk\u00fcrlichen Trennung des functioneilen Zusammen-\n1 Als mathematischen Ausdruck f\u00fcr diesen functionellen Zusammenhang habe ich in meinen physiologischen Studien % Sitzungsber. 1S54, Bd. XII, S, 322, \u00a7 3) die Formel entwickelt :\nd -g ! \u2014 r d \u2014 l + \u00bb') 4 r-l\nK\nsin\nu ist der Convergenzwinkel der Augenaxen, d = Abstand der Drehpunkte von einander, l = Entfernung, f\u00fcr welche das linke, r = Entfernung, f\u00fcr welche das rechte Auge accoimnodirt ist.\nF\u00fcr den speciellen Fall, wenn der Kreuzungspunkt der Sehaxen in der Medianlinie liegt, so dass l = r ist, nimmt der obige Ausdruck eine sehr einfache Form an, n\u00e4mlich :","page":535},{"file":"p0536.txt","language":"de","ocr_de":"536\nDer Kehlkopfspiegel.\nhanges zwischen Accommodation und Convergenzwinkel der Sehaxen und kann mir durch grosse Uebung und Anstrengung oder durch eine k\u00fcnstliche Correction der Accommodation vermittelst passender Zer-streuungs- oder Sammellinsen \u00fcberwunden werden 1 ).\nDas Stereoskopiren mit dem Mikrostereoskop ist nun einfach jener specielle Fall dieses freien stereoskopischen Sehens mit k\u00fcnstlicher, optischer Correction., hei welchem der Durchkreuzungspunkt der Sehaxen weit hinter der 'knapp vor den Augen befindlichen; Bildebene liegt. w\u00e4hrend die Augen ohne ihren Accommodationszustaud \u00e4ndern zu m\u00fcssen, durch die Vorgesetzten Loupen die in unmittelbarster N\u00e4he befindlichen winzig kleinen Bilder deutlich und stark vergr\u00f6ssert wahrnehmen.\nDie Vergr\u00fcsserung der stereoskopischen Ansicht erscheint \u00fcbrigens um so bedeutender, je kleiner der Convergenzwinkel der Augenaxen wird, unter welchem die Combination der Einzelbilder stattfindet. \u00ab\nVIII.\nPhysiologische Beobachtungen.\nDieser Abschnitt, enth\u00e4lt meine im April 1S5S 1. c. Nr. 4 publi-cirten autolaryngoskopischen Untersuchungen2. und Abbildungen (Taf. 23 durch welche Garcia\u2019s Angaben im Allgemeinen best\u00e4tigt und erweitert wurden. Namentlich :\n1.\tDas auffallend weite Offenstehen der Glottis heim ruhigen Athnien :\n2.\tDie \u00fcberraschend freien und raschen Bewegungen der Arytae-noid-Knorpel. wenn die Glottis zum T\u00f6nen verengt oder zum Athmen ge\u00f6ffnet werden soll :\n3.\tDie Verschiedenheit der Stellung des Kehldeckels und seines Abstandes von den Arytaencid-Knorpeln hei den verschiedenen Vo-calen. hei sonoren Brust- und hei den Falsettt\u00f6nen, und\n1\tVgl. Paxum : Physiologische Untersuchungen \u00fcber das Sehen mit zwei Augen. Kiel 1S5S, S. 2.\n2\tDen \u00a7 IV derselben \u00fcber \u00bbdie sogenannten Kehlkopflaute. (gutturales verae,\u00ab habe ich hier wegen der geringen praktischen Bedeutung dieses Gegenstandes bis auf einige Bemerkungen \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme 's. unten \u00a7 3; weggelassen.\njDiese weggelassenen Stellen wurden hier wieder eingesetzt. Anm. d. Herausgebers.","page":536},{"file":"p0537.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n537\n4.\tDie Unwesentlichkeit der falschen Stimmb\u00e4nder \u00bb which do not fill a generative part in the formation of the voicev. S. 220) f\u00fcr die Erzeugung der Stimme \u00fcberhaupt, welche nach Johannes M\u00fcller\u2019\u00ab Entdeckung in der That nur durch die, bei nicht zu hohen T\u00f6nen sehr sch\u00f6n sichtbaren Vibrationen der unteren oder wahren Stimmb\u00e4nder geschieht. \u00bb The inferior ligaments form exclusively the voice whatever may be its register or its intensity, for they alone vibrate at the bottom of the larynx. \u00ab Garcia : S. 221).\n5.\tEndlich wurde der dreifache Mechanismus des Larynxver-Schlusses und die Erzeugung der Fl\u00fcsterstimme und der sog. Gutturales verae ermittelt.\nGarcia\u2019s weitere Detail-Angaben \u00fcber die Bildung der Register etc. habe ich nicht genauer gepr\u00fcft, dagegen sind diese Gegenst\u00e4nde seit ich dem Kehlkopfspiegel auch in der Physiologie zu seinem Rechte verholten habe, von einer Reihe von Forschern laryngoskopisch studirt worden. Desshalb verweise ich einfach auf die oben citirten Schriften von Bataille. Mo\u00fcra und Merkel. Als die neueste und umfassendste Schrift \u00fcber die Anatomie und Physiologie des menschlichen Stimmend Sprachorgans aus der vorlaryngoskopischen Zeit will ich auch noch Merkel\u2019s zweib\u00e4ndige \u00bb Anthropophonik\u00ab Leipzig, A. Abel.\n1857 besonders hervorheben.\nEs folgt nun der \u00a7 1 \u00bbVerhalten des Kehlkopfs-Inneren\u00ab' meiner Eingangs citirten Untersuchungen S. 563 unter der entsprechenderen Aufschrift :\n1. Zur vorl\u00e4ufigen auto-laryngoskopischen Orientirung.\n\u00bb Wenn ich bei etwas nach hinten\u00fcber geneigtem Kopfe und ungezwungen im weitge\u00f6ffneten Munde gehaltener Zunge mit Garcia's Spiegel in die Tiefe des Schlundes blicke, so sehe ich (vgl. Taf. 23, Fig. 1) in dem fast halbmondf\u00f6rmigen Raume, welcher von der hinteren Rachenwand und dem Zungengrunde begrenzt wird, den oberen freien Tlieil der Epiglottis, deren Schleimhaut mehr oder weniger stark injieirt erscheint. Zuweilen ist die Schleimhaut ganz blass und man unterscheidet, etwa wie am Weissen des Auges, einzelne scharfe, zierlich ver\u00e4stelte, blutrothe Gef\u00e4ssclien. \u00ab\n\u00bbDie Epiglottis ber\u00fchrt unter diesen Umst\u00e4nden mit den oberen Theilen ihrer Seitenr\u00e4nder die hintere Pharynxwand so, dass nur unten zu beiden Seiten und oben in der Mitte L\u00fccken f\u00fcr die Athmungsluft \u00fcbrig bleiben 1 . Durch die mittlere schmale elliptische L\u00fccke zwischen\n1 Ein Verhalten, welches nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen Individuen verkommt und von Hfn r.E an Durchschnitten gefrorener Leichen best\u00e4tigt worden ist.","page":537},{"file":"p0538.txt","language":"de","ocr_de":"538\nDer Kehlkopfspiegel,\ndem concaven oberen Rande der Epiglottis und der Pharynxwand sieht man noch weiter in die Tiefe. \u00ab\n\u00bb Man erblickt einen queren r\u00f6thlichen Sehleimhautwulst, der nach hinten innig an die Pharynxwand angedr\u00fcckt ist, nach beiden Seiten etwas anschwillt und, ehe er unter den Seitenr\u00e4ndern der Epiglottis verschwindet, je ein mehr oder weniger deutliches Kn\u00f6tchen zeigt. \u00ab\n\u00bbDieser Schleimhautwulst ist nichts anderes als der .Rand jener Schleimhautfalte, welche sich zwischen den auseinandergelegten Ary-taenoid-Knorpeln ausspannt. Die beiden Kn\u00f6tchen entsprechen den Santoi;ini sclicn Knorpeln [Capitula SantJ.\u00ab\n\u00bbDort wo der hintere Contour dieser Schleimhautfalte mit der Pharynxwand zusammenst\u00f6sst, ist der Eingang in den Oesophagus zu suchen, dessen Lumen also, so lange kein fremder K\u00f6rper eindringt, Kuli ist. \u00ab\n\u00bbDer vordere Contour dieser Schleimhautfalte ist nach vornconcav und begrenzt mit dem h\u00f6her liegenden nach hinten concaven oberen Epiglottisrand einen schmalen querelliptischen Spalt, durch welchen man, wenn die Beleuchtung ausreicht, in den Larynx und bis auf die vordere Trachealwand hinabsicht. Ist die Beleuchtung nicht ausreichend oder die Beleuchtungsrichtung nicht entsprechend, bleibt der querelliptische Spalt nat\u00fcrlich ganz dunkel. Taf. 23, Fig. 1 .\u00ab\n\u00bbUm einen weniger beengten Einblick in das Innere des Kehlkopfes und der Trachea zu gewinnen, muss man den Kehldeckel von der hinteren Pharynxwand abheben. Dies geschieht unwillk\u00fcrlich, wenn man einigemal tt, e oder % gesprochen hat, oder aber dem Zungengrund ohne weiteres die passende Stellung gibt. Ein vollkommenes / kann man \u00fcbrigens selbstverst\u00e4ndlich gar nicht hervorbringen. da sonst der Zungenr\u00fccken so hoch emporsteigen m\u00fcsste, dass er den Kehlkopfspiegel verdecken w\u00fcrde. Aber man kann doch die Intention haben ein i zu sprechen, ohne der Zunge zu erlauben emporzusteigen \u2014 und dies gen\u00fcgt f\u00fcr den fraglichen Zweck. F\u00fcr ein tiefes \u00ab \u00e4ndert mein Kehldeckel seine Stellung nicht. Taf. 23, Fig. 2 gibt das Bild, welches der Kehlkopfspiegel zeigt, nachdem mir die Hebung des Kehldeckels auf diese angegebene Art gelungen ist. \u00ab\n\u00bb Dieses Lagerungsverh\u00e4ltniss entspricht dem Zustande des ruhigen Athmens und unterscheidet sich wenig von dem in Fig. 1 dargestellten. Der halbmondf\u00f6rmige Raum hinter dem Zungengrunde ist gr\u00f6sser als fr\u00fcher ; der Radius des Pharynx ist etwas kleiner geworden : der Kehldeckel erscheint mehr aufgerichtet und ber\u00fchrt nicht mehr die hintere Rachenwand. Die Glottis steht weit offen und man \u00fcbersieht ein ziemliches St\u00fcck der vorderen Trachealwand. Nach aussen von den. den","page":538},{"file":"p0539.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n5139\nS.vxTORixi'sehen Knorpeln entsprechenden Kn\u00f6tchen der die Arytae-noid-Knorpel einschliessenden Schleimhautfalte tritt je,eine rundliche Anschwellung, fr\u00fcher durch den Seitenrand der Epiglottis verdeckt, besser hervor. Ueber den wahren Stimmb\u00e4ndern erkennt man beiderseits noch kaum die Andeutungen der Ventriculi Morgagni und der oberen oder falschen Stimmb\u00e4nder. \u00ab\n\u00bbUnter den angegebenen Umst\u00e4nden ist der Einblick aber doch so weit gestattet, dass man schon eine Beobachtung \u00fcber die Vorbereitungen zu jenen Ver\u00e4nderungen machen kann, welche im Inneren des Larynx vor sich gehen m\u00fcssen, wenn es zur Erzeugung der Stimme kommen seil. Sobald man n\u00e4mlich die Stimme ert\u00f6nen lassen will, richten sich die Arytaenoid-Knorpel in der sie \u00fcberziehenden Schleimhautfalte auf und n\u00e4hern sich einander mit freier und rascher Beweglichkeit. Die Folge davon ist, dass die wahren Stimmb\u00e4nder, durch die mehr oder weniger convergirenden Processus vocales gegen einander gezogen, st\u00e4rker vorspringen und die Glottis verengern. Bei einiger Uebung und Aufmerksamkeit gelingt es. diese Bewegung mit hinreichender Langsamkeit vorzunehmen oder auf halbem Wege zu arretireu, um genau sehen zu k\u00f6nnen, welche Ver\u00e4nderungen sich vorbereiten. Taf. 23, Fig. 3 ist auf diese Art entworfen worden und zeigt das Lage-rungsverh\u00e4ltniss der Theile, wenn die fr\u00fcher ger\u00e4uschlos ausstr\u00f6mende Exspirationsluft die Stimmb\u00e4nder allm\u00e4hlich in t\u00f6nende Schwingungen versetzen soll. Das abgebildete Stadium entspricht etwa dem Beginne des\u00bbleisen Hauchs\u00ab ITrkyxiV s. Ich erlaube mir hier zum besseren Verst\u00e4ndniss eine Stelle aus Br\u00fccke\u2019s \u00bbGrundz\u00fcgen\u00ab b \u00fcber den \u00bbleisen Hauch\u00ab P\u00fci\u00eekyx\u00c8\u2019s einzuschalten. S. 9 1. c. : \u00bb\u00bbEr Pcrkyxk bezeichnet ihn n\u00e4her als den Hauch, der jedem Vocale vorhergeht, welcher mit anfangs offener Stimmritze gesprochen wird. Beim vocalischen Anlaut kann man n\u00e4mlich pl\u00f6tzlich und ohne allen vorhergehenden Hauch den Ton in seiner ganzen St\u00e4rke erscheinen lassen. oder man kann ihm durch die ge\u00f6ffnete Stimmritze das h vorhergehen lassen, den Spiritus asper der Griechen, oder endlich man kann bei sanft aus-fliessender Luft den Ton allm\u00e4hlich entstehen lassen. und dann geht ihm ein sehr leises Ger\u00e4usch vorher, das die Luft beim Ausfliessen aus der Stimmritze macht, ehe die Stimmb\u00e4nder in Schwingungen gerathen sind. Dies ist. wie mir scheint, der leise Hauch Purkyxe\u2019s. Als besonderes. qualitativ-charakterisirtes Sprachelement f\u00fchre ich ihn dess-halb nicht auf. weil er nicht f\u00fcr sich allein hervorgebracht werden kann.\n1 Br\u00fccke: ttrundz\u00fcge der Physiologie und Systematik der Spraclilaute. Wien, Gerold. 1S5U.","page":539},{"file":"p0540.txt","language":"de","ocr_de":"540\nDer Kehlkopfspiegel.\nohne bei rascherem Ausfluss der Luft je uacli dem Zustande der Stimmritze in die Fl\u00fcsterstimme oder in das h Uberzugehen.\u00ab\u00ab\n\u00bb Das wirkliche Zustandekommen der Ver\u00e4nderungen, welche wir im Innern des Larynx, behufs des Anlautenlassens der Stimme sich vorbereiten sahen, ist unter den bezeiclinetcn Umst\u00e4nden, d. h. f\u00fcr die tieferen T\u00f6ne des Brustregisters der directen Beobachtung ganz entzogen : denn lassen wir es wirklich bis zur Erzeugung eines Tones kommen, so gelangen die aufgerichteten und einander sich rasch n\u00e4hernden Arytaenoid-Knorpel bis zur innigen gegenseitigen Ber\u00fchrung Taf. 23, Fig. 4) und neigen sich mit ihren capital is unter den Band der emporragenden Epiglottis, so dass diese die ganze Einsicht in das Innere des Kehlkopfes verdeckt. In Fig. 4. welche w\u00e4hrend des T\u00f6neus meiner tiefen Bruststimme entworfen ist. selten wir auf die hintere Fl\u00e4che der sich innig ber\u00fchrenden Arytaenoid-Knorpel herab, zwischen welchen und der Epiglottis zwar Baum genug f\u00fcr die ausstr\u00f6mende Luft bleibt, es aber nicht leicht m\u00f6glich ist hindurchzusehen . schon weil man dem einfachen GARCiA\u2019schen Spiegel schwer die hierzu nothwcudige Stellung geben kann.\u00ab (Vielleicht ist das Lei Anwendung des Princips der Doppelspiegel leichter.)\n\u00bbSchon bei den weniger tiefen Brustt\u00f6nen, namentlich wenn man sie bei s t o s s w e i s e nach v o r n und oben e m p orge h o -b en ein Kehlkopf hervorbringt, noch mehr im Falsett- oder Kopfregister. ist der Einblick in den Larynx gestattet und hat bereits Garcia das Verhalten der Theile im Innern des Kehlkopfs durch directe Beobachtung genau ermittelt: es ist kein Grund vorhanden zu vermuthen. dass sich die Theile bei den tiefsten Brustt\u00f6nen wese n t-lieh anders verhalten sollten als bei den h\u00f6heren Brustt\u00f6nen.\u00ab\n\u00bbIndem ich Gakcia\u2019s Angaben im Allgemeinen auch iu dieser Beziehung best\u00e4tige, erlaube ich mir in Taf. 23. Fig. 5 eiue Abbildung der Anordnung der inneren Kehlkopftheile zu geben wie sie den h\u00f6chsten schrillen T\u00f6nen entspricht. welche ich mit gr\u00f6sster Anstrengung \u00fcberhaupt noch hervorbringen kann.\u00ab\n\u00bb Der Einblick in den Larynx ist hier fast ganz unbeschr\u00e4nkt. Man sieht die f\u00fcr diese heftigen Schreie linienf\u00f6rmig verengte Glottis, zu beiden Seiten derselben die wahren Stimmb\u00e4nder, welche sich in der Natur durch eine merklich hellere \u25a0 weissliehe \u00ab Farbe von den \u00fcbrigen r\u00f6thlicli gef\u00e4rbten Theilen auszeichnen : weiter nach aussen sieht man jederseits eine schmale Furche, welche in den betreffenden Vmtrimhts Morgagni f\u00fchrt: noch weiter nach aussen die falschen Stimmb\u00e4nder. Die Arytaenoid-Knorpel. welche sich sammt den Proc, vocales innig in der Medianlinie ber\u00fchren und zuweilen, wie schon Garcia angibt.","page":540},{"file":"p0541.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n541\n\u00bbcross each other by the tubercels of Santorini\u00ab \u2014 (eine asymmetrische Wirkung der Th eile ist \u00fcberhaupt nicht ganz selten \u2014 bilden aufgerichtet, in Verbindung mit der nach vorn und oben zur\u00fcckgeschlagenen Epiglottis und den Lig. ary-epiglottica hier ein straffes kurzes Ansatzrohr \u00fcber dem Boden des Larynx. Alle Theile scheinen sich in Ueber-einstimmung mit dem subjectiven Gef\u00fchl) im Zustande hoher Spannung zu befinden. An der aufgerichteten, in ihrem oberen Theile nach vorn umgekr\u00e4mpelten Epiglottis \u00fcbersieht man einen ansehnlichen Theil ihrer unteren oder hinteren Fl\u00e4che, an deren unterem Ende ein stark prononcirter, rundlicher, r\u00f6thlich gef\u00e4rbter Wulst e. w.) vorspringt, der die Insertionsstelle der Stimmb\u00e4nder verdeckt1 und ber\u00fchrt, und auf welchen ich im n\u00e4chsten Abschnitt \u00a7 2 ausf\u00fchrlicher zur\u00fcckkommen werde.\u00ab\n\u00bb Oeffnet man unter diesen Umst\u00e4nden die Glottis. um zu inspi-riren, so wenden sich die Processus vocales der Arvtaenoid - Knorpel nach aussen, w\u00e4hrend sich diese letzteren von einander entfernen, und die Glottis nimmt momentan eine rautenf\u00f6rmige Gestalt an vgl. Taf. 23, Fig. 6), indem jedes Stimmband einen nach innen offenen Knick bekommt : dieser Knick springt dagegen nach innen v o r. wenn die Processus vocales nach vorn convergiren, was namentlich bei der Wiederverengerung der Glottis fast immer, zuweilen aber auch beim Oeffnen der Glottis geschieht Taf. 23, Fig. S , und die Glottis zeigt dann in ihrem hinteren Abschnitt eine fast dreieckige Gestalt f\u00e4lschlich Glottis respiratoria genannt). In Fig. 6 tragen, verglichen mit der vorigen Abbildung Fig. 5), alle Theile den Stempel der Abspannung. Es scheint alles ordentlich gr\u00f6sser und dicker geworden zu sein. Die Lig. ary-epiglottica zeigen sich hier deutlich als die bis an die Seitenr\u00e4nder der Epiglottis reichenden Fortsetzungen jener Schleimhautfalte, welche die Arytaenoid-Knorpel einschliesst. Genauer ausgedr\u00fcckt kann man also sagen, dass der Larynx von einer kreisf\u00f6rmig in sich selbst zur\u00fcck-laufenden, durch 7 Knorpel gest\u00fctzten Schleimhautduplicatur \u00fcberragt wird, welche ein kurzes schr\u00e4g, von vorn und oben nach hinten und unten abgestutztes in den Pharynx hineinragendes Ansatzrohr bildet, dessen freier Band eigenth\u00fcmlich geformt erscheint. \u00ab\n\u00bbJene 7 St\u00fctzknorpel sind : die unpaare Epiglottis und die paarigen WnisBERG\u2019schen, Santorini sehen und Arytaenoid-Knorpel. An dem freien Rande dieser ringf\u00f6rmig in sich selbst zur\u00fccklaufenden Schleimhautfalte finden sich bei mir, deutlich ausgepr\u00e4gt, folgende Einzeln-\n1 Bei gen\u00fcgender Hebung der Epiglottis gelingt es bekanntlich , die ganze hintere Fl\u00e4che der Epiglottis und die Insertionsstelle der vier Stimmb\u00e4nder zu sehen und zu demonstriren.","page":541},{"file":"p0542.txt","language":"de","ocr_de":"542\nDer Kehlkopfspiegel.\nheiten : vorn, in der Mitte, ein scharf begrenzter nach hinten concaver. durch den oberen Kand der Epiglottis gest\u00fctzter Theil. der nach unten und hinten fliigelf\u00f6rmig in die beiden Lig, anj-epiglottt\u00e4n \u00fcbergeht : am hinteren Ende dieser letzteren je ein kleines Kn\u00f6tchen, welches durch das obere dickere Ende des Wri sb e k g s ch en Knorpels gest\u00fctzt wird : \u00ab \u2014 auf dieses Kn\u00f6tchen folgt jederseits eine st\u00e4rkere rundliche Anschwellung . welche sich. sowie der ganze Schleimhautrand bei verschiedenen Individuen sehr verschieden modellirt findet : \u2014 \u00bbund endlich folgen unmittelbar auf diese, jene zwei durch das hintere Mittelst\u00fcck der Schleimhautfalte verbundene Kn\u00f6tchen, welche den Saxto-uixi'schen Knorpeln Capitula Sunt.] entsprechen vergl. Fig. 8 .\u00ab\n\u00bbBei tiefer ruhiger Respiration erweitert sich die momentan rautenf\u00f6rmige oder durch die einspringenden Pnc. vocales in eine vordere und in eine hintere Abtlieilung /erf\u00fcllte Stimmritze sofort zu der grossen l\u00e4nglich rundlichen Oeflnung, welche man in Taf. 23, Fig. 7 abgebildet sieht 1. c. S. 564 . Beim ruhigen Atlnnen bleibt Alles unbeweglich in der beschriebenen Lage. Die Glottis steht also dabei so weit offen, dass ich bei mir bequem einen Finger durch den Larynx bis in die Trachea stecken k\u00f6nnte, wenn nicht der Kehldeckel als sch\u00fctzendes Dach in schr\u00e4ger Richtung von vorn und unten, nach hinten und vorn \u00fcber den Larynx-Eingang emporragen w\u00fcrde. Die gang und g\u00e4be anatomische Eintheilung der Glottis in eine Pars respirator in und roectlis hat keinen Sinn. Die Bezeichnungen Glottis respfmtoria und Glottis vocal/s k\u00f6nnen nur noch f\u00fcr verschiedene physiologische Zust\u00e4nde der Glottis beibelialten werden: bekommen dann aber nat\u00fcrlich eine ganz andere Bedeutung. Anatomisch l\u00e4sst sich einfach nur ein vorderer membran\u00f6ser und ein hinterer intereartilagin\u00f6ser Abschnitt der Glottis unterscheiden.\u00bb\n\u00bbBeim angestrengten. tiefen Atlnnen geschieht es dagegen zuweilen. dass die Arvtaenoid - Knorpel in \u00e4hnliche Mitbewegungen gerathen, wie die Nasenfl\u00fcgel bei Dyspn\u00bbe. Bei jeder Exspiration werden dann die Arvtaenoid-Knorpel einander etwas gen\u00e4hert, bei jeder Inspiration m\u00f6glichst weit von einander] entfernt, wobei die beiden den Saxtorini sehen Knorpeln entsprechenden Kn\u00f6tchen der \u00bbSchleimhautfalte abwechselnd sch\u00e4rfer hervortreten und wieder verstrichen werden. Einmal im Gange, sind diese Mitbewegungen nicht ganz leicht sofort willk\u00fcrlich zu unterdr\u00fccken.\u00ab\nAls ich bei weitge\u00f6ffneter Glottis die Trachea m\u00f6glichst gerade streckte, und dem mit meiner rechten Hand in den Schlund eingef\u00fchrten Kehlkopfspiegel absichtlich verschiedene Stellungen zu geben versucht hatte, gelang es mir endlich wirklich eine solche zu finden, dass","page":542},{"file":"p0543.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\n543\n\u2014 zwar nicht ich. als demo\u00fcstrirender Selbstbeobachter, wohl aber Herr l)r. Elfinger, als Zuschauer, dessen Auge durch die centrale Oeffnung im Beleuchtungsspiegel blickte, \u2014 \u00bbbei concentrirter Sonnenbeleuchtung l\u00e4ngs der vorderen Trachealwand, an welcher die Knorpelhalbringe, wie schon Garcia angibt, deutlich durchschinnnern, mehrere Male bis auf die Theilungsstelle der Trachea und in die Anf\u00e4nge der Bronchien herab (vergl. Fig. 7, b\u00e4\u2014bs) sehen konnte1).\u00ab\n2. \u00bbMechanismus des Larynxverschlusses\u00ab fl. c. S. 570;.\n\u00bbEhe ich meine einschl\u00e4gigen directen Beobachtungen mittbeilen kann, muss ich an ein schon Santorini wohlbekanntes, in der neueren Zeit aber unrichtig oder doch ungen\u00fcgend dargestelltes anatomisches Verh\u00e4ltnis\u00bb erinnern, auf welches ich selbst erst durch Selbstbeobachtung mit dem GARCiA\u2019scheu Spiegel zuf\u00e4llig aufmerksam geworden bin. \u00ab\n\u00bbIch habe schon oben angef\u00fchrt, dass bei mir am unteren Tlieil der hinteren Fl\u00e4che der gen\u00fcgend aufgerichteten Epiglottis ein stark prominirender, rOtblich gef\u00e4rbter Wulst gesehen werden kann, der unmittelbar \u00fcber der Insertion der Stimmb\u00e4nder entspringend die vordersten Enden der Stimmb\u00e4nder verdeckt und dieselben bei den allerh\u00f6chsten schrillen Schreien, welche ich \u00fcberhaupt liervorzustossen im Stande bin, auch zu ber\u00fchren scheint (wodurch nat\u00fcrlich wie auf dem Griffbrett der Saiteninstrumente vermittelst des Fingers eine mechanische Verk\u00fcrzung des schwingenden Theiles der Stimmb\u00e4nder gesetzt werden m\u00fcsste2 .\n\u00bbDieser vorspringende Wulst der Epiglottis ist nun nicht etwa eine Eigenth\u00fcmlichkeit meines Stimmorgans. sondern findet sich bekanntlich , wie ich mich\u00ab an den meisten laryngoskopisch und anatomisch untersuchten Kehlk\u00f6pfen \u00bb\u00fcberzeugte. \u00fcberall mehr oder weniger\n1\tAuch Herrn Prof. Br\u00fccke habe ich damals in Wien und sp\u00e4ter den Herrn Bouvier, Desormeaux u. A. in Paris, Herrn Prof. Bochdalek in Prag, Herrn Dr. Gibb u. A. in London, diese Kegionen an mir selbst demonstrirt.\n2\tDiese beil\u00e4ufig ausgesprochene Vermuthung hat sp\u00e4ter ungerechtfertigter Weise zu dem argen Missverst\u00e4ndniss Veranlassung gegeben, als ob ich den oberen oder falschen Stimmb\u00e4ndern auch eine Bolle bei der Stimmerzeugung zugeschrieben h\u00e4tte; dieselbe bezog sich jedoch nat\u00fcrlich nur auf die Verk\u00fcrzung des \u00bbschwingenden Theiles\u00ab der wahren Stimmb\u00e4nder. An schwingende Theile oder stimmerzeugende Schwingungen der falschen oder Taschenb\u00fcnder habe ich hierbei nicht entfernt gedacht, habe ich doch deren Vorhandensein und Bedeutung hei der normalen Stimmbildung gleich Eingangs in Uebereinstimmung mit Jon. M\u00fcller und GarciA ausdr\u00fccklich geleugnet! (s. S. 546).","page":543},{"file":"p0544.txt","language":"de","ocr_de":"544\nDer Kehlkopfspiegel-\ndeutlich entwickelt (vgl. Taf. 24, Fig. 13, e. w.). Auf dem Durchschnitte eines in der Medianehene des K\u00f6rpers halbirten Kehlkopfs (vgl. Taf. 24, Fig. 12) erkennt man deutlich, dass der Kehldeckel als Ganzes (von dem ihn st\u00fctzenden Knorpel spreche ich nicht, von dem Insertionspunkte der vier Stimmb\u00e4nder an. bis gegen welchen sich sein Schleimhaut\u00fcberzug verliert, zuerst convex nach hinten vorspringt, dann, h\u00f6her oben, concav wird, gegen seinen oberen freieren Rand hin aber wieder convex nach hinten erscheint. S\u00f6mmering hat bereits im Jahre 1805 auf der zweiten Tafel Fig. XlX seiner \u00bbIc\u00f4nes organorum humanorum gustus et vocis. \u00ab Franeofmii ad Moenum 1838 eine vortreffliche Abbildung eines solchen Kehlkopfdurchschnittes gegeben, und schon Santorini beschreibt die ber\u00fchrten Verh\u00e4ltnisse der Epiglottis mit der gewohnten Genauigkeit der ausgezeichneteren alten Anatomen inseinen \u00bbObservationes Anatomicae\u00ab Venet\u00fcs 1724, pag. 107: Epiglottis igitur, etsi ederae folio a veteribus potissimiim similis habita fuit, longe absimilem earn esse, quisque facta collatione intelliget. Ihtjus etenirn ima pars acuto mucrone assurgens, acuta productaque convexitate int\u00e9rim prominet, qua dein sensim paulatimque latescente circa mediam interiorem-que partem in concavam capacitatem explicatur, quae circae superior a reflexis exterius undequaque oris, tandem extrema reducla, et lender circa medium cava revoluto crepido in superiora fertur. Inferior hujusce pars latum fere digitum supra glottidem, Cliqu\u00e9 acleo paulo supra laryngis ventriculorum priora extrema inferiori Thyroidis angulo innectitur, inde sensim producta pallium in posteriora inclimtur, alque acuta ea, ac prominente inferiore parte, quae .velut in oblcngam aciem componitur, ita glotticli imminet, ut pro diverso hujusce applicationis modo , diversimode spiritus e glottidis arclo erumpens diremptus, in causa potissimum est car ex eo prinmm sonor uni diver situs habeatur.t\u00ab\n\u00bb\u00bb Superiora vero media ejusdem epiglottidis latior et cava pars in posteriora ulterius inclinalur, atque circum laterales oras laxe eo loci illi-gatur per membranea quaedam producta circula, quae supra Arytaenoidum glandulas, quas in Anatomen invexit sollertissimus Morgagnus, perque nostra earumclem Arytaenoidum capitula oblique inferius cledimintur. \u00ab \u00ab\n\u00bbBeim Durchsehen der anatomischen Bilderwerke der k. k. Josephs-Akademie fand sich in Santorini, anatomci summi, septemdecim tabulae ed M. Girardi. Parmae 1775, Tab. TI, Fig. 2 eine Abbildung des Larynx-Inneren, von hinten und von oben gesehen, welche ich wegen ihrer Richtigkeit und der Aelmlichkeit mit meinen nach dem Lehen entworfenen Darstellungen Fig. 5 und 6 zu citiren mich nicht enthalten kann.\u00ab\n\u00bbDies vorausgeschickt, gehe ich nun zu den Beobachtungen \u00fcber,","page":544},{"file":"p0545.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n545\nwelche ich \u00fcber den Vorgang des luftdichten Verschliessens des Larynx angestellt habe. Um genau Zusehen zu k\u00f6nnen, wie sich die einzelnen Theile des Kehlkopfs beim Acte des Verschliessens verhalten und betheiligen, ging ich von jener Anordnung aus, welche den freiesten Einblick in das Innere des Kehlkopfes gestattet (vgl. Taf. 23, Fig. 5) und leitete dann den Verschluss behufs des Dr\u00e4ngens vermittelst der Bauchpresse oder behufs des scharfen Anlauten- oder Abschnappenlassens der Stimme willk\u00fcrlich ein. Unter diesen Umst\u00e4nden tritt der ganze Vorgang in seiner einfachsten, reinsten Form auf und ist der Beobachtung am zug\u00e4nglichsten. \u00ab\n\u201c Ich erkannte auf diesem Wege, dass zur Herstellung eines ganz festen luftdichten Verschlusses 1. die Arytaenoid- Knorpel mit ihren Innenseiten und den Processus vocales sich fest an einander dr\u00fccken und so auch die B\u00e4nder der wahren Stimmb\u00e4nder zur gegenseitigen Ber\u00fchrung bringen, 2. die falschen Stimmb\u00e4nder bis zum Verschwinden der Venir. Morgagni an die wahren sich anschmiegen, indem sie sich zugleich gegenseitig n\u00e4hern und endlich 3. der Kehldeckel mit seinem nach innen noch convexer vor springend gemachten Wulst von vorn nach hinten fortschreitend auf die geschlossene Glottis fest aufgedr\u00fcckt wird\u00ab1).\n\u201cAlle diese Ver\u00e4nderungen geschehen theils gleichzeitig, tlieils so rasch nacheinander, dass es grosser Aufmerksamkeit bedarf, um sie ins einzelne zu verfolgen. Ob sich die falschen Stimmb\u00e4nder z. B. auch bis zur wirklichen Ber\u00fchrung ihrer R\u00e4nder in der Medianlinie n\u00e4hern, wie die wahren, kann ich aus diesem Grunde nicht entscheiden, der aufgedr\u00fcckte Kehldeckelwulst entzieht sie n\u00e4mlich eher dem Blicke, als ihre gegenseitige N\u00e4herung eventuell zu einer wirklichen Ber\u00fchrung geworden ist. Uebrigens erscheint gerade jener Wulst ganz geeignet eine zwischen ihnen etwa \u00fcbrigbleibende Furche oder Rinne\n1 \u00abIch kann hier die beil\u00e4ufige Bemerkung nicht unterdr\u00fccken, dass es mir paradox erscheint, warum die sonst gegen jede Ber\u00fchrung so \u00fcberaus empfindlichen Glottistheile die gegenseitige und die Ber\u00fchrung mit dem Epiglottiswulst ertragen, ohne dass jene heftigen Reflexerscheinungen auftreten, welche die Wegsamkeit der Passage zu \u00fcberwachen und n\u00f6thigenfalls gewaltsam herbeizuf\u00fchren bestimmt sind. Ist das Nichtzustandekommen eines Reflexes in der Qualit\u00e4t jener Ber\u00fchrung oder in einer Eigenth\u00fcmlichkeit des nerv\u00f6sen Reflexmechanismus begr\u00fcndet ?\nAehnlich verh\u00e4lt es sich \u00fcbrigens auch hinsichtlich der Ausl\u00f6sung vonReflex-erseheinungen von den Schlund- und Gaumentheilen aus.\nDie hervorgehobene Eigenth\u00fcmlichkeit d\u00fcrfte einen vielleicht nicht ganz \" erthlosen Fingerzeig geben zur Herstellung der passendsten Beschaffenheit\u00ab (der laryngoskepischen, \u00bb Instrumente\u00ab.\nCzermak, Schriften.\n35","page":545},{"file":"p0546.txt","language":"de","ocr_de":"546\nDer Kehlkopfspiegel.\nauszuf\u00fcllen : beim pl\u00f6tzlichen Oeffnen des vollst\u00e4ndigen Kehlkopfverschlusses habe ich wiederholt gesehen, dass die falschen Stimmb\u00e4nder eben so weit gegen die Medianlinie vorsprangen. als die wahren : es mag daher h\u00e4ufig genug auch zum Verschl\u00fcsse der Glottis spuna. durch gegenseitige Ber\u00fchrung der oberen Stimmb\u00e4nder selbst kommen. Taf. 23; Fig. 9 stellt den auf halbem Wege arretirten Vorgang des luftdichten Larynxverschlusses dar. Der Epiglottiswulst e. w. wurde bereits \u00fcber einen grossen Theil der geschlossenen Glottis vera und der betr\u00e4chtlich verengerten Glottis spuria herabgedr\u00fcckt: von den Eingangsspalten zn den Venir. Morgayfti sind nur Andeutungen einer zarten Furche \u00fcbrig geblieben. In Fig. 10 ist der Verschluss vollendet. indem der Epiglottiswulst endlich auch mit der die Arytaeuoid-Knorpel einschliessenden Schleimhautfalte in innigen Contact gebracht wurde. Ein gutes St\u00fcck der Epiglottis \u00fcberragt frei den geschlossenen Larynx, es ist in unserem Falle noch so weit aufgerichtet, dass man die Vollendung des Verschlusses vermittelst des Epiglottiswulstes sehen kann. Senkt sich endlich der freie \u00fcberragende Theil der Epiglottis etwas herab, so erh\u00e4lt man ein ganz \u00e4hnliches Bild. \u2014 wie das in Fig. 4. \u2014 obschon dort ein hinreichend freier Kaum zwischen dem Kehldeckel und den Arytaenoid-Knorpeln f\u00fcr die ausstr\u00f6mende Luft noch \u00fcbrig blieb. w\u00e4hrend hier ein luftdichter Verschluss stattfindet.\"\n\u00bbAus diesen Ermittelungen \u00fcber den luftdichten Kehlkopfverschluss erkl\u00e4rt es sicli nun leicht. wie die Glottis ohne grossen Kraftaufwand dem betr\u00e4chtlichen Luftdruck w\u00e4hrend des Dr\u00e4ngens vermittelst der Bauchpresse mit Erfolg Widerstand zu leisten vermag. \u00ab\n\u00bbBl\u00e4he ich mich bei auf diese Art verschlossenem Kehlkopf stark auf, so w\u00f6lben sich die elastisch nachgiebigen Theile deutlich emp\u00f6r, ohne der Luft einen Ausweg zu gestatten. Beim Il\u00e4uspern wird aber der Luft ein Ausweg in der Art gestattet, dass die elastisch emporgew\u00f6lbten Theile pl\u00f6tzlich nachgeben und durch die explodirende Luft heftig sich ersch\u00fcttern lassen : namentlich den vorderen unteren Theil der Epiglottis, der mit seinem innern Wulst auf die Glottis dr\u00fcckt, sieht man deutlich stossweise emporgeschnellt werden.\u00ab\n\u00bbDas Herabgedr\u00fccktwerden der Epiglottis geschieht unter den angegebenen Umst\u00e4nden nicht passiv \u2014 etwa durch den Zungengrund \u2014 sondern gewiss wesentlich a c t i v \u2014 durch die eigenen Muskeln der Epiglottis. Es ist interessant und erfreulich zu sehen, wie Santorini. der die Myologie des Kehlkopfs zuerst mit un\u00fcbertroffener Genauigkeit studirt hat. den Epiglottismuskeln a priori Wirkungen zuschreibt, welche mit Dem in \u00fcberraschendem Einklang stehen, was ich durch directe Beobachtung an mir selbst ermittelt habe. Santorini","page":546},{"file":"p0547.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\n547\nsagt 1. c. S. 112 indem er von dem Muskelpaar spricht, das er entdeckte und in margine \u00bbPar Thyro-Epiglottidaeum minus novum \u00ab nannte \"\u201dIs non eundem prarsus usum ac caeteri descripti EpiglotMis musculi praestare videtur : qui cum in imam fere Epiglottidis partem inseratur. alque adeo, vet minimum, vet difficilnis deorsum vettere illmn queat. prac vahdo ejusdem cum Ihyroule nexu, dims infemm partent, quam scilicet acutum inlerius ac prominentem supra, posiamus. deducit : eamque. puto. piopms Glottidi, relut apte eleganter que conformation operculum, applicat qiwdamModo f et accommod\u00e2t. Bi ni uutem . de quibm dimimm, Ary-Epiglottidaeus scilicet, et Thyro-Epiylottidaeus major Jiunc etemm mtnorem dicimus), etsiamsi, cum superam Epiglottidis partem deorsum duc mit. et infer am quadantenus deprimere necesse habeant, ad id tarnen potissimum videntur comparai/', nt medium. atque cavam, qui prue-serlim udhaerescunl. partem inclinent ; quum ab Tfuyro-Epigloltidaeo minore i n fe r a m a x i m e s 11 a d d u c e n d a. \u00ab \u00ab \u2014 \\ on dem Thyro-Epiqlottidaeus major sagt Santorini fr\u00fcher S. 111) \u00bb\u00bbS/cut menwratam hujusce musculi actionem potissimum Epiglottidis depression! datum esse existiino; ita tarnen, et eadem contractione Laryngis ventriculorum cavitates coar-ctari, et ex us fartasse quidquam exprimi posse opinor\n\u00bbBeim Schlingen wird die Fissura luryngeu. schon dem subjectiveu Gef\u00fchl nach zu urtheilen. auch in der oben beschriebenen Weise fest verschlossen und zwar meist noch ehe der Schlingact weiter fortgeschritten. den Einblick unm\u00f6glich macht, sicherlich aber nicht wie H. Meyer in seinem Lehrbuche der physiologischen Anatomie des Menschen. Leipzig. Engelmann 1856, S. 159, meint: \u00bb \u00bb Geschlossen oder vielmehr zugedeckt wird die Fissura luryngeu durch die mechanische Gewalt, welche einem Bissen durch die Schluckbewegung mitgetheilt wird, indem die Masse desselben den Kehldeckel hinabdr\u00fcckt, wodurch derselbe \u00fcber den unteren Theil der Fissur hingelegt wird : nachdem der Bissen vorbeigegangen ist. springt der Kehldeckel durch seine Ela-sticitfit und diejenige seiner B\u00e4nder in seine fr\u00fchere Lage zur\u00fcck.\u00ab\u00ab. . .\n\u00bbAnfuhren muss ich noch, dass ich gesehen habe, wie der den vorher verschlossenen Kehlkopf frei \u00fcberragende Theil der Epiglottis durch den bei offener Mundh\u00f6hle wie zum Schlingen willk\u00fcrlich zusammengeschn\u00fcrten Schlund umgekr\u00e4mpelt \u2014 so dass ein betr\u00e4chtliches St\u00fcck seiner unteren Fl\u00e4che zur Anschauung kommt \u2014 und in der Mitte geknickt wurde. Taf. 23, Fig. 11 zeigt, in welcher Art oft der \u00fcberragende Theil der Epiglottis im Beginne [des Schlingactes auf- und zusammengebogen wird. \u00ab\n\u00bbDurch diesen Knick und die hintere Pharynxwand wird ein kleines rundlicheckiges Loch begrenzt, welches, wenn man die fort-\n35*","page":547},{"file":"p0548.txt","language":"de","ocr_de":"Ml\nDer Kehlkopfspiegel.\nschreitende Zusammenschn\u00fcrung des Pharynx in diesem Stadium arre-tirt und die Glottis unter dem Kehldeckel \u00f6ffnet, der Athemluft einen Ausweg gestattet. Offenbar entspricht die Fig. 11 abgebildete Anordnung der Theile auch jener, welche wir annehmen m\u00fcssen, wenn wilden Schlund ausgurgeln wollen. Versuchte ich den Act des Leer-schlingens ohne die fortschreitende Zusammenschn\u00fcrung des Schlundes zu arretiren) zu vollenden \u2014 was \u00fcbrigens bei weit offenem Munde und willk\u00fcrlich niedergehaltenem Zungengrunde niemals vollst\u00e4ndig gelang, so verschwand das \u00fcbriggebliebene rundlicheckige Loch sammt dem zusammengeknickten Kehldeckel unter dem Zungengrund und den v\u00f6llig zusammengeschn\u00fcrten gerunzelten Schlundwandungen ganz und gar. \u00ab\nObigen, obschon bereits im April 185b gemachten Angaben \u00fcber den Mechanismus des Larynx Verschlusses habe ich nur Weniges hinzuzuf\u00fcgen.\nDie Thatsache, dass die falschen Stimmb\u00e4nder wirklich eine so grosse Beweglichkeit besitzen, dass sie einander bis zur gegenseitigen Ber\u00fchrung in der Medianlinie gen\u00e4hert werden k\u00f6nnen, ist von mir zuerst und zwar an einer Patientin s. unten Fall 1 wirklich beobachtet und 1. c. Kr. 10 und Kr. 12 p. 166 ver\u00f6ffentlicht worden ; sp\u00e4ter habe ich auch an mir selbst mit Bestimmtheit gesehen und hundertf\u00e4ltig demonstrirt, dass beim Verschluss des Larynx die gegenseitige K\u00e4herung der falschen Stimmb\u00e4nder zu einer innigen Ber\u00fchrung wird und zur Verschliessung der Glottis spuria f\u00fchrt; durch fortgesetzte Uebung hatte ich n\u00e4mlich erlernt, die Senkung und Auflagerung der Epiglottis willk\u00fcrlich zu verz\u00f6gern. Mr. Gikaud-Teulox, einAugen-und Ohrenzeuge meiner im Fr\u00fchjahr I860 in Paris abgehaltenen laryn-goskopisclien Demonstrationen und Vortr\u00e4ge berichtete hier\u00fcber in der Gazette m\u00e9dicale de Paris 14. Avril 1860.\nIch setze die betreffende Stelle im Originaltext her, weil sie meine damalige Darstellung des dreifachen Mechanismus des Larynxver-schlusses vollkommen richtig und pr\u00e4gnant wiedergibt.\n\u00bbOn voit. en premier lieu, les cordes vocales inf\u00e9rieures se rapprocher et se mettre en contact imm\u00e9diat, \u2014 premi\u00e8re fermeture ; \u2014 imm\u00e9diatement uu-dessus d\u2019elles se rapprochent et se resserrent l\u2019une contre l'autre les cordes vocales sup\u00e9rieures \u2014 deuxi\u00e8me barri\u00e8re \u2014 troisi\u00e8mement, par dessus cette double cl\u00f4ture, et perpendiculairement aux joints de cette double porte \u00e0 deux battants vient s\u2019appliquer un renflement int\u00e9rieur qui termine en bas l\u2019epiglotte, et dont la destination et l\u2019emploi n\u2019avaient jusqu\u2019ici jamais \u00e9t\u00e9 soup\u00e7onn\u00e9s, si m\u00f4me on lui supposait un emploi. Or ce renflement a pour fonctions de venir s\u2019appuyer sur les deux","page":548},{"file":"p0549.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n549\nbarri\u00e8res que nous venons de voir se fermer successivement, et d'y mettre comme la pierre qui scelle le couvercle d'un puits. L'exactitude complexe de cette triple pr\u00e9caution \u00e9tait assur\u00e9ment fort loin d\u2019etre devin\u00e9e.\u00ab\nUm der Wiederholung von Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen will ich hier noch erw\u00e4hnen, dass man im Widerspruche mit meinen Angaben einerseits die irrige Vorstellung aufgebracht hat als \u00bbreichten die wahren und falschen Stimmb\u00e4nder zum Verschluss der Glottis nicht hin\u00ab und als sei dazu ein \u00bberg\u00e4nzender luftdichter Verschluss zwischen Epiglottis und den Giessbeckenknorpeln erforderlich\u00ab1 ; andererseits hat man aber wieder das von mir beschriebene Verhalten der Epiglottis gel\u00e4ugnet.\nDiesen Missverst\u00e4ndnissen gegen\u00fcber verweise ich den Leser einfach auf meine obigen Angaben, welche durch hundertf\u00e4ltige Beobachtungen an verschiedenen Individuen sichergestellt sind. Die sp\u00e4teren Beobachter, welche dieselben nicht in allen Punkten zu best\u00e4tigen vermochten, haben den Mechanismus des Larynxverschlusses eben unvollst\u00e4ndig beobachtet und nur den luftdichten Verschluss der Glottis durch Aneinanderlagerung der Stimmb\u00e4nder und Taschenb\u00e4nder vor Augen gehabt, w\u00e4hrend die Epiglottis aufgerichtet und die Fissura laryngis otfenstehen blieb. Sie haben offenbar nur an solchen Individuen experimentirt. welche bei der, zur laryngoskopisehen Inspection erforderlichen meist etwas gezwungenen Anordnung der Mund-und Schlundtheile nicht im Stande waren die Epiglottis geh\u00f6rig nieder-zuziehn.\nIch kann jedoch jeden Augenblick an mir selbst zeigen, dass man die Epiglottis auch bei weitge\u00f6ffnetem Munde und vorgestreckter Zunge in der Weise zu senken vermag, dass sich ihr \u00bbWulst\u00ab, indem er dabei noch viel st\u00e4rker hervorgetrieben wird, in Uebereinstimmung mit dem subjeetiven Gef\u00fchl an die geschlossenen Tasehenb\u00e4nder innig anschmiegt und gegen die nach vorn und unten sich neigenden, ihm so zu sagen entgegenkommenden Arvtaenoidknorpel mitunter so kr\u00e4ftig andr\u00fcckt, dass er die Cornua Santorini und die den WrasBERG\u2019schen Knorpeln entsprechenden Kn\u00f6tchen der Ltg. ary-epiglottica aus ihrer Lage dr\u00e4ngt! Eine Thatsaclie, welche jeden vern\u00fcnftigen Verdacht an eine blos perspectivische Deckung der Theile von selbst ausschliesst.\nUebrigens versteht es sich ja von selbst, dass der Kehlkopf \u00fcberhaupt nur auf die von mir angegebene Weise wirklich geschlossen werden kann, denn so lange die Epiglottis nicht niedergedr\u00fcckt ist,\n1 S. T\u00fcrck praktische Anleitung zur Lnrj'ngoskopie S. 22.","page":549},{"file":"p0550.txt","language":"de","ocr_de":"550\nDor Kehlkopfspiegel.\nbleibt eben tier K e h 1 k o p f oben noch offen, wenn gleich die 61 o 11 i & durch Aneinanderlagerung der Stimmb\u00e4nder und Taschenb\u00e4nder luftdicht verschlossen sein mag.\nEben so klar ist aber auch die oben angedeutete nothwendige m echanisclieF olge des aufgedeckten vollst\u00e4ndigen ( dreifachen Mechanismus des K eh 1 k o p f Verschlusses f\u00fcr die Sicherung und Festigkeit des Glottis Verschlusses bei m\u00f6glichster Ersparnis\u00ab an Kraftaufwand.\nWer es in dieser Beziehung f\u00fcr v\u00f6llig gleichg\u00fcltig halten k\u00f6nnte, ob der breite Epiglottiswulst, auf die, in horizontaler Bichtung luftdicht gegeneinandergedr\u00fcckten wahren und falschen Stimmb\u00e4nder, auch noch in vertical er Bichtung aufgedr\u00fcckt wird oder nicht, der h\u00e4tte eben keine Ahnung von der sinnreichen Einfachheit dieser ganzen, factisch vorhandenen Einrichtung, welche beim starken Dr\u00e4ngen, beim Schlingen und beim willk\u00fcrlichen Versuch, wenn derselbe mit der geh\u00f6rigen Energie und Geschicklichkeit angestellt wird, inActivit\u00e4t kommt.\nBez\u00fcglich der Beurtheilung der mit den erw\u00e4hnten Missverst\u00e4ndnissen in Verbindung stehenden und wieder aufgetauchten Magkxdie -sclien Lehre von der Unwesentlichkeit der Epiglottis f\u00fcr das Schlingen bemerke ich schliesslich, dass das eben Gesagte zun\u00e4chst als richtig festzuhalten ist.\nAuf der anderen Seite ist es allerdings eben so richtig \u2014 und ich habe 1. c. Nr. 4) selbst die betreffende Stelle aus Hyktl\u2019s Ilandb. der topogr. Anatomie, Wien 1847, B. I, p. 305 citirt \u2014 dass es F\u00e4lle gibt, \u00bbwo auch nach completer Destruction des Kehldeckels das Schlingen wieder seinen regelm\u00e4ssigen Gang nahm, was sich nur daraus erkl\u00e4rt, dass die Glottis mit jedem Schlingacte vollkommen geschlossen wird.\u00ab\nErst vor 2 Jahren hat Stork wieder einen hierher geh\u00f6rigen in-structiven Fall laryngoskopisch untersucht und in der Zeitschrift f\u00fcr prakt. Heilk. Nr. 40, 1860. beschrieben, bei welchem der Kehldeckel fast g\u00e4nzlich zerst\u00f6rt war, das Verschlingen fl\u00fcssiger und fester Speisen aber ohne irgend eiue Beschwerde von Statten ging, indem sicli die falschen Stimmb\u00e4nder im Verein mit den Lig. ary-epigl. durch ihre kreisf\u00f6rmige Zusammenziehung derart wulsteten, dass sie die wahren Stimmb\u00e4nder vor Ber\u00fchrung sch\u00fctzten.\nEs unterliegt also keinem Zweifel, dass der Schlingact auch ohne Kehldeckel ungehindert von Statten gehen kann.\nAllein es w\u00e4re mindestens \u2014 unlogisch, hieraus schliessen zu wollen, dass der vorhandene,unversehrte Kehldeckel jene Bolle beim Verschl\u00fcsse des Larynx w\u00e4hrend des Sehlingens nicht spiele, welche ihm nach meinen directen Beobachtungen zukommt.","page":550},{"file":"p0551.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n551\n3. Fliisterstimme.\n1. Die //-Laute.\n1. c. 8. 576;. \u00bbAus der beim ruhigen Athmen in ihrer ganzen Ausdehnung weitge\u00f6ffneten Glottis str\u00f6mt die Luft bekanntlich ger\u00e4uschlos hervor und bedingt erst durch ihren Anfall gegen die W\u00e4nde der Rachenh\u00f6hle ein leises Ger\u00e4usch. Es versteht sich von selbst, dass die Kraft und M\u00e4chtigkeit des Luftstromes, so wie die Beschaffenheit und s] i ecielle Anordnung der betreffenden Th eile der Kehle unendliche qualitative und quantitative Verschiedenheiten und Nuancen von Rei-bungsger\u00e4uschen setzen k\u00f6nnen (vom sanftesten Hauch, he. h bis zum Uhu ].\u00ab\n\u00bbWird die Glottis n\u00e4mlich durch gegenseitige N\u00e4herung der Ary-taenoidknorpel, deren Innenr\u00e4nder sich entweder innig ber\u00fchren oder doch bis auf einen schmalen Spalt n\u00e4hern, verengt, wobei die wahren Stimmb\u00e4nder durch die mit ihren Spitzen nach vorn und innen couver-girenden Process, vocales einen mehr oder weniger stark vorspringenden Knick erhalten vgl. Taf. 23, Fig. S : so bewirkt die Luft je nachdem sie, unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden, rascher oder langsamer durch die gebildete \u00bbEnge\u00ab hindurchstr\u00f6mt, ein st\u00e4rkeres oder leiseres Reibungsger\u00e4usch. Ein solches Ger\u00e4usch ist es auch, durch \u00bbwelches wir beim Fl\u00fcstern den Ton der Stimme ersetzen, um beim leisen ganz tonlosen Sprechen diejenigen Buchstaben, welche beim lauten Sprechen den Ton der Stimme haben, von denen zu unterscheiden, welchen derselbe nicht zukommt, denn auch Heim Fl\u00fcstern unterscheiden wir hartes und weiches s, /'und iv, j und ch u. s. w. (Br\u00fccke .\u00ab\n\u00bbDiese Reibungsger\u00e4usche werden um so st\u00e4rker und heiserer, je mehr die einspringenden Spitzen der nach hinten divergirenden Pme, meules einander sich n\u00e4hern, und je enger, bei steigender Kraft des Luftstromes die Glottis und die Spalte zwischen deu Innenr\u00e4ndern der Arytaenoidknorpel wird\u00ab (ja es kann so weit kommen, dass von der Glottis nichts \u00fcbrig bleibt, als ein rundlich \u00d6eekiger Kaum zwischen den nach vorn convergirenden mit den Spitzen sich ber\u00fchrenden Pme. vocales fr\u00fcher f\u00e4lschlich Glottis respirator in genannt ), w\u00e4hrend der Kehldeckel, durch seine Muskeln herabgedr\u00fcckt, die Fissura laryngea zugleich von oben her verengt.\u00ab ....\n\u00bbBei den sanfteren Reibungsger\u00e4uschen des Larynx liegt also die \u00bbEnge\u00ab einfach in jenem Th eil des verschm\u00e4lerten Glottisraunies, welcher den mehr oder weniger einspringenden vorderen Enden der Proc. vocales entspricht, und die Gestalt der Glottis ist im Allgemeinen so.","page":551},{"file":"p0552.txt","language":"de","ocr_de":"552\nDer Kehlkopfspiegel.\nwie ich sie Fig. 3 und 8 ahbildeu liess, w\u00e4hrend beim rauhen, heiseren Hauch \u00fcberdies noch die \u00bbEnge\u00ab der Fissura oder des Ostii laryngis hinzukommt, welches dauu aus drei rechtwinklig zusammenstossenden Spalten besteht, aus zweien horizontalen, zwischen der unteren Fl\u00e4che des Kehldeckels, und den oberen Stimmb\u00e4ndern so wie dem oberen Rande der die Arytaenoidknorpel einschliessenden Schleimhautfalte, und einer mittleren verticalen zwischen den Innenr\u00e4ndern der Arytaenoidknorpel.\n2. Das A in.\nVerschliesse ich die dreispaltige Fissura laryngis durch Aufeinanderdr\u00fccken ihrer R\u00e4nder vgl. Fig. 10), und treibe ich die Luft kr\u00e4ftig gegen dieselbe an, so entsteht ein harter eigent\u00fcmlich gequetschter Ton, indem namentlich die R\u00e4nder der verticalen Spalte ganz ebenso wie sonst die R\u00e4nder der verengten wahren Stimmritze in deutlich sichtbare t\u00f6nende Schwingungen gerathen.\nEs entsteht f\u00fcr diesen eigent\u00fcmlichen Ton also gewissermaassen eine besondere Stimmritze zwischen den aneinander gedr\u00fcckten R\u00e4ndern der Fissura laryngea.\nIch habe wiederholt beobachtet, dass w\u00e4hrend die Santori x lisch en H\u00f6cker fest und unbeweglich aneinanderschlossen, der untere Theil des interarytaenoiden Spaltes die Luft in raschen Pulsationen hervorbrechen liess, was ich allemal an dem Zittern der Reffexlichter auf der feuchten Schleimhaut und zuweilen an dem Auftreiben von Luftblasen im z\u00e4hen Schleim deutlich erkannte. Auch durch die beiden horizontalen Spalten kann die Luft t\u00f6nend hervorgetrieben werden.\nDer unter solchen Umst\u00e4nden erzeugte Ton ist nichts anderes als das vielbesprochene arabische Ain, wie ich es durch Herrn Hassax aus Cairo kennen gelernt hatte.\nDie physiologischen Bedingungen f\u00fcr die Hervorbringung des Eigenth\u00fcmlichen dieses Kehllautes d\u00fcrften hiermit \u2014 so weit sie der directen Beobachtung zug\u00e4nglich sind \u2014 als wesentlich ermittelt betrachtet werden.\nIn der That bringt das von mir Beobachtete das viele Maassgebende und Richtige der vereinzelten Angaben eines Wallix, Purkyxi: und Br\u00fccke in einen erfreulichen Zusammenhang und zu einem befriedigenden Abschluss.\nZun\u00e4chst gibt Wallix , der wohl als eine der ersten Auctorit\u00e4ten hinsichtlich der Aussprache des Arabischen betrachtet werden muss, an: dass, wenn man zum arabischen 11ha. dem heiseren Hauche. die \u00bbStimme t\u00f6nen l\u00e4sst, das Ain hervorgebracht wird.","page":552},{"file":"p0553.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n553\n\u00bbWas aber dem Hha und dem Ain gemeinsam ist\u00ab, bemerkt Br\u00fccke hierzu 1. c. S. 11 , \u00bbkann nicht im Zustande der wahren Stimmb\u00e4nder liegen, denn iw ist t\u00f6nend, Hha ist tonlos \u00ab, und schlosst scharfsinnig weiter: \u00bbdie wesentliche Ver\u00e4nderung (f\u00fcr das Ain muss also in dem Raum zwischen den wahren, d. h. unteren Stimmb\u00e4ndern und dem Kehldeckel vor sich gehen. \u00ab\nNach meinen directen Beobachtungen ist nun Wallin's richtige Angabe nur etwas anders zu formuliren, um mit Br\u00fccke\u2019s Bemerkung in erw\u00fcnschten Einklang zu kommen, n\u00e4mlich so : Das Ain wird hervorgebracht, \u00bbwenn man das Hha. den heiseren Ton, t\u00f6nend macht\u00ab, statt .... \u00bbwenn man zum Hha die Stimme t\u00f6nen l\u00e4sst.\u00ab Das Hha verh\u00e4lt sich eben zum Ain, wie die Fl\u00fcsterstimme zum lauten Stimmritzenton.\nFerner hebt Purkyxk als feiner Beobachter hervor, das Ain habe keinen eigentlichen Ton zur Begleitung, und wenn etwas dergleichen vernommen werde, so lasse sich dieses durchaus nicht mit dem reinen Vocalton vergleichen.\nDer gew\u00f6hnliche Ton der Stimme kann auch in der That beim Ain nicht rein geh\u00f6rt werden, da das eigenth\u00fcmliche dieses Lautes, wie ich zeigte, durch die t\u00f6nenden Schwingungen der Schleimhautr\u00e4nder. nicht der Glottis vera, sondern gewisser Stellen der Glottis\u00e4hnlich geschlossenen Fissura luryngea bedingt ist.\nWird der Ton des Ain unterdr\u00fcckt, so verf\u00e4llt man bekanntlich sofort in ein sehr heiseres Hha : gerade so und aus demselben Grunde, wie die vox clanclestina aus der lauten Stimme entsteht, wenn man die zum T\u00f6nen verengte Glottis zu einer \u00bbEnge\u00ab von gr\u00f6sserem Durchmesser erweitert.\nEndlich mag noch folgende Stelle von Br\u00fccke\u2019s \u00bbGrundz\u00fcgen ...\u00ab S. 12 hier Platz finden: \u00bbEs liegt nahe, anzunehmen, dass die schon von Purkyxk vermuthete Mitwirkung der falschen Stimmb\u00e4nder f\u00fcr das Ain in einer Verschliessung der oberen oder falschen Stimmritze bestehe, so dass dieser Verschluss von dem Luftstrom periodisch durchbrochen wird, \u00e4hnlich wie dies beim Zitterlaute der Lippen mit dem Verschl\u00fcsse dieser geschieht. Auch diesen Zitterlaut kann man in ein Knarren verwandeln, wenn man die Lippen st\u00e4rker gegen einander presst\u00ab1 .\nSetzen wir vervollst\u00e4ndigend statt \u00bbfalsche Stimmritze\u00ab \u2014 dreispaltige Fissura laryngis, und nebst \u00bbfalsche Stimmb\u00e4nder\u00ab \u2014\n1 Vgl ferner die Parallele der Kehlkopf- und der Lippenlaute hei Br\u00fccke a. a. O. S. 101.","page":553},{"file":"p0554.txt","language":"de","ocr_de":"554\nDer Kehlkopfspiegel.\nK ehl deck el und Ar y tae n oidknorp el cl. la. s\u00e4mmtliche Theile, die zum Verschl\u00fcsse der Fissura laryngis beitragen und an den K\u00fcndern in t\u00f6nende Schwingungen versetzt werden k\u00f6nnen . so enth\u00e4lt Purkyne-Br\u00fccke's scharfsinnige Voraussetzung die volle Wahrheit.\n3. Kehlkopf-K der Nie der Sachsen.\nlieber das Kehlkopf-/} der Niedersachsen kann ich zwar keine neuen directen Beobachtungen bcibringen. indem dasselbe bei jener Disposition der Theile durchaus nicht zu erzeugen ist. welche vermittelst des Laryngoskops einen freien Einblick in das Kehlkopt-Innere gestattet; denn erst, \u00bbwenn man einen immer tieferen und tieferen Ton zu singen sucht und dabei verm\u00f6ge der wachsenden Abspannung seiner Stimmb\u00e4nder zuletzt die untere Grenze seines Stimmumfanges \u00fcberschreitet\u00ab, kommt jener \u00bbZitterlaut des Kehlkopfes\u00ab zum Vorschein, der nach Br\u00fccke im Plattdeutschen, wenigstens in dem Dialekt von Neuvorpommern und R\u00fcgen das /} zuweilen vertritt ; \u2014 und dann verdeckt bekanntlich die Epiglottis durch ihre Stellung alles tiefer gelegene !\nNichtsdestoweniger glaube ich mit Zuhilfenahme einer Bemerkung Br\u00fccke\u2019s \u00fcber diesen seiner Muttersprache ungeh\u00f6rigen Laut, durch meine Ermittelungen \u00fcber das Ain, einen nicht unwesentlichen Beitrag zur genaueren Kenntniss der physiologischen Bedingungen dieses Lautes liefern zu k\u00f6nnen.\nBr\u00fccke sagt n\u00e4mlich a. a. O. S. Kl : \u00bbWenn man den Zitterlaut des Kehlkopfes, das Kehlkopf-/} der Niedersachsen hervorbringt und dann mit dem Tou der Stimme in die H\u00f6he geht, aber doch das Zittern beizubehalten sucht, so erzeugt man unter dem Gef\u00fchl von leichtem Drucke in der Kehle einen harten, knarrenden Ton \u2014 das Am der Araber\u00ab.\nDa wir nun wissen, welches die eigenth\u00fcmlichen physiologischen Bedingungen f\u00fcr die Hervorbringung des Am sind, so d\u00fcrften wir hiernach wohl mit Sicherheit auf die Bedingungen des Kehlkopf-/I zur\u00fcckschliessen k\u00f6nnen.\nBeim Ain, wo die Theile, wie schon das subjective Gef\u00fchl lehrt, in solcher Spannung und gegenseitiger N\u00e4herung sind, dass gewisse Stellen der R\u00e4nder der dreispaltigen Fissura luryngeu in t\u00f6nende Schwingungen versetzt werden k\u00f6nnen, so unterliegt es nunmehr keinem Zweifel, dass beim Kehlkopf-/}, mit der \u00bbwachsenden Abspannung \u00ab, dieselben nun erschlafften Theile \u00bb nicht mehr in der geh\u00f6rigen Weise t\u00f6nen, sondern in einzelnen vernehmbaren St\u00f6ssen zittern und dadurch ein Ger\u00e4usch hervorbringen, welches, wenn man es mit","page":554},{"file":"p0555.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\nder Vocalfolge m, ou, ou verbindet, dem Quacken der Fr\u00f6sche nicht un\u00e4hnlich ist\u00ab Br\u00fccke a. a. O. S. 10).\n4. Hamze.\nZum Schl\u00fcsse noch einige Bemerkungen \u00fcber den \u00ab Verschlusslaut des Kehlkopfes\u00ab \u2014 das arabische Hamze.\nNach Br\u00fccke a. a. 0. S. 98 oder 629) bedeutet Hamze \u00bbverschlossene Stimmritze\u00ab, woraus sich \u00bbdas pl\u00f6tzliche Abbrechen des Stimmlautes, da, wo Hamze eine Silbe endigt, und die darauf folgende Explosion, die bei der Wiederer\u00f6ffnung der Stimmritze eintritt und denr Nachschlage der Verschlusslaute entspricht\u00ab, erkl\u00e4rt. \u00bbDieser Nachschlag ist vocalisch, d. h. t\u00f6nend, wenn die Stimmritze dabei nur sehr wenig und in Form einer ganz schmalen Spalte ge\u00f6ffnet wird. F\u00e4ngt die folgende Silbe mit einem tonlosen Consonanten an, so muss begreiflicherweise der Nachschlag des Hamze seinen Ton verlieren, da er mit dem Beginne des Consonanten zeitlich zusammenf\u00e4llt, t\u00f6nend ist er dagegen. wenn der Anfangslaut der n\u00e4chsten Silbe ein t\u00f6nender ist. kann aber begreiflicherweise von diesem nicht mehr als ein besonderes Moment unterschieden werden. Hieraus ergibt sich zugleich als Corollar, dass Hamze, wenn es zwischen zwei Vocalen steht, das Zeichen des Hiatus ist, nur soll hier w\u00e4hrend der Pause die Stimmritze geschlossen werden, was bei unserem Hiatus nicht nothwendig ist. da wir ihn auch durch eine blosse Discontinuit\u00e4t in der tonerregenden Exspirationsbewegung hervorbringen\u00ab u. f.\nIch kann zu dieser phonetisch ersch\u00f6pfenden Auseinandersetzung Br\u00fccke's nur noch hinzusetzen, dass beim m\u00f6glichst vollkommen erzeugten Hamze in der geschilderten Weise, nicht bloss die Stimmritze durch die bis zur Ber\u00fchrung gen\u00e4herten wahren Stimmb\u00e4nder geschlossen , sondern auch der Kehldeckel mit seinem nach innen vorspringenden Wulst zur Verst\u00e4rkung des Verschlusses, fest darauf gedr\u00fcckt wird. Hamze bedeutet dann also \u00bb Kehlkopfverschluss\u00ab.\nWir haben, wie wir in dem Kehlkopf-/; der Niedersachsen den \u00bbZitterlaut\u00ab des Kehlkopfes hatten, hier den \u00bbVerschlusslaut\u00ab desselben. Wir k\u00f6nnten noch die vom clandestinu und die H-Laute als \u2019\u25a0Reibungsger\u00e4usche\u00ab hinzubringen das Ain hat meiner Ansicht nach eine ganz eigent\u00fcmliche Ausnahmestellung zwischen einem \u00bb Zitterlaut\u00ab und einem \u00bb Vocal\u00ab: Br\u00fccke f\u00fchrt es als zweiten \u00bbZitterlaut\u00ab des Kehlkopfes auf, \u2014 die arabischen Orthoepisten rechnen es zu den \u00abt\u00f6nenden Lauten\u00ab) , und es\u2019mag mit Br\u00fccke die Frage aufgeworfen werden, warum er selbst diese Laute nicht als besondere Consonanten eines letzten Articulationsgebietes in seinem vollendeten Systeme der","page":555},{"file":"p0556.txt","language":"de","ocr_de":"556\nDer Kehlkopfspiegel.\nSprachlaute aufgestellt habe, da sie doch in ihrem gegenseitigen Verh\u00e4ltnis\u00bb eine unverkennbare Analogie mit den \u00fcbrigen Consonanten zeigen. Br\u00fccke rechtfertigt diese absichtliche Unterlassung dadurch, dass er diese Analogie in der That nur f\u00fcr eine oberfl\u00e4chliche erkl\u00e4rt, indem die Laute, welche er in seinem System als einfache Consonanten aufgef\u00fchrt habe, im Vergleich mit den Kehlkopfger\u00e4uschen als zusammengesetzt zu betrachten seien, weil die eigentlichen Consonanten-zeichen nicht nur den Zustand der Mundtheile, die den Consonanten bilden, sondern ausserdem noch den Zustand der Stimmritze, ob dieselbe zum T\u00f6nen verengt sei oder weit ge\u00f6ffnet, anzeigen, w\u00e4hrend die Zeichen f\u00fcr die Kehlkopflaute nur den Zustand des Kehlkopfes bestimmen (a. a. O. 8. 100 oder 630'.\nIX.\nPathologische Beobachtungen.\n1. Laryngoskopische F\u00e4lle.\nHier folgen meine schon in der ungarischen medicinischen Wochenschrift \u00bbOrvosi Hetilap\u00ab vom 20. Februar 1859 u. f. und dann 1. c. No. 12 und No. 15; deutsch publicirten 7 F\u00e4lle, nebst einer Auswahl sp\u00e4ter beobachteter pathologischer Befunde im Larynx. \u2014 Der Wiederabdruck dieser 7 F\u00e4lle d\u00fcrfte gerechtfertigt erscheinen, da sie zum Theil an und f\u00fcr sich interessant sind, und da sie, abgesehen von dem von Dr. Skmeleder (1. c. No. 5) und von den beiden von St\u00f6rk (1. c. No. 8) mitgetheilten F\u00e4llen doch die erste Reihe bildeten, durch welche die Leistungsf\u00e4higkeit der LiSTOx-GARCiA\u2019schen Methode f\u00fcr medicinische Zwecke \u00f6ffentlich und bleibend dargethan wurde.\nErster Fall.\nZur Untersuchung desselben wurde ich im December 1858 durch Professor v. Balassa, welcher diesen Fall in chirurgischer Beziehung im \u00bbOrvosi Hetilap\u00ab 1858 No. 42 beschrieben hat, und von Dr. Porges, dem Ordinarius, eingeladen. Letzterem verdanke ich auch die im Auszuge mitgetheilte Krankengeschichte.\nR. Z. ein damals 18 Jahre altes M\u00e4dchen, phlegmatischen Temperaments , mittlerer Gr\u00f6sse, breiten kr\u00e4ftigen Wuchses, wohlgen\u00e4hrt, ist von skroful\u00f6sen Eltern geboren und theilt mit ihrem 14j\u00e4hrigen","page":556},{"file":"p0557.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n557\nBruder die traurige Erbschaft dieses Uebels, w\u00e4hrend ihre beiden altern Schwestern keine Spur desselben tragen. Bis zu ihrem 7. Jahre einer vollkommenen Gesundheit sich erfreuend, wurde sie dann von einem Husten befallen, der \u00fcber ein volles Jahr dauerte. Von da an zeigten sich wiederholte Dr\u00fcsenanschwellungen an verschiedenen Theilen des K\u00f6rpers, die sich nach kurzer Zeit zertheilten ; die Anschwellung der Mesenterialdr\u00fcsen, die durch 5 Jahre den Umfang des Unterleibes bedeutend ausdehnten, dauerte jedoch bis zum vorigen Jahre.\nIm Sommer desselben Jahres wurden allm\u00e4hlich beide Ellenbogengelenke steif, erhielten aber unter dem Gebrauche der Ofner Schlammb\u00e4der . . . etc. ihre Beweglichkeit wieder. In ihrem 16. Lebensjahre erschien die Menstruation, seither mit mancher Unterbrechung und stets sp\u00e4rlich fliessend.\nMit dieser Entwicklung nahm auch die des ganzen K\u00f6rpers schnell und merklich zu, und ihre wachsende Kraft und F\u00fclle boten einen erfreulichen Anblick. Doch hatte diese Entfaltung ihrer k\u00f6rperlichen Keife leider nicht auch das Erl\u00f6schen ihres constitutionellen Leidens zur Folge, denn im Sommer 185S schwollen ohne alle Veranlassung die Submaxillardriisen zu einem sehr betr\u00e4chtlichen Volumen an, und es er\u00f6ffnete sich im Monate M\u00e4rz daselbst eine g\u00fcrtelf\u00f6rmige Keihe skroful\u00f6ser Geschw\u00fcre. Im April begann der Larynx allm\u00e4hlich anzu-sehwellen und in seinen Contouren am Halse vorzutreten. Beim Drucke war der Larynx wenig empfindlich, die Fauces zeigten weder R\u00f6the noch Geschwulst, Fieber stellte sich nicht ein, die Stimme, welche sonst schwach war, wurde umflort. Im n\u00e4chsten Monat nahm die Schwellung des Larynx sichtlich ab, und bald erreichte er seine nat\u00fcrliche Gr\u00f6sse und Lage wieder, wie er auch beim Drucke unschmerzhaft wurde; die Heiserkeit wich jedoch nicht, sondern ging successive in Aphonie \u00fcber.\nIm Monat September wurde das Athmen etwas m\u00fchsam. In- und Exspiration waren laut h\u00f6rbar und des Nachts so schnarchend, dass sie ihre Zimmergenossin im Schlafe st\u00f6rte.\nSeit dem 24. September wurde die Dyspnoe so empfindlich, dass die Lage der Patientin bedenklich wurde. Der Larynx war beim Drucke wieder schmerzhaft, der Schlaf wegen eintretender Beklemmung unm\u00f6glich, jede k\u00f6rperliche Bewegung den Rhythmus der Respiration st\u00f6rend, be\u00e4ngstigend.\nAm 4. October Abends trat ein Erstickungsanfall von bis dahin ungekannter Heftigkeit ein, der sich um 3 Uhr des Morgens wiederholte und Herrn Dr. Porges die schon lange gen\u00e4hrte Ueberzeugung aufdr\u00e4ngte, dass nur noch die Laryngotomie hier retten k\u00f6nne.","page":557},{"file":"p0558.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n558\nAm 5. October 1858 um 1 Uhr wurde diese von Herrn Dr. Purges trotz des Abrathens einiger zum Consilium beigezogener Collegen vor-gesehlageue und aufrecht erhaltene Operation durch Herrn Prof. v. Ba-lassa. an der auf dem Operationsstuhl asphyktisch zusammensinkenden Patientin mit gewohnter Virtuosit\u00e4t ausgef\u00fchrt. und die Patientin unter Einleitung der k\u00fcnstlichen Respiration wieder zum Bewusstsein gebracht.\nSeither lebt die Patientin und befindet sich verh\u00e4ltnissmassig sehr wohl. nur ist die Laryngostenose in vollst\u00e4ndige Verschliessung des Luftweges \u00fcbergegangen, so dass Patientin nicht im Stande ist. die geringste Menge Luft durch den Larynx zu pressen. wenn die \u00e4ussere Oeffuung der (,\u2019an\u00fcle. durch welche sie atlimet. zugehalten wird.\nEs handelte sich nun zun\u00e4chst darum, den Sitz der Verschliessung des Luftweges und \u00fcberhaupt die pathologischen Ver\u00e4nderungen im Larynx genauer zn ermitteln, um wo m\u00f6glich die Behandlung des Allgemeinleidens durch ein locales therapeutisches Verfahren am Larynx zu unterst\u00fctzen : desshalb wurde die laryngoskopische Untersuchung gew\u00fcnscht.\nMeine ersten Versuche, in den Larynx vermittelst des Spiegels hineinzusehen, misslangen, theils weil die Stellung des Kehldeckels den Einblick hinderte, theils weil die Patientin die Ber\u00fchrung der Rachentheile mit dem Laryngoskop nicht lange genug ertrug. Um den letzteren Uebelstand zu beseitigen, hinterliess ich der Patientin einen Kehlkopfspiegel mit der Weisung, sich denselben selbst oder von ihrem Arzte recht oft in den Schlund einf\u00fchren zu lassen, um sich an die Ber\u00fchrung mit diesem fremden K\u00f6rper zu gew\u00f6hnen. Nach etwa I 1 Tagen war die Empfindlichkeit in der That so weit abgestumpft, dass ich die laryngoskopische Untersuchung mit Erfolg vornehmen konnte, nachdem es mir auch noch gelungen war, die Patientin durch pl\u00f6tzliches tiefes Inspiriren obschon es nat\u00fcrlich nicht durch den unwegsamen Larynx, sondern durch die Can\u00fcle geschah . durch die Intention hohe T\u00f6ne und den Laut <7 hervorzubringen etc., zur Hebung ihres Kehldeckels zu verm\u00f6gen.\nEs bot sich mir folgendes Bild, welches ich in Fig. 16 u skizzirt habe. Die falschen Stimmb\u00e4nder waren etwas angeschwollen, ger\u00f6thet aber leicht beweglich, indem sie einander bis zur gegenseitigen Ber\u00fchrung in der Medianlinie rasch gen\u00e4hert und auch wieder so weit von einander entfernt werden konnten, dass die in verticaler Richtung etwas verengten Venir. Morgagni und die wahren Stimmb\u00e4nder deutlich zum Vorschein kamen.\nDie wahren Stimmb\u00e4nder zeigten eine nahezu normale weissliche","page":558},{"file":"p0559.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel\n559\nF\u00e4rbung und zu meinend Erstaunen eine ziemliche Beweglichkeit, namentlich fielen bei forcirten pl\u00f6tzlichen Inspirationen und intendirten Lauten die Bewegungen des hintern Abschnittes derselben, in welchen die Processus vocales der Arytaenoidknorpel stecken, auf.\nEin genauer Verschluss der Glottis vera durch Aneinanderlagerung der B\u00e4nder der wahren Stimmb\u00e4nder konnte nicht bewerkstelligt werden ; am meisten klaffte die Rima glottidis zwischen den /Vor. vocales. Zwischen den klaffenden B\u00e4ndern der Glottis sah ich in eine seichte, von zwei dunkelgef\u00e4rbten Schleimhautw\u00fclsten gebildete longitudinale Furche.\nDer Sitz des Larynxverschlusses war somit erkannt. Er liegt unterhalb des freien Bandes der wahren Stimmb\u00e4nder, deren oberste Lamelle, nebst den \u00fcbrigen sichtbaren Kehlkopftheilen. \u2014 abgesehen von der geringen Schwellung der falschen Stimmb\u00e4nder und der Umgebung der Ary-knorpel wesentlich normal sind.\nUm die Ausdehnung und Beschaffenheit des Larynxverschlusses genauer ermitteln zu k\u00f6nnen. kam ich nun auf die Idee, eine von Dr.\nNeud\u00f6rpeb 1. c. 6 vorgeschlagene, mir damals noch nicht bekannte, in allen \u00e4hnlichen F\u00e4llen vorzunehmende Anwendung des Kehlkopfspiegels zu machen, n\u00e4mlich durch die k\u00fcnstliche Oeff-uung des Larynx hindurch einen kleinen Spiegel einzuf\u00fchren und so einen Einblick in den Kehlkopf von unten her zu gewinnen. Zu diesem Ende wurde zun\u00e4chst eine wenig gebogene und m\u00f6glichst weite Caniile. in deren obere Wand eine grosse Oeffnung geschnitten war, angefertigt und in die durch die Laryngotomie zwischen dein Ring- und Schildknorpel bewerkstelligte Oeffnung eingebracht : durch dieselbe atlimete die Patientin eben so ungehindert wie durch ihre gew\u00f6hnliche Caniile.\nSodann schob ich ein ganz kleines, an einem passend gebogenen Stiel befestigtes Metallspiegelchen mit schief nach aufw\u00e4rts und vorn gekehrter refiectirender Fl\u00e4che, so tief in die Caniile ein, dass es sich zum Theil in dem Ausschnitte der obern Wand der Can\u00e4le und unmittelbar unter der untern M\u00fcndung des Larynx befand. Wurde nun vermittelst eines gew\u00f6hnlichen kleinen Augenspiegels concentr\u00e2tes Lampenlicht auf das Spiegelchen geworfen, so wurde das Innere des Kehlkopfes von unten her hell beleuchtet und spiegelte sich, f\u00fcr das","page":559},{"file":"p0560.txt","language":"de","ocr_de":"560\nDer Kehlkopfspiegel.\ndurch die centrale Oeffhung im Augenspiegel blickende Auge des Beobachters, ab (s. oben Abschn. IV.).\nEs versteht sich von selbst, dass das in die Canule eingef\u00fchrte Spiegelchen das Athemholen etwas beeintr\u00e4chtigte, doch st\u00f6rte dies die Untersuchung keineswegs. Um das sich Beschlagen des Spiegclchens mit Wasserdampf zu verh\u00fcten, musste dasselbe vorher erw\u00e4rmt werden: da es jedoch aus sehr d\u00fcnnem Metall gearbeitet war, so k\u00fchlte es sehr rasch aus und musste in kurzen Zwischenr\u00e4umen immer wieder herausgezogen und neuerdings \u00fcber die Flamme gehalten werden. Um durch dieses l\u00e4stige Man\u00f6ver die Untersuchung nicht fortw\u00e4hrend unterbrechen zu m\u00fcssen, ersann ich mir ein neues Verfahren, die auf dem Spiegel sich iiiedersclilagenden Wasserd\u00e4mpfe unsch\u00e4dlich zu machen, welches darin besteht, die reflectirende Fl\u00e4che des Spiegel-ehens mit einer ganz d\u00fcnnen gleichm\u00e4ssigen Schichte einer saturirten L\u00f6sung von Gummi arabicum u. dgl. zu bestreichen, wodurch die spiegelnde Fl\u00e4che denn auch hinreichend lange vollkommen blank erhalten wurde.\nAuf die angegebene Weise konnte ich die verschlossene Stelle des Larynx \u00fcberaus genau und bequem von unten her untersuchen und erkannte, dass das rundliche Lumen des Kehlkopfes unterhalb des freien Randes der wahren Stimmb\u00e4nder durch zwei von den seitlichen und den hinteren Regionen ausgehende Schleimhautgeschw\u00fclste verlegt ist. InFig. 16 6. habe ich das Spiegelbild skizzirt: man sieht eine seichte longitudinale Furche, welche die beiden W\u00fclste, indem sie zu-sammenstossen, begrenzen. Die linke Seite des Bildchens entspricht der rechten Seite des wirklichen Kehlkopfes und umgekehrt \u2014 gerade so, wie bei den \u00fcbrigen laryngoskopischen Bildern, dagegen entspricht hier der obere Rand des Bildchens der hinteren Peripherie des Kehlkopflumens, der untere Rand der vorderen Peripherie, genauer bezeichnet dem innern Wundrande der laryngotomischen Oeffnung, an welchem sich kleine Wucherungen zeigen, die zuweilen an Gr\u00f6sse zuzunehmen scheinen. Das Diagramm Fig. 16c gibt eine Vorstellung von der Configuration des Schleimhaut\u00fcberzuges im Innern des der L\u00e4nge nach von rechts nach links durchschnittenen Kehlkopfes. Man erkennt, wie die die Trachea auskleidende Schleimhaut innerhalb des Kehlkopfes jederseits zwei \u00fcbereinanderliegende, durch den Venir. Morgagni [v. m. gesonderte, gegen das Lumen des Kehlkopfes vorspringende Duplicaturen oder Falten bildet; u. st. entspricht dem wahren, o. st. dem falschen Stimmbande. In unserem Falle sind in Folge der skroful\u00f6sen Infiltration die untern Theile der die untern Stimmb\u00e4nder bildenden Schleimhautfalten so hervorgewulstet, wie die","page":560},{"file":"p0561.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n561\npunktirten Linien anzeigen, und bedingen auf diese Art den Kelilkopf-versehluss, w\u00e4hrend der innere Rand und die oberste Lamelle der Stimmb\u00e4nder wesentlich normal geblieben sind.\nIch habe die den Kehlkopf versehliessenden Schleimhautw\u00fclste unter Beih\u00fclfe des Kehlkopfspiegels, sowohl von oben durch die Stimmritze, als von unten durch die laryngotomische Oeffnung. mit passend gekr\u00fcmmten Sonden auf ihre Resistenz untersucht und sein-derb gefunden. Als ich die Sonde von unten her eingef\u00fchrt hatte und mit Gewalt in den vordem Theil der Furche eindr\u00fcckte, gelang es mir wiederholt, das Kn\u00f6pfchen derselben durch die verlegte Stelle pl\u00f6tzlich hindurchzupressen, was nicht nur unzweideutig aus dem tiefen Eindringen der Sonde und dem sofort eintretenden Hustenreiz \u2014 offenbar in Folge der Ber\u00fchrung der Glottisr\u00e4nder sich ergab, sondern auch durch das Gef\u00fchl der Patientin best\u00e4tigt wurde.\nHierdurch wurde zugleich der Beweis geliefert. dass die verlegte Stelle noch wegsam ist. F\u00fcr die Therapie erw\u00e4chst die Indication, diese Wegsamkeit durch h\u00e4ufiges Einlegen von Bougieen zu erhalten und zu vergr\u00f6ssern. Prof. v. Balassa hat seither auch diese Bcliand-lungsweise bei der Patientin eingeleitet. Bei dem beschriebenen Falle, in welchem ich die erste Anwendung der Methode, den Kehlkopf von unten zu untersuchen, an einem lebenden Individuum gemacht habe, wurde seither die laryngoskopische Untersuchung von oben und von unten fleissig fortgesetzt, um sich \u00fcber den Verlauf des localen Ivfank-heitsproeesses in genauer Ivenntniss zu erhalten.\nEs zeigte sich, dass die skroful\u00f6se Infiltration der Schleimhaut, welche den Larynx unterhalb des freien Randes der wahren Stimmb\u00e4nder verschliefst, nun auch den bis dahin freigebliebenen Theil der letztem ergriffen hatte und zugleich tiefer herabgestiegen war. so dass der Larynxvcrschluss jetzt fast von dem Niveau des Wundrandes der laryngotomischen Oeffnung bis inclusive zu den wahren Stimmb\u00e4ndern reicht, \u2014 doch sind die infiltrirtcn Tlicile weniger gespannt und hart anzuf\u00fchlen als fr\u00fcher Fr\u00fchling 1859 .\nDie. wie bereits angegeben, seit l\u00e4ngerer Zeit eingeleitete h\u00e4ufige Bougierung der Strictur durch das Fenster der Athmungscan\u00fcle hindurch, hat unter anderen den Erfolg gehabt, dass jetzt nm-li Entfernung der Bougie ein, bei der Speculirung von unten sichtbarer, einige Zeit klaffender Kanal zwischen den Lippen der infiltrirten Schleimhautw\u00fclste zur\u00fcckbleibt: doch ist es bisher noch nicht gelungen, eine Spur von Luft durch den Larynx hindurch zutreib eu.\nBeil\u00e4ufig will ich abgesehen von der sehr merkw\u00fcrdigen S p r a c h-lautbilduiig der Patientin, \u00fcber welche ich eine in der Sitzung der\nSchriften.\t<H>\nC z e r in a h .","page":561},{"file":"p0562.txt","language":"de","ocr_de":"562\nDer Kehlkopfspiegel.\nmath.-phys. Classe der Wiener Akademie der Wiss. vom 17. M\u00e4rz 1S59 durch Herrn Prof. Br\u00fccke gef\u00e4lligst \u00fcbergebene Mittheilung gemacht habe1, hier noch zwei andere nicht uninteressante, physiologische Beobachtungen anf\u00fchren, welche ich an der in Frage stehenden Patientin zu machen Gelegenheit hatte. Erstlich \u00fcber die mit dem Larynxver-schluss eingetretene St\u00f6rung des Geruchsinnes, und zweitens \u00fcber den hierdurch nicht im geringsten beeintr\u00e4chtigten Abzug der Th r an en.\nEs ist bekannt und namentlich durch Bidder's Versuche festgestellt, dass die Richtung und St\u00e4rke der mit Riechstoffen geschw\u00e4ngerten Luftstr\u00f6me in der Nasenh\u00f6hle f\u00fcr das Zustandekommen der Geruchsempfindungen von wesentlicher Bedeutung sind. Ludwig, Lelirb. der Phys. B. I. p. 290. 1. Auflage, sagt hier\u00fcber : \u00bbLuftstr\u00f6me welche mit riechenden Stoffen geschw\u00e4ngert sind, erzeugen vorzugsweise Empfindungen, wenn sie mit grosser Beschleunigung durch die Nase in der Sichtung von vorn nach hinten dringen : demgem\u00e4ss erweitern wir unwillk\u00fcrlich die Nasenm\u00fcndung und ziehen rasch und stossweise die Luft ein, wenn wir einen Gegenstand auf seinen Geruch pr\u00fcfen wollen. Man darf nach den vorliegenden Thatsachen schliessen. dass die n\u00e4chste Wirkung der raschen Luftstr\u00f6me darin bestehe . die Geruchsfl\u00e4chen auf eine vollkommenere Art mit den Riechstoffen in Ber\u00fchrung zu bringen, indem theils durch den Anstoss des Stromes, tlieils durch die Reibung desselben ein die Absorption bef\u00f6rdernder Druck erzeugt wird. \u00ab\nDass unsere Patientin den Geruch verloren hat, kann somit keineswegs \u00fcberraschen. Bemerkenswerth ist es jedoch, dass ihr Geruch nicht f\u00fcr alle Riechstoffe gleich abgestumpft erscheint frisch zerdr\u00fcckte Geraniumbl\u00e4tter erkannte sie am Geruch, ebenso starke Parf\u00fcms, die unter ihrer Nase entleert wurden, dagegen nahm sie weder den Geruch von Veilchen noch von Hiacynthen wahr); dass sich ferner ihr Geruch etwas gebessert, seit sie gelernt hat, durch pl\u00f6tzliche und energische Zusammenziehungen des Pharynx und der Mundh\u00f6hle schwache Luftstr\u00f6mungen in der Nase zu erzeugen : endlich dass sie durch einen \u00fcber Hiacynthen oder Veilchen mit einem Blasebalg in die Nase eingetriebenen Luftstrom eine, wenn auch schwache Empfindung von dem Ger\u00fcche dieser Blumen bekam.\nHinsichtlich des A b z u g e s d e r T h r \u00e4 neu best\u00e4tigt sich an unserer Patientin die jetzt wohl allgemein anerkannte Bedeutungslosigkeit des die Respiration liegleitenden negativen Druckes in der Nasenh\u00f6hle\n1 Siehe Nr. XLI.","page":562},{"file":"p0563.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n563\nf\u00fcr die normale Fortschaffung der abfliess\u00e9nden Thr\u00e4nen, indem zu keiner Zeit auch nur die leiseste St\u00f6rung dieser Function bei derselben beobachtet wurde. Damit soll jedoch keineswegs die M\u00f6glichkeit der physikalisch nothwendigen Wirkung der durch die Athmungsbewe-gungen erzeugten Druckdifferenzen auf den Abzug der Thr\u00e4nen unter gewissen Umst\u00e4nden geleugnet werden.\nZweiter Fall. 1. c. No. 9.)\nAm 2. Januar 1S59 wurde mir von Herrn Dr. Hiksc-hlek ein etwa 40 Jahre alter Mann aus den gebildeten St\u00e4nden vorgestellt, welcher seit mehreren Jahren an nerv\u00f6ser Heiserkeit behandelt wurde, welche nach einer bedeutenden Anstrengung des Stimmorganes pl\u00f6tzlich aufgetreten war und sich seither nach heftigen Genuithsaufregungen regelm\u00e4ssig vor\u00fcbergehend verschlimmert, ohne jemals ganz zu weichen.\nDie von mir vorgenommene laryngoskopisehe Untersuchung, welche sehr leicht ertragen wurde. f\u00fchrte sofort zu dem \u00fcberraschenden Resultate. dass die constante Heiserkeit des Patienten durchaus nicht bloss nerv\u00f6ser Natur, sondern durch eine etwa auf der Mitte des rechten wahren Stimmbandes , mit ziemlich breiter Basis aufsitzende, dunkelgef\u00e4rbte, rundlich h\u00f6ckerige Neubildung bedingt ist. Dass diese Neubildung von weicher Consistenz sein m\u00fcsse, erkannte ich daran, dass sie durch die Vibrationen des Stimmbandes in allen ihren Theilen deutlich ersch\u00fcttert wurde und bei zuf\u00e4lliger theilweiser Einklemmung in die Stimmritze nachgiebig erschien. Rasche Ver\u00e4nderungen des Volums, der Consistenz etc. dieses Gew\u00e4chses in Folge ver\u00e4nderter Blutzufuhr etc. konnte aus dem Umstande vermuthet werden. dass sich die Heiserkeit des Patienten nach Gem\u00fcthsbewegungen pl\u00f6tzlich verschlimmert. In Fig. 17 gebe ich eine Skizze, welche ich gleich nach der Untersuchung entworfen und dem Patienten, welcher noch an demselben Tage nach Wien reisen musste, mitgegeben habe.\nEs ist mir eine Genugthuung, anf\u00fchren zu k\u00f6nnen, dass mir Herr Dr. SEMELEDERin Wien, an welchen ich den Patienten behufs fortgesetzter laryngoskopischer Beobachtung adressirt hatte, nach einigen Tagen schrieb, dass er meinen laryngoskopischen Befund in allen Einzelnheiten best\u00e4tigen konnte. Sp\u00e4ter (6. -Febr.j theilte mir derselbe mit. dass er den \u00bbPolypen\u00ab gr\u00f6sser finde, als ich ihn am 2. Januar gezeichnet hatte, es scheint also, dass derselbe im Wachsen begriffen ist. Die vermutheten raschen Volum\u00e4nderungen","page":563},{"file":"p0564.txt","language":"de","ocr_de":"564\nDer Kehlkopfspiegel.\ndes Polypen als Grund vermehrter Heiserkeit nach Gem\u00fcthsbewegungen wurden auch sp\u00e4ter nicht wahrgenommen.\nDritter Fall.\nDie folgende Krankengeschichte verdanke ich der G\u00fcte des Herrn Dr. Koller.\nS. F.. 11 Jahre alt, vonBaja geb\u00fcrtig, war als 1 j\u00e4hriges Kind an den Geschlechtstheilen mit einem angeblich rothen. papul\u00f6sen Exanthem behaftet, welches erst nach drei Monaten heilte. Im Alter von drei Jahren stellten sich Augenleiden ein, welche seit jener Zeit beinahe constant anhielten. Im Sommer 1858 soll sie durch einige Wochen an einer acuten, mit Fieber gepaarten Krankheit gelitten haben, w\u00e4hrend welcher der Nasenr\u00fccken einsank und Geschw\u00fcre am harten und weichen Gaumen entstanden. Im Herbst gesellte sich hochgradige Heiserkeit hinzu. Am 23. Nov. v. J. erschien sie zuerst im Kinder-spitale in Pest, und zwar wegen linksseitiger Dacryo-cijstitis. und wurde seither ambulatorisch behandelt.\nAm 14. Januar 1859 ins Spital aufgenommen, bot sie folgendes Krankheitsbild : schwache Constitution, cacliektisches Aussehen, rechtseitige Schwerh\u00f6rigkeit, eingesunkener Nasenr\u00fccken und Nasenwurzel. Zwischen der linken untern Palpebra und der Nase eine erbsengrosse h\u00e4rtliche Geschwulst mit mehreren stecknadelkopfgrossen Oeffnungen, aus welchen d\u00fcnner, missf\u00e4rbiger Eiter hervor sickert. Ziemlich bedeutendes Entropium am linken untern Augenlid, woselbst auch die Cilien g\u00e4nzlich fehlen. In der Mitte des harten Gaumens zwei nebeneinander gelegene stecknadelkopfgrosse, eiternde Geschw\u00fcrstellen, in denen die eingef\u00fchrte Sonde beil\u00e4ufig 1 Zoll weit nach aufw\u00e4rts dringt und dabei das Gef\u00fchl einer rauhen Oberfl\u00e4che gew\u00e4hrt. Bedeutender Substanzverlust am weichen Gaumen, beinahe g\u00e4nzliche Verw\u00fcstung der Uvula mit narbiger Einziehung ringsum, die hintere Wand des Rachens gelblich \u2014 missfarbig, \u2014\u00fcbler Geruch. M\u00e4ssige Schwellung der seitlichen Hals- und Naekendriisen. Bedeutende Heiserkeit, ger\u00e4uschvolles Athmen.\nAm Tage vor ihrer Aufnahme in das Kinderspital (13. Januar hatte ich die Patientin laryngoskopisch untersucht und sofort Folgendes gefunden vgl. Eig. 18 a) : Der stark ger\u00f6thete Kehldeckel ist enorm fast bis zur Dicke eines Querfingers) angeschwollen und zeigt rcehter-seits ein tief auf seine hintere Fl\u00e4che herabreichendes breites Geschw\u00fcr mit dicker, schmutzig gelblicher Eiterauflagerung. Der Eingang in den Larynx ist so verengt, dass nur ein kleiner Theil der etwas angesehwol-lenen Stimmb\u00e4nder sichtbar ist. und der Luftstrom mit h\u00f6rbarem liei-","page":564},{"file":"p0565.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\n565\nbungsger\u00e4usch aus- und eingeht. Am 20. Januar, nachdem mittlerweile die Schmierkur eingeleitet worden war, untersuchte ich die Patientin im Kinderspitale zum zweiten Male, und fand, dass nicht nur das rechterseits vorhandene Geschw\u00fcr betr\u00e4chtlich in die Tiefe gefressen hatte, w\u00e4hrend die Eiterauflagerungen zackig zerkl\u00fcftet er-\nschienen, sondern dass sich auch linkerseits ein zwar kleineres, aber tiefes Ulcus gebildet hatte, so dass der noch immer dick angeschwollene Kehldeckel eine h\u00f6chst eigent\u00fcmliche dreilappige Form zeigte (vgl. Fig. IS/f. Viel eitriger Schleim, der namentlich unter dem linksseitigen Ulcus, zwischen dem Kehldeckel und dem Lig. aryepiglotticum sinislmm hervorzuquellen schien, hinderte zuweilen die Respiration und veranlasste bedeutende Hustenanf\u00e4lle. Der Eingang in den Larynx ist noch immer durch die Schwellung der Theile beengt, obschon in Folge der betr\u00e4chtlichen Einziehung des rechtsseitigen Geschw\u00fcres ein gr\u00f6sserer Theil des geschwellten wahren und falschen Stimmbandes dieser Seite zu \u00fcbersehen ist.\nDie Schmierkur wurde fortgesetzt, und um die Erfolge derselben rein beobachten zu k\u00f6nnen, die locale Aetzung der Ulc\u00e9ra des Kehldeckels, welche ich unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels mit Sicherheit auszuf\u00fchren im Stande gewesen w\u00e4re, unterlassen.\nAls ich Patientin am 29. Januar wieder untersuchte, war die Infiltration und Schwellung des Kehldeckels merklich zur\u00fcckgegangen, der zerkl\u00fcftete Grund der Ulc\u00e9ra hatte sich bis auf etwas d\u00fcnnen eitrigen Schleim vollst\u00e4ndig gereinigt und zeigte eine normale r\u00f6thliche Schleimhautfarbe, die durch die beiden Ulc\u00e9ra gesetzten Substanzverluste sind jedoch sehr merklich, und der Kehldeckel hat noch immer seine dreilappige Form. Der mittlere dreieckige Lappen springt mit seinem jetzt scharfen Rande nach hinten und unten besonders vor.\nAuf dem noch immer angeschwollenen rechten falschen Stimmbande bemerkte ich zwei mehrere Linien lange eckige, gelbgef\u00e4rbte Plaques. Der Husten ist geringer, doch besteht die Heiserkeit unver\u00e4ndert fort.\nSp\u00e4ter hatte sicli in Folge der Fortschritte des Ulcerationsprocesses im Larynx, verbunden mit starker Schwellung der Stimmb\u00e4nder. die Nothwendigkeit der Laryngotomie eingestellt, welche mein geehrter","page":565},{"file":"p0566.txt","language":"de","ocr_de":"566\nDer Kehlkopfspiegel.\nCollege Herr Prof. v. Balassa am 25. Februar 1. J. mit gutem Erfolge ausf\u00fchrte.\nIch benutzte nat\u00fcrlich sofort die Gelegenheit, die laryngoskopische Untersuchungsmethode durch die gefensterte Athnrangscan\u00fcle neuerdings zu erproben. Die Ausbeute an Beobachtungen war, im Einklang mit den gehegten Erwartungen, in diesem Falle reicher als in dem ersten. da es sich hier nur um eine Stenosis und nicht tun eine v\u00f6llige Verschliessnng des Larynx handelte.\nAn sonnigen Tagen benutzte ich zur Untersuchung directes Sonnenlicht , welches ich mit einem kleinen Augenspiegel auf dem in die gefensterte Canttle eingebrachten ovalen st\u00e4hlernen Kehlkopfspiegelchen concentrirte. Da die zur Befestigung der Haltb\u00e4nder dienende, etwas geneigt stehende Scheibe der Canttle einen stumpfen Winkel mit den einfallenden Strahlen bildet, und die Innenfl\u00e4che der Canttle meist mit einer d\u00fcnnen Schichte vertrockneten Schleims belegt ist. so fand kein st\u00f6render, das Auge blendender Nebenreflex statt. Die Beleuchtung der Kehlkopftlieile ist unter diesen Umst\u00e4nden trotz der Kleinheit des Spiegelchens wahrhaft brillant zu nennen und k\u00f6nnen die kleinsten Einzelnheiten der Schleimhautauskleidung des Kehlkopfes bei der N\u00e4he der Theile mit \u00fcberraschender Deutlichkeit unterschieden werden.\nEs gen\u00fcgt zu dieser Untersuchung auch gew\u00f6hnliches Lampenlicht .\nIn der beigedruckten Fig. 19, 1 gebe ich eine Skizze des auf diesem Wege einige Zeit nach der Laryngotomie erhaltenen Bildes des\nKehlkopfinnern. Man sieht durch die offene ^\u25a0v Stimmritze von unten in den Larynx hinein. \u201d\t: | \u25a0 Vergegenw\u00e4rtigt man sich die Lage des Kelil-\n| kopfspiegelchens, wie sie durch das Dia--a\tgramm (s. oben Fig. 10, S- 5111 anschaulich\ngemacht wurde, so versteht es sich von selbst, Flg'1!j-\tdass Alles, was in der Zeichnung oben er-\nscheint, in Wirklichkeit hinten liegt, was unten \u2014 vorn : w\u00e4hrend die Seitentheile des Bildes den entgegengesetzten des wirklichen Kehlkopfes entsprechen.\nau sind die vorspringenden R\u00e4nder der wahren Stimmb\u00e4nder, welche vom innern Winkel des Schildknorpels entspringen und die Glottis begrenzen : nach oben (hinten) verlieren sie sich in den Schleimhaut\u00fcberzug der Arytaenoidknorpel und des Ringknorpels.\nbb ist eine Stelle unterhalb der Processus vocales, wo sich der Conus elasticus pl\u00f6tzlich verengt.\nc entspricht dem obern Theile der hinteren Larynxwand. und d der Spitze des Arytaenoidknorpels der rechten Seite. Auf der Fl\u00e4che c","page":566},{"file":"p0567.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\t567\nbefinden sieh seit der Operation von selbst im Schmelzen begriffene eiterige Ablagerungen.\n/'ist ein stark vorspringender pathologischer Wulst, wslcher etwa in der H\u00f6he des hinteren Theiles des linken Taschenbandes liegt, und sieh nach aussen und vorn verliert ; bei der Untersuchung durch den Pharynx wegen der Stellung des angeschwollenen Kehldeckels nicht deutlich als solcher wahrnehmbar.\ne list die untere Fl\u00e4che der nach hinten und oben aufsteigenden Epiglottis. Oie Venir. Morgagni sind bei dieser Anordnung der Theile nicht sichtbar. Zwischen den freien B\u00e4ndern der Epiglottis und des rechten Arytaenoidknorpels bleibt eine Oeffnung, bei der Projection der Theile von dem pathologischen Wulst und dem rechten Stimmbande seitlich begrenzt, durch welche man hoch bis in den Pharynx hinauf sehen kann.\nW\u00e4hrend ich durch diese Oeffnung in den Pharynx hineinblickte, Hess ich die Patientin den Mund \u00f6ffnen, und Herr Or. B\u00f6kai, Director des hiesigen Pester. Kinderspital es. welcher \u00f6fter anwesend war, wenn ich untersuchte, \u00fcberzeugte sich, dass die Pharynxwand durch die von unten eingedrungenen Lichtstrahlen in der That beleuchtet wurde.\nBei dieser Gelegenheit will ich erw\u00e4hnen, dass mir Herr Dr. Se-.ueledek in einem Schreiben vom 17. M\u00e4rz (1859) mittheilte : \u00bbdass er j\u00fcngst bei Versuchen am Cadaver, wo die Laryngotomie im Lig. crico-thyr. med. gemacht war, bei starkem R\u00fcckw\u00e4rtsbeugen des Kopfes der Leiche das Bild der Wunde im Kehlkopfspiegel gesehen und einen Lichtkegel durch die Wunde am Halse herausgeleitet habe. \u00bbInteressant war es mir, die zum T\u00f6nen verengte Glottis von unten her zu beobachten. Fig. 19. 2 gibt ein Bild derselben. Forderte ich n\u00e4mlich die Patientin auf, den freilich erfolglosen Versuch zu machen, die Stimme anlauten zu lassen, so schlugen die R\u00e4nder der Stimmb\u00e4nder sofort gegeneinander und begrenzten eine sehr enge l\u00e4ngliche Spalte oder eigentlich Furche, welche wegen der noch vorhandenen, wiewohl schon massigen Schwellung und Wulstung der Stimmb\u00e4nder keineswegs vollkommen geradlinig und gleichm\u00e4ssig schmal erschien. Dem entsprechend war aber auch die beim Zuhalten der Athmungscan\u00fcle erzeugte Stimme sehr heiser und schwach.\nEinige Wochen sp\u00e4ter jedoch, nachdem die Schwellung der Schleimhaut im Larynx betr\u00e4chtlich abgenommen und die Stimme sich fast bis zur Norm gebessert hatte, zeigte auch die zum T\u00f6nen verengte Glottis reine, geradlinige Umrisse, und es traten jene Knickungen der Stimmb\u00e4nder deutlich auf, welche durch die Bewegungen der Proc.","page":567},{"file":"p0568.txt","language":"de","ocr_de":"565\nDer Kehlkopfspiegel-\nvocales bedingt sind ,s. oben VIII, Abtli. physiolog. Beobachtungen . w\u00e4hrend des geschwollenen Zustandes der Stimmb\u00e4nder aber nicht bemerkt worden waren.\nDie Bedeutung der liier zum zweiten Male erprobten Neud\u00f6reer-schen Untersuchungsmethode durch die gefensterte Athmungscan\u00fcle hindurch liegt auf der Hand, denn einmal erlaubt sie uns die Kehlkopf-tlieile von einer neuen Seite ausserordentlich bequem und scharf zu beobachten, und bringt uns auch solche Theile zu Gesicht, welche bei der Untersuchung von oben her schwer zug\u00e4nglich sind oder f\u00fcr immer ganz entzogen bleiben : und dann ist es auf diesem Wege, wie schon Dr. Neud\u00f6rfer hervorgehoben hat, m\u00f6glich, einen Einblick in die tiefsten Kegionen der Trachea zu gewinnen. welche von oben bisher nur unter besonders g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden gesehen werden k\u00f6nnen.\nWichtiger als dieser letztere Vortheil erscheint mir jedoch die M\u00f6glichkeit, unter Beihilfe dieser Untersuchungsmethode an den Kehlkopf-tlieilen Sondirungen. Aetzungen und andere operative Eingriffe, bei welchen man genau sehen muss, was man thut, zu bewerkstelligen, denn durch die gefensterte Caniile hindurch. wo man den Theilen so nahe ist und durch die Verschiebbarkeit der Umgebung wenig oder gar nicht gest\u00f6rt wird. kann man nach meinen bisherigen Erfahrungen bei einiger Uebung verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig leicht und sicher manipuliren : ja ich muss es trotz der Empfindlichkeit der Stimmritze f\u00fcr m\u00f6glich halten, auf diesem Wege z. B. Neubildungen aus dem Larynx und der Trachea zu entfernen. Abscesse zu \u00f6ffnen u. dgl.\nIch erlaube mir hierbei besonders auf die Anwendbarkeit der galvanokaustischen Methode aufmerksam zu machen, welche sich zu diesen Zwecken. abgesehen von sonstigen Vortheilen. vorz\u00fcglich durch das Ausbleiben von Blutungen empfehlen d\u00fcrfte,\nVierter Fall.\nDie Mutter der eben besprochenen Patientin, E. F., 68 Jahre alt. von Baja geb\u00fcrtig, ist seit 6 Jahren stimmlos. Sie leitet diesen Zustand von einer Erk\u00e4ltung ab. die sie sich durch einen kalten Trunk zugezogen haben will. Die Heiserkeit soll pl\u00f6tzlich eingetreten sein. Patientin l\u00e4ugnet jemals an Syphilis gelitten zu haben. Bei der Untersuchung am 13. Januar 1859 fand ich jedoch eine eiternde Perforation an der Grenze des harten und weichen Gaumens, grosse Substanzverluste am Velum, insbesondere recliterseits, und dann im Schlunde zahlreiche Narben offenbar syphilitischen Ursprungs.\nDer Kehlkopf, welcher mit dem Laryngoskop wegen der Unempfindlichkeit der Kachenschleimhaut und der grossen Substanzverluste","page":568},{"file":"p0569.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n569\nim Velum sehr leicht und bequem betrachtet werden konnte. bot ein merkw\u00fcrdiges Bild der Verw\u00fcstung. welche die einstigen. jetzt vernarbten Larynxgeschw\u00fcre angerichtet hatten, (vgl. Fig. 201. Der Kehldeckel ist bis auf einen kurzen, unregelm\u00e4ssig ausgekerbten (bes. rechts : Stumpf verloren gegangen. Beim Schlingen ger\u00e4th der Patientin leicht Etwas \u00bbin die Unrechte Kehle\u00ab.\nDas rechte falsche Stimmband ist betr\u00e4chtlich verdickt und von sehr unregelm\u00e4ssiger, rundlichh\u00f6ckeriger Oberfl\u00e4che. Das linke falsche Stimmband hat ebenfalls eine narbige, h\u00f6ckerige Oberfl\u00e4che. und \u00fcberdies einen an seinem inneren Rande. so dass man einen grossen Theil des verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig normalen wahren Stimmbandes linkerseits \u00fcbersieht, w\u00e4hrend rechterseits das hinten tiefausgezackte wahre Stimmband fast ganz von dem falschen verdeckt wird. Die \u00fcbrigen Schleimhautparthien, namentlich das rechte Lig. ary-epigloUicum zeigen vielfache Substanzverluste und narbige Stellen. Dass bei einem solchen Zustand der Kehlkopftheile von der Bildung einer tonerzeugenden, regelm\u00e4ssigen Stimmritze keine Rede sein kann, versteht sich von selbst. Bei dem Versuche, einen Ton hervorzubringen, legen sich nicht nur die wahren. sondern auch die falschen Stimmb\u00e4nder aneinander. und die Luft str\u00f6mt zwischen denselben nur mit einem zischenden Reibungsger\u00e4usch hervor.\ntiefen Substanzverlust\nF\u00fcnfter Fall.\nF. M.. 41 Jahre alt. Polizeidiener, aus Krumau in B\u00f6hmen geb\u00fcrtig. leidet seit mehr als 10 Jahren an verschiedenen secund\u00e4ren Formen der Syphilis. Schon im J. 1843 verlor Patient unter Schmerzen im Kehlkopf seine Stimme. Die am 22. Januar 1859 auf Veranlassung des Herrn Rrof. v. Balassa von mir vorgenommene laryngoskopische Untersuchung ergab, dass der. vordere membran\u00f6se Theil des rechten wahren Stimmbandes sichelf\u00f6rmig retrahirt erscheint, wenn der Proc. vocal is nach einw\u00e4rts gestellt ist. w\u00e4hrend das falsche Stimmband dieser Stelle betr\u00e4chtlich angeschwollen ist, gegen das Lumen des Larynx vorspringt und ersteres fast ganz deckt. Linkerseits sind die Stimmb\u00e4nder hinsichtlich ihrer Beschaffenheit und Lagerung wesentlich normal. Der durch seinen Schleimhaut\u00fcberzug gelblich hindurchschimmernde Knorpel des Kehldeckels zeigt rechterseits eine Auskerbung, welche ich jedoch nicht f\u00fcr pathologisch halten kann, da Aehnliches unter v\u00f6llig normalen Verh\u00e4ltnissen beobachtet wird.","page":569},{"file":"p0570.txt","language":"de","ocr_de":"570\nDor Kehlkopfspiegel.\nFig. 21 gibt eine Skizze der Tlieile bei halb ge\u00f6ffneter Glottis. Die Heiserkeit in diesem Falle erkl\u00e4rt sieh zun\u00e4chst daraus, dass sicli das geschwollene rechte falsche Stimmband auf den vordem Theil der wegen des sichelf\u00f6rmigen Ausschnittes des rechten wahren Stimmbandes daselbst klaffenden Glottis hinauflegt und, indem es an der Bildung derselben wesentlich Antheil nimmt, die Regelm\u00e4ssigkeit der schon des Klaffens der Glottis wegen nicht geh\u00f6rigen Schwingungen noch mehr beeintr\u00e4chtigt.\nSechster Fall.\nP. P., Gesch\u00e4ftsdiener, hatte im Juni 1S47 einen Chanker und wurde im November desselben Jahres heiser, sp\u00e4terhin ganz stimmlos. Im hohen trocknen Sommer kann er am vernehmlichsten sprechen. Als ich den Patienten am 25. Januar 1S59 untersuchte, war seine Sprache ein v\u00f6llig klangloses Lispeln.\nDie Application des Kehlkopfspiegels konnte in diesem Falle ungew\u00f6hnlich leicht und bequem bewerkstelligt werden, da der Patient in Folge eines Bildungsfehlers einen vollst\u00e4ndig gespaltenen weichen Gaumen hat.\nFig. 22 gibt eine nach dem laryngoskopischen Bilde entworfene Skizze der Tlieile bei halb ge\u00f6ffneter Glottis.\nDer Kehldeckel ist rechterseits stark verdickt, in der Mitte tief ausgeschnitten, linkerseits tr\u00e4gt er sowohl am Bande als an seiner hintern Fl\u00e4che deutliche Spuren von Substanzverlusten.\nDie falschen Stimmb\u00e4nder sind sehr relaxirt und vergr\u00f6ssert. so dass sie sich mit ihren vorderen Theilen noch bei halb ge\u00f6ffneter Glottis in der Medianlinie ber\u00fchren und die wahren Stimmb\u00e4nder fast ganz bedecken. In der abgebildeten Stellung der Tlieile sieht man nur ein schmales St\u00fcck des hintern Theiles des Bandes der wahren Stimmb\u00e4nder unter denselben hervorragen.\nBei dem Bestreben einen Ton hervorzubringen, legen sich auch die falschen Stimmb\u00e4nder in der Medianlinie ganz aneinander w\u00e4hrend sie unter normalen Verh\u00e4ltnissen der Stimmbildung stets mehrere Millimeter auseinander stehen , und verhindern auf diese Art das Zustandekommen etwaiger sonorer regelm\u00e4ssiger Schwingungen. Die Luft dr\u00e4ngt sich nur mit einem zischenden Reibungsger\u00e4usch zwischen den B\u00e4ndern der schlaffen falschen Stimmb\u00e4nder hindurch. Dieses","page":570},{"file":"p0571.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\t57 1\nabnorme Vcrh\u00e4ltniss ist in diesem Falle offenbar der n\u00e4chste Grund der Aphonie.\nBei tiefer Inspiration \u00f6ffnet sich die Stimmritze auf normale Weise und in normaler Weite, und es gelang mir unter den g\u00fcnstigen Bedingungen dieses Falles'gespaltenerGaumen, Unempfindlichkeit; durch die ganze Trachea bis an das Ende (Bifurcation derselben hinabzublicken. (Ueber die topische Behandlung des Pat. s. unten S. 572).\nSiebenter Fall.\nAm 26. Januar 1S59 untersuchte ich auf Veranlassung des Herrn Prof. v. Balassa den Kaufmann Herrn I. R., 32 Jahre alt, welcher vor IS Monaten an einem heissen Sommertage, angeblich nach einer heftigen Gem\u00fcthsaufregung und reichlichem Genuss von kaltem Wasser pl\u00f6tzlich von einem heftigen Bluthusten befallen worden war. in Folge dessen sich Heiserkeit und Husten ohne Blutauswurf einstellten. Seit S Monaten ist der Kranke aphonisch und athmet mit vernehmlichem Reibungsger\u00e4usch im Kehlkopf. Hie Inspiration ist mehr oder weniger erschwert.\nDie laryngoskopische Untersuchung ergab Stenosis und Insuffi-eienz der Glottis ; erstere bedingt durch eine h\u00f6chst betr\u00e4chtliche Infiltration und Anschwellung der die Arytaenoid-Knorpel umh\u00fcllenden Schleimhaut, in Folge deren die Beweglichkeit und namentlich das Auseinanderweichen der Arytaenoid-Knorpel und der Proc, vocales bedeutend beschr\u00e4nkt wird; letztere theils durch die mechanisch beschr\u00e4nkte Beweglichkeit der Th eile, theils durch unregelm\u00e4ssige Auskerbungen an den R\u00e4ndern der weisslickgrau gef\u00e4rbten wahren \u2022Stimmb\u00e4nder bes. reckterseits).\nDie Glottis kann nur auf wenige Millimeter im queren Durchmesser erweitert werden (Stenosis), w\u00e4hrend der Verschluss derselben ohne besondern Kraftaufwand kein vollkommen luftdichter ist Insuffi-cientia . Patient kann aus letzterem Grunde nur mit grosser Anstrengung und auf sehr kurze Zeit die Luft im Thorax comprimiren, da dieselbe durch die Glottis entweicht.\nIn Fig. 23 habe ich das laryngoskopische Bild skizzirt, welches den Theilen entspricht, wenn die Glottis etwas \u00fcber die H\u00e4lfte ihres m\u00f6glichen Querdurchmessers erweitert ist. Die prall angeschwollene Schleimhautfalte, welche die Arytaenoid-Knorpel einschliesst, ist stark ger\u00f6thet, desgleichen die ebenfalls angeschwol-","page":571},{"file":"p0572.txt","language":"de","ocr_de":"572\nDer Kehlkopfspiegel,\nlenen, aber schlaffen falschen Stimmb\u00e4nder. Die Vent. Morgagni sind verstrichen, oder eigentlich so zu sagen hervorgewulstet.\nDer Kranke wurde von Prot. v. Balassa mit Antimonialien und sp\u00e4ter, da sich fieberhafte Erscheinungen und ersch\u00f6pfende n\u00e4chtliche Schweisse hinzugesellten, mit Chinin behandelt.\nAls ich den Patienten am 10. Februar wieder untersuchte, war der Zustand seines Kehlkopfes fast unver\u00e4ndert : nur war die entz\u00fcndliche li\u00f6the der die Arytaenoid-Knorpel einschliessenden Schleimhautfalte ganz gewichen und hatte einer blassen F\u00e4rbung Platz gemacht, zugleich war die pralle Spannung verschwunden und es hatte das Ansehen, als ob dieselbe \u00f6demat\u00f6s infiltrirt w\u00e4re. Die falschen Stimmb\u00e4nder erschienen vergr\u00f6ssert und ber\u00fchrten sich mit ihren vorderen H\u00e4lften in der Medianlinie.\nBei so bewandtcn Umst\u00e4nden war eine Aetzung der Tlieile mit Lapis infernal is indicirt, und ich f\u00fchrte dieselbe am folgenden Tage im Beisein des Herrn Prof. v. Balassa vermittelst eines langen, passend gebogenen Aetzmitteltr\u00e4gers und unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels aus. Bei der ruhigen geschickten Haltung des Patienten war cs mir m\u00f6glich, die Anschwellungen \u00fcber den Arvtaenoid-Knorpeln mit dem Aetzmittel genau zu treffen, indem ich zuerst den Kehlkopfspiegel mit der linken Hand eiuf\u00fchrte, und so iixirte, dass ich nicht nur die lvehl-kopftheile, sondern auch den mit der rechten Hand eingebrachten Aetz-mitteltr\u00e4ger sehen und auf die bezeiehueten Stellen leiten konnte.\nNachdem der Patient den verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig geringen Hustenanfall in Folge des Reizes \u00fcberwunden hatte, \u00fcberzeugte ich mich durch abermalige Inspection mit dem Kehlkopfspiegel. dass sich auf den bezeichnten Stellen zwei ausgiebige, scharf umschriebene. kreide-weisse Schorfe gebildet hatten.\nDie beabsichtigte Aetzung war somit als vollkommen gelungen zu betrachten. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass die Sicherheit, mit welcher dieselbe ausgef\u00fchrt werden konnte, nur der Anwendung des Kehlkopfspiegels zu verdanken ist, indem nur durch diesen bei derartigen operativen Eingriffen jene Sicherheit im Operiren erm\u00f6glicht wird, welche bisher nur einem gl\u00fccklichen Zufall anheimgestellt blieb.\nAuch den Patienten, dessen Kehlkopf ich in Fig. 22 ffi. Fall abgebildet habe, dessen jahrelange Aphonie wesentlich auf einer chronischen Schwellung der Taschenb\u00e4nder beruht, habe ich theils mit einem in Lapissolution getauchten Schw\u00e4mmchen, theils mit Lapis in Substanz wiederholt und. meist in Gegenwart eines oder des andern Collegen unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels namentlich an den","page":572},{"file":"p0573.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n573\nTaschenb\u00e4ndern selbst touchirt, so dass \u00fcber die Ausf\u00fchrbarkeit dieser Manipulation nicht nur kein Zweifel mehr obwalten kann, sondern dass man in Zukunft die Aetzung u. dgl. des Kehlkopfes nicht mehr ohne den Spiegel wird ausf\u00fchren d\u00fcrfen, da man nur auf diese Weise der Hand immer wenigstens die passende Richtung geben und meist ganz sicher sein kann, in den Kehlkopf und zu bestimmten Punkten desselben zu gelangen und nicht wie dies bisher in so vielen F\u00e4llen ohne Wissen geschehen ist, den Kehldeckel niederzudr\u00fccken und bloss dessen vordere Fl\u00e4che und den Schlund zu \u00e4tzen, es dem g\u00fcnstigen Zufall \u00fcberlassend, ob etwas in den Larynx hineinkommt oder nicht.\nBeil\u00e4ufig muss ich erw\u00e4hnen, dass die Aphonie dieses Patienten dessen falsche Stimmb\u00e4nder ich auf diese Weise behandelte, sich, freilich nur vor\u00fcbergehend, gebessert hat, so dass er bei einiger Anstrengung nach jahrelanger Stimmlosigkeit ganz laute T\u00f6ne hervor-stossen konnte. Auffallend ist, dass bei diesem und anderen Patienten das Touchiren sonst so empfindlicher Theile einen so geringen Hustenreiz hervorruft, dass man glauben k\u00f6nnte, sein Ziel verfehlt zu haben, wenn man den Aetzmitteltr\u00e4ger nicht in den Kehlkopf ein-dringen und hernach die weissen Schorfe auf den Taschenb\u00e4ndern u, s. w. sitzen s\u00e4he.\nVon den sehr zahlreichen pathologischen, laryngoskopischen Befunden, welche ich durch die Freundlichkeit meiner geehrten Collegen namentlich in Pest 1859: zu beobachten Gelegenheit hatte, hatte ich f\u00fcr die erste Auflage dieser Schrift noch die folgenden dreizehn ausgew\u00e4hlt.\nAchter Fall.\nAm 5. Februar JS59 untersuchte ich ein junges Frauenzimmer, welches sich I\u20142 Tage vorher in Folge einer heftigen Erk\u00e4ltung eine an Aphonie grenzende Heiserkeit verbunden mit heftigem Schmerz im Halse, zugezogen hatte.\nTrotz der grossen Fnruhe und Ungeschicklichkeit der Person gelang es mir unter Anwendung einer Zungenspatel, mit welcher ich die Zunge nicht nur niederdr\u00fcckte, sondern auch von hinten nach vorn zu schieben suchte, einen vollst\u00e4ndigen Einblick in den Kehlkopf und den Anfang der Trachea zu gewinnen. Der ganze Schleimhaut\u00fcberzug des Kehlkopfes bot einen in seiner Art pr\u00e4chtigen Anblick dar, indem die oberfl\u00e4chlichen Gef\u00fcssramifieationen \u00fcberall stark mit Blut injicirt waren und von dem gelblichen Grunde aufs zierlichste abstachen. Auf Anrathen eines anwesenden Collegen touchirte ich den Kehlkopf mit einem in Glycerin getauchten Schw\u00e4mmchen.","page":573},{"file":"p0574.txt","language":"de","ocr_de":"574\nDer Kehlkopfspiegel.\nNeunter Fall.\nE. S., ein junger Kaufmann, hatte sich angeblich esc oseulo ein syphilitisches Ulcus an der Unterlippe zugezogen. Einige Zeit darauf sp\u00fcrte er Schmerz auf der linken Seite im Kehlkopf. Am 7. Juni 1859 untersuchte ich ihn laryngoskopisch. Es fand sich eine starke K\u00f6thnng der Schleimhaut und linkerseits am Ursprung des Taschenbandes vom Arytaenoidknorpel ein etwa hanfkorngrosses mit speckigem Eiter belegtes Ulcus. Dasselbe wurde mit Lapis zu touchiren versucht \u2014 doch nur unvollst\u00e4ndig getroffen. Bei geeigneter allgemeiner Behandlung bewerte sich dasselbe zwar sichtlich, aber um den 20. Juni bekam der Patient pl\u00f6tzlich einen Anfall von Haemopto\u00eb. Als ich ihn wenige Stunden nach diesem Anfalle untersuchte, war die vordere Tracheal-wand bis zur Cartilage> ericoidea herauf noch mit einer d\u00fcnnen Schichte geronnenen Blutes \u00fcberzogen.\nZehnter Fall.\nM. E., ein Knabe von 14 Jahren, welcher seit langer Zeit eine stets leicht umflorte Stimme hat, oft unangenehme Empfindungen im Larynx versp\u00fcrt, und h\u00e4ufigen Erk\u00e4ltungen unterworfen, sonst aber gesund ist, wurde von mir am 4. Mai 1859 laryngoskopisch untersucht. M enu ich den Befund hier mittheile, so geschieht es nur, Avcil bei diesem Knaben ungew\u00f6hnlich leicht eine \u00fcberaus vollst\u00e4ndige Ansicht der ganzen hinteren Fl\u00e4che der Epiglottis und des Insertionspunktes der 4 Stimmb\u00e4nder erzielt wurde (vgl. Fig. 24 . Uebri-gens ergab die Untersuchung eine K\u00f6thung und Schwellung der Taschenb\u00e4nder (oberen Stimmb\u00e4nder g so dass diese, abnormer Weise, beim T\u00f6nen der Stimme sich fast ber\u00fchren. Daher stammt auch die Umflorung der Stimme und bei der leichtesten katarrhalischen Affection der Verlust der Stimme. Gerade am Insertionspunkte der 4 Stimmb\u00e4nder und der Epiglottis fand sich eine kleine stark injicirte gelbliche Stelle in der Schleimhaut.\nOefteres Touchiren der gewulsteten Taschenb\u00e4nder mit Lapis in Solution und Substanz ergab keine wesentliche Besserung des Zustandes.\nElfter Fall.\nA.K.. eine seit zwei Jahren stimmlose Frau, welche fr\u00fcher mit syphilitischen Ulc\u00e9ra am weichen Gaumen behaftet war. wurde von mir am 2(i. April 1859 untersucht. Die beistehende Skizze Fig. 25 zeigt den Sitz eitergelber Knoten in der ger\u00f6theten Schleimhaut des","page":574},{"file":"p0575.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\na/\u00ab)\nrechten wahren Stimmbandeg und in der zwischen den Arytaenoid-knorpeln ausgespannten Falte, Behandlung mit Iodpr\u00e4paraten brachte fr\u00fcher immer Erleichterung..\nZw\u00f6lfter F all.\nB. S., eine etwa 4() Jahre alte Frau, litt seit l\u00e4ngerer Zeit an immer zunehmenden Athembeschwerden und suchte endlich bei Prof, v. Balassa Hilfe, der mir dieselbe am 30. Juni JS59 zur laryngosko-pischen Inspection zuschickte, da das pfeifende Athmen auf ein Hinderniss im Kehlkopf, wohin auch die Kranke dem Gef\u00fchle nach den Sitz ihres Leidens verlegte, schliessen liess. Ich war nun nicht wenig erstaunt, als ich einen vollkommen normalen Kehlkopf mit weitge\u00f6fif-neter Glottis und eine ganz wegsame Trachea vorfand ! Leider konnte ich die M\u00fcndung der Bronchien in diesem Falle nicht zu sehen bekommen. obschon ich ganz nahe von der Bifurcation der Trachea war. Das Hinderniss in den Luftwegen musste. da es weder im Kehlkopf, noch in der \u00fcbrigen Trachea zu sehen war. entweder au der Bifurcation oder in den Bronchien selbst sitzen.\nDieser Fall ist trotz seines negativen Endergebnisses desshalb von grossem Interesse. weil er zeigt, dass die laryngoskopisehe Untersuchung im Stande ist. sehr pr\u00e4cise Contraindicationen gegen Tracheotomie zu stellen, zu welcher man sich hier wie in andern F\u00e4llen durch die Symptome leicht h\u00e4tte bestimmen lassen k\u00f6nnen.\nDreizehnter Fall.\nAm 7. Mai 1S59 wurde mir von Prof. v. Balassa ein \u00e4ltlicher Mann. J. W.. von kleiner, untersetzter Statur, zur laryngoskopischeu Inspection zugeschickt, welcher seit l\u00e4ngerer Zeit an Behinderung des Ath-mens litt und eine eigenth\u00fcmlieh gequetschte, heisere Stimme hatte.\nNach der vorl\u00e4ufigen Aussage des Patienten sollte ein sonderbares Gew\u00e4chs, welches er selbst bei weitge\u00f6ffnetem Munde und vorgestreek-ter Zunge sehen k\u00f6nne, an seinem Leiden Schuld tragen.\nAls ich hierauf den Patienten untersuchte, zeigte sich in der That ein hinter dem Zungengrunde im Schlunde emporsteigender r\u00f6thlieh-weisser etwa V2 Zoll langer und breiter K\u00f6rper, welcher jedoch nichts anderes war. als die Epiglottis selbst. Dass bei solcher Lagerung der Theile die laryngoskopisehe Untersuchung sehr leicht war, versteht sich von selbst.\nDieselbe ergab, dass die rechte Kehlkopfh\u00e4lfte normal war. w\u00e4hrend auf der linken Seite das Taschenband zu einer wulstigen mit rundlichen Erhabenheiten besetzten Masse entartet war. welche nicht","page":575},{"file":"p0576.txt","language":"de","ocr_de":"576\nUer Kehlkopfspiegel.\nnur das untere Stimmband v\u00f6llig verdeckte. sondern die Athmnngs-spalte betr\u00e4chtlich verengte und \u00fcber das begrenzende Lkj. ury-epi-\n(jlottkum so zu sagen hervorquoll Fig. 26 . Diese unf\u00f6rmliche Masse war dunkel gef\u00e4rbt. an ihrem hinteren inneren Ende an einer linsengrossen Stelle in misstar-bige Jauche zerdiessend, im \u00fcbrigen \u2014 wie ich mich durch eine sorgf\u00e4ltige unter Beihilfe des Kehlkopfspiegels unternommene Bif\u00fchlung mit einer langen, passend gekr\u00fcmmten Sonde \u00fcberzeugte hart.\nEs w\u00e4re in diesem Falle leicht m\u00f6glich gewesen. zur genaueren pathologisch - anatomischen Beurtheilung nach Middeldorff\u2019s akido-peirastischer Methode Partikelchen derselben zu entfernen und. wenn rathsam, die ganze Masse galvanokaustisch anzugreifen und zu zerst\u00f6ren.\nV ierzelinter F all.\nB. F., l-lj\u00e4hr. M\u00e4dchen 26. Juni ISS9) ist mit einem erbsengrossen. blumenkohlartigen Gew\u00e4chs behaftet, welches mit seinem Stiele so an der hinteren Rachenwand aufsitzt, dass der Eingang in den Larynx verdeckt und fast ausgef\u00fcllt wird. Ferner ist der Zungengrund und der Raum zwischen diesem und der Epiglottis \u00fcber und \u00fcber mit solchen Excrescenzen bedeckt. Am 5. Juli entfernte Prof. v. Balassa die gestielte und einen Tlieil der \u00fcbrigen Excrescenzen auf galvanokaustischem Wege, wodurch die Epiglottis und der Larynx frei und sichtbar wurden. Der Epiglottisrand ist unbeweglich quer \u00fcber den Larynx gespannt und tr\u00e4gt einige kleine Wucherungen, w\u00e4hrend das Kehlkopfinnere noch normal ist.\nF\u00fcnfzehnter Fall.\nJ. B.. ein junger Communalbeamter. hatte 1355 einen Chanker, im October 1S5S stellte sich allm\u00e4hlich Heiserkeit ein. Im April 1. J. war in Folge einer bei einem Brande gehabten \u00fcberm\u00e4ssigen Anstrengung und erlittenen Erk\u00e4ltung rasch Aphonie eingetreten.\nAm 21. Mai 135h ergab die Untersuchung : R\u00fcthung der Schleimhaut. Verdickung der Stimmb\u00e4nder, die Glottisr\u00e4nder mit kleinen, spitzigen condylomartigen Excrescenzen besetzt, am vordem Insertionswinkel der Stimmb\u00e4nder weisslicher. d\u00fcnnfl\u00fcssiger Schleim.","page":576},{"file":"p0577.txt","language":"de","ocr_de":"Dit Kehlkopfspiegel.\t577\nSech zehnter F all.\nAm 20. Juni 1S59 untersuchte ich einen \u00e4ltlichen Rabbiner, der wegen grosser Heiserkeit vom Lande nach Pest gekommen war, um \u00e4rztlichen Hath zu holen. Es fand sich das rechte wahre Stimmhand verdickt und in der Gegend des vorderen Endes des Processus vocalis mit einer coni-sclien etwa 11/2langen Excrescenz besetzt.\nAus der Anamnese will ich hervorheben, dass dieser Mann beschuldigt worden war, beim Beschneiden mehrere Kinder syphilitisch inficirt zu haben, ohne selbst jemals fr\u00fcher an Syphilis gelitten zu haben. Diesem laryngosko-pischen Befunde ganz analog ist der in Fig, 27 skizzirte, welcher am 10. Oct. 1859 bei einem 41j\u00e4hrigen der Syphilis verd\u00e4chtigen J\u00e4ger beobachtet wurde.\nSiebzehnter Fa 11.\nS. S., Bezirksrabbiner, ein noch junger, kr\u00e4ftiger Mann, litt wiederholt an Condylomen am Zungengrunde und im Schlunde : zum letzten Mal vor etwa 3 4 Jahren. Dabei stellte sich oft Heiserkeit und Husten ein.\nAm 14. Juli 1859 ergab die laryngosko-pische Untersuchung folgendes Bild Fig. 28\u2019;: links Alles normal, \u00fcber dem rechten Taschenbande eine flache, hervorragende Wulstung der Schleimhaut ; unmittelbar unter dem Insertionswinkel der wahren Stimmb\u00e4nder eine glatte kugelige Neubildung.\nAchtzehnter Fall.\nHerr B. W., ein kr\u00e4ftiger, sonst gesunder Mann im mittleren Lebensalter . hat eine etwas heisere Stimme, aus welcher man nicht entfernt auf die vorhandenen bedeutenden Ver\u00e4nderungen im Larynx schliessen w\u00fcrde.\nAm 8. Juni 1859 zeigte das Laryngoskop das beistehende Bild Fig. 29.\nAuf der vorderen H\u00e4lfte des linken wahren Stimmbandes sitzt in dem \u00fcbrigens normalen Kehlkopfe eine d\u00fcnngestielte rundliche glatte Neubildung von der Gr\u00f6sse einer kleinen Erbse.\nDieselbe ist beweglich und wird durch den Luftstrom theils in die Glottis eingeklemmt, theils wieder herausgeschnellt. Bei m\u00e4ssig ge\u00f6ffneter Glottis steht der Polyp so, dass er den Band des rechten wahren\n(.\u2019zermak, Schriften.\t37","page":577},{"file":"p0578.txt","language":"de","ocr_de":"57S\nDer Kehlkopfspiegel.\nStimmbandes ber\u00fchrt und in eine wulstige Vertiefung desselben hin\u2014 einpasst. Die am 9.. 22. Juni, am !.. 14. Juli, am 14. October wiederholte Untersuchung ergab keine wesentliche Aenderung des Befundes.\nNeunzehnter Fall.\nJ. C.. ein 25 j\u00e4hriger Schustergeselle, ist seit dem vorj\u00e4hrigen Fasching heiser, seit vier Monaten stimmlos, und f\u00fchlt im Kehlkopf ein Athmungshinderniss. Am G. October 1859 wurde derselbe laryngo-skopirt. Es zeigte sich (vgl. Fig. 30 ein kolossaler maulbeerf\u00fcrmiger\nPolyp, der von dem rechten untern Stimmhand entspringend, in und \u00fcber der Glottis schwebt. Das linke Stimmband ist normal. Dagegen wuchert eine \u00e4hnliche kleinere Neubildung von der hintern Innenwand der Kehlkopfsapertur in der Gegend des linken Arytae-noidkuorpels hervor, welche den Athmungsraum noch mehr beengt . Gelblicher Schleim \u00fcberzieht das h\u00f6ckerige ziemlich derbe Gewebe dieser Neubildungen. (Weitere Mittheilungen \u00fcber diesen Fall s. S. 554 Anm. .\nDie letzten 7\u20148 F\u00e4lle k\u00f6nnen nebst dem vom 2. Januar 1859 (2. Fall , als eine Bereicherung der von Middeldokpf in seiner Galvanokaustik (Breslau. J. Max. 1854 im XI. Cap. zusammengestellten Beispiele von \u00bbKehlkopfgeschw\u00fclsten\u00ab dienen, und in Verbindung mit den von Anderen a. a. 0. gesammelten laryngoskopisehen Beobachtungen beweisen, \u00bbdass solche pathologische Ver\u00e4nderungen viel h\u00e4ufiger verkommen', als man bisher geglaubt haben mag\u00ab.\nZwanzigster Fall.\nI. H., Pfeifenschneider. 29 Jahre alt. wurde vor 4 Wochen als Re-convalescent nach \u00fcberstandenem Typhus aus dem hiesigen St. Rochus-Spital entlass elf. Am 24. Oct. 1559 wurde mir derselbe von Professor v. Balassa wegen bedeutender Athemnoth zur Inspection zugeschickt. Inspiration pfeifend, ausserordentlich erschwert, Exspiration leichter: grosser Lufthunger, Unruhe. Die laryn-goskopische Untersuchung gelang trotzdem unter passender Anwendung der Zungenspatel vollkommen.\nFig. 31 zeigt den Zustand der Tlieile. Epi-Litj. ary-epirjlottica, Taschenb\u00e4nder und Stimmb\u00e4nder durch \u00f6dematiise Infiltration h\u00f6chst betr\u00e4chtlich angeschwollen. bis auf die","page":578},{"file":"p0579.txt","language":"de","ocr_de":"Dor Kehlkopfspiegel.\n579\nger\u00f6thete Epiglottis selbst, welche rechts eine mit w\u00e4sseriger Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte Blase tr\u00e4gt, Alles sehr blass. Die Glottis durch die Aneinanderlagerung der iufiltrirten, unbeweglichen Stimmb\u00e4nder bis auf einen ganz kleinen rundlich dreieckigen Raum zwischen den Process. vocales verengt: die oberen Stimmb\u00e4nder und die Lig.ary-ep\u00f9jlot-tica, obschon infiltrirt und geschwellt, tragen nichts zur Verengerung des Athmungsraumes bei. Es ist somit das Bild eines w a h r e n Glottis\u00f6dems !\nAm 29. Oct.. durch Balassa . Laryngotomie. Grosse Erleichterung, dauerndes. Wohlbefinden. Die Untersuchung am 23. Nov. zeigt die Epiglottis bedeutend abgeschwollen, das Oedem geringer, die Taschenb\u00e4nder beweglich. die Glottis zu einer l\u00e4nglich dreieckigen Spalte vergr\u00f6ssert.\nIch habe diesen Fall zur Mittheilung ausgew\u00e4hlt, weil er ein exquisites Beispiel einen wahren Glottis\u00f6dems ist. und weil er. worauf Herr Dr. Se.ueleder fl. c. Nr. 13 mit Recht Nachdruck legte. voider Operation laryngoskopisch untersucht wurde.\nAnhang :\nLeber Polypen und Epithelial Wucherungen im Larynx.\nNachdem ich im Januar 1859 die erste Diagnose eines Larynx-polypen vermittelst des Kehlkopfspiegels gemacht und ver\u00f6ffentlicht hatte 's. oben, Fall 2) waren mir s.o viele F\u00e4lle von wahren Neubildungen im Larynx zur Beobachtung gekommen, dass ich schon in der ersten Auflage (S. 97 den Satz aussprechen konnte \u00bbdass solche pathologische Ver\u00e4nderungen viel h\u00e4ufiger Vorkommen. als man bisher geglaubt haben mag\u00ab.\nMit der rasch wachsenden Verbreitung des Kehlkopfspiegels haben sich jedoch die F\u00e4lle von Neubildungen im Larynx in einer Weise vermehrt l), dass sich maassgebende Autorit\u00e4ten \u00bbder Besorgniss nicht ver-schliessen konnten, dass die Laryngoskopie gegenw\u00e4rtig die Frequenz der Neubildungen am Kehlkopf \u00fcbersch\u00e4tze und jede dort vorkommende Anschwellung als eine Neubildung anspreche\u00ab.\n\u00bbW\u00e4re die Zahl der Neubildungen im Larynx so erheblich, wie sie sich durch die Laryngoskopie herauszustellen scheine. so Hesse sich kein Grund absehn, warum fr\u00fcherin \u2014 da diese Neubildungen ja doch\n1 8. u. A. mehrere von mir im Fr\u00fchjahr uncl Herbst I860 in Paris beobachtete F\u00fclle von Larynxpolypen. Gazette des H\u00f4pitaux und lies. Lewix s Mittlieilungen in der Ailgem. med. Cent.-Zeit. v. 12. Octbr. und 4. Jan. 1SU2.","page":579},{"file":"p0580.txt","language":"de","ocr_de":"5S0\nDer Kehlkopfspiegel.\nau Volum zunehmen und Erstickungsgefahr herbeif\u00fchren, dieselben selbst auch iu ihren sp\u00e4teren Stadien sich der Beobachtung so vollst\u00e4ndig entzogen haben sollten \u00ab ').\nOhne f\u00fcr die Angaben anderer Beobachter, welche die von mir hervorgehobene Thatsaclie best\u00e4tigt haben, einstehen zu k\u00f6nnen, \u2014 ohne die M\u00f6glichkeit eines diagnostischen Irrthums bei fl\u00fcchtiger oder ungen\u00fcgender laryngoskopischer Untersuchung l\u00e4ugnen zu wollen \u2022 \u2014 und trotz des Widerspruchs, in dem sich mein oben citirter Satz mit den bisherigen Erfahrungen der Chirurgen und pathologischen Anatomen befindet, muss ich denn doch die volle G\u00fcltigkeit desselben allen Einwendungen gegen\u00fcber aufrecht erhalten.\nJa wollte man auch einen grossen Theil der seit der Einf\u00fchrung der Laryngoskopie bekannt gewordenen Beobachtungen von Larynx-polypen als zweifelhaft oder ungenau streichen, so Bliebe immer noch eine hinreichende Menge von ganz e x a c t e n, v\u00f6llig unzweideutigen und streng beweisenden Beobachtungen \u00fcbrig.\nOb der Grund des Widerspruchs zwischen den laryngoskopischen Thatsaehen und den klinischen und pathologisch-anatomischen Erfahrungen in dem langsamen Wachsthum der Neubildungen, in der Vernachl\u00e4ssigung des Kehlkopfes bei den Sectionen oder in anderen noch unbekannten Umst\u00e4nden liegen mag, kann ich nicht entscheiden, dagegen will ich mir erlauben einen weiteren schlagenden Beleg f\u00fcr die factisehe Existenz jenes noch unvermittelten Widerspruchs beizubringen.\nIch habe n\u00e4mlich seit meiner Uebersiedelung von Fest nach Prag, in dem kurzen Zeitraum von kaum l1/2 Jahren unter verlniltniss-m\u00e4ssig wenigen Kehlkopfkranken, welche ich hier zu untersuchen Gelegenheit hatte, bereits wieder vier neue F\u00e4lle von exquisiten La-rynxpolypen gefunden, w\u00e4hrend das reiche hiesige pathologisch-anatomische Museum, f\u00fcr welches seit Jahrzehnten bei Tausenden von Sectionen gesammelt wird, nur 2 oder 3 Neubildungen im Larynx aufweisen kann.\nEinige der von mir neuerdings beobachteten F\u00e4lle sind Folgende :\nI Den 4. Deebr. 1860 untersuchte ich einen 35 Jahre alten Handelsmann J. L. von hier, welchen mir Hr. Dr. Goschlek zugeschickt hatte. Derselbe litt seit 3 Jahren an bedeutender Heiserkeit und hatte schon die verschiedensten Mittel erfolglos gebraucht. Weder die Anamnese noch die gew\u00f6hnliche Untersuchung des Patienten bot einen Anhaltspunkt zur Ermittelung seines Leidens. Die Inspection mit dem\n1 S. Deutsche Klinik. Nr. 2. IsilZ.","page":580},{"file":"p0581.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n581\n\u00bbSpiegel hingegen ergab sofort als Grund s\u00e4mmtliclier Krankheitser-seheinungen das Vorhandensein einer grossen unregelm\u00e4ssigen h\u00f6ckerigen Neubildung von weisslicher Farbe, welche reehterseits aufsitzend mehrere Linien weit in das Lumen des sonst normalen Kehlkopfs vorsprang. Die verh\u00e4ltnissm\u00e4ssige Gr\u00f6sse der Polypen und die Breite seiner Basis erlaubten mir in diesem Falle nicht mit voller Sicherheit zu ermitteln, ob derselbe aus dem wahren oder aus dem falschen Stimmbande oder zwischen beiden Stimmb\u00e4ndern der rechten Seite hervorsprosste, doch war mir ersteres das wahrscheinlichste.1\n2 Am 7. Novbr. 1861 kam Hr. J. B., Ordenspriester allliier, ein sonst gesunder kr\u00e4ftiger Mann von 52 Jahren zu mir, welcher seit 2 Jahren an einer Heiserkeit leidet, die ihn in seinem Predigerberufe hindert und keinem der zahllosen Mittel weichen wollte, welche von ihm gebraucht worden waren.\nEr gab an, fr\u00fcher niemals krank gewesen und erst vor zwei Jahren nach einer Anstrengung seines Stimmorgans ganz pl\u00f6tzlich von einem momentanen Schmerz und Kitzel im Kehlkopf befallen worden zu sein.\nVon dieser Zeit an habe sich die Heiserkeit rasch entwickelt und zur v\u00f6lligen Aphonie gesteigert, sei aber nach und nach der gegenw\u00e4rtig vorhandenen blossen Umflorung der \u00bbStimme gewichen.\nBei der Inspection mit dem Spiegel zeigte sich in dem sonst v\u00f6llig normalen Kehlkopf ein rundlich h\u00f6ckeriger Polyp von der Gr\u00f6sse einer gr\u00fcnen Erbse, welcher mit verschm\u00e4lerter Basis auf dem Bande des rechten unteren Stimmbandes, etwa am vorderen Ende des mittleren Drittels desselben aufsitzt, wie in Fig. 322, abgebildet ist.\nDiese Neubildung ist nach Gr\u00f6sse. Sitz und Beschaffenheit vollkommen analog mit jener ersten, welche ich am 2. Januar 1859 in Pest beobachtet habe3;.\nbeigedruckte Skizze Fig. 32 mit dem Holzschnitt Fig. 17.\nVergl. die\nFig- \u00bb2.\n1 Mit ziemlich breiter Basis auf den Taschenb\u00e4ndern aufsitzende unzweifelhafte Neubildungen, habe ich seither mehre aufgefunden ; und zwar bei einer jungen Frau in Paris, einer Patientin meines Freundes Ch. Fauvel und bei einem alten Weibe, welche ich in meinem Curs in King\u2019s College Hospital, London de-monstrirte (s. Johnson in Medical Times, June 21. 18152;.\n- Bei diesem und den folgenden Holzschnitten bedeutet : e Epiglottis, a e Lig. ary-cpiglotticum, a Arytaenoidkuorpel, ost oberes oder falsches Stimmband, ust unteres oder wahres Stimmband, v M Morgagni'sche Ventrikel, p Polyp.\n3 Zwei weitere \u00e4hnliche F\u00e4lle habe icli im Sommer 1S02 beobachtet, den einen in London, de.i anderen im Haag in Holland.","page":581},{"file":"p0582.txt","language":"de","ocr_de":"5S2\nDor Kehlkopfspiegel.\nBei ge\u00f6ffneter Glottis b\u00e4ngt der kleine Polyp in die Ebene derselben herein | so dass er leicht von den B\u00e4ndern der Stimmb\u00e4nder eingeklemmt wird, wenn sich die Glottis zum T\u00f6nen verengt. Die Stimme ist dann sehr heiser oder versagt g\u00e4nzlich. Meist befreit aber den Polypen ein starker Luftstrom aus seiner Einklemmung oder verhindert dieselbe ganz und gar, indem er ihn emporschleudert, w\u00e4hrend sich die Stimmb\u00e4nder ungehindert n\u00e4hern ; der Polyp ruht dann a u f der verengten t\u00f6nenden Glottis und beeintr\u00e4chtigt ihre Vibrationen, wodurch sich die constante Umflorung der Stimme gen\u00fcgend erkl\u00e4rt.\nAus diesen Beobachtungen \u00fcber die Art und Weise wie der Polyp die reine Stimmbildung mehr oder weniger hemmt, wird auch verst\u00e4ndlich , wie sich das alsbald bis zur Aphonie gesteigerte Eebel des Patienten bei l\u00e4ngerem Best\u00e4nde und gerade durch das allm\u00e4hliche Wachsthum des Polypen bis zur blossen Umflorung der Stimme mit nur momentan auftretender Aufhebung der Stimmbildung aus rein mechanischen Gr\u00fcnden bessern konnte.\nAnfangs n\u00e4mlich musste der im Niveau der Glottis hervorwuchernde Polyp stets zwischen den R\u00e4ndern der Stimmb\u00e4nder eingeklemmt werden und bei steigernder Volumszunahme die zur Bildung einer t\u00f6nenden Kitze n\u00f6thige Ann\u00e4herung derselben bald g\u00e4nzlich verhindern \u2014 Aphonie ; w\u00e4hrend bei der mit dem weiteren Wachstlium zunehmenden Pedicularisirung des Polypen die Einklemmung desselben in die Glottis immer seltener wurde, indem die verj\u00fcngte Basis ein Herausgeschleudertwerden der fremden Masse \u00fcber die Ebene der Glottis hinaus und die ann\u00e4hernd normale Verengerung der letzteren immer mehr erlaubte Besserung der Aphonie, aber trotzdem zeitweiliges Versagen der nat\u00fcrlich stets umflorten Stimme. \u2014\nIheils um nicht selbst die Zeit mit der oft zu wiederholenden Beobachtung des Polypen verlieren zu m\u00fcssen und doch alle etwaigen \\ er\u00e4nderungen an demselben sogleich im Entstehen zu erfahren : thcils um den intelligenten Patienten f\u00fcr einen sp\u00e4teren operativen Eingriff \\01 zubereiten, habe ich demselben den (f\u00fcr \u00e4hnliche F\u00e4lle schon oben S. 505 ausgesprochenen) Kath ertheilt, sich mit der Anwendung meines bekannten Apparates zur laryngoskopisclieu Selbstbeobachtung und Demonstration vertraut zu machen. Patient ging mit Bereitwilligkeit und Geschick auf diesen Kath und die Anleitung, die ich ihm gab, ein und hatte zu seiner grossen Befriedigung schon nach wenigen Tagen ausdauernder Bem\u00fchung die Fertigkeit erlangt seinen Polypen selbst zu sehen und fremden Beobachtern zu zeigen.\nAut mein Ersuchen hatte Patient die Gef\u00e4lligkeit in der Sitzung der hiesigen Gesellschaft praktischer Aerzte am 11. Decbr. 1SG1 einer","page":582},{"file":"p0583.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\t5S3\ngrossen Anzahl von Collegen seinen Polypen mit meinem Apparate selbst zn demonstriren.\n3 Am 2. Decbr. 1S61 schickte mir Hr. Prof. Blazina einen 26 j\u00e4hrigen Handlungseommis, B. S.j zn, welcher seit etwa l'/2 Jahren heiser ist. Die \u00bbStimme des sonst gesunden Patienten f\u00e4llt durch ihr schweres Ansprechen und ihr h\u00e4ufiges Umschlagen aus heiserem Kr\u00e4hen in rauhen Bass oder in tonloses Zischen auf.\nDie laryngoskopische Untersuchung ergab sofort das Vorhandensein eines etwa erbsengrossen vollkommen kugeligen Polypen von glatter, gespannter Oberfl\u00e4che und dunkler blaur\u00f6tlilicker F\u00e4rbung. \u00bbSeine Insertionsstelle ist abermals zwischen dem ersten und zweiten Drittel des freien Bandes des rechten unteren Stimmbandes. Vergl. Fig. 33.\nEin Eingeklemmtwerden des Polypen in die Glottis, das Aufruhen desselben auf der t\u00f6nenden Glottis, wenn ihn ein starker Luftstoss em-porsclileudert und aus der Einklemmung befreit hat, ist liier wie in dem vorigen Falle leicht zu beobachten und erkl\u00e4rt vollst\u00e4ndig die oben erw\u00e4hnten krankhaften und unregelm\u00e4ssigen Erscheinungen bei der Stimmbildung.\nWas die Beschaffenheit der Neubildung selbst angeht, so unterscheidet sich dieselbe auf den ersten Blick von dem vorigen Polypen, stimmt dagegen in dieser Beziehung vollkommen \u00fcberein mit jenem gestielten Auswuchs, den ich oben sub IS. Fall beschrieben und in Fig. 29 skizzirt habe.\n4) W. St., Kaufmann in P. in B\u00f6hmen, 25 Jahre alt, fr\u00fcher immer gesund, gibt an, um Ostern I860 ohne irgend eine Veranlassung, \u00fcber Nacht die Stimme verloren zu haben. Keines der verschiedenen in Anwendung gebrachten Mittel gegen Heiserkeit hatte einen g\u00fcnstigen Erfolg. Auch eine Kur in Gleichenberg war fruchtlos versucht worden. Endlich kam der Patient selbst auf den Gedanken sich laryngoskopisch untersuchen zu lassen und wandte sich deshalb an mich. Die am 14. Januar 1862 vorgenommene Untersuchung ergab sofort das Vorhandensein mehrerer sehr bedeutender unregelm\u00e4ssig h\u00f6ckeriger Neubildungen von weisslicher Farbe im Kehlkopf s. unten Figur 34\u00bb A), von denen die eine p) auf dem linken Taschenbande mit ziemlich breiterBasis aufsass, w\u00e4hrend die zweite [p) auf dem rechten Taschenbande , die dritte p\" auf dem rechten wahren Stimmbande hervor-\n1---ae\nFig. 33.","page":583},{"file":"p0584.txt","language":"de","ocr_de":"584\nDer Kehlkopfspiegel.\nwucherte. Nur das liuke wahre Stimmbaud war, soweit dasselbe un-verdeckt blieb und gesehen werden konnte, normal.\nHinsichtlich der Natur dieser m\u00e4chtigen Neubildungen glaube ich mich mit Bestimmtheit dahin aussprechen zu k\u00f6nnen, dass es Epitheliome sind, indem sie ihrem Aussehen und ihrer Beschaffenheit nach wesentlich mit jenen colossalen Neubildungen Ubereinstimmen, welche ich im Larynx eines 25j\u00e4hrigen Schustergesellen in Pest am 6. Octbr. 1850 beobachtet hatte vergl. Fall 19, Fig. 30) und von welchen es sieli sp\u00e4ter durch die mikroskopische Untersuchung ausgehusteter St\u00fccke mit Sicherheit herausgestellt hatte , dass es Epithelialwucherungen waren.\nAm 15. Januar 1862 habe ich Patient in der Sitzung der Gesellschaft der praktischen Aerzte in Prag vorgestellt und dessen Neubildungen im Kehlkopf vermittelst des Laryngoskops demonstrirt.\nEinige Tage darauf kehrte Patient in seinen Wohnort zur\u00fcck doch nicht ohne einen meiner Selbstbeobachtungsapparate, dessen Anwendung er sofort begriffen und mit Gl\u00fcck bei mir versucht hatte, mitgenommen zu haben, um durch autolaryngoskopische Beobachtungen den weiteren Verlauf seines Uebels zu \u00fcberwachen und sich zur operativen Entfernung der Neubildungen vorzubereiten.\nPatient hat sich am 8. Dec. 18G2 wieder bei mir eingestellt, nachdem er mich im Verlaufe des Sommers, w\u00e4hrend meiner Abwesenheit von Prag mehrmals vergeblich aufgesucht hatte.\nEr brachte mir ein Fl\u00e4schchen mit 10\u201412 trauben- oder blumenkohlf\u00f6rmigen Massen, welche er ausgehustet und auf mein, in dieser Voraussicht1 fr\u00fcher ausgesprochenes Verlangen sorgf\u00e4ltig gesammelt\n1 Diese Voraussicht gr\u00fcndete sich auf die Erfahrungen , welche: ich bei dem analogen oben beschriebenen Falle 19 gemacht hatte. Zur Zeit der ersten Beobachtung ;vg'l. Fig. 30) bestanden in jenem Falle zwei Gew\u00e4chse im Larynx des Patienten ; das eine sehr grosse sass auf dem rechten unteren Stimmbande und f\u00fcllte den gr\u00f6ssten Theil der zum Athmen weit ge\u00f6ffneten Glottis aus; das zweite, viel kleinere, sprosste an der vorderen Fl\u00e4che des linken Arytaenoidknorpels hervor.\nEinige Monate sp\u00e4ter, nachdem, wie erw\u00e4hnt, einige Partikelchen ausgehustet worden waren, zeigte sich ein etwas ver\u00e4ndertes laryngoskopisches Bild. Es waren zwar noch immer beide Gew\u00e4chse vorhanden, allein, w\u00e4hrend das kleinere vom Aryknorpel entspringende, sich enorm vergr\u00f6ssert hatte, war das gr\u00f6ssere vom Rande des rechten Stimmbandes entspringende, bedeutend geschwunden und in den Winkel zwischen den Ursprung der Epiglottis und der Stimmb\u00e4nder hinein gedr\u00e4ngt worden;\nWieder einige Monate sp\u00e4ter, nicht lange vor meiner Abreise von Pest, sah ich Patient, dessen Athenmoth und Aphonie sieh bedeutend gebessert hatten. Die biryngoskopisehe Untersuchung zeigte das Vorhandensein nur mehr eines und","page":584},{"file":"p0585.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n5S5\nhatte. Die Gesammtmasse der ausgehusteten St\u00fccke, deren Gr\u00f6sse und Form sehr verschieden war, mochte nicht viel weniger betragen als anf\u00e4nglich : 14. Januar an Epithelwucherungen \u00fcberhaupt vorhanden gewesen sein mag. (s. unten Fig. 34 A.)\nDie mikroskopische Untersuchung mehrerer dieser St\u00fccke zeigte, dass dieselben \u2014 wie in dem Falle 19 \u2014 durch und durch aus kernhaltigen. gegen die Oberfl\u00e4che der Massen hin pflasterf\u00f6rmigen. abgeplatteten Zellen bestehen. Sparsame Blutgef\u00e4sschen ohne nachweisbares bindegewebiges Stroma fanden sich auch, nebst einzelnen Kl\u00fcmpchen einer feink\u00f6rnigen tr\u00fcben Masse.\nDie fr\u00fchere Aphonie des Patienten hatte sich merklich gebessert, was sich sehr nat\u00fcrlich durch die grosse Menge der freiwillig abgel\u00f6sten und ausgehusteten Epithelialwucherungen zu erkl\u00e4ren schien.\nA.\tC.\nFig :>4A. (Befund vom 14. Januar ISO\u00bb, e Epiglottis, if Arytaenoidknorpel. ne Lig. ary-epiglottu-a. nst unteres, ost oberes Stimmband, zwischen beiden der Morgagni\u2019sohe bentnkel. p tmthelial-wucherung auf dem Unheil oberen Stimmband, p' dito auf dem rechten oberen Stimmband, p dito aut dem rechten unteren Stimmhand.\nrig. (MB. (Befund vom 8. Dec. 1S62). e Epiglottis, a Arytaenoidknorpel. yM sichtbare Tlieile der Mor-gagni\u2019schen Ventrikel, begrenzt nach aussen (oben) durch das obere Stimmband, nach innen (unten) durch das untere Stimmhand. p die Epithelialwucherung des linken oberen Stimmb\u00e4nder p dito des rechten oberen Stimmhandes, \u00bb\"dito des rechten unteren Stimmbandes, p dito des linken unteren Stimmbandes. dito der Epiglottis. p\"\"' dito im Winkel zwischen dem rechten Lig. ary-epiglotticum\nund dem oberen Stimmband.\nUm so \u00fcberraschender war es mir. bei der laryugoskopischen Inspection eine weit gr\u00f6ssere Masse von Wucherungen zu finden als im Anf\u00e4nge des Jahres vorhanden war. Fig. 34, B. erl\u00e4utert deu laryugoskopischen Befund vom 8. Decbr. 1862.\nDie Vergleichung der beiden Skizzen lehrt, dass sich Form und Ausdehnung der im Januar bereits vorhanden gewesenen Epithelial-wucherungen merklich ge\u00e4ndert haben und dass an fi\u00fchei gesunden Schleimhautstellen neue Wucherungen entstanden sind. Die Wucherung p Fig, 34 A. hat bis auf einen kleinen Saum ihren \u00fcber die Glottis\nzwar des vom rechten Stimmbande entspringenden Gew\u00e4chses, w\u00e4hrend das andere ganz ausgeworfen worden war und an seinem Ursprungspunkte am Aryknorpel nur eine glatte rundliche Erhabenheit hinterlassen hatte.","page":585},{"file":"p0586.txt","language":"de","ocr_de":"58G\nDer Kehlkopfspiegel.\nhervorragenden Tlieil verloren, daf\u00fcr aber m\u00e4chtig an Ausdehnung auf der oberen Fl\u00e4che des linken falschen Stimmbandes zugenommen.\nDer verlorengegangene Theil entzog dem Auge fr\u00fcher das ganze linke untere Stimmband bis auf sein vorderes Drittel. welches eine normale Beschaffenheit zeigte. Jetzt sieht man deutlich, dass auch dieses Stimmband eine grosse Epithelialwucherung }>\"' Fig. '34 B.) tr\u00e4gt, welche entweder neu hinzugekommen ist, oder vielleicht schon fr\u00fcher vorhanden, dem Blicke entzogen war.\nVon der Wucherung p' Fig. 34 A. ist der ganze nach hinten gehende Zapfen abgefallen, dagegen hat sich dieselbe auf der Mitte des rechten oberen Stimmbandes um so \u00fcppiger entwickelt. Die Wucherung //' Fig. 34 A.) hat an Masse zugenommen und wird zum Theil von der Wucherung des gegen\u00fcberliegenden Stimmbandes bedeckt und nach unten gedr\u00e4ngt. Dennoch muss die Form, Lage oder Consistenz der beiden am Bande der Glottis sitzenden Wucherungen f\u00fcr die Stimmbildung, trotz der Volumszunahme, minder ung\u00fcnstig sein als fr\u00fcher, da die Aphonie des Patienten merklich abgenommen hat.\nAuf fr\u00fcher ganz gesunden Schleimhautstellen haben sich aber auch einige neue Wucherungen entwickelt.\nEin kleines Tr\u00e4ubchen sprosst in dem Winkel zwischen dem rechten falschen Stimmband und dem Lig. ary-epiglotticum Fig. 34. B. //\"\") und ein m\u00e4chtiges Gew\u00e4chs [p\"\") f\u00fcllt den ganzen mittleren eoucaven Theil der Epiglottis aus und ragt soweit gegen das Lumen des Kehlkopfes herein, dass es die Insertionsstelle und die vorderen Enden der Stimmb\u00e4nder dem Blicke ganz entzieht.\nVon normaler Schleimhaut sieht man \u00fcberhaupt wenig mehr im Kehlkopf des Patienten. Die Begrenzungen der Morgagni'sehen Ventrikel sind fast ganz entartet, nur rechterseits hinten und linkerseits vorn sieht man ein kleines St\u00fcck von normaler Beschaffenheit. Der Vergleich zwischen beiden viele Monate auseinanderliegenden Befunden zeigt somit, dass die locale Erkrankung in zunehmender Entwicklung begriffen ist \u2014 trotz der betr\u00e4chtlichen Massen, welche sich freiwillig von den Wucherungen abgel\u00f6st hatten und ausgehustet worden waren.\nEs ist vorauszusehen, dass Patient Gefahr lanfen wird zu ersticken, wenn es nicht m\u00f6glich sein sollte die luxurirende Production von Epithelialzellen im Larynx zu beschr\u00e4nken, oder wenigstens die bereits vorhandenen Wucherungen, welche den Kehlkopf zu sperren drohen, zu entfernen.\nGl\u00fccklicherweise ist letzteres vermittelst meines schon im Februar 1S59 ausge\u00fcbten Verfahrens der F\u00fchrung der operirenden","page":586},{"file":"p0587.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n581\nllaiul vermittelst des Kehlkopfspiegel! ;s. oben YI. Abschnitt m\u00f6glich und ich entschloss mich diesen Versuch zu wagen \u2014 selbst auf die Gefahr hin, dass die entfernten Wucherungen \u00fcber kurz oder lang wieder nachwachsen sollten.\nDa Patient schon den n\u00e4chsten Tag nach Hause zu reisen gezwungen war, so musste ich mich damit begn\u00fcgen, zun\u00e4chst nur die oberste der Wucherungen, welche von der concaven Innenfl\u00e4che der Epiglottis in das Lumen des Kehlkopfs hinein w\u00e4chst (Fig. 34, B, p\"\") in Angriff zu nehmen.\nIch verfuhr in der (s. Wiener med. Wochenschrift No. 12, 1859 S. 183 beschriebenen Weise, dass ich den Kehlkopfspiegel mit der linken Hand einf\u00fchrte und so fixirte, dass ich nicht nur die betreffende Epithelwucherung, sondern auch das mit der rechten Hand eingef\u00fchrte Instrument sehen und auf dieselbe leiten konnte.\nDas Instrument war eine einfache \u00fcber die Fl\u00e4che gebogene Poly-penzange mit m\u00f6glichst schlanken Branchen. deren passende L\u00e4nge und Kr\u00fcmmung ich in der Art ermittelte, dass ich einer Sonde so lange versuchsweise verschiedene Kr\u00fcmmungen gab, Dis ich sie unter Beihilfe und F\u00fchrung des Spiegels bequem und sicher mit der betreffenden Wucherung in Ber\u00fchrung bringen konnte. Nach der L\u00e4nge und Kr\u00fcmmung dieser Sonde wurde dann die Polypenzange vom Instrumentenmacher Mang jun. in Prag ausgef\u00fchrt.\nDer gelehrige und durch die fleissige Handhabung meines autosko-pisclien Apparates zu operativen Eingriffen vorbereitete Patient fixirte mit einer Hand seine mit einem Sacktuche bedeckte Zunge selbst \u2014 und so gelang es mir sofort die Wucherung zu fassen und st\u00fcckweis zu entfernen. Es gl\u00fcckte in einer Sitzung, 9. Dec. 1862, die ganze Masse p\"\", bis auf ein einzelnes kleines Tr\u00e4ubclien auf der linken Seite von der Epiglottis, vollst\u00e4ndig abzutragen.\nDas Fassen und Abreissen der Wucherung verursachte dem Patienten nicht den geringsten Schmerz und es trat auch keine nennens-werthe Blutung ein; ja Patient war nicht einmal gen\u00f6thigt zu husten oder sich heftig zu r\u00e4uspern.\nDie Gesannntmenge der auf diese Weise aus dem Kehlkopf herausgeholten gr\u00f6sseren und kleineren St\u00fccke mochte das Volum einer Himbeere erreichen.\nDie mikroskopische Structur dieser St\u00fccke, welche derb und elastisch anzuf\u00fchlen waren, ergab sich nat\u00fcrlich als dieselbe, die die ausgehusteten, vom Patient im Laufe des Jahres gesammelten St\u00fccke gezeigt hatten.\nIn der Sitzung der Gesellschaft der praktischen Aerzte in Prag","page":587},{"file":"p0588.txt","language":"de","ocr_de":"588\nDer Kehlkopfspiegel.\nvom Jo. Dec. i862 habe ich die extrahirten Polypenst\u00fccke liebst der benutzten Polypenzange vorgelegt.\nPatient war den n\u00e4chsten Morgen nach der Operation abgereist, hatte aber versprochen im Januar wieder nach'Prag zu kommen.\nSeinem Versprechen gem\u00e4ss erschien derselbe auch wirklich Anfang Januar 1. J. und ich entfernte am 7. und 9. Januar eine gr\u00f6ssere Anzahl von St\u00fccken, der an den Stimmb\u00e4ndern sitzenden Wucherungen in der oben angegebenen Weise, nur licss ich mir diesmal den Kehlkopfspiegel von dem ge\u00fcbten Patienten selbst halten, nachdem ich denselben an seinen Platz gebracht hatte, so dass ich meine ganze Aufmerksamkeit auf die Operation concentriren konnte.\nDie durch das Abreisscn verwundeten Stellen habe ich dann sofort mit Lapis in Substanz kauterisirt. An der im verflossenen Monat rein geputzten Innenfl\u00e4che der Epiglottis waren die Wucherungen noch nicht wiedergekommen, die Schleimhaut zeigte eine glatte , normale Beschaffenheit.\n5 Einen letzten Fall von Epithelialwueherimgen im Larynx beobachtete ich am 22. Juni 1862 in London ; derselbe betraf einen Patienten des Herrn Dr. Sievering. Eine damals von mir entworfene Skizze des laryiigoskopisehen Befundes ist auf mein Ersuchen von Dr. Sievering. wenn ich nicht irre, im British foreign Medical Journal June 1862 ver\u00f6ffentlicht worden. \u2014\n\u00bbDass es sich in den mitgetheiltcn F\u00e4llen nicht um beliebige \u00bbAnschwellungen\u00ab, sondern um wirkliche Neubildungen im Kehlkopf handelt, kann wohl Niemandem zweifelhaft erscheinen, und ich wiederhole daher, dass die von mir hervorgehobene und von Lewin u. A. best\u00e4tigte Thatsaehe der gr\u00f6sseren Frequenz der NeuJtil-dungen im Larynx eben so allgemein anerkannt werden m\u00fcsse, als bisher allgemein geglaubt wurde, dass diese pathologischen Gebilde unter den Erkrankungsformen des Kehlkopfs zu den gr\u00f6ssten Seltenheiten geh\u00f6ren.\u00ab .8. meine laryng. und rhinosk. Mittheilungen in Virchow's Arch. Bd. 23, 1862 .\n2. Rhinoskopische F\u00e4lle.\n1 Den ersten pathologischen Befund im Cavim pharynrjo-misale. welcher bereits in No. 17. I860 der Wiener med. Wochenschrift ver\u00f6ffentlicht worden ist. habe ich Hei einem geh\u00f6rkranken Patienten meines Freundes Dr. Hiksc ih.er in Pest zu beobachten Gelegenheit","page":588},{"file":"p0589.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\t589\ngehabt. Der G\u00fcte dieses letzteren verdanke icli auch die folgende Krankengeschichte.\n\u00bbF. S., Student, 18 Jahre alt, hat schon als Knabe von 4 Jahren an Ohrenfluss an beiden Seiten gelitten, welcher bis zum Alter von 15 Jahren sich fast jedes Jahr oder wenigstens jedes andere Jahr erneuert haben soll. Sein hier lebender j\u00fcngerer Bruder ist ebenfalls in Folge von Ohrenfluss schwerh\u00f6rend geworden und ein noch ganz junger Knabe zu Hause soll auch an Ohrenfluss leiden.)\nVor 2*/2 Jahren bekam ich den Patienten zum ersten Mal zu Gesicht , da er angeblich in Folge eines Kopfsprunges in der Schwimmschule sich heftige Ohrensehmerzen zugezogen hatte. Es waren Erscheinungen von Dermoid-Entz\u00fcndung des Meat. and. extern, in der ganzen Ausdehnung und Mitleidenschaft des Trommelfells vorhanden, die jedoch einem kurzen Aufenthalte im Zimmer, einer localen Blutentziehung und antiphlog. Regime alsbald gewichen sind. Sechs Wochen sp\u00e4ter kam Patient mit R\u00e9cidiv\u00e9 zu mir, die heftiger auftrat, mit Schmerzen und Ohrensausen verbunden war und desswegen die Application eines mit Tart. einet, versetzten Zugpflasters noting machte. Hierauf nahmen die Erscheinungen'bald ab und verschwanden allm\u00e4hlich , unless die k\u00fcnstliche Geschw\u00fcrfl\u00e4che auf dem Proc. mast, heilte und eine bleibende Hautnarbe zur\u00fcckliess. Seit jener Zeit hatte Patient keinerlei Ursache, \u00fcber sein Ohr zu klagen.\n\u00abDa ich von der Tante desselben aber h\u00f6rte, dass der junge Mensch seit l\u00e4ngerer Zeit sichtlich schwerh\u00f6rig sei, so untersuchte ich sein Geh\u00f6r und fand folgende Erscheinungen : Die schlagende Uhr wird von den Kopfknochen aus beiderseits gut geh\u00f6rt, wenn die Meatus hermetisch verstopft sind: bei offenem Geh\u00f6rgange jedoch wird die Uhr rechts auf starke 4\", links nur auf 2\" deutlich vernommen. Mittels Speculum erscheint das Trommelfell auf beiden Seiten fast gleich ; mit Ausnahme einer unbedeutenden Transparenz-Verringerung, die aber rechts wie links vorhanden, ist dasselbe vollkommen normal. Das Z\u00e4pfchen erscheint k\u00fcrzer als gew\u00f6hnlich und weicht etwas nach rechts ab. die Mandeln sind ein klein wenig mit geschwellten Follikeln versehen. vielleicht links etwas mehr als rechts. Die hintere Rachenwand ist m\u00e4ssig geschwellt und Streifen schaumigen Schleims darauf sichtbar. Beim VALSALVA\u2019schen Versuch f\u00fchlt Patient rechts die Luft in starkem Strome in die Trommelh\u00f6hle dringen und das Trommelfell aufblasen, w\u00e4hrend er links das Einstr\u00f6men der Luft anfangs gar nicht, nach wiederholten und mit verst\u00e4rkter Kraft unternommenen \\ ei suchen wohl hie und da deutlich empfindet, aber angibt, dass hier bloss bei gr\u00f6sserer Anstrengung und auch dann nur wenig Lutt in die 1 rommel-","page":589},{"file":"p0590.txt","language":"de","ocr_de":"590\nDer Kehlkopfspiegel.\nh\u00f6hle gelange und dabei das Trommelfell auch kaum merklich gespannt werde. Dieses wichtige Ergehniss wird mittels Katheter und Luft-douclie vollkommen best\u00e4tigt. Der Katheter kann rechts nur m\u00fchsam und mit einer kleinen Drehung nach aussen durch den mittleren Tlieil des unteren Nasenganges gebracht werden, aber einmal in die Bachenm\u00fcndung der Tuba gebracht, gibt die Auscultation bei Anwendung der Luftdouche ein gleichm\u00e4ssiges Einstr\u00f6men einer breiten Lufts\u00e4ule ohne alles Knistern oder Bassein zu erkennen. Links geht der Katheter leicht durch die Nase , die Auscultation am Ohre aber ergibt w\u00e4hrend der Application der Luftdouche 1\u00b0 ein feines, aeeentuirtes. hocht\u00f6nendes, ziehendes Ger\u00e4usch. 2\u00b0 sowohl in der N\u00e4he des Trommelfells als in gr\u00f6sserer Entfernung von demselben Knistern und Bassein.\u00ab\nSo weit Dr. Hirschlek.\nDie rhinoskopische Untersuchung des Patienten wurde von mir meist in Gegenwart des Hm. Dr. Hirschler am 22.. 25. Februar und 8. M\u00e4rz I860 vorgenommen.\nBehufs der Bpeculirung des Carum pharynyo-nasaie wurde die Zunge mit einer Spatel niedergedr\u00fcckt und unter dem, in diesem Falle hinreichend gehobenen Velum ein kleiner erw\u00e4rmter Kehlkopfspiegel mit nach aufw\u00e4rts und vorn gekehrter reflectirender Fl\u00e4che durchgeschoben. Da das Velum frei herabh\u00e4ngend, von der hinteren Bachen-wand ziemlich weit abstaud und die Uvula auffallend kurz ist. so gelang es bei der sonst ruhigen Haltung des Patienten ohne weiteres in das Carum pharynyo-nasale hinein zu sehen. Ich erkannte sofort die v\u00f6llig normale Umgebung der Bachenm\u00fcndung der rechten Tuba Eustachii. konnte dagegen auf der linken Seite eine krankhafte Beschaffenheit dieser Region constatiren. Ein in die rechte Tuba durch die Nase eingef\u00fchrter silbener Katheter konnte sehr deutlich w\u00e4hrend des Vor-und Eindringens in die M\u00fcndung derselben gesehen werden. Auf der linken Seite hingegen war der in die Tuba eingef\u00fchrte Katheter nirgends, ebensowenig wie die Tubenm\u00fcndung selbst zu erblicken.\nUm eine freiere und ausgedehntere Ansicht der fraglichen Tlieile zu gewinnen, liess ich den Patient sich selbst den Zungengrund mit einer winkelig gebrochenen Spatel herabdr\u00fccken und zog vermittelst meines in der linken Hand gehaltenen langgestielten platten gefensterten Gaumenhakens das Velum nach vorn und oben, wodurch der Baum hinter und unter demselben bedeutend vergr\u00fcssert wurde. Die Application d\u00f6s Gaumenhakens verursachte nicht die geringste Beschwerde und ich konnte sogleich eine so vollst\u00e4ndige und deutliche Ansicht der Tlieile erhalten, wie ich sie in der a. a. 0. beigedruckten Skizze Fig. 35 darstellte.","page":590},{"file":"p0591.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n391\nDie rechte Seite \u2014 im Spiegelbilde nat\u00fcrlich die linke \u2014 war v\u00f6llig normal und man \u00fcbersieht (Fig. 35) durch die Choaue noch einen Thcil der oberen Muscheln und G\u00e4nge der rechten Nasenh\u00e4lfte, w\u00e4hrend die unteren Parthien durch den R\u00fccken des V\u00e9lums verdeckt sind.\nAuf der linken Seite finden sich zwei aus der Umgebung der Tubam\u00fcndung bis zum Arcuspharyngo-pal\u00e4timis nach unten und hinten herab steigende pathologische Schleimhautw\u00fclste, welche die M\u00fcndung der Tuba sammt dem etwa eingef\u00fchrten Katheter dem Blicke v\u00f6llig entzielm und die Choaue bis auf einen kleinen Spalt zu verlegen scheinen.\nDiese hahnenkammartigen W\u00fclste, deren Basis der Seitenwand des -Pharynx aufsitzt, sind nach unten zu zwischen die hintere Rachenwand und das Velum eingekeilt: letzteres dr\u00e4ngen sie etwas nach rechts hin\u00fcber, wcsshalb die Uvula nicht in der Medianlinie unter dem Septum steht. Der obere gr\u00f6ssere Wulst ( K) entspricht mit seinem verdickten Anfang der hinteren Lippe der Rachenm\u00fcndung der Tuba, der untere kleinere ( k h\u00e4ngt mit der vorderen und unteren Begrenzung dieser M\u00fcndung zusammen. Beide W\u00fclste sind etwas dunkler gef\u00e4rbt als die \u00fcbrige Schleimhaut und vermittelst einer, w\u00e4hrend des Specu-lirens auf dieselben geleiteten Sonde ziemlich derb anzuf\u00fchlen.\nDer beschriebene pathologische Befund vervollst\u00e4ndigt das Krankheitsbild in befriedigender Weise und beweist die praktische Brauchbarkeit und Ausf\u00fchrbarkeit der rhinoskopisehen Untersuchungsmethode, ohne welche diese Vervollst\u00e4ndigung des Krankheitsbildes keinesfalls erreicht worden w\u00e4re. \u2014\n2) Im Hospital du Val de Grace in Paris, wo ich am 18. April 1860. im Beisein Michel Lewy\u2019s und vieler Milit\u00e4r\u00e4rzte, meine Methoden zur 'Verwerthung des LiSTOX-GAECiA'sclien Princips demonstrirte. wurde mir ein Schwerh\u00f6riger vorgef\u00fchrt. dessen Cavum phnryngo-nusale spe-cnlirt werden sollte.\nDie Inspection gelang beim ersten Versuch ohne die geringste Schwierigkeit. indem sich der Patient selbst die Zunge mit einer winklig gebrochenen Spatel niederdr\u00fcckte und ich mit der Linken den Gaumenhaken, mit der Rechten einen kleineren Kehlkopfspiegel einf\u00fchrte.\nDie Schleimhaut, welche den Nasenrachenraum, die Choanen etc.\nFig. 35. r hintere Fl\u00e4che cles weichen Gaumens, u Uvula, S Septum narium, t M\u00fcndung der nor-malen Tuba Eustacliii der rechten Seite, o obere. m mittlere Muschel der rechten Seite, K.l: zwei hahnenkammartige Geschw\u00fclste in der Umgebung der nicht sichtbaren linken Tubam\u00fcndung.","page":591},{"file":"p0592.txt","language":"de","ocr_de":"592\nDer Kehlkopfspiegel.\nauskleidet, zeigte eine lebhafte, gleichm\u00e4\u00dfige R\u00f6thung und eine geringe Schwellung oder Auflockerung ; die Tubeumiindungen, deren Lippen etwas verdickt erschienen, waren beiderseits vollkommen deutlich sichtbar und frei.\nMehrere der Anwesenden, die sich in meiner unmittelbaren N\u00e4he befanden, konnte ich an der Constatirung dieses Befundes tlieilnehmen lassen, welcher trotz seines vielleicht negativen Charakters durch die Klarheit und Leichtigkeit, mit der die Theilc zu Gesicht kamen, allgemein befriedigte.\n3) Am 10. August I860 untersuchte ich in der Charit\u00e9 in Paris im Beisein des zahlreichen Auditoriums der Vku-eau sehen Klinik einen Fall, bei dem man schon fr\u00fcher die Existenz eines grossen liachenpo-lypen eonstatirt hatte. Die Anwendung des Verfahrens gelang, wie bei den meisten mit gr\u00f6sseren Nasenrachenpolypen Behafteten, ausnehmend leicht und konnte der untere Theil des Polypen bei dem sch\u00f6nen Sonnenlicht in seiner nat\u00fcrlichen Farbe und Beschaffenheit sehr genau und deutlich besichtigt werden ; \u2014 dagegen war wegen seines grossen Volumens der obere Theil und der Insertionspunkt des Polypen nicht sichtbar.\nDer unverkennbare Nutzen, den man in solchen F\u00e4llen von bereits allzu volumin\u00f6sen Neubildungen von der Bhinoskopie erwarten darf, beschr\u00e4nkt sich wohl darauf, dass man die Oberfl\u00e4chenbeschaffenheit des zug\u00e4nglichen Tlieils der Neubildung genau besichtigen und sich allenfalls bei der Sondirung oder bei der Anlegung der galvanokausti-schen Schneideschlinge etc. durch das Gesicht unterst\u00fctzen kann.\nLeider ist der erw\u00e4hnte Fall nicht w\u00e4hrend meiner Anwesenheit in Paris operirt worden, sonst h\u00e4tte eine nachtr\u00e4gliche Untersuchung was wohl in allen \u00e4hnlichen F\u00e4llen gilt und zu beachten ist) \u00fcber den Sitz des Polypen,'.das Gelingen der Operation, etwaige Ueber-bleibsel etc. die exactesten Aufschl\u00fcsse gegeben.\nI) Am 18. Sept. 1860 untersuchte ich Dr. P. in Pest, der seit l\u00e4ngerer Zeit ein Athmungsliinderniss in der Nase sp\u00fcrt und dessen Stimme von einem merklichen Nasenton nicht frei ist.\nDie Inspection des Cavum pharyngo-mtsuli gelang ohne besondere Schwierigkeit sogleich und ich constatirte die Existenz eines bedeutend entwickelten K\u00f6rpers, welcher fast den ganzen Nasenrachenraum ausf\u00fcllte. Dieser K\u00f6rper verhielt sich bei n\u00e4herer Besichtigung und einer, unter Beihilfe des Spiegels eingeleiteten Befiililuug wie eine glatt- und dickwandige, durchscheinende ziemlich prall mit Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte Blase von weisslicher F\u00e4rbung.\nMeine bevorstehende und bald darauf erfolgte Abreise von Pest","page":592},{"file":"p0593.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n593\nverhinderte die weitere Beobachtung dieses eigenth\u00fcmlichen Falles, doch habe ich dein Patienten, der selbst Arzt ist, empfohlen, sich mit der Anwendung meines Selbstbeobachtungsapparates vertraut zu machen, um durch Autoskopie meinen Befund zu constatiren und weiteres Detail und etwaige Ver\u00e4nderungen zu ermitteln.\n5)\tEin sonderbares Verh\u00e4ltnis\u00ab beobachtete ich an einem im December ls60 in Prag untersuchten Fall. Derselbe betraf einen jungen Mann, der \u00f6fter an Katarrhen der Bachen- und Nasenh\u00f6hle gelitten hatte und \u00fcber Verminderung seines Geh\u00f6rs so wie \u00fcber unbehagliche Empfindungen im oberen Tlieil des Schlundes klagte.\nDie rliinoskopische Untersuchung ergab eine tiefe R\u00f6tliung und Wulstung der Schleimhaut des Nasenrachenraums bei starker Schleimabsonderung und Schwellung der Follikel. In der H\u00f6he der Tubenm\u00fcndungen, und diese dem Blicke entziehend, fand sich ein halbkreisf\u00f6rmiger dicker Wulst, welcher das (Stimm pharyngo-nasale von hinten und von den Seiten her in einen oberen und in einen unteren Abschnitt theilte.\n6)\tDen 10. Oct. 1SC1 liess mich mein geehrter Freund Herr Dr. Neud\u00f6rfer in das hiesige k. k. Garnisonspital rufen, um einen jungen, auf der linken Seite schwerh\u00f6rigen, Burschen zu rliinoskopiren. Bei der Untersuchung des Carum phuryngo-nasale des Patienten mit dem Finger f\u00fchlte man n\u00e4mlich ganz deutlich wulstige K\u00f6rper, die sich umgreifen Hessen und den Eindruck von Polypen machten, deren Sitz und Anordnung jedoch durchaus nicht genau zu ermitteln war. Da nat\u00fcrlich an einen operativen Eingriff gedacht wurde, so sollte Patient vorher rhinoskopirt werden \u2014 eine l\u00f6bliche Vorsicht, die man in \u00e4hnlichen F\u00e4llen niemals verabs\u00e4umen sollte !\nDie sowohl bei Lampen- als bei Sonnenlicht vorgenommene Inspection, welche ohne alle Schwierigkeit vollkommen gelang, zeigte folgendes nicht uninteressante Bild : s. ^\nFig.36.\nAuf der linken schwer-h\u00f6rigen Seite : im Spiegelbilde nat\u00fcrlich rechts sprang ein fast fingerdicker, nach oben und nach unten allm\u00e4hlich sich verj\u00fcngender\n-, i . i , i ,\tn Fig-BO. pm hintere Fl\u00e4che des Gaumensegels, t, V M\u00fcn-\nocuieiinuautwulst (J vor, aut d\u00fcngen der Eustachischen Tuben, g pathologischer Tumor ii\t.\ti\t. in der Umgebung der linken Tuba (f), s Septum, o, o' die\nwelchem ein Ucir beuurti\u00df1 eilt\u201d Oberen, ru m' die mittleren, \u00ab, u' die unteren N asenmuseheln.\nas\nCz er male, Schriften.","page":593},{"file":"p0594.txt","language":"de","ocr_de":"5\u00dc4\nDer Kehlkopfspiegel.\ngezogenes unregelm\u00e4ssiges Gr\u00fcbelien \\t') das Ende der Tuba Eusta-chii andeutete. Rechterseits war die Tubenm\u00fcndung [t] und Umgebung normal. Aus den beiden Choanen standen beiderseits die dick angescbwollenen hinteren Enden der mittleren [m, m') und unteren (w, a' Nasenmuscheln hervor. Die oberen Nasenmuscheln (o. o') waren ganz normal, und konnte ihr unterer scharfer Rand ganz deutlich als die obere Begrenzung des oberen Nasenganges tief in die Nasenh\u00f6hle (nach vorn) verfolgt werden.\nEine \u00e4hnliche Wulstung in der Umgebung der Tubenm\u00fcndung hatte ich schon fr\u00fcher einmal geselm und beschrieben (s. oben Fall 1). allein solche colossale Auftreibungen der hinteren Enden der Nasenmuscheln wie im vorliegenden Falle waren mir bisher noch nicht vorgekommen.\nVon Polypen, welche dem tastenden Finger so verf\u00fchrerisch vorget\u00e4uscht wurden, fand sich, wie man sieht, keine .Spur. \u2014 ein in diesem Falle wichtiges negatives Untersuchungsresultat, zu dem man ohne die rhinoskopische Inspection gewiss nicht so rasch und sicher, ja vielleicht gar nicht gelangt w\u00e4re. \u2014\nEine Zusammenstellung aller bis dahin ver\u00f6ffentlichten praktischen rhinoskopisclien F\u00e4lle findet sich in Semelkdkus Monographie \u00fcber Rhinoskopie. Leipzig. Engelmann 1862. auf welche ich hiermit verweise.\nX.\nSchluss.\nEs sind nun 5 Jahre her, seit ich den ersten Artikel \u00fcber den Kehlkopfspiegel 1. c. Nr. 1, mit den Worten schloss:\n\u00bb Diese Andeutungen m\u00f6gen gen\u00fcgen, um die Praktiker zur Anwendung des Kehlkopfspiegels zu bewegen und zur ferneren Ausbildung und Verwerthung dieser einfachen Untersuchungsmethode anzuregen. Da Alles gelernt und ge\u00fcbt sein will, wird sich wohl hoffentlich Niemand. der sich nicht gern selbst ein Testimonium paupertalis ausstellen m\u00f6chte, etwa durch die ersten vielleicht misslingenden Versuche von der Verfolgung des Zieles, das von Anderen bereits erreicht wurde, abschrecken lassen. Man erinnere sich nur, welche Uebung das Sehen mit dem Augenspiegel erfordert !\nDer Zweck dieser Zeilen wird vollst\u00e4ndig erreicht sein, wenn der Kehlkopfspiegel nach einiger Zeit in der Reihe der t\u00e4 glich gebrauch-","page":594},{"file":"p0595.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n595\nten Instrumente ebensowenig irgendwo wird fehlen d\u00fcrfen, als gegenw\u00e4rtig der Augenspiegel und l\u00e4ngst schon der Mutterspiegel\u00ab,\nDer erste Impuls, welchen ich damals zur Begr\u00fcndung der Laryngoskopie, der llhinoskopie und der F\u00fchrung der ope-rirendenHand vermittelst des Spiegels thats\u00e4chlich gegeben halte 's. I. Ahselm. Historisches', hat die verdienstliche und erfolgreiche Betheiligung vieler Kr\u00e4fte des In- und Auslandes wachgerufen und es sind nach und nach alle jene Erwartungen von den Leistungen des Kehlkopfspiegels in der Praxis erf\u00fcllt worden, zu welchen ich mich schon durch die Erstlingsresultate meiner verbesserten Methode angeregt und berechtigt f\u00fchlte.\nDie Zukunft wird hier noch grossen Gewinn f\u00fcr die Wissenschaft und f\u00fcr die leidende Menschheit bringen, wenn man mit richtigem Tact und ausdauernder Energie in den verschiedenen bereits ungebahnten Richtungen fortarbeiten wird.\nErkl\u00e4rung (1er Abbildungen.\nTafel 22\u201424 und einige Holzschnitte.\nTafel 22.\nEin perspectivisch gezeichnetes Schema meines Verfahrens, um vermittelst des Kehlkopfspiegels Beobachtungen anzustellen, an welchen sich der Beobachtete selbst und fremde Beobachter gleichzeitig betheiligen k\u00f6nnen. 'Selbstbeobachtung \u2014 Demonstration;.\nDer l\u00eel'KTK sehe Beleuchtungsspiegel refleetirt das Licht einer ModOniteur-lampe (resp. der Sonne selbst) unterhalb des unteren Randes des (|uergestellten Gegenspiegels auf den in den Rachen eingebrachten Kehlkopfspiegel, von dem es auf die zu beleuchtenden Organe geworfen wird vgl. die ausgezogenen Linien).\nDie Lampe, deren Licht durch einen halbcylindrischen Schirm gegen den Selbstbeobachter abgcblendet ist, wurde der Deutlichkeit wegen weiter von der linken Gesichtsh\u00e4lfte abgeriiekt gezeichnet, als sie in der Regel zu stehen kommt.\nDie einfach punktirtc Linie gibt die Sehrichtung des fremden Beobachters an, welcher durch die centrale Oeffnung des R\u00fcBTESChen Beleuchtungsspiegels blickt ; Pie so\t_ punktirte Linie jene des Selbstbeobachters, welcher in\ndem. auf einem verschiebbaren S\u00e4ulchen, unter beliebigem Neigungswinkel fixii-ten. in querer Richtung l\u00e4nglich viereckigen \u00bbGegenspiegel\u00ab seinen eigenen Schlund und den eiugefiihrten Kehlkopfspiegel sammt dem von demselben re-flectirten Bilde des Larynx u. s. w. betrachtet.\n:ts*","page":595},{"file":"p0596.txt","language":"de","ocr_de":"590\nDer Kehlkopfspiegel.\nDie Sehrichtung des fremden Beobachters macht einen gr\u00f6sseren Winkel mit der Ebene des Kehlkopfspiegels als jene des Selbstbeobachtors; der erstere sieht daher ein einfaches Spiegelbild, in welchem sich mehr von den nach vorn gelegenen Theilen zeigt, w\u00e4hrend dem letzteren ein vom Kehlkopf - und vom Gegenspiegel \u2014 also ein zweimal reflectirtes Bild erscheint, welches mehr von den nach hinten gelegenen Theilen zeigt.\nTafel 23.\nEnth\u00e4lt Bilder der Anordnung meiner eigenen Kehlkopftheile, w\u00e4hrend verschiedener physiologischer Zust\u00e4nde des Stimmorgans, welche ich Herrn Dr. Elfin\u00fcer in Wien bei Anwendung meines Taf. 22 schematisirten Verfahrens im M\u00e4rz und April 1858 demonstrirte, und welche er nach der Natur gezeichnet hat.\nDa die Zeichnungen nach einfachen Spiegelbildern entworfen sind, so entsprechen die Theile rechts von der Mitteilung der linken Seite des wirklichen Kehlkopfes et vice versa.\nWas im Bilde oben erscheint, liegt in der Natur nach vorn, was unten, hinten. Mit nachstehenden Buchstaben sind sowohl auf dieser als auf der folgenden Tafel dieselben Theile bezeichnet.\nZ = Zungengrund. hPh = hintere Pharynxwand.\noe \u2014 Eingang zum Oesophagus, als Ber\u00fchrungslinie zwischen der Pharynxwand und dem \u00e4usseren Schleimhaut\u00fcberzug der hinteren Fl\u00e4che des Kehlkopfes. e \u2014 Epiglottis. a = Arytaenoid-Knorpel. ew = Epiglottiswulst. ae = Lig. ary-epiglottica.\nw = dem Wrisberg\u2019schen Knorpel entsprechende Anschwellung.\n(ja = Anschwellung zwischen dem Wrisberg\u2019schen Kn\u00f6tchen und der Spitze des Capit. Santorini.\ns = Capitula Santorini. p v = Processus vocales. ust = untere oder wahre Stimmb\u00e4nder. ost = obere oder falsche Stimmb\u00e4nder Taschenb\u00e4nder). vm \u2014 Vcntriculi Morgagni. vt \u2014 vordere Tracheal wand. ht = hintere Innenwand des Larynx. hrd = Bronchus dexter. brs \u2014 Bronchus sinister.\nDie Erkl\u00e4rung der einzelnen Figuren siehe im Texte (VIII. Physiologische Beobachtungen).\nTafel 24.\nmat = Musc, arytaenoideus transversus.\nFig. 12 stellt die rechte H\u00e4lfte eines in der Medianebene halbirten, lange Zeit in Weingeist aufbewahrt gewesenen m\u00e4nnlichen Kehlkopfes dar.\nDie Innenfl\u00e4che der Epiglottis ist in der Durchschnittsebene von oben nach unten verfolgt, zuerst convex nach hinten, dann concav, und endlich wieder convex. Diese letztere nach hinten und unten vorspringende Convexit\u00e4t [\u00ab\u00ab), welche sich bis gegen den vorderen Insertionspunkt der Stimmb\u00e4nder erstreckt, habe ich den \u00bbEpiglottiswulst\u00ab genannt.","page":596},{"file":"p0597.txt","language":"de","ocr_de":"Der Kehlkopfspiegel.\n597\nDerselbe ist nicht in allen Kehlk\u00f6pfen gleich stark entwickelt, ja nicht einmal in demselben Kehlkopf prominirt er unter allen Umst\u00e4nden gleich stark, indem er \u2014 wie schon Santorini aus seinen genauen myologischen Untersuchungen richtig schloss \u2014 im Leben durch die Muskulatur des Kehldeckels bald mehr, bald weniger hervorgetrieben werden kann.\nFig. 13 stellt das Innere eines hinten aufgeschlitzten und auseinandergelegten frischen m\u00e4nnlichen Kehlkopfes dar, um den Epiglottiswulst (ew) en face zu zeigen.\nIn perspektivischer Verk\u00fcrzung, wie derselbe laryngoskopisch gew\u00f6hnlich erscheint, ist der Epiglottiswulst auf der vorhergehenden Tafel in Fig. 5, Fig. (3, Fig. T, Fig. 9 und Fig. 10 und auf den Holzschnitten Fig. 24, Fig. 25 und Fig. 23 abgebildet. Ich hebe dies ausdr\u00fccklich hervor, damit man diesen Wulst (namentlich auf den drei Holzschnitten, nicht etwa f\u00fcr pathologisch halte.\nHolzschnitte.\nFig. 1. Die Umrisse der gr\u00f6ssten, mittleren und kleinsten, rundlich quadratischen Kehlkopfspiegelformen , welche ich bei meinen laryngoskopischen Untersuchungen verwendet habe. Die Zwischenstufen sind ausgelassen. Gewonnen wurden diese Umrisse unmittelbar durch Umfahren der auf das Papier aufgelegten Spiegel mit einem feingespitzten Bleistift. An den abgerundeten Ecken rechts oben ist der angel\u00f6thete Stiel angedeutet.\nFig. 2. Ein mittelgrosser Kehlkopfspiegel von Stahl, sammt seinem in diesem Falle gebogenen Stiel und Ilolzheft.\nFig. 3. k Kehlkopfspiegel, ck, bk Sehrichtung, dk, ak Lichtstrahlenb\u00fcndel.\nFig. 4. k Kehlkopfspiegel, rechts davon ein durchbohrter Beleuchtungs-spiegel. Die ausgezogenen Linien sind die Umrisse des Strahlenkegels, welcher durch die Reflexion am Kehlkopfspiegel geknickt wird. Die punktirte Linie ist die Sehrichtung des durch die Oefinung im Bcleuchtungsspiegel blickenden Auges.\nFig. 5. Das KuAMER'sche Stirnband, an dessen Pelotte vermittelst Nussgelenkes die den durchbohrten Beleuchtungsspiegel tragende Gabel befestigt ist.\nEs ist einer der Apparate, welche ich zur mechanischen, beide H\u00e4nde freilassenden Fixirung des Beleuchtungsspiegels vor dem Auge angegeben habe. Das Band wird um den Kopf geschnallt ; die Pelotte kommt \u00fcber dem rechten oder linken oberen Augenh\u00f6hlenrand zu stehen.","page":597}],"identifier":"lit16189","issued":"1879","language":"de","pages":"471-597","startpages":"471","title":"Der Kehlkopfspiegel","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:47:58.904425+00:00"}
