The Virtual Laboratory - Resources on Experimental Life Sciences
  • Upload
Log in Sign up

Open Access

Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest

beta


JSON Export

{"created":"2022-01-31T13:25:43.986397+00:00","id":"lit16191","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 605-620. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0605.txt","language":"de","ocr_de":"XT JY.\nKleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest,\nWiener akader\u00fc. Sitzungsberichte 1859 u. 1800 uiul Moleschotl s Vntersiuhioigen.]\nErste Reihe.\n1. Um einem sehr zahlreichen Auditorium den Rhythmus und die Frequenz der Athemz\u00fcge, und den Einfluss der .V. vagi auf dieselben bequem zu demonstriren, bediene ich mich eines mit gef\u00e4rbtem Wasser gef\u00fcllten Manometers, dessen k\u00fcrzerer Schenkel mit einem als Luftreservoir dienenden Glaskolben in Verbindung steht, durch den die In- und Exspirationsluft des dem Versuche unterworfenen Thiereg streicht. Zun\u00e4chst wird dem Thiere die Trachea er\u00f6ffnet und eine Caniile eingebunden, sodann wird an die Caniile ein dickwandiges Kautschukrohr gesteckt, welches die Verbindung mit dem Glaskolben herstellt.\nMit jeder In- und Exspiration steigt und sinkt nun \u2014 Allen sichtbar \u2014 die gef\u00e4rbte Fl\u00fcssigkeit in den Schenkeln des Manometers.\nDer beigedruckte Holzschnitt versinnlicht den kleinen Apparat.\nK ein mittelgrosser Glaskolben, mit einem Kork verschlossen, durch welchen drei Glasr\u00f6hren gesteckt sind.\nDie mittlere derselben, welche nahe bis an den Boden des Kolbens reicht, communicirt mit der Atmosph\u00e4re, an die beiden kleineren, links und rechts, sind dickwandige Kautschukr\u00f6hren gesteckt, von denen die eine mit dem Manometer M . die andere mit der in die Trachea einzubindenden Caniile C) in Verbindung steht.","page":605},{"file":"p0606.txt","language":"de","ocr_de":"GOG Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nWenn in Folge der Vagus-Durchschneidung die Regelm\u00e4ssigkeit, die Frequenz und die Celerit\u00e4t der Athemziige abnehmen. so kann es trotz der gr\u00f6sseren Tiefe derselben dazu kommen. dass die Schwankungen des Manometers zu gering ausfallen, um aus gr\u00f6sserer Entfernung deutlich gesehen zu werden, weil die Luft des Glaskolbens zu langsam aus- und eingepumpt wird, um eine hinreichende Druckdifferenz zu setzen.\nDann braucht man aber nur die Ocfthung der mittleren R\u00f6hre, durch welche die Atmosph\u00e4re ein- und austritt. zu verengern oder zu verschlissen. um sofort wieder ausgiebige Schwankungen am Manometer entstehen zu sehen. W\u00fcrde das Luftreservoir hinreichend gross genommen, so k\u00f6nnte die Communication mit der Atmosph\u00e4re durch die mittlere R\u00f6hre ganz wegbleiben, und das mit einem Schwimmer versehene Manometer sehr genaue Aufzeichnungen der Athmungsbe-wegungen auf einem Kymographium entwerfen.\nStatt des abgebildeten Apparates habe ich \u00fcbrigens zu demselben demonstrativen Zwecke an die in der Trachea eingebundene Caniile ein Pfeifchen befestigt, welches bei jeder Exspiration des Thieres einen Ton von sich gab, und auf diese Weise die Frequenz der Athemziige dem ganzen Auditorium zu Geh\u00f6r gebracht. Es versteht sich von selbst, dass das Pfeifchen leicht ansprechen muss und weder ein zu enges noch ein zu weites Lumen haben darf.\nBeil\u00e4ufig sei hier erw\u00e4hnt, dass ich in einem am 17 R M. auf die beschriebene Weise angestellten Versuche ausnahmsweise sehr abweichende Resultate hirer den Einfluss der Vagi auf die Frequenz der Athemziige erhalten habe. Das grosse tr\u00e4chtige Kaninchen machte einige Zeit, nachdem es auf dem Yivisectionsbrete befestigt worden war. 64 Athemziige in der Minute. Nach Vollendung der Tracheotomie und Einbindung der Caniile wurde statt der gew\u00f6hnlichen Vermehrung, eine Verminderung der Athemziige 56. sp\u00e4ter nur 32 in der Minute beobachtet. Nach Durchschneidung beider Vagi am Halse, wurde der Rhythmus der Athmungsbewegungen zwar wie gew\u00f6hnlich etwas unregelm\u00e4ssig. dagegen fand nicht nur keine Verminderung der Frequenz. sondern, anf\u00e4nglich wenigstens, eine Vermehrung 44 in der Minute Statt.\n2. Zur Versinnlichung der Druckverh\u00e4ltnisse im Thorax hat Doxders bekanntlich einen eigenen Apparat angegeben vgl. Lelirb. S. 4o3 . Ich habe diesen Apparat etwas vereinfacht und glaube durch die Mittheiluug dieser Modification vielleicht manchem Lehrer der Physiologie einen trotz seiner Einfachheit nicht unwillkommenen Bei-","page":606},{"file":"p0607.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. 0l)7\ntrag- zur leichten Herstellung eines anschaulichen Collegium-Experimentes zu liefern.\nIch ben\u00fctze zu diesem Zwecke denselben Kolben mit den drei luftdicht durch den Kork hindurchgesteckten Glasr\u00f6hren, welcher, wie oben erw\u00e4hnt, als Luftreservoir bei den Athmungsv ersuch en dient. Ibis untere Ende der mittleren R\u00f6hre (1) wird in die Trachea einer sannnt dem Herzen und den grossen Gef\u00e4ssen ausgeschnittenen Kanin-chcnlungc eingebunden. Diese wird dann sammt dem Herzen durch den Hals des Kolbens in dessen bauchige Erweiterung, wo sie Raum hat sicli auszudehnen, hinabgeschoben und die Oeffnung des Kolbens mit ilem Korke luftdicht verschlossen.\nDas Glasgef\u00e4ss, in welchem nun die Lungen h\u00e4ngen, enth\u00e4lt Luft, nicht aber die Pleurah\u00f6hle. \u00bbDies bedingt jedoch\u00ab, wie Donders in der Beschreibung seines Apparates a. a. 0. mit Recht hervorhebt, \u00bbkeinen wesentlichen Unterschied; denn der Druck in einer geschlossenen H\u00f6hle muss nach der Spannung gemessen werden, welcher die Luft in einer solchen H\u00f6hle ausgesetzt ist\u00ab.\nMit diesem einfachen Apparate, zu welchem noch zwei mit gef\u00e4rbtem Wasser gef\u00fcllte Manometer geh\u00f6ren, lassen sich folgende S\u00e4tze demonstriren :\na dass die Lungen ihrer Ausdehnung und Lufterf\u00fcllung einen bedeutenden Widerstand entgegensetzen :\nh dass die ausgedehnten Lungen einen betr\u00e4chtlichen Druck auf die in denselben cingescldossene Luft aus\u00fcben;\ne dass die Innenfl\u00e4che der Brust und die extrapulmonalen Organe in Eolge der Retractilit\u00e4t der elastischen Lungen einem niedrigeren Drucke unterliegen Doxdkks .\nAd a) Man befestige sowohl an die mittlere I) als an die kleine R\u00f6hre rechts (2\u2018 durch dickwandige Kautschukr\u00f6hren je ein Manometer und sauge durch die R\u00f6hre links 3; die Luft zwischen Kolben und Lungenoberfl\u00e4cho heraus. In beiden Manometern wird die Fl\u00fcssigkeit im kurzen Schenkel steigen, weil der Druck im Kolben nun nicht mehr eine ganze Atmosph\u00e4re betr\u00e4gt.\nDer Manometer, welcher mit dem Raume zwischen Lunge und Glaswand communicirt. wird jedoch eine weit betr\u00e4chtlichere Druckdifferenz anzeigen. als jener, welcher mit der Lunge in Verbindung stellt. W\u00fcrden die Lungen ihrer Ausdehnung keinen Widerstand entgegensetzen (der \u00fcbrigens, wie sich zeigen l\u00e4sst, mit der Ausdehnung' derselben mehr und mehr w\u00e4chst;, so m\u00fcssten beide Manometer offenbar dieselbe Druckdifferenz anzeigen.","page":607},{"file":"p0608.txt","language":"de","ocr_de":"608 Kleine Mitteilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nDer Unterschied der beiden Druckdifferenzen kommt eben auf Rechnung des elastischen Widerstandes der Lungen.\nAd b) Saugt man durch die Rohre (3), w\u00e4hrend die R\u00f6hre 2) zugehalten wird, die Luft aus dem Kolben, so dringt die atmosph\u00e4rische Luft durch die mittlere R\u00f6hre (1) in die Lungen ein und dehnt dieselben aus.\nWird nun ein Manometer mit der R\u00f6hre (1) in Verbindung gesetzt und hierauf, wenn das Gleichgewicht hergestellt ist, der verschlies-sende Finger von der R\u00f6hre (2) entfernt, so steigt die Fl\u00fcssigkeit im l\u00e4ngeren Schenkel des Manometers, indem die Lunge ihrer Gleichgewichtslage zustrebt und durch ihre elastische Zusammenziehung die in ihr enthaltene Luft zusammendr\u00fcckt.\nAde) Befestigt man das Manometer an die R\u00f6hre (2) und bl\u00e4st die Lunge durch die mittlere R\u00f6hre (1 langsam auf, so wirdein Theil der im Kolben enthaltenen Luft durch die offene R\u00f6hre (3; anstreten, ohne dass das Gleichgewicht im Manometer gest\u00f6rt wird, jedenfalls stellt sich dasselbe alsbald her, wenn die Lunge in einem bestimmten Grade der Ausdehnung erhalten wird. Schliesst man nun die R\u00f6hre (3) durch den aufgelegten Finger luftdicht ab und entfernt die Lippen von der R\u00f6hre, durch welche man die Lunge aufgeblasen, so steigt die Fl\u00fcssigkeit in dem kurzen Schenkel des Manometers augenblicklich sehr bedeutend. Die Spannung der Luft im Kolben betr\u00e4gt n\u00e4mlich nun nicht mehr eine ganze Atmosph\u00e4re, indem die elastische lletractilit\u00e4t der ausgedehnten Lungen einen Theil des atmosph\u00e4rischen Druckes tr\u00e4gt.\nIn dem Raume zwischen Glaswand und Lunge, welcher dem extrapulmonalen Raum des Thorax entspricht, befindet sich bei dieser Anordnung des Versuches, gerade wie in der Natur, das Herz mit den grossen Gef\u00e4ssen. Jenes und diese stehen somit unter demselben geringeren Drucke wie die Innenfl\u00e4che der Brust Glaswand .\nBindet man das untere Ende der R\u00f6hre (2) in eine der grossen Venen ein. so kann man die aspirirende Wirkung der Lungenretracti-lit\u00e4t auf den ven\u00f6sen Kreislauf ad outlos demonstriren.\n3. Zur Befestigung der Kaninchen f\u00fcr Viviseetionen bediene ich mich eines l\u00e4nglich-viereckigen Bretes, in welchem nahe am Rande\n7 Bohrungen in dieser . . Anordnung angebracht sind, in denen Gei-\ngenwirbcl \u00e4hnliche Holzst\u00fccke stecken, die durch seitliche Stellschrauben flxirt werden k\u00f6nnen. An jedem dieser Wirbel ist ein starker, mit einer zuziehbaren Schlinge endender Bindfaden befestigt, der durch die Drehung des Wirbels aufzuwickeln und beliebig zu verk\u00fcrzen","page":608},{"file":"p0609.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. 609\nist. Die Schlingen der sechs paarigen F\u00e4den werden um die Gelenke der vier Extremit\u00e4ten und um die Basis der Ohren fest zugezogen. Die einfache Schlinge des siebenten Fadens, welcher an dem unpaaren Wirbel in der Mitte der schmalen oberen Seite des Bretes befestigt ist, kommt hinter die Schneidez\u00e4hne des Oberkiefers bei Katzen hinter die Eckz\u00e4hne) zu liegen. so dass man den Hals des Thieres nach Be-diirfniss strecken und \u00fcber ein untergelegtes Kissen spannen kann. Dieses Vivisectionsbret empfiehlt sich so sehr durch Billigkeit und Bequemlichkeit, dass ich es mir nicht versagen konnte dasselbe hiermit jedem Experimentator zu empfehlen.\n4.\tHerr B&e\u00f6gii , stud. med., hat sich, auf meine Veranlassung, mit einer Nachuntersuchung der interessanten, in Br\u00fccke\u2019\u00ab Laboratorium gemachten Entdeckungen von Brettauek und Steinach \u00fcber die Structur der hyalinen S\u00e4ume der Epithelialzellen der Darmschleimhaut bei Kaninchen, Hunden und Ascariden zu besch\u00e4ftigen begonnen und d\u00fcrfte seiner Zeit selbst hier\u00fcber berichten.\nVorl\u00e4ufig mag nur erw\u00e4hnt werden, dass wir die Angaben von Brettacek und Steixacii bereits in einigen wesentlichen Funkten vollkommen best\u00e4tigen konnten : namentlich: 1. die wechselnde Dicke der S\u00e4ume 'obschon ohne eine ausnahmslose Beziehung zu gewissen physiologischen Zust\u00e4nden des Darmes;. und 2. ihre deutliche Zusammensetzung aus st\u00e4bchenf\u00f6rmigen, isolirbaren K\u00f6rperchen, welche durch ihre regelm\u00e4ssige Aneinanderreihung Porencan\u00e4le Vort\u00e4uschen. Bei Ascaris vom Schwein wurden diese Verh\u00e4ltnisse ausserordentlich leicht und schon bei geringerer Vergr\u00f6sserung sehr deutlich gesehen. Von der Leichtigkeit aus dem Ascaridendarm gute Pr\u00e4parate zu bekommen, hatten mich Brettacek und Steinach schon im vorigen Winter \u00fcberzeugt.\n5.\tMein Assistent Herr Basslixgek bemerkte vor einigen Wochen an der Cardia eines ausgeschnittenen Kaninchenmagens sehr eigent\u00fcmliche rhythmische Zusammenziehungen, welche mich in gewisser Beziehung an die von Lecckart, Lereisoult.et u. A. bei Insecten, Krebsen und B\u00e4derthierehen beobachteten rhythmischen Bewegungen am Verdauungsapparat erinnerten.\nDiese Bewegungen oder Pulsationen der Cardia fehlen h\u00e4ufig ganz, zuweilen treten sie jedoch sehr energisch auf und dauern, mehr oder weniger regelm\u00e4ssig rhythmisch, l\u00e4ngere Zeit an. Mechanische Beizung der Cardia l\u00f6st dieselben zuweilen noch sehr leicht aus, wenn dieselben nicht mehr von selbst eintreten, auch das Zusammendr\u00fccken des Magens, wodurch der Speisebrei gegen die Cardia gedr\u00e4ngt wird, that dies.\nCz er malt, Schriften.\t39","page":609},{"file":"p0610.txt","language":"de","ocr_de":"(ill) Kleine Miftheiluiigen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nAm unausgeschnittenen Magen treten \u00e4hnliche Einziehungen der Cardia, wie sie am ausgeschnittenen Magen zuweilen automatisch und rhythmisch zu Stande kommen, mit jeder Schlingbewegung auf.\nAm sch\u00f6nsten und l\u00e4ngsten wurden bisher diese eigent\u00fcmlichen und mannigfachen Bewegungen der Cardia an ausgeschnittenen gef\u00fcllten M\u00e4gen von Kaninchen beobachtet, die in voller Verdauung und Resorption begriffen waren.\nWeitere Beobachtungen sollen die Bedingungen f\u00fcr das Zustandekommen der spontanen Pulsationen der Cardia des Kaninchenmagens feststellen.\nZweite Keilie.\n1. In der ersten Reihe von \u00bbMittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest\u00ab habe ich sub 1 angegeben, dass ich mich eines mit gef\u00e4rbtem Wasser gef\u00fcllten Manometers bediene, um einem zahlreichen Auditorium den Rhythmus und die Frequenz der Athemz\u00fcge und den Einfluss der Nn. vagi auf dieselben zu demonstriren.\nNachtr\u00e4glich bemerke ich hierzu, dass ich dem gef\u00e4rbten Wasser stets so viel Gummi arabicum oder Zucker oder Glycerin zusetze, dass die Fl\u00fcssigkeit massig dicklich wird und st\u00e4rker am Glase adh\u00e4rirt, weil die eigenen Schwankungen der leichtfl\u00fcssigen reinen Wassers\u00e4ule grosse Unrichtigkeiten in die Beobachtung einf\u00fchren.\nHat man hingegen den richtigen Grad von Z\u00e4hfl\u00fcssigkeit getroffen, so wird man sich \u00fcberzeugen, dass die Schwankungen im Manometer Frequenz und Rhythmus der Athemz\u00fcge so genau wiedergeben, dass es sich lohnen w\u00fcrde, dieselben graphisch zu fixiren.\n. 2. Ueber den Einfluss der Vagusdurchschneidung auf die Lage des Herzens.\nDie Akupunctur des Herzens ist bekanntlich ein sehr geeignetes Verfahren. um gewisse Verh\u00e4ltnisse des Herzschlages anschaulich zu machen. St\u00f6sst man bei Kaninchen eine Nadel durch einen Inter-costalraum. in welchem man den Ilerzstoss deutlich f\u00fchlt, bis in's Herz, so macht das \u00e4ussere Nadelende in vergr\u00f6ssertem Maassstab und in entgegengesetzter Richtung alle Bewegungen und Lagenver\u00e4nderungen mit. welche der angestochene Herzpunkt gegen den Punkt der Thoraxwand ausfuhrt, in dem die Nadel steckt.","page":610},{"file":"p0611.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mitteilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. 01 I\nIcli habe mm wiederholt die Beobachtung gemacht, dass sich die Neigung der idealen ruhenden Mittellinie, um welche die Nadel oscil-lirt, alsbald merklich \u00e4ndert, wenn man beide Vagi am Halse durchschneidet, und zwar habe ich mehrfach gesehen, dass die ruhende Mittellinie, wenn sie im Beginn des Versuches senkrecht auf der Thoraxwand stand, kurze Zeit nach der Vagusdurchschneidung \u2014 besonders wenn einige tiefe krampfhafte Ilespirationsbeweguugen eingetreten waren \u2014 eine deutliche Neigung gegen den Kopf des Thieres bekam, so dass der obere Winkel zwischen ihr und der Thoraxwand spitziger, der untere stumpfer wurde.\nAus dieser ver\u00e4nderten Neigung der oscillirenden Nadel ist auf eine solche Lagenver\u00e4nderung des angestochenen Herzpunktes gegen den durchstochenen Punkt der Thoraxwand in Folge der aufgehobenen Vaguswirkung zu schliessen, dass der erstere gegen den letzteren nach abw\u00e4rts r\u00fcckt.\nDa die Vagi sowohl auf die Herz-als auf die Athmungsbewegungen Einfluss haben, so wage ich es vorl\u00e4ufig noch nicht, einen Versuch zur Erkl\u00e4rung dieser auffallenden Erscheinung und ihres eigentlichen Zusammenhanges mit der Aufhebung der Vaguswirkung zu machen.\n3. Ueber die Wirkung des Atropins auf die Iris.\nDass das Atropin den Sphincter iridis l\u00e4hmt, wird mit Recht allgemein als bewiesen betrachtet: ob das Atropin hingegen auf den Dilatator papillae verk\u00fcrzend wirkt, wird jedoch \u2014 obgleich durch de Ruitek\u2019s ') Experimente und manche anderen Beobachtungen sehr wahrscheinlich gemacht \u2014 so lange bezweifelt werden k\u00f6nnen. als hierf\u00fcr nicht unzweideutigere Beweise beigebracht sind, denn bisher. De Roter sagt 1. c. S. 84 : \u00bb Union tantum ea\u00dfperintention irritatiomm dilatatoris vein similem reddere videtur. Niminon irritatione galcanica ad omlum animalis viventis applicata, contractionem utriusque musculi iridis effici constat, praeponderante musculo sphinclere, it.a ut pupillae con-traclio sequatur. AUquantum temporis post mortem, diminnta sphincteris magis quam dilatatoris irr Habilitate, irritationem galvanicam dilatatio sequi potest. Ita saepissime fit in cuniculis. Mydriatico autem applicato. marqo semper sat notabdis iridis superest. Si hoc in statu contractio tantum normatis adesset musculi dilatatoris, major etiam hujus contractio. pupillae dilatationem augens, expectanda foret e stimulo galvanieo appli-\n1 l)e actione Atropae IieUadonnae in iridem. Diss. Utrecht. 185.i.","page":611},{"file":"p0612.txt","language":"de","ocr_de":"b J 2 Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\ncato. Quae quum non sequ\u00e4tur in cuniculo vivo,' videtur sola instiUatione belladonnae jam maximum contraetionis gradum attigisse muscnlus dilatator\u00ab.\nHiergegen ist jedoch einzuwenden, dass der Dilatator so wie der Sphincter durch das Atropin m\u00f6glicher Weise seine Erregbarkeit ein-geb\u00fcsst haben konnte und dass nur deshalb keine Erweiterung der Pupille erfolgte, als der elektrische Eeiz applicirt wurde, und nicht weil der Dilatator durch das Atropin in sein Verk\u00fcrzungsmaximum versetzt wurde !\nFerner h\u00e4tte, um jenen Schluss bindender zu machen, wenigstens durch Messungen an einem und demselben Auge oder durch Mittelzahlen der lleweis geliefert worden sein m\u00fcssen, dass die Pupillenweite durch die Atropininstillation ihr Maximum erreicht.\nUm die vorliegende Frage, welche in mehrfacher Beziehung wichtig und interessant erscheint, einer entscheidenden L\u00f6sung entgegen zu fuhren, verfiel ich auf den Gedanken, bei eben get\u00f6dteten Kaninchen nach rascher Entfernung der Cornea den Sphincter iridis ganz auszuschneiden und die nur noch aus den Elementen des Stroma\u2019s und des Dilatators bestehende Iris der directen Einwirkung des Atropins auszusetzen, denn trat unter diesen Umst\u00e4nden die gewohnte Atropinwirkung auf die Pupille dennoch ein, so konnte sie nur als auf einer activen Contraction des Dilatators beruhend angesehen werden, wenn man sie nicht etwa gar f\u00fcr eine noch viel paradoxere passive Quellungserscheinung erkl\u00e4ren wollte.\nDiesen Gedanken hat zwar schon K\u00f6lliker 1 ausgef\u00fchrt, um den directen experimentellen Beweis zu liefern, \u00bbdass die Iris radi\u00e4re Muskelfasern besitzt und dass dieselben auf eine Beizung des Sympa-tliicus sich contrahiren\u00ab. Auch hat er schon versucht, den Dilatator unter diesen Umst\u00e4nden durch Atropin in Action zu versetzen \u2014 bis dahin jedoch ohne Erfolg.\nDurch dieses negative Resultat K\u00f6lliker\u2019s licss ich mich jedoch nicht abschrecken, abermals diesen Weg, welcher jedenfalls der ebenste und geradeste ist, einzuschlagen, indem K\u00f6lliker nur an it Kaninchen experimentirte und wahrscheinlich die Atropininstillation erst nach Beendigung der ihn zun\u00e4chst besch\u00e4ftigenden elektrischen Reizversuche vornahm, ohne vielleicht die etwa langsam eintretende Zusammenziehung des Dilatators hinreichend lange Zeit abzuwarten. Vielleicht auch war die Erregbarkeit des Dilatators schon ersch\u00f6pft.\n1 Zeitschrift f\u00fcr wissensCh. Zoologie, 1855. Bd. VI, S. H\u00dc.","page":612},{"file":"p0613.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittheiltmgen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. 613\nUm ganz sicher zu\u2018gehen, ordnete ich die Versuche, welche ich vor Kurzem in dieser Richtung gemeinschaftlich mit meinem Freunde Dr. Hibsohler und mit meinem Assistenten Dr. Balogii anstellte, folgendermaassen an.\nZuerst wurden die Kaninchen meist Albino\u2019s) mit einem hacken-artigen Messer auf einen Hieb decapitirt : dann wurde der abgeschlagene Kopf\u2014 nachdem die Haut gespalten und das Sch\u00e4deldach in der Medianlinie durchs\u00e4gt war\u2014 mit jenem hackenartigen Messer lialbirt: endlicli wurden beiderseits die Cornea und der Sphincter iridis g\u00e4nzlich abgetragen und die Durchmesser der ausgeschnittenen Pupillen mit dem Zirkel direct gemessen.\nDiese Vorbereitungen bem\u00fchten wir uns durch Theilung der Arbeit mit m\u00f6glichster Raschheit in wenigen Minuten zu beenden, so dass die fertig hergerichteten Kopfh\u00e4lften noch deutlich warm anzuf\u00fchlen waren. als auf das eine Auge \u2014 und es wurde absichtlich meist jenes Auge gew\u00e4hlt, dessen ausgeschnittene Pupille zuf\u00e4llig etwas kleiner ausgefallen war \u2014 eine starke Atropinl\u00f6sung 2 Gran schwefelsaures Atropin auf 1 Drachme destillirtes Wasser . und gleichzeitig auf das andere reines destillirtes Wasser gebracht wurde.\nDiese letztere Anordnung \u2014 n\u00e4mlich : in das andere ganz gleich vorgerichtete Auge blos destillirtes Wasser zu bringen. hielt icli f\u00fcr noting, um beide Augen bis auf das Atropin, welches in destillirtem Wasser gel\u00f6st ist, genau unter dieselben Bedingungen zu bringen, damit das blos mit destillirtem Wasser \u00fcberstr\u00f6mte Auge einen Maassstab abgeben k\u00f6nnte, bis zu welchem Durchmesser sich die des Sphincters beraubte Pupille in Folge der einfachen passiven Re-tractilit\u00e4t des Dilatators erweitert.\nIn massigen Zwischenr\u00e4umen wurden immer wieder neue Portionen der Fl\u00fcssigkeiten auf die Augen gebracht, so dass eine Schichte derselben Iris und Linse stets bedeckte und das Vertrocknen und Verkleben der Theile hinderte.\nVon Zeit zu Zeit wurden die Pupillendurchmesser mit dem Zirkel bestimmt.\nNach der Decapitation waren beide Pupillen, wie bekannt, meist stark verengt und bei Albinokaninchen kann man die Breite des Sphincters ziemlich deutlich von blossem Auge sehen, so dass es unschwer gelang, denselben vollst\u00e4ndig abzutragen. Nichtsdestoweniger habe ich nachtr\u00e4glich sowohl den ausgeschnittenen nat\u00fcrlichen Pupil-larrand. als auch die zur\u00fcckgebliebene Iris \u2014 nach Behandlung mit","page":613},{"file":"p0614.txt","language":"de","ocr_de":"614 Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nverd\u00fcnnter Essigs\u00e4ure \u2014 genau mikroskopisch untersucht, um mich \u00fcber das Gelingen der totalen Ausschneidung des Sphincters zu vergewissern.\nNach der Ausschneidung des Sphincters, auch wenn sie nicht ganz vollst\u00e4ndig gelungen ist, werden die Durchmesser der Pupille sofort betr\u00e4chtlich gr\u00f6sser und nehmen auch in dem blos mit destillirtem Wasser behandelten Auge noch l\u00e4ngere Zeit hernach ganz allm\u00e4hlich zu, w\u00e4hrend die Iris an Breite abnimmt.\nIn dem Auge, welches mit Atropinl\u00f6sung befeuchtet wird, nehmen die Durchmesser der Pupille jedoch nicht nur betr\u00e4chtlich rascher zu \u2014 besonders auffallend ist diese raschere Zunahme, wenn sie, wie meistens geschieht, in einem der schr\u00e4gen Durchmesser auftritt ; \u2014 sondern erreichen auch constant eine schon dem blossen Auge merkliche bedeutendere Gr\u00f6sse als in dem mit purem destillirtem Wasser behandelten Auge.\nHierzu kommt noch, dass die Iris des mit Atropin behandelten Auges nicht nur bald merklich weniger durchscheinend wird, sondern auch an ihrer vorderen Fl\u00e4che gew\u00f6lbter erscheint, was entschieden auf eine Verdichtung und Verk\u00fcrzung der nach K\u00f6lliker an der hinteren Irisfl\u00e4che liegenden Radialfasern hindeutet.\nEndlich gleichen sich die Zacken und Unregelm\u00e4ssigkeiten der ausgeschnittenen Pupille in dem mit Atropin behandelten Auge viel vollst\u00e4ndiger aus und runden sich viel gleichm\u00e4ssiger al), als in dem anderen Auge, wo der scharf bleibende k\u00fcnstliche Pupillarrand jede Zacke, jede gerade Schnittlinie zu derselben Zeit noch deutlich erkennen l\u00e4sst.\nDiese constanten und auffallenden Differenzen in den Pupillen und Indes beider Augen blieben wesentlich unge\u00e4ndert auch wenn wir die Kopfh\u00e4lften hernach 12 Stunden lang, nat\u00fcrlich jede in einem besonderen Gef\u00e4sse, in destillirtem Wasser liegen Hessen.\nDiese Differenzen finden nun ihre nat\u00fcrliche Erkl\u00e4rung offenbar nur darin, dass in dein mit Atropin behandelten Auge nebst der elastischen Retractilit\u00e4t der vom spannenden Zuge des Sphincters befreiten Iriselemente, \u00fcberdies noch eine active Zusammenziehung in radi\u00e4rer Richtung sich geltend macht, welche wohl nur als eine directe Verk\u00fcrzung des noch reizbaren Dilatators, in Folge der Atropinwirkung, welche paradoxer Weise den aus fast identischen Elementen vgl. K\u00f6lliker: gewebten Sphincter l\u00e4hmt und erschlafft! aufgefasst werden kann. Avenu man nicht etwa an eine passive Quel-lungserschcinung denken will.","page":614},{"file":"p0615.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittlieilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest, 615\nEs unterliegt aber nun wenigstens keinem Zweifel mehr, dass die Pupillenerweiterung nach Atropininstillation auch im Lehen nicht b 1 o s auf einer Erschlaffung und L\u00e4hmung des Sphincters und auf der Retractilit\u00e4t des Dilatators in Folge seines Tonus und seiner Elasti-cit\u00e4t, sondern zugleich auch auf einer durch die Atropinwirkung bedingten Verk\u00fcrzung der Iris in radi\u00e4rer Richtung beruht.\nSchliesslich theile ich zwei unserer Versuche in extenso als Beleg mit, hei welchen die nachtr\u00e4gliche mikroskopische Untersuchung der Iris auch nicht die Spur eines Sphincterrestes am Pupillarrande auf-finden liess.\nA.\nMittelgrosses Albinokaninchen, um 10h 13m decapitirt, der Kopf halbirt, Cornea und Sphincter beiderseits ausgeschnitten; Vorbereitungen beendet um IO\u20191 18m.\nPupillendurchmesser in Millim.\n\tRechtes Auge.\t\t\tLinkes Au\t\t? e.\nZeit\t\t\tschr\u00e4g von\t\t\tschr\u00e4g von\n\t\t\tvorn und\t\t\tvorn und |\n\tvertical\thorizontal\toben nach\tvertical\thorizontal\toben nach j\n\t\t\thinten und\t\t\thinten und\n\t\t\tunten\t\t\tunten\nloh 18m\t7 \u2022 O\t7 \u2022 3\t\u2014\t7 \u2022 7\t7 \u2022 5\t\u2014\nio n\u00bb\tAtropin instillirt\t\t\tWasser instillirt\t\t\n\tHeftige Zuckungen in den\t\t\tHeftige Zuckungen in den\t\t\n\tKaumuskeln\t\t\tKaumuskeln\t\t\n\t7 \u2022 1\ts \u2022 o\t9 \u2022 0\tS \u2022 0\t8 \u2022 o\t\t\n20\t9 \u2022 0\tS \u2022 9\t9 \u2022 0\t8 \u2022 o\t8-2\tS \u2022 0\n10 31\tIris milchig getr\u00fcbt, wulstig\t\t\tIris durchscheinend, flach, d\u00fcnn\t\t\n10 30\t9 \u2022 0\t9 \u2022 1\t9-4\t8 \u2022 5\t8 \u2022 5\t8 \u2022 4\n11 30\t9 \u2022 1\t9 \u25a0 5\t9 \u2022 5\t8 \u2022 5\t8 \u2022 5\t8 \u2022 5\n12\t9 \u2022 5\t9 \u2022 5\t9 \u2022 5\t8 \u2022 5\t8 \u2022 5\t\u2014\n9 Abd.\t9 \u2022 5\t9 \u2022 5\t9 \u2022 5\t8 \u2022 5\t8 \u2022 5\t\t I\nUeber Nacht wurden beide Kopfh\u00e4lften\t\t\t\tin destillirtes Wasser gelegt\t\t\n9>> Fr\u00fch\t9 \u2022 0\t9 \u2022 0\t-\tS \u2022 5\t8 \u2666 5\t\u2014 I","page":615},{"file":"p0616.txt","language":"de","ocr_de":"61 (5 Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nB.\nKleines Albinokaniuch en um 10h 45m decapitirt, der Kopf halbirt, Cornea und Sphincter beiderseits ausgeschnitten : Vorbereitungen beendet\num IO'1 51m.\nPupillardurchmesser in Millim.\nZeit\tRechtes Auge\t\tLinkes Au\tge\t|\n\t! F dir\tiS')\t[ vertical j horizontal\tschr\u00e4g \u2022)\t\n\tli.\tV.\t\th.\tV. |\n1 f)h 5 2\u2122\t7-4\t-\t7-5\t' 7 \u2022 4\t7-0\t7-5\t1\t7 \u2022 7\t7 \u2022 0\t7 \u2022 G\n10 53\tAtropin instillirt\t\tWasser instillirt\t\t\n11 10\t8-0\t| S\u20220 j 6 \u2022 0\t8-0\t7-0\t|\t7-5\t7-0\t7-8\n11 21\tIris getr\u00fcbt, wulstig\t\tIris durchscheinend, flach\t\t\n11 30\t8-0 I S \u2022 II 1 \u2014\t\u2014\t7-6\t7 \u2022 II\t\u2014\t\ni\t3 \u2014\t8-0\tS-o\t\u2014\t\u2014\t7-6\t7 \u25a0 0\t\u2014\t\nDes anderen Tags\tDie Nacht \u00fcber lagen beide Augen in dcstillirtem Wasser\t\t\t\t\n9h \u2014 Fr\u00fch\t8-0 , 8-0 \u2014\t\t7-2 j 7-2\t\u2014\t\t\nDritte Reihe.\n1. Ueber die Wirkung des Atropin aut die Iris (Fortsetzung .\nAus unseren in der zweiten Reihe2, dieser Mittheilungen ver\u00f6ffentlichten Versuchen hatte sich ganz unzweideutig ergeben, dass die Erweiterung der Pupille nach Atropininstillation nicht blos mittelbar auf der L\u00e4hmung und Erschlaffung des Sphincters beruht, sondern dass sich die Iris zugleich auch unmittelbar in Folge der specifischen Atro-pinwirkung in radi\u00e4rer Richtung st\u00e4rker zusammenzieht, als es der einfachen Retractilit\u00e4t entspricht, welche den unver\u00e4nderten oder nur mit Wasser befeuchteten Iriselementen verm\u00f6ge ihresTonus und ihrer E1 astici-tat zukommt.\nDiese neue Thatsache. durch unsere Versuche als sichergestellt vorausgesetzt. entsteht nun die weitere Frage, auf welche Art das Atropin diese Zusammenziehung in radi\u00e4rer Richtung bewirkt.\n1\tschr\u00e4g h. \u2014 schr\u00e4ger Durchmesser von hinten und oben nach vorn und unten,\nschr\u00e4g v. \u2014\t-\t-\t- vorn -\t-\t- hinten -\n2\tS. den unmittelbar vorhergehenden Aufsatz.","page":616},{"file":"p0617.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittlieilungcn aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. 7\nIch Italic midi schon a. ;t. 0. dahin ausgesprochen, dass man wohl nur annehmen k\u00f6nne, dass das Atropin, wie schon de Heiter nachzuweisen bem\u00fcht war, den noch reizbaren Dilatator iridis direct zur Zusammenziehung veranlasse, indem man ja kaum an eine blos passive Quellungserscheinung, behufs der Erkl\u00e4rung jener Tliat-saclic, denken d\u00fcrfe.\nIch st\u00fctzte mich hierbei besonders auf die Beobachtung, dass die Iris, deren Sphincter ganz ausgeschnitten ist, in dem mit Atropin behandelten Auge nicht nur weniger durchscheinend wird, sondern auch an ihrer vorderen Fl\u00e4che st\u00e4rker gew\u00f6lbt (gewulstet) erscheint, als jene in dem mit reinem destillirtem Wasser behandelten Auge, was entschieden auf eine active Contraction des Dilatators hindeutet.\nNichts desto weniger k\u00f6nnte man dieser einfachsten und am n\u00e4chsten liegenden Deutung der thats\u00e4chlichen Erscheinungen entgegenhalten. wie es doch gar zu paradox sei, dass das Atropin l\u00e4hmend auf den Sphincter und zugleich erregend auf den gleichfalls aus contrac-tilen Faserzcllcn bestehenden Dilatator wirken solle, \u2014 und ferner wie sich Alles eben so gut erkl\u00e4ren liesse, wenn man nur die ganz unverf\u00e4ngliche Annahme machen wolle, dass sich nach der Atropinin-stillation, in Folge einer ganz passiven Quell ungsers eh ei-nung die Elasticit\u00e4t der Irisclemente, z. B. des Stroma\u2019s oder des Dilatators, in der Art \u00e4ndern w\u00fcrde, dass sich entweder die Widerst\u00e4nde. welche auch nach der g\u00e4nzlichen Ausschneidung des Sphincters , der einfachen lietractilit\u00e4t des Dilatators entgegenwirken, betr\u00e4chtlich mindern, oder dass die Kraft der lietractilit\u00e4t des Dilatators zunimmt.\nObschon die hypothetische Vorstellung von solchen passiven Quellungserscheinungen nicht ohne weiteres als unstatthaft von der Hand zu weisen ist, so wird man doch wenig geneigt sein dieselbe in ihrer ganzen Ausdehnung zu adoptiren, wenn man bedenkt, dass die Atropinwirkung nur so lange Zeit nach dem Tode noch in gewohnter Weise eintritt. alsder Dilatator seine II eizbarkeitbewa hr t liai)en kann.\nIch habe hier\u00fcber eine besondere Versuchsreihe angestellt, indem ich die Pr\u00e4paration und Behandlung der abgeschlagenen Kaninchenk\u00f6pfe, ganz in der fr\u00fcher beschriebenen Weise erst nach 1, 3, 6, 12, 24 Stunden nach der Decapitation vorgenommen habe.\nEs zeigte sich hierbei, dass die aus meiner vorigen Mittheilung bekannten Atropinwirkungen auf die ihres Sphincters beraubte Iris n u r bei dem 1 Stunde nach der Decapitation untersuchten Kaninchen unzweideutig erkennbar waren, w\u00e4hrend bei den \u00fcbrigen 3, 6, 12,","page":617},{"file":"p0618.txt","language":"de","ocr_de":"tilg Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\n24 Stunden nach dem Tode untersuchten Augen keine entschiedene Atropinwirkung beobachtet werden konnte.\nDie Pupille erweiterte sich zwar in a 11 e n F\u00e4llen nach Ausschneidung des Spincters allm\u00e4hlich ziemlich bedeutend, allein \u2014 mit Ausnahme des 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Falles \u2014 wurde die Pupille des mit Atropin behandelten Auges weder weiter als die des mit reinem Wasser behandelten Auges, noch geschah die Erweiterung rascher.\nAuch die \u00fcbrigen (bei den m\u00f6glichst kurze Zeit nach der Decapitation angestellten Versuchen) beobachteten constanten Verschiedenheiten im Aussehen des k\u00fcnstlichen, durch die Entfernung des Sphincters ausgeschnittenen Pupillenrandes und der Iris selbst, waren nur in dem einen Falle einigermaassen ausgepr\u00e4gt.\nUm in dieser Beziehung ganz sicher zu gehen, habe ich s\u00e4mmt-liche Objecte dieser Versuchsreihe meinem Freunde Dr. Hirschlek, welcher diesmal verhindert war sich an den Versuchen selbst zu betheiligen und daher als ganz unbefangen betrachtet werden konnte, vorgelegt, damit er durch die blosse Besichtigung herausfinde, welche Augen mit Atropin und welche mit blossem Wasser behandelt worden waren.\nBei dem 1 Stunde nach dem Tode untersuchten Kaninchen be-zeichnete er augenblicklich und mit voller Entschiedenheit richtig das mit Atropin behandelte Auge. In allen \u00fcbrigen F\u00e4llen machte er hingegen schwankende und meist unrichtige Angaben, weil er nur auf gut Gl\u00fcck rathen konnte.\nHiermit ist nun zwar die Beizung des Dilatators durch Atropin nicht streng erwiesen, man darf dieselbe aber wohl mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit als die begr\u00fcndetste Erkl\u00e4rung der bekannten Thatsaeken annehmen.\nAlles wohlerwogen, komme ich zu dem Schluss, dass das Atropin in die Reihe der chemischen Muskelreize zu stellen, und seine specifische Wirkung auf die Iris wesentlich von diesem Standpunkt aus zu erkl\u00e4ren ist.\nUm sich \u00fcbrigens das Paradoxe der anscheinend ganz entgegengesetzten Atropin Wirkung auf identische Muskelb\u00fcndel, wie Sphincter und Dilatator iridis einigermaassen zurechtlegen zu k\u00f6nnen, m\u00f6chte wohl vor Allem daran zu erinnern sein, dass die Elemente des Sphincters, nach K\u00f6lliker\u2019s richtiger Angabe, denn doch \u2014 abgesehen von ihrer gr\u00f6beren Anordnung \u2014 selbst in histologischer Beziehung, sowohl hinsichtlich ihres Habitus als hinsichtlich ihrer leichteren Dar-stellbarkeit, mancherlei Abweichendes von jenen des Dilatators er-","page":618},{"file":"p0619.txt","language":"de","ocr_de":"Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest. (> 19\nkennen lassen, und ferner dass die chemischen Muskelreize mit der Erregung die Erregbarkeit vor\u00fcbergehend oder bleibend vernichten.\nEs w\u00e4re n\u00e4mlich hiernach eine nur graduell verschiedene, keine entgegengesetzte Wirkung des Atropin auf Sphincter und Dilatator iridis ganz gut denkbar, indem ja die der L\u00e4hmung durch Atropin vorausgehende Erregung der Faserzellen des Sphincters m\u00f6glicher Weise ungleich schw\u00e4cher und k\u00fcrzer als beim Dilatator aus-fallen k\u00f6nnte, und nur desshalb nicht zu beobachten w\u00e4re ! \u2014\n2. Reizversuche an halbirten Kaninchenk\u00f6pfen.\nDas Decapitiren von Kaninchen mit einem grossen hackenartigen Messer und das Halbiren derselben mit diesem Instrument, welches nach Spaltung der Haut und Durchs\u00e4gung des Sch\u00e4deldaches in der S\u00e4gelinie eingesetzt und durchgeschlagen wird, geht so rasch von Statten und ist so einfach, dass die Vorbereitungen zu Reizversuchen \u00fcber gewisse Hirnnerven durch diese Manipulation sein- wesentlich abgek\u00fcrzt und erleichtert werden.\nMan kann auf diese Weise recht instructive Coll\u00e9gien-Versuche anstellen und desshalb erlaube ich mir den Gegenstand hier zur Sprache zu bringen.\nAbgesehen von der Erregung der motorischen Nervenbahnen, unter denen besonders die des A. hypoylossus sehr pr\u00e4cis und verh\u00e4lt-nissm\u00e4ssig lange Zeit nach dem Tode anspricht, ist es mir auch gelungen den LuDwiG\u2019schen Speichelversuch an der Parotis anzustellen und das Thr\u00e4nendr\u00fcsen-Secret auf Reizung des Trigeminusstammes zu reichlicherem Abfluss zu verm\u00f6gen.\na Der von Ludwig in seinen ber\u00fchmten physiologischen Expe-rimentalcursen seit langer Zeit an der Parotis des Kanincli eus d e m o n s t r i r t e S p e i c h e 1 v e r s u c h besteht bekanntlich darin, dass man am lebenden Thier zun\u00e4chst die beiden Carol, intern, unterbindet, um die sp\u00e4teren Blutungen zu mindern, sodann den Sch\u00e4del er\u00f6ffnet, enthirnt und N. facialis im Meatus audit, intern, mit Inductionsstr\u00f6men reizt. Vorher ist der Ductus Stenonianus blossgelegt und angeschnitten worden. Dr\u00fcckt man nun ein St\u00fcckchen rothes Lackmuspapier an die er\u00f6tfnete Stelle an, so entsteht auf demselben ein w\u00e4hrend der Facialis-Reizung sich v e r g r \u00f6 s s e r n d e r blauer Fleck durch den aufgesaugten stark alkalischen Speichel.\nDieser Versuch gelingt, wie gesagt, noch ganz gut an einer so eben von dem \u00fcbrigen Thiere getrennten Kopfh\u00e4lfte, was um so bemerkenswerther ist, als hier die Secretion des Speichels durch Rei-","page":619},{"file":"p0620.txt","language":"de","ocr_de":"620 Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest.\nz un g des -V. facialis eiiigeleitet wird, w\u00e4hrend in dieser Dr\u00fcse die Blutcimilation und der Blutdruck g\u00e4nzlich aufgeh\u00f6rt halten.\nDie ans dem angeschnittenen Ductus Skmmianus in Folge der Faeialis-Reizuug zu Tage tretenden Speieli eitropfen sind \u00fcbrigens ein wirklicher Beweis f\u00fcr die secretorisehe Tlnitigkcit der Parotis und nicht etwa durch Druck auf die Dr\u00fcse oder den Ductus mechanisch ausgepresst . denn dazu ist die an und f\u00fcr sich allerdings sehr geringe Speichelmenge doch zu gross und dann entbehrt die Parotis selbst angeblich aller Muskelfasern und ist durchaus nicht so gelagert, dass sie nicht vor einer Compression durch die bei der Facialis-Reizung in tetanisehe Contraction geratlienden Muskeln gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnte.\nb Bei Gelegenheit des beschriebenen Bpeichelversuches war einmal zuf\u00e4llig bemerkt worden, dass das rotlie Lackmuspapier an der Stelle, wo es die Augenlidspalte ber\u00fchrte. einen nassen blauen Fleck bekam. was nur auf eine Vermehrung der Feuchtigkeit im Sack der Conjunctiva in Folge der Heizung der Nerven bezogen werden konnte.\nWir schoben dcsshalb bei sp\u00e4teren Versuchen ein zusammenge-legtes St\u00fcckchen rothes Lackmuspapier unter das obere Augenlid in den hinteren. \u00e4usseren Augenwinkel und sahen nun auf Heizung des Stammes des Nervus Trigeminus einen rasch wachsenden blauen Fleck von ausfiiessenden Thr\u00e4nen entstellen. Auch glauben wir bemerkt zu haben, dass die Menge des Secretes der Conjunctiva und der im vorderen, inneren Augenwinkel am unteren H\u00e4nde des Nickknorpels m\u00fcndenden HAKDEn'scheu Dr\u00fcse einige rmaassen zunahm.\nDas Secret der IlAROERSchen Dr\u00fcse ist. beil\u00e4ufig bemerkt. eine milchige Fl\u00fcssigkeit, welche zahllose zitternde Fettmoleeule f\u00fchrt und alkalisch reagirt.\nDie Ausf\u00fchrungsg\u00e4nge der herauspr\u00e4parirten HAUDEifschen Dr\u00fcse erschienen \u00fcberaus zierlich mit dieser weissen Fl\u00fcssigkeit injieirt.","page":620}],"identifier":"lit16191","issued":"1879","language":"de","pages":"605-620","startpages":"605","title":"Kleine Mittheilungen aus dem k. k. physiologischen Institute in Pest","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:25:43.986403+00:00"}

VL Library

Book Section
Permalink (old)
http://vlp.uni-regensburg.de/references?id=lit16191
Licence (for files):
Creative Commons Attribution-NonCommercial
cc-by-nc

Export

  • BibTeX
  • Dublin Core
  • JSON

Language:

© Universitätsbibliothek Regensburg | Imprint | Privacy policy | Contact | Icons by Font Awesome and Icons8 | Powered by Invenio & Zenodo