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Flourens' Experimente an Vögeln über die halbcirkel-förmigen Canäle

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{"created":"2022-01-31T16:03:41.354136+00:00","id":"lit16193","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 625-628. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0625.txt","language":"de","ocr_de":"XL VL\nFlourens\u2019 Experimente an V\u00f6geln \u00fcber die halbcirkel-f\u00f6rmigen Can\u00e4le,\n[Orvosi Het\u00fcup, Pest, October I860 mul Comptes rendus I860.]\nFlourens machte schon in den Jahren 1S24\u20141S28 die Erfahrung, dass bei dem Durchschneiden der Semicircularcan\u00e4le, welche mit dem Yorhofe und der Schnecke das Labyrinth des Ohres bilden, den, bei Verletzung gewisser Gehirntheile vorkommenden Zwangsbewegungen \u00e4hnliche Symptome eintreten. Obgleich Flourens\u2019 Erfahrung seit 30 Jahren her datirt und die fraglichen Symptome zu den auffallendsten und eigenth\u00fcmlichsten F\u00e4llen der experimentalen Physiologie geh\u00f6ren, fielen sie doch der Vergessenheit anheim und ich erinnere mich keiner Physiologie, in welcher ich eine diesbez\u00fcgliche Notiz gelesen h\u00e4tte.\nIch lernte Flourens1 Experimente bei meinem letzten Pariser Aufenthalte kennen, als sein: \u00bb R\u00e9cherches exp\u00e9rimentales sur les propri\u00e9t\u00e9s et les fonctions du Syst\u00e8me nerveux. Paris l S42 \u00ab betiteltes Werk mir wieder in die H\u00e4nde fiel. Bei der sorgsamen Durchsicht desselben stiess ich auf die ausf\u00fchrliche Beschreibung jener wichtigen Experimente, die bisher so geringer Aufmerksamkeit gew\u00fcrdigt wurden. Ich entschloss mich allsogleieh, Flourens\u2019 Experimente bei n\u00e4chster Gelegenheit zu pr\u00fcfen und, nach der eingehenden Pr\u00fcfung der Thatsachen deren Zusammenhang, soweit als m\u00f6glich, zu erforschen. Da ich Paris jedoch sogleich verlies\u00bb, konnte ich mein Vorhaben nicht sofort ausf\u00fchren. \u2014\nAber schon in Ischl, wo ich mich, bei meiner R\u00fcckkehr wegen Familienangelegenheiten, auf hielt, bot mir der dortige Badearzt Dr. Mastalter die gew\u00fcnschte Gelegenheit einige Experimente anzustellen. und bald nachdem ich in Pest anlangte, f\u00fchrte ich zu diesem Zwecke in dem hiesigen physiologischen Institute in Gemeinschaft mit\nCzermalc, Schriften.\t40","page":625},{"file":"p0626.txt","language":"de","ocr_de":"620 Flourens' Experimente an V\u00f6geln \u00fcber die halbcirkclf\u00fcrmigcn Can\u00e4le.\ndem Assistenten Dr. Balogii einige vorl\u00e4ufige Versuche aus, deren Ergebniss icli hiermit ver\u00f6ffentliche. \u2014\nUeberblicken wir vor Allem im Kurzen Feourexs\u2019 Angaben : (Seite 4S0 .\n\u00bb1. Dans les lapins, comme dans les pigeons, la section des canaux horizontaux est suivie d\u2019-un mouvement horizontal, et la section des canaux verticaux d\u2019un mouvement vertical de la t\u00eate.\nDe plus, la section du canal horizontal est suivie d\u2019un tournoiement de l\u2019animal sur lui m\u00eame; cette du canal vertical post\u00e9rieur . d\u2019un mouvement de culbute en arri\u00e8re ; et celle du canal vertical ant\u00e9rieur d'un mouvement de culbute en avant. . . .\n3.\tDans les lapins, comme dans les pigeons, le mouvement de la t\u00e8te cesse dans le repos ; il rena\u00eet par le mouvement, et it s\u2019accro\u00eet toujours d'autant plus que les autres mouvements sont plus rapides.\n4.\tLes mouvements qu entra\u00eene la section des canaux semiai ciliaires sont toujours les m\u00eames pour les m\u00eames canaux, toujours diff\u00e9rents pour les diff\u00e9rents canaux, dans les lapins comme dans les pigeons : et c\u2019est une chose digne de remarque sans doute, qu'il y ait pr\u00e9cis\u00e9ment autant de directions diff\u00e9rentes de ces mouvements qu\u2019il y a de directions principales ou cardinales de tout mouvement : d\u2019avant en arri\u00e8re et d\u2019arri\u00e8re en avant: \u00eele haut en bas et de bas en haut; de droite M gauche et de gauche \u00e0 droite. . . .\n6. Enfin le mouvement de la t\u00e8te . suite de la section des deux canaux, soit verticaux, soit horizontaux, persiste toujours dans les lapins comme dans les pigeons, quoique moins \u00e9nergiquement dans les premiers comme dans les seconds; et dans les uns comme dans les autres, bien qu\u2019il persiste, il t\u00e9emp\u00eache pas l\u2019animal de vivre et de conserver tout ses sens et toute son intelligence. \u2014\nLes mouvements singuliers, que d\u00e9termine la section des canaux se-micirculaires se produisent donc dans les mammif\u00e8res comme dans les oiseaux.\nLes mouvements constituent donc un ph\u00e9nom\u00e8ne qui, jusqu\u2019 ici, se montre aussi g\u00e9n\u00e9ral qu\u2019l est \u00e9tonnante. \u2014\nBisher machte ich nur an V\u00f6geln, u. zw. an 16 Tauben und an einem Sperling, das Experiment, kraft dessen ich Flourexs\u2019 Behauptungen v\u00f6llig best\u00e4tigen kann. Ich best\u00e4tige, dass : das Durchschneiden der Bogeng\u00e4nge bei den V\u00f6geln im Gebiete der Bewegungsfunctionen die eigcnthUmlichsten St\u00f6rungen hervorbringt, sowie auch das Verletzen jedes einzelnen Paares der 3 Bogeng\u00e4nge specielle St\u00f6rungen mit sich bringt.\nWeiter, dass wenn die Tliiere wieder beruhigt sind, die mindeste","page":626},{"file":"p0627.txt","language":"de","ocr_de":"Fleurons' Experimente an V\u00f6geln \u00fcber die hnlbcirkelf\u00fcrmigcn Can\u00e4le. (327\nErregung gen\u00fcgt, um jene St\u00f6rungen desto st\u00e4rker liervorzurufen, je energischer und schneller sie sich bewegen wollen.\nAuf die Details der Symptome n\u00e4her eingehend :\nkann ich best\u00e4tigen, dass das Durchschneiden der beiderseitigen horizontalen Bogeng\u00e4nge ein schnelles Sch\u00fctteln des Kopfes in ebenfalls horizontaler Richtung, von rechts nach links und von links nach rechts, nach sich zieht.\nDie Bewegungen des sich selbst \u00fcberlassenen Thieres wechselten dahin ab, dass es grosse Neigung zeigte, sich in der einen oder andern Richtung um sich zu drehen, oder im Kreise zu laufen. In einigen F\u00e4llen beobachtete icli, dass das seines Gleichgewichtes ganz und gar beraubte Thier, wie nacli Verletzung der Varol scheu Br\u00fccke, sich aufs heftigste nach rechts oder links drehend, endlich zur Erde st\u00fcrzte, ln die Luft geworfen, f\u00e4llt das unsicher fliegende Thier, sich um seine Axe drehend, sofort zur Erde.\nNach dem Durchschneiden der beiderseitigen oberen verti-calen Bogeng\u00e4nge bewegt sich der Kopf in fortw\u00e4hrend bejahender Weise und beim Gehen oder Laufen zeigt sich entschiedene Neigung zum Vorw\u00e4rtsfallen: nach dem Durchschneiden des unteren v e r t i c a len B o g e n g a n g p a a res dagegen zeigt sieh . neben der gleichfalls bejahenden Bewegung des Kopfes, beim Gehen oder Laufen Neigung zum R\u00fcckw\u00e4rtsfallen.\nNach dem Durchschneiden des unteren verticalen Bogengangpaares manifestirten sich die bejahenden Bewegungen mit ganz ausserordentlicher Rapidit\u00e4t und Heftigkeit : das Thier verlor die Herrschaft \u00fcber seine Glieder und nach jedem Bewegungsreiz machte cs mit entsetzlicher Anstrengung Purzelb\u00e4ume nach r\u00fcckw\u00e4rts (suite de culbutes en arri\u00e8re und st\u00fcrzte dann hin. Bei dieser Bewegung breitete sich der Schwanz f\u00e4cherartig aus und dr\u00fcckte sich an den R\u00fccken an. Kopf und Hals waren zur\u00fcckgeworfen, so dass das Thier wie ringf\u00f6rmig gebogen erschien, und durch die Fl\u00fcgel und ausgespreizten Fiisse gleich einem Rade fortgetrieben wurde.\nDie durch Flourens entdeckten Erscheinungen wurden daher auch durch die in unserem Institute an Tauben gemachten Experimente best\u00e4tigt: trotzdem kann ich jedoch nicht unerw\u00e4hnt lassen, dass dieselben je nach dem Vorgehen, wie und an welchem Theile der Bogeng\u00e4nge das Experiment vollbracht wird, sich sehr verschieden zeigen.\nJe mehr das Verletzen der die Bogeng\u00e4nge verfolgenden ven\u00f6sen \u2022Sinus und dadurch die Blutung gemieden wird. \u2014je reiner ferner","page":627},{"file":"p0628.txt","language":"de","ocr_de":"()28 Floureiis Experimente an V\u00f6geln Uber die halbcirkelf\u00fcrniigen Can\u00e4le.\ndie Verletzung der Bogeng\u00e4nge geschieht. mit desto geringerer Hast werden die erw\u00e4hnten Bewegungsst\u00f6rungen eintreten.\nAuch der Verletzungsort der Bogeng\u00e4nge scheint auf den Grad der St\u00f6rungen von sehr grossem Einfl\u00fcsse zu sein.\nDie eigentlichen Bedingungen der erw\u00e4hnten merkw\u00fcrdigen Erscheinungen k\u00f6nnen daher hei Weitem noch nicht f\u00fcr festgestellt betrachtet werden: es ist sogar auch das fraglich, oh die St\u00f6rungen eintreten w\u00fcrden, wenn sich die Verletzungen ausschliesslich und allein auf die h\u00e4utigen Bogeng\u00e4nge beschr\u00e4nkte, welche in Knochencan\u00e4len eingeschlossen sind. Dieser Zweifel ist schon deswegen gestattet. w7eil nicht anzunehmen ist. dass die beinahe ganz aus einer structurlosen, glasartigen Membran bestehenden Bogeng\u00e4nge die Bewegung direct influenziren. daher in jedem Falle zwischen der Verletzung der Bogeng\u00e4nge und der enormen St\u00f6rung der Bewegungsfunctionen ein mittelbarer Zusammenhang gesucht werden muss.\nDie Aufkl\u00e4rung all\u2019 dieser Fragen, sowie die Er\u00f6rterung des ganzen merkw\u00fcrdigen Problems muss somit zuk\u00fcnftigen Experimenten und anatomischen Studien \u00fcberlassen bleiben.\nDas Interesse, das den Physiologen an dieses Problem fesselt, ist sehr gross, wenn man bedenkt, dass sich Flourexs in allen F\u00e4llen von der Unversehrtheit des Gehirns \u00fcberzeugte, \u2014 dass die Symptome an jedem der drei Bogengangpaare eigenth\u00fcmlieh und charakteristisch von einander abweichend sind. \u2014 und dass endlich die erw\u00e4hnten Symptome in keinem Falle der unmittelbaren Verletzung des Gehirns folgten.\nUm das Interesse des praktischen Arztes zu erwecken. erw\u00e4hne ich eine Stelle aus Flourens' Werke, welche sich auf das eigenth\u00fcm-liche Sch\u00fctteln des Kopfes (branlement imp\u00e9tueux de la t\u00eate bezieht.\nSeite 467 fragt er :\n\u00bbLe branlement imp\u00e9tueux de la t\u00e8te qui vient d'etre d\u00e9crit est donc un ph\u00e9nom\u00e8ne propre aux canaux semi-circulaires. En outre . ce ph\u00e9nom\u00e8ne est. d\u2019autant plus important \u00e0 consid\u00e9rer qu'il n'est pas rare de le nui\u2022 constituer un sympt\u00f4me plus ou moins dominant dans plusieurs maladies , soit de l'homme soit des animaux : et c\u2019est sans doute un propres de diagnostic, qui ne sera pas perdu pour la th\u00e9rapeutique. que la d\u00e9termination du si\u00e8ge d\u2019un aussi singulier sympt\u00f4me \u00ab.","page":628}],"identifier":"lit16193","issued":"1879","language":"de","pages":"625-628","startpages":"625","title":"Flourens' Experimente an V\u00f6geln \u00fcber die halbcirkel-f\u00f6rmigen Can\u00e4le","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:03:41.354141+00:00"}

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