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Zur objectiven Erklärung einiger sogenannten subjectiven Gesichtserscheinungen

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{"created":"2022-01-31T16:13:07.425797+00:00","id":"lit16194","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 629-639. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0629.txt","language":"de","ocr_de":"XL VII.\nZur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sogenannten subjecti-ven Gesichtserscheinungen,\n[ Wiener akacl. Silzungsber., XLIII. Bd.ISlil u. Moleschott's l'nlersurhungen, VIII. Bri.]\n1. Die elliptischen Lichtstreifen.\nSchon Pt'RKYN\u00c8 beschreibt in seinen \u00abBeobachtungen und Versuchen zur Physiologie der Sinne-\u00ab. Bd. IL Berlin 1825, S. 71 unter dem Namen der \u00bbelliptischen Lichtstreifen\u00ab eine zarte Lichterscheinung, welche entsteht, wenn man im Finstern das Bild einer kleinen leuchtenden Fl\u00e4che nahe bei deren Axenpuukt und nach aussen von demselben auf die Netzhaut fallen l\u00e4sst.\n\u00bbUm die Beobachtung geh\u00f6rig zu verl\u00e4ngern\u00ab, heisst es 1. c., \u00bb schnitt ich von Zflndscliwamm einen langen d\u00fcnnen Streifen und liess ihn in der Dunkelheit abglimmen. Nun konnte ich das Ph\u00e4nomen bequem und in seinem ganzen Umfange beobachten. Das Bild des verglimmenden Schwammes darf nicht genau im Axenpuukt des Auges liegen. sondern nahe daneben nach innen auf der Betina. also nach aussen vom Axenpuukt. (.'/.. . Man erblickt sogleich beim ersten Hinsehen. wo der Eindruck auf's Auge am lebhaftesten ist. von dem oberen und unteren Umfange des leuchtenden Bildes zwei elliptische Streifen, erst breiter, dann d\u00fcnner werdend, auf- und abw\u00e4rts und quer nach aussen gleich einem liegenden H\u00f6rnerpaare gebogen, und mit den \u00e4ussersten Spitzen nahe an der Eintrittsstelle des Gesichtsnerven sich beinahe ber\u00fchrend. Die elliptischen Schenkel dieser Streifen sind nach oben und unten beweglich, so dass sich der innere Baum, den sie einschliessen. erweitert oder verengert. V ie man den Axenpuukt des Auges aus der N\u00e4he des leuchtenden Bildes mehr gegen den Mittelpunkt des inneren Baumes der Ellipse r\u00fcckt, so \u00f6ffnen sich die H\u00f6rner derselben und n\u00e4hern sich der Gestalt des Kreises: wird hingegen das","page":629},{"file":"p0630.txt","language":"de","ocr_de":"C>3<I Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjeetiven Gesichtsersclicimingen.\nleuchtende Bild Ins nahe an den Axengrund gebracht, so treten die H\u00f6rner der Ellipse immer n\u00e4her zusammen, und \u00fcber ihren inneren\nBaum wird ein mattes Lieht verbreitet\u00ab..........\u00bbBewegt man den\nSchwamm abwechselnd etwas nach oben oder nach unten, so wird heim Hinaufr\u00fccken der obere, beim Hinabr\u00fccken der untere Streifen sichtbarer. Man kann die Figur dadurch bemerkbarer machen, dass man den Schwamm in einem kurzen Intervalle schnell auf und nieder bewegt. Die scheinbare Gr\u00f6sse und Kleinheit der Figur h\u00e4ngt \u00fcbrigens wie bei allen Spectris davon ab, wie weit man sie in den \u00e4usseren liaum projicirt; daher wird sie bei Entfernung des Schwammes vom Auge gr\u00f6sser, bei N\u00e4herung desselben kleiner. Das Lieht dieser Streifen ist matt lichtbl\u00e4ulich.\u00ab\n\u00bbWenn man den Versuch etwas l\u00e4nger (2o \u2014 30 Secunden fortsetzt, ohne das Auge durcliWechscl mit Finsterniss ausruhen zu lassen, so wird man unf\u00e4hig, die Erscheinung ferner zu bemerken . bis sich die Empfindlichkeit durch Schliessen der Augenlider wieder sammelt. Die Bemerkbarkeit derselben h\u00e4ngt auch von dem Grade der Leucli-tung ab. So oft der mit Salpeter gebeizte Schwamm st\u00e4rker aufglimmte, oder sanft angeblasen wurde, erschien die Figur deutlicher und wurde wieder schw\u00e4cher oder verschwand bei geringerer Belichtung. Im Gegentheile macht eine h\u00f6here Leuchtung ihrer Sichtbarkeit schon insofern Eintrag, als sie entweder die im Hintergr\u00fcnde liegenden Gegenst\u00e4nde mit beleuchtet, oder das so \u00e4usserst schwache Licht durch die st\u00e4rkere Lichtempfindung verdr\u00e4ngt.\u00ab........\n\u00bbEine wesentliche Bedingung zur Erscheinung der Ellipse ist eine bestimmte Kleinheit des Lichtbildes, indem sie bei einer breiteren Flamme nicht mehr bemerkbar ist. Das Lichtbild muss so viel m\u00f6glich nur ein Element der Linie selbst sein, es muss die Aufmerksamkeit concentrirt erhalten, ohne sie auf einer grossen Fl\u00e4che zu zerstreuen. Aber auch die Kleinheit hat ihre Grenze, indem mit dem Kleinerwerden des Lichtbildes auch der Grad der Leuchtung vermindert wird.\u00ab.........\n\u00bbDass diese Ellipse mit einer constanten organischen Bildung im Inneren des Auges in Verbindung steht, dass ihre Erzeugungsstelle zwischen der Eintrittsstelle des Sehnerven und dem Axenpunkt der \u00dcetina ihren Sitz hat, wird auch Niemand bestreiten, der einmal sich die M\u00fche nahm, die Erscheinung mit Deutlichkeit vor den Sinn zu bringen. \u00ab........\nIch kann nach vielf\u00e4ltigen eigenen und fremden Beobachtungen die Exactheit dieser Angaben vollkommen best\u00e4tigen. Statt des Z\u00fcndschwammes bediente ich mich mit gleichem Erfolge d\u00fcnner Stengel","page":630},{"file":"p0631.txt","language":"de","ocr_de":"Zur objeetiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesichtserscheinungeii. 631\nvon Sprengkohle : und um auch mit anderen Lichtquellen und Farben bequem experimentiren zu k\u00f6nnen, liess ich mir eine hinreichend weite, innen matt geschw\u00e4rzte R\u00f6hre aus Pappe anfertigen, an deren offenes Ende das Auge angelegt wurde, w\u00e4hrend in dem Boden des verschlossenen anderen Endes ein kleines L\u00f6chelchen angebracht war, durch Avelches verschiedenfarbiges, von den verschiedensten Quellen ausstr\u00f6mendes Licht einfallen konnte.\nEs kommt viel darauf an, dass das Auge durch diese Vorrichtung in m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Finsterniss versetzt wird, und ausser durch das L\u00f6chelchen, weder von aussen, noch von innen durch Reflex an den W\u00e4nden Licht in s Auge dringt.\nWas nun die constante organische Bildung im Inneren des Auges betrifft, welche die Entstehung der elliptischen Lichtstreifen erkl\u00e4ren soll, so fand ich dieselbe in der eigenth\u00fcmlichen , durch die neueren histologischen Untersuchungen \u00fcber die Netzhaut aufgedeckten Anordnung der Sehnervenfasern um den gelben Fleck herum.\nK\u00fcrzlich tlieilte mir P\u00fcRkyxJS, als ich ihm meine Ansicht vortrug, mit, dass auch er bereits an den Verlauf der Opticusfasern in jener Gegend gedacht habe.\nReine nachstehende Auseinandersetzung d\u00fcrfte jeden Zweifel hier\u00fcber beseitigen.\nAm gelben Fleck geht bekanntlich nur ein kleiner Theil Opticusfasern in geradem Verlauf gegen das innere Ende desselben, w\u00e4hrend der andere viel gr\u00f6ssere, theils um die seitlichen Tlieile und das \u00e4ussere Ende zu erreichen, theils um die in der Gegend des gelben Fleckes entstandene L\u00fccke zu umgreifen \u2014 je weiter nach aussen, um so gr\u00f6ssere Bogen beschreibt.\nNach aussen vom gelben Fleck convergiren die bogenf\u00f6rmig gekr\u00fcmmten Fasern gegen eine gerade Linie oder Raphe, und nehmen erst in einer kleinen Entfernung vom \u00e4usseren Winkel des gelben Fleckes, indem sie sich nach und nach strecken, endlich wieder einen geraden Laufan. Vgl. K\u00f6lliker\u2019s Handb. der Gewcbel. 2. Auflage, Fig. 319, S. 639.)\nDiese Raphe und der \u00e4ussere Winkel des gelben Fleckes sind die Netzhautstelle, auf welche das Bild der kleinen leuchtenden Fl\u00e4che fallen muss und wirklich f\u00e4llt, wenn die elliptischen Lichtstreifen entstehen sollen : und die eigenthUmliehe Dispersion des Lichtes an den bogenf\u00f6rmig verlaufenden Opticusfasern ist es, welche ihre Entstehung bedingt.\nAn einem aus feinen gl\u00e4nzenden Kupferdr\u00e4hten \u2014 wenn auch etwas roh naehgebildeten Schema des Opticusfasernverlaufes der frag-","page":631},{"file":"p0632.txt","language":"de","ocr_de":"(532 Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesiclitsersclieinungen.\nliehen Gegend wurde im Finstern, durch locale Erleuchtung der Con-vergenzlinie vermittelst Sprengkohle. der bogenf\u00f6rmige Verlauf der Dr\u00e4hte gl\u00e4nzend erleuchtet.\nEine gekr\u00fcmmte Thermometerr\u00f6hre, welche auf ein Blatt Papier gelegt worden war, erzeugte einen durch das Papier hindurchschim-mernden bogenf\u00f6rmigen Lichtstreif, als eines ihrer Enden im Finstern durch Sprengkohle erleuchtet wurde.\nDass etwas Aehnliches vielleicht mit Fluorescenzerscheinungen complicirt im Auge stattfinde, ergiebt sich aus der vollkommen \u00fcbereinstimmenden Form der elliptischen Lichtstreifen mit dem bogenf\u00f6rmigen Verlauf der Opticusfasern : indem die ersteren nicht nur mit ihren Spitzen genau gegen den Mittelpunkt der Eintrittsstelle des Opticus sich zusammenneigen und verlieren, sondern auch gerade so wie die daselbst von den Opticnsfagern beschriebenen Bogen um so flacher gekr\u00fcmmt erscheinen, je n\u00e4her das Bild der leuchtenden Fl\u00e4che der Fovea centralis r\u00fcckt.\nDen beiden elliptischen Lichtstreifen entspricht also ein obj ec-tives Lichtbild, welches auf der lichtempfindenden Netzhautfl\u00e4che in Folge der eigenth\u00fcmlichen, m\u00f6glicherweise mit Fluorescenzerscheinungen complicirten Dispersion des Lichtes von den bogenf\u00f6rmig verlaufenden Opticusfasern entworfen wird.\nWarum die Opticusfasern gerade nur, wenn sie von der bezeich-neten Stelle aus beleuchtet werden, ihrem Verlauf entsprechende Lichtstreifen erzeugen und entoptisch sichtbar werden, mag damit Zusammenh\u00e4ngen, dass sie eben nur an jener Stelle einen stark con-vergenten und gekr\u00fcmmten Verlauf besitzen.\nVielleicht auch ist diese Netzhautregion durch ihre h\u00f6here Erregbarkeit und durch das Verliiiltniss der relativen Dicke ihrer Schichten der Dispersion des Lichtes und der Wahrnehmung derselben besonders g\u00fcnstig.\nIn dieser Beziehung ist der bereits von Pukkyne hervorgehobene Umstand zu erw\u00e4hnen , dass bei der beschriebenen Erscheinung noch ein Lichthof um das Bild der leuchtenden Fl\u00e4che existirt, mit dem die elliptischen Streifen in unmittelbarem Zusammenh\u00e4nge stehen. F\u00e4llt das Bild auf andere Netzhautstelle\u00bb, so wird ein solcher Lichthof gar nicht, oder doch nicht so leicht wahrgenommen.\nHat man sich eine der oben beschriebenen Bohre \u00e4hnliche Vorrichtung besorgt, so kann man, wie gesagt, mit den verschiedensten Lichtquellen experimentiren. Wendet man z. B. neutrales hellgraues Licht an, so erscheinen die Bogenstreifen und der Lichthof, so lange keine Blendungserscheinungen eintreten. ebenfalls farblos. F\u00e4llt hin-","page":632},{"file":"p0633.txt","language":"de","ocr_de":"Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesiclitserscheinungen. 633\ngegen farbiges Liebt ein, so nehmen dieselben meist eine zarte F\u00e4rbung an. welche jedoch niemals jene des einfallenden Lichtes ist. Diese subjective F\u00e4rbung des matten graulichen Lichtscheines d\u00fcrfte sich zum Theil aus einer Contrastwirkung oder Verstimmung des Seu-soriums erkl\u00e4ren, welche unter diesen Umst\u00e4nden gar nicht ausbleiben kann. Vgl. Brl'Cke's Untersuchungen \u00fcber subjective Farben. Denkschriften der kais. Akademie. Bd. III. 1S\u00d6 I.\n2. Die Lichtschattenfigur.\nSeit ich die Pui\u00eeKYxi'sche \u00bbLichtschattenfigur\u00ab als eine entoptiselie Erscheinung erkannt hatte. welche mit den Elementen der Membrana Jacobi retinae in Beziehung stehen m\u00fcsse, war ich vielfach bem\u00fcht, mir eine plausible Vorstellung \u00fcber den eigentlichen Vorgang bei ihrer Erzeugung zu machen.\nWenn ich jetzt auf diesen Gegenstand zur\u00fcckkomme, so geschieht dies, weil ich einerseits den Schl\u00fcssel zur Erkl\u00e4rung wenigstens eines Theiles dieser Erscheinung endlich gefunden zu haben glaube, und weil mir andererseits die ganze Frage, deren vollst\u00e4ndige L\u00f6sung mancherlei Aufschl\u00fcsse und Fingerzeige f\u00fcr die Anatomie und Physiologie der Netzhaut verspricht und von ihnen zu erwarten hat) der allgemeineren Aufmerksamkeit werth zu sein scheint.\nZun\u00e4chst will ich daran erinnern, dass ich von der in PurkyniVs \u00bbBeitr\u00e4gen\u00ab Bd. LS. 10, beschriebenen, mehr unbestimmten \u00bbLicht-schattenfigur\u00ab, welche aus \u00bbprim\u00e4ren\u00ab und \u00bbsecund\u00e4ren\u00ab Gestalten besteht, jene unter gewissen Umst\u00e4nden im Bereiche des gelben Fleckes Scharf und bestimmt hervortretende, dichte Mosaik von blassen, durch hellgl\u00e4nzende feine Linien abgegrenzten rundlichen Scheibchen, welche ich 1. c. genauer beschrieben habe, unterscheide. Diese Mosaik kann auch nicht mit den von Pckkys\u00e8 erw\u00e4hnten \u00bbSechsecken\u00ab identisch sein.\nDie sogenannte prim\u00e4re Erscheinung der Pukkyne\u2019sehen Lichtschattenfigur besteht in einer sehaehbreiartigen, gegen die Peripherie sich vergr\u00f6ssernden W\u00fcrfelung des ganzen Sehfeldes.\nSie kann am bequemsten zur Anschauung gebracht werden, wenn man durch die L\u00f6cher oder Spalten einer rasch rotirenden Pappscheibe nach dem.gleiehm\u00e4ssig umw\u00f6lkten Himmel sieht.\nTrotz des vollkommen neutralen Lichtes der hellgrauen Wolken nehmen die schattigen Stellen der Lichtschattenfigur leicht eine subjective violette F\u00e4rbung an. L\u00e4sst man das Wolkenlicht durch far-","page":633},{"file":"p0634.txt","language":"de","ocr_de":"<5J\u00ce4 Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesichtserscheimmgen.\nbige Glastafeln gehen, so treten mitunter pr\u00e4chtige complement\u00e4re Farben in cler Lichtschattenfigur auf.\nDie sogenannten \u00bbsecund\u00e4ren\u00ab Gestalten, welche Pukkynk mit dem Kamen \u00bbAehtstrahk, \u00abSchneckenrechteck\u00ab etc. bezeichnet, bilden sich in unbestimmter Folge auf dem gew\u00fcrfelten Hintergr\u00fcnde und gleichsam aus den Elementen desselben.\nSie treten, wie Purkyxk angiebt, am leichtesten auf, wenn man vor den geschlossenen, von der Sonne beschienenen Augenlidern mit den aus einander gehaltenen Fingern der Hand rasch hin und her f\u00e4hrt.\nDer Schl\u00fcssel zur Erkl\u00e4rung dieser prim\u00e4ren und secund\u00e4ren Erscheinungen d\u00fcrfte sich nun, wie ich gleich weiter ausf\u00fchren werde, in einem durch Bergmann angeregten Gesichtspunkt gefunden haben ; dagegen scheint mir dieselbe Vorstellung zur Erkl\u00e4rung der mit solcher Sch\u00e4rfe in meinem Auge auftretenden Mosaik von hell und scharf contourirten matten Scheibchen aus mancherlei Gr\u00fcnden nicht v\u00f6llig auszureichen.\nBergmann hat bekanntlich (Zeitschrift f\u00fcr rationelle Medioin. Bd. II. 1858; die merkw\u00fcrdigen T\u00e4uschungen, welche fast constant bei der Betrachtung seiner Gittert\u00e4felchen aus gr\u00f6sserer Entfernung entstehen \u2014 n\u00e4mlich dass man die Dichtung der Gitterst\u00e4be z. B. gerade senkrecht gegen die wirkliche deutlich zu sehen meint, oder wohl auch das ganze parallel gestreifte T\u00e4felchen f\u00fcr sehaehhretartig oder sechseckig gefeldert h\u00e4lt \u2014 sehr gl\u00fccklich aus der wahrscheinlichen Anordnung der Zapfen am gelben Fleck, und unter der Voraussetzung, dass ein Zapfen eine Seheinheit repr\u00e4sentire, zu erkl\u00e4ren vermocht.\nDieselbe Betrachtung hat Helmholtz zur Erkl\u00e4rung der schon von Puekyne bemerkten Verwandlung paralleler gerader Linien in wellenf\u00f6rmige etc. ben\u00fctzt Karsten\u00bb Encyclop. Bd. I, 8, 217 , und ich werde sie jetzt f\u00fcr die angegebenen Erscheinungen zu verwerthen suchen.\nBergmann sagt 1. c. 8. HK) :\n\u00abDa die Zapfen im Allgemeinen im Querschnitte hexagonal erscheinen. da einander benachbarte Zapfen ebenfalls im Allgemeinen in der l'nvea centralis' keine merklichen Gr\u00f6ssenunterschiede darbieten, und da endlich die Kr\u00fcmmung der Augenh\u00e4ute im Verh\u00e4ltnis\u00bb zu den sehr kleinen Zapfen als unbetr\u00e4chtlich erscheint, so wird es erlaubt sein. versuchsweise die Vorstellung grundleglieh zu machen, dass die Zapfen in kleineren Gruppen; so neben einander geordnet sind. wie regelm\u00e4ssige gleichseitige, unter einander gleich grosse Sechsecke auf ebener Fl\u00e4che zu g\u00e4nzlicher Erf\u00fcllung des Baumes ge-","page":634},{"file":"p0635.txt","language":"de","ocr_de":"Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesiehtsersclieirmngen. 635\nordnet sein m\u00fcssen ; \u00e4hnlich wie die Zellen des Bienenstocks sich im Querschnitte zeigen\u00ab.\n\u00bbSechsecke, welche auf solche Weise in eine Ebene geordnet sind, bilden in drei Richtungen, welche sich unter Winkeln von 60\u00b0 schneiden. Reihen mit einander. Innerhalb jeder dieser Reihen hat ein jedes Sechseck einen gr\u00f6ssten Durchmesser da, wo in den ansto\u00dfenden Parallelreihen je zwei Sechsecke sich ber\u00fchren und am schm\u00e4lsten sind. Man denke sich auf eine mit solchen Sechsecken gef\u00fcllte Tafel ein Gitter gelegt, dessen St\u00e4be irgend eine der drei Reihen unter rechtem Winkel kreuzen\u00ab.\n\u00bbWelches wird nun die Vertheilung der Bilder der Gitterst\u00e4be auf den Sechsecken sein, z.B. unter der Voraussetzung, dass jeder Gitterstab die halbe Breite eines Sechseckes bedecke und die Distanzen der St\u00e4be eben dieselbe Breite haben ?\u00ab\n\u00bbWir k\u00f6nnen unter diesen Voraussetzungen das Gitter so auf die Sechsecke legen, dass ein jedes derselben zur einen H\u00e4lfte einem Stabe, zur anderen einem Zwischenr\u00e4ume entspricht. Setzen wir ein so auf den Zapfen entworfenes Netzhautbild weisser und schwarzer Striche, so erhalten wir als Resultat eine v\u00f6llig homogene Mengung, eine ungedeckte graue Fl\u00e4che. Verschieben wir dagegen das Gitter auf den Secksecken um ein Viertel der Breite der Sechsecke, so wird das Resultat ein ganz anderes. Jetzt sind die Sechsecke je in einer Reihe von den St\u00e4ben, in der anderen von den Zwischenr\u00e4umen mehr bedeckt, und zwar im Verh\u00e4ltnisse von 7 zu 5. Also : es w\u00fcrde eine Reihe der Zapfen eine gleichm\u00e4\u00dfige Mengung von sieben Theilen Schwarz und f\u00fcnf Theilen Weiss erhalten, die n\u00e4chste sieben Tlieile Weiss und f\u00fcnf Theile Schwarz, eine dritte sich wie die erste, die vierte sich wie die zweite verhalten. Diese\u201cReih en liegen rechtwinklig gegen die Bilder der Striche\u00ab.\n\u00bbEs ist dabei zugleich fast nothwendig gegeben, dass solche Wahrnehmungen sehr fl\u00fcchtig sein m\u00fcssen, da eine Bewegung der Retzhautfl\u00e4che um ein Viertel eines Zapfendurchmessers hinreicht, die Erscheinung wechselnd hellgrauer und dunkelgrauer Striche aus rein grauem Felde hervortreten und wieder in dasselbe verschwinden zu lassen \u00ab.\n\u00bbEs ist ferner leicht einzusehen, dass eine solche Erscheinung nicht nothwendig an eine ganz bestimmte Entfernung gebunden sei. Es kann die Entfernung \u2014 oder das Verh\u00e4ltniss der Breite der Striche zur Breite der Sechsecke \u2014 sich etwas \u00e4ndern und noch immer k\u00f6nnen hellgraue und dunkelgraue Striche gesehen werden, rechtwinklig gegen die Richtung der objectiv vorhandenen gelegen. Nur w\u00fcrde man,","page":635},{"file":"p0636.txt","language":"de","ocr_de":"(vil) Zur objectiver) Erkl\u00e4rung einiger sog. subjective!) Gesichtserscheinungen.\nwenn ein solches Bild \u00fcberhaupt scharf genug erschiene,, um so analy-sirt werden zu k\u00f6nnen, jeden Strich allm\u00e4hlich seiner L\u00e4nge nach aus der einen in die andere Nuance \u00fcbergehen sehen und jedesmal, wo ein Strich seine lichteste Stelle h\u00e4tte, w\u00fcrden die benachbarten am dunkelsten sein, und umgekehrt\u00bb.\nBergjiaxx hat einen solchen Fall 1. c. S. 102 durch ein in Zahlen ausgef\u00fchrtes Beispiel belegt. Die Breite der St\u00e4be und Zwischenr\u00e4ume war nicht gleich der H\u00e4lfte des Durchmessers eines Sechseckes angenommen, sondern jeder Stal) und jeder Zwischenraum deckte ,7/:,2 eines Sechseckes, so dass also auf einer Ileilie von siebzehn Sechsecken sechszelmmal Weiss und sechszehnmal Schwarz abwechselnd sich abbilden musste.\nAus der Rechnung ergab sich, dass unter den gemachten Voraussetzungen dunklere und hellere Stellen entstehen m\u00fcssen, welche sowohl nach L\u00e4nge als quer mit einander ab-wech sein.\nHiermit erscheint mir nun im Allgemeinen das R\u00e4thsel gel\u00f6st, wie die musivisch ungeordneten lichtempfindenden Elemente der Zapfen- und St\u00e4bchenschicht die prim\u00e4ren schachbretartigen Felder-clicn der Lichtschattenfigur zu erzeugen im Stande sind, wenn sic durch die Spalten der rotirenden Pappseheibc im Vor\u00fcbergleiten erhellt werden.\nAn der linearen Lichtschatteugrenzc der Spalten muss n\u00e4mlich nothwendigerweise eine ungleichm\u00e4ssige Vertheilung des Lichtes in den nach Br\u00fccke katoptrisch und lichtsondernd wirkenden Elementen der Zapfen- und St\u00e4bchenschicht, nach einem bestimmten mit ihrer Anordnung zusammenh\u00e4ngenden Gesetze, obj ectiv stattfinden.\nBei dem Fortgleiten der hellen Spaltenbilder Uber die Retina muss sich ferner diese objective ungleichm\u00e4ssige Vertheilung von Hell und Dunkel \u00fcber das ganze Sehfeld verbreiten ; und, indem die Lichteindr\u00fccke eine messbare Zeit nachwirken, so wird endlich, je nach der Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe, der Breite und Anzahl der Spalten etc., ein Beharrungszustand erzeugt, durch welchen diese ob-jectiven Erhellungsdifferenzen subjectiv zur Wahrnehmung kommen.\nEine Anwendung der von Bergmaxx er\u00f6rterten Verh\u00e4ltnisse auf unseren Fall darf man sich um so eher erlauben. als eine mit Spalten versehene rotirendc Scheibe gewissermaassen auch als ein Gitter von dunklen und hellen Streifen, deren Breite von der Breite und Anzahl der Spalten und von der Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe abh\u00e4ngt. betrachtet werden kann.","page":636},{"file":"p0637.txt","language":"de","ocr_de":"Zur objectivcn Erkl\u00e4rung einiger sog. subjective\u00bb Gesiclitserselieinungen. (337\nSo wie die von Bergmann er\u00f6rterten (Konsequenzen nur f\u00fcr Gitter von ganz bestimmten relativen Dimensionen gelten, eben so treten die prim\u00e4ren Felderehen der Lichtschattenfigur nur bei einer bestimmten Rotationsgeschwindigkeit der Scheibe auf.\nIch habe gefunden, dass man eine Scheibe mit weniger Spalten im Allgemeinen schneller drehen m\u00fcsse als eine solche mit mehr Spalten, um die Erscheinung zu erzeugen, und dass, wenn man eine und dieselbe Scheibe in zu schnelle und zu langsame Rotation versetzt, keine Spur derselben zu Stande kommt. Im ersten Falle erscheint das Gesichtsfeld als eine ungefleckte graue Fl\u00e4che, im zweiten Falle sieht inan einfach den Ortswechsel der durchbrochenen und undurclibroche-nen Stellen der vor den Augen rotirenden Scheibe.\nAusser der eben gegebenen allgemeinen Erkl\u00e4rung, warum bei derbekannteiiNachdaucr des LichteIndruckes eine mit Spalten versehene, mit bestimmter Geschwindigkeit rotirende Fappscheibe, \u00e4hnlich dem feinen Beromaxx-sehen Gitter aus w e i s s e n und sch w a r zen St\u00e4ben, eine objective, gruppenweise wechselnde Vertheilung von Ilell und Dunkel in den musivisch angeordneten Elementen der Zapfen-St\u00e4bchenschicht bedingen k\u00f6nne u n d m\u00fcsse, l\u00e4sst sich f\u00fcr jetzt wohl keine speciellerc Ableitung der prim\u00e4ren Erscheinung der Lichtschattenfigur geben.\nNamentlich d\u00fcrfte es bei der Unkcnntniss der speciellen Anordnung und Form der lichtempfindenden Seheinheiten nicht leicht m\u00f6glich sein zu deduciren, warum die prim\u00e4ren Formen der Lichtschattenfigur gerade als viereckige Felderchen imponiren.\nGerade in dieser Richtung liegt aber f\u00fcr die weitere Forschung eine in anatomisch-physiologischer Beziehung wichtige und interessante Aufgabe, welche der \u00bbLichtschattenfigur\u00ab eine unverkennbare wissenschaftliche Bedeutung sichern und dieselbe vor der Gefahr, wieder in Vergessenheit zu gerathen, sch\u00fctzen d\u00fcrfte.\nEine genauere Ableitung des Details dieser Erscheinung scheint namentlich einige Anhaltspunkte zur Entscheidung der offenen Frage zu versprechen, ob die Zapfen allein oder zum Theil auch die St\u00e4bchen die eigentlichen lichtempfindenden Elemente und Seheinheiten der Retina sind ?\nDass aber die angedeutete objective Erkl\u00e4rung wesentlich richtig sei und, dass die Erscheinung nicht etwa auf einem rein subjectiven, durch den raschen bloss zeitlichen Wechsel von Erhellung und Verdunkelung der \u00bbSehsinnsubstanz\u00ab hervorgerufenen Vorgang beruhe, wird wohl von Niemandem mehr bezweifelt werden.","page":637},{"file":"p0638.txt","language":"de","ocr_de":"(pj.jj Zur o-bjeetiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjeetiven Resichtserschuimmgen.\nDaf\u00fcr Spricht auch noch der Umstand, dass weder ich, noch mein Freund Prof. Pierre und sein Assistent Herr Lippich eine Spur der prim\u00e4ren Lichtschattentigur bemerken konnten, als wir im Finstern eine mattgeschliffene Glastafel betrachteten, welche durch gl\u00e4nzende elektrische Funken in raschen Unterbrechungen hell erleuchtet wurde.\nFreilich hat Purkyxe Fragmente des prim\u00e4ren W\u00fcrfelfeldes unter den verschiedensten Bedingungen \u2014 beim Druck auf's Auge, beim gehemmten Blutverlauf, in nerv\u00f6sen Zust\u00e4nden etc. \u2014 beobachtet und ich habe an mir selbst \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht , allein ich hin weit entfernt zu glauben, dass sich hierauf irgend ein stichhaltiger Einwand gegen den obigen Erkl\u00e4rungsversuch gr\u00fcnden l\u00e4sst, indem in diesen F\u00e4llen offenbar ganz andere Bedingungen ins Spiel kommen und \u00fcberdies die Erscheinung mit der Lichtschattentigur selbst nicht vollkommen identisch ist.\nWas die sogenannten secund\u00e4ren Gestalten der Lichtschattenfigur betrifft, so kann man dieselben mit Purkyxe auf die Grunderscheinung der prim\u00e4ren W\u00fcrfelfelder zur\u00fcckf\u00fchren. Purkyxe sagt 1. c. S. 19: \u00bbJe nachdem n\u00e4mlich verschiedene Reihen von diesen auf der einen oder der anderen, oder an beiden Seiten zugleich heller sind, bilden sie auch verschiedene Linien, die dann in 'ihrer Relation gegen einander die secund\u00e4ren Figuren geben. Jedoch sind jene zuerst beschriebenen der Achtstrahl, das Schneckenrechteck bei mir am best\u00e4ndigsten. Dass sie bei Anderen ganz verschieden aussehen m\u00f6gen, hin ich sehr geneigt zu glauben und ich meine, dass es vorz\u00fcglich von der synthesirendeu Th\u00e4tigkeit des Sinnes abli\u00e4nge, welche Reihen aufgefasst und zur Einheit verbunden werden, und dass wenn mehrere Reihen nach denselben r\u00e4umlichen Verh\u00e4ltnissen \u00f6fters verbunden worden, eine Geneigtheit zur\u00fcckbleibt, dieselben wieder leichter heraus zu finden.\nImmerhin bleibt es fraglich, ob man nicht sp\u00e4ter vielleicht in der Anordnung der Elemente der St\u00e4bchen-Zapfenschicht objective Anhaltspunkte zur Erkl\u00e4rung der secund\u00e4ren Figuren entdecken wird.\nF\u00fcr einigermaassen verschieden von den er\u00f6rterten prim\u00e4ren und secund\u00e4ren Gestalten der Purkyxe sehen Lichtschattentigur muss ich vorl\u00e4ufig, wie gesagt, die von mir beschriebene Mosaik von Scheibchen erkl\u00e4ren, welche unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden wie jene, beil\u00e4ufig im Bereiche des gelben Fleckes auftritt.\nDiese Mosaik sehe ich n\u00e4mlich mitunter mit einer solchen Sch\u00e4rfe und Bestimmtheit, dass ich mich der Vorstellung nicht erwehren kann, es handle sich dabei nicht wie dort um eine bloss unbestimmt begrenzte. gruppenweise wechselnde Yertheilung von Licht und Schatten","page":638},{"file":"p0639.txt","language":"de","ocr_de":"Zur objeeiiven Erkl\u00e4rung einiger sog. subjectiven Gesiclitsersclieinungen.\niu den Elementen der Zapfen-St\u00e4bclienschicht, sondern um ein treues vergr\u00f6\u00dfertes Abbild der einzelnen, mosaikartig angeordneten Zapfen oder \u00bbZapfenst\u00e4bchen\u00ab selbst.\nAls objeetiv vergr\u00f6ssert m\u00fcsste man aber dieses Abbild anseben, weil die einzelnen Scheibchen unzweifelhaft unter einem sehr merklich gr\u00f6sseren Gesichtswinkel erscheinen, als dem Durchmesser der Zapfen oder Zapfenst\u00e4behen entspricht, und weil die Anzahl der Scheibchen auf der Fl\u00e4cheneinheit offenbar geringer ist als die wirkliche der genannten Elemente.\nH\u00e4lt man diese Vorstellung fest, so ist es vorl\u00e4ufig nicht m\u00f6glich eine plausible Erkl\u00e4rung von der Entstehung dieser Mosaik zu geben.\nDenn wenn man sich auch recht gut denken kann, dass sich unter den von Br\u00fccke mit so vielem Scharfsinn aufgedeckten katoptrisclien Verh\u00e4ltnissen der St\u00e4bchenschicht in den stark lichtbreehendeu, in eine weniger stark lichtbrechende Substanz eingebetteten Zapfenst\u00e4bchen oder Zapfen leicht eine kreisf\u00f6rmige, hellleuchtende Caustiea bilden k\u00f6nnte, so sieht man doch nicht recht ein. wie hierdurch ein vergr\u00f6ssertes mosaikartiges Abbild einer ganzen Gruppe dieser Elemente entstehen sollte.\nMag dem sein wie ihm wolle, immerhin glaube ich durch die vorliegende Mittheilung einen kleinen Beitrag zur Physiologie der Netzhaut geliefert und die besprochenen Erscheinungen der Aufmerksamkeit hinreichend empfohlen zu haben.","page":639}],"identifier":"lit16194","issued":"1879","language":"de","pages":"629-639","startpages":"629","title":"Zur objectiven Erkl\u00e4rung einiger sogenannten subjectiven Gesichtserscheinungen","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:13:07.425802+00:00"}

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