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Ueber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fröschen vorkommenden "Inscritiones elasticae"

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{"created":"2022-01-31T17:03:38.761701+00:00","id":"lit16198","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 660-668. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0660.txt","language":"de","ocr_de":"LL\nUeber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen vorkommenden \u201eInscriptions elasticae\u201c.\n[ Wiener akademische Sitzungsberichte, XLYII1. Bd. 18115. j iHU'rzu Tafel 25).\nUnter dieser Bezeichnung beschrieb ich k\u00fcrzlich die eigenth\u00fcm-liche Structur jener scharfbegrenzten weissen Streifen, welche bei vielen Fr\u00f6schen sowohl auf der Klicken-, als auf der Bauchfl\u00e4che gleich in die Augen springen, sobald man dieselben enth\u00e4utet hat.\nDiese Streifen oder Inscriptions elasticae, obschon gewiss allen Anatomen und Physiologen dem Ansehen nach bekannt. sind meines Wissens fr\u00fcher niemals genauer beachtet und untersucht worden.\nDie nachfolgenden Zeilen enthalten eine ausf\u00fchrliche Darstellung Alles dessen, was ich seit meiner ersten Notiz ') \u00fcber dieselben ermitteln konnte.\nSie sind, wie die Zergliederung der Bauchmuskulatur lehrt, nichts anderes, als in die platten hautartigen Sehnen der beiden schiefen Bauchmuskeln, knapp am Contour der Muskelfaserenden, eingewebte Massen dichten elastischen Gewebes.\nSolcher Streifen finden sich an einem Thiere im Ganzen acht, vier auf dem K\u00fccken, vier auf der Bauchtl\u00e4che, von denen je zwei, theil-weise sich deckend, symmetrisch zu beiden Seiten der Mittellinie gelagert sind.\nDie Fasern der schiefen Bauchmuskeln inseriren sich einerseits in die Fascien des K\u00fcckens, andererseits in die des Bauches. Der Musc, obliquas internus sendet seine Fasern von hinten und unten schr\u00e4g nach oben und vorne, die oberen B\u00fcndel desselben gehen\n1 Centralbl. f. d. mod. Wiss, Berlin. Nr. 50, 14. Nov. ISii.'i.","page":660},{"file":"p0661.txt","language":"de","ocr_de":"Uebcr die in den Seimen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc. 661\njedoch zwerchfellartig \u00fcber das obere Ende der Peritonealh\u00f6hle bis hinter das Herz, den Kehlkopf und den Pharynx.\nEs wird auf diese Weise eine Art von Diaphragma gebildet : doch liegen die Lungen nicht \u00fcber, sondern unter demselben.\nDer Muse. \u00bbbl. externus sendet seine Fasern von hinten und oben nach unten und vorne.\nDie dorsale Anheftungslinie des Muse. ob/, externus in der R\u00fcckeufascie reicht von dem oberen Viertel des Darmbeines bis \u00fcber die Mitte des Schultermuskels, welche Dug\u00e8s Muse, tombo-hum\u00e9ral nennt.\nDieser Linie entsprechend findet sich beiderseits, nach aussen vom Recken und der Wirbels\u00e4ule der erste unserer weissen Streifen (Taf. 25. Fig. !\u00ab;\u2022\nDie obersten Fasern des Musm ob/, externus bilden ein schmales plattes, isolirtes B\u00fcndelchen. welches mit einer besonderen Sehne, welche jedoch keine Spur einer Inscriplio clustica enth\u00e4lt, vom unteren Rand des Schulterblattes entspringt.\nDie dorsale Anheftungslinie des Muse. obl. internus beginnt tief unten im Becken, l\u00e4uft l\u00e4ngs des Innenrandes des Darmbeines empor, schl\u00e4gt sich um das obere Ende der daselbst entspringenden Oberschenkelmuskeln [Muse, ex-ilio-tmohunt\u00e9i\u2022 ien Dug\u00e8s) auf die R\u00fcckenfl\u00e4che herauf und verl\u00e4uft in der die Biickenmuskeln deckenden Fascie bis in die H\u00f6he des Querfortsatzes des f\u00fcnften Wirbels.\nDieser Linie entsprechend findet man beiderseits den zweiten der dorsalen weissen Streifen (Fig. IV, welcher ohne weitere Pr\u00e4paration jedoch nur in seinem Mittelst\u00fcck zu \u00fcbersehen ist, indem sich der im Becken liegende untere Theil desselben dem Blicke ganz entzieht, w\u00e4hrend sein oberer Theil von dem ersten dorsalen Streifen meist fast ganz bedeckt wird.\nDie obersten Fasern des Muse, obl. internus bilden gleichfalls ein schmales plattes B\u00fcndelchen, welches mit einer besonderen Sehne, die aber eine deutliche Inscrrptio elastica besitzt, vom Querfortsatze des vierten Wirbels entspringt, und f\u00e4cherf\u00f6rmig nach innen und oben gegen die R\u00fccken- und Seitenfl\u00e4che des Pharynxschlauches, wo dieser sich zu verengern und von der Wirbels\u00e4ule zu entfernen beginnt, ausstrahlt Fig. I, M'. o', i'j.\nDie vier weissen Streifen der\u2019Bauchfi\u00e4ehe laufen den ventralen Anheftungslinien der beiden schiefen Bauchmuskeln entlang (Fig. II u. III .\nFm das etwas complicirtere Verhalten der weissen Streifen auf der Bauchfl\u00e4che deutlich zu machen, muss ich zun\u00e4chst an die Anord-","page":661},{"file":"p0662.txt","language":"de","ocr_de":"662 Ueber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc.\ninnig der geraden Bauchmuskeln und ihrer Inscriptiones tendineue. so wie des grossen Brustmuskels erinnern.\nBeim Frosche verl\u00e4uft zu beiden Seiten der Medianlinie vom Zungenbein bis zur Schambeinfuge je ein platter, parallelfaseriger L\u00e4ngsmuskel, welcher von \u00dcuofs unter der Bezeichnung Mu'm. pubio-hyoidien aufgef\u00fchrt wurde. Derselbe ist durch f\u00fcnf Inscriptiones lendi-neae in sechs der L\u00e4nge nach auf einander folgende Abschnitte getheilt. Der oberste ans Zungenbein angeheftete Abschnitt heisst bei Dimes auch Muse, sterno-hyoidien, der zweite bis sechste Abschnitt bildet die Muse, recti abdominis. Die erste Inscriptio tendinea, welche die letzteren Muskeln von dem ersteren trennt, liegt hinter dem Processus \u00e4cyphoi-deus und wird von diesem zum gr\u00f6ssten Tlieil bedeckt Fig. lit, 1 .\nDie beiden untersten Abschnitte der geraden Bauchmuskeln sind bedeutend breiter als die \u00fcbrigen. Dies r\u00fchrt daher, dass sich die \u00e4usseren B\u00fcndel des grossen vom Oberarm entspringenden Brustmuskels auf ihrem Wege zur Schambeinfuge an die geraden Bauchmuskeln seitlich anlegen und gerade an denselben Stellen, wie diese ebenfalls (zwei) Inscript, tendineue aufnehmen, so dass sie daselbst mit den Muse, rectis nur Eine Masse zu bilden scheinen. So innig diese Verschmelzung auch ist, so wird die Zusammengesetztheit der zwischen der vierten und f\u00fcnften Inscr. tend, und der Schambeinfuge befindlichen geraden Bauchmuskelmassen durch das Verhalten der weissen Streifen, die sich l\u00e4ngs der ventralen Anheftungslinien der beiden Muse, ubliqui finden, unverkennbar angedeutet Fig. III .\nW\u00e4hrend n\u00e4mlich die beiden ventralen weissen Streifen bis etwa zur Mitte der vierten Inscriptio tendinea l\u00e4ngs des \u00e4usseren Bandes der Muse, recti. mit der, die vordere Fl\u00e4che derselben bedeckenden Fascie verschmelzen, trennen sich von dieser Stelle an ihre Wege, wie, wenn sie durch jene vom grossen Brustmuskel stammende Portion der beiden untersten Abschnitte der geraden Bauchmuskelmassen auseinander gedr\u00e4ngt w\u00fcrden (Fig. III .\nDer dem Muse. obl. externus zugeh\u00f6rige weisse Streifen [c; wendet sich n\u00e4mlich l\u00e4ngs der \u00e4usseren H\u00e4lfte der vierten Inscriptio tendinea nach aussen, biegt dann nach unten um und verl\u00e4uft sich verj\u00fcngend, am \u00e4usseren Bande jener Portion, gegen den Schenkelbug Fig.IIc).\nDer dem Muse. obl. internus zugeh\u00f6rige weisse Streifen Id) tritt hingegen an der genannten Stelle Fig. III dl), von der die vordere Fl\u00e4che der Muse, recti deckenden Fascie an die, die hintere Fl\u00e4che derselben bekleidende, vom Peritoneum \u00fcberzogene Fascie und verl\u00e4uft ohne seine Richtung zu \u00e4ndern, gleichsam die innere, an die Muse, recti stossende Grenze jener Portion markirend, gegen die Scham-","page":662},{"file":"p0663.txt","language":"de","ocr_de":"lieber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc. 663\nbeinfuge hinab. So reichen dann die Fasern des Muse, obl. internus hinter jener Portion viel weiter gegen die Mittellinie herein, als die Fasern des Muse, obl. extemus, welche bereits am \u00e4usseren Rande derselben und l\u00e4ngs der vierten Inscripti\u00f6 tendinea aufh\u00f6ren Fig.III).\nDer auf diese Weise begrenzte Raum wird, wie gesagt, durch die von den \u00e4usseren B\u00fcndeln des grossen Brustmuskels stammenden Muskelfasern ausgef\u00fcllt. Betrachtet man die zwischen zwei Inscriptions tendineae eingeschalteten Faserz\u00fcge als selbstst\u00e4ndige kurze Muskeln, so kann man auch sagen, dass sich die \u00e4usseren B\u00fcndel des grossen Brustmuskels an der \u00e4usseren H\u00e4lfte der vierten Inscripti\u00f6 tendinea inscrirai, und dass dem entsprechend der f\u00fcnfte und sechste Abschnitt der Muse, recti eine Verbreiterung und eine Vermehrung der Faserzahl erfahren.\nVon der vierten Inscripti\u00f6 tendinea an laufen die beiden ventralen weisseu Streifen, wie gesagt, auf dem \u00e4usseren Rande der Muse, rech \u2014 sich vollst\u00e4ndig deckend \u2014 nach aufw\u00e4rts und schimmern als ein breiter weisser Strich bis gegen den Schulterg\u00fcrtel hinauf, durch die oberfl\u00e4chliche Muskulatur hindurch Tig. IIcd). Um das Verhalten der oberen Enden der ventralen weisseu Streifen zu sehen, muss die Brustmuskulatur abpr\u00e4parirt werden. Dann sieht man, dass der dem Muse, nid. extemus zugeh\u00f6rige Streif in der H\u00f6he der ersten Inscripti\u00f6 tendinea des DuG\u00c8s\u2019sclien Musc, pubiophoidien scharf abgesetzt aufh\u00f6rt, w\u00e4hrend der zum Muse. obl. internus geh\u00f6rige Streif unter dem ersteren frei hervortretend, geradlinig noch mehrere Linien weiter hinauf steigt, sich dann pl\u00f6tzlich nach aussen wendet, um bogenf\u00f6rmig nach hinten zu laufen: und endlich, schm\u00e4ler werdend und ohne bis an das Ende der Anheftungslinie der obersten Fasern des Mme* obl. internus zu reichen, in jener Fascie aufh\u00f6rt, welche die Peritonealh\u00f6hle nach oben begrenzt und mit dem Herzbeutel, dem Kehlkopf und dem verengerten Theil des Schlundes zusammenh\u00e4ngt Fig. 11// .\nDie letzten Fasern des Muse. obl. internus, die vom obersten Ende des tieferen dorsalen Streifens und vom Querfortsatz des vierten Wirbels entspringen, h\u00e4ngen demnach nur an Einem Ende (dem dorsalen) mit elastischen Elementen zusammen, w\u00e4hrend alle \u00fcbrigen Fasern dieses Muskels an beiden Enden mit elastischen Sehnen in Verbindung stehen. Auch s\u00e4mintliche Fasern des Muse, obl. extemus sind, mit alleiniger Ausnahme des isolirten B\u00fcndelcliens, welches rein sehnig vom Schulterblatt entspringt und daher nur an Einem Ende (dem ventralen mit elastischen Elementen zusammenh\u00e4ngt, zwischen zwei fnscriptiones elastieae ausgespannt.\nDie mikroskopische Untersuchung der weisseu Streifen zeigt,","page":663},{"file":"p0664.txt","language":"de","ocr_de":"604 \u00fceber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc.\ndass sie aus kurzen, dichtgedr\u00e4ngten. netzf\u00f6rmig anastomosirenden elastischen Fasern bestehen, die in Folge ihrer Anordnung und ihres starken Lichtbrech ungsVerm\u00f6gens dem blossen Auge als in querer Richtung leicht spaltbare, in die platten hautartigen Sehnen eingewebte B\u00e4nder von rein weisser Farbe erscheinen.\nLeber den Zusammenhang der elastischen Streifen mit den Muskeln und Sehnen lehren leicht herstellbare Zerfaserungspr\u00e4parate, dass die quergestreifte, oft auffallend viele Fettmolekiile enthaltende Muskelsubstanz im blinden Ende des Sarcolemmaschlauches scharf und bestimmt mit einer oder mehreren abgerundeten Spitzen aufh\u00f6rt, w\u00e4hrend das Perimysium und das Sarcolemma eontinuirlich in feingestreif-tes mit Kernen reich durchsetztes Bindegewebe \u00fcbergeht (Fig. IV .\nGanz nahe an den Muskelfaserenden verlieren sich schon wieder die angeh\u00e4uften Kernbildungen und die feine geradlinige L\u00e4ngsstreifung des Bindegewebes wird ziemlich pl\u00f6tzlich dichter, hier und da wellig und dunkler, und geht endlich in die scharfen Contoureu der dichtgedr\u00e4ngten elastischen Fasern \u00fcber. Ebenso gestaltet sich der Lebergang des Sehnengewebes in das elastische an der jenseitigen Grenze des letzteren.\nDie Fasern des Muskels, der Sehne und des elastischen Streifens haben dieselbe Eichtling, die letzteren sind in die Continuit\u00e4t des Bindegewebes eingewebt und. erstrecken sich durch die ganze Dicke desselben. Sie verdienen daher vollkommen den von mir gebrauchten Kamen von Inscripttones elusticae.\nDas beschriebene an den schiefen Bauchmuskeln vieler Fr\u00f6sche vorkommende Structurverh\u00e4ltniss ist ein sehr auffallendes und \u00fcberraschendes nnd seine Bedeutung ganz r\u00e4thselhaft.\nEs steht, so viel mir bekannt ist, bisher einzig in seiner Art da. denn die zarten Federbalgmuskelchen, welche ganz aus elastischen Fasern gewebte Sehnen besitzen (K\u00f6llikek;, bestehen aus organischen Muskelfaserzellen und dasselbe gilt von den Muskeln, welche Treitz1: mit elastischen Sehnen und Zwischensehnen, zusammenh\u00e4ngend an den verschiedensten Orten beim Menschen aufgefunden hat: w\u00e4hrend es sich hier um Sehnen mit elastischen Inscriptionen handelt, welche kr\u00e4ftigen und weitl\u00e4ufigen animalen Muskelfasermassen angeh\u00f6ren.\nDie Sehnen der animalen Muskeln sind bekanntlich\u2014im Einklang mit ihrer mechanischen Bedeutung \u2014 ausgezeichnet durch die Armutli an elastischen Fasern \u2014 und hier finden sich Sehnen, in welche, durch\n1 Yergl. Frager uied. Yierteljahrsschrift. 1853. Bd. 37, S. 113.","page":664},{"file":"p0665.txt","language":"de","ocr_de":"Ucker die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc. 065\nihre ganze Dicke geltende Streifen reinen exquisit elastischen Gewebes eingeschaltet sind !\nContrahirt sich ein Muskel, dessen Fasern wie die dieser schiefen Bauchmuskeln an einem oder an beiden Enden mit Streifen elastischen Gewebes Zusammenh\u00e4ngen, so werden zun\u00e4chst diese Streifen gedehnt werden und an Breite zu-, an Dicke abnehmen m\u00fcssen.\nDies tritt in der That auch ein, denn tetanisirte ich die schiefen Bauchmuskeln mit Wechselstr\u00f6men, so nahmen die dorsalen Inscriptions elus'icae wohl um das Doppelte an Breite zu und bekamen zugleich durch die Dehnung und Spannung der parallelen elastischen Fasern einen Stich in\u2019s Gelblichgraue und etwas Atlasglanz.\nF\u00fcr die mechanische Wirkung des Muskels wird durch dieses Structurverh\u00e4ltniss offenbar ein Verlust gesetzt, denn bei demselben Aufwand an Kraft, bei demselben Verk\u00fcrzungszustand w\u00fcrde der Muskel, wenn er mit einer wenig oder gar nicht dehnbaren Sehne zu-sammenhinge, Ursprungs- und Ansatzpunkt n\u00e4her gegen einander bringen, oder wenn beide unverr\u00fcckbar w\u00e4ren, seinen Verlauf geradliniger machen und seine Fasern in gr\u00f6ssere Spannung versetzen. als wenn, wie hier, die elastisch dehnbaren Inscriptionen dem Zuge zuerst und leicht nachgeben.\nDer mit zunehmender Dehnung rasch wachsende Elasticit\u00e4ts-co\u00ebfficient der elastischen Fasern wird zwar diesen Uebelstand bald verringern und in so weit beseitigen, dass auch unter diesen Umst\u00e4nden eine kraftvolle mechanische Wirkung m\u00f6glich sein wird; allein immer wird hierzu, d. h. um denselben mechanischen Effect zu erzielen, ein bedeutenderer Contractionsgrad des Muskels aufgewendet werden m\u00fcssen \u2014 also ein Theil der Muskelarbeit verschwendet werden \u2014 wie es ohne das Vorhandensein von Inscriptiones \u00e9lasticit\u00e9 in den Sehnen der Fall w\u00e4re.\nVon diesem Standpunkt aus m\u00fcssen wir also die Existenz der Inscriptiones einsticue f\u00fcr widersinnig und unzweckm\u00e4ssig erkl\u00e4ren.\nDa wir jedoch gewohnt sind, in der Natur stets die sinnreichsten und besten, zugleich aber auch die sparsamsten Mittel und Veranstaltungen zur Erreichung bestimmter Zwecke angewendet zu finden und \u00fcberdies wissen, dass die Sehnen der animalen Muskeln sonst \u00fcberall durch Armuth an elastischen Fasern ausgezeichnet sind, so liegt es nahe, hier ein verborgenes teleologisches B\u00e4thsel zu ahnen und nach einer verst\u00e4ndigen Beziehung des abnormen Structurverh\u00e4ltnisses der Inscriptiones elusticae zu irgend welcher Function der schiefen Bauchmuskeln bei den Fr\u00f6schen zu suchen.\nUeberlegt man zu diesem Ende die weiteren mechanischen Folgen.","page":665},{"file":"p0666.txt","language":"de","ocr_de":"666 Ucber die in den Seimen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc.\nwelche die Einrichtung der Inscriptiones elasticae ausser jener relativen Verschwendung an Muskelkraft nach sich ziehen muss, so d\u00fcrften sich wohl keine anderen als die finden, dass die Bauchwandung an elastischer Dehnbarkeit gewinnen und die Spannung derselben mit dem Contractionsgrad der schiefen Bauchmuskeln nach einem andern Gesetze zu- und abnehmen m\u00fcsse, als wie wenn keine Inscriptiones elasticae vorhanden w\u00e4ren.\nIch muss offen eingestehen, trotz alles Nachsinnens, keine Beziehung der elastischen Dehnbarkeit der Bauchwandung zu irgend einer Function des Froschlebens gefunden zu haben, welche es begreiflich undnothwendig erscheinen liesse, dass eine Vermehrung der elastischen Dehnbarkeit mit einer, wenn auch noch so geringen Verschwendung an Muskelkraft zu erkaufen w\u00e4re.\nDie Hoffnung, eine solche verst\u00e4ndige Beziehung dereinst noch aufzufinden, muss vollends schwinden, wenn man bedenkt :\n1.\tdass die Inscriptiones elasticae sowohl bei M\u00e4nnchen als bei Weibchen Vorkommen, wodurch jeder Gedanke an eine speeifische Beziehung zur Geschlechtsfunction ausgeschlossen wird ;\n2.\tdass sie nicht ausschliesslich bei Kana tempararia. wie ich anfangs vermuthen musste, sondern auch bei Rana esculenta Vorkommen, was jede M\u00f6glichkeit einer Beziehung zu irgend einer, dem Bau und der Lebensweise der Einen Species etwa eigenth\u00fcmlichen Function aufhebt :\n>L endlich, dass sie bei sehr vielen Individuen, Weibchen wie M\u00e4nnchen, sowohl von Rana temporariu als von Rana esculenta ganz und gar fehlen.\nDieser letztere Umstand l\u00e4sst die Inscriptiones elasticae vollends als eine bedeutungslose, r\u00e4thselhaft zuf\u00e4llige Bildung erscheinen. Genauere Procentzahlen \u00fcber die H\u00e4ufigkeit des Fehlens und Vorkommens der Streifen kann ich gegenw\u00e4rtig noch nicht angeben, doch will ich erw\u00e4hnen, dass ich dieselben bei 5 von 12 Fr\u00f6schen angetroffen habe.\nBei der \u00fcberraschenden Ausgepr\u00e4gtheit und Constanz der beschriebenen StructurVerh\u00e4ltnisse bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als dieselben trotz ihrer Bedeutungslosigkeit und Unwesentlichkeit, f\u00fcr ein seltenes histologisches Curiosum und ein interessantes Beispiel eines offenbaren Verstosses gegen das Sparsamkeitsgesetz der Natur zu erkl\u00e4ren, wenn man sie nicht etwa gar als eine pathologische Gewebsumbildung oder Neubildung betrachten will, was jedoch kaum zu rechtfertigen w\u00e4re.","page":666},{"file":"p0667.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc. 667\nErkl\u00e4rung der Abbildungen.\nTafel 25.\nFig. 1. B\u00fcckenansicht eines enth\u00e4uteten Frosches, Rana esculenta : rechter-seits sind der Muse, obliqu. extern., die Schulter- und K\u00fcckenmuskeln bis auf die Wirbels\u00e4ule entfernt.\nM. o. ex. = \u00e4usserer schiefer Bauchmuskel.\n1/. h = innerer schiefer Bauchmuskel.\nM'. o'. V. = oberste Portion des inneren schiefen Bauchmuskels, welche als besonderes B\u00fcndelchen vom Querfortsatze des vierten Wirbels entspringt.\n1, 2, 3, 4 = die vier obersten Wirbel.\n.1/. d = die in der H\u00f6he des Querfortsatzes des f\u00fcnften Wirbels quer durchschnittenen Biickenmuskeln. M'. d' = die \u00e4usserstc an die Spitze des Querfortsatzes des vierten Wirbels angeheftete Portion derselben.\na = der dem \u00e4usseren Schiefen angeh\u00f6rende weisse Streifen. b = der dem inneren Schiefen angeh\u00f6rende weisse Streifen. pp = Peritonealh\u00f6hle. ph = Pharynx.\nM.st. = Muse, stylohyoideus.\nFig. 2. Bauchansicht desselben Frosches ; linkerseits sind die Brustschulterg\u00fcrtelmuskeln ganz entfernt.\nM. o. ex. = \u00e4usserer schiefer Bauchmuskel.\n.1/'. o', ex\u2019. \u2014 dessen oberstes vom Schulterblatte entspringendes Fascikel.\nM. o. i. = innerer schiefer Bauchmuskel.\nM.st. = Muse, mylohyoideus.\nph = Boden der Mundschlundh\u00f6hle. p = Peritonealh\u00f6hle.\ny = grosse querdurchschnittenc Gef\u00e4ssst\u00e4mme.\nM.h. = Muse, hyoglossus.\nM.st. h. = Muse, slernohyoideus.\nh = ein Streifen Haut, an dem sich der Hautmuskel ansetzt.\n.V. p = Musculus peetoralis.\nc = der dem \u00e4usseren Schiefen angeh\u00f6rende weisse Streifen. d = der dem inneren Schiefen angeh\u00f6rende weisse Streifen. cd = die Stelle, wo sich beide Streifen decken; linkerseits schimmern sie daselbst durch den grossen Brustmuskel hindurch.\nv = die grosse Hautvene, welche gleichfalls durch den grossen Brustmuskel hindurchschimmert und am \u00e4usseren Bande desselben abgeschnitten ist.\nFig. 3. Die vordere Bauchwand von innen gesehen.\nM.o.ex. ----- Muse, obliq. externus.\nM'. o', ex\u2019. = dessen oberstes isolirtes Fascikel.\nM.o.i. - - Muse, obliq. internus.\n1,2,8,4, 5 = die f\u00fcnf Inscriptiones tendineae des DuGK.s\u2019schen Muse, pubiohyoidien, dessen oberster Abschnitt auch Muse, sternohyoideus (M.st.h.) heisst, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Abschnitte [M. Mr...........) die Muse, recti abdominis darstellen.","page":667},{"file":"p0668.txt","language":"de","ocr_de":"668 Ueber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen etc.\nc = der weisse Streifen des Muse. obl. externus.\n(1 \u2014 der weisse Streifen des d/usc. obl. interims.\nd' = die Stelle, wo der letztere an der Innenfl\u00e4che der Muse, recti hervortritt.\nv = grosse Vene der vorderen Bauchwand.\nFig. 4. Mikroskopische Ansicht des Zusammenhanges der Muskelenden mit dem elastischen weissen Streifen. Starke Yergr\u00f6sserung.\nM = Muskelprimitivb\u00fcndel, welches mit stumpfer Spitze im Sarcolemma scharf und bestimmt endet.\nS = Der blind endigende Sarcolemmaschlauch, von welchem sich das Ende der Muskelsubstanz zur\u00fcckgezogen hat. so dass ein konischer Hohlraum \u00fcbrig bleibt.\nB = feingestreiftes, reichlich mit Kernen durchsetztes Bindegewebe, welches continuirlieh mit dem Sarcolemma zusammenh\u00e4ngt. Es ist durch absichtliche starke Zerrung des Pr\u00e4parates betr\u00e4chtlich in die L\u00e4nge gedehnt, so dass die Grenze der elastischen Fasern des weissen Streifens Ej viel weiter vom Ende des Sarcolennnas entfernt erscheint, als dies eigentlich f\u00fcr gew\u00f6hnlich der Fall ist. Dieses Pr\u00e4parat wurde deshalb abgebildet, um zu zeigen, dass die Muskelfaserenden nicht unmittelbar mit dem elastischen Streifen Zusammenh\u00e4ngen, sondern dass dieser Zusammenhang durch Bindegewebe vermittelt wird, und dass somit die elastischen Streifen wahre \u00bbInscriptiones elasticae\u00ab der Bauchmuskelsehnen darstellen.","page":668}],"identifier":"lit16198","issued":"1879","language":"de","pages":"660-668","startpages":"660","title":"Ueber die in den Sehnen der schiefen Bauchmuskeln bei Fr\u00f6schen vorkommenden \"Inscritiones elasticae\"","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T17:03:38.761706+00:00"}

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