Open Access
{"created":"2022-01-31T13:18:24.421068+00:00","id":"lit16199","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 670-737. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0670.txt","language":"de","ocr_de":"LUI.\nMitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag,\n[Wien 1864. Verlag von Karl Csermak.\nVorrede.\n^Nachdem ich im Herbst 1860 meine Professur an der pester Universit\u00e4t niedergelegt batte , kehrte ich nach mehrj\u00e4hriger Abwesenheit in meine Vaterstadt Prag zur\u00fcck und richtete mir ein physiologisches Privatlaboratorium ein, um Gelegenheit zu haben die Studien und Arbeiten. welche mein Lebensberuf sind, ungest\u00f6rt fortsetzen zu k\u00f6nnen.\nIch habe mein Laboratorium in einem Maassstabe angelegt, dass es nicht nur meinen pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnissen gen\u00fcgt, sondern auch hinreichend Kaum und Mittel bietet, um eine gr\u00f6ssere Anzahl von Sch\u00fclern und Mitarbeitern zu besch\u00e4ftigen.\nDie Mitte des ersten Stockwerkes des Geb\u00e4udes s. Titelvignette), welches der hiesige Architekt, Herr Ullmann. aufgef\u00fchrt hat, nimmt ein grosser an 100 Zuh\u00f6rer fassender Saal ein, der sein Licht durch 3 Fenster und ein im Plafond angebrachtes Oberlicht erh\u00e4lt. Hechts vom Saal befindet sich ein Vorzimmer und ein kleines Studirzimmer, links vom Saal ein gr\u00f6sseres Arbeitslocal mit Schr\u00e4nken, zum Aufbewahren der Instrumente und Pr\u00e4parate.\nZu ebener Erde sind 4 Zimmer, von denen eines als Werkstatt, eines als Wohnung des Dieners eingerichtet ist, w\u00e4hrend die beiden anderen zur Vornahme chemischer Arbeiten bestimmt sind, und verglaste Herde, Schmelz\u00f6fen u. s. w. enthalten.\nEin die ganze Breite des Geb\u00e4udes einnehmender gew\u00f6lbter Keller zur Aufbewahrung der Thierbeh\u00e4lter, des Brennmaterials und anderer Vorr\u00e4the. und ein luftiger Boden vervollst\u00e4ndigen die disponiblen R\u00e4umlichkeiten.","page":670},{"file":"p0671.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 671\nIn allen Zimmern des Hauses sind Gasr\u00f6hren passend vertheilt und in eines derselben m\u00fcndet ein Wasserleitungshahn. Die ganze Fronte des Geb\u00e4udes sieht in ein G\u00e4rtchen, in dessen Mitte ein Bassin mit fliesseudem Wasser angelegt ist. das im Sommer mit Wasserthieren und Pflanzen bev\u00f6lkert wird.\nWas die innere Einrichtung des Laboratoriums und die Sammlungen von Instrumenten, Pr\u00e4paraten und Lehrbehelfen angeht, so ist die erstere so gut wie vollendet; die letzteren werden angelegt und sind zum Theil bereits in fortw\u00e4hrendem Wachsen begriffen.\nDie Erfahrungen, welche ich in meiner fr\u00fcheren Stellung durch das Anlegen der physiologischen Institute der Universit\u00e4ten zu Krakau und zu Pest gesammelt hatte, kamen mir dabei wesentlich zu Statten.\nWenn ich es mir nun bisher versagt habe, die angedeuteten ausreichenden Mittel zu regelm\u00e4ssigen \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4gen und Gursen f\u00fcr Studenten zu ben\u00fctzen, so ist der Grund davon in localen Verh\u00e4ltnissen und K\u00fccksicliten zu suchen: um so dringender schien es mir aber geboten durch das vorliegende erste Heft der \u00bbMittheilungen\u00ab aus meinem Laboratorium, ein erstes \u00f6ffentliches Lebenszeichen der neuen Anstalt zu geben.\nM\u00f6ge der Inhalt der \u00bbMittheilungen\u00ab eine freundliche Aufnahme finden !\nPrag, 15. J\u00e4nner 1864.\nDer Verfasser.\nI.\nVersuche mit Curare.\nDas zu den folgenden Versuchen verwendete Pfeilgift erhielt ich im September 1863 durch die G\u00fcte des Herrn Prof. Heidenhain in Breslau, welcher dieses ausgezeichnet wirksame Pr\u00e4parat von Herrn C. F. Appun in Bunzlau (pr. Schlesien) bezogen hatte.\nIch l\u00f6ste 0 \u2022 5 Gramm des Giftes in 50 C. C. destillirten Wassers und bereitete mir auf diese Weise eine Fl\u00fcssigkeit, welche in 1 C. C. 10 Milligr. Curare enthielt.\nDie Fr\u00f6sche, an welchen ich experimentirte, waren im rauhen Sp\u00e4therbst des vorigen Jahres eingefangen und seit Wochen in Wasserbeh\u00e4ltern im Keller aufbewahrt worden.","page":671},{"file":"p0672.txt","language":"de","ocr_de":"072 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratoriuin in Prag.\na) Ein einfaches Verfahren, das K\u00f6lliker\u2019sche Experiment zu\ndemonstriren.\nK\u00f6lliker hat s. Virchow\u2019s Archiv IS5CP zuerst nachgewiesen, dass das Curare durch das Blut auf die peripherischen motorischen Nerven wirkt und die Endigungen derselben fr\u00fcher angreift als die St\u00e4mme.\nSein experimentelles Beweisverfahren am Frosch beruht bekanntlich auf den negativen Erfolgen der Curarevergiftungen nach vorher unterbundenen Befassen einer hinteren Extremit\u00e4t oder der ganzen hinteren K\u00f6rperh\u00e4lfte oder nach g\u00e4nzlicher Trennung einer Extremit\u00e4t bis auf den Nerven.\nDas Aufsuchen und Unterbinden der Befasse ist jedoch zeitraubend und nicht ganz m\u00fchelos, die g\u00e4nzliche Trennung einer Extremit\u00e4t bis auf den Nerven hingegen misslich, weil der blossliegende Nerv leicht Zerrungen durch die Bewegungen der getrennten Theile der Extremit\u00e4t erf\u00e4hrt und auf eine gr\u00f6ssere oder geringere Strecke aus seinen nat\u00fcrlichen Verbindungen herausgerissen, sich nicht unter v\u00f6llig denselben Bedingungen befindet, wie der mit ihm zu vergleichende Nerv der anderen K\u00f6rperh\u00e4lfte.\nIch erlaube mir nun hier ein sehr einfaches und von den angedeuteten Uebelst\u00e4nden v\u00f6llig freies Verfahren zur Anstellung des K\u00f6lmker\u2019-schen Experimentes mitzutheilen und f\u00fcr die Demonstration derCurare-Wirkungen im Collegium zu empfehlen, auf welches ich ganz zuf\u00e4llig gekommen bin.\nIch benutze seit langer Zeit zur Befestigung der Fr\u00f6sche d\u00fcnne Br\u00f6tchen aus polirtem harten Holz, welche mit einer Anzahl passend angeordneter L\u00f6chelchen versehen sind. Durch diese L\u00f6chelchen werden beide Enden von nicht zu langen St\u00fccken starken Bindfadens gesteckt, so dass jedes Bindfadenst\u00fcck auf der vorderen Fl\u00e4che des Bret-cliens eine Schlinge bildet. Jede dieser Schlingen wird, nachdem der zu befestigende lv\u00f6rpertheil hindurch geschoben ist, durch Anziehen der auf der hintern Seite des Bretchens hervorstehenden Bindfadenenden fest zugezogen und durch einen kleinen von hinten her eingetriebenen Holzkeil festgestellt.\nAuf diese, beil\u00e4ufig bemerkt sehr bequeme Art, hatte ich die Fr\u00f6sche denn auch befestigt, als ich die Wirksamkeit des von Prof. Heidexiiaix erhaltenen Curare pr\u00fcfen wollte. Die Fr\u00f6sche waren in der Bauchlage durch vier an den ausgestreckten Extremit\u00e4ten angelegte Schlingen festgebunden. An den Armen befanden sich die Schlingen unmittelbar \u00fcber den Ellenbogengelenken, an den Beinen an den Sprunggelenken.","page":672},{"file":"p0673.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen nus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 673\nZu meinem grossen Erstaunen konnte ich nun aber an Fr\u00f6schen, die auf diese Weise befestigt waren, selbst durch sehr starke Dosen der oben angegebenen Curarel\u00f6sung, welche ich durch eine kleine Wunde am Nacken in den mittleren R\u00fcckenhantsack injicirte und seihst nach mehr als stundenlangem Zuwarten keine vollst\u00e4ndige L\u00e4hmung aller K\u00f6rpertheile erzielen.\nZwar wurden die Atliembewegungen immer alsbald vollst\u00e4ndig sistirt und die st\u00e4rkste elektrische Reizung des Plexus sacralis oder des -V. ischiailicus bewirkte keine Zuckung der Beine mehr; allein die F\u00fcsse und Zehen, die Vorderarme und Finger blieben bis zuletzt \u2014 wenn auch in abnehmendem Grade \u2014 beweglich.\nNachdem n\u00e4mlich die Athembewegungen l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt hatten, konnten immer noch Zuckungen der genannten Theile, durch den Willensimpuls der Tliiere, auf reileotorisebcm Wege und endlich \u2014 selbst nach 1\u20142st\u00fcndigem Zuwarten \u2014 immernoch durch Reizung der motorischen Nervenst\u00e4mme ausgel\u00f6st werden.\nBefestigte ich jedoch die Fr\u00f6sche gar nicht oder nur vermittelst dreier \u25baSchlingen auf das Bretehen. w\u00e4hrend eines ihrer Hinterbeine frei herabhing, so stellte sich die gewohnte Curarcwirkung im ganzen K\u00f6rper oder wenigstens in dieser Extremit\u00e4t vollst\u00e4ndig und in gewohnter Zeit ein.\nEs ergab sich somit die unerwartete Thatsache, dass der gar nicht sehr bedeutende Druck der zugezogenen Bindfadenschlingen \u2014 ohne zugleich die Erregbarkeit und Leitungsf\u00e4higkeit der Nerven zu beeintr\u00e4chtigen, \u2014 an den angegebenen Stellen der Extremit\u00e4ten schon eine so bedeutende Circnlationsst\u00f6rung setzt, dass die abgeschn\u00fcrten Theile vor der vollst\u00e4ndigen Vergiftung durch das Blut \u00fcberraschend lange Zeit gesch\u00fctzt werden.\nAuf diese Thatsache gr\u00fcndet sich mein einfaches und bequemes Verfahren, das K\u00f6llikek'scIic Experiment zu demoustriren, welches ich im Folgenden kurz beschreiben will.\nIch befestige einen Frosch vermittelst der Bindfadenschlingen an dreien seiuer Extremit\u00e4ten auf das Bretehen, w\u00e4hrend die vierte Extremit\u00e4t, eines seiner Hinterbeine, frei bleibt : dann vergifte ich das Thier durch eine starke, rasch wirkende Dosis Curare bis zu 1 C. C. obiger L\u00f6sung' und warte das Eintreten der Vergiftung ab. Dann lege ich die beiden bis dahin unter gleichen Bedingungen befindlich gewesenen Y. ischiadici in grosser Ausdehnung bloss und reize dieselben abwechselnd mit beliebig starken elektrischen Schl\u00e4gen oder auf mechanischem oder chemischem Wege.\nDer Erfolg ist nun der bekannte des K\u00d6LLiKER\u2019schen Experiments.\nCzermak, Schriften.\t43","page":673},{"file":"p0674.txt","language":"de","ocr_de":"674 Mittheiluugen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nAu der freien Extremit\u00e4t, mit ungehinderter Circulation, entsteht auf die Reizung des Nervenstammes keine Spur von Bewegung. w\u00e4hrend auf directe Muskelreizung Zuckungen eintreten.\nAn dem. vermittelst der in der Gegend des Sprunggelenks angelegten Bindfadenschlinge befestigten Bein zucken hingegen die Zehen des jenseits der Schlinge befindlichen Fusses nicht nur hei directer Reizung ihrer Muskeln, sondern auch bei Reizung des Ischiadicus kr\u00e4ftig.\nAnfangs und selbst sp\u00e4ter noch l\u00f6st die Reizung sensibler Nervenfasern auf reflectoris\u00dfhem Wege Bewegungen der jenseits der Schlingen liegenden Tlieile der drei angebundenen Extremit\u00e4ten aus und dies gelingt nat\u00fcrlich auch durch Reizung des zu dem v\u00f6llig gel\u00e4hmten freien Beine gehenden Ischiadicus : so dass dann die Extremit\u00e4t, deren Nerv direct gereizt wird, in Bewegungslosigkeit verharrt, w\u00e4hrend der scheinbar ungereizte Fuss der andern Seite und die beiden abge-schn\u00fcrten Vorderarme in lebhafte Bewegung geratlien.\nKurz es lassen sich an einem in der beschriebenen einfachen Weise vorgerichteten Frosch alle jene Thatsachen aufzeigen. aus welchen K\u00f6lliker geschlossen hat :\n1.\tDass das Curare durch das Blut auf die peripherischen, motorischen Nerven wirkt.\n2.\tDass das Curare das Gehirn, das R\u00fcckenmark, und die sensiblen Nerven viel weniger angreift als die motorischen Nerven: und endlich\n3.\tdass das Curare die Endigungen der motorischen Nerven fr\u00fcher angreift, als die St\u00e4mme.\nLegt man an diesen mit grossen Dosen Curare vergifteten Fr\u00f6schen das Herz bloss, zu welchem Ende die Brettchen einen grossen elliptischen Ausschnitt haben, durch welchen die ganze Bauchfl\u00e4che zug\u00e4nglich wird, so sieht man. dass die Herzbewegungen trotz der eingetretenen Vergiftung v\u00f6llig ungehindert von Statten gehen: die Reizung der Medulla oblongata, eines oder beider Vagi erweisen sich jedoch bereits als ganz wirkungslos. Das Herz kann dann hierdurch bekanntlich nicht mehr in diastolischen Stillstand versetzt werden. Gelingt es unter diesen Umst\u00e4nden auf keine Weise mehr den diastolischen Herzstillstand hervorzurufen?\nb) Der Erfolg des Stannius:schen Herzversuches an vergifteten\nFr\u00f6schen.\nHeidexhaix hat die interessante Thatsaclie gefunden '). dass wenn die Curarel\u00e4hmung der Vagi eingetreten und das Herz somit durch\n1 S. Allgem. meet, Centralzeitung. Berlin, 11. Aug. 1S5S.","page":674},{"file":"p0675.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 675\ndie Heizung' der Medulla oblongata oder der Vagusst\u00e4mme selbst nicht mehr zum Stillstand in diastole zu bringen ist, sogleich vollkommener Herzstillstand erfolgt, wenn man entweder eine Ligatur zwischen Vorhof und Sinus anlegt oder das Herz in dieser Gegend mit der Scheere abschneidet.\nBringt man an dem zur K\u00fche gebrachten Herzen eine zweite Ligatur oder einen zweiten Scheerenschnitt in der Atrioventricularfurche an. so beginnt die abgeschn\u00fcrte oder abgeschnittene Herzkammer sofort wieder regelm\u00e4ssig und kr\u00e4ftig zu pulsiren.\nMit einem Worte, es gelingt die beiden Haupterseheinungen des bekannten S\u00efAxxius\u2019schen Versuchs am Froschherzen eben so g u t h e r v o r z u rufen, m a g d e r V a g u s d u r c h Curare v\u00f6llig wirkungslos geworden sein oder aber seine normale Wirksamkeit in unver\u00e4ndertem Grade besitzen. Ohne von Heidexiiaix's Entdeckung etwas zu wissen, habe ich dieselben Thatsachen aufgefunden und im Centralblatt f\u00fcr die mediciuiiihen Wissenschaften 1863 Nr. 56. in der Meinung sie w\u00e4ren neu. mitgetlieilt. An die Mittheilung kn\u00fcpfte ich jedoch einige Er\u00f6rterungen. welche das Gelingen des \u00c9TAXxius\u2019seheu Versuchs am vergifteten Herzen unter einem neuen Gesichtspunkte erscheinen lassen, welcher Heidexiiaix entgangen ist, und deshalb komme ich auf den ganzen Gegenstand nochmals zur\u00fcck. W\u00e4hrend Heidexiiaix n\u00e4mlich aus seinem Versuche im Gegensatz zu der Ansicht K\u00f6llikers schliesst, \u00bbdass die L\u00e4hmung der Vagi durch das Pfeilgift nicht die peripherischen Nervenenden betrifft\u00ab und annimmt, dass entweder beim Vagus die Vergiftung den Stamm betreffe, bei den motorischen Nerven aber die Peripherie, oder dass in beiden F\u00e4llen ein der Peripherie nahe gelegenes St\u00fcck (also weder das peripherische Ende selbst, noch der Stamm gel\u00e4hmt wird: so schien mir der Versuch vielmehr zu beweisen, dass die Vagusfasern keine wesentliche Rolle bei der Hervorbringung der Erscheinungen des SrAxxius'schen Versuchs spielen \u2014 da der Versuch sonst nicht in gewohnter Weise gelingen k\u00f6nnte, wenn die Vagusfasern durch die Vergiftung ganz unwirksam geworden sind. Unter dieser letzteren, zwar unbewiesenen, alier durchaus m\u00f6glichen Voraussetzung w\u00fcrde das Gelingen des \u00f6taxxius sehen Versuchs am vergifteten Herzen neue Momente liefern zur Discussion der wichtigen Frage, ob der Vagus auf einen im Herzen liegenden nerv\u00f6sen Hemmungsapparat einfach verst\u00e4rkend einwirkt, oder ob er die Ganglienth\u00e4tigkcit direct aufhebt. Denn indem es. wie gesagt, gelingt, durch den Ht axnius\u2019sehen Versuch selbst dann Stillstand des Herzens hervorzurufen, wenn die Vagusfasern vergiftet sind.","page":675},{"file":"p0676.txt","language":"de","ocr_de":"(376 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nso gewinnt die Existenz eines hypothetischen Hemmungsapparates im Herzen, zn dem der Vagus in analoger Beziehung st\u00e4nde, wie der motorische Nerv zum Muskel, ganz ungemein an Wahrscheinlichkeit.\nSowie n\u00e4mlich die directeBeizung der Muskeln, vollkommen durch Curare gel\u00e4hmter Fr\u00f6sche, die hei der st\u00e4rksten Reizung ihrer Nerven-st\u00e4mme nicht mehr zucken, die heftigsten Contractionen hervorruft, eben so w\u00fcrde die directe Beizung des hypothetischen Hemmungsapparates, welcher wie die Centralorgane und die sensitiven Nerven der Einwirkung des Giftes verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig sehr lange Zeit widersteht, durch den directen Reiz der S\u00efAXNius\u2019schen Ligatur oder des Scheerenschnittes Herzstillstand erzeugen, wenn er auch schon l\u00e4ngst nicht mehr durch die Beizung der vergifteten Vagi in Bewegung gesetzt werden k\u00f6nnte.\nAlle Erscheinungen hei Fr\u00f6schen, die mit grossen Hosen Curare vergiftet sind, stimmen in der That vollkommen mit der Vorstellung, dass das Verhalten der Vagusfasern zu einem besonderen Hemnmngs-apparat im Herzen, dem Verhalten der gew\u00f6hnlichen motorischen Nerven zu ihren Muskeln ganz analog sei.\nEine Analogie, welche mit der von v. Bezold gefundenen Thatsache \u2014 dass die Vagusfasern der Einwirkung kleinerer Hosen Gift, welch* zur v\u00f6lligen L\u00e4hmung der gew\u00f6hnlichen motorischen Nerven eben ausgereicht haben, noch eine halbe bis vier Stunden lang widerstehen \u2014 in keinem Widerspruch st\u00e4nde. \u2014\nAllein so wie der BEKNARD-K\u00d6LLiKE\u00df\u2019sche Versuch kein absoluter Beweis f\u00fcr die Existenz einer besonderen von den Nerven unabh\u00e4ngigen Muskelirritabilit\u00e4t ist, eben so wenig beweist allerdings das Gelingen des STAxxu s'schen Versuchs am vergifteten Herzen die Existenz eines besonderen Hemmungsapparates im Herzen, den der Vagus so zu sagen als motorischer Nerv in Bewegung setzt.\nHenn in beiden F\u00e4llen kann das Bedenken nicht beseitigt werden, ob nicht die letzten Enden der Nerven ungel\u00e4hmt und wirksam bleiben und ob also nicht nur die Uebertragung der Erregung des Nervenstammes auf diese seine letzten ungel\u00e4hmten Enden durch die Vergiftung gehindert: werde.\nL\u00e4sst man jedoch dieses, ohnehin mehr als gesuchte Bedenken nicht gelten, so wird ohne die Voraussetzung eines eignen Hemmungsapparates. auf welchen der gereizte Vagus einfach verst\u00e4rkend und erregend einwirkt, und durch welchen er erst mittelbar den Herzstillstand erzeugt, das Gelingen des SiANXiisschcn Versuchs am vergifteten Herzen geradezu unerkl\u00e4rlich \u2014 man m\u00fcsste denn die Vorstellung f\u00fcr plausibel halten k\u00f6nnen, dass die Ligatur, der Seheerensehnitt un-","page":676},{"file":"p0677.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheihmgen suis dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 677\nmittelbar dieselbe specifische Wirkung auf die Elemente des Herzens hervorzubringen im Stande sei. die dem Vagus zugesehrieben werden muss, sobald man die Existenz eines besonderen Hemmungsapparates, den der Vagus in Bewegung setzt, \u00fcberhaupt nicht zugeben will.\nFreilich wird durch die Annahme einer Hemmungsvorrichtung das K\u00e4thsel der Hemmungserscheinung selbst nicht im Entferntesten gel\u00f6st, sondern in jenen Hemmungsapparat nur zur\u00fcck verlegt, allein wenigstens die Vagusfasern verlieren dann f\u00fcr uns ihre r\u00e4thselhafte Natur oder \u00bbspecifische Energie\u00ab und f\u00fcgen sich willig der gangbaren Hypothese von der \u00bbGleichartigkeit der Nerven, welche die verschiedenen physiologischen Leistungen der einzelnen Nerven auf die Organe wirft, welche die Nerven am Centrum und an der Peripherie umgeben\u00ab. (Ludwig. Lehrb. 2. Aufl. B. I. S. 114 .\nDie besprochenen Thatsaclien sind vieldeutiger als ihr erster Entdecker urspr\u00fcnglich glaubte. IIeidexhain sah nur zwei m\u00f6gliche Ansichten zur Deutung der Thatsaclien, ohne sich dar\u00fcber entscheiden zu k\u00f6nnen, welche Ansicht mehr f\u00fcr sich hat. \u00bbob diejenige, welche in der Wirkung des Curare auf die motorischen Nerven und ihre Muskeln einen Beweis f\u00fcr die Irritabilit\u00e4t sieht, und dann das Gift auf diese Nerven und den Vagus in entgegengesetzter Weise wirken l\u00e4sst\u00ab (d. h. bei jenen die peripherischen Enden, bei diesem den Stamm l\u00e4hmen l\u00e4sst; ; \u00bboder diejenige, welche die Irritabilit\u00e4t verwirft, um daf\u00fcr das Gift beiderlei Nerven in derselben Weise, (d. li. an einer der Peripherie nahe gelegenen Strecke, ohne L\u00e4hmung der peripherischen Enden selbst, oder der St\u00e4mme' affieiren zu lassen\u00ab.\nMeine Er\u00f6rterungen zeigen, dass die m\u00f6glichen Gonsequenzen der Versuche an vergifteten Herzen damit noch nicht ersch\u00f6pft sind.\nIch stellte eine dritte Ansicht auf, welche auf die urspr\u00fcngliche Bernard'sehe Hypothese \u00fcber die Curarewirkuug zur\u00fcck kommt und wie mir scheint, mehr Wahrscheinlichkeit f\u00fcr sich hat, als die beiden ersten, n\u00e4mlich :\nIn der Wirkung des Curare auf die motorischen Nerven und Muskeln liegt ein Beweis f\u00fcr die Irritabilit\u00e4t.\nEs ist ein sehr gesuchter \u2014 wenn auch nicht zu widerlegender \u2014 Einwand, dass das Curare nicht den Stamm, nicht die peripherischen Enden, sondern gerade nur eine der Peripherie nahe gelegene Strecke der Nerven l\u00e4hmen soll : \u00fcberdies ist die Existenz der Irritabilit\u00e4t auch aus anderen Gr\u00fcnden mehr als wahrscheinlich.","page":677},{"file":"p0678.txt","language":"de","ocr_de":"678 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nDas Pfeil gift aff icirt beiderlei Nerven in derselben Weise, cl. k. es l\u00e4kmt zuerst die peripherischen Enden und dann erst den Stamm. F\u00fcr die motorischen Nerven ist es erwiesene Thatsache, dass der Stamm noch lange erregbar bleibt, wenn die Curarel\u00e4hmung bereits vollst\u00e4ndig eingetreten ist. Ist es nicht das Wahrscheinlichste und Einfachste dasselbe f\u00fcr den Vagus anzunehmen?\nAus der fortdauernden Wirksamkeit der Staxnius\u2019-schen Ligatur hei eingetretener Vagusl\u00e4hmung, ist da-her mit erh\u00f6hter Wahrscheinlichkeit auf die wirkliche Existenz eines, schon aus anderen Gr\u00fcnden im Herzen angenommenen, besonderen Hemmungsapparates zu s c h 1 i e s s e n, w e 1 c h e r d u r c h d e n V a g u s i n a n a 1 o g e r W e i s e, wie der Muskel durch den motorischen Nerv, in Bewegung gesetzt wird.\nDiese Ansicht erkl\u00e4rt Alles am ungezwungensten und steht \u00fcberdies im besten Einklang mit der Hypothese von der \u00bbGleichartigkeit der Nerven\u00ab.\nc) Demonstration des B e r n ar d\u2019sehen Experiments vermittelst Stromschleifen.\nMan br\u00fcckt das peripherische Ende des durchschnittenen Ischia-dieus so \u00fcber die Elektroden der Inductionsspirale, dass es auf der einen Seite frei herabli\u00e4ngt und zeigt die v\u00f6llige Wirkungslosigkeit der st\u00e4rksten Wechselstr\u00f6me bei vollkommener Isolirung des Pr\u00e4parates.\nSenkt man dann die Elektroden so weit, dass das frei herabk\u00e4\u00fc-gende Ende des Nerven die von ihm versorgten Muskeln ber\u00fchrt, so verfallen dieselben sofort in die heftigsten Zuckungen, in Folge der directen Reizung, welcher sie durch die Stromschleifen ausgesetzt sind, welche in die, zwischen Nerv und Muskel gebildete Nebenschliessung hereinbrechen.\nEs sieht dann aus, wie wenn der vergiftete Nerv auf einmal wieder erregbar geworden w\u00e4re, w\u00e4hrend die Erscheinung nichts als eine gef\u00e4llige Form des BERXARo\u2019schen Experiments ist. nach welchem die Curarevcrgiftung die Wirksamkeit der motorischen Nerven auf ihre zugeh\u00f6rigen Muskeln aufhebt, die directe Erregbarkeit dieser letzteren aber nicht vernichtet.","page":678},{"file":"p0679.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 679\nII.\nEin Apparat zur Erl\u00e4uterung der InneiTationsvorg\u00e4nge, welche rhythmisch erfolgende Bewegungen erzeugen und reguliren.\nIch habe mir die Aufgabe gestellt, eine leicht herstellbare mechanische Vorrichtung auszusinnen, vermittelst welcher dem Sch\u00fcler jene Vorstellungen recht anschaulich und verst\u00e4ndlich gemacht werden k\u00f6nnten, welche in neuester Zeit namentlich Rosenthal und v. Bezold zur Erkl\u00e4rung der Functionen rhythmisch wirkender automatischer Centralorgane \u00fcberhaupt und in specie jener der Athem- und Herzbewegungen entwickelt haben.\nEs gelang mir die gestellte Aufgabe durch den sogleich zu beschreibenden Apparat zu l\u00f6sen *).\nIch glaube damit nichts Ucberfl\u00fcssiges getlian zu haben, denn ich halte diese und \u00e4hnliche Vorrichtungen, wie z. B. das Webee\u2019scIic Kreislaufschema, das DoxoEKs'sche Schema zur Erl\u00e4uterung der Druckverh\u00e4ltnisse im Thorax, Ruete\u2019s Ophthalmotrop, Du Bois\u2019 Zink-kupferschcma, etc. in didaktischer Beziehung f\u00fcr unentbehrlich und bin \u00fcberzeugt| das jeder praktische Lehrer der Physiologie, der es liebt fasslich und anschaulich zu lehren, das Bed\u00fcrfniss nach derartigen mechanischen Schemata gef\u00fchlt haben wird.\nMein Apparat ist in folgender Weise eingerichtet s. Fig. 1. S. 6S0) :\nUnter einem Wasserbeh\u00e4lter A mit Hahn II, durch dessen Stellung die Abflussmenge des Wassers beliebig regulirt werden kann, befindet sich ein leichtes, um eine horizontale Axe bewegliches (befass oder Schiffchen S, welches durch eine senkrechte Scheidewand s in zwei symmetrische F\u00e4cher getheilt ist. Wird die Basis bb des Schiffchens horizontal eingestellt, so stehen die Drehungsaxe, die Scheidewand und die Abfluss\u00f6ffnung des Hahns am Wasserbeh\u00e4lter in der senkrechten Medianebene genau \u00fcbereinander.\nUeberl\u00e4sst man das zweif\u00e4cherige Schiffchen sich selbst, so kippt es, je nachdem es das Uebergewicht bekommt, nach der rechten oder der linken Seite um. Damit es jedoch nicht ganz nach unten umschlage und statt der M\u00fcndung seiner F\u00e4cher die Basis nach oben kehre, so ist unter demselben eine horizontal gestellte Gabel G ange-\n1 Der Apparat wurde das erste Mal in der Sitzung des Vereins praktischer Aerzte zu Prag vom 25. Nov. 1803 vorgezeigt.","page":679},{"file":"p0680.txt","language":"de","ocr_de":"680 Mittheilungen aus dem physiologischen Privntlahoratoriuin in Prag.\nbracht, welche an der Stativstange der ganzen Vorrichtung in senkrechter Richtung verschoben und in jeder H\u00f6he durch das Schr\u00e4ubchen p fixirt werden kann.\nDas umfallende Schiffchen findet auf dem einen oder dem anderen Arm m m' der Gabel einen Stutzpunkt und gelangt in schiefer Stellung zur Ruhe. Je tiefer die Gabel herabgeschoben wird, desto schiefer stellt sich das Schiffchen, je h\u00f6her die Gabel steht, desto geringer ist die Schiefstellung.\nOeffnet man den Hahn des Wasserbeh\u00e4ltnisses, so kann das Wasser wegen der Schiefstellung des Schiffchens nur in das eine der beiden F\u00e4cher fliessen. Es sammelt sich daselbst so lange an, bis es dieser H\u00e4lfte des Schiffchens das Uebergewicht verschafft. Das Schiffchen kippt endlich um und wird in seiner Bewegung durch den diesseitigen Arm m der Gabel in genau derselben aber in entgegengesetztem Sinne schiefen Stellung gehemmt, in welcher es im Beginne des Versuchs durch den jenseitigen Gabelarm m' festgehalten wurde.\nFig. 1. Der Apparat zur Erl\u00e4uterung der Innervationsvorg\u00e4nge rhythmisch wirkender automatischer Centralorgane.\nA Wasserbeh\u00e4lter, .ff Ilahn, k Kautschukrohr, t Glasr\u00f6hrchen, a h\u00f6lzerner Arm, S zweif\u00e4cheriges Schiffchen, s dessen Scheidewand, b b dessen Basis, d ein an dieselbe befestigter Kork mit Querbohrung, durch welche eine Glasr\u00f6hre gesteckt ist, tt' Tr\u00e4ger der Glasr\u00f6hre, die als Axe dient, um die sich der querdurchbohrte Kork und das Schiffchen drehen, 6'eine h\u00f6lzerne, durch das Schr\u00e4ubchen/\u00bb an der Stativstange in beliebiger H\u00f6he feststellbare Gabel, mm' deren\nArme, li weiter Holztrichter, 6'graduirter Cylinder.","page":680},{"file":"p0681.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dem physiologischen Privathiboratorium in Prag. OS 1\nDas in dem einen Fache angesammelt gewesene Wasser muss wegen der Schiefstellung bis auf den letzten Tropfen abfliessen. w\u00e4hrend das aus dem Hahn von \u00f6lten eontinuirlich zufliessende Wasser in dem anderen Fache sich sammeln muss, weil die Scheidewand der beiden F\u00e4cher beim Umkippen des Schiffchens durch die Medianebene schlug. Das Spiel des Umkip pens beginnt von neuem in entgegengesetztem Sinne und es dauern die regelm\u00e4ssigen rhythmischen Schaukelbewegungen des Schiffchens mit bestimmter Frequenz und in bestimmter Gr\u00f6sse so lange fort, als das Wasser aus dem Hahn des Wasserbeh\u00e4lters nachfliesst.\nDie beim Umkippen des Schiffchens jedesmal entleerten Wasser-mengen werden in einem graduirten Oylinderglas C gesammelt. Zu diesem Ende befindet sich unterhalb des Schiffchens, als letzter Be-standtheil der ganzen Vorrichtung, ein weiter h\u00f6lzerner Trichter B unter dessen Abfluss\u00f6ffnung der graduirte Cylinder steht.\nEs ist leicht zu ersehen, wie die beschriebene Vorrichtung f\u00fcr den Eingangs erw\u00e4hnten didaktischen Zweck verwerthet werden kann.\nDas Wasserbeh\u00e4ltniss .1 stellt die Quelle des continuirlichen Reizes in einem automatischen Centralorgan vor. Das durch den Hahn ab-fiiessende Wasser versinnlicht die sich fortpflanzende Erregung.\nDas zweif\u00e4cherige Schiffchen S repr\u00e4sentirt die Widerstandsvorrichtungen in den nerv\u00f6sen Apparaten, welche man \u00fcberall da. wo sich die Innervationswirkung nur in regelm\u00e4ssig rhythmischen Pausen einstellt, annelimen muss, wenn man nicht, auf jeden Erkl\u00e4rungsversuch verzichtend, die rhythmische Th\u00e4tigkeit als eine specifische \u00bbLebenseigenschaft\u00ab der Centralorgane hinnehmen will.\nKann man also vermittelst meiner Vorrichtung die gangbare Vorstellung von der Umsetzung eontinuirlich entstehender Reize in rhythmisch aufeinanderfolgende Erregungen, d. h. die Erkl\u00e4rung der automatischen. rhythmischen Innervationserscheinungen \u00fcberhaupt anschaulich machen: so gelingt es nun auch alle die Modificationen der rhythmischen Bewegungen im Organismus, wie dieselben durch die sogenannten Hemmungsnerven, durch ihre Antagonisten und durch die Vermehrung der in den automatischen Centralorganen erzeugten Reizquantit\u00e4ten in Folge der Th\u00e4tigkeit der \u00bbeveitirenden Nerven\u00ab oder anderer Ursachen bewirkt werden, so wie endlich die Ver\u00e4nderungen der geleisteten Arbeit der rhythmisch th\u00e4tigen Organe nachzuahmen und handgreiflich wiederzugeben.\nDas Auf- und Zudrehen des Hahns H am Wasserbeh\u00e4ltniss vermehrt und vermindert die zum Schiffchen herab fliessende Wassermenge.","page":681},{"file":"p0682.txt","language":"de","ocr_de":"6S2 Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratonum in Prag.\nwelche die im automatischen Centralorgan ausgel\u00f6ste Reizquantit\u00e4t repr\u00e4sentirt.\nDurch Handhabung des Hahns H ist somit die M\u00f6glichkeit zur Nachahmung der Wirkungen der Reizung oder L\u00e4hmung der sogenannten excitirenden Nerven oder jener Vorg\u00e4nge \u00fcberhaupt gegeben, welche die Gr\u00f6sse der ins Spiel kommenden Reizquantit\u00e4t bedingen.\nDas h\u00f6her oder tiefer Einstellen der an der Stativstange senkrecht verschiebbaren zweiarmigen Gabel, welche die Excursionen des Schiffchens limitirt, bewirkt eine geringere oder bedeutendere Schiefstellung des Schiffchens vor und nach dem Umkippen und hierdurch eine Verminderung oder Vermehrung des Widerstandes, welchen das Schiffchen seinem durch das einseitige Einstr\u00f6men des \"Wassers bedingten Umkippen und damit dem Abfiiessen des Wassers entgegensetzt.\nDurch die senkrechte Verschiebung der Gabel G ist somit die M\u00f6glichkeit zur Nachahmung der Einfl\u00fcsse der Reizung und der L\u00e4hmung der sogenannten Hemmungsnerven und ihrer Autogonisten gegeben, welche nach der gangbaren Vorstellung keinen directen Einfluss haben auf die Erzeugung des Reizes in den automatischen Centren, wohl aber auf die Vermehrung oder Verminderung der supponirten Widerst\u00e4nde, die der Fortpflanzung der Erregung auf die Endapparate entgegen stehen, und hierdurch nur auf die jedesmal zur Abgleichung kommende oder wirksam werdende Reizquantit\u00e4t.\nDer graduirte Cylinder C endlich, in welchem der weite Trichter das durch das Schiffchen rhythmisch entleerte Wasser zusammenfliessen macht, erlaubt die, durch jede einzelne Bewegung und die. in der Zeiteinheit durch die rhythmische Th\u00e4tigkeit des Apparates gelieferte Wassermenge genau zu bestimmen. Durch das Ablesen des Wasserstandes an der Graduirung des Cylinders wird die Arbeitsgr\u00f6sse des Apparates in ganz analoger Weise gemessen, wie die Herzarbeit durch den Blutdruck, die Atlnnungsgr\u00f6sse durch den Stand des Spirometers. Dieses Ablesen dient somit zur Ermittelung des Verh\u00e4ltnisses, in welchem die Frequenz und die Gr\u00f6sse der rhythmischen Bewegungen zu ihrem schliesslichen Nutzefl'ect stehen. \u2014\nIch will nun die speeielle Anwendung meines Schemas besprechen.\na) Zur Nachahmung der Rogulirung der Athembewegungen.\nBekanntlich werden die Verschiedenheiten der Athembewegungen in Rhythmus, Zahl und Tiefe etc. wesentlich durch die Th\u00e4tigkeit des automatischen Respirations-Centrums in der Medulla oblongata und","page":682},{"file":"p0683.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Priv\u00e4tlahoratorium in Prag. 683\ndurch die Erregungszust\u00e4nde des Vagus und des N. laryngms superior regulirt1 .\nDie Tli\u00e4tigkeit des Respirations-Centrums in der Medulla oblongata wird durch den Oxygengehalt des Blutes bestimmt; Oxygenmangel vermehrt, Steigerung des Oxygengehalts im Blut vermindert jene Tli\u00e4tigkeit.\nDurch die Vermehrung der Tli\u00e4tigkeit des automatischen Centralorgans werden die Athembewegungen verst\u00e4rkt oder wie sich die klinische Medicin ausdr\u00fcckt \u00bbdisp no \u00eb tisch\u00ab, d.h. sie nehmen an Zahl und Tiefe zu : umgekehrt kann es nach Rosenthal\u2019s. Versuch zur v\u00f6lligen Sistirung der Athembewegungen und Erschlaffung s\u00e4mmtlicher Athemmuskeln kommen, wenn durch energische und l\u00e4ngere Zeit fortgesetzte k\u00fcnstliche Athmung der Oxygengehalt des Blutes \u00fcber eine gewisse Grenze hinaus gesteigert wird.\nBeide diese Zust\u00e4nde lassen sich an meinem Schema nachahmen.\nAn den rhythmischen Bewegungen, in welche das Schiffchen ge-r\u00e4th. wenn der Hahn des gef\u00fcllten Wasserbeh\u00e4lters ge\u00f6ffnet wird, l\u00e4sst sich n\u00e4mlich die H\u00e4ufigkeit derselben und die Gr\u00f6sse der bei jedem Umkippen gelieferten Wassermenge eben so unterscheiden, wie an den Athembewegungen die Zahl und die Tiefe. Die in der Zeiteinheit im graduirten Cylinder angesammelte Wassermenge stellt die Atlimungs-gr\u00f6sse vor.\nIn dem Maasse nun als der Hahn aufgedreht wird und die Menge des in der Zeiteinheit zum Schiffchen herabfliessenden Wassers zunimmt, ohne dass sonst etwas an der Anordnung des Schema\u2019s ge\u00e4ndert wird, nimmt die Frequenz der rhythmischen Bewegungen des Schiffchens zu, weil die zum Umkippen desselben erforderliche'Wassermenge durch den vermehrten Zufluss in k\u00fcrzerer Zeit zusammen kommt.\nZugleich aber wird auch die bei jedem Umkippen, so wie die in der Zeiteinheit entleerte Wassermenge, wie die Ablesung des Wasserstandes am graduirten Cylinder wirklich zeigt, vergr\u00fcssert sein m\u00fcssen, weil der w\u00e4hrend des Umkippens, in das sich f\u00fcllende Fach zuflies-sende Wasser \u00fcb er schuss, welcher so lange w\u00e4chst, als die Scheidewand der beiden F\u00e4cher nicht die Medianebene passirt hat, wegen des vermehrten Zuflusses, ebenfalls gr\u00f6sser geworden ist.\nAls Beispiel lasse ich eine am Schema wirklich ausgef\u00fchrte Beobachtung folgen :\nBei unv er\u00e4nderter Stellung der Gabel ergab :\ni 8. die treffliche Schrift Rosenthal\u2019s: Die Regulirung der Athembewegungen in ihren Beziehungen zum -V. vagus. Berlin 1862.","page":683},{"file":"p0684.txt","language":"de","ocr_de":"684 Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nGr\u00f6sse der Halmer\u00f6ftnung.\tZahl der Bewe- i Gelieferte Wass\termenge in C. C. ;\n\tgUll,^ ClCb O Cil XIX chens iii einer , jn ejner halben halben Minute.\tMinute.\tBei jeder einzelnen Bewe- i gung.\nkleinste\t10\t05\t0,5\nmittlere\t28\t1\t192\t6,8 |\ngr\u00f6sste (ganze;\t54\t1\t425\t7,1\nDas Aufdrehen des Halms olme Ab\u00e4nderung der Gabelstellung bewirkt also aufSchema den dispno\u00f6 tischen Zust\u00e4nden der Athembewe-gungen, welche durch steigende Verarmung des Blutes an Oxygen hervorgerufen werden, ganz analoge Ver\u00e4nderungen der rhythmischen Bewegungen und ihrer Arbeitsgr\u00f6sse.\nWird der Hahn nach und nach zugedreht und die Menge des lier-abfliessenden Wassers vermindert, so verschwinden die beobachteten Ver\u00e4nderungen der Th\u00e4tigkeit des Schema\u2019s ganz ebenso, wie die dis\u2014 pno\u00f6tischen Zust\u00e4nde der Athembewegungen. wenn die Oxygenzufuhr vermehrt wird.\nIst der Hahn endlich ganz zugedreht, so bleibt die Vorrichtung ganz stehen, so wie die Athembewegungen in Kosexthal\u2019s Versuch durch die \u00fcber eine gewisse Grenze fortgesetzte Steigerung desOxygen-gehalts im Blut sistirt werden.\n\u00bbDie Athembewegungen werden erregt durch den Beiz des Blutes auf das respiratorische Centralorgan. Der Ucbergang dieser Erregung auf die betreffenden Nerven und Muskeln findet einen Widerstand, durch welchen die st\u00e4tige Erregung in eine rhythmische Action umgesetzt wird. Dieser Widerstand wird vermindert durch die Einwirkung des X. vagus, vermehrt durch die Einwirkung des N. largngeus superior. Der Grad der Th\u00e4tigkeit des Centralorgans ist abh\u00e4ngig von dem Sauerstoffgehalt des Blutes, die Vertheilung dieser Th\u00e4tigkeit auf einzelne Inspirationen und demgem\u00e4ss die Zahl und Tiefe derselben, bei gleichbleibender Erregung, von der Wirkung jener Nerven\u00bb. (Rosexthal a. a. O. S. 256(.\n1. Die Reizung des Vagus vergr\u00f6ssert die Frequenz der Athem-ziige und vermindert deren Tiefe, die Atlnnungsgr\u00f6sse jedoch bleibt bei den S\u00e4ugethiereu wesentlich unge\u00e4ndert. Haben wir unser Schema bei tiefer Gabelstellung in Bewegung gesetzt und schieben die Gabel gegen das Schiffchen empor, so kann sich dasselbe beim Umkippen nur in geringerem Grade schr\u00e4g stellen und setzt dem einstr\u00f6menden Wasser einen geringen Widerstand entgegen : bei gleichbleibender Er\u00f6ffnung des Hahns wird somit die jetzt zum Umkippen des Schiffchens nothige geringere Wassermenge in k\u00fcrzerer Zeit geliefert werden und die","page":684},{"file":"p0685.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dein physiologischen Privatkboratorium in Prag. (5S5\nrhythmischen Bewegungen des Schiffchens m\u00fcssen nun in k\u00fcrzeren Pansen aufeinander folgen und die hei jeder einzelnen Bewegung ausgesch\u00fcttete Wassermenge wird kleiner sein, als fr\u00fcher: die in der Zeiteinheit gelieferte Wassermenge wird aber wesentlich dieselbe bleiben.\nBeispiel : H a h n \u00f6 f f n u n g ,(m ittelgrossj constant.\nGabeleinstellung.\tZahl der Bewegung des Schiffchens in einer halben Minute.\tGelieferte Wasserm enge in C. C.\t\n\t\tin einer halben Minute.\tbei jeder einzelnen Bewegung.\nhoch\t54 40\t190 190\t|,6 4,1\nmittel\t28 28\t194 190\t0,9 0.7\ntief\tPI 17\t190 175\t10,0 lo,2\n2.\tWird durch die Verst\u00e4rkung der Vagusreizung der Widerstand immer mehr herabgesetzt, so tritt endlich eine st\u00e4tige Uebertragung der von der Medulla oblongata gelieferten Erregung auf die Muskeln ein und dieselben verfallen in tetauische Contraction: die Athmung steht in inspiratione still.\nWird die Gabel nach und nach bis an die Basis des Schiffchens emporgeschoben, so dass es horizontal festgestellt, dem continuirlichen Abfluss des Wassers gar keinen Widerstand mehr entgegenstellen kann, so fliesst das Wasser ohne Unterbrechung ab.\n3.\tZwischen der Vermehrung derFrequcnz der Athembewegungen und der tetanischen Contraction der Inspiratoren Zwerchfell in Folge von Vagusreizung liegt noch ein dritter Fall \u2014 n\u00e4mlich, wenn bei einer gewissen Gr\u00f6sse der Vagusreizung der Widerstand pl\u00f6tzlich stark vermindert wird, so muss eine m\u00e4chtige Contraction der Muskeln auf-treten, welcher dann eine schwache st\u00e4tige oder auch rhythmische Th\u00e4tigkeit derselben nachfolgt.\nUm diesen Fall am Schema nachzuahmen, braucht man nur bei relativ kleiner Hahn\u00f6ffnung irnd tiefer Gabelstellung durch pl\u00f6tzliches Emporschieben das Schiffchen in d e m Momente Umschl\u00e4gen zu machen, wo es dem Umkippen nahe recht stark gef\u00fcllt ist und die Gabel ganz, oder mehr oder weniger hoch festzustellen. Es tritt bei diesem Man\u00f6ver zuerst eine m\u00e4chtige Entleerung von Wasser ein, welcher wegen der kleinen Hahn\u00f6ffnung und der Hochstellung der Gabel ein schwacher st\u00e4tiger oder auch rhythmischer Wasserabfluss nacbfolgt.","page":685},{"file":"p0686.txt","language":"de","ocr_de":"68(j Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n4.\tEndlich l\u00e4sst sich am Schema anschaulich machen, warum die Vagusreizung keine Contractionen des Zwerchfells ausl\u00f6sen kann, wenn die Athemhewegungeu durch die \u00fcber einen gewissen Grad fortgesetzte Steigerung des Oxygengehaltes im Blute sistirt worden sind.\nIst n\u00e4mlich der Hahn des Wasserbeh\u00e4lters geschlossen und das Schiffchen zur Buhe gekommen, so sieht man sofort ein. dass das blosse Emporschiehen der Gabel Vagusreizung kein Abfiiessen von Wasser aus dem verschlossenen Beh\u00e4lter und dem entleerten Schiffchen bewirken kann.\n5.\tWas ferner die Folgen der Vagusdurchschneidung angeht, welche wegen der steten tonischen Erregung seiner Fasern mit den Folgen schw\u00e4cherer Beizung des .V. laryngem superior \u2014 des Antagonisten des Vagus \u2014 wesentlich Ubereinstimmen, so lassen sich dieselben, so wie die Folgen st\u00e4rkerer Laryngeusreizung am Schema durch Verschiebung der Gabel nach unten aufzeigen.\nVagusdurchschneidung, wie Laryngeusreizung vergr\u00fcssert den im respiratorischen Centralorgan angenommenen Widerstand.\nZun\u00e4chst ist klar, dass Vagusdurchschneidung je nach der vor der Durchschneidung vorhandenen tonischen Erregung seiner Fasern, oder schw\u00e4chere Beizung des .V. laryrigms superior die Anzahl der Bespira-tionen vermindern, aber die Tiefe und Energie der einzelnen Athemziige vermehren m\u00fcssen, ohne die Bespirationsgr\u00fcsse wesentlich zu \u00e4ndern.\nWird die Gabel am Schema durch Herabschieben von der Basis des Schiffchens entfernt, so stellt sich dieses letztere schiefer und setzt dem Umkippen einen gr\u00f6sseren Widerstand entgegen. Es ist dann, um das Umkippen zu bewirken, eine gr\u00f6ssere Wassermenge erforderlich.\nBei unver\u00e4ndertem Zufluss wird daher eine l\u00e4ngere Zeit verstreichen, bis die erforderliche Wassermenge beisammen ist \u2014 die Bewegungen des Schiffchens werden seltener werden, dagegen muss jede einzelne Bewegung eine gr\u00f6ssere Wassermenge entleeren, und an sich kr\u00e4ftiger ausfallen. da als Triebkraft ein absolut gr\u00f6sseres Uebergewicht ins Spiel kommt. Die in der Zeiteinheit gelieferte Wassermenge Bespirationsgr\u00fcsse bleibt wesentlich unge\u00e4ndert. ;Vergl. die 8. 6S5 mit-getheilte Tabelle .\n6.\tBei verst\u00e4rkter Erregung des-A\u2019. laryngem sup. tritt ein g\u00e4nzliches Aufh\u00f6ren der Athcmbewegung ein : die Erschlaffung der Inspiratoren dauert aber nur so lange, bis die fortdauernde Beizung des ( entralorgans durch das Blut so m\u00e4chtig geworden ist, dass sie endlich den vergr\u00f6sserten Widerstand zu \u00fcberwinden vermag. Dann erfolgen noch w\u00e4hrend der Beizung des Laryngeus oder, wenn diese rechtzeitig","page":686},{"file":"p0687.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 6S7\nunterbrochen wird, nach derselben seltene aber sehr m\u00e4chtige Atlieni-bewegungen.\nMan braucht nur die ziemlich hoch eingestellte Gabel rasch nach abw\u00e4rts zu schieben, um ganz analoge Erscheinungen am Schema hervorzubringen.\nHat man n\u00e4mlich die Gabel rasch nach unten verschoben, so stellt sich das dem st\u00fctzenden Gabelarm folgende Schiffchen sehr schr\u00e4g und bleibt geraume Zeit ganz ruhig stehen, bis sich endlich so viel Wasser in dem betreffenden Fach angesammelt hat, dass es den vergr\u00f6sserten Widerstand zu \u00fcberwinden und das Schiffchen von Neuem in Bewegung zu setzen vermag.\nDie ausgel\u00f6sten Bewegungen sind aber dann auch sehr kr\u00e4ftig und die jedesmal entleerten Wassermengen sehr bedeutend.\n7. Die C\u2019ontractionen expiratorischer Muskeln, welche sich bei noch mehr verst\u00e4rkter Beizung des s\u00a3aryngem sup. zu der vollst\u00e4ndigen Erschlaffung der Inspiratoren gleichzeitig hinzugesellen k\u00f6nnen, lassen sich am Schema schon deshalb nicht darstellen, weil bei der Construction desselben keine R\u00fccksicht auf die beiden antagonistischen Kategorien der Athemmuskeln ln- und Exspiratoren und auf ihre ganz odertheilweis getrennten Innervationsvorrichtungen, genommen worden ist.\n1>) Zur Nachahmung' der Innervation des Herzens.\nIn derselben Weise wie die Verschiedenheiten der Athembewegun-gen, k\u00f6nnen auch die ganz analogen Erscheinungen des Herzschlages und Blutdrucks bei modificirter Innervation der Herznerven an dem Schema demonstrirt werden.\nZur detaillirten Erl\u00e4uterung der von v. Bezold \u00fcber die Innervation des Herzens entwickelten Vorstellungen1 d\u00fcrfte die wirkliche Nachahmung der Erscheinungen am Schema ein entschieden eindringlicherer Behelf sein, als das von v. Bezold zu demselben Zwecke herbeigezogene Bild von der Dampfmaschine mit ver\u00e4nderlicher Dampftensiou und Ventilspannung.\nv. Bezold sagt a. a. O. II. Abtli. S. 306 :\n\u00bbDenken wir uns den Fall, dass Vagus und B\u00fcckenmark auf\u2019s Herz nicht einwirken\u00ab.\n1 S. v. Bezold : \u00bbUnters, \u00fcber die Innervation des Herzens\u00ab. Leipzig, P.ngel-mann 1SG3. I. u. II. Abtldg. Sollten sich diese Vorstellungen auch nicht in ihrer ganzen Ausdehnung best\u00e4tigen vgl. Goltz, Ludwig u. Thiry), -\u2014 zur Erl\u00e4uterung der von v. Bezold sichergestellten That Sachen wird mein Schema immer geeignet bleiben.","page":687},{"file":"p0688.txt","language":"de","ocr_de":"OSS Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n\u00bbZwischen dem Urspr\u00fcnge der Herzganglien und ihrem Ende in der Muskulatur werden von Zeit zu Zeit Abgleichungen geschehen, deren jede eine Contraction erzeugt. In der Bahn, die zwischen den motorischen Herzganglien und der Muskulatur des Herzens liegt, m\u00fcssen wir uns normale'Widerst\u00e4nde vorstellen, welche auch nach Fortfall der Yagusth\u00e4tigkeit immer eine gewisse Hemmung der Beizahgleichungen zwischen motorischem Centrum und Herzmuskel bedingen\u00ab.\n\u00bbDie Annahme solcher Ventile, solcher Widerst\u00e4nde, w\u00fcrde jedenfalls die normalen rhythmischen Contractionen des Herzens erkl\u00e4ren. In der Ganglienmasse des Herzens wird fortw\u00e4hrend Reiz producirt. Dieser gleicht sich aber immer erst ab, er gelangt immer erst dann zum Herzmuskel, wrenn der in seinem Wege liegende Widerstand \u00fcberwunden , wrenn gleichsam das Ventil ge\u00f6ffnet wird, auf welches die Erregung proportional ihrer St\u00e4rke dr\u00fcckt. Bei aufgehobener Vagus-und R\u00fcckenmarksth\u00e4tigkeit wird in der Zeiteinheit wenig Reiz im Herzganglion producirt. Dieser Reiz gleicht sich trotzdem in relativ kleinen Pausen ab.\u00ab . . \u00bbEs r\u00fchrt dies her von der geringen Spannung des Ventils, von dem ungemein kleinen Widerstande, der auf dem Wege zwischen Reiz und Herzmuskel bei ruhenden oder gel\u00e4hmten Vagusendigungen liegt. Deshalb sind die Quantit\u00e4ten der Reizung, welche zur Oeffnung des Ventils hinreichen, so gering, dass die einzelnen Pulsationen ungemein schwach ausfallen. Die Herzt\u00f6ne sind unh\u00f6rbar. die elektrische Ver\u00e4nderung des Herzmuskels bei der Contraction ist sehr klein : die Herzarbeit, die sich in der H\u00f6he des arteriellen Blutdruckes kund gibt, wird so gering, dass sie auf die Dauer nicht mehr hinreicht, um das normale Leben der S\u00e4ugethiere zu erhalten\u00ab.\nDiesen Zustand des Herznervensystems imitiren wir am Schema, wenn wir die Gabel hoch stellen und den Hahn nur wenig \u00f6ffnen. Die Bewegungen oder Pulsationen des Schiffchens werden relativ h\u00e4ufig aber sehr schwach sein, und die in der Zeiteinheit erreichte Wasserh\u00f6he im graduirten Cylinder, in welcher sich die hier geleistete Arbeit \u2014 wie die Herzarbeit in der H\u00f6he des arteriellen Blutdruckes \u2014 kund gibt, wird eine geringe sein und sehr langsam wachsen. Bringt man eine Abfluss\u00f6ffnung am Boden des Cylinders an oder versenkt man in das Gef\u00e4ss den einen Arm eines Hebers \u2014 wodurch das sich ansammelnde Wasser mit bestimmter beliebig ver\u00e4nderlicher Geschwindigkeit wieder abfliesst, so kann man auch die Erscheinungen des Sinkens und Steigens des arteriellen Blutdruckes, wie es die verschiedenen Innervationszust\u00e4nde des Herzens etc. bedingen, v\u00f6llig anschaulich machen.\nA. a. 0. S. 3o7 heisst es:","page":688},{"file":"p0689.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 689\n\u00bbWir reizen nun das excitirende System des Herzens, das R\u00fcckenmark\u00ab.\n\u00bbIndem wir dieses than, fuhren wir dem im Herzen liegenden Gangliensystem eine Menge von Erregung zu. Mit der Reizung des R\u00fcckenmarks proportional steigt bis zu einem gewissen Funkte die im Herzen erzeugte Quantit\u00e4t der Erregung f\u00fcr den Herzmuskel\u00ab.\n\u00bbDie Widerst\u00e4nde, die zwischen dem Gangliensystem und dem Muskel des Herzens liegen, sind aber imge\u00e4ndert\u00ab.\n\u00bbDies hat zun\u00e4chst zur Folge, dass die in der Zeiteinheit in gr\u00f6sserer Quantit\u00e4t erzeugte Erregung die Widerst\u00e4nde \u00f6fter \u00fcberwinden wird, d. h. die Frequenz der Pulsationen nimmt zu. . . . Weiter aber wird eine jede von den nun sich abgleichenden Erregungen viel st\u00e4rker sein, als fr\u00fcher, da immer erst, nachdem eine grosse Erregungsquantit\u00e4t zum Herzmuskel gegangen ist, eine kurze Zeit eintritt, wo der schwache Widerstand im Nerven der im Gangliensystem \u00fcbrig gebliebenen Erregung das Gleichgewicht h\u00e4lt\u00ab. . . .\nDurch st\u00e4rkeres Oeffnen des Hahns am Wasserbeh\u00e4ltnis! wird die Menge des zum Schiffchen herahfliessenden Wassers vergr\u00f6ssert, w\u00e4hrend die Gabel in ihrer fr\u00fcheren Stellung bleibt. In Folge dessen nimmt die Frequenz der Pulsationen des Schiffchens zu, jede einzelne derselben erfolgt mit gr\u00f6sserer Kraft und entleert auch eine gr\u00f6ssere Wassermenge, weil der w\u00e4hrend dcsUmkippens in das sich f\u00fcllende Fach des Schiffchens zufliessende Wasser \u00dcberschuss, welcher so lange w\u00e4chst, als die Scheidewand der beiden F\u00e4cher nicht die Median-ebene passirt hat, durch den vermehrten Zufluss gr\u00f6sser geworden ist. Die im graduirten Cylinder in der Zeiteinheit zusammenfliessende Wassers\u00e4ule ist hoch und steigt rasch.\nA. a. O. S. 307 heisst es weiter:\n\u00bbWir reizen das r eg u 1 a t o r i s c h e S y s t e m, de n Vagus, bei gel\u00e4hmtem (durchschnittenem' R\u00fcckenmark\u00ab.\n\u00bbDie Quantit\u00e4t der in der Zeiteinheit erzeugten Erregung ist sehr gering, der Widerstand, der zwischen Ganglion und Muskel eingeschaltet ist, wird vergr\u00f6ssert, und zwar proportional der Reizung des Vagus. Es wird also sehr leicht sein, in diesem Falle einen lange andauernden Herzstillstand zu erzeugen. Es zeigt sich in derThatbei denVersuchen \u2022 . . . dass der Tonus des Vagus nach durchschnittenem R\u00fcckenmarke die Herzschl\u00e4ge entweder zum Stillstand bringt oder betr\u00e4chtlich verlangsamt. Es zeigt sich ferner, dass die elektrische Erregung der peripherischen Vagusenden wieder unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden den Herzschlag mehr verlangsamt und auf l\u00e4ngere Zeit hemmt bei gel\u00e4hmtem als bei th\u00e4tigem motorischen System\u00ab. . . .\nCzermak, Schriften.\n44","page":689},{"file":"p0690.txt","language":"de","ocr_de":"690 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nSchieben wir die Gabel nach unten, so erzeugen wir einen um so l\u00e4nger dauernden Stillstand des Schiffchens und eine um so betr\u00e4chtlichere Verminderung der Frequenz seiner Pulsationen, je weniger der Hahn aufgedreht ist, je weniger also in der Zeiteinheit Wasser zu dem Schiffchen herabfliesst. Zugleich wird unter \u00fcbrigens gleichen Umst\u00e4nden mit der Vermehrung des Widerstandes die durch jedes einzelne Umkippen des Schiffchens entleerte Wassermenge gr\u00f6sser.\nA. a. O. S. 308 heisst es endlich:\n\u00bbReizen wir das excitirende Nervensystem und den Vagus gleichzeitig\u00ab.\n\u00bbDie Quantit\u00e4t der in der Zeiteinheit vom Ganglion gelieferten Reizung ist gross. Der Widerstand im Nerven zwischen Ganglion und Muskel ist ebenfalls gross. Hieraus folgt, dass zuerst bei voller Th\u00e4tig-keit des unerm\u00fcdeten Vagus l\u00e4ngere Zeiten eintreten, wo trotz der starken Erregung, die im Ganglion wirkt, kein Reiz zur Muskulatur kommt. Erfolgt aber einmal eine Durchbrechung des Widerstandes, so ist auch die Gr\u00f6sse der Erregung, und in Folge dessen die Contractions-gr\u00f6sse sehr bedeutend. Daher der Stillstand des Herzens bei gleichzeitiger R\u00fcckenmarks- und Vagus-Reizung im Anfang, daher ferner die seltenen und kraftvollen Schl\u00e4ge, die bei allm\u00e4hlicher Erm\u00fcdung des Vagus auftreten, daher endlich die Beschleunigung der Pulsationen und das Wachsen des Blutdrucks bei den fortw\u00e4hrend starken Erregungen und allm\u00e4hlich sich vermindernden Widerst\u00e4nden, wegen der Erm\u00fcdung des Vagus\u00ab.\nWird gleichzeitig mit dem Aufdrehen des Hahnes R\u00fcckenmarksreizung die Gabel rasch nach unten verschoben Vagusreizung :, so tritt Stillstand des Schiffchens und seiner rhythmischen Entleerungen ein : die im graduirten Cylinder stehende Wassers\u00e4ule Blutdruck sinkt \u2014 in Folge des mangelnden Zu- und continuirlichen Abflusses durch den Hoher fortw\u00e4hrend.\nSchiebt man nun die Gabel stetig und langsam in die H\u00f6he Vaguserm\u00fcdung . ohne den Zufluss aus dem weit ge\u00f6ffneten Hahn zu vermindern fortdauernde, wirksame R\u00fcckenmarksreizungj, so treten zuerst die seltenen, aber kraftvollen und grossen Pulsationen auf, welche allm\u00e4hlich frequenteren. aber etwas weniger grossen Pulsationen Platz machen, wobei trotz des constanten Abflusses durch die Heberr\u00f6hre die Wassers\u00e4ule im Cylinder (Blutdruck wieder rasch ansteigt und schliesslich ihr H\u00f6hen-Maximum erreicht.\nDass und \u00bbwarum das Integral der Herzarbeit bei gleichzeitiger Erregung von Vagus und R\u00fcckenmark in der Zeiteinheit bei relativ","page":690},{"file":"p0691.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 691\nseltenem Pulse gr\u00f6sser sein kann, als bei gel\u00e4hmtem R\u00fcckenmark und gleichzeitiger Vagusl\u00e4hmung\u00ab l\u00e4sst sich schliesslich auch noch an unserem Schema zeigen und erkl\u00e4ren.\nIch erhielt z. B. hei relativ hoher Gabelstellung und kleiner Er\u00f6ffnung des Hahnes (also bei gleichzeitiger L\u00e4hmung von Vagus mul R\u00fcckenmark .\nPulsationen des Schiffchens\tGelieferte Wasser-Menge in C. C.\t\nin !j2 Min.\tin 1/g Min.\thei jeder einzeln. Pulsat.\n16\t50\t3 \u2022 1\n26\tso\t3 \u2022 0\nDagegen fand ich bei Vergr\u00f6sserung der Hahn\u00f6ffnung und tieferer Gabelstellung (also bei gleichzeitiger Reizung des R\u00fcckenmarks und Vagus :\nPulsationen des Schiffchens in 1,-2 Min.\tGelieferte Wasser-Menge in C. C.\t\n\tin 1 2 Min.\thei jeder einzeln. Pulsat.\n13 11\t170 157\t13\t\u2022 0 14\t\u2022 2\nDas Mitgetheilte d\u00fcrfte vollkommen gen\u00fcgen, um die Brauchbarkeit meiner schematischen Vorrichtung zu dem angegebenen didaktischen Zwecke ersichtlich zu machen.\nBez\u00fcglich der Anfertigung und Ausf\u00fchrung der Vorrichtung mit den einfachsten Mitteln bemerke ich nur noch. dass ich bei meinem urspr\u00fcnglichen Modell das Schiffchen, um es von m\u00f6glichst geringem Gewicht herzustellen, aus zwei l\u00e4nglich leckigen, d\u00fcnnen Bretcheu und ge\u00f6ltem Papier verfertigte.\nDas eine 5 Zoll lange Br\u00f6tchen, welches auf seiner oberen Fl\u00e4che von der Mitte gegen die beiden Enden hin absch\u00fcssig zugehobelt war, bildete die Basis, das zweite halb so lange Bretcheu wurde mit seinem unteren dickeren Ende in die Mitte der oberen Fl\u00e4che der Basis senkrecht eingef\u00fcgt und wurde zu der nach oben scharfrandigen Scheidewand der beiden zu bildenden F\u00e4cher. Die Seitenw\u00e4nde der F\u00e4cher bestanden aus 3eckigen ge\u00f6lten Papierst\u00fccken, welche auf die Seitenr\u00e4nder der Bretcheu wasserdicht aufgeklebt wurden.\nln der Mitte der untern Fl\u00e4che der Basis ward ein querdurchbohrter Korkst\u00f6psel festgeleimt. dessen Bohrung ein St\u00fcck einer Glasr\u00f6hre\n14 *","page":691},{"file":"p0692.txt","language":"de","ocr_de":"692 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nenthielt, durch welche ein Glasstab gesteckt wurde, der als Drehungs-axe des Schiffchens diente.\nSo entstand ein wasserdichtes, ungemein leichtes und um eine horizontale Axe leicht bewegliches Gef\u00e4ss, welches in jedem seiner beiden symmetrischen F\u00e4cher circa 20 C. C. Wasser aufnehmen konnte. Die quere Bohrung des Korkes und die hindurchgesteckte von zwei Holzkl\u00f6tzchen getragene Glasaxe befanden sich genau in der Halbi-rungsebene unterhalb der senkrechten Scheidewand.\nDie zweiarmige Gabel wurde aus hartem Holz verfertiget. Das breite niedrige Wassergef\u00e4ss war von Blech und hatte einen Messinghahn. Damit der Hahn blos zur Regulirung der abfliessenden Wassermenge diene und nicht auch zum einfachen Verschliessen und Oeffncn des Wasserbeh\u00e4lters verwendet werden m\u00fcsse, was bei vergleichenden Messversuchen von grossem Vortheil ist \u2014 so befestigte ich an denselben ein Kautschukrohr [k) mit Quetschhahn, in dessen Abfluss\u00f6ffnung ein Glasr\u00f6hrchen (r) stak, welches durch einen h\u00f6lzernen von der Stativstange abgehenden Arm [a) genau in der Mitte \u00fcber dem Schiffchen fixirt wurde. Durch diese Anordnung ist es m\u00f6glich, beliebig viele Bestimmungen bei genau derselben Zuflussmenge hintereinander zu machen, indem man den Quetschhahn stets v\u00f6llig \u00f6ffnet, wenn man den Apparat zur bestimmten Zeit in Gang setzen will, den einmal eingestellten Messinghahn aber nicht mehr zu ber\u00fchren braucht.\nEs versteht sich von selbst, dass sich der ganze Apparat leicht in dauerhafterer und eleganterer Weise ausf\u00fchren l\u00e4sst, wobei dann auch statt des Kautschukrohres mit dem Quetschhahn ein zweiter unterer) Messinghahn anzubringen w\u00e4re, und der obere) Hahn und die Stange, an welcher die Gabel (vermittelst eines Triebes) verschoben wird, eine feinere Eintlieilung erhielten etc. Ich habe es jedoch vorgezogen, das einfachste, mit Hilfe meines Dieners selbst verfertigte Modell zu beschreiben und abzubilden, um zu zeigen, dass Jedermann \u2014 selbst bei den beschr\u00e4nktesten Mitteln \u2014 seine physiologische Lehrmittelsammlung mit einer solchen Vorrichtung bereichern kann.","page":692},{"file":"p0693.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 693\nIII.\nSphygmische Studien1).\nA. Von der Photosphygmographie.\nSeit Vierordt. der vor beinahe 10 Jahren zuerst mit der graphischen Darstellung des Arterienpulses am Menschen hervortrat, und seinen Sphygmographen nicht nur am Gesunden, sondern auch am Kranken angewendet hatte, wurde die neue Methode zur genaueren Untersuchung des Pulses wohl in den Lehrb\u00fcchern der Physiologie ihrem wahren Werthe nach gew\u00fcrdigt, konnte sich aber wegen der ihre Anwendung sehr erschwerenden unbequemen Nebenbedingungen am Krankenbette keinen Eingang in die Kliniken und die \u00e4rztliche Praxis verschaffen.\nEs ist das unl\u00e4ugbare Verdienst meines Freundes Marey in Paris, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Vierordt sehen Erfindung zur\u00fcckgelenkt und einen kr\u00e4ftigen Impuls zur endlichen Einf\u00fchrung der Sphygmographie in die Praxis gegeben zu haben.\nDurch die Construction eines neuen, in der Anwendung verh\u00e4lt-nissm\u00e4ssig bequemen, sehr compendi\u00f6sen Sphygmographen und durch die Herstellung und Ver\u00f6ffentlichung zahlreicher pathologischer Puls-curven, hat Marey D a s in gr\u00f6sserem Maassstabe erreicht, was sein deutscher Vorg\u00e4nger\u2014der eigentliche Begr\u00fcnder der Sphygmographie, bereits lange vor ihm ausgef\u00fchrt und angestrebt hatte.\nVon der ganz besonderen und dringend gebotenen Sorgfalt, welche Vierordt verwandte, um die im Apparat selbst liegenden Fehlerquellen zu beseitigen, und zuverl\u00e4ssige Pulsbilder zu gewinnen, hatte Marey jedoch keine gen\u00fcgende Vorstellung2) und glaubte allen Anforderungen gen\u00fcgt zu haben, als er das, allerdings ungl\u00fcckliche Prin-cip der Verwendung eines leicht beweglichen, verschieden zu belasten-\n1\tUnter dieser Bezeichnung, welche ich dem Titel eines von Vierordt (Lehre vom Arterienpulse, S. 2) citirten, 1555 in Basel erschienenen Werkes \u00bbSphygmica urs \u00ab von dem Posener Arzt Joseph Struth, entlehnte, habe ich bereits einige vorl\u00e4ufige Bemerkungen \u00fcber mehrere der hier behandelten Gegenst\u00e4nde ver\u00f6ffentlicht (s. Nr. L'.\n2\tSelbst in seinem neuesten ausf\u00fchrlichen Werke (Physiologie m\u00e9dicale de la circulation du sang, Paris 1863) ist Marey noch nicht der geringste Zweifel an der Zuverl\u00e4ssigkeit seines Sphygmographen aufgestiegen, und er verwendet zu seinen Untersuchungen mit der naivesten Arglosigkeit die verschiedensten \u00bbappareils enregistreurs\u00ab, ohne den Werth ihrer Anzeigen vorher gepr\u00fcft zu haben.","page":693},{"file":"p0694.txt","language":"de","ocr_de":"694 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nden F\u00fchlhebels von relativ ungeheuer grosser Masse aufgab und daf\u00fcr eine starke, mehr oder weniger gespannte Feder verwendete, deren Bewegungen durch einen m\u00f6glichst leicht gearbeiteten Schreibhebel vergr\u00fcssert und graphisch fixirt wurden.\nW\u00e4hrend Vierokdt\u2019s Princip, trotz der von demselben Autor zuerst und leidenschaftlich gef\u00fchrten Opposition gegen das Haemodyna-mometer. und der an diesem Instrument gemachten Erfahrungen, nach Dr. Mach\u2019s1) treffender Bemerkung, \u00bbvom Standpunkt der Mechanik betrachtet\u00ab, genau dasselbe ist, auf welchem das Haemodynamometer beruht; so liegt der MAREY\u2019sehen Feder allerdings ein neuer und gl\u00fccklicher Gedanke, dessen Priorit\u00e4t \u00fcbrigens Viekokdt selbst geb\u00fchrt2), zu Grunde. Dennoch sind die C-urven, welche der Marey\u2019sehe Sphygmograph liefert, wahrscheinlich auch nicht der genaue Ausdruck des Gesetzes, nach welchem die Pulsbewegungen erfolgen.\nDie MAREY\u2019sehen Pulscurven weichen von der ViERORPT sdien hinsichtlich zweier Hauptverh\u00e4ltnisse wesentlich ab.\nErstlieh zeigt sich eine im Verh\u00e4ltniss zur Contractionszeit auffallend k\u00fcrzere Expansionszeit der pulsirenden Arterie und zweitens erscheint an jedem Pulsbilde fast constant ein oft so bedeutender Di-crotismus, dass es Wunder nehmen muss, dass dem Tastsinn selbst in diesen F\u00e4llen auch nicht die Spur desselben wahrnehmbar wird.\nDie Differenzen in den beiden Pulsbildern beweisen, dass in einer oder in beiden Arten von Sphygmographen, vermittelst welcher die Bilder gewonnen werden, Cardinalfehler der Construction stecken m\u00fcssen, denn da beide Pulsbilderformen unm\u00f6glich gleichzeitig richtig sein k\u00f6nnen, so kann nur eine derselben richtig sein, wenn nicht etwa beide in gr\u00f6sserem oder geringerem Grade falsch sind.\nDer letzte Fall ist unbedingt der wahrscheinlichste. Die Anzeigen solcher Pulswellenzeichner k\u00f6nnen n\u00e4mlich den Lumen\u00e4nderungen der Arterie, wie selbe unter nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnissen beim Durchg\u00e4nge der Pulswelle eintreten, wie a priori klar ist, niemals absolut genau entsprechen.\nDenn ein nie ganz ohne Reibung schreibender F\u00fchlliebel, von einiger 'selbst bei Maeey\u2019s Instrumente nicht zu vernachl\u00e4ssigender tr\u00e4ger Masse wird nothwendiger Weise gewisse Unrichtigkeiten in die ver-zeichnete Curve einf\u00fchren. Uebcrdies ist die Veranstaltung. durch welche der F\u00fchlhebel den Bewegungen der Arterie zu folgen gezwun-\n1\tWiener mcd. Jahrb. 1S02. Heft 4: \u00bbZur Theorie der Pulswollenzoiclincr\u00ab.\n2\tVierordt's Lehre vom Arterienpuls, S. 36.","page":694},{"file":"p0695.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 695\ngen wird, weder bei Yierordt s, nocli bei Marey\u2019s Instrument ganz vorwurfsfrei zu nennen.\nW\u00e4hrend sich bei ersterem der F\u00fchlhebel durch die eigene Schwere an die Arterienwand andr\u00fcckt und hierdurch in unver\u00e4ndertem Contact mit derselben erhalten werden soll, empf\u00e4ngt die Impulse der Arterie, bei letzterem, zun\u00e4chst eine starke elastische Feder, welche auf die Arterie dr\u00fcckt, und mit welcher der F\u00fchlhebel durch seine Schwere und den Druck einer zweiten zarteren Feder in Ber\u00fchrung steht.\nUm zu entscheiden, ob die ViERORD\u00ef\u2019schen oder die MAREY\u2019schen Pulsbilder der Wahrheit n\u00e4her kommen, hatte ich schon vor mehreren Jahren an ein neues sphygmographisches Verfahren gedacht, welches frei von jedem Einwande die Bewegungen der Arterienwand mit absoluter Genauigkeit verzeichnen sollte. Die erhaltenen, unzweifelhaft wahren Pulsbilder wollte ich dann mit den Vierordt sehen und MAREY\u2019schen vergleichen, um endgiltig \u00fcber den Werth der beiden letzteren entscheiden zu k\u00f6nnen.\nIch habe schon a. a. 0. mitgetheilt, dass dieses Verfahren \u00bbnur in der Benutzung eines F\u00fchlhebels bestehen k\u00f6nne, der die drei Eigenschaften besitzen m\u00fcsse, n\u00e4mlich \u00ab :\n1.\t\u00bbvollkommen gewichtlos zu sein\u00ab,\n2.\t\u00abohne irgend welche Keibung zu schreiben\u00bb, und endlich\n3.\t\u00bbohne die geringsten Ver\u00e4nderungen der nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnisse der pulsirenden Arterie an derselben applieirbar zu sein\u00ab.\nIch habe ferner a. a. 0. mitgetheilt, dass ich die L\u00f6sung dieser unm\u00f6glich scheinenden1: Aufgabe in der \u00bbBenutzung der Lichtstrahlen als F\u00fchlhebel\u00ab und der sog. instantanen Photographie gefunden zu haben glaube.\nDie Strahlen des Lichtes vereinigen in der That alle geforderten Eigenschaften ; sic sind gewichtl\u00f6s : sie schreiben momentan und ohne jedwede Reibung auf dem hierzu pr\u00e4parirten Collodiumh\u00e4utchen eines photographischen Apparates : wird der photographische Apparat so eingerichtet, dass die collodirte Platte durch ein Uhrwerk, wie beim M AREY Schcn Sphygmographen, sich mit gleichf\u00f6rmiger Geschwindigkeit in horizontaler Richtung verschiebt, so m\u00fcssen die Lichtstrahlen die Curve ihrer Bewegung genau verzeichnen : die Lichtstrahlen sind endlich auch gleichsam als F\u00fchlhebel applieirbar, ohne die nat\u00fcrlichen Verh\u00e4ltnisse der sicht- und f\u00fchlbaren Pulsbewegungen der blossgeleg-\n1 \u00bbAllen unit jeden Einfluss der Tr\u00e4gheit hei den schwingenden Hebelarmen zu eliminiren, das ist freilich, da wir aus Materie unsere Apparate hauen m\u00fcssen, nicht m\u00f6glich\u00ab. Yierordt, Lehre v. Arterienpuls, S. -io;.","page":695},{"file":"p0696.txt","language":"de","ocr_de":"696 Mittheilungen aus dem physiologischen Privathiboratorium in Prag.\nten Arterienwand oder ihrer sie deckenden Umgehung irgendwie zu ver\u00e4ndern.\nHinsichtlich der Application der Lichtstrahlen zu dem fraglichen Zwecke bieten sich zwei verschiedene Wege dar. auf welchen die Benutzung tr\u00e4ger Massen ganz vermieden wird.\nErstlich k\u00f6nnte man die Bewegungen von intensiven punktf\u00f6rmigen Lichtreflexen, die bei directer Sonnenbeleuchtung leicht von selbst auf den pulsirenden Oberfl\u00e4chen entstehen, in vergr\u00f6ssertem Maassstab photographiren. Zweitens k\u00f6nnte man die Bewegungen eines Punktes des vergr\u00f6\u00dferten Schattenrisscshler pulsirenden Theile photographiren. Dies w\u00e4re so zu bewerkstelligen, dass man die Lichtstrahlen durch eine convexe Linse sammelte und den pulsirenden Theil nahe am Focus in den convergirenden oder divergirenden Strahlenkegel br\u00e4chte. Es sei in Fig.2 L eine Glaslinse, welche die parallelen Sonnenstrahlen\n(aus denen man durch ein entsprechendes Medium die W\u00e4rmestrahlen ausgeschieden h\u00e4tte im Brennpunkte F vereinigt und dann divergirend auf den Schirm 1F fallen l\u00e4sst. Bef\u00e4nde sich nun nahe bei oder hinter F der opake pulsirende Theil p, so w\u00fcrde der grosse Zerstreuungskreis auf dem Schirm 1F zum grossen Theil von dem vergr\u00f6sserten Schattenriss von p verdunkelt werden und die pulsirenden Bewegungen von p m\u00fcssten im vergr\u00f6sserten Maassstabe an dem Contour des Schattenrisses erscheinen. Die Lichtstrahlen stellen dann so zu sagen F\u00fchlhebel vor, deren Umdrehungsaxe durch F geht. Bef\u00e4nde sich nun noch ein zweiter Schirm 1F1 mit einer schmalen Spalte (a'b1) zwischen F und 1F. so w\u00fcrde derselbe den ganzen Zerstreuungskreis auf dem Schirme 1F bis auf einen schmalen verticales Lichtstreifen (ab) abfangen.\nDieser Lichtstreif, welcher einerseits b von der Peripherie des Zerstreuungskreises, andererseits (a) vom auf- und abbewegten Contour des Schattenrisses des pulsirenden Theiles p begrenzt ist. muss sich demgem\u00e4ss genau synchronised mit diesen Pulsationsbewegungen verl\u00e4ngern und verk\u00fcrzen und die Curve derselben auf der vor\u00fcbergescho-","page":696},{"file":"p0697.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag- 697\nbenen Collodiumplatte eines photographischen Apparates verzeichnen, welche sich statt des Schirmes in W zu befinden h\u00e4tte.\nWenn ich meine a. a. 0. angedeuteten Ideen zur Begr\u00fcndung der optischen Sphygmograpliie oder Photosphygmographie und zur exacten Ermittelung der wahren Pulsbilderformen durch diese neue, v\u00f6llig vorwurfsfreie selbstregistrirende Methode, hier nochmals etwas ausf\u00fchrlicher mitgetheilt habe, ohne zugleich schon Resultate dieser Technik vorlegen zu k\u00f6nnen, so geschah dies um anzuzeigen, dass ich meine Bem\u00fchungen in dieser Richtung keineswegs fallen gelassen oder aus den Augen verloren habe.\nSo lange die Photosphygmographie keine vollendete Thatsache ist. wird man hinsichtlich der Beurtheilung des Werthes der Anzeigen des Vierordt\u2019sehen, des MAREY\u2019schen Sphygmographen etc. auf eine eingehende theoretische und experimentelle Kritik dieser Pulsmaschinen beschr\u00e4nkt bleiben, bei welcher es sich, wie ich im Gegens\u00e4tze zu Vierordt 1 behaupten muss, eben so wohl \u00bbum das handelt, was dieselben ausserhalb des K\u00f6rpers leisten, als wie sie sich speciell den Pulsbewegungen gegen\u00fcber verhalten\u00ab.\nEs ist in kritischer Beziehung bereits Manches, durch Vierordt selbst und besonders durch Dr. Mach geleistet worden, doch will es mir scheinen, als ob die Sache noch lange nicht zu einem v\u00f6llig befriedigenden Abschluss gelangt w\u00e4re.\nEinen Beitrag zur Experimentalkritik der Pulswellenzeichner beabsichtige ich sp\u00e4ter einmal zu liefern.\nHier will ich nur noch bemerken, dass ich nicht glaube, dass die Photosphygmographie bestimmt ist, die mechanischen Pulswellenschreiber in praxi zu verdr\u00e4ngen, sondern vielmehr nur dazu den wahr en Ausdruck des Gesetzes zu finden, nach welchem die Pulsbewegungen erfolgen, und den Grad der Zuverl\u00e4ssigkeit der, durch die mechanischen Sphygmographen gelieferten Pulsbilder endgiltig zu bestimmen.\nB. Vom Pulsspiegel.\nDer naheliegendste der \u00fcbrigen, die Verwendung tr\u00e4ger Massen nicht ganz umgehenden Wege die Lichtstrahlen gleichsam als F\u00fchlhebel an den pulsirenden Arterien zu appliciren, um deren Bewegungen in vergr\u00f6ssertem Maassstabe sichtbar zu machen, f\u00fchrte mich zu der\nS. dessen Artikel : Die Anforderungen an den Sphygmographen.","page":697},{"file":"p0698.txt","language":"de","ocr_de":"69S Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nConstruction des \u00bbPulsspiegels\u00ab, \u00fcber welchen ich zuerst in der Sitzung der Gesellschaft der prakt. Aerzte zu Prag, vom 8. J\u00e4nner 1862, und dann hei der Naturforscherversammlung in Carlsbad Herbst 1862) vorl\u00e4ufige Mittheilungen machte.\nDer Pulsspiegel ist nichts weiter als ein kleiner, d\u00fcnner Planspiegel, der an die pulsirende Arterie so angelegt wird, dass er ihren Lumenver\u00e4nderungen, ohne dieselben irgendwie zu beeintr\u00e4chtigen oder zu alteriren, mit gr\u00f6sster Pr\u00e4cision folgt.\nDie unter einem beliebigen Winkel direct oder von einem verstellbaren Beleuchtungsspiegel auf denselben geworfenen Lichtstrahlen der Sonne oder einer hinreichend concentrirten k\u00fcnstlichen Lichtquelle werden reflectirt und entwerfen ein Lichtbild, welches auf eine entfernte Wand oder einen Schirm, in einen photographischen Apparat oder unmittelbar in das Auge des Beobachters f\u00e4llt. Jede Bewegung der Arterienwand tlieilt sich dem Pulsspiegel mit, und wird in vergr\u00f6s-sertem Maassstab durch das Lichtbild wiedergegeben.\nHandelt es sich blos um demonstrative Z w ecke, so gen\u00fcgt es, einen beliebigen kleinen Planspiegel, etwa einen aus der Fassung gefallenen Kehlkopfspiegel, mit dem Finger gegen die pulsirende Arterie anzudr\u00fccken und das Lichtbild auf einen Schirm oder die gegen\u00fcberliegende Stubenwand zu projiciren.\nBeim Anlegen des Spiegels verf\u00e4hrt man am besten so, dass man den Puls zuerst in gew\u00f6hnlicher Weise aufsucht, und dann den Band des Spiegels, mehr oder weniger tief, zwischen den tastenden Finger und die pulsirende Arterie einschiebt. Es gelingt dann leicht , jene Stellung und Druckrichtung des Fingers zu finden, bei welcher der Spiegel in deutliche Bewegungen durch die Pulsationen der Arterie versetzt wird.\nJe nachdem die Arterie diesseits oder jenseits des durch den aufgelegten Finger fixirten Theiles des Spiegels zu liegen kommt, erh\u00e4lt man mit jeder Expansion der Arterie entweder eine Hebung oder Senkung des unbedeckten Spiegeltheils, welcher bei jeder Contraction der entgegengesetzten Bewegung folgt. Das Pulsspiegelbild auf der Wand bewegt sich demgem\u00e4ss w\u00e4hrend des Ablaufs jeder Pulswelle in gerader Linie zuerst nach abw\u00e4rts und dann nach aufw\u00e4rts oder umgekehrt.\nUm aus dieser einfachen oseillutorischen Bewegung in einer verti-ealen Linie eine der Vierordt - MARK\u00ef\u2019sahen analoge Pulscurve zu erhalten, habe ich das vom Pulsspiegel kommende Lichtbild mit einem zweiten Spiegel aufgefangen, welcher sich mit gleichf\u00f6rmiger Geschwindigkeit um eine verticale Axe drehte, und erst von diesem auf die","page":698},{"file":"p0699.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. (399\nWand fallen lassen. Das Lichtbild bewegte sieb dann in einer den Pulsationen entsprechenden Curve in horizontaler Richtung von einem Ende der Wand zum andern.\nEs versteht sich von selbst, dass der K\u00f6rpertheil, in welchem die untersuchte Arterie verl\u00e4uft, geh\u00f6rig fixirt und dass der dr\u00fcckende Finger m\u00f6glichst ruhig gehalten werden muss. Eine rein mechanische Befestigung des Spiegels an der Arterie ist in dieser Beziehung zwar entschieden vorzuziehen, allein bez\u00fcglich der Genauigkeit der Ueber-tragung der Pulsationsbewegungen der Arterie auf den Spiegel l\u00e4sst die an allen K\u00f6rperteilen bequeme Anwendung des Fingerdruckes nicht viel zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Ich habe deshalb auch zun\u00e4chst eine den Fingerdruck m\u00f6glichst nachahmende mechanische Befestigungsvorrichtung s. Fig. 3 ersonnen und kann dieselbe empfehlen.\nSie besteht aus einem Drahth\u00fcgel, auf dessen mittleren Theil eine dickwandige Kautschukr\u00f6hre geschoben ist.\nDie beiden winkelig gebogenen Schenkel des Drahtb\u00fcgels besitzen (lesen. in welche die Halteb\u00e4nder zu liegen kommen.\nDer mit Kautschuk \u00fcberzogene Theil des B\u00fcgels wird auf die Arterie gesetzt und durch zwei B\u00e4nder oder Kautschukringe, die mehr oder weniger angespannt, um das K\u00f6rperglied gelegt werden und in den Oesen der B\u00fcgelschenkel ruhen, mit beliebiger Kraft angedr\u00fcckt, und daselbst fixirt. Der Pulsspiegel wird dann mehr oder weniger tief zwischen das Mittelst\u00fcck des B\u00fcgels und die pulsirende Arterie eingeschoben.\nStatt den Pulsspiegel an der Arterie einfach durch den Druck des Fingers oder des Drahtb\u00fcgels beweglich zu fixiren, habe ich auch versucht. denselben wie einen gew\u00f6hnlichen F\u00fchlhebel zu construiren und zu befestigen.\nIch liess den Pulsspiegel zwischen zwei Stahlspitzen, welche an den Enden der Arme einer Messinggabel eingeschraubt waren, in der Art fassen, dass sich derselbe leicht und sicher um die Verbindungslinie der Stahlspitzen, als horizontale Axe, drehen konnte. DieDrehungs-axe kam entweder genau in die Mitte oder n\u00e4her an das eine Ende des \u00bbSpiegels zu liegen und es entstanden so zwei Hebelarme von gleicher oder ungleicher L\u00e4nge. Die die Axe tragende Messinggabel wurde\nFig. B. Befestigung des Pulsspiegels p, durch den Drahtb\u00fcgel B, dessen mittlerer Theil mit einer Kaut-\nschuhr\u00f6lire k bekleidet ist. Die straffgespannten B\u00e4nder bb und b' b' ruhen in den Oesen o und o' des B\u00fcgels und dr\u00fccken denselben fest an die Haut.","page":699},{"file":"p0700.txt","language":"de","ocr_de":"701) Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nnun so in der N\u00e4he der pulsirenden Arterie aufgesetzt, dass die Axe parallel mit dem Verlauf der Arterie ging und der eine oder der andere der Hebelarme die Pulsationen empfangen musste. Die Messinggabel wurde entweder mit der Hand festgehalten oder in ein Messings\u00e4ulchen festgeklemmt, welches an einer Metallplatte mit Band und Schnalle \u2014 in horizontaler Richtung verstellbar \u2014 fixirt werden konnte s. Fig. 4 .\nFig. 4. Pulsspiegel mit l\u00e4ngerer oder k\u00fcrzerer Binde; \u00ab Lederriemen oder Seidenband, b Metallplatte mit der Schnalle, s Messings\u00e4ulchen im Falz der Metallplatte verschiebbar, r Schr\u00e4ubchen zum Feststellen, g Gabel, durch die Schraube m unter jedem Neigungswinkel festzuklemmen, p Pulsspiegel.\ndessen Dreliungsaxe durch die Stahlspitzen der Gabelarme geht.\nDer Einfachheit wegen und um den Pulsspiegel an den meisten K\u00f6rpertheilen bequem anlegen zu k\u00f6nnen, gab ich endlich der Gabel die Form des oben beschriebenen Drahtb\u00fcgels s. Fig. 5; .\nWas die Eigenschwingungen des Pulsspiegels betrifft,\nkeinem aus\ntr\u00e4ger Masse\nr\nFig. 5. Pulsspiegel mit dem Messingb\u00fcgel; p Pulsspiegel, B Messingb\u00fcgel, a, a' H\u00e4kchen zur Fixirung der. Befestigungsb\u00e4nder, l auffallende, V reflectirte Lichtstrahlen.\nwelche bei bestehenden F\u00fchlhebelapparat absolut zu vermeiden sind, so sind dieselben offenbar schon wegen der Leichtigkeit und K\u00fcrze des Hebels geringer, als bei dem Marey\u2019sehen und ViERORDTSehen Instrumente.\nDie Reibung der Theile des\nApparates unter sich ist sehr gering, h\u00f6chstens so gross, um etwaige Eigenschwingungen m\u00f6glichst zu verh\u00fcten, aber keinesfalls gross genug, um dem schwachen Motor gegen\u00fcber sch\u00e4dlich zu werden.","page":700},{"file":"p0701.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 701\nDie Arterie kann von dem die Pulsbewegungen zun\u00e4chst aufnehmenden Theil des Spiegels gut erreicht werden. In dieser Beziehung ist es ein Vortheil, dass die Enden der Gabelarme sich tiefer in die Haut eindrtteken lassen, als der Theil der Unterfl\u00e4che des Spiegels, durch den die Drehungsaxe geht; denn \u00bbNiederdr\u00fccken der Haut etwas unterhalb der zum Versuch gew\u00e4hlten Pulsstelle und zwar vermittelst eines constantenDruckes, wobei jede sch\u00e4dliche Spannung der Haut, welche die Arterienbewegung beeintr\u00e4chtigt, sorgf\u00e4ltig auszuschliessen w\u00e4re\u00ab, hat Vierordt selbst als ein pr\u00fcfendes \u00bbAuskunftsmittel\u00ab, gegen die Schwierigkeiten einer guten und constanten \u00bb Applicationsweise des Pulses\u00ab angegeben.\nOhne das Umst\u00e4ndliche einer nach dem oben mitgetlieilten Plane allerdings nicht unm\u00f6glichen photographischen Aufnahme der Curve der Bewegungen der vom Pulsspiegel gelieferten Lichtbilder, ist eine graphische Verzeichnung des Pulses vermittelst dieser Technik freilich kaum zu denken, allein da der Gesichtssinn immer noch ein viel feineres Hilfsmittel ist f\u00fcr Auffassung der fl\u00fcchtigen Bewegungen des Pulses, als das Getast, so wird man meinem Pulsspiegel gewiss nicht einigen Werth f\u00fcr die mrs sphygmicm absprechen.\nHierzu kommt noch einerseits, dass sich durch einen zweiten um eine verticale Axe rotirenden Spiegel fs. oben) die geradlinigen Oscilla-tionen der Lichtbilder in Form einer Curve auseinander legen lassen, andererseits aber, dass diese \u00e4usserst bequeme Technik sich ganz vorz\u00fcglich zu Demonstrationen im H\u00f6rsaal und auf Kliniken eignet, und zwar nicht nur mehrerer wichtiger Pulsqualit\u00e4ten, sondern auch anderer Erscheinungen am pulsirenden Arterienrohr (s. unten C, a, S. 703|,\nC. lieber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen.\nEs ist bekanntlich eine zuerst von Weitbrecht (1734L dann von Liscovius und E. H. Weber, volle hundert Jahre sp\u00e4ter, beobachtete Thatsache, dass ein- und derselbe Pulsschlag an entlegenen Arterien merklich sp\u00e4ter wahrgenommen wird, als an Arterien, die weniger weit vom Herzen entfernt sind.\nE. H. Weber hat in seinem Programm : \u00bbDe pulsu, resorptione, auditu et tactu, Lipsiae 1S34\u00ab zuerst die richtige physikalische Erkl\u00e4rung der Erscheinung der Pulsversp\u00e4tung in den Arterien, vom Centrum gegen die Peripherie hin, gegeben und \u00fcberdies das kleine Zeitintervall, um welches es sich dabei zwischen Art. maxillaris ext. und Art. dorsalis pedis handelt, zu bestimmen versucht.","page":701},{"file":"p0702.txt","language":"de","ocr_de":"702 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n\u00bbQuod qiudem intervallum temporis circiter sexlam aut septimam partem mints sexagesimae (Bekunde) aequare mihi videbatur, si pulsus illos ad pulsus horologii exiyebam \u00ab.\nWeber\u2019s Methode bestand darin, mit jeder Hand einen der Pulse zu tasten und gleichzeitig die Schl\u00e4ge der Uhr zu beobachten. Wer \u00e4hnliche Bestimmungen versucht hat, wird zugeben, dass es f\u00fcr das Getast schon ausserordentlich schwierig ist, so kleine Zeitintervalle und noch dazu mittels zweier verschiedener Finger herauszuf\u00fchlen. Soll sich nun die Aufmerksamkeit \u00fcberdies gleichzeitig auf die Schl\u00e4ge der Uhr richten, so ist es klar, dass Weber's Methode nur zu einer beil\u00e4ufigen Sch\u00e4tzung des Versp\u00e4tungsintervalls f\u00fchren kann.\nDie Wichtigkeit einer genaueren Bestimmung der Pulsversp\u00e4tung f\u00fcr die Pathologie, hat nun Vieroedt, schon vor beinahe 10 Jahren, veranlasst zu einer speciellen Untersuchung dieses Gegenstandes \u00abmit den exacten chronoskopischen Mitteln, die uns heut zu Gebote stehen\u00ab, dringend aufzufordern und die Benutzung des AVtiEATSTOxi-fsehen, von Hipp verbesserten, elektro-magnetischen C'hronoskops zu empfehlen.\nNichtsdestoweniger liegen hier\u00fcber meines Wissens nur die Versuche von Buisson 1 vor.\nBuisson bediente sich des folgenden Verfahrens s. Meissner\u2019s Jahresb. f. 1S\u00d6J. S. 430 :\n\u00bbZwei mit Membranen an ihrem weiten Ende verschlossene Trichter sind durch einen Kautsclmksehlauch mit einander verbunden und mit Luft gef\u00fcllt : der eine Trichter wird mit einer gegen die Membran dr\u00fcckenden Feder auf die Arterie aufgesetzt, welche ihre Pulsationen durch die Luft des Apparates der Membran des anderen vertical stehenden Trichters mittheilt, die ihrerseits die Schwingungen auf einen zeichnenden Hebel \u00fcbertr\u00e4gt. Sind zwei solche Apparate auf zwei verschiedenen Arterien aufgesetzt, so k\u00f6nnen die beiden zeichnenden Hebel auf ein und denselben rotirenden Cylinder, der eine \u00fcber dem anderen, zeichnen\u00ab. Die zeitliche Differenz zwischen den Pulswellenanf\u00e4ngen in der Carotis und in der Tibialis posterior fand Buisson Ins zu </s Sec.: zwischen Carotis und Radialis ungef\u00e4hr */16 See. \u2014\n1 Auch in Marey's 1 Son erschienenen \u00bbPhysiologie m\u00e9dicale de la circulation du sang. Paris, A. Delahaye\u00ab findet sich keine eingehendere Behandlung dieses Gegenstandes. Mare Y theilt nur einige in Buissox\u2019s Weise gleichzeitig registrirte Pulscurven fund zwar des linken Ventrikels, der Aorta und der Art. femoralis des Pferdes mit, und berichtigt seine fr\u00fchere irrthiimliehe Ansicht \u00fcber die Fortpflanzung der Pulsbewegung in den Arterien, indem er zugleich gesteht, dass ihn erst Buisson von der Thatsache der Pulsversp\u00e4tung \u00fcberhaupt \u00fcberzeugt h\u00e4tte ! 'S. 195).","page":702},{"file":"p0703.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 703\nBei der Sp\u00e4rlichkeit der vorliegenden Daten \u00fcber Pulsversp\u00e4tung und bei dem g\u00e4nzlichen Mangel an einer eingehenden Untersuchung und Pr\u00fcfung der denkbaren Technicismen, welche zur Ausf\u00fchrung dieser Bestimmungen erforderlich sind, stehe ich nicht an. im Folgenden Dasjenige mitzutheilen, was ich in dieser Richtung gedacht und gearbeitet habe, obschon ich meine bisherigen Bem\u00fchungen und deren Resultate nur als Vorstudien betrachten kann, zur k\u00fcnftigen Begr\u00fcndung jenes neuen Gebietes der Pulslehre, welches ich die Sphygmochrono-metrie nennen m\u00f6chte.\nZun\u00e4chst will ich an die sehr einfache Methode erinnern, welche ich behufs einer Demonstration und Sch \u00e4 t z un g der Pulsversp\u00e4tung schon vor l\u00e4ngerer Zeit angegeben habe.\nEs ist dies\na) Die Methode mit dem Pulsspiegel.\nMan legt an jeder der zu vergleichenden pulsirenden Stellen des K\u00f6rpers einen der oben beschriebenen Pulsspiegel an und richtet es so ein. dass die von denselben reflectirtcn Bilder gleichzeitig und in gleicher H\u00f6he nebeneinander auf die Wand oder die Decke des Zimmers fallen.\nDie zeitlichen Differenzen zwischen den Pulsationen der gew\u00e4hlten Stellen, welchen die Oscillationen der Pulsspiegelbilder genau entsprechen, lassen sich dann mit einem Blicke wahrnehmen und viel genauer absch\u00e4tzen, als bei gleichzeitigem Bef\u00fchlen derselben, indem der Gesichtssinn das Getast an Feinheit und Sch\u00e4rfe bei weitem Ubertrifft.\nVon grossem Vortheil ist es auch, dass eine beliebige grosse Anzahl von Zuschauern an der Beobachtung gleichzeitig theilnehmen kann.\nIn Ermangelung des directen Sonnenlichtes, welches in Folge ung\u00fcnstiger Verh\u00e4ltnisse bedingt durch Jahres- und Tageszeit, Witterung. Lage des Lokales etc.) so h\u00e4ufig fehlt, muss man zur Beleuchtung der Pulsspiegel eine kr\u00e4ftige, k\u00fcnstliche Lichtquelle hersteilen und das Lokal ganz verdunkeln.\nIch habe zu diesem Ende Beleuchtungsapparate zusammengestellt, welche der Laternn magica \u00e4hnlich sind. Ich setzte vor eine Petroleumlampe mit grossem Brenner eine mit Wasser gef\u00fcllte Glaskugel und vor diese eine Linse von A\u20141 Zoll Durchmesser und langer Brennweite. Alle drei Bestandtheile sind in einen geschw\u00e4rzten Holzkasten einge-schlossen, um alles st\u00f6rende Nebenlicht abzuhalten. Der Holzkasten selbst befindet sich auf einem beweglichen Stativ, um beliebig h\u00f6her und tiefer, horizontal oder [geneigt festgestellt zu werden, damit das","page":703},{"file":"p0704.txt","language":"de","ocr_de":"704 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\naus seiner Oeffnung her verstr\u00f6mende Lieht unter passendem Winkel auf den Pulsspiegel geworfen werden k\u00f6nne.\nDie Entfernung zwischen Flamme, Glaskugel und Linse ist so re-gulirt, dass das vom Pulsspiegel refiectirte Licht auf der entfernten Wand ein helles, scharfes Bild der Glaskugel und des auf ihre Vorderfl\u00e4che gemalten Buchstabenzeichens entwirft.\nBehufs einer Demonstration hei k\u00fcnstlicher Beleuchtung, wie ich eine solche zum ersten Mal in der Sitzung der hiesigen Gesellschaft der prakt. Aerzte vom 10. Februar 1864 abhielt, bekommt jeder der verwendeten Pulsspiegel sein Licht von einem solchen Beleuchtungsapparat oder von einer guten Im 1er na magicu. in welche ein passendes Bild heller Kreis auf dunklem Grund mit einem Buchstaben im Centrum auf Glas gemalt, eingeschoben ist, und reflectirt das kreisf\u00f6rmige helle Bild, in dessen Mitte ein besonderer Buchstabe erscheint, durch den es gekennzeichnet ist, auf die Wand. \u2014\nWenn es bei unbequemer Lage der pulsirenden Stellen am K\u00f6rper nicht ohne weiteres gelingen will, das k\u00fcnstliche oder das Sonnenlicht unter solchen Winkeln auf die Pulsspiegel zu werfen, dass die oscilli-renden Spiegelbilder in der gew\u00fcnschten Anordnung auf die entfernte Wand fallen, so l\u00e4sst sich dies durch passende Ver\u00e4nderung der Stellung der Pulsspiegel und der Glieder oder durch Anwendung von Hilfsspiegeln, welche die Richtung der Lichtstrahlen ab\u00e4ndern, erreichen.\nMein eben beschriebenes Verfahren, welches sich nicht nur zur Demonstration der Pulsationen der verschiedenen Arterien und des Herzens etc., sondern auch zur Demonstration und Sch\u00e4tzung der Versp\u00e4tungsintervalle zwischen denselben eignet, glaube ich allen Lehrern der Physiologie und allen Klinikern angelegentlichst zur Benutzung im H\u00f6rsaale und am Krankenbette (z. B. bei F\u00e4llen von Aneurysma, von Atherom der Arterienw\u00e4nde, von pulsirenden Geschw\u00fclsten etc.) empfehlen zu d\u00fcrfen.\nSchliesslich will ich noch hervorheben, dass sich dasselbe auch zur genauen Messung der Versp\u00e4tungsintervalle zwischen den Pulsen verwerthen liesse, wenn man die verschiedenen Pulsspiegelbildcurven, gleichzeitig und genau senkrecht \u00fcbereinander auf ein und dieselbe wandernde Collodium-Glasplatte photographiren w\u00fcrde.\u2014\nb) Die Methode mit dem Spliygmograplien.\nDer Plan zu dieser Methode, welchen ich bereits in Nr. 10 des berliner Centralbl. f. d. med. Wiss. 1863 als vorl\u00e4ufige Mittheilung ver\u00f6ffentlicht habe, besteht bekanntlich darin, dass an jedem der zur","page":704},{"file":"p0705.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\t705\nVergleichung gew\u00e4hlten Querschnitte des Gef\u00e4sssystems ein Sphygmo-graph angelegt wird, welcher die Puls- Herzstoss-) Curve des betreffenden Querschnittes zu fixiren hat.\nDie Abscissen der zwei (oder mehreren gleichzeitig geschriebenen Curven bedeuten die Zeit, die Ordinaten hingegen die Phasen der Pulswelle. Um die synchronischen Punkte der Abscissenaxen dieser Curven bestimmen und alle gew\u00fcnschten Messungen ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen, wird an jedem der Sphygmographen ein zweiter Schreibhebel angebracht, den ein kleiner Elektromagnet in Bewegung setzt. S\u00e4mmt-liche Elektromagnete werden durch abwechselnde Schliessung und Oeffnung desselben constanten Stromes gleichzeitig in Wirksamkeit versetzt, indem ein schwingendes Pendel in regelm\u00e4ssigen Intervallen von je einer Secunde oder je einem Bruchtheil einer Secunde die Stromleitung unterbricht und wiederherstellt.\nAn jedem Sphygmographen entsteht somit \u00fcber oder unter der Pulscurve gleichzeitig eine zweite Curve vom Elektromagneten . welche die absoluten Zeitintervalle angibt vgl. Fig. \u00f6i.\nDie gesuchten synchroni-sehen Punkte der Abscissenaxen der einzelnen zu vergleichenden Pulscurven k\u00f6nnen nun einfach und genau durch geh\u00f6rige Verl\u00e4ngerung der\ta Pnisonrv\u00bb, z zeitcraye. /, //. in etc, aie\n'\t.\t-,\t,\teinzelnen Pulse, 1. 2, \u00df etc. Secundenstriehe.\ngleichnamigen becundenstn-\nche der Zeiteurven \u00c7 gefunden werden.\nHierdurch l\u00e4sst sich nicht nur die L\u00e4nge der Abscisse, welche dem Beginn oder \u00fcberhaupt einer beliebigen Phase jeder einzelnen Pulswelle entspricht, messen und in Bruchtheilen einer Secunde aus-dr\u00fcckeu. sondern auch sofort die Differenz der an den zu vergleichenden Querschnitten des Gef\u00e4sssystems gefundenen Zeitwerthe f\u00fcr dieselbe Phase der gleichnamigen Pulswelle \u2014 also das gesuchte Intervall, um welches der Puls an dem vom Herzen entfernten Arterien-quersehuitt sp\u00e4ter erscheint \u2014 genau bestimmen.\nDieses Intervall, bezogen auf die L\u00e4nge der in der Zeiteinheit durchlaufenen B\u00f6hrenbahn ergibt dann die Fort pflanz ungsge-\n1 Man wendet bekanntlich schon seit l\u00e4ngerer Zeit Elektromagnete zum Mar-kiren von Zeitintervallen an. allein zum Schreiben von Zeiteurven glaube ich dieselben zuerst empfohlen und benutzt zu haben.\nSp\u00e4ter ist Dr. Bkondgee.st in Utrecht unabh\u00e4ngig auf dieselbe Idee gekommen s. Verslagen en Mededeelingen d. k. A. v. W. Deel XY. \u00bbXiemve Methode . . . etc.\u00bb\nCzermak, Schriften.\n45","page":705},{"file":"p0706.txt","language":"de","ocr_de":"706 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n\u00ab e li w i n d i g k e i t derPuls welle. Die zur Ausf\u00fchrung meiner Methode verwendeten Vorrichtungen waren folgende :\n1.\tZwei Makey'scIic Sphygmographen. Den einen hatte ich von Breguet in Paris, den anderen von Sedlaczek in Wien bezogen. Das Uhrwerk des ersteren lief viel langsamer als das des letzteren, so dass die Pulsbilder auf jenem bedeutend (fast um die H\u00e4lfte) k\u00fcrzer ausfielen. als auf diesem. Da jedoch die Secundenstriclie der Zeitcurven genau in demselben Verh\u00e4ltnis\u00ab, bei jenem enger, bei diesem weiter auseinander standen, so hatte die Verschiedenheit der Uhrwerke, deren Gang an und f\u00fcr sich m\u00f6glichst gleichm\u00e4ssig war, nat\u00fcrlich keinen nachtheiligen Einfluss auf die beabsichtigten Messungen.\nWas die Bedenken angeht, welche man gegen die absolute Kich-tigkeit der MAREY\u2019schen Pulsbilder zu hegen berechtigt ist, so kommen dieselben in Bezug auf die Messung der Pulsversp\u00e4tung weniger in Betracht, als wenn es sich um genaue Bestimmungen der P u 1 s f o r m e n handelte, weil die etwaigen Fehler in den Bildern des Pulses beider zu vergleichenden Arterienquerschnitte nahezu gleichm\u00e4ssig entstehen werden und daher nicht verhindern, dass die Versp\u00e4tung der gleichnamigen Phasen der Pulswelle mit merklicher Genauigkeit erkannt und gemessen werden kann.\nHat man \u00fcbrigens mehr Vertrauen zum ViEiiORirrschen Sphygmographen und scheut man nicht die Unbequemlichkeiten seiner Anwendung. so bediene man sich zweier VierordUseher Sphygmographen. Meine Methode verlangt nur zwei Pulscurven. an denen wenigstens die Momente des Eintritts der Expansion oder Contraction der Arterien deutlich zu sehen sind. \u2014 und wenn sie schon nicht absolut oder m\u00f6glichst richtig angegeben sein k\u00f6nnten, doch in gleichem Sinne und Verh\u00e4ltnis\u00ab falsch sein m\u00fcssen. Der MAREY\u2019scheSphygmograpli gen\u00fcgt daher ann\u00e4herungsweise f\u00fcr unseren Zweck, sobald man Sorge tr\u00e4gt, dass die zu vergleichenden Pulscurven einen m\u00f6glichst gleichartigen Charakter bekommen.\n2.\tZwei kleine Elektromagnete. Diese liess ich mir von Herrn AY . Gruxd, Mechaniker in Prag, verfertigen. Sie sind an einer verti-calen Messingstange in beliebiger H\u00f6he festzustellen. Die Messingstangen werden durch starke Klemmen an die Geh\u00e4use der Sphygmo-graphenuhrwerke festgeschraubt. Die Anker befinden sich an kleinen Hebeln, welche sich um eine horizontale Axe drehen. Das Ende der Hebel h\u00e4ngt mit einem federnden Schreibstift zusammen, welcher in einer vertiealen F\u00fchrung auf- und nieder geht, wenn der Anker angezogen und durch Federkraft emporgehoben wird.\nDie Spitze des Schreibstiftes muss genau \u00fcber oder unter der","page":706},{"file":"p0707.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 7(17\nschreibenden Spitze des Hebels des Sphygmographen eingestellt werden. Da sich letztere bei den MAREY\u2019schen Apparaten bekanntlich nicht in einer geraden verticalen Linie bewegt, sondern in einem Kreissegment, dessen Durchmesser der Entfernung der Drelmngsaxe des Hebels von seiner schreibenden Spitze entspricht, so lasse ich zuerst den Schreibhebel Uber die ganze Breite des berussten Papierstreifens sein Kreisbogensegment ziehen, welches die krumme Ordinatenaxe f\u00fcr die Pulscurve repr\u00e4sentirt (s. Fig. 6; und stelle dann die Spitze des Schreibstiftes des Elektromagneten genau in den gezogenen Strich ein1) \u2014 in solcher Entfernung vom Hebel des Sphygmographen, dass dessen Excursionen in keiner Weise behindert werden. Der Fusspunkt der nach abw\u00e4rts gerichteten Secundenstriclie liegt dann genau in der krummen Ordinate der Pulscurve, in welcher sich der Schreibhebel des Sphygmographen bewegt s. Fig. 6). Um die den Punkten der Zeit-curve correspondirenden Punkte der Pulscurve, behufs der anzustellenden Messungen der Abscissen zu finden, durften daher keine lothrechten geraden Linien zwischen den beiden Curven gezogen werden, sondern Kreissegmente, von derselben Kr\u00fcmmung und Richtung wie die Ordinatenaxe.\nZur Erleichterung dieser Operation wurde der Papierstreif scharf und genau nach der ersten vom Schreibhebel des Sphygmographen \u00fcber die ganze Breite des Streifens gezogene Linie, welche ich oben die Ordinatenaxe nannte, durchschnitten und das abgeschnittene St\u00fcck gleichsam als Ordinaten-Lineal verwendet.\n3.\tEinSecundenpendel, welches die von 1\u20142\u00dcANiELL\u2019schenElementen ausgehende und die Drahtwindungen beider Elektromagnete einscliliessende Stromleitung regelm\u00e4ssig bei jedem Hin- und Hergang einmal schloss und einmal unterbrach. Ich verwendete hierzu ein kleines Pendel von Keixatii in T\u00fcbingen, an welchem ich einen Contact aus Platindraht und Quecksilbern\u00e4pfen herstellte, welchen das schwingende Pendel abwechselnd und in sehr gleichm\u00e4ssiger Weise auf hob und wiederh erstellte.\n4.\tEin Messinstrument zur Bestimmung der L\u00e4ngen. Hierzu diente ein Zirkel mit feinen Spitzen und ein Millimetermaassstab, an welchem noch 0.05 eines Millimeters abgesch\u00e4tzt und abgegriffen werden konnten, oder ein Ocular- oder Schraubenmikrometer bei sehr massiger mikroskopischer Vergr\u00f6sserung.\n1 War die Sehreibspitze des Elektromagneten nicht genau in den Strich eingestellt worden, so mussten alle gefundenen Abscissenl\u00e4ngen entsprechend corrigirt werden.\n45*","page":707},{"file":"p0708.txt","language":"de","ocr_de":"70S Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nSo ausger\u00fcstet konnte ich, unter Beihilfe meines Assistenten, des Hm. stud. med. Jirusch, an die wirkliche Ausf\u00fchrung der beabsichtigten Messungen schreiten.\naj Messung der Pulsversp\u00e4tung zwischen der Art. radial is und der Art. dorsalis pud is.\nIch befestigte einen der MARE\u00ef\u2019sehen Sphygmographen an der zum gew\u00f6hnlichen Pulsf\u00fchlen ben\u00fctzten Stelle der Art. radialis meines linken Vorderarmes und Hess den zweiten, vom Assistenten, an die Art. dorsalis pedis meines linken Fusses, welcher bequem auf einem keilf\u00f6rmigen Schemel ruhte, anlegen.\nNachdem an beiden Sphygmographen die Ordinatenaxen durch den Schreibhebel gezogen und die Schreibspitzen der Elektromagnete genau in diese Linie eingestellt worden waren, wurde das den zeit-messenden Strom unterbrechende Secundenpendel in Bewegung gesetzt. Die Elektromagnete begannen ihre synchronische Arbeit, und indem die Uhrwerke in der Pause zwischen zwei Secundenschl\u00e4gen auf ein gegebenes Zeichen in Gang gebracht wurden, entstanden auf jedem der laufenden berussten Papierstreifen eine Puls- und eine Zeitcurve 's. oben Fig. 6 . Auf dem von der Art. radialis stammenden Papierstreifen wurde die Versuchsnummer in r\u00f6mischer Zahl und die Bezeichnung \u00bb.1. r. \u00ab notirt, der von der Art. dorsalis pedis stammende Streifen erhielt dieselbe Versuchsnummer und die Bezeichnung \u00bb.1. d. p.\u00ab Ferner wurden die auf beiden Streifen synchronischen Seeundenstriche mit 125 4 etc. und die gleichnamigen Pulsbilder mit III III IV etc. beziffert und die weisse Zeichnung auf dem berussten Grunde durch Eintauchen in eine alkoholische Mastixl\u00f6sung fixirt, um aufbewahrt und sp\u00e4ter ausgemessen werden zu k\u00f6nnen.\nGemessen wurde an beiden Pulscurven die Entfernung der Punkte der gr\u00f6ssten Expansion von dem unmittelbar vorhergehenden Secunden-strich. Die in Millimetern ausgedr\u00fcckte Entfernung wurde durch die, ebenfalls nach dem Millimetermaass bestimmte L\u00e4nge der Seeunde d. h. des Abstandes der beiden aufeinander folgenden Seeundenstriche'. welche den betreffenden Puls einschloss, dividirt. Lagen die corre-spoudirenden Pulse nicht zwischen denselben Secundenstrichen. dann wurde nat\u00fcrlich zu dem Quotienten, der sich auf den von der n\u00e4chstfolgenden Seeunde eingeschlossenen Puls bezog, ein Ganzes hiuzu-addirt.\nDie Differenz der beiden Quotienten ergab das absolute Zeitintervall. um welches der Puls in der Art. dorsalis pedis sp\u00e4ter erscheint als in der Art. radialis.","page":708},{"file":"p0709.txt","language":"de","ocr_de":"Mitthoilungen aus dem physiologisch\u00ab! Privatlaboratorium in Prag. 70S!\nIch lasse beispielsweise zwei Versuchsreihen folgen.\nD\u2014R.\nVersuehs- Nr.\tPuls-Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in Bruchtheilen 1 Sec.\tMittel aus 20 Einzel-beobaclitungen.\nXIII\tii\t0,024\t\n\tui\t0,021\t\n\tIV\t0,015\t\n\tV\t0,019\t\n\tVI\t0,021\t\n\tVII\t0,031\t\n\tVIII\t0,024\t\n\tIX\t0,000\t\n\tX\t0,020\t\n\tXI\t0,007\t\n\t\t\t\n\t\t\t(I.UJo io6C.\nXII\t1\t0.035\t\nII\t\t0.019\t\n\tIII\t0.027\t\n\tIV\t0,007\t\n\tV\t0,036\t\n\tVI\t0,011\t\n\tVII\t0.O0S\t\n\tVIII\t0,014\t\n\tIX\t0,010\t\n\tX\t0,010\t\n\u00dfi Messung der Versp\u00e4tungsintervalle zwischen dem Herzstoss und dem Puls der Art. radialis und der A rt. do rsal is peil is.\nDiese Messung f\u00fchrte ich aus. theils um diese Versp\u00e4tungsintervalle an und f\u00fcr sich kennen zu lernen. theils um das eben gefundene Versp\u00e4tungsintervall zwischen dem Puls der Art. dorsalis pedis und jenem der Art: radialis aus der Differenz der jetzt zu bestimmenden Intervalle berechnen und controliren zu k\u00f6nnen.\nUm den Makex sehest Sphygmographen. welcher eigentlich nur zur Application an der Radialis eingerichtet ist. bequem zur Darstellung der Herzstosscurve verwenden zu k\u00f6nnen, liess ich mir ein an den Tisch festzuschraubendes Gestell aus hartem Holz machen, an welchem der Sphygmograph unverr\u00fcckbar in der Weise befestigt wurde. dass die durch den Herzstoss emporgehobene Stelle der Brustwand oder ein auf dieselbe gesetztes St\u00e4bchen sicher gegen die starke elastische Feder des Sphygmograplien angestemmt werden konnte.\nDas Gestell hatte \u00fcbrigens so grosse Dimensionen. dass es auch ganz sicher und bequem auf den Schooss genommen und mit den Armen an die Brust gedr\u00fcckt werden konnte.","page":709},{"file":"p0710.txt","language":"de","ocr_de":"710 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nDabei wurden nat\u00fcrlich die Athembewegungen w\u00e4hrend des anzustellenden Versuchs g\u00e4nzlich unterbrochen, so dass sich die Herzstoss-curve ganz rein und gleichm\u00e4ssig aufschrieb.\nDer zweite Sphygmograph wurde gleichzeitig an der Radialis oder an der Dorsalis pedis angelegt und das bei den fr\u00fcheren Messungen befolgte Verfahren eingeschlagen, um den Abstand zwischen den, der h\u00f6chsten Elevation der Brustwand entsprechenden Punkten der Herz-stosscurve und den, der gr\u00f6ssten Expansion der Arterien entsprechenden Punkten der Pulscurve zu finden. Ich stelle in den beiden folgenden Tabellen die Resultate je zweier Versuchsreihen zusammen.\n1. Herzstoss und Radial-Puls.\nR \u2014 H.\nVersuclis- Nr.\tPuls-Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in Bruchtheilen i Sec.\nV\ti\t0,107\n\tii\t0,141\n\tin\t0,168\n\tIV\t0.1S4\n\tV\t0,140\n\tVI\t0,143\n\tVII\t0,139\n\tVIII\t0,152\n\tIX\t0,130\n\tX\t0.159\nIV\tII\t0,175\n\tIII\t0,152\n\tIV\t0,177\n\tV\t0,172\n\tVI\t0.175\n\tVII\t0.171\n\tVIII\t0,172\n\tIX\t0,177\n\tX\t0.152\n\tXI\t0,101\n\tXII\t0.130\nMittel aus 21 Einzelbeobachtungen.\no, 159 Sec.","page":710},{"file":"p0711.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 711\n2. Herzstoss und Puls der Art. dors, pedis.\nD \u2014H.\nVersuchs- Xr.\tPuls-Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in Bruchtheilen 1 See.\tMittel aus 20 Einzel-beobaohtungen.\nXI\tI\to. 1 SS\t\n\tii\tU,178\t\n\tui\t0,224\t\n\tIV\t0,209\t\n\tV\t0,109\t\n\tVI\t0.181\t\n\tVII\t0,171\t\n\tVIII\t0,167\t\n\tIX\t0,208\t\n\tX\t0,211\t0,193 Sec.\n\t\t\t\nIX\tII\t0,171\t\n\tHI\t0,205\t\n\tIV\t0.231\t\n\tV\t0,201\t\nVI\t\t0,205\t\nVII\t\t0.204\t\nVIII\t\t0,177\t\nIX\t\t0,197\t\nX\t\t0.IS1\t\nXI\t\t0,190\t\ni\ny) Messung der Versp\u00e4tungsintervalle zwischen dein Herzstoss und dem Puls der Carotis einerseits, und zwischen dem Puls der Caratis und den Pulsen der Art. radialis und der A rt. dorsalis pedis andererseits.\nZur Befestigung des M.u;Ev'sehen Sphvgmographen am Halse, behufs der Ilegistrirung der l\u2019ulscurve der Carotis, diente eine grosse h\u00f6lzerne Zwinge, welche fest und sicher auf den Schultern und auf dem Nacken ruhte.","page":711},{"file":"p0712.txt","language":"de","ocr_de":"712 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorinm in Prag. 1. Herzstoss und Carotis.\nC \u2014 H.\nVersuchs-\tPuls - Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in\tMittel aus 2b Einzel-\nNr.\t\tBruclitheilen 1 Sec.\tbeobachtungen.\nXX\ti\t0,105\t\n\tii\tO.OSO\t\n\tin\t\t\n\tIV\t0,093\t\n\tV\t0.074\t\n\tVI\t0,07$\t\n\tVII\t0,086\t\n\tVIII\t0,125\t\n\tIX\to, tos\t0, OST Sec.\n\t\t\t\nXXVIII\tI\t0,007\t\n\tII\t0,076\t\n\tIII\t0,090\t\n\tIV\t0,070\t\n\tV\t0,06$\t\n\tVI\t0,09$\t\n\tVII\t0.102\t\n\tVIII\t0,079\t\n\tIX\t0.0$1\t\n\tX\t0,101\t\n\tXI\t0,097\t\n\t2. Carotis und Radial is.\t\t\n\t\tR \u2014C.\t\nVersuchs-\tPuls - Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in\tMittel aus 17 Einzel-\nNr.\t\tBruclitheilen 1 Sec.\tbeobachtungen.\nXXIII\ti\t0,124\t\n\tii\t0.139\t\n\tin\t0.094\t\n\tIV\t0,121\t\n\tV\t0,137\t\n\tVI\t0.108\t\n\tVII\to.loS\t\n\tVIII\t0.137\t\n\t\t\t0,094 Sec.\n\t\t\t\nXXII\t1\t0,072\t\n\tII\t0.035\t\n\t111\tu.06:5\t\n\tIV\t0.069\t\n\tV\t0.10O\t\n\tVI\t0.051\t\n\tAll\t0.071\t\n\tVIII\t0.003\t\n\tIX\t0,104\t","page":712},{"file":"p0713.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilung\u00e9n aus dem physiologischen Privatiaboratorium in Prag.\n713\n3. Carotis und Dorsalis pedis.\nD \u2014C.\nVersuchs-\tPuls-Nr.\tVersp\u00e4tungsintervall in\tMittel aus 20 Einzel-\nNr.\t\tBruclitheilen 1 Sec.\tbeobachtungen.\nXXIX\tI\t0,17S\t\n\t11\t0,161\t\n\tIII\t0,097\t\n\tIV\t0,116\t\n\tV\t0,129\t\n\tVI\t0,103\t\n\tVII\t0,101\t\n\tVIII\t0,073\t\n\tIX\t0.160\t\n\tX\t0,115\t\n\tXI\t0,110\t0.117 Sec.\n\t\t\t\nXXX\tI\t0.107\t\nII\t\t0.100\t\nIII\t\t0.109\t\nIV\t\t0.100\t\nV\t\t0,116\t\nVI\t\t0,1 Ol\t\nVII\t\t0,nV>S\t\nVIII\t\t0,115\t\nIX\t\t0,121\t\nS\u00e4mmtliche in a. \u00df und y zusammengestellten Versuchsreihen wurden in einer Zeit angestellt, w\u00e4hrend welcher mein Puls eine fieberhafte Frequenz von SO\u201495 in der Minute hatte.\nGeht mau die mitgctheilten Tabellen genauer durch. so erkennt man sofort, dass die einzelnen Werth c der Versp\u00e4tungsintervalle in einer und derselben Versuchsreihe sehr betr\u00e4chtlich von einander abweichen.\nOhne die M\u00f6glichkeit einer in kurzer Zeit, ja selbst von einem Pulsschlag zum andern etwa eintretenden Ver\u00e4nderung des Wertlies der Versp\u00e4tungsintervalle innerhalb derselben Gef\u00e4ssstrecke im vorn-hineiu l\u00e4ugnen zu k\u00f6nnen, so wird man doch nicht anstelien die Schwankungen der Einzelbestimmungen zun\u00e4chst der unvollkommenen Ausf\u00fchrung der Messungen zur Last zu legen.\nDenn so vorwurfsfrei auch der Plan meiner Methode mit dem Sphygmographen ist. f\u00fcr die exacte wirkliche Ausf\u00fchrung finden sich eine Menge von Schwierigkeiten und Uebelst\u00e4nden, welche als Fehlerquellen die Sch\u00e4rfe und Uebereinstimmung der Einzelbeobachtungen mehr oder weniger beeintr\u00e4chtigen m\u00fcssen.","page":713},{"file":"p0714.txt","language":"de","ocr_de":"714 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlabonitorium in Prag.\nSo z. B. 1. die scharfe Bestimmung jener Punkte in den Pulscurven, welche den Momenten der gr\u00f6ssten Expansion der Arterien oder des Beginnes der Contraction entsprechen. Fehler in dieser Richtung \u2014 selbst wenn wir die Form der Pulscurven als vollkommen richtig voraussetzen \u2014 kann man um so leichter begehen, je rascher der berusste Papierstreifen am Schreibhebel vor\u00fcbergef\u00fchrt wird, je stumpfer und gestreckter somit die Pulsbilder ausfallen ; obschon die raschere Bewegung des Papierstreifs andererseits wieder von grossem Vortheil ist, weil hierdurch die den Zeiteinheiten entsprechenden Ab-scissenl\u00e4ugen bedeutend wachsen, und die Messung ihrer Bruchtheile an Genauigkeit gewinnt.\nSind nun gar die Formen der zu vergleichenden Pulsbilder etwas und nicht genau in derselben Weise verzerrt , so ist die Gefahr, den Uebergangspunkt der Expansion (Systole) in die Contraction Diastole) zu verfehlen, fast nicht zu vermeiden.\nDies gilt namentlich in Beziehung auf die Herzstosscurven im Vergleich mit den Pulscurven der Arterien, obschon auch diese letzteren unter einander, namentlich bei sorgloser Handhabung der Spliyg-mograplien, Formverschiedenheiten zeigen k\u00f6nnen, welche sch\u00e4rfere Bestimmungen illusorisch machen.\nSo 2. die Ben\u00fctzung des krummrandigen Ordinatenlineals, um die correspondirenden Punkte der Abscissenaxen zu finden.\nSo 3. die exacte Messung der Abscissenl\u00e4ngen, da die auf dem berussten Papier geschriebenen Linien, wenn auch fein, doch eine messbare Breite besitzen.\nSo 4. die Ungleichf\u00f6rmigkeiten im Gange der Uhrwerke \u2014 nicht hinsichtlich einer Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den beiden Uhrwerken denn diese ist durch die \u00fcber jeder Pulscurve gleichzeitig notirte Zeitcurve vollst\u00e4ndig unsch\u00e4dlich gemacht , sondern die Ungleichf\u00f6rmigkeiten im Gange des einzelnen Uhrwerks w\u00e4hrend des Ablaufs einer Secunde.\nUnd so endlich noch eine Reihe anderer Schwierigkeiten und Uebelst\u00e4nde, welche mehr oder weniger ins Gewicht fallen, sich aber freilich, so wie die namhaft gemachten, durch Sorgfalt und Aufmerksamkeit mehr oder weniger beseitigen lassen. \u2014\nKurz, die praktische Ausf\u00fchrung meiner Methode ist weiterer Vervollkommnungen eben so f\u00e4hig, als \u2014 wie ich in Anbetracht der unerwarteten Feinheit des Messungsobjectes ausdr\u00fccklich hervorheben muss \u2014 bed\u00fcrftig. Nichtsdestoweniger wollen wir zum Schl\u00fcsse die aus den mitgetheilten Tabellen sich ergebenden Werthe der Versp\u00e4tungsintervalle zusammenstellen und pr\u00fcfen, weil sie denn doch inner-","page":714},{"file":"p0715.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 715\nhalb gewisser fester Grenzen bleiben und, wie ich sp\u00e4ter zeigen werde, einige sichere und neue Resultate im Gebiete der Sphygmochronome-trie ergeben (s. unten S. 726 %\nIm Mittel betrugen die Versp\u00e4tungsintervalle zwischen Radialis und Dorsalis pedis :\nD \u2014 R j = 0.01 S Sec. ; zwischen Herz und Radialis :\nR \u2014 H)\t- 0,159 Sec. :\nzwischen Herz und Art. dorsalis pedis :\nD\u2014H) = 0,193 Sec, ; zwischen Herz und Carotis :\nC\u2014H) = 0,087 Sec. ; zwischen Carotis und Radialis :\nR \u2014 C) = 0,094 Sec, ; zwischen Carotis und Dorsalis pedis :\nD\u2014 C) = 0.117 Sec. :\nDiese direct gefundenen Mittelwerthe von D \u2014 R und C \u2014 H lassen sich durch Rechnung controliren. Denn:\ni>\u201411 \u2014\t[R\u2014h)\t\u2014\td\u2014r............... i;\nD \u2014 Cf \u2014\tR - Ci\t=\t[D\u2014 R)...............(2j\n[D \u2014 H) \u2014\tD -C\t=\t[C -II...............:3)\n{R \u2014 H} \u2014\tR \u2014 C)\t=\t[C\u2014H)...............(4)\nDie Uebereinstimmung der aus den Gleichungen 1 und (2), und (3) und (4) berechneten Werthe von D \u2014 R und \\C\u2014H) mit den aus directer Beobachtung hervorgegangenen Mittelwerthen, ist eine ziemlich befriedigende, denn die ersteren differiren von den letzteren beziehentlich nur um 5/iooo) 16 tono) 'Vioooi tmd 22/iooo ^ec- l^gl- (^'e folgende Tabelle; ; allerdings betragen die Werthe selbst nur etliche\nHundertel Sec\t\u2014\t\t\nVersp\u00e4tungs- intervall\tGefunden im Mittel\tBerechnet\tDifferenz\nD \u2014 R)\t0.018 Sec.\taus 1 = 0,03-1 Sec. aus (2) = 0,023 Sec.\t+ 0,016 Sec. + 0,005 Sec.\nr- ii\t0,087 Sec.\taus (3) = 0,<170 Sec. aus 4) = 0,005 Sec.\t\u2014\to,oll Sec. \u2014\t0,022 Sec.","page":715},{"file":"p0716.txt","language":"de","ocr_de":"716 Mittlieilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nc) Die elektrische Methode.\nDer elektrische Strom und seine magnetischen Wirkungen sind schon vielfach zu den genauesten chronometrischen Bestimmungen angewendet worden. Auch f\u00fcr unseren Zweck l\u00e4sst sich der elektrische Strom in der verschiedensten Weise ben\u00fctzen. Es handelt sich hier nur darum, passende Vorrichtungen an den Arterien anzubringen, welche, durch die Pulsbewegungen in Bewegung gesetzt, im erforderlichen Moment die Leitungen (Haupt- oder Nebenschliessungen) des elektrischen Stromes schliessen oder unterbrechen, denn die Zeiten des Eintritts oder der Dauer der Schliessung oder Unterbrechung elektrischer Str\u00f6me k\u00f6nnen bekanntlich sehr genau gemessen werden.\nLetzteres geschieht n\u00e4mlich entweder vermittelst der graphischen Methode. bei welcher die Zeit durch die L\u00e4nge einer Linie gemessen wird, oder vermittelst der Pouillet sehen Methode, bei welcher die Zeit aus einer Function des Ablenkungswinkels einer Magnetnadel berechnet wird: oder endlich vermittelst der elektromagnetischen Chronoskope, an welchen die Zeit vom Zifferblatte des Uhrwerkes abgelesen wird.\nBez\u00fcglich jener Vorrichtungen, welche an den zu vergleichenden Arterienquerschnitten anzubringen sind, ist jedoch zu bemerken, dass es nicht gen\u00fcgt, wenn sie. durch die Pulse in Bewegung gesetzt, die Stromleitungen \u00dcberhaupt nur prompt schliessen oder \u00f6ffnen. \u2014 es w\u00e4re nichts leichter zu bewerkstelligen, als dies \u2014. sondern, dass sie an beiden zu vergleichenden Orten genau im Momente derselben bestimmten Phase der Pulswelle z. B. im Momente des Pulswellenanfangs oder der erreichten Pulswellenh\u00f6he) die Schliessung oder Oeffnung der Stromleitungen bewerkstelligen m\u00fcssen \u2014 und hierin liegt die ganze Schwierigkeit der Ben\u00fctzung des elektrischen Stromes zur Chronometrie der Pulswelle. Diese Schwierigkeit hat Vierokdt mit keiner Sylbe angedeutet, als er das von Hipp verbesserte Wheatstone sehe Chronoskop zu diesen delicaten Versuchen empfahl, indem er sich einfach auf die Bemerkung beschr\u00e4nkte. \u00bb... wobei \u00e4hnliche Hebelvorrichtungen anzuwenden w\u00e4ren, wie bei unserem S p hy gm ograp hen. *\nMit einem einfachen F\u00fchlhebel, welcher durch die Pulsationen der Arterien gegen eine Contactschraube emporgehobeu. oder von derselben abgehoben w\u00fcrde, ist es jedoch nicht abgethan. \u2014 selbst wenn die Contactschraube in verschiedener H\u00f6he fein eingestellt werden k\u00f6nnte, denn man w\u00fcsste niemals mit Sicherheit, ob die Contact-schliessung oder Oeffnung an den zu vergleichenden Orten genau bei derselben Phase der Pulswelle stattgefunden habe oder nicht : es","page":716},{"file":"p0717.txt","language":"de","ocr_de":"Mitth\u00e8ilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 71 7\nw\u00e4re sehr leicht das wahre Suceessionsverh\u00e4ltniss der Pulse zu verfehlen, ja sogar geradezu umzukehren !\nSo misslich dieser Umstand welcher dem Aufsuchen der homologen Punkte der beiden Pulscnrven hei der sub b) beschriebenen Methode gleicht) im vorhinein auch erscheint, so habe ich mich doch nicht abschreeken lassen, Versuche mit verschiedenen stromunterbrechenden und stromschliessenden Vorrichtungen zu machen, indem ich ermitteln wollte, ob der angedeutete Uebelstand vielleicht in hinreichendem Grade zu beseitigen sei. Bei ganz gleichf\u00f6rmigem, regelm\u00e4ssigem Pulssehlag und v\u00f6llig ruhiger Haltung des Individuums bot sich als n\u00e4chstliegendes Auskunftsmittel, der Contactsckraube die h\u00f6chste oder tiefste Stellung zu geben, damit Schliessung oder Oeffnung der Stromleitung an beiden Orten m\u00f6glichst genau dem Momente des Pulswellenanfangs oder der erreichten Pulswellenh\u00f6he entspreche. Man sieht jedoch leicht, dass die leisesten Bewegungen des Versuchsobjects oder die geringsten Aenderungen in der Gr\u00f6sse der Pulsschl\u00e4ge, entweder ein g\u00e4nzliches Ausbleiben oder ein verfr\u00fchtes oder versp\u00e4tetes Eintreten des Contacts oder der Unterbrechung bedingen m\u00fcssen.\nIch werde weiter unten die verschiedenen Ideen und Vorrichtungen, auf welche ich gekommen bin, um die elektrische Methode zur Selbstregistrirung der Puls wellen Versp\u00e4tung anzuwenden, mittheilen, vorher will ich aber ein Verfahren besprechen, welches zwar an Genauigkeit und Sicherheit eine verl\u00e4ssliche mechanische Selbstregistri-rung nie vollkommen ersetzen wird, welches sich aber, der Einfachheit und leichten Anwendbarkeit wegen, zu beil\u00e4ufigen Sch\u00e4tzungen jedenfalls besser empfiehlt, als Weber\u2019s Verfahren. Ich meine :\nu] Das Verfahren des freien Markirens der Pulse.\nMan kann n\u00e4mlich bei einiger Uebung und Aufmerksamkeit mit ziemlicher Genauigkeit im Momente, wo der Puls gef\u00fchlt oder \u2014 wenn man einen Pulsspiegel in der oben angegebenen Weise anwendet \u2014 gesehen wird, einen Telegraphenschl\u00fcssel in Bewegung setzen und den zeitmessenden Strom schliessen oder \u00f6ffnen.\nEs kann ein Beobachter die zwei oder mehren zu vergleichenden Pulse beobachten und markiren, oder aber es k\u00f6nnen sich mehre Beobachter in die Markirung der zu vergleichenden Pulse theilen, wobei freilich die sogenannte \u00bbpers\u00f6nliche Gleichung\u00ab f\u00fcr jeden Theilnehmer zu bestimmen und in Rechnung zu bringen w\u00e4re.\nWas die Anordnung der Stromleitungen angeht, so lassen sich dieselben so einrichten, dass jeder Beobachter je eine von den \u00fcbrigen unabh\u00e4ngige Leitung und Stromquelle durch seinen Telegraphen-","page":717},{"file":"p0718.txt","language":"de","ocr_de":"71s Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nSchl\u00fcssel beherrschte oder so. dass die Schl\u00fcssel je zweier Beobachter in der Art in eine und dieselbe Leitung eingeschaltet w\u00e4ren, dass Druck auf den ersten Schl\u00fcssel den Strom schliesst. Druck auf den zweiten Schl\u00fcssel den Strom \u00f6ffnet. Im ersten Falle w\u00fcrde dann die Pulsversp\u00e4tung dein Intervall zwischen den Stromschliessungen entsprechen. im zweiten Fall aber der Dauer der Str\u00f6me.\nDie zum Markiren ben\u00fctzten Schl\u00fcssel k\u00f6nnten entweder gew\u00f6hnliche Telegraphenschl\u00fcssel oder besser in der Art eingerichtet sein, dass sie im Moment der Ber\u00fchrung schon die Schliessung oder Unterbrechung des Stromes bewirkten und kein messbarer Zeitverlust beim Niederdr\u00fccken, wie bei jenen, eintreten k\u00f6nnte. ehe der Contact erreicht wird. Man m\u00fcsste n\u00e4mlich solche Schl\u00fcssel ben\u00fctzen, welche durch Contactunterbrechung wirken. Es versteht sich von selbst, dass man mit einem solchen Schl\u00fcssel Str\u00f6me in bestimmten Leitungen im gewollten Moment nicht nur unterbrechen. sondern auch in dieselben eintretenlassen kann. Man braucht solch einen Schl\u00fcssel n\u00e4mlich nur in eine gut leitende Nebenschliessung einzuschalten: so wie dann der Contact aufgehoben wird, bricht der Strom in die Hauptleitung ein. Befindet sich nun in der Hauptleitung ein zweiter solcher Schl\u00fcssel, so unterbricht Druck auf diesen wieder den eben hereingebrochenen Strom, ehe sich der Contact in der Nebenschliessung wieder hergestellt hat. Nur in dem Falle k\u00f6nnte bei dieser Anordnung eine Confusion der Signale eintreten. wenn die markirende Hand zu laug oder zu kurz den Schl\u00fcssel herabgedr\u00fcckt halten w\u00fcrde. wenn n\u00e4mlich der erste Schl\u00fcssel die Nebenschliessung fr\u00fcher herstellte, ehe der zweite die Hauptleitung unterbrochen h\u00e4tte. oder wenn der zweite Schl\u00fcssel die Hauptleitung noch nicht wieder hergestellt h\u00e4tte, ehe der erste Schl\u00fcssel die Nebenschliessung \u00f6ffnete.\nDas Schliessungssignal durch Druck auf den ersten Schl\u00fcssel kann nur dann richtig ausfallen. wenn der zweite Schl\u00fcssel seine Buhelage einnimmt. die Hauptleitung also geschlossen ist. w\u00e4hrend das Oeif-uuugssignal durch Druck auf den zweiten Schl\u00fcssel nur dann wirksam und richtig ist. ehe am ersten Schl\u00fcssel der Contact und damit die gute Nebenschliessung wieder hergestellt ist. Es ist grosse Hebung hierzu erforderlich.\n\u00fcebrigens l\u00e4sst sich der Mechanismus der Schl\u00fcssel leicht so modi-ficircn. dass die Unterbrechung des Contacts bei einmaligem Niederdr\u00fccken nur eine ganz bestimmte immer gleiche Zeit dauert, mag man nun zwischen zwei Signalen die Hand l\u00e4ngere oder k\u00fcrzere Zeit auf dem Dr\u00fccker ruhen lassen.","page":718},{"file":"p0719.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratoriuin in Prag. 719\ni Das Verfahren mit dem Pulsmanometer.\nUnter den Vorrichtungen, welche behufs der elektrischen Selbst-registrirung durch die Pulswellen selbst in Bewegung gesetzt werden sollen, habe ich auch solche probirt, welche auf dem Princip des arggeschm\u00e4hten H\u00c9Rissox\u2019schen Pulsmanometers beruhen.\nIch verschloss kurze metallene oder gl\u00e4serne R\u00f6hrenst\u00fccke an dem einen Ende mit einer elastischen Membran, f\u00fcllte den kleinen Hohlraum mit einer leitenden Fl\u00fcssigkeit aus, und verschloss das andere Ende mit einem Kork, in dessen Bohrung ein d\u00fcnnes Glasr\u00f6hrchen stack. Die beim Eindr\u00fccken des Korks im R\u00f6hrchen aufsteigende Fl\u00fcssigkeit pulsirt bekanntlich deutlich und regelm\u00e4ssig auf und ab, wenn die elastische Membran gegen eine Arterie angedr\u00fcckt wird. Ist die leitende oscillirende Fl\u00fcssigkeit mit dem einen Pol, ein in das R\u00f6hrchen gesteckter Draht, dessen Spitze von der aufsteigenden Fl\u00fcssigkeitss\u00e4ule eben erreicht werden kann, mit dem anderen Pol einer S\u00e4ule in Verbindung, so wird jede Pulswelle durch die momentane Schliessung des Stromes markirt werden. Zweckm\u00e4ssig construirt. ist das Ukurssos'sehe sp\u00e4ter von Ciielius und Scott Alison angewendete Sphygmometer, in seinen Anzeigen nicht gar so unzuverl\u00e4ssig, wie die \u00fcbertriebene Abneigung des Begr\u00fcnders der Sphygmograpliie gegen Manometer mit schwingender Fl\u00fcssigkeit \u00fcberhaupt vermuthen l\u00e4sst.\nRbdtbnbacher\u2019s Bedenken gegen das Pulsmanometer sind allerdings vollkommen berechtigt, allein dieselben lassen sich, wie Mach gezeigt hat, ganz in derselben Weise gegen jede Pulsmaschine geltend machen, bei welcher tr\u00e4ge Massen ins Spiel kommen.\nKeine der Pulsmaschinen ist ein \u00bbPantograph, der mit gewissenhafter Treue die Einwirkungen wiedergibt,\u00ab und keine der gelieferten Pulscurven kann streng genommen der wahre \u00bbAusdruck des Gesetzes sein, nach welchem die Pulsbewegungen erfolgen.\u00ab Die einzige Ausnahme werden jene Pulscurven bilden, welche nach meinen oben auseinandergesetzten photosphygmographischen Verfahren [A) mit Ausschluss aller tr\u00e4gen Masse durch gewichtlose F\u00fchlhebel \u2014 die Lichtstrahlen \u2014 aufgeschrieben werden.\nEs handelt sich also bei den verschiedenen Pulsmaschinen immer nur um eine gr\u00f6ssere oder geringere Approximation. Und dass die Anzeigen der Vorrichtungen, welche nach dem H\u00c9KissoN\u2019schen Princip m\u00f6glichst zweckm\u00e4ssig construirt werden, jener der \u00fcbrigen Pulsmaschinen wenig oder nichts an Genauigkeit nachgeben, davon kann man sich leicht \u00fcberzeugen.\nWas \u00fcbrigens die Leistungen des H\u00c9Rissoxhchen Manometers f\u00fcr unseren specielleu Zweck angeht, so w\u00fcrden dieselben schon ganz gut","page":719},{"file":"p0720.txt","language":"de","ocr_de":"720 Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorimn in Prag.\nJt\nverwendbar werden, wenn die Momente z. B. der erreichten Puls-wellenli\u00f6lie nur ann\u00e4hernd richtig angezeigt w\u00fcrden, der unvermeidliche Fehler jedoch an allen zu vergleichenden Arterienquerschnitten in demselben Sinne und gleich gross ausfiele.\nDie Form und Einrichtung, welche ich meinem elektrischen Pulsmanometer gegeben habe, ersieht man aus dem beigedruckten Holzschnitt (Fig. 7).\nMit dem Eintritt der Pulswelle in den betreffenden Arterienquerschnitt beginnt die leitende Fl\u00fcssigkeit im R\u00f6hrchen zu steigen und erreicht etwas eher, als die Pulswellenh\u00f6he durch den Querschnitt geht, die Spitze der m\u00f6glichst hoch eingestellten Contactschraube. F\u00e4nde, wie gesagt, diese Verbr\u00fchung des Contactes, dieser Fehler in gleicher Weise an allen zur selben Zeit angewendeten Manometern statt, so blieben die Differenzen der angezeigten Momente, um welche sich\u2019s eben handelt, ganz unver\u00e4ndert und vollkommen richtig.\nHinsichtlich der Anordnung der Stromleitungen und der verschiedenen Einschaltung der Contactstellen gilt liier dasselbe, was beim vorigen Verfahren bemerkt wurde.\nyj Das V c r f \u00e4hren mit Hebel-vorricht ungen.\nMan kann hiezu jeden Sphygmogra-phen brauchbar machen, wenn man den F\u00fchlhebel desselben so einrichtet, dass er durch seine Bewegungen Contacte herstellt oder unterbricht. Ist der F\u00fchlhebel ganz von Metall, wie beim ViEBOiurr\u2019schen Apparat, so l\u00e4sst sich der eine Pol der Ivette mit dem Axenlager verbinden, und der andere mit einer Contactschraube , welche der F\u00fchlhebel im geeigneten Moment zu ber\u00fchren h\u00e4tte.\n1st der F\u00fchlhebel von Holz und tr\u00e4gt eine metallene Spitze 'Stahlfeder' wie (beim MAi\u00eeEv'schen Sphygmographen. so m\u00fcsste der eine\nFig 7- Elektrisches Pulsmanometer. A Sletallring, unten durch die Membran M verschlossen und mit Quecksilber gef\u00fcllt; C Deckel mit Schraubengewinde zum Verschliessen des Ringes A von oben, derselbe kann so tief in den Ring A hineingeschraubt werden, dass die Quecksilberschicht zwischen Deckel und Membran auf ein Minimum reducirt wird : k ein durchbohrter Kork, welcher eine kurze Steigrohre S tr\u00e4gt, in welcher das Quecksilber auf und niedergeht. An dem Ring A sind zwei H\u00e4kchen zum Befestigen der Halteb\u00e4nder angebracht, von denen nur das diesseitige, o zu sehen ist; ferner zwei Ans\u00e4tze, von denen der eine das Schr\u00e4ubchen \u25a0r\\ der andere aber den B\u00fcgel B tr\u00e4gt, welcher durch zwei Scheibchen Hartgummi (h //) elektrisch vollkommen isolirt ist. Der B\u00fcgel B ist an seinem senkrechten Theile mit dem Schr\u00e4ubchen r versehen, welches wie das Schr\u00e4ubchen r' zum Anklemmen eines Poldralites dient. Am Ende des horizontalen Theils des B\u00fcgels B befindet sich die mit einer feinen langen Platinspitze versehene Contactschraube R, gegen welche je nach der gew\u00e4hlten Einstellung, das Quecksilber, im Beginn oder am Ende seiner aufsteigenden Bewegung, schl\u00e4gt und damit eine gutleitende Verbindung zwischen den bei r und \u00bb*' festgeklemmten Pol-dr\u00e4hten herstellt.","page":720},{"file":"p0721.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n721\nPol mit der Metallspitze verbanden werden; wobei jedoch die Beweglichkeit des F\u00fchlhebels leiden w\u00fcrde. Diesem Uebelstand w\u00e4re aus-zu we ich en, wenn man statt Einer Contaetschraube deren zwei anwendete . welche das metallene Ende des F\u00fchlhebels gleichzeitig ber\u00fchrt und so die Leitung zwischen den beiden mit den Poldr\u00e4hten in Verbindung stehenden Contactschrauben herstellte.\nFerner k\u00f6nnte man Schliessung und OelVnung von Stromleitungen durch den F\u00fchlhebel des Sphygmographen erhalten, wenn man ihn mit einem Pol verb\u00e4nde und auf einer vollkommen ebenen Platte schreiben Hesse, deren obere H\u00e4lfte aus einem Nichtleiter Kammmasse), deren untere H\u00e4lfte aus einem Metallstreif besteht. welcher mit dem zweiten Pol in Verbindung w\u00e4re. Jedesmal wenn die Trennungslinie der beiden Bestandteile der Platte vom schreibenden Hebel \u00fcberschritten w\u00fcrde, m\u00fcsste eine Contactscliliessung oder Oeffnung erfolgen und man s\u00e4he zugleich an der erhaltenen Curve . in welchen Phasenmomenten der Pulswelle die Uebersehreitung stattgefunden habe.\nBeim MA\u00fcEv'schen Sphygmographen habe ich den Zweck am einfachsten dadurch erreicht, dass ich den Schreibhebel nebst der Hebelvorrichtung. die die Bewegungen der starken elastischen Feder auf den Schreibhebel \u00fcbertr\u00e4gt. ganz entfernte und \u00fcber dem Ende der elastischen Feder eine isolirte Contaetschraube anbringen Hess. Der eine Pol der Kette wurde an der Contaetschraube. der andere an dem Lager der elastischen Feder angebracht und erster\u00a9 so weit herabgedreht. dass sie eben noch von der Letzteren im Momente der h\u00f6chsten Expansion der Arterie erreicht werden konnte.\nMeine Pulsspiegel von der zuletzt beschriebenen Construction Fig. 5. lassen sich in \u00e4hnlicher AVeise zu selbstregistrirenden Contaet-schliisseln einrichten.\nIch habe zu diesem Ende statt des Spiegelehens eine Messingplatte zwischen die Axeuspitzen der b\u00fcgelf\u00f6rmigen Kabel einsetzeu lassen, welche bei ihren Oseillationen mit einer Contaetschraube in Ber\u00fchrung kam, welche in senkrechter Lichtung zwischen den beiden Schenkeln der b\u00fcgelf\u00f6rmigen Gabel angebracht war. Der eine Poldraht wurde an die b\u00fcgelf\u00f6rmige Gabel, der andere an die isolirte Mutter der Contaetschraube angeklemmt. Die oscillirende Messingplatte trug an der Stelle, welche mit der Platinspitze der Contaetschraube in Ber\u00fchrung kommen musste, ein Platinpl\u00e4ttchen.\nIch wende mich nun zur Er\u00f6rterung der Mittel. welche ich zur zeitlichen Bestimmung der elektrischen Signale anwendete.\nC L e r m ak . Schriften.\t4f>","page":721},{"file":"p0722.txt","language":"de","ocr_de":"722 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nDa ich wegen der k\u00fcnftigen Verwerthung einer genaueren Messung der Pulsversp\u00e4tung auf Kliniken und in der Praxis mein Augenmerk zun\u00e4chst auf einfache, leicht ausf\u00fchrbare und keine kostspieligen Instrumente erfordernde, zeitmessende Methoden richtete, so habe ich nur die graphischeMethode in Anwendung gezogen.\nDie graphische Methode, welche Ludwig in die Physiologie eingef\u00fchrt und Helmholtz zur h\u00f6chsten Vollendung gebracht hat, verlangt bekanntlich weiter nichts als ein Uhrwerk 1 . welches eine Schreibfl\u00e4che mit bekannter gleichf\u00f6rmiger Geschwindigkeit in gerader oder kreisf\u00f6rmiger Richtung fortbewegt.\nAuf der bewegten Fl\u00e4che werden die zu bestimmenden Momente markirt. Die horizontalen Abst\u00e4nde oder L\u00e4ngen derselben, welche eben den gesuchten Zeitr\u00e4umen entsprechen. k\u00f6nnen dann mit den in der Zeiteinheit von der bewegten Fl\u00e4che zur\u00fcckgelegten Wegl\u00e4ngen genau ausgemessen werden. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit, welche der Schreibfl\u00e4che durch das Uhrwerk ertkeilt wird, ist am einfachsten und besten durch einen Elektromagneten zu bestimmen, den man in der von mir angegebenen Weise, w\u00e4hrend des Versuches, eine Zeit curve schreiben l\u00e4sst. Je k\u00fcrzer die Einheitsintervalle der Zeit-curve gew\u00e4hlt werden, desto sicherer k\u00f6nnen etwaige Schwankungen in der Gleichf\u00f6rmigkeit der Fortbewegung der Schreibfl\u00e4che erkannt und unsch\u00e4dlich gemacht werden.\nZur Markirung der Momente, in welchen die Schliessung oder Oeffnung der Stromleitungen durch die sub u. \u00df und y besprochenen Vorrichtungen bewerkstelligt wird, bediente ich mich je nach der Anordnung derselben, entweder nur einer oder zweier senkrecht \u00fcbereinander schreibender Elektromagnete ; letzteres geschah wenn f\u00fcr jeden der beiden zu vergleichenden Arterienquerschnitte eine besondere Kette und Stromleitung ben\u00fctzt wurde, das erstere, wenn nur eine Kette in Anwendung kam und der eine der Contacte in eine gutleitende Nebenschliessung, der andere in die Hauptleitung eingeschaltet worden war, wobei das Versp\u00e4tungsintervall durch die Dauer des elektrischen Stromes, d. h. durch die L\u00e4nge jener St\u00fccke des vom Elektromagneten gezogenen Striches gemessen wurde, welche w\u00e4hrend des An-gezogensein's des Ankers entstanden.\nEinigemale habe ich statt der Elektromagnete an Schreibhebeln befestigte Froschschenkel wie beim Myographium ben\u00fctzt, und die\n1 Harless lind Fick haben das Uhrwerk durch einfache F\u00fcllvorrichtungen ersetzt.","page":722},{"file":"p0723.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n723\nStromst\u00e4rken mit dem Rheockord so abgestuft, dass sie bei jedem elektrischen Signal entweder nur Schliessungs- oder nur Oeffnungszuckung. oder endlich Schliessungs- und Oeffnungszuckung gaben.\n<?) Kritische Bemerkungen.\nMeine nicht m\u00fchelosen Bem\u00fchungen den elektrischen Strom zur exacten Messung der Pulsversp\u00e4tung zu verwerthen, haben bisher zu einem wesentlich negativen Resultate gef\u00fchrt. Die Bedenken, welche ich von vornherein gegen die Ausf\u00fchrbarkeit der naheliegenden und plausiblen Idee die Pulsbewegungen vermittelst einfacher Hebel, wie beim Sphygmograpken oder elektrischen Pulsmanometer, sich selbst registriren zu lassen, sind, wie mich meine Versuche mit den beschriebenen Vorrichtungen lehrten, nur zu gerechtfertigt gewesen.\nDie am Eing\u00e4nge dieses \u00a7 angedeuteten Schwierigkeiten Hessen sich selbst durch die sorgf\u00e4ltigste und feinste Einstellung der Contact-schrauben nicht ganz beseitigen, und exacte Messungen der Pulsver-sp\u00e4tnngsintervalle erwiesen sich als unausf\u00fchrbar, weil es niemals sicher war, ob die beiden elektromagnetischen Signale, deren Abstand gemessen werden sollte, auch wirklich genau derselben Phase der Pulswelle an den beiden zu vergleichenden Orten entsprachen oder nicht. Ich tlieile desshalb keine Versuchsreihen im Detail mit und bemerke nur im Allgemeinen, dass dieselben noch schwankendere. im Allgemeinen aber \u00e4hnliche Resultate gaben. wie die Methode mit dem Spliygmographen.\nDie elektrischen Signale kamen zwar w\u00e4hrend der ganzen Dauer mancher Versuchsreihen sehr regelm\u00e4ssig zum Vorschein und h\u00e4tten vortrefflich zur genauen Bestimmung der Pulsfrequenz dienen k\u00f6nnen, allein in welchem der Phasenmomente dieselben ausgel\u00f6st worden waren, konnte nie mit voller Sicherheit ermittelt werden.\nWurde die Contactscliraube so hoch gestellt, dass der Contact nur im Momente der h\u00f6chsten Expansion (Systole eintreten konnte. dann geschah es allzuleicht, dass die Signale g\u00e4nzlich ausblieben. Die Con-tactsehraube hingegen so tief herabzudrehen, dass sie genau im Momente des Beginnens der Expansion ber\u00fchrt werde, ist begreiflicher Weise noch weniger thunlich und r\u00e4thlicli.\nKurz, es hing innerhalb weiter Grenzen rein vom Zufall ab, welches Resultat die beabsichtigte Messung gab.\nUnter so bewandten Umst\u00e4nden h\u00e4tte ich schon l\u00e4ngst die Bescli\u00e4f-tigung mit der elektrischen Methode aufgegeben und nur noch die photosphygmographischen Versuche und die Bem\u00fchungen zur \\ ervoll-\n46*","page":723},{"file":"p0724.txt","language":"de","ocr_de":"724 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaljoratoriuin in Prag.\nkommiumg meiner Methode mit dem Sphygm\u00f6graphen fortgesetzt, wenn ich nicht zuletzt auf die Construction von neuen Contact Vorrichtungen verfallen w\u00e4re, welche mir g\u00fcnstigere Resultate zu versprechen scheinen.\nDie Uebelst\u00e4nde der einfachen Contactvorrichtungen entspringen n\u00e4mlich wesentlich aus der erst ganz willk\u00fcrlichen, dann aber unverr\u00fcckbaren Einstellung der Contactsehraube.\nBei der Construction der neuen Contactvorrichtungen ist aber statt der einfachen Contactsehraube ein kleiner zweiarmiger Hebel angebracht , dessen Axenlager in geringer und nach Bed\u00fcrfnis\u00ab ver\u00e4nderlicher Entfernung \u00fcber den Axenlagern des Hebels stehen, welcher unmittelbar an die pulsirende Stelle angelegt wird, um die Pulsationen aufzunehmen.\nJener Hebel, den ich den Contact h e b e 1 nennen will, befindet sich also genau \u00fcber dem letzteren, welcher der Pulshebel heissen mag, hat dieselbe L\u00e4nge wie dieser, und wird durch ihn auf folgende Weise in Bewegung gesetzt. Der eine Arm des Pulshebels wird n\u00e4mlich durch die sich expandirende Arterie emporgehoben. st\u00f6sst gegen den einen Arm des Contacthebels, welcher , wo die Ber\u00fchrung stattfindet, ein Platinkn\u00f6tchen tr\u00e4gt, und muss diesen mit emporheben : genau mit dem Beginne der Contraction der Arterien sinkt der Arm des Pulshebels zur\u00fcck und die Ber\u00fchrung desselben mit dem Contaethebel h\u00f6rt auf. indem dieser letztere zwischen seinen Axenspitzen wohl ganz leicht beweglich ist, dennoch aber mit einer solchen Spur von Reibung geht, dass er in jeder Neigung oder Stellung, in die er gebracht worden, stehen bleibt.\nW\u00e4hrend nun der eine Arm des Pulshebels, der Contraction der Arterie folgend sinkt, muss der zweite entgegengesetzte Arm desselben emporsteigen, gegen den zweiten correspondirenden Arm des Coutact-hebels, welcher, wo die Ber\u00fchrung stattfindet. ein Elfenbeinkn\u00f6tchen tr\u00e4gt, stossen, ihn mit emporheben und somit den ganzen Contaethebel in die urspr\u00fcngliche Stellung zum Pulshebel zur\u00fcckf\u00fchren. Das Spiel beginnt nun von Neuem.\nWenn ich nun noch hinzuf\u00fcge, dass der Contaethebel mit dem einen, der Pulshebel mit dem anderen Pol einer Kette durch sein Axenlager in leitender Verbindung steht und dass beide Hebel und deren Axenlager von einander elektrisch isolirt sind, so wird man den Sinn und Zweck dieser Vorrichtung vollkommen verstehen. \u2014 n\u00e4mlich die Erzielung einer Unterbrechung eines w\u00e4hrend der Expansion der Arterien geschlossenen elektrischen Stromes, genau in dem Momente des Beginnens der Contraction der Arterie und somit die","page":724},{"file":"p0725.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 7 25\nmechanische. von der variablen Gr\u00f6sse der Pulse unabh\u00e4ngige Ausl\u00f6sung eines elektrischen Signals, welches an jedem der zu vergleichenden Arterienquerschnitte sicher derselben1, Phase der Pulswelle entspricht.\nBei der praktischen Anwendung dieser neuen Contactvorrichtung werden sich zwar ohne Zweifel wieder mancherlei Schwierigkeiten ergehen. doch halte ich das Princip des Doppelhebels f\u00fcr so vielversprechend . dass es mir wohl der M\u00fche werth erscheint, die Versuche mit der elektrischen Methode fortzusetzen und dieselbe endlich doch irgendwie f\u00fcr die Sphygmochronometrie zu retten.\n(1) Vorl\u00e4ufige Resultate.\nMeine bisherigen Untersuchungen \u00fcber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen haben zwar zun\u00e4chst ergeben, dass wir noch keine Methode zur Messung der Pulsversp\u00e4tungsintervalle besitzen, welche allen Anforderungen e x a c t e r Forschung entspricht. Trotz der noch sehr mangelhaften Hilfsmittel ist es mir aber dennoch m\u00f6glich gewesen, einige neue Thatsachen auf diesem Gebiete der Pulslehre aufzufinden, welche ich jenem negativen Ergebniss als positives Resultat entgegensetzen kann.\nI. Die Geschwindigkeit, mit welcher sich die Pulswelle vom Herzen aus durch das Arteriensystem fort-pflanzt. ist nicht innllen Abschnitten desselben gleich gross.\nIch stelle diesen Satz auf. nicht blos als eine noth wendige Folgerung der Wi:iiK\u00fc'scheu Theorie der Pulsbewegung, sondern auch als ein Ergebniss meiner directen Beobachtungen \u00fcber Pulsversp\u00e4tung.\nI. Weber sagt in seinem fr\u00fcher citirten Programm : \u00bb PA, qua propagatio undarum in aqua perficitur in attractions terrae i. e. in pond\u00e9r\u00e9 aquae posita est, sed ids. qua propagatio undarum in sanguine arteriarum peragitur, in elasticitate arteriarum quaerenda est. Quo magis arteriae extens io n i. qu a m a s a n gu in e imp also p a t iu n tu r, resist u n l\ni; Kur in dem Falle, dass die Gipfel der Pulswellenberge an einem der beiden zu vergleichenden Arterienquerschnitte sehr viel stumpfer oder gar geradlinig abgestutzt sein sollten , w\u00fcrde diese Vorrichtung dem Zwecke nicht v\u00f6llig entsprechen, und m\u00fcsste noch eine Einrichtung getroffen werden , welche (im Falle, dass eben der Moment des Beginnes der Contraction nicht mit dem Moment des erreichten Maximums der Expansion in einen und denselben Zeitpunkt zusammen f\u00e4llt diese beiden Momente, zwischen welchen dann der gesuchte Zeitpunkt in der Mitte liegt, anzeigen k\u00f6nnte.","page":725},{"file":"p0726.txt","language":"de","ocr_de":"726 Mittbeilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\neo c\u00e9leri u s u n d a m p ropagari, n ec esse es t. Haut dubie celer itas propagationis pulsus et ipsa non nihil in diversis aegrotis diversa est, quae diversitas, si percipi posset, optime gradum, quo arteriae intensae sunt, indicaret.\u00ab,\nDa nun die Dicke und der Elastieit\u00e4tscoefficient der Wandungen der verschiedenen Arterien sehr verschieden sind, so muss die Geschwindigkeit , mit welcher die Pulswelle von einem Querschnitt zum anderen r\u00fcckt, gleichfalls sehr verschieden sein.\n2. Unbeschadet der er\u00f6rterten Mangelhaftigkeit der verschiedenen Messungsmethoden, darf ich es doch als ein unzweifelhaftes Ergehniss meiner Beobachtungen aussprechen, dass das Versp\u00e4tungsintervall zwischen Radialis und Art. dorsalis pedis niemals den Werth von 0,050 Sec. erreichte, sondern meist weit unter demselben blieb, im Mittel = 0,018 Sec. (s. oben Tab. D\u2014R und die Berechnung am Schl\u00fcsse des \u00a7 C, b; S. 715); w\u00e4hrend das Versp\u00e4tungsintervall zwischen Carotis und Radialis bedeutend gr\u00f6sser war und meist das Doppelte dieses Wertlies und dar\u00fcber betrug, im Mittel \u2014 0,094 Sec. s. oben Tab. R\u2014C).\nDie Differenz zwischen den L\u00e4ngen der Wege, welche die Pulswelle zu durchlaufen hat, um die Radialis und die Dorsalis pedis zu erreichen, m\u00fcsste also \u2014 vorausgesetzt, dass die Geschwindigkeit der Fortpflanzung der Pulswelle von Querschnitt zu Querschnitt in allen Arterien die gleiche w\u00e4re \u2014 mindestens etwa um die H\u00e4lfte kleiner sein als die Differenz der Wegl\u00e4ngen zwischen Carotis und Radialis.\nDa nun aber dieses Verh\u00e4ltniss der beiden Differenzen keineswegs stattfindet, ja im Gegentheil die erstere nicht nur nicht kleiner, sondern gr\u00f6sser ist als die letztere, so steht die beobachtete Thatsache mit jener Voraussetzung im grellen Widerspruch und es folgt hieraus im Gegens\u00e4tze zu jener, bisher niemals in Frage gestellten Voraussetzung, dass die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswelle in der Bahn zur Dorsalis gr\u00f6sser sein m\u00fcsse, als in der Bahn zur Radialis, und dass somit jene Voraussetzung falsch und ihr Gegentheil richtig ist, was zu beweisen war.\nIn voller Uebereinstimmung damit steht die anatomische Thatsache , dass die Arterien, durch welche die Pulswelle in die Dorsalis pedis gelangt im Allgemeinen ein gr\u00f6sseres Caliber und dickere 'Wandungen besitzen als jene Arterien, welche die Bahn zur Radialis zu-sammensetzen. Vgl. K\u00f6lliker Mikr. Anat. II. Bd., 2. H\u00e4lfte S. 512.\nMan ersieht hieraus zugleich, dass die Gr\u00f6sse eines Pulsversp\u00e4tungsintervalls nicht blos von der absoluten Entfernung des untersuchten","page":726},{"file":"p0727.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlab\u00f6ratoriiun in Prag. 727\nArterienquerschnittes vom Herzen, sondern wesentlich auch von der Beschaffenheit der Gef\u00e4ssw\u00e4nde abh\u00e4ngt und dass es Arterienquerschnitte gehen muss, die eben so weit, ja seihst noch weiter vom Herzen entfernt sind, als andere, und an welchen die Pulswelle nichts desto weniger fr\u00fcher anlangt, als an den letzteren.\nII.\tEs ist wahrscheinlich, dass die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswelle im Allgemeinen vom Centrum gegen die Peripherie hin ab nimmt. Das Wort Peripherie ist hier weniger im geometrischen, als vielmehr im anatomisch-physiologischen Sinne zu verstehen ; es soll nicht bins die Distanz eines Arterienquerschnittes vom Centrum (Herz) (absolute L\u00e4nge der Gef\u00e4ssbakn) bezeichnen, sondern wesentlich auch die mit der Ann\u00e4herung des Querschnittes an die Peripherie papill\u00e4ren) Hand in Hand gehende Structurver\u00e4nderung der Arterien.)\nDieser Satz wird sich erst dann mit Sicherheit erweisen lassen, wenn die Vorrichtungen und Methoden zur Messung der Pulsversp\u00e4tung soweit vervollkommnet sein werden, dass man die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswelle in \u00e4hnlicher Weise, wie es Munk f\u00fcr die Fortpflanzung der Erregung im Nerven getlian) an genau bestimmten centralen und peripherischen Strecken ein und derselben Gef\u00e4ss-balm exact zu messen im Stande sein wird.\nSollte sich der Satz best\u00e4tigen, so w\u00fcrde die bekannte Berechnung der L\u00e4nge einer Pulswelle aus der als gleichf\u00f6rmig vorausgesetzten Fortpflanzungsgeschwindigkeit derselben und aus der Dauer der Systole ganz unzul\u00e4ssig erscheinen. W\u00e4hrend aus meinen bisherigen Ermittelungen (Satz I folgtj dass diese Berechnung f\u00fcr verschiedene Gef\u00e4ss-balinen eine verschiedene L\u00e4nge der Pulswelle ergeben w\u00fcrde, m\u00fcsste die Best\u00e4tigung von Satz II jedes Resultat dieser Berechnung absolut unrichtig machen.\nIII.\tDie Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen ist bei Kindern kleiner als bei Erwachsenen.\nDieser Satz ist eine weitere Folgerung, welche ich aus der Weher-sclien Theorie der Pulsbewegung gezogen und durch meine Versuche erwiesen habe.\nWenn die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Pulswellen in erster Linie von der physikalisch-anatomischen Beschaffenheit der Arterienwandungen abh\u00e4ngt, so muss bei der gr\u00f6sseren Zartheit und Dehnbarkeit der kindlichen Arterien, die Geschwindigkeit, mit welcher die Pulswelle von Querschnitt zn Querschnitt fortr\u00fcckt, bei Kindern offen-","page":727},{"file":"p0728.txt","language":"de","ocr_de":"72S Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nbar geringer sein, als bei Erwachsenen, wo die Gef\u00e4ssw\u00e4nde dicker und unnachgiebiger geworden sind.\nDie Sch\u00e4tzung der Pulsversp\u00e4tungsintervalle. welche ich bei einigen Kindern im Alter zwischen 7 und 10 Jahren unternahm, und die Vergleichung derselben mit den gleichnamigen Intervallen bei Erwachsenen. deren Gliedmassen und Gelassbahnen um mehrere Schuhe l\u00e4nger waren als bei den Kindern, haben diese Folgerung aufs Evidenteste best\u00e4tigt. Ich fand die Versp\u00e4tungsintervalle bei den Kindern, durchaus nicht entsprechend der absoluten K\u00fcrze der Gef\u00e4ssbalmen und ihrer L\u00e4ngennnterschiede. kleiner, sondern an manchen Stellen sogar gr\u00f6sser als bei den Erwachsenen : \u2014woraus folgt, dass die Geschwindigkeit, mit der die Pulswellen von Querschnitt zu Querschnitt fortschreiten, bei den ersteren wirklich bedeutend kleiner ist. als bei den letzteren. Welchen indirecten Antheil an diesem Unterschied die differenten Verh\u00e4ltnisse der Frequenz und Gr\u00f6sse der Herzschl\u00e4ge zur Menge und mittleren Spannung des Blutes etc. haben m\u00f6gen, muss vorl\u00e4ufig dahin gestellt bleiben. Ich ben\u00fctzte besonders das Verfahren mit dem Pulsspiegel zur Vergleichung der Versp\u00e4tungsintervalle, doch l\u00e4sst sich die Thatsache auch durch einfaches Bef\u00fchlen der Pulse eon-statireu.\nIV. Die Phasen der Erhebung der Brust wand, durch den Ile r z eh o c. fallen uich t synch rouis c h mit den Plia s e n der Pulsbewegung an der Wurzel der Aorta zusammen, | (indem gehen den letztem m e r kl i c h v o r aus.\nHaller hat bekanntlich die Thatsache der Pulsversp\u00e4tung; \u00fcberhaupt gel\u00e4ugnet. Die von Weber a. a. 0. eitirte Stelle aus den Eiern. Phys. IV, \u00a742. welche gegen Weitbbscht gerichtet ist. lautet: \u00bbin homme, si manum dextram cordis sedi opposueris. manum sinistram ar-teriae temporali. labiali, radiali. popliteae applicueris. manifesto percipies eodem minim temporis et cordis recurvatum apicem costas fer ire et sanguineon in omnibus arteriis. quas nominavi. pndsum ef'ficere. Exp\u00e9rimentant saepe feci et in me et in rivis animulibus . fecit liar veins, fecerunt primi circuitus sanguinis statores. fecerunt nuperi viri. fecit in equo Bourg el at. Unicus contrarius testis est Cl. olim vir Josias Weitbrecht, qui alio lempusculo in carotide, alio vero in carpi arteriu pulsum percepit. quern drum in singul\u00e4rem cede et a recepta naturae lege aberrantem eventual incidisse, necesse estr\nHiergegen bemerkt Weber : \u00bbAt We i tb rech t a s non cordis pulsum cum arteriarum pulsu eompuravit sed pulsum arteriarum conli pro-ximarum cum pulsu arteriarum a corde valde remotarum. Facile emm","page":728},{"file":"p0729.txt","language":"de","ocr_de":"Mittlioilung'en aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\t729\nhoc m animdMbm aut hominibus quibusdam uccidere posset, ut initium pulsus cordis dirjito tangente non sentiumus, quippe quod, prmsquam ad costas appellitur , locum mature debet, ita ut contractionem ex parte absolve)'it. cum ad costas appellitur.\u00ab\nHeut zu Tage k\u00f6nnte es wolil Niemandem einfallen durch dieses obendrein indirecte Argument Weitbrecht gegen Haller in Schutz zu nehmen, da man l\u00e4ngst weiss, dass sich das Herz nicht von der Brustwand entfernen kann, fum dann w\u00e4hrend der Systole gegen die Hippen, wie ein Glockenschwengel, anzuschlagen, \u2014 und da sich zur Vergleichung des Herzchocs und der Pulse der Moment der h\u00f6chsten Erhebung der Brustwand und des Maximums der Expansion der Arterien elien so gut, ja noch besser eignet als der Moment des Beginnes dieser Bewegungen. Uebrigens widerlegen meine Beobachtungen Haller direct.\nIch habe n\u00e4mlich sehr bedeutende Versp\u00e4tungsintervalle zwischen dem Herzstoss und den Pulsen verschiedener Arterien thats\u00e4clilich nachweisen k\u00f6nnen: ja ich habe sogar zwischen Herzstoss und Puls der Carotis bei mir selbst ein Intervall von nicht unter 0,060 Sec. mit Sicherheit eonstatirt 's. oben Tab. C\u2014II\u2014 Mittelwerth 0,0S7 Sec.,.\nDie Gr\u00f6sse dieses Intervalls hat mich allerdings sehr \u00fcberrascht, indem die Entfernung der Carotis vom Herzen eine sehr geringe ist und die Wandungen der ganzen in Betracht kommenden Gef\u00e4ssbalm sehr dick und verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig wenig nachgiebig sind.\nAlles was ich \u00fcber Pulsversp\u00e4tung durch Beobachtung ermittelt und aus Weber s unzweifelhaft richtiger Theorie der Pulsbewegung gefolgert hatte, stand mit dieser Beobachtung in Widerspruch ; es w\u00e4re statt dieses bedeutenden gerade ein verschwindend kleines Versp\u00e4tungsintervall zwischen Herzstoss und Carotispuls zu erwarten gewesen.\nIch suchte sofort nach einem etwaigen Beobachtungsfehler, allein die bei Anwendung der Methode mit dem Sphygmographen erhaltenen Herzstosscurven zeigten keine Spur einer Schleuderung des Schreibhebels, welche eine unwahre Vergr\u00f6sserung des Versp\u00e4tungsintervalls h\u00e4tte bedingen m\u00fcssen.\nUeberdies ergab auch die Berechnung des fraglichen Versp\u00e4tungsintervalls einerseits aus der Differenz It\u2014II) \u2014 (7?\u2014C) andererseits aus der Differenz D-II \u2014 (D\u2014C) (vgl. oben, am Schl\u00fcsse des Abschnittes C. b: S. 709\u2014715; einen 0,060 Sec. \u00fcbersteigenden Werth.\nEndlich habe ich auch vermittelst der \u00fcbrigen Messungs- und Sch\u00e4tzungsmethoden \u2014 trotz ihrer er\u00f6rterten beschr\u00e4nkten Zuverl\u00e4ssigkeit. ein \u00e4hnliches Resultat erhalten und so d\u00fcrfte denn die Richtigkeit desselben sicher gestellt erscheinen.","page":729},{"file":"p0730.txt","language":"de","ocr_de":"730 Mittheilungen aus dem physiologischen Pnvatlaboratoriiim in Prag.\nDer Versuch, dieses r\u00e4thselhafte Beobachtungsresultat zu erkl\u00e4ren, f\u00fchrte mich zu der Aufstellung des Satzes, dass das Maximum der Elevation der Brustwand durch den Herzstoss mit dem Maximum der Expansion an der Aortenwurzel zeitlich nicht zusammenf\u00e4llt, sondern ersteres dem letzteren um ein merkliches Zeitintervall vorauseilt.\nMan wird dies ganz nat\u00fcrlich finden, wenn man bedenkt, dass die Thoraxwand, welcher das Herz anliegt, in d ein Moment emporgehoben zu werden beginnt, in welchem die Herzmuskulatur durch die systolische Contraction und Spannung anf\u00e4ngt hart zu werden und die Formen und Durchmesser des erschlafften, aber bluterf\u00fcllten Herzens, wie sie am Ende der Diastole bestanden, zn \u00e4ndern.\nDas Maximum der Erhebung der Brustwand kann aber nicht mit dem Ende der Systole zusammenfallen, wo das contrahirte und entleerte Herz in allen Dimensionen an Gr\u00f6sse abgenommen hat, sondern vielmehr mit jenem Momente im Verlaufe der Systole, wo das prall-contrahirte und noch gef\u00fcllte Herz die gr\u00f6ssten systolischen Durchmesser besitzt und den bedeutendsten Druck auf die Brustwand aus\u00fcbt.\nDie gr\u00f6sste Expansion der Aortenwurzel hingegen kommt erst gegen Ende der Systole zu Stande, wenn eben der ganze Ventrikelinhalt in dieselbe eingepresst worden ist, da der Seitenwanddruck sei lange steigt, als Blut aus dem Ventrikel mit hinreichender Geschwindigkeit und Kraft einstr\u00f6mt; dieses Einstr\u00f6men aber erst mit dem Ende der Systole ganz aufh\u00f6rt.\nDas verh\u00e4ltnissm\u00e4ssig grosse Versp\u00e4tungsintervall zwischen Herz-stoss und Carotispuls steht also in keinem Widerspruch mit meinen \u00fcbrigen Beobachtungen und Auseinandersetzungen, indem es fast ganz auf Rechnung der Ungleichzeitigkeit der Phasen des Herzstosses und der Phasen der Entstehung der Pulswelle an der Aortenwurzel, und nur zum allergeringsten Theile auf Rechnung der gewiss verschwindend kleinen Verz\u00f6gerung kommt, welche die Pulswelle auf dein kurzen Wege zur Carotis erf\u00e4hrt.\nIch freue mich schliesslich anf\u00fchren zu k\u00f6nnen, dass Maury Physiol, m\u00e9d. de la eireul. du sang. Paris fSt>3 auf Grundlage seiner directen Versuche mit dem Cardiograpliium an Thieren zu derselben Ansicht \u00fcber die Beziehung des Herzstosses zur Pulswelle in der Aorta gekommen ist und unmittelbar nachgewiesen hat, dass auch der Beginn der Systole, welche mit dein Beginn des Herzstosses synchron ist. dem Beginn der Pulswelle in der Aorta um ein sehr merkliches Zeitintervall voraneilt S. 190 : \u00bbLa systole ventriculaire dure donc un certain temps avant, d'acqu\u00e9rir le. degr\u00e9 suffisant pour soulever les valvules sigmo\u00efdes de Vaorte ;","page":730},{"file":"p0731.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 731\nelle n\u2019y peut arriver qu\u2019apr\u00e8s la cl\u00f4ture de la valvule mitrale.........\nL'ouverture des valvules n\u2019a lieu, que plus tard. On voit par l\u00e0 qu\u2019il y a u n reta r d entre le d \u00eb b u t de la contraction du vent r i eu le et I a p \u00e9 n \u00e9 tratio n d u s a n y dans V aorte. Ce retard, qui. est sensiblement \u00e9gal \u00e0 un dixi\u00e8me de seconde, est employ\u00e9 par le ventricule \u00e0 atteindre le degr\u00e9 de pression int\u00e9rieur suffisant pour vaincre la pression du sang de l\u2019aorte.%\nDiese Verz\u00f6gerung, welche zwischen Herzpuls (Choc) und dem Anfang der Pulswelle in der Aortenwurzel liegt, addirt sich also zu der Verz\u00f6gerung, welche die Pulswelle beim Fortschreiten durch die Arterienbahnen erf\u00e4hrt, hinzu; das Versp\u00e4tungsintervall zwischen dem Puls des Herzens und dem Puls einer beliebigen Stelle des Aortensystems ist also immer die Summe dieser beiden Verz\u00f6gerungen. \u2014\nIV.\nBemerkungen \u00fcber einige physiologische Vorrichtungen.\na) Eine neue Caniile zur k\u00fcnstlichen Athmung.\nIch bediene mich zur Einleitung der k\u00fcnstlichen Athmung einer Caniile, welche aus einem kurzen St\u00fcck einer weiteren Glasr\u00f6hre besteht , dessen beide Enden durch Korke verschlossen sind, von denen der eine eine Bohrung hat, in welcher das B\u00f6hrehen steckt, das in die Trachea des Thieres eingebunden wird, w\u00e4hrend der andere zwei Bohrungen besitzt : eine dieser Bohrungen bleibt frei, in der andern steckt ein Glasr\u00f6hrchen, welches durch einen Kautschukschlauch mit dem Blasbalg in Verbindung steht.\nBeim Zusammendr\u00fccken des Blasbalgs wird dann die Luft in die Lungen geblasen, obschon ein Theil derselben aus der frei gelassenen Bohrung im Korke, deren Oeffnung beliebig erweitert oder verengert werden kann, entweicht.\nW\u00e4hrend sich der Blasbalg mit frischer Luft f\u00fcllt, treibt die Lunge durch ihre Elasticit\u00e4t die alte aus der frei gelassenen Bohrung im Korke heraus.\nUnd so kann denn in der Lunge des Thieres ein solcher Luftwechsel unterhalten werden, dass es nicht nur m\u00f6glich wird das","page":731},{"file":"p0732.txt","language":"de","ocr_de":"732 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\ngew\u00f6hnliche Atlimungsbed\u00fcrfniss zu decken, sondern den Bauerstoffgehalt des Blutes so sehr zu steigern. dass die Athenihewegungen in der von Rosexthal angegebenen Weise vollst\u00e4ndig zur Ruhe kommen.\nUm die aus der Lauge zur\u00fcckkehreiide Luft Exspirationsluft . behufs einer Analyse oder Volumhestimmung. vollst\u00e4ndig und unver-miseht sammeln zu k\u00f6nnen und um zugleich von der k\u00fcnstlich in die Respirationsorgane einzutreibenden, oder Inspirationsluft, nichts durch die freie Bohrung im oberen Korke zu verlieren, habe ich an meiner Can\u00e4le eine Klappen Vorrichtung angebracht, welche die beiden Luftarten sondert, indem sie nur der Exspirationsluft erlaubt durch ein in die freie Bohrung des oberen Korkes gestecktes Rohr zu entweichen, die Inspirationsluft aber verhindert denselben Weg zu gehen, bevor sie nicht in die Respirationsorgane eingedrungen und selbst zur Exspirationsluft geworden ist.\nDiese Klappenvorrichtung wird aus der beistehenden schematischen Durchschnittszeichnung verst\u00e4ndlich werden s. Fig. S .\n.1. .1 ist ein kurzer dickwandiger Clascylinder. dessen oberes und unteres Ende durch Korke oder belederte Holzpfr\u00f6pfe A. K' verschlossen ist. Der untere Kork K\u2019 hat nur eine Bohrung, in welcher die R\u00f6hre V steckt, die mit dem Blasbalg in Verbindung steht. Der obere Kork A besitzt zwei Bohrungen: in der einen steckt die R\u00f6hre 1>. deren \u00e4usseres Ende in die Trachea eingebunden ist. in der anderen die R\u00f6hre E. welche frei in der Luft m\u00fcndet oder mit einem Beh\u00e4ltniss zur Aufsammlung der Exspirationsluft verbunden wird.\nDie R\u00f6hre H tr\u00e4gt eine ebene Endplatte, \u00fcber welche eine elastische Membran feuchte Blase. Goldschl\u00e4gerhaut gebunden ist. welche zu beiden Seiten ihres mittleren Theiles m je\nFig. s. Ctin\u00fcle zur k\u00fcnstlichen ,\t,\nAthmung mit Kiuppenvorrich- eine schmale. mehrere Linien lange Spalte be-\ntung zur Sonderung der In-und .\t.\t.\tT\t,\nKxfiiinitionsiuft. sitzt im Durchschnitt als die L\u00fccken s. s erscheinend . Das innere quer und eben abgestutzte Eude der dickwandigen R\u00f6hre E ragt so weit aus der Bohrung des Korks K herein. dass es sich in sehr geringer Entfernung vom mittleren undurchbrochenen Tlieile der elastischen Membran m gegen\u00fcber der \u00d6effnung der R\u00f6hre B befindet.\nWenn nun Luft heim Zusammendr\u00fceken des Blasbalgs durch die R\u00f6hre B in den Cylinder .1 eintreten will, so muss sie zuerst die elastische Membran vou der Endplatte ablieben, um ihren AVeg durch die\nD\t\t\n\u2014A \u00c7,\t\tv !\n, .....\tm'\t... S'\\ !|:\nxr..\tin\t-T\u2014\nJ-..'\tj\t\nP\ti 1\tfl!\n\t\t\n\u25a0\ti\t","page":732},{"file":"p0733.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 733\nSpalten s, s' ins Innere von .1 zu nehmen. Dabei wird der mittlere un-durchbrochene Theil der elastischen Membran kr\u00e4ftig hervorgew\u00f6lbt, und gegen das ebene dickwandige B\u00f6hrenende E fest angedr\u00fcckt, wodurch letzteres luftdicht verschlossen wird 's. die punktirte Linie in'). Die in den Cylinder A einstr\u00f6mende Luft kann nur durch die Bohre D entweichen und gelangt auf diesem Wege als Inspirationsluft in die Lunge des Thieres.\nSo wie der Blasbalg auseinander gezogen wird, um sich mit frischer Luft zu f\u00fcllen, f\u00e4llt die emporgew\u00f6lbte elastische Membran sofort auf die Endplatte der Bohre B zur\u00fcck und verschliesst die Oeffnung derselben hermetisch, w\u00e4hrend das B\u00f6hrenende von E frei wird. Die aus der Lunge des Thieres durch die Bohre D zur\u00fcckkehrende Exspirationsluft ist also gezwungen durch die B\u00f6lire E zu entweichen.\nBeim n\u00e4chsten Zusammendr\u00fccken des Blasbalgs beginnt das Doppelspiel der membran\u00f6sen Klappe von Neuem mit gr\u00f6sster Pr\u00e4eision, \u2014 wenn, wie sieh von selbst versteht, das innere B\u00f6hrenende von E in der richtigen Entfernung von dem mittleren undurchbrochenen Theile des membran\u00f6sen Ventils eingestellt worden ist.\nZur Pr\u00fcfung der Exactheit, mit welcher das Ventil seine Aufgabe l\u00f6st, eignet sich am besten die so empfindliche Spiegelprobe, welche ich zur Untersuchung des Verhaltens des weichen Gaumens bei der Hervorbringung der \u00bbreinen und nasalirten Vokale\u00ab 's. d. in den Sitzber. d. Wiener Ak. d. Wiss., Februar 1S5S' angegeben habe.\nMan bl\u00e4st einfach die feuchte warme Luft aus dem Munde durch die Bohre B in die Can\u00fcle hinein und h\u00e4lt einen kleinen kalten Metalloder Glasspiegel abwechselnd vor die M\u00fcndung der Bohre D und der Bohre E : vor die erstere gehalten, beschl\u00e4gt sich der Spiegel sofort mit pr\u00e4cipitirtem Wasserdampf, vor die letztere gehalten wird er ganz blank bleiben, sobald der Ventilschluss ein absolut luftdichter ist : die leisesten Spuren von feuchter warmer Luft w\u00fcrden sich unverz\u00fcglich durch einen Hauchfleck am Spiegel verra then.\nDas membran\u00f6se Ventil erf\u00fcllt begreiflicherweise seine doppelte Aufgabe dann am sichersten und zuverl\u00e4ssigsten, wenn man I . am B\u00f6hrenende E gleichfalls eine quergestellte ebene Endscheibe \u2014 wie am B\u00f6hrenende B. jedoch von bedeutend kleinerem Durchmesser als die Bohre B im Lichte besitzt \u2014 anbringt ; und 2. die Bohre E so tief nach unten einstellt, dass ihre Endscheibe mit jenem mittleren Theil der elastischen Membran, welcher das Lumen der Bohre B \u00fcberspannt, schon in Ber\u00fchrung steht, bevor eine Emporw\u00f6lbung der Membran stattfindet s. Fig. 9 1. \u2014 Das Einstr\u00f6men der Luft nach A durch die Spalten s. s' bleibt nichtsdestoweniger gestattet, weil eben die End-","page":733},{"file":"p0734.txt","language":"de","ocr_de":"734 Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\nscheibe von E einen bedeutend kleineren Durchmesser hat, als das Lumen der R\u00f6hre B (s. Fig. 9 II . Das Ausstr\u00f6men der Exspirationsluft durch die R\u00f6hre E wird hingegen dadurch erm\u00f6glicht, dass der mittlere Theil der elastischen Membran gegen das Lumen von B hin Raum findet sich vorzuw\u00f6lben und die Passage durch E freizugeben, wenn \u2014 wie es im Stadium der Exspiration der Fall ist \u2014 der Luftdruck in 1 gr\u00f6sser, in B kleiner, ja negativ wird (s. Fig. 9 III .\nFig. 9. Dient zur Erl\u00e4uterung der zuletzt erw\u00e4hnten Modifie\u00bb-tionen der Athmungscaniile.\nA centraler Ventilraum der Can\u00fcle : B Rohre , welche mit dem Blasbalg communicirt ; D R\u00fchre, deren i-nde in^ die Trachea des Thieres eingebunden ist : \u00a3 Abzugsrohre f\u00fcr die Exspirationsluft ; in membra-n\u00f6ses^ Ventil, welches am Umfang der Endplatte von B befestigt, zwischen dieser und der Endplatte ' on h horizontal ausgespannt ist; s, s' peripherisch gelegene Spalt\u00f6ffnungen des membran\u00f6sen Ventils.\nI.\tDie Can\u00fcle im Zustand der Ruhe, wo das membran\u00f6se Ventil nach unten mit der Endplatte von R, nach oben mit der Endplatte von E gleichzeitig in Ber\u00fchrung steht.\nII.\tDie Can\u00fcle im Zustand der Inspiration, d. h. wenn die Luft aus dem Blasbalg durch B in der Richtung der Pfeile durch A und Rin die Lungen des Thieres eingetrieben wird; die Linie rn versinnlicht wie das membran\u00f6se Ventil von B abgehoben, den Eintritt der Luft nach \u00c4 durch die Spalt\u00f6ffnungen s, s' gestattet, und das R\u00f6hrenende von E gleichzeitig hermetisch abschliesst, so dass keine Spur von Luft durch E entweichen kann.\nHI. Die Can\u00fcle im Zustand der Exspiration, d. h. wenn die Luft aus den Lungen des Thieres \u2014 nach Entleerung des Blasbalgs oder Sistirung seiner Th\u00e4tigkeit \u2014 durch B nach A zur\u00fcckkehrt. Die Linie m macht anschaulich, wie dann das membran\u00f6se Ventil die R\u00f6hre B hermetisch abschliesst und gleichzeitig das R\u00f6hrenende E wegsam macht, so dass die Exspirationsluft ausschliesslich iin der Richtung der Pfeile) durch E entweichen muss.\nb) Verbesserung an der Du-Bois - K\u00fchne\u2019schen Vorrichtung zu Versuchen \u00fcber chemische Reizung der Muskeln.\nDu-Bois hat bekanntlich eine elegante Vorrichtung beschrieben1 . welche zum Zwecke hat. \u00bbdie Versuche \u00fcber unmittelbare chemische Reizung der Muskeln, in der Gestalt, welche K\u00fchne ihnen ertheilt hat 'M\u00fcll. Arch. 1S59 S. 215) einer gr\u00f6sseren Versammlung vorzuf\u00fchren.\u00ab\n1 E. du Bois-Reymoxd : Begehr, einiger Vorricht..u. Versuchsw. zuef-pliys. Zwecken. Berlin, D\u00fcmmler 1S6U","page":734},{"file":"p0735.txt","language":"de","ocr_de":"Mittheilungen uns dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag.\n735\nUm die Zuckung sichtbar zu machen, dient \u00bbein von Herrn Kosexthal ersonnener Kunstgriff. \u00bb welcher darin besteht, einen langen Glasfaden durch den Muskel zu stossen. welcher die Zuckung f\u00fchlhebelartig vergr\u00f6ssert. indem sein dickeres ringf\u00f6rmig umgebogenes Ende an einem neben dem Muskel am St\u00e4nder befestigten gl\u00e4sernen Haken eingelenkt wird. Das freie Ende des Glasfadens tr\u00e4gt ein durchbrochenes Papierf\u00e4lmch en.\nWer mit diesem gl\u00e4sernen F\u00fchlhebel experimental; bat. wird die mannigfachen Unbequemlichkeiten und Uebelst\u00e4nde erfahren haben, welche der angegebene Kunstgriff mit sich bringt.\nGegen die Herstellung des Drehpunktes des Hebels vermittelst Einlenkung des ringf\u00f6rmigen Endes am Glasbaken des St\u00e4nders w\u00e4re zwar allerdings gar nichts einzuwenden, allein die Verbindungsart des Glasfadens mit dem Muskel. indem man ersteren quer durch den letzteren in geringer Entfernung vom Querschnitt durchstossen soll. ist ganz verwerflich.\nErstens wird der Muskel, selbst bei der vorsichtigsten Manipulation. verletzt, gedr\u00fcckt, gezerrt, wodurch seine Erregbarkeit wesentlich leidet.\nZweitens kann man. ohne h\u00f6her oben den Glasfaden neuerdings durcbzustossen. wobei der Muskel neuerdings misshandelt wird. stets nur einige wenige frische Querschnitte anlegen.\nIch h\u00e4nge deshalb den Glasfaden lieber vermittelst eines ungemein zarten. S-f\u00f6rmigen Stahlh\u00e4kchens \u00e4usserlicli am Perimysium des Muskels an oder ich ben\u00fctze \u2014 was noch besser ist \u2014 statt des Glasfadens einen d\u00fcnnen leichten Stroh- oder Grashalm von hinreichender L\u00e4nge, den ich entweder ebenfalls mit dem Stahlh\u00e4kchen am Perimysium an-li\u00e4nge oder aber einige Linien weit der L\u00e4nge nach spalte um den Muskel nahe am Querschnitt sanft einzuklemmen. Das eine Ende des Halms wird einfach durch den Glashaken am St\u00e4nder durchgeschoben, auf das andere Ende stecke ich das durchbrochene Papierf\u00e4hnchen oder ein auseinandergezupftes Fl\u00f6ckchen weisser oder gef\u00e4rbter Baumwolle.\nObschon auf die angegebene Weise die wesentlichen Unbequemlichkeiten und Uebelst\u00e4nde des KosEXTHAL\u2019schen F\u00fchlhebels beseitigt werden k\u00f6nnen. so habe ich doch einen neuen, viel besseren Kunstgriff zur Sichtbarmachung der Zuckungen ersonnen, welchen ich als eine wirkliche Verbesserung an der Du-Bois'schen Vorrichtung bezeichnen und empfehlen kann.\nStatt des langen F\u00fchlhebels Rosenthal's verwende ich n\u00e4mlich ein kleines, leichtes Spiegelchen. welches einerseits an das Perimysium","page":735},{"file":"p0736.txt","language":"de","ocr_de":"736 Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlahoratorium in Prag.\ndes Muskels vermittelst eines feinen hakenf\u00f6rmigen Fortsatzes befestigt wird, andererseits auf einem festen St\u00fctzpunkt, welcher durch eine passende Ab\u00e4nderung des den Glashaken tragenden Stativarms der Du-Bois\u2019scken Vorrichtung hergestellt wird, ruht und als einarmiger Hebel durch die Zuckungen in Bewegung gesetzt wird.\nDas von diesem Spiegelchen in derselben Weise wie bei meinen Pulsspiegelversuchen, auf die Decke oder eine Wand des H\u00f6rsaales reflectirte Lichtbild giebt die leiseste Muskelzuckung in vergr\u00f6ssertem Maassstab, allen Anwesenden sichtbar, genau wieder.\nc) Verbesserung am Marey'schen Sphygmographen.\nDer Schreibhebel des MAREY\u2019schen Sphygmographen ist bekanntlich von Holz und tr\u00e4gt an seinem Ende eine mehre Centimeter lange etwas gebogene Stahlfeder, welche durch ihre Elasticit\u00e4t mit der Spitze\n1 Beil\u00e4ufig will ich hier erw\u00e4hnen, dass ich schon vor l\u00e4ngerer Zeit \u00fcberhaupt begonnen habe, dieses einfache Hilfsmittel, welches bisher nur hier und da, z. B. bei galvanometrischen und akustischen Versuchen benutzt wurde, in mannigfaltigster Weise f\u00fcr physiologische Zwecke zu verwerthen, um es in der demonstrativen Experimentalphysiologie so zu sagen einzub\u00fcrgern. Abgesehen von der bereits beschriebenen Anwendung desselben zur Demonstration der Pulse und Muskelzuckungen, leistet es vortreffliche Dienste, um einer gr\u00f6sseren Versammlung z. B. die Wirkung des Vagus auf Herz- und Athemhewegungen oder die Aufeinanderfolge der Zusammenziehung und Erschlaffung der Abschnitte des Herzens w\u00e4hrend des Ablaufs einer Reihe von Schl\u00e4gen u. s. w. vorzufiiiiren. Bei blossgelegtem oder ausgeschnittenem Herzen gen\u00fcgt es die Spiegelchen unmittelbar und der Art auf die betreffenden Abschnitte zu legen, dass sie durch die Pulsationen hebelartig auf und nieder bewegt werden und daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass sie sicli nicht verschieben oder herabfallen. Will man den Brustkasten nicht \u00f6ffnen, so kann man die einzustechenden Nadeln, auf welche sich die Bewegungen der angespiessten Theile \u00fcbertragen, mit ganz leichten, kleinen Spiegelchen versehen Spiegelnadeln, Nadelspiegelchen,, die Spiegelchen vermittelst einer guten Laterna magica oder des Sonnenlichtes beleuchten und die von denselben reflectirteu Lichtbilder auf eine entfernte Wand werfen.\nAm bequemsten und einfachsten ist diese Demonstration des Herzschlages an einem ausgeschnittenen Froschherzen vorzunehmen. Man bringt dasselbe auf eine rauhe Unterlage, damit es sieh nicht so leicht verschiebe, legt zwei leichte l\u00e4nglich viereckige Spiegelchen dazu, schiebt den Rand des einen \u00fcber die Vorh\u00f6fe, den Rand des andern \u00fcber die Kammer, so dass sie hebelartig durch die Pulsation auf und ab bewegt werden, beleuchtet dieselben, l\u00e4sst die refleetirten Bilder neben oder \u00fcbereinander auf eine entfernte Wand fallen\u2014und kann nun halbestundenlang und dar\u00fcber den Wechsel von Systole und Diastole und die Aufeinanderfolge der Vorhofs- und Kammerbewegungeii an den pulsirenden Spiegelbildern von beliebig vielen Zusehern gleichzeitig beobachten lassen.","page":736},{"file":"p0737.txt","language":"de","ocr_de":"Mitteilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag. 737\ngegen die wandernde Platte, auf welche geschrieben werden soll, angedr\u00fcckt wird.\nEs ist ein offenbarer Uebelstand, dass man bei dieser Einrichtung kein Mittel hat, die Reihung zwischen der Schreibspitze und der wandernden Platte zu reguliren, als das, den Holzhebel oder die Stahlfeder so lange hin und her zu biegen, bis man den gew\u00fcnschten minimalen Reihungsgrad gefunden zu haben glaubt, oder aber die Axenlager des Schreibhebels mehr nach rechts oder nach links zu schrauben.\nUm diesen Uebelstand rasch und sicher zu beseitigen, bediene ich mich eines sehr kleinen und leichten Holzkeilchens, welches ich zwischen das Ende des Holzhebels und den Anfang der Stahlfeder mehr oder weniger tief hineindr\u00fccke.\nIst es nun auch m\u00f6glich auf diese simple Weise den Grad der Reibung zwischen der Schreibhebelspitze und der wandernden Platte einigermaassen zu reguliren, so bietet die Zusammensetzung des Schreibhebels aus einem h\u00f6lzernen St\u00e4bchen und einer Stahlfeder, besonders wenn die letztere, wie bei den in Wien fabricirten MAREYsehen Sphygmographen, sehr lang und d\u00fcnn ist, noch mancherlei Uebelst\u00e4nde dar, welche sich als Fehlerquellen f\u00fcr die verzeiehneten Pulscurven geltend machen. So z. B. ist die Biegsamkeit und Elasticit\u00e4t der Stahlfeder von entschiedenem Nachtheil, namentlich wenn der Schreibhebel durch pl\u00f6tzliche und kr\u00e4ftige St\u00f6sse in Bewegung gesetzt wird.\nIch habe desslialb den Schreibhebel ganz aus leichtem Holz verfertigen und am \u00e4ussersten Ende desselben eine quere Bohrung anbringen lassen, durch welche ich ein d\u00fcnnes kurzes Holzst\u00e4bchen, das entweder ein Menschenhaar oder eine sehr zarte Stahlspitze tr\u00e4gt, oder selbst ausserordentlich fein zugespitzt ist, so weit hindurchstecke, dass die berusste Papierfl\u00e4che von der Schreibspitze eben erreicht wird und die \u00fcberaus zarten Striche m\u00f6glichst widerstandslos aufnimmt.\nCzermak, Schriften.\n47","page":737}],"identifier":"lit16199","issued":"1879","language":"de","pages":"670-737","startpages":"670","title":"Mittheilungen aus dem physiologischen Privatlaboratorium in Prag","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T13:18:24.421073+00:00"}
