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{"created":"2022-01-31T16:35:45.469822+00:00","id":"lit16202","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 750-766. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0750.txt","language":"de","ocr_de":"LYI.\nlieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme, nebst Bemerkungen zur phonetischen Transscription der Kehlkopflaute.\n[Wiener akademische Sitzungsberichte LU. Bd. 48GG.]\nDie Auseinandersetzungen Uber den Spiritus asper und lenis, welche ich in Max Muller's Second Series seiner ber\u00fchmten \u00bbLectures on the Science of Language\u00ab. London 1864, fand, so wie die beil\u00e4ufigen Angaben von Helmholtz \u00fcber die FlUsterstimme in dessen clas-sischer Schrift \u00bbdie Lehre von den Tonempfindungen\u00ab, 2. Auflage, 1865. stehen mit meinen hierauf bez\u00fcglichen Beobachtungen, welche zum ersten Mal vermittelst des Kehlkopfspiegels angestellt waren (vergl. Wiener Sitzgsber. 1858, Bd. XXIX, S. 557 u.f.), nicht im Einkl\u00e4nge, und dies veranlasste mich, die Untersuchung nochmals aufzunehmen und die Ergebnisse derselben im Folgenden ausf\u00fchrlicher zu-sammenzustellen.\nBez\u00fcglich der von mir eingef\u00fchrten laryngoskopischen Technik, welche auch bei dieser Revision durchgehends ben\u00fctzt wurde, verweise ich auf den citirten Artikel in diesen Sitzungsberichten vom Jahre 1858, so wie auf meine Brochure \u00fcber den \u00bbKehlkopfspiegel und seine Verwerthung\u00ab, Leipzig, Engelmann, 2. Auflage, 1863.1\nI.\n1. Beim freien, ruhigen Athmen liegen die Arvt\u00e4noidknorpel auseinandergeschlagen und unbeweglich in der sie \u00fcberkleidenden Schleimhautfalte: ihre Proc, vocales sind divergirend nach vorn und\n1 Siehe Nr. XLII.","page":750},{"file":"p0751.txt","language":"de","ocr_de":"lieber den Spiritus asper und leuis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc. 751\naussen gerichtet und halten die Stimmb\u00e4nder, welche sich dabei gegen die Seitenw\u00e4nde des Kehlkopfes zur\u00fcckziehen und abflachen, weit von einander entfernt : die Stimmritze bildet eine grosse, vorn zugespitzte, hinten stumpf abgerundete Oeffnung, deren gr\u00f6sster Querdurchmesser in die Gegend der Spitzen der Proc, vocales f\u00e4llt (vgl. a. a. 0. Taf. 23, Fig. 1, 2 und 7).\nJe nachdem man den Umfang der Respirationsbewegungen mindert oder steigert, str\u00f6mt die Luft entweder vollkommen ger\u00e4uschlos ein und aus, oder sie bewirkt, indem sie sich an den unregelm\u00e4ssig gestalteten W\u00e4nden der offen stehenden Luftwege reiht und st\u00f6sst, ein Ger\u00e4usch von schw\u00e4cherer oder st\u00e4rkerer Intensit\u00e4t.\nFindet das verst\u00e4rkte Athrnen durch den ge\u00f6ffneten Mund statt, so h\u00f6rt man ein einfaches schw\u00e4cheres oder st\u00e4rkeres H a u c h e n : wird der Mund geschlossen und str\u00f6mt die Luft nur durch die Nase aus und ein. so nimmt das hauchende Ger\u00e4usch einen etwas anderen \u2014 und zwar nasalen \u2014 Timbre an, und geht in ein Schnaufen \u00fcber: in beiden F\u00e4llen ist die akustische F\u00e4rbung des Inspirationsger\u00e4usches von jener des Exspirationsger\u00e4usches merklich verschieden.\nDas hei unverengter Stimmritze haupts\u00e4chlich durch den deutlich f\u00fchlbaren Anfall der Luft gegen die W\u00e4nde der Mund- und Nasenh\u00f6hle entstehende Exspirationsger\u00e4usch ist als der einfache Ausdruck der Resonanz des Luftcanals, als das erste und einfachste, qualitativ charakterisirte Lautelement zu betrachten, und ich will es desshalb mit einem besonderen Namen belegen und als den \u00bb e i n f a c h e n H a u c h \u00ab bezeichnen.\n2. Dieses Ger\u00e4usch ist, wie auch Max M\u00fcller (Second Series. S. 127 ganz richtig hervorhebt, noch nicht unser Sp rach laut h oder Spiritus asper.\nEs unterscheidet sich von letzterem. trotz aller sonstigen Verwandtschaft, sowohl durch seine akustische F\u00e4rbung, als durch seine Bildungsweise.\nUm den einfachen Hauch in ein h zu verwandeln, ist n\u00e4mlich eine besondere Intention erforderlich. Die hierbei willk\u00fcrlich eingeleiteten Ver\u00e4nderungen beschr\u00e4nken sich jedoch nicht blos \u2014 wie Max M\u00fcller irrth\u00fcmlich meint \u2014 auf eine Vergr\u00f6sserung des Exspirationsdruckes und auf die Hebung des Gaumensegels, dessen Afcus phunjngo-palatini zugleich gegeneinander gezogen werden, sondern sie beziehen sich, wie ich a. a. 0. zuerst direct nachwies und bildlich darstellte (vgl. Taf. 23. Fig. 3, 6 und 8) auch auf die Anordnung der Kehlkopftheile selbst, und darin \u2014 n\u00e4mlich in der willk\u00fcrlichen Bildung einer \u00abEnge\u00ab im Kehlkopf (resp. in der","page":751},{"file":"p0752.txt","language":"de","ocr_de":"752 Ueber tien Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstiinme etc.\nStimmritze) \u2014 liegt eben der wesentliche Unterschied zwischen den eigentlichen /(-Lauten, welche Intensit\u00e4t und F\u00e4rbung dieselben auch besitzen m\u00f6gen, und dem einfachen Hauch, bei welchem die Luft ganz frei durch die unverengte Stimmritze hervorstr\u00f6mt.\n3. Der Kehlkopfspiegel zeigt n\u00e4mlich, dass allemal in demselben Augenblicke, wo wir einen /(-Laut hervorbringen wollen, die w\u00e4hrend der Bildung des einfachen Hauches weit auseinandergeschlagenen Aryt\u00e4noidknorpel sich in der sie einschliessenden Schleimhautfalte erheben, sich mit ihren inneren Fl\u00e4chen und mit den Spitzen der Proc. vocales der Medianlinie zu n\u00e4hern beginnen, so dass auch die Stimmb\u00e4nder st\u00e4rker vorspringend gemacht und gegeneinander gezogen werden ; die Stimmritze btisst ihre weite zugespitzt-eif\u00f6rmige Gestalt ein und verwandelt sich in eine engere oder weitere spaltf\u00f6rmige Oeffnung.\nWas die unmittelbare laryngoskopische Anschauung mit zweifelloser Gewissheit lehrt, wird durch die subjective Empfindung und durch die Auscultation des Kehlkopfes best\u00e4tigt.\nIst man aufmerksam auf sich selbst, wenn man vom v\u00f6llig ger\u00e4uschlosen Athmen ausgehend, den einfachen Hauch hervorbringt, so wird man finden, dass dazu wesentlich nichts anderes erforderlich ist als eine Verst\u00e4rkung des Exspirationsdruckes; will man hingegen ein deutliches h aussprechen, so wird man wahrnehmen, dass man nicht nur den Exspirationsdruck verst\u00e4rken, sondern dass man auch zugleich eine Ver\u00e4nderung im Kehlkopf vornehmen muss ; man f\u00fchlt dies ganz deutlich an einer Art Druck oder Spannung, welche unter diesen Umst\u00e4nden in der Kehle entsteht.\nDas Auscultiren des Kehlkopfes kann man am bequemsten vermittelst eines etwa 18\" langen Kautschukschlauches an sich selbst oder an Anderen vornehmen, indem man das eine Ende desselben sich in\u2019s Ohr steckt, das andere mit einen Glastricliterchen versehene Ende auf den zu auscultirenden Kehlkopf aufsetzt. Beim v\u00f6llig ger\u00e4uschlosen Athmen h\u00f6rt man nat\u00fcrlich gar nichts, so wie aber der einfache Hauch oder ein h hervorgebracht wird, h\u00f6rt man sofort ein Ger\u00e4usch.\nDasselbe ist jedoch in beiden F\u00e4llen deutlich verschieden: im ersten Falle erscheint es mehr unbestimmt, so zu sagen diffus : im zweiten Falle hingegen entschieden localisirt \u2014 in der im Kehlkopf gebildeten \u00bbEnge\u00ab.\nSo wie sich n\u00e4mlich die Stimmritze zu verengern beginnt, so findet die durchstr\u00f6mende Luft an den einander gen\u00e4herten B\u00e4ndern derselben einen Widerstand und erzeugt daselbst ein besonderes Reibungsger\u00e4usch, welches zum einfachen Hauch, der bei","page":752},{"file":"p0753.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimme etc. 75'd\nimverengter Stimmritze erzeugt wird und dem es daher abgeht, liiu-zukommen muss, wenn ein eigentliches h entstehen soll.\n4.\tDieses den //-Lauten eigent\u00fcmliche Reibungsger\u00e4usch nimmt hei allm\u00e4hlich wachsender gegenseitiger Ann\u00e4herung der Aryt\u00e4noid-knorpel und der B\u00e4nder der Stimmritze, und bei gleichzeitiger Vermehrung des Exspirationsdruckes an St\u00e4rke und Deutlichkeit zu.\nJe mehr aber die Oeffnung zwischen den R\u00e4ndern der Stimmritze verengt wird und sich der zur Tonbildung geeigneten Form n\u00e4hert, mit desto weniger Kraft darf der Exspirationsstrom hervorgetrieben werden, wenn ein blosses Reibungsger\u00e4usch, nicht aber ein Ton entstehen soll.\nUnter diesen Umst\u00e4nden kann begreiflicher Weise nur ein schwaches Reibungsger\u00e4usch zu Stande kommen, denn wird der Exspirationsdruck vermehrt, so schl\u00e4gt es sofort in einen Ton um. Bh\u00fcckk hatte ganz Recht, [diesen schwachen //-Laut, welcher in der bereits bis zur M\u00f6glichkeit der Tonbildung verengten Stimmritze hei entsprechender Regulirung des Exspirationsdruckes erzeugt werden kann, nicht als ein besonderes, qualitativ cliarakterisirtes Lautelement anzuf\u00fchren, aber freilich nicht desslialb, weil er, wie Br\u00fccke meint, \"nicht allein f\u00fcr sich hervorzubringen sei, ohne alsbald bei rascherem Ausfluss der Luft in andere Laute \u00fcberzugehen\u00ab, sondern vielmehr desslialb, weil er nur gradweise von den \u00fcbrigen//-Lauten oder Reibungsger\u00e4uschen des Kehlkopfes verschieden ist und wahrscheinlich in dem Lautschatze gar keiner Sprache eine selbstst\u00e4ndige Verwendung und Bedeutung hat.\nOffenbar ist es dieses schwache Reihungsger\u00e4usch, welches Pur-KYX\u00c8 als den \u00bbleisen Hauch\u00ab bezeichnet hat und \u2014 jedenfalls irrth\u00fcmlieh \u2014 f\u00fcr den Spiritus lenis der Griechen h\u00e4lt. Ich komme hierauf weiter unten nochmals zur\u00fcck.\n5.\tJe mehr also der Exspirationsdruek vergrlssert wird, um das h kr\u00e4ftig und deutlich hervorzubringen, ohne die einander immer n\u00e4her kommenden Stimmb\u00e4nder in t\u00f6nende Schwingungen zu versetzen, desto st\u00e4rker werden die Aryt\u00e4noidknorpel mit den Spitzen ihrer Proc, vocales nach innen gedreht, und desto deutlicher zerf\u00e4llt die Stimmritze durch die beiden einspringenden Winkel, welche sie machen, in zwei Abschnitte \u2014 in einen vorderen, von den R\u00e4ndern der Stimmb\u00e4nder begrenzten B\u00e4nd er glottis und in einen hinteren. von den nach vorn convergirenden Prcc. vocales und der hinteren Kehlkopfswand begrenzten K n o r p e 1 gl o 11 i s \u2014 welche beide durch den mehr oder weniger verengten Raum zwischen den Spitzen der Proc, vocales unmittelbar in einander \u00fcbergehen.\n, Schriften.\t48\nC zermak","page":753},{"file":"p0754.txt","language":"de","ocr_de":"754 Ueber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc.\n6.\tUm dem/(-Laut mehr Asperitat zu geben. wird der Exspirationsdruck noch mehr verst\u00e4rkt und die Epiglottis etwas gesenkt, w\u00e4hrend ihr unteres convexes Ende, f\u00fcr welches ich den Namen \u00bbEpiglottiswulst\u00ab eingef\u00fchrt habe1 ; . in der Sagittalrichtung st\u00e4rker vorspringend gemacht wird. so dass nicht nur der Kehlkopfeingang. welcher die Form einer dreitheiligen Oeffnung annimmt bestehend aus zwei seitlichen horizontalen, zwischen dem Kehldeckel und den Lig. aryepigl., und aus einer mittleren senkrechten, zwischen den gen\u00e4herten Innenfl\u00e4chen der Aryt\u00e4noidknorpel \u00fcbrigbleibenden Abtheilung) . sondern auch der \u00fcber den Stimmb\u00e4ndern befindliche Kehlkopfraum verengt wird.\nAuch die Taschenb\u00e4nder beginnen sich einander zu n\u00e4hern und tragen zur Beschr\u00e4nkung des inneren Kehlkopfraumes bei.\nW\u00e4hrend also bei der Bildung unseres gew\u00f6hnlichen Sprach-lautes h. die \u00abEnge\u00ab einfach in der in ihrer ganzen L\u00e4nge besonders stark im knorpeligen hinteren Theil klaffenden Stimmritze liegt, kommt behufs der Hervorbringung der rauheren /(-Laute noch eine \u00bbEnge\u00ab im oberen Kehlkopfraum und in der oberen Kehlkopfapertur (Ostium laryngis hinzu2 .\n7.\tDie Einw\u00e4rtsdrehung der Aryt\u00e4noidknorpel kann so weit gesteigert werden, dass sich die Spitzen der Proc, vocales in der Medianlinie ber\u00fchren , die R\u00e4nder der Stimmb\u00e4nder innig an einander legen und die Stimmritze somit nur noch in ihrem hintersten knorpeligen Abschnitte als rundlich-dreieckiges Loch offen bleibt.\nWenn nun noch die Taschenb\u00e4nder mit ihren vorderen Theilen in Ber\u00fchrung gebracht werden, der Epiglottiswulst auf dieselben niedergedr\u00fcckt wird und mit seinem oberen breitesten Tlieile den auseinander-\n1\tMeine Bezeichnung\u2019 ist allgemein adoptirt worden; auch Hexle braucht dieselbe in seiner grossen Anatomie \u2014 ohne jedoch , wie er es dort bei der \u00fcbrigen Nomenclatur der Kehlkopftlieile that, den Autor anzugeben.\n2\tOffenbar ist es eine solche Anordnung der Tlieile, welche der Production des Hha der Araber entspricht, doch muss ich bemerken, dass mir zur endg\u00fcltigen Entscheidung sowohl dieser Frage, als auch der Frage \u00fcber die Bildungsweise der \u00fcbrigen Gutturales verae he, Ain, llamzc . die laryngoskopische Untersuchung geborener Araber w\u00fcnschenswerth , ja nothwendig erscheint. Ich.habe zwar zuerst versucht a. a. 0. S. 570 diese Fragen durch laryngoskopische Beobachtungen an mir selbst zu l\u00f6sen , nachdem ich von einem geborenen Araber jene Laute hervorzubringen gelernt hatte; allein ich bin seither wieder zweifelhaft geworden , ob ich damals die Laute auch wirklich genau aut dieselbe Weise gebildet habe, wie es die Araber tliun, und muss daher selbst eine Revision meiner eigenen und der sp\u00e4teren Angaben meiner Nachfolger, durch directe Untersuchung von National-Arabern als nothwendig hinstellen.","page":754},{"file":"p0755.txt","language":"de","ocr_de":"Geber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimme etc. 755\nklaffenden Spitzen der Aryt\u00e4noidknorpel immer n\u00e4her, mit denselben wohl gar in Contact kommt, dann erscheint der ganze Kehlkopfraum in eine mehr oder weniger enge, unregelm\u00e4ssig gestaltete R\u00f6hre verwandelt, aus welcher die Luft mit einem sehr scharfen, blasenden Reibungsger\u00e4usch hervorgetrieben werden kann, wenn der Exspirationsdruck geh\u00f6rig gesteigert wird.\nS. Alle eigentlichen/t-Laute, von denen, wie ich oben 'Nr. 1. 2 und \u00f6i mit guten Gr\u00fcnden auseinandersetzte, der \u00bbeinfache Hauch\u00ab zu unterscheiden ist, haben also das Gemeinsame, dass es Reibungsger\u00e4usche sind, welche die Luft beim Hindurchstr\u00f6men durch eine in der Stimmritze oder im ganzen oberen Kehlkopf raum willk\u00fcrlich gebildete \u00bbEnge\u00ab hervorbringt. Die Form und Ausdehnung dieser Enge. so wie die Spannungsgrade der dieselbe begrenzenden Theile k\u00f6nnen sehr verschieden sein und sind als der eine Factor der /(-Lautbildung zu betrachten. Der zweite Factor der //-Lautbildung, n\u00e4mlich der Umfang und die Energie der Exspirationsbewegung, ist gleichfalls zahlloser Abstufungen f\u00e4hig.\nAus der Combination und dem gegenseitigen Verh\u00e4ltnis# dieser beiden Faetoreu \u2014 von etwaigen nebenhergehenden Ver\u00e4nderungen im Ansatzrohr wie Hebung des weichen Gaumens, N\u00e4herung der Am phanjngo-pulat.. etc. abgesehen \u2014 resultirt die ganze F\u00fclle der qualitativen und quantitativen Unterschiede der physiologisch \u00fcberhaupt m\u00f6glichen /(-Laute oder Spiritus asprr.\nIm Allgemeinen l\u00e4sst sich sagen, dass zur Bildung der rauheren und st\u00e4rkeren /(-Laute, welche stets eine bedeutendere Erh\u00f6hung des Exspirationsdruckes verlangt, nur mittlere d. h. weder zu grosse, noch zu kleine Durchmesser der willk\u00fcrlich verengten Stimmritze, und namentlich solche Formen derselben geeignet sind. bei denen ein vollst\u00e4ndiges Auseinanderklaffen der Aryt\u00e4noidknorpel selbst und der ganzen Knorpelglottis \u2014 besonders nach hinten zu \u2014 stattfindet: denn je weiter die Stimmritze ist, desto mehr nimmt die- M\u00f6glichkeit zur deutlichen Entwicklung des f\u00fcr die /(-Laute charakteristischen Reibungsger\u00e4usches ab und schwindet endlich bei vollst\u00e4ndig ge\u00f6ffneter Glottis ganz , indem dann nichts anderes als der \u00bbeinfache Hauch\u00ab 's. oben sub 1 zimi Vorschein kommen kann; je n\u00e4her hingegen die R\u00e4nder der Stimmritze an einander r\u00fccken. desto leichter entsteht bei h\u00f6herem Exspirationsdruck ein Ton statt des Reibungsger\u00e4usches.\nDie sanfteren und schw\u00e4cheren /(-Laute lassen sich hingegen bei jede r Form. Ausdehnung und Beschaffenheit der im Kehl-","page":755},{"file":"p0756.txt","language":"de","ocr_de":"756 lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc.\nk\u00f6pf willk\u00fcrlich erzeugten \u00bbEnge\u00ab durch entsprechende Regulirung des Exspirationsdruckes hervorbringen.\nBr\u00fccke hat mich aufmerksam gemacht, hier, wo ich von der Modification der //-Laute durch den Exspirationsdruck spreche, ausdr\u00fccklich hervorzuheben, dass nicht alles was physiologisch m\u00f6glich ist, auch linguistisch in Betracht komme, indem der Exspirationsdruck f\u00fcr den Accent frei ver\u00e4nderlich bleiben muss, und desshalb die verschiedenen Arten des h wesentlich nach dem Zustande der Stimmritze und des oberen Kehlkopfraumes zu unterscheiden sind.\nEs ist in der That gut, wenn man die Leser bei jeder solchen Gelegenheit daran erinnert zu unterscheiden, was so zu sagen als Kunstst\u00fcck ausgef\u00fchrt werden kann und was in der Sprache wirklich Bedeutung hat.\nII.\nIch gehe nun, auf Grundlage directer laryngoskopischer Beobachtungen zu einer Er\u00f6rterung der Verschiedenheiten des vocalischen Anlautes \u00fcber, welche uns zur vollst\u00e4ndigen Einsicht in das Wesen des Spiritus lenis im Gegens\u00e4tze zum Spiritus asper f\u00fchren wird.\nBetrachten wir zun\u00e4chst die Vorg\u00e4nge bei der Tonbildung in der Stimmritze \u00fcberhaupt. Bei lautt\u00f6nender Stimme wirken die Stimmb\u00e4nder bekanntlich als membran\u00fcse Zungen und bringen wie alle Zungen eine Reihe' diseontinuirlielier, rhythmischer Luftst\u00f6sse hervor, welche, indem sie auf unser Ohr wirken, in uns eben die Empfindung des Tones erzeugen.\nDamit die Stimmb\u00e4nder durch den verst\u00e4rkten exspirativen Luftstrom in t\u00f6nende Schwingungen geratlien k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Aryt\u00e4-noidknorpel gegen einander gezogen und in Ber\u00fchrung gebracht1 , die Knorpelglottis s. oben I, sub 5 vollst\u00e4ndig geschlossen oder\n1 So lange die Knorpelglottis in ihrem hintersten Abschnitt unverschlossen ist und so lange nicht wenigstens die Spitzen der gegen einander gezogenen Aryt\u00e4noidknorpel in Ber\u00fchrung kommen, spricht der Ton in der That schwer an. Nichtsdestoweniger gelingt es, wie die laryngoskopisehe Untersuchung zeigt, auch unter diesen Umst\u00e4nden die Stimmb\u00e4nder in t\u00f6nende Schwingungen zu versetzen. Dabei tritt das merkw\u00fcrdige akustische Ph\u00e4nomen ein, dass man so zu sagen ein t\u00f6nendes h h\u00f6rt. Zwar liegt die Tonlosigkeit im eigentlichsten Wesen der //-Laute, indem dieselben, wie gesagt s. oben I, 5;, dadurch zu Stande kommen, dass die Luft, indem sie an den R\u00e4ndern der verengten Stimmritze vor\u00fcberstr\u00f6mt. ein Reibungsger\u00e4usch, nicht aber rhythmische, t\u00f6nende Pulsationen hervorbringt ; wo letztere entstehen , h\u00f6ren die physikalischen Bedingungen zur Entstehung des ersteren auf. Auch sagt schon Joh. M\u00fcller Lehrb. 1840, Bd. 11. S. 230 : \u00bbDie einzige Continua, welche ganz stumm und keines Mitt\u00f6nehs oder","page":756},{"file":"p0757.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimme etc. 757\nbedeutend verengt werden. so dass sicli die Stimmb\u00e4nder mit ihren R\u00e4ndern entweder bis zur Beruh rung an einander legen oder doch b i s z u r B i 1 d u n g e i n e r e n g e n. 1 i n e a r e n S p a 11 e n \u00e4 h e r n. Im ersten Falle werden die Stimmb\u00e4nder bei den schw\u00e4chsten wie bei den st\u00e4rksten Schwingungen in den Augenblicken, wo sie sich einander n\u00e4hern, sich geradlinig ganz eng an einander stellen, so dass sie die Stimmritze momentan vollst\u00e4ndig sehliesseu und den Luftstrom ganz unterbrechen.\nIm zweiten Falle, wo sich die Stimmb\u00e4nder nur bis zur Bildung einer linearen Spalte gen\u00e4hert haben. wird der Luftstrom nicht vollst\u00e4ndig unterbrochen. weil auch die schwingenden Stimmb\u00e4nder sich niemals so sehr n\u00e4hern. dass sie die Stimmritze momentan ganz ver-schliessen k\u00f6nnten, f\nEs giebt also z w e i Arten der Toubildung : bei der ersten Art ber\u00fchren sich die Stimmb\u00e4nder und k\u00f6nnen dabei entweder nach Art der aufschlagenden oder der durchschlagenden Zungen wirken. je nachdem sie n\u00e4mlich beim Schl\u00fcsse auf und gegen einander schlagen oder aber nur eben bis zur Ber\u00fchrung eng sich zusammenstellen ohne gegen einander zu schlagen: bei der zweiten Art ber\u00fchren sich die Stimmb\u00e4nder gar nicht, sondern sie sind einander nur bedeutend gen\u00e4hert und wirken daher auch nie anders denn als durchschlagende Zungen. Selbstverst\u00e4ndlich l\u00e4sst sich ein nach der ersten Art gebildeter\nKimimens der Stimme f\u00e4llig ist. ist das h, die Aspiration. Versucht man das h laut auszusprechen, so t\u00f6nt das Summen der Stimme nicht gleichzeitig mit h, sondern folgt ihm und die Aspiration erlischt auf der Stelle sobald die Luft an den Stimmb\u00e4ndern zum Ton anspricht.\u00ab Allein wenn die Knorpelglottis nach hinten mehr oder weniger klafft, w\u00e4hrend die freien R\u00e4nder der Stimmb\u00e4nder durch die einspringenden Spitzen der I'roc. voc. einander hinreichend gen\u00e4hert sind, dann kann, wie der Versuch und die huyngoskopische Beobachtung lehren, in der Stimmritze gleichzeitig ein Ton und ein h entstehen. Der Tlieil der hervorgetriebenen Exspirationsluft n\u00e4mlich, welcher durch die B\u00e4nderglottis geht, wird in rhythmische Pulsationen versetzt und erzeugt einen Ton, der Theil hingegen, welcher durch die starre Knorpel glottis hervorstr\u00f6mt, veranlasst ein blosses Reibungsger\u00e4usch \u2014 einen Spiritus von gr\u00f6sserer oder geringerer Asperit\u00e4t. Man kann also eben sowohl sagen , dass auf diese Weise ein Stimmritzenton entsteht. welcher durch ein h verunreinigt ist, als dass ein h unter Mitt\u00f6nen der Stimme zu Stande kommt. Allerdings ist es nicht ganz leicht die Bedingungen so herzustellen, dass das Ohr Ton und Reibungsger\u00e4usch gleich deutlich wahrnimmt, denn beim Klaffen der Knorpelglottis spricht der Ton schwer und leise an, w\u00e4hrend der Ton leicht das Reibungsger\u00e4usch verdeckt, wenn die Bedingungen der Tonbildung g\u00fcnstiger sind ; \u2014 immerhin l\u00e4sst sieh das Ph\u00e4nomen bei einiger Uebung mit \u00fcberzeugender Deutlichkeit hervorbringen.\n1 Helmholtz a. a. 0. S. 164.","page":757},{"file":"p0758.txt","language":"de","ocr_de":"758 lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc.\nTon ohne Unterbrechung der t\u00f6nenden Schwingungen in einen Ton der zweiten Art \u00fcberf\u00fchren, und umgekehrt.\nBeim vocalischen Anlaut k\u00f6nnen wir entweder einen Ton der ersten oder einen Ton der zweiten Art erzeugen wollen. Indem nun aber die Stimmritze urspr\u00fcnglich entweder offen stehen oder luftdicht geschlossen sein kann, so giebt es nothwendig vier verschiedene F\u00e4lle des Anlautes, n\u00e4mlich :\nas Die Stimmritze steht urspr\u00fcnglich mehr oder weniger weit offen und es soll ein anlautender Vocalton der zweiten Art erzeugt werden :\nb die Stimmritze steht urspr\u00fcnglich offen und es soll ein Ton der ersten Art entstehen :\nc) die Stimmritze ist urspr\u00fcnglich luftdicht geschlossen und es soll im Vocalton der zweiten Art intonirt werden: endlich\nd^ die Stimmritze ist urspr\u00fcnglich geschlossen und es soll ein Ton der ersten Art zu Stande kommen.\nad a Die Stimmritze, welche entweder ganz weit offen steht oder eine zur //-Lautbildung geeignete \u00bbEnge\u00ab (s. oben: besitzen kann, muss sich behufs der Tonbildung noch weiter verengen, bis sie die zum T\u00f6nen erforderliche spaltf\u00f6rmige Oeftnung angenommen hat. Der eon-tinuirliche und mehr oder weniger kr\u00e4ftig hervorgetriebene Luftstrom wird nat\u00fcrlich so lange, bis nicht die erforderlichen Formen und Durchmesser der Glottis erreicht sind, an den R\u00e4ndern der Stimmritze vorbeistr\u00f6men und ein schw\u00e4cheres oder st\u00e4rkeres Reibungsger\u00e4usch, ein h erzeugen, welches selbst dann noch, wenn die zur Tonbildung erforderliche Enge bereits hergestellt ist, fortdauern und nicht eher aufh\u00f6ren wird. als bis die t\u00f6nenden Schwingungen wirklich eingetreten sind. Unter diesen Umst\u00e4nden wird der Ton immer einem Reibungsger\u00e4usch oder /i-Laut unmittelbar nachfolgen und so izu sagen aus demselben hervorgehen.\nad b; In diesem Falle muss die offenstehende Stimmritze vermittelst der in gegenseitige Ber\u00fchrung gebrachten Ary-Knorpel und Proc, vocales erst vollst\u00e4ndig geschlossen und den Stimmb\u00e4ndern die Stellung und Spannung als auf- oder durchschlagenden Zungen gegeben werden, bevor der gew\u00fcnschte Ton entstehen kann. W\u00e4hrend sich die Stimmritze durch Ann\u00e4herung und endliche Aneinanderlagerung ihrer R\u00e4nder sehliesst, kann der exspirative Lnftstrom wohl ein Reibungsger\u00e4usch erzeugen, aber dieses erlischt immer mit dem vollendeten Schluss der Stimmritze und der Ton bricht merklich sp\u00e4ter und scharf von demselben getrennt hervor 's. unten ad d .","page":758},{"file":"p0759.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimnie etc. 759\nDas Reibungsger\u00e4usch , welches hier gar keinen Zusammenhang mit der darauffolgenden Tonbildung hat, kann allm\u00e4hlich erl\u00f6schen, indem man den Exspirationsdruck vor Eintritt des Glottisschlusses immer mehr und mehr schw\u00e4cht oder ganz aufhebt, oder aber es kann pl\u00f6tzlich abschnappen, indem man den kr\u00e4ftig hervorgetriebenen Luftstrom durch die rasche Herstellung des Glottisschlusses unterbricht. Dabei entsteht dann ein eigenth\u00fcmliches klappendes Ger\u00e4usch, welches dem der tonlosen Verschlusslaute ( Tenues) vollkommen analog ist (s. weiter unten).\nad c) Die Stimmritze ist hier im Zustande luftdichten Verschlusses und muss daher erst ge\u00f6ffnet und in eine klaffende Spalte verwandelt werden, deren Form und Querdurchmesser eben der intendirten Tonbildung entspricht.\nBevor der hervorgetriebene Luftstrom die klaffenden Stimmb\u00e4nder in t\u00f6nende Schwingungen versetzen kann, muss derselbe allemal ein Reibungsger\u00e4usch erzeugen, weil der Ton unter diesen Umst\u00e4nden nicht sofort anspricht, welches wie in dem sub a behandelten Falle unmittelbar in den Ton \u00fcbergehen wird.\nGeschieht die L\u00f6sung des Glottisverschlusses mit einer gewissen Rl\u00f6tzliehkeit und bei vergr\u00f6ssertem Exspirationsdruck, so geht dem Reibungsger\u00e4usch, aus welchem erst der Ton hervorgeht, ein eigenth\u00fcmliches explosives Ger\u00e4usch voraus, das jenem der tonlosen Verschlusslaute ganz analog ist. Dieses Ger\u00e4usch kann am deutlichsten und f\u00fcr sich allein wahrgenommen werden, wenn man auf die explosive L\u00f6sung des Glottisschlusses eine pl\u00f6tzliche und vollst\u00e4ndige Erweiterung der Stimmritze folgen und den Luftstrom hernach vollkommen ger\u00e4uschlos austreten l\u00e4sst. oder aber denselben durch Anhalten der Exspirationsbewegung ganz unterbricht. Man kann sich auf diese Weise leicht \u00fcberzeugen, dass die explosive L\u00f6sung sowohl, wie die pl\u00f6tzliche Herstellung (s. oben ad b des Stimmritzenschlusses mit einem eigenth\u00fcmlichen Ger\u00e4usche verbunden ist, welches den akustischen Charakter des Ger\u00e4usches der tonlosen Verschlusslaute besitzt. Bei der Bildung z. B. des p verhalten sich die Lippen des Mundes genau eben so wie hier die Lippen der Stimmritze.\nad d ln diesem Falle ist die Stimmritze von vornherein vollst\u00e4ndig geschlossen, der Luftstrom ganz unterbrochen und, wenn die Stimmb\u00e4nder als auf- oder durchschlagende Zungen gestellt sind, wird der gew\u00fcnschte Ton bei gen\u00fcgender Steigerung des Exspirationsdruckes mit der ersten explosiven Er\u00f6ffnung der Stimmritze in voller St\u00e4rke und Reinheit hervorbrechen.","page":759},{"file":"p0760.txt","language":"de","ocr_de":"7i>0 Feber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc.\nZur Entstellung eines Reibungsger\u00e4usches oder /(-Lautes ist keine Gelegenheit gegeben und selbst das eigenth\u00fcniliclie, die erste explosive Er\u00f6ffnung der Stimmritze begleitende akustische Ph\u00e4nomen, wird durch den sofort ansprechenden Ton verdeckt werden und f\u00fcr sich kaum noch untersolieidbar sein.\nDie er\u00f6rterten vier F\u00e4lle des Anlautes reduciren sich streng genommen auf z w e i. indem der vierte mit dem zweiten, und der dritte mit dem ersten hinsichtlich der physikalischen Bedingungen der Tonbildung vollkommen identisch sind. Im vierten und im zweiten Falle wird der Yocalton scharf und bestimmt eingesetzt und kommt so zu sagen explosiv zum Vorschein ^explosiver Ton): im dritten und im ersten Falle geht er hingegen aus einem Reihungsger\u00e4usch hervor und ist a spirir t (a spi ri rto r To u . Zwischen den beiden letzten F\u00e4llen besteht nur der Unterschied, dass das dem Ton voraufgehende Reibungsger\u00e4usch einmal in der zur /(-Lautbildung eingestellten Glottis entsteht und als ein gew\u00f6hnliches h beginnt ad a : das andere Mal in der bereits zur Tonbildung geeigneten Stimmritzenform hervorgebracht wird ad c) . und als das schon oben s. I. sub 4) erw\u00e4hnte \u00bbschwache\u00ab Reibungsger\u00e4usch auftritt, wobei es gleichg\u00fcltig ist. oh diese Stimmritzenform durch Verengerung der urspr\u00fcnglich unverschlossenen oder durch Er\u00f6ffnung der urspr\u00fcnglich geschlossenen Stimmritze erzielt wurde, sobald beides nur ger\u00e4uschlos geschieht. Ist dies nicht der Fall, dann f\u00e4llt entweder j eder Unterschied von der ad a er\u00f6rterten Form des aspirirten Tones fort, oder es geht dem Reihungsger\u00e4usch das Ger\u00e4usch der explosiven Er\u00f6ffnung der Stimmritze voraus, wobei es denn leicht geschieht, dass, wenn der Ton sehr rasch anspricht, die Aspiration ganz unh\u00f6rbar wird und der vocalische Anlaut den explosiven Charakter annimmt. wie in dem ad d er\u00f6rterten Falle.\nNachdem gezeigt worden ist, wie die physiologisch \u00fcberhaupt m\u00f6glichen Hauptformen des vocalischen Anlautes zu Stande kommen, hat es keine Schwierigkeit mehr, zu einer richtigen und klaren Einsicht in das eigentliche Wesen des Spiritus lenis \u2014 beil\u00e4ufig bemerkt, eine h\u00f6chst unpassende Bezeichnung f\u00fcr den darunter zu verstehenden physiologischen und akustischen Vorgang \u2014 zu gelangen.\nDass die alten Griechen mit dem Spiritus lenis den explosiven Vocalanlaut, wo der Ton mit dem eigenth\u00fcmlichen akustischen Ph\u00e4nomen der ersten explosiven Er\u00f6ffnung der Stimmritze, als der einzigen oft kaum merklichen) fremdartigen Beimischung, sofort in ganzer St\u00e4rke und Reinheit hervorbricht, bezeichneten, halte ich n\u00e4mlich f\u00fcr","page":760},{"file":"p0761.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber den Spiritus asper und lenis, und Uber die Fl\u00fcsterstimme etc. 7(31\nebeu so unzweifelhaft. als dass ihr Spiritus asper mit unserm h identisch war.\nHaben sie doch den Spiritus lenis, als irvsojta t}\u00bbiXov vj, dem Spiritus asper. als rmu;xa oa-u 2 3 entgegengesetzt. Es giebt aber, wie wir sahen, gar keine anderen wesentlich und gegens\u00e4tzlich verschiedenen Formen des vocalischen Anlautes als die explosive und die aspirirte. In so fern nun der Spiritus asper ganz bestimmt die aspirirte Form des Vocalanlautes ist. kann dem Spiritus lenis nur die explosive Form entsprechen!\nI eberdies nannten die Griechen die \u00bbtenues\u00ab \u2014 ja.\u00c0a und stellten sie in demselben Sinne den \u00bbAspiraten\u00ab als Saasa gegen\u00fcber, wie das Ttvcupa 'V.\u00c0ov dem -v\u00ee'jo.7 07.au.\nWas aber den Griechen in der Bildung der tonlosen Verschlusslaute einerseits und des vocalischen Anlautes mit dem Spiritus lenis andererseits analog1 erschien, um das gleiche Beiwort \u00bb-JuXoc\u00ab zu rechtfertigen, kann sich nur auf die explosive L\u00f6sung eines Verschlusses hier der Glottis, dort der verschiedenen Articula-tionsregionen im Ansatzrohre beziehen. da es zwischen den beiden Lautbildungen absolut keine andere Analogie giebt.\nDie Griechen haben also sicherlich unter ihrem Spiritus lenis den explosiven Vocalanlaut verstanden.\nEndlich l\u00e4sst sich noch folgende St\u00fctze f\u00fcr diese Auffassung bei-b ringen.\nEs kann kaum fraglich erscheinen, dass die Griechen auch beim fl\u00fcsternden Sprechen die anlautenden Vocale mit dem Spiritus asper von jenen mit dem Spiritus lenis wohl unterschieden haben werden. Beim Fl\u00fcstern wird die Stimme durch ein Reibungsger\u00e4usch. welches genau so wie die /(-Laute s. oben I. in der klaffenden Stimmritze entsteht, ersetzt, und der wesentliche Unterschied zwischen dem gefl\u00fcsterten vocalischen Anlaut mit dem Spiritus asper und jenem mit dem Spiritus lenis tritt ganz scharf und leicht erkennbar hervor.\nIm ersten Falle h\u00f6rt man einfach ein anlautendes h, im zweiten Falle hingegen bricht das h. welches den Ton der Stimme ersetzt, mit dem den tonlosen Verschlusslauten analogen Ger\u00e4usch der explosiven Er\u00f6ffnung der Stimmritze hervor.\nIn diesem Vorgang liegt also auch beim lauten Sprechen das Charakteristische des Spiritus lenis. W\u00e4re dem nicht so. so h\u00e4tten die\n1 >10.6% kahl, nackt, glatt, entbl\u00fcsst.\n- w'j% rauch, rauh, dicht bewachsen, haaricht.\n3 Diese Analogie haben wir schon oben ad c ausdr\u00fccklich hervorgehoben und als thatsiichlich existirend nachgewiesen.","page":761},{"file":"p0762.txt","language":"de","ocr_de":"762 Ueber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc.\nGriechen heim Fl\u00fcstern den Spiritus asper vom Spiritus lenis gar nicht zu unterscheiden vermocht.\nWas Purkyxe den \u00bbleisen Hauch\u00ab genannt und f\u00fcr den Spiritus lenis gehalten hat, hat nicht die entfernteste Beziehung zum Spiritus lenis, denn Purkyne\u2019s \u00bbleiser Hauch\u00ab s. oben I, sub 4 und II. ad c) ist nur gradweise, nicht aber gegens\u00e4tzlich verschieden vom Spiritus asper.\nEhen so unstatthaft ist es auch, wenn Max M\u00fcller (Second Series, S. 127) den Spiritus asper dem Spiritus lenis in dem Sinne entgegensetzt, als oh ersterer mit unverengter, letzterer mit verengter Stimmritze gebildet w\u00fcrde, und als ob zwischen beiden wesentlich derselbe Unterschied best\u00e4nde a. a. O. S. 130), welcher hei anderen Lauten mit hart und weich, tonlos und t\u00f6nend bezeichnet wird ; der Spiritus asper den harten oder tonlosen, der Spiritus lenis den weichen oder t\u00f6nenden Lauten entspr\u00e4che. Dies ist falsch. Die laryngosko-pische Untersuchung zeigte :\n1.\tDer Spiritus asper wird nicht mit weitge\u00f6ffneter, sondern mit willk\u00fcrlich verengter Stimmritze und hei einem zur gebildeten \u00bbEnge\u00ab in bestimmtem Yerh\u00e4ltniss stehenden Exspirationsdruck hervorgebracht.\n2.\tDer Spiritus lenis hingegen entsteht durch explosive Er\u00f6ffnung der geschlossenen Stimmritze.\nDer Unterschied zwischen beiden hat also keine Analogie mit dem Unterschied, welcher zwischen Tenues und Mediae, zwischen tonlosen und t\u00f6nenden Verschlusslauten existirt: am allerwenigsten ist der Spiritus asper mit den Tenues zusammen zu stellen, wie M\u00fcller tliut, da die Bildungsweise jenes mit der Bildungsweise dieser auch nicht in einer einzigen Beziehung etwas Gemeinsames und Ueber-einstimmendes hat, w\u00e4hrend der Spiritus lenis, den M\u00fcller mit den Mediae parallelisirt (wie schon die Griechen durch das Beiwort \u00bbja/.oc\u00ab andeuteten und ich oben direct nachgewiesen habe gerade mit den Tenues physiologisch wenigstens in einer Hinsicht \u00fcbereinstimmt.\nHierdurch wird aber, wie gesagt, noch nicht die entfernteste Analogie des Unterschiedes, welcher zwischen Spiritus asper und lenis besteht, mit jenem, der die Bildung der Tenues und Mediae charak-terisirt, begr\u00fcndet.\nMax M\u00fcller irrt hierin vollst\u00e4ndig, denn die tonlosen oder harten Laute unterscheiden sich im Wesentlichen von den t\u00f6nenden oder weichen bekanntlich nur dadurch, dass die ersteren mit ganz unverengter, die letzteren hingegen mit zur Ton- oder Ger\u00e4uschbildung verengter Stimmritze gesprochen werden, d. h. jene sind stumm, diese","page":762},{"file":"p0763.txt","language":"de","ocr_de":"lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc. 763\nhaben den Ton der lauten oder das Reibungsger\u00e4usch der Fl\u00fcsterstimme, denn auch beim Fl\u00fcstern unterscheiden wir p von b. t von d, k von g etc. Bei dieser Gelegenheit kann ich schliesslich die folgenden Bemerkungen nicht unterdr\u00fccken.\nUnter jene Gegenst\u00e4nde der Physiologie der Sprachlaute, \u00fcber welche, nachdem sie bereits durch genaue Untersuchungen hinreichend aufgekl\u00e4rt worden sind, immer wieder von Zeit zu Zeit irrth\u00fcm-liehe Meinungen und verwirrende Missverst\u00e4ndnisse vorgebracht werden, geh\u00f6rt auch der Unterschied zwischen Tenues und Mediae.\nSo hat Bk\u00fccke in seinen \u00bbGrundz\u00fcgen der Phys. und System, der Sprachlaute\u00ab Wien 1S56, diesen, allerdings schon lange vor ihm richtig erkannten Unterschied gr\u00fcndlich und auf\u2019s Klarste auseinandergesetzt und erst k\u00fcrzlich hat sich auch Helmholtz a. a. 0.) in gleichem Sinne hier\u00fcber ausgesprochen.\nMax M\u00fcllek eitirt nun zwar Helmholtz\u2019s S\u00e4tze in extenso, allein eine sp\u00e4tere Stelle seines Buches beweist, dass er den fraglichen Unterschied nichts desto weniger unrichtig aufgefasst hat.\nA. a. O. S. 144 heisst es n\u00e4mlich: \u00bbSurd and sonant are apt to mislead; for both p and b are classed as mutes it is difficult to see how a mute letter could be sonant. Some persons have been so entirely deceived by the term sonant, that they imagined all the socalled sonant letters to be necessarily pronounced with tonic vibrations of the chordae vocales. This is physically impossible ; for if we really tried to intone p or b, we should either destroy the p and b, or be suffocated in our attempt at producing voice.\u00ab\n\u00bbBoth p and b, as far as tone is concerned, are aphonons or mute. But b differs from p in so far as, in order to pronounce it, the breath is for a moment checked by the glottis just as it was in pronouncing v instand off.\u00ab\nDie directe laryngoskopisehe Untersuchung w\u00fcrde auch hier, wo es sich um Ermittelung des Verhaltens der Stimmritze handelt, das Mittel darbieten, alle C'ontroversen in Zukunft abzuschneiden und die Zweifel ein f\u00fcr allemal zu erledigen.\nDa aber die Articulation der Laute die Einf\u00fchrung des Kehlkopfspiegels und das Sehen durch den Mund unm\u00f6glich macht, so ist das gew\u00f6hnliche laryngoskopisehe Verfahren hier nicht anwendbar, und ich schlage deshalb einen anderen Weg der Untersuchung vor, welcher zum Ziele f\u00fchren muss, sobald sich nur eine passende Gelegenheit linden wird, denselben zu betreten.\nBekanntlich ist es mir schon 1S59 gelungen vgl. \u00bbDer Kehlkopf-","page":763},{"file":"p0764.txt","language":"de","ocr_de":"764 lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimme ete.\nSpiegel und seine Verwerthung\u00ab. 2. Aufl.. Leipzig 1863, S. 40)1 in F\u00e4llen, wo die Operation der Laryngotomie ausgef\u00fchrt worden war, vermittelst eines kleinen, durch die gefensterte Athmungsean\u00fcle ein-gef\u00fchrten Spiegelchens die Stimmritze und ihre Bewegungen von unten her genau zu beobachten.\nUnter diesen Umst\u00e4nden kann der Patient alle Sprachlaute ungehindert articuliren, w\u00e4hrend der Beobachter die Stimmritze ununterbrochen im Auge beh\u00e4lt. Um zu verhindern, dass die Luft durch die Athmungsean\u00fcle entweiche, und um den Patienten in Stand zu setzen die intendirten Laute auch ganz vernehmlich auszusprechen, m\u00fcsste die \u00e4ussere Oeffnung der Athmungsean\u00fcle. nach Einbringung des Spiegelchens, vermittelst einer erw\u00e4rmten, das Sehen nicht behindernden Glasplatte verschlossen werden : am einfachsten w\u00e4re es das kleine Spiegelchen unter einem Winkel von etwa 45\u00b0 an das eine Ende eines R\u00f6hrchens zu befestigen, welches am anderen Ende mit einer Glasplatte verschlossen w\u00e4re und in die Athmungsean\u00fcle oder den Wundcanal eingeschoben werden k\u00f6nnte.\nDiese Andeutungen m\u00f6gen gen\u00fcgen. Leber die Ausf\u00fchrbarkeit meines Planes kann kein Zweifel sein \u2014 es handelt sich nur darum, ein geeignetes Individuum zu finden, bei welchem die laryngotomisclie Wund\u00f6ffnung noch nicht verheilt, dessen Stimmorgan aber bereits in normalem Zustande w\u00e4re.\nDann k\u00f6nnte man das Verhalten der Stimmritze nicht nur bei den Tenues und Mediae, sondern \u00fcberhaupt bei allen Articulatiousvor-g\u00e4ngen direct feststellen.\nDer Gegenstand ist f\u00fcr die Physiologie der Sprachlaute von solchem Interesse, dass ich keinen Anstand genommen habe, meine Ideen \u00fcber denselben hier zu ver\u00f6ffentlichen, und ich f\u00fcge die dringende Aufforderung an alle Fachgenossen hinzu, die sich etwa darbietende Gelegenheit zu den angedeuteten Beobachtungen ja nicht unbenutzt vor\u00fcbergehen zu lassen.\nAn grossen Krankenanstalten d\u00fcrfte sich bald und leicht ein geeignetes Individuum finden. w\u00e4hrend mir. in meiner gegenw\u00e4rtigen Stellung, nur ein kaum wahrscheinlicher Zufall ein solches zuf\u00fchren k\u00f6nnte !\nIII.\nBeim Fl\u00fcstern wird der Ton der Stimme bekanntlich durch Reibungsger\u00e4usche ersetzt, welche, wie ich zuerst im Jahre 1S5S (Wiener Sitzungsber. S. 576 nachwies, v\u00f6llig identisch sind mit jenen\n1 Nr. XL1I.","page":764},{"file":"p0765.txt","language":"de","ocr_de":"lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme etc. 765\nder verschiedenen /(-Laute und auf genau dieselbe Weise erzeugt werden1 . Wenn daher Helmholtz sagt a. a. O. S. 171, Anmerkung) : \u00bbEs ist der hinterste Theil der Stimmritze zwischen den Giessbeckenknorpeln , welcher beim Fl\u00fcstern als dreieckige Oeffnung offen bleibt und die Luft passiren l\u00e4sst, w\u00e4hrend die Stimmb\u00e4nder an einander gelegt werden\u00ab, so ist dies nicht ausschliesslich richtig und ist dahin zu berichtigen, dass sich Helmholtz\u2019s Angaben eben nur auf einen einzigen der vielen m\u00f6glichen und wirklich vorkommenden F\u00e4lle beim Fl\u00fcstern bezieht.\nMeine Beobachtungen mit dem Kehlkopfspiegel zeigten n\u00e4mlich unzweifelhaft, dass die Stimmritze beim Fl\u00fcstern ausser der von Helmholtz angegebenen Form, factiscli jede der fr\u00fcher besprochenen Formen und Durchmesser 's. oben I, Nr. 2\u20147) annehmen kann, welche bei entsprechender Modification des Exspirationsdruckes Veranlassung zur Entstehung der verschiedenen Reibungsger\u00e4usche des Kehlkopfes, d. i. der /(-Laute geben, denn auch beim Fl\u00fcstern k\u00f6nnen wir leiser oder vernehmlicher sprechen.\nIV.\nNachdem Br\u00fccke in dem XII. Abschnitt seiner \u00bbGrundz\u00fcge der Phys. und System, der Sprachlaute\u00ab Wien 1S56, in welchem er die Grunds\u00e4tze der phonetischen Transscription auseinandersetzt, die Vocale und Consonanten besprochen hat, kommt er S. 127 zu denjenigen Spraclilauten, welche er im System von beiden ausgeschlossen hat, n\u00e4mlich zu den Kehlkopflauten, gutturales renie.\n\u00bbDiesen Sprachlauten,\u00ab sagt Br\u00fccke, \u00bbentsprachen Zeichen, die sich nur auf den Zustand des Kehlkopfes bezogen und nichts Bestimmtes \u00fcber die Stellung der Mundtheile aussagten. Die einzige Bezeichnung dieser Art, die wir bis jetzt eingef\u00fchrt haben, war ein horizontaler Strich unter der Linie, der die weit offene Stimmritze, und mithin die Stimmlosigkeit der auf der Linie stehenden Consonanten bedeutet.\n1 Folgende interessante Erfahrung, welche ich seither gemacht habe, kann ich nicht umhin hier zu erw \u00e4hnen.\nEinem Franzosen, dem, wie allen seinen Landsleuten das Hervorbringen unseres h nicht gelingen wollte , gab ich den Hath \u2014 da er ja doch eben so gut mit Fl\u00fcsterstimme sprechen k\u00f6nne, wie wir Anderen \u2014 beim vocalischen Anlaut, dem ein Spiritus asper vorhergeht, so zu beginnen, wie wenn er mit Fl\u00fcsterst i in me s pr ec h e n w o 111 e, und dann erst den vollen Vocalton folgen zu lassen. (Reich beim ersten Versuch gelang ihm nun nach dieser Anleitung das Sprachkunstst\u00fcck vollkommen und \u00fcberrascht rief er, wie Mr. Jourdain im \u00bbBourgeois gentilhomme\u00ab aus : \u00abVoil\u00e0 in ans, que je sais prononcer l\u2019h, sans le savoir !\u00ab","page":765},{"file":"p0766.txt","language":"de","ocr_de":"766 lieber den Spiritus asper und lenis, und \u00fcber die Fliisterstimme etc.\nDie Consequenz erheischt es. dass wir auch die \u00fcbrigen unter die Linie stellen. Hier bed\u00fcrfen wir zun\u00e4chst eines Zeichens f\u00fcr die vox\nclandestina . . . .\u00ab\nBez\u00fcglich des Zeichens f\u00fcr das gew\u00f6hnliche h bemerkt Br\u00fccke S. 12S : \u00bbSein Zeichen ist schon gegeben: es ist das der weit offenen Stimmritze, also der horizontale Strich unter der Linie. Scheint es unpassend. diesen isolirt stehen zu lassen, so kann man nur dar\u00fcber auf die Linie das Zeichen des unbestimmten Vocals setzen . . . Denn das Zeichen des unbestimmten Vocals bedeutet ja nichts als eine Stellung der Mundtheile, bei der der Mundcanal zwar vocalisch offen ist. aber doch so wenig charakteristisch gestaltet. dass kein bestimmt ausgepr\u00e4gter Vocal entsteht.\u00ab\n\u00bbWird diesem Zeichen kein Nebenzeichen unter der Linie mitgegeben. so hat es, wie dies f\u00fcr alle \u00fcbrigen Zeichen auf der Linie gilt, selbstredend den Ton der Stimme und ist nur der unbestimmte Vocal : wird ihm der horizontale Strich, das Zeichen der erweiterten Stimmritze mitgegeben, so ist es // . . . u. s. w.\u00ab\nNach meinen laryugoskopischen Untersuchungen kann ich nun hiermit nicht Ubereinstimmen.\nNicht dem h. bei welchem ja die Stimmritze eine \u00bbEnge\u00ab bildet. wohl aber dem einfachen Hauch, wie ich ihn oben vgl. I. Nr. 1 und 2 charakterisirt und beschrieben habe, entspricht diese Transscription. und muss ihm. als dem einfachsten Lautelement reservirt bleiben.\nF\u00fcr das h bedarf es darum aber keines neuen Zeichens. indem Br\u00fccke bereits ein besonderes Zeichen f\u00fcr die Fliisterstimme angenommen hat. Dieses Zeichen kann gleichzeitig das Zeichen f\u00fcr h abgeben. Ja. bei der absoluten Identit\u00e4t des Ger\u00e4usches der verschiedenen Abstufungen der Fliisterstimme mit den verschiedenen Graden der Keibungsger\u00e4usclie des Kehlkopfes respective der Stimmritze , welche das Wesen der /(-Laute ausmachen, d\u00fcrfen und k\u00f6nnen sie sogar keine verschiedenen Zeichen erhalten.\nDagegen erscheint es gerechtfertigt und nothwendig, dieses eine Zeichen irgendwie quantitativ abzustufen, um die leisen und sanften von den lauten und rauhen Reibungsger\u00e4uschen zu unterscheiden.\nOffenbar w\u00fcrden sich hierzu Hilfszeichen eignen, welche \u00fcber der Linie, in einer Reihe mit jenen f\u00fcr die Accente und den Hiatus stehen k\u00f6nnten, weil sie sich wenn auch nicht ausschliesslich wie diese auf den Exspirationsdruck beziehen.","page":766}],"identifier":"lit16202","issued":"1879","language":"de","pages":"750-766","startpages":"750","title":"Ueber den Spriritus asper und lenis, und \u00fcber die Fl\u00fcsterstimme, nebst Bemerkungen zur phonetischen Transscription der Kehlkopflaute","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T16:35:45.469828+00:00"}
