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Zwei Beobachtungen über die sogenannten Manège-Bewegungen in Folge von einseitiger Verletzung gewisser Hirntheile

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{"created":"2022-01-31T15:47:55.867728+00:00","id":"lit16204","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 769-775. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0769.txt","language":"de","ocr_de":"LVIII.\nZwei Beobachtungen \u00fcber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen in Folge von einseitiger Verletzung gewisser Hirntheile,\n[Jenaische Zeitschrift 1866.]\nBei dem Mangel an Bestimmtheit und hei den mancherlei W ider-sprtichen in den Angaben der verschiedenen Experimentatoren, -welche sich mit den so mannigfaltigen und wunderbaren Functionsst\u00f6rungen nach bestimmten Hirnverletzungen besch\u00e4ftigt haben, erscheint es mir geboten, eine m\u00f6glichst grosse Anzahl neuer einzelner Beobachtungen zu sammeln, um auf Grundlage so zu sagen statistischer Zusammenstellungen zu allgemein g\u00fctigen S\u00e4tzen, und endlich zu einer speciellen Hirnphysiologie zu gelangen.\nDie beiden Beobachtungen, welche ich im Folgenden mitzutheilen mir erlaube, sollen ein Beitrag zu einer solchen Statistik der Hirnverletzungen sein. und beziehen sich speciell auf die Abh\u00e4ngigkeit der Richtung der sog. Manege-Bewegungen von dem Orte der Hirnverletzung.\nBekanntlich hat Loxget, der diese Kreisbewegung nach Durcli-sehneidung eines Hirnschenkels zuerst beobachtete, behauptet, das Thier drehe sich nach der Seite der unverletzten Gehirnh\u00e4lfte hin, w\u00e4hrend Magexdie nach \u00e4hnlichen Verletzungen nur Drehung nach der Seite des Schnittes wahrgenommen hatte.\nSchiff Lehrb. I. 1859, S. 34h: glaubte diese Differenz vermitteln zu k\u00f6nnen, indem er Loxget\u2019s Angabe nur dann best\u00e4tigt fand, \u00bbwenn der Schnitt in das Gebiet des Hirnschenkels, oder des hinteren Drittels des Sehh\u00fcgels f\u00e4llt, w\u00e4hrend die Verletzung der vorderen Theile der Sehh\u00fcgel Drehung nach der Seite des Schnittes bedingt\u00ab.\nBrowx-S\u00e9quard Journal de la physiologie. 1860, S. 72J endlich sagt : \u00bbMi Schiff et moi avons constat\u00e9 que deux lestons tr\u00e8s voisines\nC'zermak, Schriften.\t49","page":769},{"file":"p0770.txt","language":"de","ocr_de":"770 Zwei Beobachtungen \u00fcber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen etc.\n/'une de l\u2019autre, sur une m\u00eame moiti\u00e9 de l'enc\u00e9phale peuvent faire tourner l'une du c\u00f4t\u00e9 l\u00e9s\u00e9, l'autre du c\u00f4t\u00e9 oppos\u00e9. De plus, j\u2019ai trouv\u00e9 qu'une m\u00eame l\u00e9sion peut causer d'abord le roulement d'un c\u00f4t\u00e9, puis le tournoiement de l\u2019autre\u00ab. A. a. 0. befindet sieh eine kleine Tabelle \u00fcber die Hirntheile, welche nach einseitiger Verletzung Drehung nach derselben oder nach der entgegengesetzten Seite bedingen.\nDer Mangel an Bestimmtheit in diesen Angaben ist gross, und da \u00fcberdies nicht ersichtlich ist. in wie weit die Folgen der verschiedenen Verletzungen constant sind, so bleibt, wie gesagt, nichts anderes \u00fcbrig, um hier ins Beine zu kommen. als neuerdings m\u00f6glichst zahlreiche einzelne F\u00e4lle genauer zu beobachten und zusammenzustellen.\nDer so zu sagen statistische Werth jeder brauchbaren Einzelbeobachtung rechtfertigt deren ausf\u00fchrliche Ver\u00f6ffentlichung, ohne R\u00fccksicht darauf, dass sie vielleicht lediglich eine specielle Best\u00e4tigung allgemeiner Angaben anderer Experimentatoren ist \u2014 denn liier handelt sich\u2019s zun\u00e4chst eben um das Specielle.\nVon diesem Gesichtspunkte aus nehme ich keinen Abstand, meine beiden Beobachtungen hier mitzutheilen.\nBehufs der Demonstration der Man\u00e8ge-Bewegungen in meinem im verflossenen Wintersemester abgehaltenen Experimental-Cursus operirte ich 22. Februar an zwei Kaninchen in folgender Weise.\nBei beiden Thicren spaltete ich zun\u00e4chst die Kopfhaut der L\u00e4nge nach, um die Sch\u00e4deldecke mit ihren F\u00e4llten blosszulegen. welche die Orientirung \u00fcber den Ort und die Richtung des Einstiches wesentlich erleichtern : dann durchbohrte ich mit einer kurzen, starken Stahlspitze den vorderen oberen Winkel des rechten Scheitelbeines an einem Punkte, welcher von der Pfeil- und Kranznaht etwa gleich weit 2\u20144 mm; entfernt war: und endlich senkte ich eine sehr feine scharfe Staarnadel, deren schneidende R\u00e4nder nach rechts und links gerichtet waren, durch die nur unbedeutend blutende Knochenwunde tiet ins Gehirn ein. um jene Theile zu treffen, nach deren Verletzung die Manege-Bewegungen auftreten. Bei Kaninchen Fo. 1, welches ein junges kleines Thier wav, gab ich der stechenden Fadel eine etwas nach vorn und aussen geneigte Richtung und zog sie sofort, nachdem sie die Basis des Gehirns erreicht haben musste, wieder in derselben Richtung heraus: w\u00e4hrend ich die Fadel bei Kaninchen Fo. 2. einem grossen alten Thier\u00ab, in schr\u00e4ger Richtung nach hinten und innen bis auf die Sch\u00e4delbasis einstach, und. nachdem ich ihre Ber\u00fchrung mit dem Sch\u00e4delknochen deutlich wahrgenommen hatte, leise hebelartig nach rechts und links bewegte, um das untere Ende des Sticheanals","page":770},{"file":"p0771.txt","language":"de","ocr_de":"Zwei Beobachtungen \u00fcber die sogenannten Man\u00e9ge-Bewegungen etc. 771\nvermittelst der schneidenden Seitenr\u00e4nder der Nadelspitze zu einer kleinen, quergerichteten Spalte zu erweitern.\nKaninchen No. 1 befand sich unmittelbar nach dem Stiche anscheinend vollkommen wohl und blieb ruhig sitzen, wie wenn ihm gar nichts geschehen w\u00e4re. Als es jedoch aufgescheucht wurde und sich fortbewegen wollte. da konnte es nicht mehr die gerade Richtung einkalten, sondern lief ifnah\u00e4n der lieh in kreisf\u00f6rmiger Bahn nach rechts \u2014 zeigte also Manege-Bewegung nach der verletzten Seite, wie es Magendie immer gesehen hatte. Die beschriebenen Kreise mochten einen Durchmesser von D/2 bis 2 Fuss haben.\nDen folgenden und den dritten Tag nach der Operation blieb die Manege-Bewegung unver\u00e4ndert, nur wurde der Durchmesser der Kreisbahnen etwas gr\u00f6sser.\nAn den folgenden Tagen verschwand der Zwang, im Kreise nach rechts zu laufen \u2014 oder, wenn man lieber will, das Unverm\u00f6gen, geradeaus oder nach links sich fortzubewegen, bis auf eine Neigung oder Vorliebe zur Fortbewegung nach rechts immer mehr und mehr, und schon am 2S. Februar, d. i. am sechsten Tage nach der Operation, war jede Spur einer Motilit\u00e4tsst\u00f6rung so vollkommen verschwunden, dass ich das Thier zu anderen Versuchen verwenden'konnte, und endlich in den ersten M\u00e4rztagen mit Strychnin vergiftete. um das Gehirn herauszunehmen und zu untersuchen.\nDie am 5. M\u00e4rz vorgenommene Zergliederung des in Spiritus erh\u00e4rteten Gehirns, dessen Hemisph\u00e4ren vom hinteren oberen Rande bis zur vorderen Spitze 23,6 mm maassen, ergab, dass die Verletzung durch den Stich nur das Dach des rechten Seitenventrikels und die Substanz zwischen dem Seh- und Streifenh\u00fcgel betroffen hatte.\nDer Anfang des Stichcanals fand sich in Form eines kleinen Gr\u00fcbchens an der Oberfl\u00e4che der rechten Hemisph\u00e4re 13 mm von dem hinteren Rande derselben, und 2,3 mm nach rechts von der Medianlinie des Sch\u00e4dels. Auf der Innenfl\u00e4che des Daches des Ventrikels entsprach diesem Gr\u00fcbchen eine feine spaltf\u00f6rmige Oe timing. Im Ventrikel selbst war kein Gebilde verletzt ; erst unten in der Furche oder Einschn\u00fcrung, welche den Seh- und Streifenh\u00fcgel trennt, fand sich die Fortsetzung des Stichcanals : die Oeffnung desselben lag am inneren Ende der besagten Furche V2 mm nach rechts von der Mittellinie und etwas n\u00e4her gegen den Streifenh\u00fcgel als gegen den Sehh\u00fcgel. vgl. Fig. I. .1.\nDie End\u00f6ffnung des Stichcanals an der unteren Fl\u00e4che des Gehirns war von dem Rande des mittleren Hirnlappens bedeckt, und zeigte\n49*","page":771},{"file":"p0772.txt","language":"de","ocr_de":"772 Zwei Beobachtungen Uber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen etc.\nsich nach dessen Entfernung unmittelbar vor dem rechten Tractus .V. optici. 4 mm nach aussen von der Medianlinie, vgl. Fig. I, B.\nDie wesentliche Verletzung betraf also die Grenze zwischen Seh- und Streifenh\u00fcgel und bedingte Drehung nach der verletzten Seite.\nDieser Befund kann mit Schiff\u2019s Angabe, dass die Verletzung der vorderen Theile des Sehh\u00fcgels Man\u00e8ge-Bewegung nach der verletzten Seite hin veranlasst, als in vollst\u00e4ndiger Ueber-einstimmung stehend betrachtet werden, denn im vorliegenden Falle wird man wohl zugeben, dass die mechanische Ausbreitung des Eingriffes unzweifelhaft die vordersten Theile des Sehh\u00fcgels betroffen hat, wenn man die unmittelbar verletzte Substanz der Einschn\u00fcrung zwischen Seh-und Streifenh\u00fcgel nicht als noch zu ersterem geh\u00f6rig an-sehen will. Eine weitere Uebereinstimmung der mitgetheilten Beobachtung mit Schiff\u2019s Angaben liegt noch darin. dass die Man\u00e8ge-Bewegung nur wenige Tage anhielt, weil die Verletzung eine sehr beschr\u00e4nkte war, oder vielleicht nur durch die mechanische Ausbreitung des Eingriffes wirksam wurde, vgl. Schiff a. a. O. S. 343).\nKaninchen Nr. 2 verfiel unmittelbar nach dem Einstich ins Gehirn in Rollbewegungen um seine L\u00e4ngsaxe, wie wenn die Br\u00fccke oder der Kleinhirnstiel verletzt worden w\u00e4re. Die Rollbewegungen waren so heftig und andauernd, dass das Thier mehr als i >/\"2 Klafter auf dem Fussboden fortkollerte, und vor einem Divan, der seiner progressiven Bewegung ein Ziel gesetzt hatte, noch l\u00e4ngere Zeit fortfuhr um seine L\u00e4ngsaxe sich zu drehen.\nIn der Meinung, dass die Operation missgl\u00fcckt sei, \u00fcberliess ich das Thier seinem Schicksal. und schritt zu anderen Versuchen. Als ich aber nach Beendigung derselben \u2014 es mochte mittlerweile eine Stunde verflossen sein \u2014 wieder nach dem Thiere sah. fand ich dasselbe zu meiner angenehmen Ueberraschung augenscheinlich erholt, ruhig und aufrecht dasitzen, nur hielt es sich dabei nicht ganz gerade,\nA\tB\nFig. I. Skizze des Gehirns vom Kaninchen Nr. 1, um die Lage des Stichcanals zu zeigen. .1 Ansicht von oben. B Ansicht von unten, h linke Grosshirnhemisph\u00e4re. r Riechkolben, /. Kleinhirn und Med. obl., st Streifenh\u00fcgpl s Sehh\u00fcgel, u Vierh\u00fcgel, ks Hirnschenkel, e Verletzung durch die Staarnadel.","page":772},{"file":"p0773.txt","language":"de","ocr_de":"Zwei Beobachtungen fiber die sogenannten Manege-Bewegungen etc. 773\nsondern war nach links zusammengekrtimmt, nnd der Kopf stand etwas verdreht auf dem nach links gebogenen Halse, so dass die Schnauze nach hinten und etwas nach oben. der Scheitel nach vorn und etwas nach unten geneigt war.\nDie rechte Augenlidspalte war halb geschlossen, das rechte Auge selbst starr nach oben und hinten gedreht.\nAufgescheucht bewegte sich das Tier in einem \u00fcberaus engen Kreise nach links, so dass es sofort wieder auf den Ausgangspunkt zur\u00fcckkam und die enge Kreisbahn, deren halbe L\u00e4nge das nach links zusammengebogene Thier ganz einnahm, gar nicht verlassen konnte.\nDie Man\u00e8ge-Bewegung erfolgte also in diesem Falle nach der unverletzten Seite hin.\nAm folgenden und an den n\u00e4chsten Tagen verschwand die verdrehte Stellung des Kopfes und die nach links gekr\u00fcmmte Haltung des Thieres immer mehr und mehr, und bald endlich so vollst\u00e4ndig, dass in dieser Beziehung zwischen dem sich selbst \u00fcberlassenen ruhig dasitzenden operirten Thiere und einem gesunden Kaninchen kein Unterschied zu bemerken war : trotzdem aber h\u00f6rte die Unm\u00f6glichkeit, anders als in Kreisbahnennac blinks sich fortzubewegen, nicht auf, nur vergr\u00f6sserte sich allm\u00e4hlich der Durchmesser der beschriebenen Kreise .\nDie Sensibilit\u00e4t war auf der Seite der Verletzung, also auf der rechten Seite. namentlich am Kopfe, entschieden gr\u00f6sser als auf der linken.\nDie starre Verdrehung des rechten Auges hinter der halbgeschlossenen Lidspalte blieb ganz unver\u00e4ndert.\n8\u201410 Tage nach der Operation konnte das Thier den Kopf aus freiem Antrieb nach rechts beugen, mit beiden Vorderpfoten in gleicher Weise die Nase putzen, wenn dieselbe mit Essigs\u00e4ure betupft worden war. ja sogar den ganzen K\u00f6rper so weit nach rechts zusammenbiegen. dass es sich mit der rechten Hinterpfote am Kopfe kratzen konnte: \u2014 nichts destoweniger lief es. aufgescheucht, unab\u00e4nderlich in Kreisbahnen nach links: ja versuchte man das Thier aus einem Winkel des Zimmers herauszujagen, in den es so hineingesetzt worden war. dass seine linke K\u00f6rperseite knapp an der Wand stand, w\u00e4hrend der Kopf nach dem Winkel sah, so lief das Thier niemals von der offenen rechten Seite hinaus, sondern stets auf der linken, indem es den Kopf so lange zwischen die Wand und seine linke Seite hineinbohrte, bis es sich von der Wand losgearbeitet und nach links umgedreht hatte ! Dieser Versuch wurde fast t\u00e4glich mehre Male angestellt und gelang ausnahmslos. Noch am 7. M\u00e4rz ( 13 Tage nach der Operation wiederholte ich den Versuch mehrmals, und noch immer","page":773},{"file":"p0774.txt","language":"de","ocr_de":"774 Zwei Beobachtnngen \u00fcber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen etc.\nmit dem stets gleichen auffallenden Erfolg. Dies ist desshalb bemerkens-werth, weil sich das Thier an diesem Tage bereits ziemliche Strecken geradeaus nach vorn, ja einigemale sogar nach rechts fortbewegt hatte, die absolute Unm\u00f6glichkeit, anders als in Kreisbahnen nach links sich fortzubewegen, also schon verschwunden war. Nachdem ich mich \u00fcberzeugt hatte, dass die Erh\u00f6hung der Sensibilit\u00e4t auf der verletzten) rechten Seite, besonders am Kopfe, fortdauerte, t\u00f6dtete ich das Thier an diesem Tage mit Strychnin, um das Gehirn herauszunehmen und untersuchen zu k\u00f6nnen.\nDie am 8. M\u00e4rz vorgenommene anatomische Untersuchung des in Spiritus erh\u00e4rteten Gehirns, dessen Hemisph\u00e4ren von hinten nach vorn 26 mm maassen, ergab, dass die Verletzung rechterseits das Dach des Seitenventrikels, den Sehh\u00fcgel, den Hirnschenkel, das Tuber cinereum und den N. oculomotorius betroffen hatte, indem der Stich in der Richtung von oben, vorn und rechts, nach unten, hinten und links gegangen war.\nDer Anfang des Stichcanals fand sich in Form eines rundlichen Loches mit eingerissenen R\u00e4ndern an der Oberfl\u00e4che der rechten Hemisph\u00e4re 11,6 mm von dem hinteren Rande derselben, und 4 mm nach aussen von der Medianebene. Die Fortsetzung des Stichcanals traf den Sehh\u00fcgel, die spaltf\u00f6rmige Oeffnung lag 2,3 mm nach rechts von der Median-ebene und etwas n\u00e4her gegen den Rand der Furche zwischen Seh- und Streifen-h\u00fcgel, als gegen den vorderen Contour der Vierh\u00fcgel, vgl. Fig. II, A. Das Ende des Stichcanals. eine quere Spalte von 2,7 mm Ausdehnung, befand sich auf der Basis des Gehirns rechts unmittelbar neben der Medianlinie und 2,5 mm von dem vorderen Rande des Pons, so dass die rechte H\u00e4lfte des Tuber cinereum und die angrenzende Parthie des Hirnsclien-kels durchtrennt waren. Nach vorn, knapp neben dem \u00e4usseren Ende der Stichspalte, war noch eine kleine Verletzung im Hirnschenkel vorhanden. vgl. Fig. II, II. was sich durch die Hebelbewegungen erkl\u00e4rt, welche bei der Operation mit der Staarnadel ausgef\u00fchrt worden waren, um das Ende des Stichcanals zu erweitern.\nB\t.1\nFig. II. Skizze des Gehirns vom Kaninchen Nr. 2. Buchstabenerkl\u00e4rung wie oben bei Fig. 1.","page":774},{"file":"p0775.txt","language":"de","ocr_de":"Zwei Beobachtungen \u00fcber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen etc. 775\nDer rechte N. oculomotorins, welcher, wie man sieht, unmittelbar unter dem Ende des Stichcanals verl\u00e4uft, war fast vollst\u00e4ndig durchschnitten \u2014 daher die im Lehen beobachtete permanente starre Verdrehung des Auges hinter der halbgeschlossenen Lidspalte.\nAm Pons oder am Kleinhirnstiel fand sich keinerlei Verletzung, auch von Blutextravasaten in diesen Gegenden konnte ich nichts entdecken. Ich f\u00fchre diesen negativen Befund ausdr\u00fccklich an, weil das Thier unmittelbar nach dem Stich zuerst die vehementen, aber bald vor\u00fcbergehenden Rollbewegungen, und dann erst die bis in die zweite Woche anhaltenden Manege-Bewegungen gezeigt hatte. Man hat es hier offenbar mit einer mechanischen Verbreitung und Reizwirkung des Eingriffes im Momente des Einstiches und kurze Zeit darnach zu thun, denn eine und dieselbe Verletzung kann \u2014 insofern sie nur gewisse Elemente zerst\u00f6rt und functionsunf\u00e4hig macht \u2014 doch wohl auch nur eine und dieselbe Art von Zwangsbewegung bedingen.\nHinsichtlich der Abh\u00e4ngigkeit der Richtung der Man\u00e8ge-Bewegung von dem Orte der Verletzung ergiebt sich, dass im vorliegenden Falle die Drehung nach der unverletzten Seite bedingt war durch eine Verletzung im Gebiete des Hirnschenkels.\nIn Erw\u00e4gung des MAGExniE\u2019schen Satzes : \u00bbWenn entgegengesetzt wirkende Theile der Bewegungscentra verletzt sind, so ist immer die Wirkung desjenigen Schnittes vorwaltend, der dem verl\u00e4ngerten Marke n\u00e4her liegt\u00ab \u2014 wird unser Fall als nicht im Widerspruch stehend mit der Angabe Schiff\u2019s zu betrachten sein, nach welcher die Drehung nur dann nach der unverletzten Seite stattfinden soll, wenn die Verletzung in das Gebiet des Hirnschenkels oder des hinteren Drittels des Sehh\u00fcgels f\u00e4llt. Der Einstich in den Sehh\u00fcgel liegt in unserem Falle etwa an der Grenze des vorderen und mittleren Drittels, dagegen aber das Ende des schr\u00e4gen Stichcanals im Hirnschenkel bedeutend weiter nach hinten gegen den Pons.\nJena, im M\u00e4rz 1866.","page":775}],"identifier":"lit16204","issued":"1879","language":"de","pages":"769-775","startpages":"769","title":"Zwei Beobachtungen \u00fcber die sogenannten Man\u00e8ge-Bewegungen in Folge von einseitiger Verletzung gewisser Hirntheile","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:47:55.867734+00:00"}

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