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{"created":"2022-01-31T15:47:08.665917+00:00","id":"lit16205","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 776-778. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0776.txt","language":"de","ocr_de":"LIX.\nNotiz \u00fcber eine neue Folgeerscheinung nach Durchschneidung der Semicircularcan\u00e4le bei V\u00f6geln (Tauben).\n[Jenaische Zeitschrift I8GH.]\nDie Angaben Flourens\u2019 V \u00fcber die wunderbaren St\u00f6rungen in der motorischen Sph\u00e4re, welche infolge dieses Eingriffes eintreten. habe ich im Jahre I860 auf Grundlage eigener Versuche im Allgemeinen best\u00e4tigt und, ich darf wohl sagen, der unverdienten Vergessenheit entrissen (s. Compt. rendus, 1860, II, p. 821 und Nr. XLVI.) Damals entging mir alter eine auch von Flourexs \u00fcbersehene Erscheinung, welche mir bei einer neuerdings vorgenommenen Versuchsreihe so h\u00e4ufig vorkam, dass ich sie nicht f\u00fcr zuf\u00e4llig halten kann und daher im Folgenden mittheilen will.\nIch verfuhr bei den stets symmetrisch auf beiden Seiten vorgenom-menen Durchsclmeidungen der Semicircularcan\u00e4le auf verschiedene Weise : entweder ich er\u00fcffnete den sorgf\u00e4ltig blossgelegten kn\u00f6chernen Canal und schnitt den aus der ge\u00f6ffneten Stelle hervorgehobenen h\u00e4utigen Canal an einem oder zwei Punkten f\u00fcr sich allein quer durch, was ohne alle Blutung gelang, oder ich durchschnitt den kn\u00f6chernen Canal nebst dem in ihm enthaltenen h\u00e4utigen Canal in to to, und zwar entweder mit oder ohne Schonung der starken, von besonderen kn\u00f6chernen R\u00f6hren umh\u00fcllten Blutgef\u00e4sse , welche die Semicircularcan\u00e4le begleiten ; in letzterem Falle nat\u00fcrlich nicht ohne mehr oder weniger bedeutende Blutung.\nIm Ganzen verwendete ich 9 junge Tauben zu diesen Versuchen.\nDie Imkannten, auf beiderseitige Durchschneidung der verschiedenen Semicircularcan\u00e4le erfolgenden verschiedenen St\u00f6rungen\n1 8. dessen Rech, exp\u00e9r. s. les prop, et les fonc. du Syst. nerveux. Paris 1S42. Chap. XXVIII. p. 454.","page":776},{"file":"p0777.txt","language":"de","ocr_de":"Notiz \u00fcber eine neue Folgeerscheinung nach Durchschneidung etc. 777\n(wie das Nicken mit dem Kopfe in verticaler oder iu horizontaler Richtung, der momentane, wie durch einen pl\u00f6tzlichen Stoss hervorgebrachte Verlust des Gleichgewichtes, das Stolpern und Fallen nach hinten auf den Schwanz oder nach vorn auf die Brust, die Unf\u00e4higkeit, ein aufzupickendes K\u00f6rnchen sicher zu treffen, endlich die den sogenannten Zwangsbewegungen analogen Drehungen im Kreise nach rechts und links, die progressiven Rollbewegungen (\u00bbculbute en arri\u00e8re\u00ab oder \u00bbculbute en avant\u00ab etc. . habe ich zwar alle wiedergesehen \u2014 aber, wie ich schon im Jahre 1860 im Gegens\u00e4tze zu Floukens, welcher die Erfolge unmittelbar nach der Operation viel zu gleichm\u00e4ssig und constant darstellt, andeutete und jetzt noch ausdr\u00fccklicher betonen muss \u2014 in sehr verschiedenem Grade der Entwicklung.\nAuf das Detail dieser paradoxen Erscheinungen n\u00e4her einzugehen will ich mir jedoch f\u00fcr eine sp\u00e4tere Gelegenheit Vorbehalten, hier beabsichtige ich nur mitzutheilen. dass ich, als eine bisher wie es scheint, noch nicht beobachtete Wirkung der Durchschneidung der Semicircularcan\u00e4le, im Laufe der ersten halben Stunde nach der Operation heftiges und meist wiederholtes Erbrechen eintreten sah. durch welches die Contenta des Kropfes gew\u00f6hnlich mit ganz ausserordentlicher Vehemenz hervorgeschleudert wurden, w\u00e4hrend das Thier. mit dem weitge\u00f6ffneten Schnabel auf den Boden hockend, am ganzen K\u00f6rper convulsivisch erbebte.\nDieses Erbrechen, welches ich in f\u00fcnf von den neun F\u00e4llen beobachtet habe, muss, wie ich glaube, als eine eben so directe Folge der Verletzung der Semicircularcan\u00e4le betrachtet werden, wie die St\u00f6rungen in der locomotorisehen Sph\u00e4re selbst, und ist durchaus nicht etwa als ein blosses Nebensymptom oder eine Folgeerscheinung des Schwindels anzusehen, von welchem die Tliiere w\u00e4hrend des Be-wegungsparoxysmus ergriffen zu sein scheinen.\nDies geht schon daraus hervor, dass gerade die Mehrzahl unter jenen 5 Tauben, welche sich erbrochen hatten, weder unmittelbar nach der Operation noch \u00fcberhaupt vor dem Eintritt der Vomituritionen mehr als leise Spuren von Motilit\u00e4tsst\u00f6rungen und Schwindel gehabt hatten, w\u00e4hrend unter den 4 Tauben, welche sich nicht erbrochen hatten, mehrere gleich nach der Operation von augenscheinlichen Schwindelanf\u00e4llen und heftigeren Bewegungsparoxysmen ergriffen gewesen waren.\nDamit stimmt auch \u00fcberein, dass nur bei einer einzigen von den 5 Tauben an dem der Operation folgenden Tage nach lebhafteren Bewegungen, zu welchen sie veranlasst worden war, neuerdings Erbrechen eintrat: bei allen \u00fcbrigen Tauben aber, mochten sie nun zu","page":777},{"file":"p0778.txt","language":"de","ocr_de":"77S Notiz \u00fcber eine neue Folgeerscheinung nach Durchschneidung etc.\njenen geh\u00f6ren, die sieh bald nach der Operation \u00fcbergehen hatten, oder zn den anderen, an den sp\u00e4teren Tagen, trotz der vehementesten Sehwindelanf\u00e4lle und Bewegungen, niemals wieder ein Vomitus beobachtet wurde.\nVon welchen Umst\u00e4nden das Eintreten oder Ausbleiben des Erbrechens infolge der Durchschneidung eines Paares der Semicircularcan\u00e4le abli\u00e4ngen mag, ist eben so r\u00e4thselhaft als der Grad und das Erscheinen oder Nichterscheinen der verschiedenen \u00fcbrigen St\u00f6rungen, welche diese Verletzungen unbegreiflicherweise zu bedingen im Stand sind. Nur das Eine will ich schliesslich noch bemerken, dass sowohl unter den 5 Tauben, welche gebrochen hatten, als unter den 1 Tauben, die es nicht gethan hatten, Verletzungen an jedem der 3 Paare der Semicircularcan\u00e4le und alle 3 Operationsweisen repr\u00e4sentirt waren, dass aber die auf die weniger sorgf\u00e4ltige Weise und unter Blutung Operirten unter den letzteren die Majorit\u00e4t bildeten.\nJena, im M\u00e4rz 1860.","page":778}],"identifier":"lit16205","issued":"1879","language":"de","pages":"776-778","startpages":"776","title":"Notiz \u00fcber eine neue Folgeerscheinung nach Durchschneidung der Semicircularcan\u00e4le bei V\u00f6geln (Tauben)","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:47:08.665923+00:00"}
