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{"created":"2022-01-31T15:44:05.122652+00:00","id":"lit16206","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 779-787. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0779.txt","language":"de","ocr_de":"LX.\nlieber mechanische Reizung des Nervus vagus beim\nMenschen.\n[Prager Vierteljahrsschri/t 1SCS.]\nDie beiden fr\u00fcheren Aufs\u00e4tze \u00fcber denselben Gegenstand, auf welche sieh Czermak im Folgenden bezieht, sind hier nicht abgedruckt, weil die vorliegende Abhandlung den Inhalt derselben vollst\u00e4ndig resumirt .\nAnm. d. Herausg.\nSchon vor 3 Jahren habe ich die Mittheilung gemacht, 1 dass es mir gelingt durch einen massigen, pl\u00f6tzlichen Fingerdruck auf eine bestimmte Stelle der rechten Seite meines Halses den N. vagus mechanisch zu reizen und nebst anderen Erscheinungen auch die unverkennbaren Wirkungen der Vagusreizung auf das Herz an mir selbst hervorzurufen, w\u00e4hrend der Druck auf jene Stelle des Halses bei allen anderen Menschen, welche ich bisher zu untersuchen Gelegenheit hatte, ebenso wirkungslos bleibt, wie bei mir selbst auf der linken Seite meines Halses.\nIch bemerkte, dass zum Gelingen dieses Druckversuches wohl besondere, nicht ganz normale Verh\u00e4ltnisse der Einlagerung und Fixirung des Vagus zwischen den Nachbargebilden erforderlich sein d\u00fcrften, in Folge deren er sich der mechanischen Heizung durch Druck oder Zerrung nicht entziehen k\u00f6nne, wie dies bei ganz normaler Beschaffenheit und Verschiebbarkeit der Theile immer zu geschehen scheint. Endlich habe ich a. a. 0. nicht unterlassen hervorzuheben, dass in der That in der Gegend auf der rechten Seite meines Halses. wo ich den Druck aus\u00fcben muss, um die Wirkungen der Vagusreizung an mir hervorzurufen, eine rundliche, pulsirende Anschwellung zu f\u00fchlen ist. deren Vorhandensein, in unver\u00e4nderter Gr\u00f6sse und Beschaffenheit, mir schon seit dem Jahre 1S47 bekannt ist; w\u00e4hrend 1 Jenaisehe Zeitschrift f. Med. u. Naturw. Bd. II. S. 3SI ti. Bd. III. S. -1.55,","page":779},{"file":"p0780.txt","language":"de","ocr_de":"780 Ueber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\nlinkerseits Alles v\u00f6llig normal erscheint. Die Natur jener pulsiren-den Anschwellung war und ist mir dunkel, doch m\u00f6chte ich dieselbe am ehesten f\u00fcr eine locale Verdickung oder Erweiterung der Art. carotis halten, an welche oder in deren Umgehung der N. vagus durch reichlicheres und strafferes Bindegewebe angel\u00f6thet und fixirt ist.\nIch komme hier auf den ganzen Gegenstand nochmals zur\u00fcck, theils um meine fr\u00fcheren Angaben auf Grundlage fortgesetzter Beobachtungen zu vervollst\u00e4ndigen, theils aber um die Aufmerksamkeit eines gr\u00f6sseren Leserkreises, als ihn unsere \u00bbJenaisclie Zeitschrift \u00ab besitzt, auf meinen Druckversuch zu lenken und hierdurch Andere zu \u00e4hnlichen Beobachtungen zu veranlassen. Vielleicht finden sich hei sorgf\u00e4ltigerem Suchen h\u00e4ufiger F\u00e4lle, an denen sich die von mir bewiesene Thatsache der M\u00f6glichkeit einer k\u00fcnstlichen mechanischen Vagusreizung heim Menschen best\u00e4tigen l\u00e4sst.\nIch gehe nun zur Beschreibung meines Experimentes und der verschiedenen dabei zu beobachtenden Erscheinungen \u00fcber A. B. C. .\nA. Suche ich auf der rechten Seite meines Halses die Carotis auf, wo sie unter dem oberen Bande des M. sternocleidomustokleus hervortritt und wo. wie gesagt, eine stark pulsirende Anschwellung zu f\u00fchlen ist und \u00fcbe ich auf die Carotis selbst oder auf die Theile, welche sie nach hinten und aussen umgeben, einen m\u00e4ssig starken, pl\u00f6tzlichen Druck mit dem Finger aus, so 1)leibt das Herz in Diastole stehen und schl\u00e4gt von da ab \u2014 gleiehgiltig ob der Druck alsbald aufgehoben wird oder nicht \u2014 meist kr\u00e4ftiger, aber stets mit bedeutend verminderter. Schlag f\u00fcr Schlag zunehmender Frequenz fort. Der Versuch kann nach kurzer Buhe mit dem gleichen Erfolge immer wieder von Neuem angestellt werden.\nDiese 'auffallenden Ver\u00e4nderungen des Pulsschlages nehme icli wegen der N\u00e4he der Carotis nat\u00fcrlich schon durch den dr\u00fcckenden Finger selbst, ohne Weiteres wahr. Andere k\u00f6nnen dieselben con-statiren, wenn sie mir gleichzeitig den Puls f\u00fchlen oder mein Herz auscultiren.\nUm aber einer gr\u00f6sseren Versammlung das \u00fcberraschende Experiment zu zeigen, pflege ich den MAUEY schen Sphygmographen anzuwenden oder falls ein solcher nicht zur Hand sein sollte ein leichtes Holzst\u00e4bchen, etwa einen Zahnstocher oder ein platt zugeschnittenes Z\u00fcndh\u00f6lzchen, in der Art auf eine ganz oberfl\u00e4chliche, abnorm stark entwickelte Arterie des Daumenballens meiner rechten Hand zu legen, dass dasselbe. Allen sichtbar, durch die Pulsationen hebelf\u00f6rmig auf und all bewegt wird.\nDie Ben\u00fctzung des Sphygmographen bietet \u00fcbrigens noch den","page":780},{"file":"p0781.txt","language":"de","ocr_de":"Heber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\nTS I\nVortheil. (hiss sich graphisch tixirte Pulscurven gewinnen hissen, welche besonders dann zur genaueren Feststellung der Ver\u00e4nderungen des Herzschlags dienen k\u00f6nnen, wenn an ihnen der Beginn des pl\u00f6tzlich ausge\u00fcbten Druckes durch ein Zeichen markirt worden ist.\nDies geschah einfach in der Weise, dass ich mir genau merkte, heim wievielten Herzschlage, vom Beginn des Sphygmographirens an gerechnet, ich den Druck am Halse aus\u00fcbte, und dann gleich nach Vollendung der Zeichnung den betreffenden Pulsschlag mit einem Sternchen bezeiclinete.\nDie folgenden Holzschnitte geben genaue Copien solcher Puls-eurven, welche ich vermittelst des an meiner linken Art. radialis angebrachten Sphygmographen w\u00e4hrend der Anstellung des beschriebenen Druckversuchs erhalten und aus einer grossen Anzahl ausgew\u00e4hlt habe. Das Sternchen an jeder der Curven bezeichnet, wie gesagt, den Moment, in welchem der schon vorher an die gewisse Stelle des Halses angelegte Finger pl\u00f6tzlich niedergedr\u00fcckt wurde.\nDie 10 ausgew\u00e4hlten Beispiele d\u00fcrften vollkommen gen\u00fcgen, alle die Ver\u00e4nderungen der Herzth\u00e4tigkeit im Detail zu illustriren. welche in Folge des mit dem Beginne oder mit der Mitte einer Diastole zeitlich zusammenfallenden Druckes beobachtet wurden.\nI. Diese wesentlichen und durchaus constanten Ver\u00e4nderungen sind :\n1 dass das Herz niemals sogleich nach Aus\u00fcbung des Druckes stille steht. sondern dass immer noch mindestens e i n Pulsschlag zu Stande kommt, bevor der l\u00e4ngste Stillstand des Herzens in Diastole eintritt :\nFi-. I.","page":781},{"file":"p0782.txt","language":"de","ocr_de":"/ S>2\tUeher mechanische Reizung des Nervus vagus heim Menschen.\nFig, 2.\nKig. 4.\n2\tdass von da ab die Pulsationen mit bedeutend verminderter, Schlag f\u00fcr Schlag aber wieder zunehmender Frequenz erfolgen, trotzdem dass der Druck zuweilen nicht sogleich nach eingetretenem Herzstillstand aufgehoben, sondern noch einige Zeit hindurch fortgesetzt wurde : und\n3\tdass die Ver\u00e4nderung der Schlagfolge von einem Absinken der Pulscurvc in toto begleitet ist. welches eine Verminderung der mittleren Blutspaimung anzeigt.\nII. Was die aus dem Vergleich, der einzelnen Curven untereinander sich ergehenden A b w e i c h ungen betrifft, so sind dieselben","page":782},{"file":"p0783.txt","language":"de","ocr_de":"lieber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\n783\ntlieils zuf\u00e4llige Unregelm\u00e4ssigkeiten, wie sie beim Sphygmogra-phiren fortw\u00e4hrend Vorkommen, tlieils g e s e Fz m \u00e4 s s i g e Verschiedenheiten. welche durch wirkliche Unterschiede in der Auslibung des Druckes hinsichtlich seiner Pl\u00f6tzlichkeit, seiner St\u00e4rke, seiner Richtung und seines j mechanischen Wirkungskreises oder Umfanges bedingt werden.\nAls derartige Abweichungen sind zu betrachten :\n1.\twenn z. B. nach dem Beginne des Druckes statt einer einzigen noch 2 oder 3 Pulsationen v o r dem definitiven l\u00e4ngsten Herzstillstand zu Stande kommen (vgl. Fig. 4) \u2014 (was, wie ich mich \u00fcberzeugte. von einer geringeren Pl\u00f6tzlichkeit und St\u00e4rke in der Aus\u00fcbung und Wirkung des Druckes abh\u00e4ngt :\n2.\twenn die Diastole, w\u00e4hrend welcher der Druck einzuwirken beginnt, schon eine geringe Verl\u00e4ngerung Fig. 1 oder Verk\u00fcrzung (Fig. 2) erfahrt , statt wie in Fig. 3 vollst\u00e4ndig unver\u00e4ndert und unbeeinflusst zu bleiben, welcher letztere Fall offenbar das reine, durch unberechenbare Z u f \u00e4 11 i g k e i t c n uuverdeckte Vcrsuchsresultat darstellt : und endlich\n3.\twenn in jenen F\u00e4llen, wo zwischen dem Beginne des Druckes und dem Eintritt der l\u00e4ngsten Diastole immer nur noch ein Pulsschlag zu Stande kommt, dieser letzte Pulsschlag meist etwas gr\u00f6sser ausf\u00e4llt als die vorhergehenden, was sich ungezwungen aus einer st\u00e4rkeren Compression der Carotis iu Folge der zuf\u00e4lligen Richtung des Druckes erkl\u00e4ren d\u00fcrfte.\nWer erkennt liier nicht. trotz aller Abweichungen in j e der ein -zeinen Curve, die charakteristischen Wirkungen1 einer Vagusreizung\n1 Bekanntlich ist es Pfl\u00fcgers Verdienst, genauer die Art der allerersten Ver\u00e4nderungen des Pulsscldags studirt zu haben, wie sie bei Thieren nach der bekannten Beizung der Vagi wahrzunehmen sind. Pfl\u00fcgers Curven. die er durch eine am Herzen selbst angebrachte Vorrichtung aufschreiben liess, ergaben das ausnahmslose Resultat, dass nach dem Augenblicke der Vagus-Beizung noch zwei Wellengipfel kommen, welche sich in Nichts von den vorhergehenden unterscheiden, bevor die erste Spur sichtbarer Wirkung der Vagusreizung eintritt, die in einer zeitlichen Verz\u00f6gerung des motorischen Effectes besteht. Diese Angabe ist jedoch nach meinen demn\u00e4chst zu ver\u00f6ffentlichenden Untersuchungen insofern falsch, als unter gewissen Bedingungen des Versuches immer nur noch ein einziger Wellengipfel nach dem Augenblick der Reizung kommt, bevor die erste unverkennbare und unzweifelhafte Wirkung der Vagus-Reizung eintritt, wie bei meinem Druckversuch. (Vgl. Fig. 2 und lies. Fig. .V","page":783},{"file":"p0784.txt","language":"de","ocr_de":"784\nUeber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\nBer\u00fccksichtigt man nun noch den Ort, w o, und die Art, w i e der Druck am Halse ausge\u00fcbt werden muss, um die angegebenen Pulsver\u00e4nderungen hervorzurufen, so wird man die feste Ueberzeugung gewinnen, dass es sich in meinem Druckversuche um eine k\u00fcnstliche, mechanische und locale Reizung des N. vagus handelt und dass mit diesem Versuch der Beweis f\u00fcr die factische M\u00f6glichkeit einer solchen unter gewissen, allerdings nicht ganz nor-malenVerh\u00e4ltnissen geliefert ist.\nEs hat zwar Eckhard geglaubt, sich gegen die Beweiskraft meines Druckversuchs aussprechen zu m\u00fcssen, indem er sagt Experimentalphysiologie des Nervensystems. Giessen 1867. 2. Autl. S. 195):\n\u00bbAuch am lebenden Menschen ist nach Czermak durch Druck auf den Vagus am Halse Verlangsamung des Herzschlages zu erreichen, doch ist der Versuch wegen der dabei ohne Zweifel stattfindenden Ver\u00e4nderungen des Blutlaufes in den Gefiissen, namentlich in den Venen zum Herzen hin und des m\u00f6glicherweise hierdurch ge\u00e4nderten Herzschlages, nicht \u00fcberzeugend genug.\u00ab\nAllein zur Beseitigung der EcKHARD\u2019schen Bedenken d\u00fcrften wohl die folgenden Bemerkungen hinreichen.\nZun\u00e4chst handelt es sich in meinem Druckversuche nicht blos um eine beliebige \u00bbVerlangsamung des Herzschlages\u00ab, sondern um den ganzen Complex der unverkennbaren, charakteristischen Wirkungen der Vagusreizung, und es ist gar keine Thatsache bekannt, welche uns berechtigen w\u00fcrde anzunehmen, dass beschr\u00e4nkte Hemmungen des Kreislaufs in den Gef\u00e4ssen einer Halsesh\u00e4lfte \u00fcberhaupt im Stande sind, die Herzschl\u00e4ge in genau derselben Weise wie in meinem Versuche zu ver\u00e4ndern. Sodann gelingt mein Versuch schon bei einem so massigen und auf die gewisse Stelle am Plaise so beschr\u00e4nkten Eingerspitzendruck, dass die Ver\u00e4nderungen des Blutlaufs, welche selbstverst\u00e4ndlich niemals ganz ausbleiben k\u00f6nnen, unter diesen Umst\u00e4nden gewiss nicht erheblich genug sind, um irgendwelche sichtbaren Wirkungen hervorzubringen. Endlich tritt im Gegens\u00e4tze hierzu trotz der bedeutendsten Circulations St\u00f6rungen durch eine wie immer angebrachte (.'(impression der Gef\u00e4sse an den verschiedensten Stellen des Halses keine Spur der gew\u00f6hnlichen Pulsver\u00e4nderungen auf, wenn nicht auch j e n e A n s c h w e 11 u n g m i t g e d r \u00fc c k t w i r d, welche auf der rechten Seite meines Halses zu f\u00fchlen ist, wo die Carotis unter dem oberen Rande des M. sternocleidomastoideus hervortritt und in deren unmittelbarer N\u00e4he der V. vagus liegen muss.\nW\u00e4ren Ver\u00e4nderungen des Blutlaufes in den arteriellen oder ven\u00f6sen Gef\u00e4ssen der wirkliche Grund der in meinem Versuche zu beobachtenden Vagusreizung, so m\u00fcssten sich diese Wirkungen einerseits a u c h durch","page":784},{"file":"p0785.txt","language":"de","ocr_de":"lieber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\n785\nden Druck auf die arteriellen und ven\u00f6sen Gef\u00e4ssst\u00e4mme des Halses hervorrufen lassen und nickt ausschliesslich durch den Druck auf jene Stelle, welche von der Vagushahn durchschnitten wird und durch eine etwas abnorme Beschaffenheit ausgezeichnet ist : andererseits aber gar nicht hervorrufen lassen, wenn der Fingerspitzendruck so massig und so sehr auf jene Stelle beschr\u00e4nkt aus-getibt wird, dass die Blutlaufst\u00f6rungen viel zu unbedeutend ausfallen, um irgend eine sichtbare Wirkung hervorbringen zu k\u00f6nnen. Ist es also schon von vornherein fraglich, ob beschr\u00e4nkte Hemmungen des Blutlaufs in den Gelassen einer Halsesh\u00e4lfte \u00fcberhaupt im Stande sind solche Ver\u00e4nderungen des Herzschlages zu veranlassen, wie die. welche in meinem Druckversuch jedesmal auftreten, so beweisen die mitgetheilten Thatsachen, dass sie in unserem speciellen Falle geradezu unm\u00f6glich der wahre und wirkliche Grund dieser Ver\u00e4nderungen sind und sein k\u00f6nnen. H\u00f6chstens wird man ihnen unter Umst\u00e4nden einen zuf\u00e4lligen und untergeordneten Einfluss auf das Detail der Pulscurvenformen zuschreiben d\u00fcrfen (vgl. oben sub II.\nAlles wohlerwogen, wird demnach kaum Jemand noch geneigt sein zuzugeben, dass mein Versuch als Beweis f\u00fcr die M\u00f6glichkeit einer mechanischen Vagusreizung beim lebenden Menschen nicht \u00fcberzeugend genug sein soll. Ich gestehe wenigstens, nicht ein-selien zu k\u00f6nnen, wie man vern\u00fcnftiger Weise an dem Zustandekommen einer d i recten mechanischen Vagusreizung zweifeln darf, wenn man die unverkennbare, charakteristische Wirkung der Vagusreizung auf den Herzschlag beim Druck auf eine Stelle des Halses, wo der Vagus bekanntermaassen wirklich verl\u00e4uft, jedesmal eintreten sieht, w\u00e4hrend alle anderen Erkl\u00e4rungsversuche dieser Druckwirkung thats\u00e4cklich v\u00f6llig unbegr\u00fcndet und unzurei-e h end erscheinen m\u00fcssen !\nB. Zugleich mit dem Eintritt der beschriebenen Hemmung des Herzschlages habe ich in Folge jenes Druckes am Halse eine im Thorax und zwar scheinbar im Hilus der Lunge localisirte, eigenthiimlicli beklemmende Empfindung, welche mir ein tieferes Aufathmen zum Bed\u00fcrfnils macht. Ja wenn ich die Athembewegungen nicht durch eine bewusste Anstrengung in unver\u00e4ndertem Gange fortsetze, so vertiefe ich unwillk\u00fcrlich die Einathmuiig oder halte wohl auch die Athembewegnng in inspiratione ganz an.\nAuch diese Erscheinungen lassen sich ungezwungen aus der durch die sttb A. besprochenen Ver\u00e4nderungen des Herzschlags sichergestellten mechanischen Heizung des V. vagus erkl\u00e4ren, und zwar aus\n50\nL'zerinak, Svliriflcn.","page":785},{"file":"p0786.txt","language":"de","ocr_de":"Ueber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen.\nTS 6\nder Reizung der in der Vagusbahn centrip eta1 verlaufenden Fasern der Empfindung und der Regulirung des Atlnnungscentrums. Die Reizung der ersteren w\u00fcrde die excentrische Beklemmungsempfin-dung, die Reizung der letzteren hingegen die unwillk\u00fcrliche Ver\u00e4nderung der Athembewegungen verursachen.\nDieser Erkl\u00e4rungsversuch erscheint mir nicht ganz unbegr\u00fcndet :\n1 weil, die erwiesene directe mechanische Reizung der een-trifugalen Herzhemmungsfasern im Vagus nat\u00fcrlich vorausgesetzt, nicht abzusehen ist, warum nicht auch zugleich die centripetalen Fa-sern im Vagus sollten mechanisch gereizt werden k\u00f6nnen ;\n2)\tweil der Vagus in der That Empfindungsfasern besitzt, und\n3)\tweil die Reizung des centralen Stumpfes des durchschnittenen Vagus bei Thieren bekanntlich sofort eine vertiefte Inspiration ausl\u00f6st und die Athembewegungen in inspiratione ganz zu hemmen im Stande ist.\nDoch will ich kein gr\u00f6sseres Gewicht auf diesen Erkl\u00e4rungsversuch legen, da die mehr subjectiven Erscheinungen selbst immer vieldeutiger Natur sind und \u00fcberhaupt nur der Vollst\u00e4ndigkeit wegen als zum Gesammtbilde meines Druckversuchs geh\u00f6rige Nebenz\u00fcge hier erw\u00e4hnt wurden.\nC. Aus demselben Grunde f\u00fchre ich schliesslich noch eine Reihe von subjectiven Erscheinungen auf, welche ich bei Aus\u00fcbung jenes Druckes am Halse \u2014 zumal wenn der Druck st\u00e4rker und l\u00e4nger ausge\u00fcbt wird\u2014 wahrnehme, die ich aber weniger mit bekannten Wirkungen der Vagusreizung, als mit den Folgen der Ver\u00e4nderung der Herzschl\u00e4ge und mit zuf\u00e4llig oder absichtlich erzeugten erheblicheren St\u00f6rungen des Blutlaufs in Zusammenhang bringen kann.\nUnter den angedeuteten Umst\u00e4nden f\u00fchle ich n\u00e4mlich bei Anstellung des Druckversuchs zuweilen eine |eigenth\u00fcmliehe Spannung in der rechten Gesichtsh\u00e4lfte, vor Allem im rechten Auge, welche dann von leichtem Funkensehen, schwachen Verdunkelungen des Sehfeldes und von leisen Anwandlungen von Schwindel und Ohnmacht begleitet wird. Dabei ist es jedoch auffallend, dass die Pupillenweite im Auge nichts destoweniger ganz unver\u00e4ndert bleibt, weil, wie Kuss-mai'I.'s sch\u00f6ne Versuche gelehrt haben, Ver\u00e4nderungen des Blutgehaltes der Augeugef\u00e4sse Schwankungen des Pupillendurckmessers bedingen. Dieser auff\u00e4llige Umstand k\u00f6nnte daf\u00fcr zu sprechen scheinen, dass nicht einmal in diesen F\u00e4llen die St\u00f6rungen des Blutlaufs erheblich genug austallen, um der alleinige und zureichende Grund der eben erw\u00e4hnten Erscheinungen zu sein. Doch dies lasse ich ebenfalls dahingestellt !","page":786},{"file":"p0787.txt","language":"de","ocr_de":"lieber mechanische Reizung' des Nervus vagus beim Menschen.\n787\nMir gen\u00fcgt es durch meine vorliegende Mittheilung mindestens die sul> A. beschriebenen Ver\u00e4nderungen des Herzschlags als unzweifelhafte Wirkung einer directen mechanischen Druckreizung des Vagus am Halse nach ge wiesen, und neuerdings die Aufmerksamkeit auf die genauere Beobachtung der mannigfaltigen Erscheinungen \u00fcberhaupt gelenkt zu haben, welche localer Druck auf nicht ganz normal beschaffene Stellen des Halses hervorzurufen im Stande ist.","page":787}],"identifier":"lit16206","issued":"1879","language":"de","pages":"779-787","startpages":"779","title":"Ueber mechanische Reizung des Nervus vagus beim Menschen","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T15:44:05.122657+00:00"}
