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{"created":"2022-01-31T14:18:25.258020+00:00","id":"lit16208","links":{},"metadata":{"alternative":"Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen","contributors":[{"name":"Czermak, Johann N.","role":"author"}],"detailsRefDisplay":"In: Gesammelte Schriften, Erster Band, II. Abtheilung, Wissenschaftliche Abhandlungen, 795-802. Leipzig: Wilhelm Engelmann","fulltext":[{"file":"p0795.txt","language":"de","ocr_de":"LXII.\nBeschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken.\n[Wiener akademische Sitsungsberic' te 186!).] Hierzu Tafel 26.:\nDie in dieser Abhandlung enthaltene Beschreibung des elektrischen Doppelhobels wurde ausgelassen im Hinblick auf die ausf\u00fchrliche Behandlung dieses Instrumentes in Nr. LXIV).\nAnm. d. Herausg.\nI. Der Kaninchenkopfhalter.\nDiese praktische, bei allen Viviseetionen an Kaninchen zur Fixi-rung des Kopfes der Tliiere brauchbare Vorrichtung hat zwar durch das Lui)Wi(f sehe Laboratorium in Leipzig, wohin ich mein erstes Modell brachte, bereits eine ansehnliche Verbreitung im In- und Auslande gefunden; ich glaube aber doch nichts Ueberfl\u00fcssiges zu thun, wenn ich den Apparat hier ausf\u00fchrlicher beschreibe und abbilde, weil ich dies \u00fcberhaupt noch nicht gethan, und weil ich mich wiederholt \u00fcberzeugt habe, dass man von manchen \u00bbSeiten weder alle Vortheile, welche der Apparat darbietet, auszunutzen, noch etwaige \u00bbSchwierigkeiten bei seiner Anwendung zu beseitigen verstand.\nDie n\u00e4chste Veranlassung einen Kaninchenkopfhalter zu ersinnen, war f\u00fcr mich der Wunsch die bekannten Versuche \u00fcber die Ver\u00e4nderungen der Gef\u00e4sslumina im Kaninchenohr nach Durchschneidung und Heizung des Halssympathikus, des AT. auricularis magnus u. s. w., sowie die Operationen am Kacken behufs der Blosslegung der Medulla oblongata bequem und elegant vornehmen zu k\u00f6nnen.\nErst nachdem mir die Herstellung des Kopfhalters gelungen war, sah ich. dass derselbe unter allen Umst\u00e4nden \u2014 ausgenommen etwa bei gewissen Operationen im Gesicht \u2014 das beste und einfachste Mit-","page":795},{"file":"p0796.txt","language":"de","ocr_de":"796 Beschreibung einiger Verrichtungen zu physiologischen Zwecken.\ntel zur sichersten Fixirung des Kaninchenkopfes in jeder beliebigen Lage und Stellung sei. und statt des bisher \u00fcblichen eben so l\u00e4stigen als zeitraubenden Bindens ganz allgemein und ausschliesslich in Gebrauch genommen zu werden verdiene.\nMein Kopfhalter, den Dogiel in vergr\u00f6ssertem Maassstabe auch f\u00fcr kleinere Hunde passend ausf\u00fchren liess, besteht aus drei Hauptst\u00fccken. zwei B\u00fcgeln und einem Stift : erstere ergreifen den Kopf, wie eine Zange \u00fcber die Schnauze weg von vorne her. und werden durch das Anziehen einer Schraube gegeneinander gepresst, w\u00e4hrend der Stift hinter den geschlossenen Vorderz\u00e4hnen in querer Lichtung durch den Mund und die Bohrungen der B\u00fcgel geschoben wird, um das Abgleiten der Zange zu verhindern.\nFig. I der beigegebenen Tafel stellt den einen B\u00fcgel dar, dessen vorderes Ende die um eine horizontale Axe auf- und niederschlagbare Schraube (s. mit gefl\u00fcgelter Schraubenmutter \u25a0$\u00bb) tr\u00e4gt, welche zum Zusammenpressen der beiden zangenartig wirkenden B\u00fcgel dient. Am linken Schenkel dieses B\u00fcgels befindet sich ein rechtwinklig angesetzter Zapfen ; : . welcher innen hohl ist; und welchem gerade gegen\u00fcber im rechten Schenkel eine penetrirende Bohrung entspricht, die nach innen i und nach aussen u durch r\u00f6hrenf\u00f6rmige Ans\u00e4tze verl\u00e4ngert wird. Eine nach innen vorstehende r\u00f6hrenf\u00f6rmige Verl\u00e4ngerung. die man bei v hervorragen sieht, li\u00e2t auch die Bohrung des inwendig hohlen Zapfens : .\nFig. 2 ist der andere B\u00fcgel, in dessen Seitenschenkeln genau an derselben Stelle, wo die innern r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Ans\u00e4tze der Bohrungen des ersten B\u00fcgels Fig. 1. i und v sind, je ein Loch r' angebracht ist. von aussen gross und tief genug, um jene Ans\u00e4tze in sich aufnehmen zu k\u00f6nnen, ohne dass sie innen hervorstehen.\nAm linken Schenkel. hinten wo er sich nach unten biegt, ist ein horizontaler, solider Zapfen s', befestigt und nach vorne zweigen sich von den beiden Schenkelenden /,. k' solche Zapfen ab -:2, s:i . Dieser B\u00fcgel bildet keinen geschlossenen Lahmen, wie der erste, sondern klafft nach vorne zwischen den eigentlichen Schenkelenden in Form einer geradlinigen Spalte sp . die zur Aufnahme der Schraube Fig. 1. s bestimmt ist, und die Schenkel des B\u00fcgels federn macht, so dass sie iifs Innere des ersten B\u00fcgels hineingezw\u00e4ngt und mit ihren L\u00f6chern auf die r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Verl\u00e4ngerungen (r, i. Fig. 1) der Bohrungen desselben aufgesetzt werden k\u00f6nnen.\nBeide B\u00fcgel bilden sodann zweiarmige, um eine hohle Axe drehbare Hebel, welche eine Art Zange zusammensetzeii 's. Fig. 3).\nIn die hohle Axe. um die sich beide B\u00fcgel drehen lassen, passt","page":796},{"file":"p0797.txt","language":"de","ocr_de":"Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken, 71)7\nendlich der Stift Fig. 3, st), dessen stumpfe Spitze bis in die H\u00f6hlung des Zapfens :z) reicht, wenn die als Handhabe dienende runde Platte (p, seiner Basis auf den Rand von \u00ab st\u00f6sst.\nAngelegt wird der beschriebene, zangenartige Kopfhalter, indem man ihn ge\u00f6ffnet so weit \u00fcber die Schnauze des Thieres schiebt, dass der Querstab des einen B\u00fcgels (Fig. 3, o) auf die Stirne zu liegen kommt, w\u00e4hrend der Querstab des andern (Fig. 3, u) den Unterkiefer unmittelbar vor jenen H\u00f6ckern ber\u00fchrt, welche am hinteren Ende seines unteren Randes deutlich zu f\u00fchlen sindl).\nW\u00e4hrend man nun mit der linken Hand die Querstangen der B\u00fcgel gegen Stirn und Unterkiefer andr\u00fcckt, schl\u00e4gt man mit der rechten die Schraube (s) in den Spalt [sp] empor, und schraubt die gefl\u00fcgelte Mutter (sm) vorl\u00e4ufig nur so weit herunter, dass sie aus der kreisf\u00f6rmigen Vertiefung auf der obern Fl\u00e4che der den Spalt begrenzenden freien Schenkelenden (\u00c6, h\" nicht mehr herausgleiten kann.\nIst das geschehen, dann f\u00fchrt man \u2014 ohne den Druck mit der Linken aufzugeben \u2014 den Stift st) durch das erste r\u00f6hrenf\u00f6rmige Axenlagcr [a, \u00cf) und hinter den aneinanderschliessenden Nagez\u00e4hnen quer durch den Mund bis endlich die Spitze durch das Loch (v') das zweite Axenlager passirt und in dem hohlen Zapfen sj festsitzt2).\nJetzt bleibt nur noch die Fl\u00fcgelschraube [sm] vollends festzuziehen und die Sache ist bei einiger Uebung in wenigen Secunden getlian.\n1\tIch habe wohl daran gedacht, die mit der Stirn und dem Unterkiefer in Ber\u00fchrung kommenden Querst\u00e4be der B\u00fcgel polstern zu lassen, doch habe ich wegen der notorischen Unempfindlichkeit der Kaninchen bisher keine Veranlassung gehabt die Polsterung ernstlich zu vermissen.\n2\tEine weitere Befestigung des Stiftes als die vermittelst Reibung ist ganz \u00fcberfl\u00fcssig. Ich hatte fr\u00fcher einen Bayonnetverschluss zwischen der R\u00f6hre a und der Basis des Stiftes anbringen lassen, doch bin ich l\u00e4ngst aus mehr als einem Grunde davan abgekommen. Beil\u00e4ufig sei hier bemerkt, dass beim Einschieben des Stiftes das Vorf\u00e4llen der Mundwinkel, der Wangen und Lippen zuweilen recht hinderlich werden kann, selbst wenn man diese Theile an den Haaren aus dem Wege zu ziehen bem\u00fcht ist. Will man dieses Hinderniss von vorne herein beseitigen, so kann man vor Anlegung des Kopfhalters ein dickwandiges Holz-oder Metallr\u00f6hrchen, dessen Enden aus dem Mund beiderseits hervor stehen, hinter die Nagez\u00e4hne einlegen; nat\u00fcrlich geht dann der Stift leicht durch. Die Einlegung eines solchen Holz- oder Metallr\u00f6hrchens ist eine \u2014 meist entbehrliche Bequemlichkeit; sie wird aber zu einer Hothwendigkeit, wenn man sich \u00fcberzeugt , dass, wie es zuweilen vorkommt, die untern Hagez\u00e4hne nicht hoch genug hinter die Obern hinaufreichen und auf dieselben sich st\u00fctzen, so dass der Stift nur wider die untern Z\u00e4hne dr\u00fcckt. In diesem Falle kann es n\u00e4mlich geschehen, dass bei sehr heftigen Befreiungsversuchen des Thieres die untern Z\u00e4hne pl\u00f6tzlich nachgeben und den einfachen Stift ohne Hilfsr\u00f6hrchen durchrutschen lassen 1","page":797},{"file":"p0798.txt","language":"de","ocr_de":"70S Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken.\nNach Anlegung des Kopfhalters muss dieser selbst in bestimmter Lage und Richtung am Yivisectionsbrett befestigt werden, um seine Aufgabe ganz zu erf\u00fcllen.\nHiezu dient eine Gabel mit hohlen Zinken (Fig. 4. g. >\u25a0'). deren Stiel {g. g) durch eine, mit Schraube versehene H\u00fclse (//.) gesteckt wird, die mit einer zweiten Bohrung (h') auf eine am Yivisectionsbrett befestigte Stange passt und ebenfalls durch eine Schraube eingestellt werden kann.\nAn den in Ludwig's Laboratorium in Leipzig gebr\u00e4uchlichen und viel verbreiteten Yivisectionsbrettern ist in der Mitte des, den Kopf-theil desselben \u00fcberragenden Metallb\u00fcgels ein senkrechter Stal) angebracht, den man als Tr\u00e4ger f\u00fcr die H\u00fclse {hr) ben\u00fctzen kann. Ich fand es jedoch vortheilhaft. ja f\u00fcr manche F\u00e4lle, [wie z. B. bei den Operationen im Nacken, unumg\u00e4nglich n\u00f6thig. den Tragstab seitlich an der Ecke des Vivisectionsbrettes zu befestigen (vgl. Fig. 4), damit der Kopf und Nacken des Thieres den obern Brettrand frei \u00fcberr\u00fcge und von allen Seiten zug\u00e4nglich werde.\nDer seitliche Tragstab [t) ist, wie man in Fig. 4 sieht, nur an seinerobern H\u00e4lfte drehrund \u2014 zur Aufnahme der H\u00fclse [h'): seine untere H\u00e4lfte ist dagegen platt und li\u00e2t einen Schlitz, durch den die Fl\u00fcgelschraube [f] geht, die ihn an das, in den Seitenrand des Brettes (./?) eingelassene Eisenpl\u00e4ttchen V) festklemmt.\nIn die erw\u00e4hnten hohlen Zinken V, r) der Gabel ig) passen die Zapfen (3\u201431 und z-\u2014z's) der B\u00fcgel genau hinein: zu ihrer Fixirung daselbst dient die Schraube b . Je nachdem man nun das vordere 32 \u20143:i) oder das seitliche 3\u2014s1) Zapfenpaar der B\u00fcgel des Kopfhalters in die Gabelzinken steckt, hat man, bei der Yerstellbarkeit der H\u00fclsen und des Tragstabes die M\u00f6glichkeit den Kopf in den verschiedensten Lagen und Stellungen sicher zu fixiren.\nIch will hier hinzuf\u00fcgen, dass mir der cbir. Instrumentenmacher Herr 0. Hornn in Leipzig, auf meine Aufforderung folgenden Breiscourant eingesendet hat. Er liefert, exclusive Verpackung :\nI Kaninchenkopfhalter allein f\u00fcr .......................Rtlilr. 4\n1\t-\tmit Gabel ........................-\t7\n1\t-\t- - und Seitentr\u00e4ger ... - s\ni\t-\tcomplet mit Brett.................- In\nSchliesslich noch eine kurze Bemerkung \u00fcber die bequemste Art der sonstigen Befestigung der Thcile der Tliiere (Kaninchen. Hunde etc. an das Yivisectionsbrett. Gew\u00f6hnlich hat das letztere Reihen von L\u00f6chern, durch welche die Faden gesteckt und festgebunden wer-","page":798},{"file":"p0799.txt","language":"de","ocr_de":"Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken.\n799\nden. Statt des Bindens nun pflege ich seit Jahren die Fadenenden, nachdem sie durch bestimmte L\u00f6cher gezogen sind, oder auch direct, vermittelst passend angebrachter Fl\u00fcgelschrauben oder der vortrefflich gearbeiteten Patentschrauben f\u00fcr Kouleauxschn\u00fcre von F. E. Hoffmann in Leipzig einfach festzuklemmen, und kann dieses Verfahren seiner vielen Vortheile wegen auf's angelegentlichste empfehlen.\nII. Das Kardioskop.\nSchon vor einer Keihe von Jahren habe ich angefangen kleine, leichte und leichtbewegliche Spiegelchen in der ausgedehntesten und mannigfaltigsten Weise zu Zwecken der physiologischen Demonstration zu verwenden Sj, weil die von ihnen reflectirten Lichtstrahlen bekanntlich absolut gewichtlose und beliebig zu ver\u00e4ndernde F\u00fclilhebel darstellen, welche die kleinsten, dem Spiegelchen mitgetheilten Bewegungen fast in's Unbegrenzte vergr\u00fcssern und einer unbegrenzten Menge von Zuschauern gleichzeitig wahrnehmbar machen k\u00f6nnen.\nSo pflege ich allj\u00e4hrlich meinen Sch\u00fclern den Rhythmus der Herzbewegung am ausgeschnittenen Froschherzen vermittelst zweier Spiegelchen, welche durch die Sonne oder eine starke der Laterna magica \u00e4hnliche Lichtquelle beleuchtet werden und mit den pulsirenden Herzabschnitten in Ber\u00fchrung stellen, zu demonstriren.\nUm diese ebenso zierliche als wirklich lehrreiche Demonstration\n\u2014\tlehrreich, weil durch die dabei erzielte Vergr\u00f6sserung der Bewegung, der Rhythmus der Herzaction viel leichter und besser aufzufassen ist, als bei unmittelbarer Betrachtung des kleinen Froschherzens\n\u2014\tmit aller Bequemlichkeit und Exactheit vorzunehmen, habe ich eine besondere Vorrichtung eonstruirt, welche ich hier unter dem Namen : \u00bbKardioskop\u00ab beschreiben und allen Lehrern der Experimental-Phy-siologie zur Benutzung empfehlen will.\nFig. 5 giebt eine Vorstellung vom Kardioskop.\nJedes der beiden quadratischen Spiegelchen (s, s') \u2014 wozu sicli planparallele, versilberte Deckgl\u00e4schen sehr gut eignen w\u00fcrden \u2014 ist auf eine d\u00fcnne, niedrige Messingplatte (m, m) mit dem unteren Tlieile seiner Hinterfl\u00e4che aufgekittet, welche Platte auf ihrer R\u00fcckseite, hier nat\u00fcrlich nicht sichtbar, eine federnde Oese tr\u00e4gt. Das Spiegelchen {s\"j ist nur mit punktirten Linien angegeben, weil es sonst die dahinter befindlichen Tlieile verdecken w\u00fcrde.\nDie erw\u00e4hnte Oese steckt auf einem d\u00fcnnen, runden St\u00e4bchen\n1 Yergl. Czermak: Mittlieiluiigeu aus dem physiol. Privatlaboratorium. Wien, 1564, S. 7(i \u2014 und oben S. T36.","page":799},{"file":"p0800.txt","language":"de","ocr_de":"S(JO Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken.\nn. n), welches senkrecht an einem H\u00e4lschen h, h') sitzt, das auf eine zwischen Spitzen gehende horizontale Axe [a. a) aufgeschoben ist. Die Axenlager werden durch messingene Tr\u00e4ger [g, g') gehalten, welche nahe am vordem Rande eines polirten Brettchens B in gerader Linie nebeneinander eingelassen sind. In dem Brettchen, hinter den Tr\u00e4gern, ist eine breite Furche (F) ausgestemmt, in welcher ein Schieber |.S) gleitet, auf dem senkrecht eine metallene Tragstange (T) steht.\nDiese Stange tr\u00e4gt vermittelst der federnden Hiilse [II) eine horizontale Glas- oder Metallplatte [P\\ die zur Unterlage des pulsirenden Froschherzens bestimmt ist, und vorher etwas erw\u00e4rmt und mit Serum befeuchtet werden kann.\nZur Uebertragung der rhythmischen Bewegungen der beiden Herzabschnitte A und F, auf die Spiegelchen. ist an jeder Axe [u, \u00ab') und senkrecht zu derselben eine Madel d, d', befestigt, deren Spitze ein plattes Korkst\u00fcckchen (o, o') tr\u00e4gt.\nMan stellt nun die Vorrichtung, wie es die Abbildung zeigt, so ein, dass das eine Korkpl\u00e4ttchen [o] auf die Kammer (Aj, das andere (o') auf die Vorkammer (F) des Herzens zu liegen kommt.\nBei jeder Systole muss nun das Korkpl\u00e4ttchen und das in ihm steckende Nadelende gehoben werden, und in Folge dessen neigt sich, das betreffende Spiegelchen nach vorn: umgekehrt bei der Diastole.\nJetzt hat man nur noch die Spiegelchen so einzustellen, dass sie ein und derselbe Strahlenkegel beleuchtet und die rellectirten Lichtbilder. etwa in der Gr\u00f6sse, wie uns die Mondscheibe erscheint, neben oder \u00fcbereinander auf eine entfernte weis\u00bb Wand fallen.\nBeides ist leicht zu erreichen, indem einerseits die Spiegelchen durch Verschieben und Drehen des H\u00e4lschens Ol, K) auf den Axen [a. a) einander gen\u00e4hert und unter beliebigen Winkeln gegen den Horizont geneigt, durch Drehungen um die St\u00e4bchen n, n') aber mit ihren Reflexionsebenen parallel oder nicht parallel gestellt werden k\u00f6nnen : anderseits aber durch Vergr\u00fcsserung des Divergenz winkeis der Lichtstrahlen und der Entfernung der auffangenden Wand von den Spiegelchen jede beliebige, Gr\u00f6sse der Spiegelbildchen zu erzielen ist.\nIn Fig. (> habe ich die ganze Anordnung der Demonstration bei k\u00fcnstlicher Beleuchtung skizzirt.\nBei B erkennt man die einer Laterna magica \u00e4hnliche Beleuchtungsvorrichtung , bei C das Kardioskop, unverh\u00e4ltnissm\u00e4ssig gross und im Profil gezeichnet, um die Stellung der Spiegelchen, die Lage der Nadeln mit den Korkpl\u00e4ttchen auf den Herzabschnitten und den (Ring der Lichtstrahlen deutlich sichtbar zu machen.","page":800},{"file":"p0801.txt","language":"de","ocr_de":"Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken. S(l I\nZur Vermehrung der Deutlichkeit sind \u00fcberdies punktirte und ausgezogene Linien in der Zeichnung verwendet worden, und die Herzkammer wurde im Moment der Systole gezeichnet, um die Kammer \u00fcber die, im Zustande der Diastole abgeplattete Vorkammer hinweg, sammt Korkpl\u00e4ttchen und Nadel recht deutlich sichtbar werden zu lassen.\nDie Nadel, das Spiegelchen, ;die auffallenden und die reflectirten Lichtstrahlen, welche mit der Vorkammer in Beziehung stehen, sind mit ausgezogenen, dieselben Gegenst\u00e4nde, welche der Kammer entsprechen, sind, wie man sieht, mit punktirten Linien gezeichnet.\nT ist eine mit weissem Papier \u00fcberzogene grosse Tafel, auf welcher die mondscheibenartigen Spiegelbilder in einer senkrechten Linie \u00fcbereinander aufgefangen werden. Das obere Bild entspricht der Vorkammer und nimmt augenblicklich seine h\u00f6chste Stellung, die Ruhestellung f\u00fcr die Diastole ein, w\u00e4hrend das untere der Kammer entspricht, und seine tiefste Stellung \u2014 die Stellung f\u00fcr das Maximum der Systole einnimmt.\nGenau auf die beschriebene und dargestellte Weise habe ich im Laufe eines am 9. Januar 1567 im akademischen Rosensaale zu Jena abgehaltenen popul\u00e4ren Vortrags einem Publikum von vielleicht 300 Personen den Rhythmus des pulsirenden Froschherzens mit dem besten Erfolge demonstrirt.\nDa ich eben von einer Demonstration zur Erl\u00e4uterung der Physiologie des Herzens gesprochen, kann ich mir nicht versagen, schliesslich noch der einfachen Hilfsmittel zu gedenken, welcher ich mich bediene, um einen andern Gegenstand der Physiologie des Herzens \u2014 n\u00e4mlich das Spiel und den Mechanismus der Herzklappen \u2014 zu zeigen und anschaulich zu erl\u00e4utern.\nIch binde zu diesem Ende zwei Trichter aus Weissblech in s Herz ein; den einen, unten weiteren, in die (rechte, Vorkammer, unmittelbar oberhalb der Atrioventricular-Klappen, den anderen, unten engeren, in die Pulmonal- Arterie, ein St\u00fcckchen \u00fcber den Semilunarklappen. Die Trichter sind mit Henkeln versehen und auf den einander zugekehrten Seiten abgeplattet, damit man sie bequem neben einander halten und in beide gleichzeitig hineinsehen kann.\nDie R\u00e4nder ihrer unteren Enden, welche in\u2019s Herz eingebunden werden, sind aufgewulstet, um das Abrutschen des Fadens zu verh\u00fcten. H\u00e4lt man einem Beobachter die Trichter unter die Augen und f\u00fcllt man das Herz durch den Vorkammertrichter mit Wasser r oll, so\n51\nCzermak, Schriften.","page":801},{"file":"p0802.txt","language":"de","ocr_de":"SO 2\nBeschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken.\nsieht derselbe, wie s\u00e4mmtliche Klappen zu flottiren beginnen : presst man dann das an den Trichtern herabh\u00e4ngende Herz in rhythmischer Folge mit der Hand zusammen, so sieht der Beobachter das abwechselnde Spiel der Klappen, und bemerkt zugleich wie das Wasser aus dem Kammertrichter constant in den Arterientrichter gef\u00f6rdert wird, und sich daselbst ansammelt.\nSteckt man nun durch den wieder entleerten Arterientrichter in seine untere Oeffnung einen gutsehliessenden Kork, in dessen Bohrung eine Glasr\u00f6hre mit angesetztem engen Kautschukrohr befestigt ist. so spritzt das neuerdings in die Kammer gef\u00fcllte Wasser, wie das Blut aus einer verletzten Arterie, rhythmisch und in weitem Bogen aus letzterem hervor, \u2014 und dirigirt man den Wasserstrahl schliesslich in den Vorkammertrichter, so hat man das einfachste Kreislaufschema von der Welt.\nDa jedoch die Klappen bei dem Trichterversuch nur unter einem sehr geringen Druck arbeiten, so sind sie selbstverst\u00e4ndlich lange nicht gespannt genug und spielen nur mit verli\u00e4ltnissm\u00e4ssiger Lahmheit. die ihnen w\u00e4hrend ihrer lebendigen Th\u00e4tigkeit gewiss nicht eigen ist.\nUm bei unserer anspruchslosen Demonstration die wirklichen Verh\u00e4ltnisse m\u00f6glichst genau nachzuahmen, und ihr den Werth und die Bedeutung eines wissenschaftlichen Versuches zu geben, m\u00fcssten die Trichter an den weiten M\u00fcndungen mit dicken Glasplatten fest verschlossen. und irgendwo an den Seitenw\u00e4nden mit r\u00f6hrenf\u00f6rmigen Ans\u00e4tzen versehen werden, welche zur Befestigung eines Zu- und eines Abflussrohres (ersteres f\u00fcr den Kammer-, letzteres f\u00fcr den Arterientrichter zu dienen h\u00e4tten.\nDenn dann w\u00e4re es begreiflicher Weise leicht, in dem mit Wasser vollst\u00e4ndig erf\u00fcllten Apparat einen der Blutspannung entsprechenden Druck herzustellen und, abgesehen von den untergeordneten Demonstrationszwecken, die wichtigsten Funkte der Theorie der Mechanik des Klappenscliltisses exact zu pr\u00fcfen und wissenschaftlich zu erledigen.\nDie vorl\u00e4ufigen Versuche, welche ich in dieser Richtung unter Anwendung von zwei rechtwinkelig geknickten weiten Metallr\u00f6hren, an deren Knickungsstellen grosse iSpiegelgbisseheiben solid eingekittet waren. schon vor langer Zeit angestellt habe, bestimmen mich. wie ich hier betonen will. diesen interessanten Gegenstand bei n\u00e4chster Gelegenheit endlich wieder aufzunehmen und zum Abschluss zu bringen.","page":802}],"identifier":"lit16208","issued":"1879","language":"de","pages":"795-802","startpages":"795","title":"Beschreibung einiger Vorrichtungen zu physiologischen Zwecken","type":"Book Section","volume":"1(2)"},"revision":0,"updated":"2022-01-31T14:18:25.258026+00:00"}
